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Walnussverzehr wirkt günstig auf Darmflora

Regelmäßiger Walnusskonsum (täglich 43 g über 8 Wochen) verbessert nicht nur den Cholesterinspiegel im Blut, sondern auch die Darmflora. Zu diesem Resultat kommt eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Parhofer. In der prospektiven, randomisierten Walnuss-Studie, deren Resultate kürzlich in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht wurden, konnte gezeigt werden, dass unter regelmäßigem Walnussverzehr mehr probiotische und Buttersäure produzierende Bakterien im Stuhl nachweisbar sind.

Es sei bekannt, dass die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf die Gesundheit des Menschen hat, erklärt Parhofer. Ausserdem wisse man, dass die Ernährung die Darmflora, das Mikrobiom, beeinflussen kann.
In der Studie konnte nun gezeigt werden, dass regelmäßiger Walnussverzehr Bakterien begünstigt, die mit weniger Übergewicht und weniger Zuckerkrankheit verknüpft sind.

Schon in den vorausgegangenen Walnuss-Studien konnte ein positiver gesundheitlicher Effekt durch Walnüsse bestätigt werden. Bereits 43 g/Tag verbessern den Fettstoffwechsel und reduzieren das schlechte Cholesterin nachweislich um ca. 5%. Dieser Effekt ist unabhängig davon, ob man bei der Ernährung Fette oder Kohlenhydrate anstelle der Walnüsse weglässt. Somit konnte mit der Studie belegt werden, dass alleinig der Walnussverzehr der ausschlaggebende Faktor für den günstigen Effekt auf den Cholesterinspiegel ist.

Quelle:
https://www.journalmed.de/news/anzeigen/Walnussverzehr_wirkt_sich_guenstig_auf_das_Mikrobiom_aus

Klinikum der Universität München (LMU)
Originalpublikation:
Bamberger C, Rossmeir A, Lechner K et al.
A Walnut-Enriched Diet Affects Gut Microbiome in Healthy Caucasian Subjects: A Randomized, Controlled Trial.
Nutrients 2018;10(2).pii:E244. doi:10.3390/nu10020244.

Kommentar & Ergänzung:

Eine ganze Reihe von Studien zeigt positive Einflüsse von Walnüssen auf verschiedene Bereiche der Gesundheit. Allerdings sind die dabei verwendeten Mengen oft ziemlich hoch. Täglich über viele Wochen oder Monate 43 g Walnüsse zu essen ist nicht jedermanns Sache.
Mit ihrem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Walnüsse aber auch einfach ein gesunder Bestanteil einer vielfältigen Ernährung.

Interessant an der Studie aus der LMU München ist der Zusammenhang zwischen den positiven Effekten und der Beeinflussung der Darmflora.

Siehe auch:

Zeugungsfähigkeit: Walnüsse verbessern Spermienqualität

Walnüsse reduzieren Stress bei Blutdruckspitzen

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: Unterschiedliche günstige Effekte

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

Benefiber (Novartis) ist ein Präparat, das als Mittel gegen Verstopfung in Spital und Pflegeheim ziemlich verbreitet ist. Welche pflanzlichen Inhaltsstoffe in Benefiber für die Wirksamkeit verantwortlich sind, ist aber vielen Verwenderinnen und Verwendern nicht bekannt.

Benefiber besteht aus Guar.

Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden.

Welche Wirkung ist von Guar / Benefiber zu erwarten?

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) quilt im Darm zusammen mit Wasser und verzögert die Aufnahme von Kohlenhydraten. Es wird zur Therapie der Obstipation (Verstopfung) sowie als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus eingesetzt, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Guar ist ein Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht. So kommt es zu einer verzögerten Magenentleerung und im Dünndarm zu einer Verlangsamung der Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen hauptsächlich beim Diabetiker zu tieferen postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht vermindert.

Guar wirkt zudem lipidsenkend: Das Plasma-Gesamtcholesterin und die Triglyzeride sinken, auf das HDL-Cholesterin ist kein Effekt vorhanden, während LDL abnimmt.

Darüber hinaus wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche für Guar:

– Obstipation

– Begleitbehandlung beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu vermindern. Weil die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch vermindert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen wie Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl, Magendruck und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Benefiber ( = teilhydrolisiertes Guarkernmehl) ist es frei verkäuflich, wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und vor allem gegen Verstopfung eingesetzt.

P. S. : Das ist kein bezahlter Benefiber-Werbetext und ich stehe auch nicht auf einer Novartis-Lohnliste. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil mir aufgefallen ist, dass viele Anwender von Benefiber in Pflegeheimen, Spitälern etc. nicht Bescheid wissen über die pflanzliche Zusammensetzung.

Dieser Blog ist werbefrei, wenn man von meinen eigenen Kursangeboten absieht!

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirkung von Glaubersalz (Natriumsulfat / Natrium sulfuricum)

Glaubersalz (Natriumsulfat, Natrium sulfuricum, Na2SO4 ) wurde 1625 von dem Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber als Bestandteil von Mineralwasser entdeckt und beschrieben.

Glaubersalz ist ein salinisches Abführmittel.

Es hält osmotisch Wasser im Darm zurück und steigert so den Flüssigkeitsanteil im Stuhl. Durch das vergrösserte Volumen wird der Entleerungsreiz ausgelöst.

Medizinisch wird Glaubersalz nur noch selten angewendet, doch ist es durchaus effektiv zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung und zur kompletten Darmentleerung vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen.

In der Alternativmedizin kommt Glaubersalz oft beim sogenannten Heilfasten zur Anwendung und soll zur Entschlackung beitragen.

Diese Vorstellung ist allerdings irreführend. Der Begriff Schlacke beschreibt einen Verbrennungsrückstand. Solche Rückstände im menschlichen Körper nicht an. Schlacke ist ein Abfallprodukt der Erzverhüttung. Im menschlichen Organismus entgiften Leber und Nieren die im Rahmen der Stoffwechselvorgänge anfallenden Substanzen. Eine Ablagerung von Schlacken ist im menschlichen Körper nicht nachweisbar und niemand hat bisher konkret sagen und zeigen können, woraus diese Schlacken bestehen sollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

„Karriere“ gemacht hat Glaubersalz in letzter Zeit allerdings vor allem als Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum. Wie bei Schüssler Salzen üblich wird Glaubersalz unter ritueller Verreibung 1 : 1 Million mal gestreckt mit einer Trägersubstanz und dann für eine grosse Zahl von Krankheiten empfohlen.

