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Zimt gegen Entzündungen?

Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt Gewürze als Entzündungshemmer:

„Zimt, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma genießen unter den Gewürzen einen Sonderstatus. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie Entzündungen im Körper gezielt bekämpfen.“

Schauen wir uns das Beispiel Zimt genauer an:

„Zimt ist ein Allroundtalent. Das Pulver aus der getrockneten Zimtbaumrinde kann sowohl für süße als auch für pikante Speisen verwendet werden. Im Haferbrei oder Backwaren sorgt Zimt für eine angenehm herbe Note, mariniert man Fleisch oder würzt Saucen damit, erhält man ein duftendes, weihnachtliches Aroma.

Zimt wurde von der Wissenschaft eine desinfizierende und krampflösende Wirkung attestiert. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das beliebte Gewürz gerne bei Kältegefühl verwendet, da es die „innere Kälte“ durch gesteigerte Durchblutung vertreiben kann. Auch die blutzuckersenkende und stimmungsaufhellende Wirkung des Gewürzes wird betont. Wissenschaftler des Rush University Medical Centers haben in einer Studie mit Zimt und Mäusen zudem eine deutliche Steigerung der Gehirnleistung festgestellt.“

Quelle der Zitate:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

Kommentar & Ergänzung:

Zimt ist ein feines Gewürz, das Verdauungsbeschwerden lindern kann. Die ESCOP bestätigt als Anwendungsbereiche für die Zimtrinde:

Dyspeptische Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz; Appetitlosigkeit, Durchfall.

Die blutzuckersenkenden Wirkung wurde in Laborexperimenten im Reagenzglas und an Mäusen festgestellt. Diese Einschränkung fehlt im Artikel des „Kuriers“.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt:

„Zur blutzuckersenkenden Wirkung von Zimtrinde liegen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor, in denen eine antidiabetische Wirkung eines wässrigen Extrakts gezeigt werden konnte, doch ist die Übertragbarkeit auf eine therapeutische Anwendbarkeit beim Menschen schwierig.“

Die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Zimt bei Diabetespatienten sind bisher nicht überzeugend. Siehe dazu:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes?

Einschränkung sind auch angebracht bezüglich der Studie zur Steigerung der Gedächtnisleistung bei Mäusen. Auch hier ist alles andere als klar, ob das Gehirn von Menschen von Zimtgaben profitieren kann und welche Dosierungen dazu nötig wären.

Ich habe zu diesem Experiment hier schon einen Beitrag geschrieben:

Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Auch die erwähnte entzündungswidrige Wirkung der Zimtrinde wurde in Laborexperimenten festgestellt. Ob Zimt gegen Entzündungen im menschlichen Organismus wirksam ist und welche Zimtmengen dazu nötig wären, bleibt offen.

Der Beitrag im „Kurier“ ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Laboreffekte aneinanderzureihen, ohne auf die begrenzte Aussagekraft solcher Experimente für den Menschen hinzuweisen.

Chinesischer Zimt (Cinnamomum cassia, Cassia-Zimt) enthält übrigens erhebliche Konzentrationen an Cumarin, das auf längere Sicht die Leber belasten könnte. Im Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) sind die Cumarin-Werte viel tiefer. Ich würde also Ceylon-Zimt vorziehen. Allerdings sollte man diese Gefahr nicht dramatisieren. Wikipedia schreibt dazu:

„Einen eindeutigen Beleg für die angebliche Gefährlichkeit von Cumarin beim normalen Gebrauch von cumarinhaltigen Gewürzen gibt es allerdings bis zum heutigen Tage nicht. In allen Studien trat eine gesundheitschädigende Wirkung erst nach extremen Überdosierungen bei Versuchen an Ratten auf.“

Siehe auch:

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Zimt ist ein tolles Gewürz mit verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Artikel des „Kuriers“ wird Zimt aber „überverkauft“, das heisst mit unrealistischen Versprechungen angepriesen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Melisse als Beruhigungsmittel

Das Magazin „Focus“ befasst sich mit den Wirkungen der Melisse:

„Das Hauptanwendungsgebiet der Melisse ist die Beruhigung des Nervensystems. Ein Tee aus frischen Melissen-Blättern kann sich bei Stress und Nervosität als wahres Wundermittel erweisen, denn die in ihm enthaltenen ätherischen Öle wirken entspannend und angstlösend.“

Diese Empfehlungen sind nachvollziehbar, auch wenn der Begriff „wahres Wundermittel“ grundsätzlich fragwürdig ist.

Wer Melisse im Haus habe, brauche sich vor schweren Prüfungen keine Sorgen zu machen, schreibt „Focus“ weiter.

Das kann man probieren, doch gibt es bei Prüfungsangst bzw. Prüfungsstress Heilpflanzen, die ich vorziehen würde. Zum Beispiel als leicht angstlösende Präparate hochdosierten Passionsblumenextrakt oder Lavendelöl-Kapseln (Lasea). Und eher für längerfristige Anwendung zur besseren Stressbewältigung Adaptogene wie Ginseng (Ginsana) oder Rosenwurz (Vitango).

Ausserdem empfiehlt „Focus“:

„Vor dem Zubettgehen getrunken, kann auch ein Gläschen vom berühmten Kräuterschnaps Melissengeist beim Einschlafen helfen.“

Hier würde ich den Melissentee kombiniert mit einer Lavendelöl-Anwendung eindeutig vorziehen. Melissengeist hat mir zuviel Alkohol und zuwenig Melisse. Zudem enthält der Melissengeist neben Alkohol und Melissenblättern eine ganze Reihe von Heilpflanzen, die ihn eher als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden prädestinieren: Alantwurzelstock, Angelikawurzel, Ingwerwurzelstock, Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Schwarze Pfefferfrüchte, Enzianwurzel, Muskatsamen, Pomeranzenschalen, Zimtrinde, Zimtblüten, Kardamomensamen.

Die Melisse überrasche aber mit weiteren ungeahnten Heilkräften, schreibt „Focus“ weiter:

„Neben ihren ätherischen Ölen enthält sie Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Mineralsalze. Insbesondere die Gerbstoffe haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie attackieren Herpes-Viren und schützen die Haut vor einer erneuten Infektion. Melissenextrakt gilt heute als anerkanntes Mittel gegen die lästigen Lippenbläschen.“

Korrekt. Der Melissenextrakt wird zu diesem Zweck in eine Creme eingearbeitet (Lomaherpan). Das Präparat muss wie alle lokal anzuwendenden antiviralen Herpesmittel bei den ersten Symptomen eingesetzt werden. Es kann die Dauer der Herpeserkrankung leicht verkürzen – vergleichbar mit anderen Fieberbläschensalben.

Ähnlich lokal antiviral gegen Herpesviren wirken Melissenöl und Pfefferminzöl. In der Schweiz gibt es zudem Parsenn Herpescreme aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt, in kassenzulässiger Form als Phytovir.

Quelle:

http://www.focus.de/kultur/videos/melisse-melisse-zur-beruhigung-des-nervensystems_id_5294391.html

 

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Zimt und Teebaumöl gegen Fusspilz?

Das Magazin „Focus“ berichtet über die Behandlung von Fusspilz mit Zimt und Teebaumöl:

„Fußpilz ist ein großes Tabuthema. Doch es gibt gute Mittel dagegen: Geben Sie etwas Zimt in Ihre Schuhe und verteilen Sie diesen. Zimt wirkt antibakteriell und tötet so den Fußpilzerreger ab.

Zur Anwendung auf der Haut empfiehlt Mediziner Dietrich Grönemeyer Teebaumöl. Geben Sie dazu zehn Tropfen Teebaumöl in einen bis eineinhalb Liter Wasser und baden Sie Ihre Füße 15 Minuten darin. Achten Sie nach dem Fußbad darauf, dass Sie Ihre Füße vollständig abtrocknen. Vor allem die Zwischenräume zwischen den Zehen sollten Sie trocknen. Denn die Feuchte bietet das perfekte Milieu für den Pilz.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/fusspilz-entfernen-welches-haushaltsmittel-hilft-wirklich_id_7019492.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Zimtrinde enthält ätherisches Zimtöl, das im Labor fungistatische Eigenschaften zeigt. Es hemmt also die Ausbreitung der Pilze, tötet sie aber nicht sicher ab.