Für Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum wird zum Beispiel genannt:

Abstillen, Akne, Angespanntheit, Appendicitis chronica, Aszites, Aufgedunsenes, Gesicht, Aufgeschwemmtheit, Ausdauer, Ausleitung, Ausscheidungsgastritis, Authentizität, Beharrlichkeit, Belastungs-Inkontinenz, Beliebtheit, Besserwisserei, Bewegungsmangel, Blasenschwäche, Blockierung, Brechdurchfall, Cellulite, Cholangitis, Cholelithiasis, Cholezystitis, Chronische Blinddarmentzündung, Chronische Hepatitis, Chronische Leberentzündung, Cluster-Kopfschmerz, Commotio, Darmträgheit, Denkblockade, Desinteresse, Diabetes, Diabetischer Fuss, Diarrhoe, Dogmatismus, Drehschwindel, Drüsenschwellung, Durchfall, Durstmangel, Dyspepsie, Eigenverantwortung, Eitriger Hautausschlag, Eklampsie, Emphysem, Entscheidungsschwäche, Erbrechen, Erfrierung, Ernährungsfehler, Fanatismus, Fersenschmerz, Fettleber, Fettstoffwechselstörung, Fokalgeschehen, Gallenblasenentzündung, Gallengriess, Gallenschwäche, Gallenstauung, Gallenstauung, Gallensteine, Gallenwegsentzündung, Gebärmutterrückbildung nach der Geburt, Gehirnerschütterung, Gelbsucht, Gelenk-Knacken, Gerechtigkeitssinn, Geschwollene Füsse, Geschwollene Hände, Geschwulst, Glaukom, Gleichgewichtsstörungen, Grippe, Grüner Star, Harninkontinenz, Harnträufeln, Harnverhaltung, Hautauswüchse, Hautjucken, Hautwucherungen, Hepatitis, Herd-Entzündungen, Herzensgüte, Herzlichkeit, Heuschnupfen, Hohe Cholesterinwerte, Hyperhidrosis, Hühneraugen, Ikterus, Infektiöse Mononukleose, Inkontinenz, Juckreiz, Knieschmerzen, Kollaps, Kopfschuppen, Kreislaufkollaps, Lebenskraft, Leberentzündung, Leberflecken, Leberschwäche, Leukämie, Lippen-Herpes, Lippenbläschen, Lymphangitis, Lymphgefässentzündung, Magen-Darm-Grippe, Mallorca-Akne, Mattigkeit, Meniskus-Schwäche, Missmut, Missstimmung, Morbus Meniere, Nasenröte, Nebenniereninsuffizienz, Neurodermitis, Nieren-Kopfschmerzen, Nierenbeckenentzündung, Nierengriess, Nierenschwäche, Norovirus-Infektion, Obstipation, Pfeiffersches Drüsenfieber, Pfortaderstauung, Phlebitis, Pickel, Pigmentflecke, Polyarthritis, Portale Hypertension, Pruritus, Psoriasis, Pusteln, Pyelonephritis, Rechthaberei, Rheuma, Roemheld-Syndrom, Rote Nase, Salmonellen-Infektion, Sauerstoffmangel, Schlecht heilende Wunden, Schnupfen, Schuppenflechte, Schwangerschaftskopfschmerzen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwindel, Schwitzen, Schädel-Hirn-Trauma, Selbstversorgung, Sodbrennen, Sonnen-Empfindlichkeit, Sonnenallergie, Spröde Haare, Stabilität, Stauungsgastritis, Stauungsleber, Steinleiden, Stoffwechselschwäche, Thrombophlebitis, Trägheit, Tränende Augen, Tränenfluss, Tumor, Ulcus cruris, Unterschenkelgeschwür, Verdauungsbeschwerden, Verdriesslichkeit, Verstopfung, Wachsamkeit, Wasserbauch, Wassereinlagerungen, Wucherungen, Xanthelasmen, Zuckerkrankheit, Zuckerstoffwechsel, Zurückhaltung, Zusammenbruch, Ödeme, Übelkeit, Überdruss, Übergewicht, Überheblichkeit.

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/natrium-sulfuricum.htm

Diese sehr umfangreiche und heterogene Liste zeigt sehr schön, wie ein ausgesprochen einfaches, billiges Mittel wie Natriumsulfat mit Heilungsvorstellungen aufgeladen wird.

Für keine dieser Heilungsversprechungen gibt es auch nur den Hauch eines Beleges. Wir haben es mit reinen Behauptungen zu tun.

Die Liste zeigt auch eine Stärke von Komplementärmedizin und Alternativmedizin, die für wirklich jede psychische oder körperliche Lebenslage eine ganze Auswahl an Heilmitteln anbieten. Von Missmut über Schweissausbrüche bis zum Zusammenbruch und zum Tumor. Das nennt sich dann Ganzheitlichkeit – ist aber in Wirklichkeit eine Medikalisierung aller Lebenslagen.

Siehe auch:

Fragwürdige Ganzheitliche Medizin

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) ist ein pflanzliches Arzneimittel, das im Darm zusammen mit Wasser quillt und die Aufnahme von Kohlenhydraten verlangsamt. Es wird zur Behandlung von Obstipation (Verstopfung) und als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus angewendet, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Es handelt sich bei Guar um einen Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht.

Das bewirkt eine Verzögerung der Magenentleerung, im Dünndarm kommt es verlangsamt zur Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen vor allem beim Diabetiker zu geringeren postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht reduziert.

Guar wirkt auch lipidsenkend: Abnahme des Plasma-Gesamtcholesterins und der Triglizeride, kein Effekt auf das HDL-Cholesterin, LDL nimmt ab.

Ausserdem wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche:

– Verstopfung

– Begleittherapie beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu reduzieren. Da die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch reduziert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen: Blähungen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Nahrungsergänzungsmittel mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl: Benefiber (Novartis).

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Pflanzenheilkunde: Frauenmantel hilft bei……..

Auf einer Website, die sich als „Familen-Hilfe“ bezeichnet, finde ich folgendes zum Frauenmantel:

„ Frauenmantel hilft bei

Eiterung, Wunden, Stichwunden – Auflage von Frauenmantel Kräuterbrei-, Impotenz, Menstruationsbeschwerden, Schlafstörungen, Wechseljahre, Blasenschwäche, Eierstockentzündung, Epilepsie, Gebärmuttererkrankung, Frauenleiden, alle typischen Frauenkrankheiten, stärkt die Beckenmuskulatur der Frau und wurde in der Volksmedizin als Kuranwendung über 6 Wochen vor der Geburt eingesetzt, zur äußerliche Heilanwendung um so eventuell entstandenen Verletzungen entgegenzuwirken und den Uterus zu reinigen, bewährt als Mittel zur Muskelstärkung bei Kleinkindern und wird dem Badewasser zugesetzt, Frauenmantel regt die Drüsentätigkeit an und findet deshalb Anwendung bei Zuckerkrankheit und Erkrankung der Schilddrüse, bei Rheuma und Gicht wird Frauenmantel unterstützend angewendet.“

Quelle:

http://www.familien-hilfe.com/heil-gewuerzpflanzen.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein Beispiel für Indikationslyrik.

Hier wird offensichtlich ohne jede Prüfung alles aufgeführt, was irgendwie an Geschichten zum Frauenmantel gerade zu finden war.

Das ist fürchterlich unseriös. Es gibt beispielsweise keinerlei auch nur einigermassen glaubwürdige Hinweise auf eine Wirkung von Frauenmantel bei Schlafstörungen, Impotenz, Blasenschwäche, Epilepsie, zur Muskelstärkung bei Kleinkindern, bei Zuckerkrankheit, Schilddrüsenerkrankung, Rheuma und Gicht.

Darf man Patientinnen und Patienten so täuschen?