Im Labor in einer Pilzkultur lassen sich solche Wirkungen gut zeigen. Ob es reicht, Zimtpulver in die Schuhe zu streuen, um einen Fusspilz loszuwerden, scheint mir aber sehr zweifelhaft. Wahrscheinlich verdunstet im warmen Klima der Schuhe etwas Zimtöl aus dem Zimtpulver. Es ist aber eher zweifelhaft, ob dadurch eine wirksame Konzentration des Zimtöls in der Luft erreicht wird, um einen Fusspilz abzutöten.

Teebaumöl wirkt im Labor deutlich pilztötend (fungizid) auf viele Pilzarten und zeigt diese Wirkung auch am Menschen, also zum Beispiel bei Patienten mit Fusspilz.

Die fungizide Wirkung von Teebaumöl ist jedoch konzentrationsabhängig und an diesem Punkt wird die Empfehlung von 15 Tropfen auf 1 – 1 ½ Liter Wasser fragwürdig.

Teebaumöl ist leichter als Wasser und sammelt sich an der Oberfläche des Badewassers. Dort wird daher wohl eine wirksame Konzentration erreicht, wobei die hohe Konzentration aber auch ein erhöhtes Risiko von Hautreizungen mit sich bringt. Im restlichen Badewasser kommt dagegen des Teebaumöl nur in geringer Konzentration vor, die bei den empfohlenen 15 Tropfen pro 1 bis 1 ½ Liter Wasser deutlich unterhalb der wirksamen Schwelle liegen dürfte. In einer Laborstudie ergab sich als minimale fungizide Konzentration gegen verschiedene Pilzarten ein Wert von 0,03 – 8 % (Quelle 1).

Oft wird Teebaumöl unverdünnt oder in hohen Konzentrationen (zum Beispiel 10%ig) in Präparaten eingesetzt. Aufgrund bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnisse reichen tiefere Konzentrationen für eine fungizige Wirkung. Aus diesem Grund und insbesondere auch aus allergologischen Gesichtspunkten scheint in örtlich anzuwendenden Präparaten eine maximale Konzentration von 1 % empfehlenswert. Damit dürfte das Sensibilisierungsrisiko sehr gering sein und die Konzentration in einer wirksameren Grössenodnung als bei den 15 Tropfen auf 1 bis 1 ½ Liter Wasser. Passend wäre die Einarbeitung von 1 % Teebaumöl in Cremegrundlage, Salbengrundlage, Lotion oder Gel (Quelle 2).

Damit ist auch eine homogene Konzentration gewährleistet, im Gegensatz zur Lösung in Wasser, bei der das Teebaumöl obenauf schwimmt.

Anzumerken ist noch, dass das Sensibilisierungsrisiko von Teebaumöl mit zunehmender Oxidation steigt. Darum ist es so wichtig, Teebaumöl vor Luft geschützt auszubewahren.

Siehe dazu auch:

Teebaumöl: Korrekte Aufbewahrung reduziert Nebenwirkungen

Aufgrund der besseren Verträglickeit würde ich gegen Fusspilz allerdings sowieso eher Lavendelöl oder Korianderöl empfehlen.

Siehe dazu auch:

Lavendelöl gegen Hautpilze

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

 

Zur Wirkung von Korianderöl

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Quelle 1: Augustin/Hoch; Phytotherapie bei Hauterkrankungen, 2004, Seite 241.

Quelle 2: Augustin/Hoch; Phytotherapie bei Hauterkrankungen, 2004, Seite 243.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Woraus besteht Opium und was ist Opiumtinktur?