Es ist mir wichtig, dass Leserinnen und Leser wissen, wie viele höchst fragwürdige Behauptungen im Internet (und in Büchern) auch im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin kursieren . Wenn 5% der Informationen in diesem Bereich einigermassen fundiert sind, dann ist das schon viel……..

Ich selber prüfe alle Informationen über Wirkungen von Heilpflanzen mit viel Aufwand und sehr kritisch, bevor ich sie in Kursen oder Lehrgängen weitergebe. Das bin ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schuldig.

Und ich finde es zentral,  ihnen auch die Fähigkeiten zu vermitteln, wie sie Informationen – auch meine – überprüfen können.

Dazu ist es vor allem wichtig zu lernen, wie man Aussagen und Behauptungen in Frage stellt.

Im obigen Text zum Frauenmantel fallen zum Beispiel noch einige sehr unpräzise Aussagen auf:

Frauenmantel soll bei Schilddrüsenerkrankungen helfen. Es gibt aber sehr verschiedene Schilddrüsenerkrankungen. Hilft Frauenmantel einfach bei allen, egal welche Ursache ihnen zugrunde liegt? Kaum denkbar.

Ebenso bei Gebärmuttererkrankungen. Frauenmantel hilft bei allen verschiedenen Gebärmuttererkrankungen? Höchst unwahrscheinlich. Derart unpräzise, schwammige und pauschale Aussagen sind immer ein Warnsignal.

Und dann folgen noch pauschaler „Frauenleiden“ und „alle typischen Frauenkrankheiten“.

Man tut der Pflanzenheilkunde (und den Patientinnen und Patienten) keinen Gefallen, wenn man solch wahllose Indikationslyrik betreibt. Und es ist auch nicht seriös, einfach ungeprüft Aussagen aus alten Kräuterbüchern abzuschreiben. Denn Tradition hat nicht immer Recht.

Siehe:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Die Aufgabe von Fachleuten ist es, eine Heilpflanze immer wieder auf ihre „Kernkompetenz“ hin zu „befragen“. Dabei nimmt die Anzahl der empfohlenen Anwendungsbereiche zwar ab, die Relevanz der übrig bleibenden Anwendungsbereiche aber zu.

Schauen Sie sich mal das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie nicht einfach alle Informationen in diesem Bereich blind übernehmen, sondern sich eine eigene fundierte Meinung bilden wollen.

Oder lernen Sie die Kriterien kennen, mit denen man sich im unübersichtlichen Bereich der Komplementärmedizin zurecht finden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Schüssler-Salz Nr. 8, Natrium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Das Schüssler-Salz Nr. 8,  Natrium chloratum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abgrenzung, Abmagerung, Abschottung, Afterbluten, Afterjucken, Afterriss, Albträume, Allergien, Amalgamvergiftung, Analekzem, Analfissuren, Anazidität, Antriebsschwäche, Anämie, Appetitlosigkeit, Arbeitsscheu, Arthrose, Asthma, Aszites, Atemnot, Aufgedunsenes Gesicht, Aufgeschwemmtheit, Aufgesprungene Lippen, Ausdauer, Ausleitung, Bandscheibenschäden, Bandscheibenvorfall, Beharrlichkeit, Beleidigtsein, Bindegewebsschwäche, Blasenschmerzen, Bleiches Gesicht, Blutarmut, Bluthochdruck, Blutvergiftung, Brechdurchfall, Brennen beim Wasserlassen, Bronchialasthma, Brustfellentzündung, COPD, Cellulite, Cholesteatom, Chronische Bronchitis, Darmatonie, Darmerschlaffung, Darmträgheit, Desinteresse, Diarrhoe, Distanziertheit, Durchfall, Durchsetzungskraft, Durstmangel, Eigenbrötlertum, Eigenverantwortung, Einsamkeit, Einsiedlerdasein, Entgiftung, Enttäuschung, Erbrechen, Erinnerungsvermögen, Ernsthaftigkeit, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fehlgeburt Vorbeugung, Fissuren, Fliess-Schnupfen, Frieren, Frostempfindlichkeit, Frühjahrskur, Frühjahrsmüdigkeit, Fussgelenks-Schmerzen, Gastritis, Gastroduodenitis, Geistesstörung, Geistige Frische, Gekränktsein, Gelenk-Knacken, Gelenkrheumatismus, Gereiztheit, Geschwollene Füsse, Gicht, Glomerulonephritis, Grübeln, Gürtelrose, Halskitzeln, Haltungsschwäche, Harnbrennen, Hass, Hautausschlag, Heimweh, Heisshunger auf Salziges, Herpes, Herpes Zoster, Heuschnupfen, Hiatushernie, Hinfälligkeit, Hitzeprobleme, Hitzschlag, Hoffnungslosigkeit, Husten, Hyperhidrosis, Hypertonie, Insektenstiche, Isolierung, Kalte Füsse, Kalte Hände, Kapillarblutungen, Kehlkopfentzündung, Knorpel-Aufbau, Knorpel-Entzündung, Knöchelknacken, Kollaps, Konzentrationsfähigkeit, Kopfschmerzen, Kopfschuppen, Kreislaufkollaps, Kälteempfindlichkeit, Laryngitis, Lauf-Schnupfen, Leichte Verbrennungen, Lippen-Risse, Lippenbläschen, Magen-Darm-Entzündung, Magen-Darm-Grippe, Magengeschwür, Magenschleimhautentzündung, Magensäuremangel, Mallorca-Akne, Mangelnde Milchbildung, Migräne, Migräne-Sehstörungen, Migräne-Übelkeit, Mitesser, Morgenmuffel, Mundgeschwür, Muskelriss, Mut, Mückenstiche, Nebenhöhlenentzündung, Nebenniereninsuffizienz, Nervenschwäche, Nervosität, Nesselsucht, Neurasthenie, Nierenentzündung, Norovirus-Infektion, Obstipation, Ohren-Ekzem, Osteochondrose, Perlgeschwulst, Pessimismus, Petechien, Pubertätsprobleme, Quecksilbervergiftung, Raue Haut, Reflux, Refluxösophagitis, Reisekrankheit, Reizbarkeit, Reserviertheit, Rhagaden, Rhinitis, Rippenfellentzündung, Rissige Haut, Salmonellen-Infektion, Schlaffes Gewebe, Schnupfen, Schreibkrampf, Schrunden, Schwache Gelenke, Schwangerschafts-Übelkeit, Schwangerschaftserbrechen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwermetallvergiftung, Schwitzen, Selbsthass, Selbstkritik, Selbstmitleid, Selbstvorwürfe, Sinusitis, Sodbrennen, Sonnen-Empfindlichkeit, Sonnenallergie, Sonnenstich, Speichelfluss, Sprachfehler, Sprechen lernen, Starrsinn, Stottern, Ständiger Harndrang, Teilnahmslosigkeit, Trauer, Trockene Schleimhäute, Trockenes Auge, Trägheit, Tränende Augen, Tränenfluss, Ulcus cruris, Unglücklichsein, Unterschenkelgeschwür, Urtikaria, Verbissenheit, Verdriesslichkeit, Vereinsamung, Vergesslichkeit, Verkalkung, Verletzlichkeit, Verletztsein, Verschlossenheit, Verstopfung, Verzeihen, Verzweiflung, Wasserbauch, Wassereinlagerungen, Widerwillen, Willensstärke, Wortkargheit, Wundsein, Wut, Zahnschmerzen, Zehen-Kribbeln, Zehen-Taubheit, Zerschlagenheitsgefühl, Zerstreutheit, Zuckerkrankheit, Zuckerstoffwechsel, Zukunftsängste, Zungenbelag, Zungenbläschen, Zwerchfellbruch, Zwölffingerdarmentzündung, Zwölffingerdarmgeschwür, Ärgerlichkeit, Ödeme, Übelkeit.“

http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/natrium-chloratum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma.

Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist.

4. Natrium chloratum ist Kochsalz. Natrium chloratum D6 ist Kochsalz 1 : 1 000 000 mal verdünnt. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Natrium chloratum D6 gegen Bluthochdruck (Hypertonie), Geistesstörung, Trägheit, Verbissenheit, Afterbluten, Arbeitsscheu und Fehlgeburt wirkt.

5. Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten und in einer Fachzeitschrift publizierten Behandlungsverläufen? Das wäre ein übliches Vorgehen. Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unserer Zeit.

8. Kochsalz ist ja in unserer Nahrung überreichlich vorhanden. Wie unterscheidet der Organismus genau zwischen dem teuren Natriumchlorid aus dem Schüssler-Salz Nr. 8 und dem fast kostenlosen Natriumchlorid in der Nahrung?

9. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Nr. 2, Calcium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Schüsslersalze – Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

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Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Das Schüssler-Salz Nr. 7,  Magnesium phosphoricum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abduktionskontraktur, Abgekämpftsein, Adduktionskontraktur, Adnexitis, Aggressivität, Altersjucken, Amyloidose, Analekzem, Angespanntheit, Angina Abdominalis, Angina Pectoris, Anpassungsfähigkeit, Apoplex, Arbeitsscheu, Arteriosklerose, Asthma, Atemnot, Aufbaumittel, Aufheiterung, Aufregung, Augenflattern, Augenzittern, Augenzwinkern, Ausdauer, Bandscheibenvorfall, Bedrückung, Beeinflussbarkeit, Beengungsgefühl, Begeisterungsfähigkeit, Belastbarkeit, Beruhigung, Beugekontraktur, Blasenkrämpfe, Blasenschmerzen, Bluthochdruck, Blähungen, Bronchialasthma, Bulimie, COPD, Cholesterinspiegel-Senkung, Chronische Bronchitis, Claudicatio Intermittens, Darmträgheit, Dauerstress, Depressionen, Depressive Verstimmung, Diabetes, Drüsenschwellung, Duseligkeit, Dysmenorrhoe, Eierstockentzündung, Eileiterentzündung, Eileiterentzündung, Einsiedler, Empfindsamkeit, Entropium, Entspannung, Entwöhnung, Epilepsie, Erfrischung, Erinnerungsvermögen, Ernährungsfehler, Erregbarkeit, Erschöpfung, Essstörung, Esssucht, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fettleber, Flatulenz, Flexibilität, Flexionskontraktur, Flugangst, Freude, Gallenkolik, Gallenstauung, Geborgenheit, Gehörgangsentzündung, Geistesarbeit, Geistige Beweglichkeit, Geistige Frische, Gelbkörperhormon-Mangel, Gelenkkontraktur, Gelenkversteifung, Geschwätzigkeit, Gesichtsmuskel-Krämpfe, Gesichtszucken, Gewebe-Straffung, Gleichgewichtsstörungen, Globussyndrom, Grosszehen-Schiefstand, Gänsehaut, Gürtelrose, Hallux valgus, Harmonie, Harnverhaltung, Harnverhaltung, Haut-Straffung, Hautjucken, Heisshunger nach Süssigkeiten, Herpes Zoster, Herz-Enge, Heuschnupfen, Hexenschuss, Hyperhidrosis, Hypertonie, Hyperästhesie, Hämorrhoiden, Händezittern, Initiative, Ischias, Juckende Fusssohlen, Juckreiz, Kapillar-Verkrampfung, Kapillarblutungen, Keuchhusten, Kiefersperre, Kloss im Hals, Koliken, Kollaps, Kontraktur, Kopfkongestion, Kopfschmerzen, Koronarinsuffizienz, Krampfhusten, Kreativität, Kreislaufkollaps, Kropf, Labilität, Lampenfieber, Lebensfreude, Lebenslust, Leichtgläubigkeit, Lerneifer, Lichtempfindlichkeit, Lupus Erythematodes, Magenkolik, Magenkrämpfe, Meteorismus, Missmut, Muskelkontraktur, Myringitis, Nachwehen, Nackenschmerzen, Nebenniereninsuffizienz, Nerven-Beruhigung, Nerven-Leitfähigkeit, Nervenentzündung, Nervenkrämpfe, Neugierigkeit, Neuralgien, Neuritis, Neuromyopathie, Niedergeschlagenheit, Nierenkolik, Nierenschmerzen, Oberflächlichkeit, Obstipation, Offenheit, Ohrenentzündung, Ohrenschmerzen, Oophoritis, Otitis, Periodenkrämpfe, Periodenschmerzen, Petechien, Progesteron-Mangel, Pruritus, Rauchentwöhnung, Reife, Reisefieber, Reisekrankheit, Reizdarm, Reizkolon, Roemheld-Syndrom, Rotwerden, Ruhebedürfnis, Räusperzwang, Rückenschmerzen, Salpingitis, Schaufensterkrankheit, Schielen, Schilddrüsenschwäche, Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, Schlaffes Gewebe, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Schlaganfall, Schleudertrauma, Schluckauf, Schläfenkopfschmerz, Schmerzempfindlichkeit, Schock, Schreibkrampf, Schul-Kopfschmerzen, Schulter-Verspannungen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwindel, Schwitzen, Seekrankheit, Spannkraft, Spastische Kontraktur, Spitzfuss, Steifer Hals, Steinleiden, Stetigkeit, Streckkontraktur, Stress, Struma, Suchtneigung, Tics, Trommelfellentzündung, Unbeherrschtheit, Verschwiegenheit, Verspannungen, Verstopfung, Volkmann-Kontraktur, Wangenröte, Wechseljahrsbeschwerden, Wehen-Erleichterung, Wetterfühligkeit, Widerstandskraft, Zahnungskrämpfe, Zahnungsschmerzen, Zittern, Zorn, Zuckerkrankheit, Östrogen-Dominanz, Überanstrengung, Übererregbarkeit, Übergewicht, Überheblichkeit.“

http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/magnesium-phosphoricum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma.

Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist. (aber: Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum soll ja gegen Leichtgläubigkeit helfen !!!)

4. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Magnesium phosphoricum D6 gegen Kropf, Ohrenschmerzen, Apoplex und Analekzem wirkt. Und wie genau wirkt Magnesium phosphoricum D6 gegen Leichtgläubigkeit?

Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten und in einer Fachzeitschrift publizierten Behandlungsverläufen? Das wäre ein übliches Vorgehen. Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

5. Im Schüssler Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 ist das  Magnesium phosphat 1 : 1 Million mal verdünnt. In der Österreichischen Apothekerzeitung hat die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre….. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6.“

Quellenangabe: http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/11/26/schusslersalze-mineralwasser-wirksamer-gunstiger-zahnschonender.html

Halten wir also fest: 772 550 Schüssler-Salz-Tabletten bzw. 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 entsprechen im Magnesium-Gehalt einem Liter Mineralwasser. Trinkwasser dürfte manchmal tiefer und manchmal höher liegen im Magnesium-Gehalt. Mich würde sehr interessieren, weshalb es überhaupt noch leichtgläubige Menschen gibt – müssten doch alle davon geheilt sein bei den exorbitanten Magnesiumphosphat-Dosen im Wasser – verglichen mit den Schüssler-Salzen. Ich bin dafür, Trinkwasser sofort als Heilmittel zu betrachten und gegen alle obigen Indikationen einzusetzen. Aber dagegen werden sieh die Schüssler-Salz-Hersteller bestimmt wehren, weil ihnen dadurch die Geschäftsbasis entzogen wird.

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unsere Zeit.

8. Magnesium phosphoricum ist übrigens als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E 343 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz-Tabletten-Schlucker im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? Ein Tipp für die sparsame Hausfrau: E 343 und damit auch Magnesium phosphoricum ist enthalten in

Milchpulver und Kaffeeweißer (max. 2,5 g/kg bzw. 30 g/kg)

Trockenpulver für Desserts (max. 7 g/kg)

Backmischungen (max. 20 g/kg)

Trockenlebensmitteln in Pulverform (max. 10 g/kg)

–  und das viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 7, da Magnesium phosphoricum dort ja 1 : 1 000 000 mal verdünnt wurde. Allerdings fehlt in diesen Lebensmitteln dann die Laktose (Milchzucker), aus der die Schüssler-Salze bekanntermassen bestehen. Aber es ist immer noch viel billiger, die Laktose separat zu kaufen, wenn man schon Laktose schlucken will.

Auch in allem grünen Gemüse (Bestandteil des Blattgrüns), Obst (z. B. Bananen) und Getreide liegt Magnesium phosphoricum in viel grosseren Konzentrationen vor als im Schüssler-Salz Nr. 7. Warum soll das isolierte Magnesium phosphoricum aus dem Schüssler-Salz für den Organismus besser sein als das Magnesium phosphoricum im natürlichen Verbund mit anderen Naturstoffen im Salat oder in den Bananen? Wie erkennt der Organismus die Moleküle des Schüssler-Salzes und unterscheidet sie von natürlichem Magnesium phosphoricum aus Salat oder Bananen?

9. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Calcium phosphoricum – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Mistel-Therapie gegen Krebs – wirksam?

Die Krebsbehandlung mit Mistelpräparaten ist beliebt. Fachleute sind allerdings skeptisch: Die Wirksamkeit der Misteltherapie ist nicht belegt.

Den Anstoß zur Therapie von Krebserkrankungen mit Mistelpräparaten gab der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, im Jahr 1916.

1917 entwickelte die Ärztin Ita Wegman das erste Mistelpräparat – seitdem hat sich die Mistelbehandlung zur häufigsten alternativen Krebsbehandlungsmethode im deutschsprachigen Raum entwickelt.

In der Schweiz liegen dem Bundesamt für Gesundheit zurzeit Gesuche von fünf Methoden der Komplementärmedizin vor, in denen es um deren Aufnahme in die Grundversicherung der Krankenkassen geht.

Laut Krankenversicherungsgesetz müssen die Methoden wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein, um in die Grundversicherung aufgenommen zu werden (WZW-Kritierien).

Für die Anthroposophische Medizin ist dabei die Misteltherapie zentral, weil zu dieser viele Studien vorliegen, die nach Ansicht der Anthroposophen die Wirksamkeit belegen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Anthroposophischen Medizin sind jedenfalls überzeugt, dass ihr Gesuch die  WZW-Kriterien belegt. So schreibt zum Beispiel Danielle Lemann, Fachärztin FMH für Allgemeine und Anthroposophische Medizin, in einem Leserbrief im Tages-Anzeiger vom 13. 10. 2010:

„Der neue Antrag ans Bundesamt für Gesundheit (BAG) enthält einen fundierten Wirksamkeitsnachweis, selbst der von den Schulmedizinern geforderte Doppelblindversuch ist gebührlich berücksichtigt.“

Das scheint mir Wunschdenken zu sein. Bezüglich der Misteltherapie jedenfalls fällt die Bewertung durch Fachleute nicht so eindeutig aus.

Aus Studien lassen sich Hinweise darauf finden, wonach Misteltherapie das Immunsystem stärken und die Lebensqualität verbessern kann.

„In der Regel wird dem Patienten während oder nach einer konventionellen Krebstherapie täglich ein Mistelpräparat unter die Haut gespritzt. Dabei finden Mistelpräparate unterschiedlicher Wirtsbäume Verwendung“(1), erklärt Gunver Kienle, Ärztin am Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) in Freiburg.

„Die Behandlung kann über einige Wochen, aber auch über Jahre erfolgen – häufig mit dem Ziel, den Organismus und das Immunsystem zu stärken und möglicherweise auch das Tumorwachstum zu reduzieren.“(1)

Paradoxerweise gehört die Mistelbehandlung zwar zu den am besten erforschten Behandlungsansätzen der Komplementärmedizin, eine eindeutige Aussage über ihre Wirksamkeit lässt sich aber bis heute nicht treffen. „Nach streng wissenschaftlichen Kriterien, die man auch bei der Überprüfung neuer Medikamente anlegen würde, lässt sich bisher keine verlässliche Wirkung auf das Tumorwachstum oder die Überlebenszeit bei Krebspatienten nachweisen“(1), stellt Markus Horneber fest, Leiter der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie am Klinikum Nürnberg.

Gemeinsam mit Forschern aus Berlin, Freiburg und München hat der Mediziner im Jahr 2008 Studien zur Misteltherapie aus den letzten 30 Jahren analysiert. Gerade einmal 21 zuverlässige Untersuchungen spürten die Wissenschaftler auf. Sie deuten allerdings auf eine Verbesserung der Lebensqualität und eine generell gute Verträglichkeit der Mistelbehandlung hin.

„Insgesamt ist es schwierig, eine Gesamtaussage über die Wirksamkeit von Mistelextrakten zu treffen, denn die Studien zu diesem Thema unterscheiden sich stark in ihrer Methodik, den verwendeten Mistelextrakten und der Art der Anwendung“(1), erläutert Horneber. „Allerdings zeigen vielfache ärztliche Erfahrungen, dass Mistelextrakte durchaus Wirkungen haben, zum Beispiel auf das Immunsystem.“(1)

Dies zeigten auch die Untersuchungen von Gunver Kienle, die sich seit 1994 wissenschaftlich mit der Mistelbehandlung beschäftigt. „Aus tierexperimentellen Studien wissen wir, dass Mistelextrakte Immunprozesse stimulieren, was eine Relevanz für die Tumorabwehr hat“, berichtet Kienle. „Weiterhin wurde auch ein direkter hemmender Einfluss auf das Wachstum von Krebszellen dokumentiert.“(1)

Für eine längere Überlebenszeit von Krebspatienten oder eine Rückbildung von Tumoren hat aber auch Kienle keine definitiven Belege gefunden. „Allerdings zeigt sich in vielen Studien, dass die Therapie die Lebensqualität der Patienten verbessern kann: Sie fühlen sich kräftiger und weniger müde, haben weniger Infekte und berichten über weniger Übelkeit, Angst und niedergeschlagene Stimmung“(1), sagt die Forscherin.