Nimmt man die Phytotherapie-Fachliteratur zum Massstab, gehört Opium nicht zur Phytotherapie. Dort taucht Opium nämlich kaum auf. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Opium dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist.

Denn eigentlich ist Opium ja ein Pflanzenprodukt, das zu medizinischen Zwecken verwendet wird. Das würde eigentlich nahelegen, dass Opium zur Phytotherapie zu zählen.

In meiner Phytotherapie-Ausbildung taucht Opium allerdings in der Wirkstoffkunde auf im Kapitel „Alkaloide“. Opium selber ist aber kein Alkaloid. Alkaloide enden immer auf –in.

Opium enthält jedoch ein Alkaloidgemisch.

Opium ist der durch Anritzen gewonnene getrocknete Milchsaft unreifer Samenkapseln des zu den Mohngewächsen (Papaveraceae) gehörenden Schlafmohns (bot. Papaver somniferum L.). Im Verlauf des Trocknungsprozesses entwickelt sich aus dem Milchsaft durch Autoxidation das Rohopium, eine braune bis schwarze Masse. Wirksame Hauptbestandteile des Opiums sind die Alkaloide Morphin, Codein und Thebain.

Das aus Opium gewinnbare halbsynthetische Diacetylmorphin ist allgemein als Heroin bekannt.

Im Opium sind 37 unterschiedliche Alkaloide vorhanden, die im Rohopium bis zu einem Viertel der Masse ausmachen.

Die wichtigsten Alkaloide des Opiums sind:

–        Morphin (ca. 12 %), eines der stärksten Analgetika ( Schmerzmittel),

–        Codein (0,2 bis 6 %), ein hustenstillendes Mittel (Antitussivum),

–        Noscapin (2 bis 12 %), ein hustenstillendes Mittel (Antitussivum),

–        Papaverin (0,1 bis 0,4 %), ein krampflösendes Mittel (Spasmolyticum),

–        Thebain (0,2 bis 1 %), wirkt stärker stimulierend, aber schwächer schmerzstillend als

Morphin,

–        Papaveraldin (0,5 bis 3 %) und

–        Narcein (0,1 bis 1 %), wirkt selber schwächer als Morphin, potenziert jedoch dessen

Wirkung.

(Quelle für die Prozentzahlen: Wikipedia)

Diese Alkaloide wirken bereits in ihrer natürlichen Zusammensetzung synergistisch, da sich die schmerzstillenden und krampflösenden Eigenschaften gut ergänzen.

Historisch wurde Opium als Schmerz- und Schlafmittel eingesetzt, sowie seit jeher als Rauschmittel verwendet. In der Psychiatrie wurde Opium zur Therapie von Depressionen angewendet, insbesondere als sogenannten „Opiumkur“.

Opiumtinktur kommt heute in der Medizin gelegentlich noch gegen starke Durchfälle zum Einsatz.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde Opiumtinktur auch als Laudanum, Mohnsaft (Laudanum liquidum) oder Meconium bezeichnet.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Name Laudanum wurde in unterschiedlichen Zusammensetzungen unter anderem vom Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493–1541) beschrieben, besser bekannt als Paracelsus. Er glaubte, mit dem Laudanum ein Allheilmittel erfunden zu haben, und nannte seine Tinktur daher auch Stein der Unsterblichkeit. Seine Hauptbestandteile waren zu etwa 90 Prozent Wein sowie Opium zu etwa 10 Prozent, die Zusammensetzung ist jedoch umstritten. Als weiterer Zusatz wird Bilsenkraut, die gemeine Alraune und Tollkirsche genannt………….

Seit seiner Erfindung um das Jahr 1500 fand das Laudanum in Europa eine große Verbreitung. Während der nächsten Jahrhunderte erfreute es sich als Universaltonikum und Wunderdroge einer großen Beliebtheit. Seine herausragende Eigenschaft bestand allerdings nicht in einer lebensverlängernden, sondern vielmehr in seiner schmerzstillenden und beruhigenden Wirkung. Sogar Kindern wurde die verdünnte Tinktur bedenkenlos zur Ruhigstellung eingegeben.

Laudanum war frei verkäuflich und günstig, daher war es in allen Gesellschaftsschichten Europas sehr populär. Seine Verbreitung im 18. und 19. Jahrhundert lässt sich in etwa mit der des Aspirins in der heutigen Zeit vergleichen. Eine Zeit lang fand der Begriff auch als Synonym für Schmerzmittel allgemein Verwendung.

In Schriftstellerkreisen kam das Laudanum teilweise zur Anregung der kreativen Fähigkeiten in Mode; der Dauergebrauch der Tinktur schien jedoch die eigene Kreativität eher auszulöschen. Zu den bekanntesten bekennenden Laudanumkonsumenten gehören u. a. der englische Lyriker Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) und der Schriftsteller Thomas de Quincey (1785–1859) sowie der walisische Schriftsteller Edward Williams (bekannt als Iolo Morganwg, 1747–1826). Alle drei litten offenbar über lange Zeit ihres Lebens unter einer starken Abhängigkeit. Der englische Autor Wilkie Collins verarbeitete seine eigenen Erfahrungen mit Opium in seinem Roman The Moonstone.

Tatsächlich fand in der europäischen Gesellschaft erst ab dem 19. Jahrhundert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem suchtbildenden und schädlichen Charakter eines dauerhaften Opiumkonsums und somit auch des Laudanums statt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts standen der Medizin zunehmend neue Mittel zur Verfügung, die die bedenklichen Opiate ersetzen konnten. Im Jahre 1920 verbot England schließlich per Gesetzesbeschluss die freie Verkäuflichkeit von Opiaten. 1929 trat in Deutschland das sogenannte Opiumgesetz in Kraft.“

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass Opiumtinktur zu den Wurzeln der Phytotherapie gehört. Und das Beipiel Opiumtinktur macht wieder einmal klar, dass die Natur sehr stark wirksame Substanzen bereithält – sowohl was die therapeutischen Effekte betrifft also auch in Bezug auf mögliche Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen.

Ein Rezept für Laudanum / Opiumtinktur stand noch im Arzneibuch von 1933 (Pharmacopoea Helvetica Editio Qunita, 1933): Tinctura Opii crocata PH 5.

„30 T. Safran, 10 T. Nelkenpulver und 10 T. chinesisches Zimtpulver werden mit einer Mischung von 250 T. Weingeist und 250 T. Wasser nach dem Mazerationsverfahren (Allgemeine Bestimmungen, Seite 5) während 6 Tagen extrahiert. Hierauf wird koliert und der Rückstand abgepresst. Zu den vereinigten Kolatur- und Pressflüssigkeiten wird eine Lösung von 50 T. Opiumtrockenextrakt in 50 T. Wasser zugemischt. Nach 14tägigem Stehenlassen an einem kühlen Orte wird filtriert und das Filtrat durch Nachwaschen des Filters mit der nötigen Menge Wasser auf 1000 T. ergänzt.“

(Quelle: Pharmawiki)

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Das fragt Spiegel online reichlich spät am 24. Dezember. Jetzt sind sie doch zum grossen Teil schon gegessen, die Zimtsterne……

Aber tatsächlich: Warnungen, zu große Mengen an Zimt seien gefährlich, hört man immer wieder. Schauen wir uns mal genauer an, was es mit diesen Warnungen auf sich hat.

Als Lebensmittelkontrolleure 2006 zimthaltiges Gebäck untersuchten, schlugen sie Alarm, weil die Hersteller von Zimtsternen sich nicht einmal ansatzweise an die damaligen Cumarin-Höchstwerte hielten.

Kurz darauf warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Verbraucher vor einer zu hohen Belastung mit Cumarin, wenn sie viel Zimt zu sich nehmen. Die Verunsicherung aufgrund dieser Warnung hält zum Teil bis heute an, obwohl unklar ist, ob das Cumarin aus Weihnachtsgebäck der Allgemeinbevölkerung real schadet.