In einigen Studien haben Wissenschaftler die Mistelextrakte auch direkt in oder um den Tumor gespritzt und dabei offenbar eine Verkleinerung beobachtet. „Allerdings sind Mistelpräparate für diese Applikation nicht zugelassen, so dass sie nur in sorgfältig kontrollierten Untersuchungen eingesetzt werden sollten“, erklärt Kienle. „Um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Anwendung zu überprüfen, sind wesentlich mehr Untersuchungen notwendig.“(1)

In einem Interview äusserte sich kürzlich auch Dr. med. Jutta Hübner zur Misteltherapie. Sie leitet die Palliativmedizin, die komplementäre und supportive Onkologie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Auf die Frage, was sie von der umstrittenen Misteltherapie halte, antwortet die Expertin:

„Ich empfehle sie nicht, weil mir die im Moment vorhandenen Daten nicht ausreichen. Möchte eine Patientin gerne Mistel nehmen, kann ich sie über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei Leukämien und Lymphomen, sollte eine Misteltherapie nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die nach einer Chemotherapie dann einen Versuch mit einer Misteltherapie machen möchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, spricht meist nichts dagegen.“ (2)

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ schreibt Dr. med. Berthold Musselmann,

Facharzt für Allgemeinmedizn mit Ausbildung in Naturheilverfahren:

„ Der subkutane, seltener der intravenöse Einsatz bei Krebs als komplementäre und palliative Therapie wirkt leistungssteigernd, stimmungsverbessernd und immunstimulierend.  Eine Lebensverlängerung bei Krebserkrankungen durch Mistel konnte in Studien allerdings nicht nachgewiesen werden.“ (3)

Die Cochrane Collaboration erstellt systematische Übersichtsarbeiten (systematic reviews) zur Bewertung von medizinischen Therapien.

Zur Misteltherapie existiert ein Cochrane Database of Systematic Reviews 2008:

„Studien zeigen verbesserte Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie durch standardisierte Mistelextrakttherapie. Diese Daten müssen bestätigt werden!” (4)

Selbst die Verbesserung der Lebensqualität ist also noch ungenügend gesichert.

Und hier die Zusammenfassung einer neueren Cochrane Übersichtsstudie von 2010 aus der Österreichischen Apothekerzeitung:

„Ein Cochrane Review (Horneber M, 2010) analysierte Studien zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Mistelpräparaten bei Krebspatienten. Die betrachteten Endpunkte der eingeschlossenen Studien (21; 3484 Patienten) waren u.a. Gesamtüberleben, Tumoransprechen, Lebensqualität und diverse psychologische Outcome-Parameter. Die Autoren schlussfolgern, dass die vorliegende Evidenz schwach ist, um die Annahme zu unterstützen, dass Mistelextrakte einen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit haben, die Fähigkeit, den Krebs zu bekämpfen, erhöhen und die Verträglichkeit konventioneller Krebstherapien verbessern. Es gibt Evidenz zu einem positiven Einfluss standardisierter Mistelpräparate auf die Lebensqualität von Patientinnen mit Mammakarzinom und Chemotherapie. Die meisten Studien hatten jedoch methodische Schwachstellen, die laut amerikanischem National Cancer Institute (NCI), Zweifel an der Richtigkeit und Verallgemeinerbarkeit aufkommen lassen: geringe Patientenzahlen, hohe Therapieabbruch-Raten, inadäquate Kontrollgruppen und Randomisierung, Unklarheiten zur Dosierung und Anwendungsart sowie häufige Subgruppenanalysen. Aufgrund der vorliegenden Evidenz empfiehlt das NCI die Anwendung von Mistelpräparaten nur im Rahmen kontrollierter klinischer Studien (NCI PDQ Mistletoe extracts).“ (5)

Quellenangaben:

(1) http://www.welt.de/gesundheit/article10529435/Misteln-gegen-Krebs-Humbug-oder-Heilsbringer.html

(2) http://www.apotheken-umschau.de/Brustkrebs/Brustkrebs-Was-kann-ich-selbst-tun-77401.html

(3) Der Hausarzt, 2010/14:  31-36, http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

(4) Quelle: http://www.tumorzentrum.uk-erlangen.de/e1846/e3928/e4113/inhalt4749/Sinnvolletherapiebegleitende_20100707.pdf

(5) Quelle: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-25.pdf,  Österreichische Apothekerzeitung 25 / 2010,   Autor:   Mag. pharm. Gunar Stemer

Kommentar & Ergänzung:

Rudolf Steiner prophezeite, dass die Mistel das Messer des Chirurgen einst ersetzen würde. Schaut man sich die Bewertungen der Studienlage durch die zitierten Fachleute an, scheint dieser Anspruch doch sehr überzogen. Und es handelt sich dabei nicht um Experten, die der Komplementärmedizin feindlich gesinnt sind. Das IFAEMM in Freiburg, an dem Gunver Kienle arbeitet, ist gar ein anthroposophisches Institut.

Für den Entscheid, ob man als Tumorpatientin oder Tumorpatient eine Misteltherapie nutzen will oder nicht, scheint mir die Kenntnis dieser Bewertungen wichtig.

Kennen sollte man mögliche Stärken bezüglich Verbesserung der Lebensqualität, aber auch die deutliche Schwäche wenn es um den Nachweis einer  Verlängerung der Lebenszeit geht. Informiert werden sollten Krebspatienten auch über die von Jutta Hübner, erwähnte Einschränkung, dass Mistelpräparate bei einigen Tumorarten wie zum Beispiel Leukämien und Lymphomen nicht angewendet werden sollten.

Wichtig zu wissen ist auch: Wenn Gunver Kienle von einem dokumentierten, direkten hemmenden Einfluss der Mistel auf das Wachstum von Krebszellen spricht, dann handelt es sich dabei um Laborexperimente an isoliertem Gewebe. Ob ein solcher Effekt auch im krebskranken Menschen stattfindet, ist damit keineswegs klar. Im Labor lassen sich sehr oft Wirkungen beobachten, die im lebenden Organismus nicht zu erzielen sind.

Dass Krebspatienten jede mögliche Therapieoption prüfen, ist sehr gut verständlich. Eine Stärke der Misteltherapie scheint mir darin zu liegen, dass sie ein Gefühl der Unterstützung vermittelt. Chemotherapien sind sehr einschneidend, aggressiv und von vielfältigen Nebenwirkungen begleitet. Sie als positive, hilfreiche Heilmittel zu erleben, dürfte dadurch vielen Betroffenen nicht leicht fallen. Die Misteltherapie bietet hier ein ganz anderes Konzept. Hier wird ein Mittel angeboten, das als gut verträglicher, unterstützender Helfer erlebt werden kann. Dass dieser zusätzliche positive Support wertvoll für Krebspatienten sein kann, scheint mir auf der Hand zu liegen.

Die Misteltherapie wird von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt, auch wenn dafür eine gesetzliche Grundlage nicht ersichtlich ist und der Wirksamkeitsnachweis nie erbracht wurde. Präparate der Anthroposophischen Medizin sind genauso wie Präparate der Homöopathie vom Wirksamkeitsnachweis pauschal befreit.

Ob Heilmittel der Komplementärmedizin aus der Grundversicherung bezahlt werden oder nicht, ist ein Entscheid, der unabhängig bleibt vom jetzt bevorstehenden BAG-Entscheid, welche Komplementärmedizin-Methoden von der Grundversicherung bezahlt werden sollen.

Hoch problematisch ist meines Erachtens, dass die Anthroposophische Medizin regelmäßig „Präkanzerosen“ (= Vorstadium eines Krebses) als Ergebnis eines “Blutkristallisationstests” diagnostiziert, von dem völlig ungeklärt ist, ob er überhaupt etwas relevantes aussagt. Konkret besteht hier ein Risiko, dass nicht existierende Krebskrankheiten „entdeckt“ werden. Als Folge dieser angsterzeugenden Diagnose wird den Patienten in der Regel und rein vorsorglich zu Mistelinjektionen geraten. Mit den dabei meisteingesetzten Mistel-Präparaten “Iscador” (Weleda) und “Iscucin” (Wala), werden Millionenumsätze erzielt. Es besteht hier die Gefahr, dass Menschen durch die Anthroposophische Medizin medikalisiert werden: Es wird ihnen ein (real nicht vorliegender) Krankheitsbefund unterschoben, der anschliessend therapiert wird.

Wer sich für eine Misteltherapie interessiert, sollte meines Erachtens auch wissen, dass die Anthroposophische Medizin Krebserkrankungen mit Deutungen belegt, die durchaus fragwürdig sind.

Rudolf Steiner sprach nach Aussagen von Johannes Hoffmann, dem früheren ärztlichen Leiter der „Lukas Klinik zur Behandlung Geschwulstkranker auf anthroposophischer Erkenntnisbasis“, in den späteren Jahren vom Krebs immer als von einer ahrimanischen Erkrankung. Und die Mistel „mit ihrer Fähigkeit, Entzündungen hervorzurufen, hat mindestens ebenso viele luziferische wie ahrimanische Anteile, wenn man das überhaupt so formulieren will.“

(Quelle: http://www.windstosser.ch/museum/manuskript/allgem_u_historisch/6_1.pdf).

Ahriman (6) und Luzifer sind zwei anthroposophische Widersachermächte.

Rudolf Steiner in einem Vortrag zum Thema Ahriman und Karzinombildung:

„Denn nehmen Sie einmal an, es gelingt den ahrimanischen Mächten, im menschlichen

physischen Körper einen Sieg zu erringen über die luziferischen Mächte, über diejenigen Mächte, die den Menschen ganz durchsetzen wollen mit dem, was nur an der Oberfläche in den Sinnen sein soll, dann verfällt der Mensch durch diesen Sieg der ahrimanischen Mächte in solche Erkrankungen, wie Geschwulstbildungen, Karzinombildungen oder Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes, Zuckerkrankheit.

Wenn irgendwo in einer physichen Menschennatur diese Krankheiten auftreten, dann hat Ahriman gegen Luzifer einen Sieg errungen, der aber damit verknüpft ist, dass die physische Natur des Menschen zeitweilig ruiniert ist. Dann taugt diese physische Natur dem Ahriman nicht dazu, die Instinkte, Triebe herauszureissen und sein eigenes Geschlecht daraus zu bilden. Daraus bekommen Sie eine vielleicht paradoxe, aber richtige Ansicht von der Krankheit. Sie ist in vielen Fällen das einzige Mittel der guten Mächte, den Menschen vor den Fängen von Ahriman zu retten.“

(GA 218, Vortrag 16. 11. 1922))

Es steht jedem Menschen frei, solche Geistergeschichten zu glauben, doch wäre es meines Erachtens aus Gründen der Transparenz wünschenswert, wenn die Anthroposophische Medizin die Voraussetzungen, von denen aus sie operiert, offen legen würde. Das gilt auch für einen zweiten zentralen Glaubenssatz der Anthroposophischen Medizin, der Überzeugung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben verursacht werden. Diese Aspekte der Anthroposophischen Medizin müssten in der Öffentlichkeit diskutiert werden, wenn es um die Frage geht, ob dieser Ansatz von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden soll.

Weiter Info:

Abstimmung Komplementärmedizin – kritische Fragen an Simonetta Sommaruga zur Förderung der Anthroposophischen Medizin

Komplementärmedizin-Abstimmung: Kritische Fragen zur anthroposophischen Medizin

Anthroposophische Pflege – offene Fragen

(6) Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen Luzifer bildet. Der Mensch müsse in sich mit Christi Hilfe die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten.

Ahriman sei ein Geist, begabt mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließe. Im Gegensatz zu Luzifer erscheine er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewusstsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontrovers beurteilt

Zimt wird seit einiger Zeit als Heilmittel gegen Diabetes („Zuckerkrankheit“) empfohlen, gleichzeitig aber auch sehr  kontrovers beurteilt. Dabei fällt auf, dass sowohl Befürworter als auch Skeptiker der Zimt-Anwendung ziemlich undifferenziert  Stellung nehmen.

Im Internet und in Kreisen der Komplementärmedizin wird Zimt zum Teil ohne jede Einschränkung als Diabetes-Heilmittel propagiert. Absurderweise wird sogar Einlagesohlen mit Zimt eine Wirksamkeit gegen Diabetes zugeschrieben.
Andererseits ist auch die Kritik an der Verwendung von Zimt gegen Diabetes meist ziemlich undifferenziert.

In der „Welt“ (online 28. April 2010) kommt Prof. Rüdiger Landgraf von der Deutschen Diabetes-Stiftung in Düsseldorf zu Wort.

„In Online-Foren wird heiß diskutiert, welche Wundermittel gegen Diabetes die Natur bereithält. Ob Zimt, Grüner Tee oder spezielle japanische Heilpilze: ‚Es gibt bis heute noch keine Studien, die die positiven Wirkungen belegen’, sagt Landgraf. Er warnt besonders vor der Dauereinnahme von Zimt: ‚Es gibt keine Dosierungsempfehlung. Außerdem kann Zimt auf Dauer die Leber schädigen und sogar das Krebsrisiko erhöhen.’“

Zu präzisieren wäre da: Es gibt durchaus positive Zimt-Studien, doch ist die Wirksamkeit gegen Diabetes nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin tatsächlich nicht belegt.
Eine gute Zusammenfassung findet sich bei Wikipedia im Artikel über ZImt (Literaturangaben dort):

„Eine mögliche blutzuckersenkende Wirkung von Zimt in frühen Stadien des Diabetes mellitus wird in der modernen Medizin kontrovers diskutiert. In einer ersten Pilotstudie wurde die Wirksamkeit größerer Dosen Zimt (1–6 Gramm) auf Blutzucker- und Blutfettwerte untersucht. Hier konnte eine mögliche Senkung des Nüchternblutzuckers, der Triglyceride, des Gesamt- und des LDL-Cholesterins beobachtet werden. In einer weiteren Studie an 79 Patienten konnte eine Senkung des Blutzuckerspiegels, aber nicht des als „Langzeitblutzuckerspiegel“ geltenden HbA1c-Werts und der Blutfettwerte beobachtet werden. Ein Wirksamkeitsnachweis der Anwendung von Zimt bei Diabetes mellitus nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin steht noch aus.“

Es gibt experimentelle und klinische Hinweise auf eine Wirksamkeit von Zimt, aber keine eindeutigen Belege.
Zur Diskussion steht aufgrund des gegenwärtigen Wissensstand nur der Diabetes-Typ-2, nicht der Diabetes-Typ1.

Die Warnung vor Langzeiteinnahme müsste differenziert werden. Heikel ist aufgrund des hohen Cumaringehalts der chinesische Zimt. Wikipedia dazu:

„In Zimt – vor allem im billigeren Cassia-Zimt (auch: chinesischer Zimt) – ist das als gesundheitsschädlich geltende Cumarin enthalten. In Fertigprodukten wird fast ausschließlich dieser aus China, Indonesien oder Vietnam stammende Cassia-Zimt verarbeitet. Der Cumarin-Anteil beider Zimtsorten unterscheidet sich erheblich: Während er bei dem Cassia-Zimt bei ca. 2 g Cumarin pro kg liegt, finden sich in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur ca. 0,02 g Cumarin.
Cumarin kann bei Einnahme in den Blutkreislauf Kopfschmerzen, Leberschäden, Leberentzündungen und, wie in wahrscheinlich nur bedingt auf den Menschen übertragbaren Tierversuchen mit Ratten festgestellt wurde, in sehr hohen Dosierungen sogar Krebs verursachen.“

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2007) schreiben Heinz Schilcher / Susanne Kammerer / Tankred Wegener:
„Der Ceylonzimt besitzt gegenüber dem chinesischen Zimt ein runderes Aroma, enthält keine oder nur in Spuren Cumarine und ist daher auch die verwendete Arzneibuchzimtrinde. Mit Ceylonzimt werden die erlaubten 0,1 mg Cumarin / kgKG nicht überschritten. Als Nahrungsergänzungsmittel zur begleiteten Diät bei Diabetes mellitus sollten nur wässrige Extrakte des Ceylonzimts verwendet werden.“

Im „Leitfaden Phytotherapie“ gibt es eine vorsichtige Empfehlung von Zimt zur unterstützenden Behandlung bei Diabetes.
Andere Phytotherapie-Fachautoren sind aber skeptischer, zum Beispiel Karl Hiller & Dieter Löw (in Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka, 2009):

„Eine blutzuckersenkende Wirkung von wasserlöslichen Inhaltsstoffen der Zimtrinde ist zwar wahrscheinlich, doch reichen die bisherigen Befunde nicht aus, die Anwendung als Antidiabetikum zu empfehlen, hierzu bedarf es noch wesentlich umfangreicherer klinischer Studien, sowohl bezüglich der Patientenzahlen als auch der untersuchten Parameter.“

Es gibt also noch viele offene Fragen zur Anwendung von Zimt bei Diabetes. Unkritische Zimt-Propaganda scheint mir daher genauso wenig angebracht wie fundamental-undifferenzierte Verdammung.

Sehr wichtig im Beitrag auf www.welt.de scheint mir folgender Hinweis:

„Statt auf die Rettung durch Nahrungsergänzungsmittel zu hoffen, sollten Diabetiker regelmäßig in die Sportschuhe schlüpfen. Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen.“

Die Hoffnung auf irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel aus Zimt, Grüntee oder anderem kann die notwendigen Umstellungen im Lebensstil nicht ersetzen.
Professor Thomas Haak vom Diabetes Zentrum Mergentheim erklärt dazu: „Bewegung ist neben der Ernährung die wichtigste Säule der Therapie.“
Je nach Konstitution und Gewicht solle unter ärztlicher Anleitung ein Trainingsplan erstellt werden. „Stark übergewichtige Menschen müssen natürlich langsam anfangen.“

Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article7373687/Diabetes-auch-ohne-Medikamente-behandelbar.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Wirkstoff aus Grüntee günstig bei Typ-2-Diabetes

Das im Grüntee vorkommende Catechin könnte Patienten mit Typ-2-Diabetes zu einem geringeren Taillenumfang und einer verbesserten Stoffwechselkontrolle verhelfen. In einer japanischen Untersuchung nahmen 23 Patienten 3 Monate lang täglich 583 mg des Wirkstoffs zu sich, 20 Patienten einer Kontrollgruppe nur 96 mg (Obesity 17, 2009, 310).

Resultat: Nach 3 Monaten hatte sich der Taillenumfang in der Gruppe mit dem hochdosierten Wirkstoff stärker verringert als in der Kontrollgruppe. Adiponectin, das negativ mit einer viszeralen Adipositas assoziiert ist, erhöhte sich nur in der Interventionsgruppe signifikant. Ausserdem erhöhte sich der Insulinspiegel bei hoher Catechin-Dosis stärker.

Quelle: http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:
Vermutlich dürfte es sich beim verwendeten Catechin um Epigallocatechingallat (EGCG) handeln, dem am intensivsten erforschten Inhaltsstoff aus dem Grüntee. Die Resultate aus Japan sind interessant in Bezug auf den Typ-2-Diabetes. Allerdings ist die Zahl der Teilnehmenden an dieser Studie ziemlich klein.

Adiponektin (auch GBP-28, apM1, AdipoQ und Acrp30 genannt) ist ein Peptidhormon, welches in den Fettzellen beim Menschen und bei Tieren gebildet wird. Es reguliert zusammen mit dem Leptin, dem Insulin und anderen Hormonen das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme. Es verstärkt den Einfluss des Insulins an den Fettzellen.
Sind die Fettzellen voll, wird wenig Adiponektin hergestellt. Sind sie leer, wird die Produktion erhöht. Übergewichtige haben einen tiefen Adiponektin-Spiegel, was die Wirkungen von Insulin abschwächt.

Ein tiefer Spiegel von Adiponektin erhöht im Zusammenspiel mit genetischen Faktoren das Risiko von Diabetes mellitus und führt zugleich häufig schon lange vor der Entdeckung der Zuckerkrankheit zu Gefäßschädigungen. Personen mit einem hohen Adiponektinspiegel sind vor Diabetes geschützt.

In Tierversuchen wird bei hohen Gaben von Adiponektin Fett schneller abgebaut. Eine Erhöhung des Adiponektin-Spiegels durch Grüntee-Catechin könnte daher durchaus günstige Effekte zeigen, auch wenn die hohen Dosen aus den Tierversuchen mittels Grüntee als Getränk wohl kaum erreicht werden dürften.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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