Nach dem Bericht auf Spiegel online wurde der Zusammenhang nämlich entdeckt „bei Patienten, die täglich cumarinhaltige Medikamente einnahmen, um ihre Blutgerinnung zu hemmen. Ärzte beobachteten bei sechs bis acht von hundert Patienten Anzeichen für Leberschäden. In seltenen Fällen versagte die Leber ganz.“

Diese Aussage ist meines Erachtens fragwürdig, weil hier zwei Stoffklassen durcheinander gebracht werden. Bei den blutgerinnungshemmenden Medikamenten (z. B. Phenprocoumon, Präp: Marcoumar / Marcumar) handelt es sich um dimere Cumarine, während im Zimt einfache Cumarine vorliegen (ohne blutgerinnungshemmende Wirkung).

Cumarin wurde erstmals 1922 aus Tonkabohnen isoliert und jahrzehntelang als Aromatikum mit Vanillin-ähnlichem Geschmack in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. In den 1950er-Jahren wurde dieser Verwendungszweck zuerst in den USA und dann in vielen anderen Ländern wegen des Verdachts auf krebsfördernde und leberschädigende Wirkungen verboten, weil die Verabreichung von Cumarin in grossen Dosen an Ratten und Hunde solche Effekte zeigte. Heute weiss man allerdings, dass die Verstoffwechselung von Cumarin beim Menschen anders verläuft und Cumarin in der Regel sehr rasch wieder ausgeschieden wird.

Spiegel online macht noch einen zweiten fragwürdigen Versuch, das Phänomen genauer zu fassen:

„Wie genau Cumarin das Organ schädigt, ist allerdings unklar. Eine kleine Studie mit 114 Patienten aus dem Jahr 2003 legt nahe, dass wohl vor allem Menschen mit Vorerkrankungen der Leber empfindlich reagieren. Setzten die Patienten die Medikamente wieder ab, bildeten sich die Schäden in der Regel zurück.“

In dieser Studie wurde ein Arzneimitttel zur Linderung von Venenbeschwerden hinsichtlich seiner Sicherheit untersucht, das Cumarin und Troxerutin enthielt. Die Testpersonen bekommen über 16 Wochen 30 mg Cumarin und 180 mg Troxerutin pro Tag. Im Gegensatz zur Darstellung auf Spiegel online traten weder Leberschäden noch andere ernsthafte Arzneimittelnebenwirkungen auf.

Siehe: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12776809

Spiegel online fährt fort:

„Dagegen gibt es keinerlei Berichte, dass vorweihnachtliche Zimtsternorgien Leberschäden auslösen. Das allein ist natürlich kein Freifahrtschein für hemmungslosen Zimtgenuss. Erhält jemand ein cumarinhaltiges Medikament, überwacht der Arzt die Blutwerte und erkennt bedenkliche Reaktionen schnell. Bei Weihnachtsmarkt-Fans passiert dies nicht.“

Hier kommt sie noch einmal, diese Vermischung mit den blutgerinnungshemmenden dimeren Cumarinen vom Typ Phenprocoumon.

Dennoch kann Spiegel online „gute Nachrichten für Zimtliebhaber“ verkünden:

„2014 fand das Chemische Landes- und Staatliche Veterinäruntersuchungsamt unter 24 Gebäckproben keine Überschreitungen mehr.“

Das liege zum einen daran, dass 2011 der Cumarin-Grenzwert in Gebäck angehoben wurde:

„In den Achtzigern hatten Experten ihn an der Nachweisgrenze, also möglichst gering, festgelegt. Damals deuteten Tierversuche darauf hin, dass Cumarin schon in winzigen Mengen krebserregend sein könnte. Das hat sich für Menschen glücklicherweise nicht bestätigt.“ (aus den Fünfzigern stammen die Tierversuche mit hohen Dosen…..M.K.).

Ein anderer Grund für die positive Entwicklung sei, dass die Lebensmittelhersteller nach der Diskussion von 2006 offenbar den Cumarin-Gehalt in ihren Produkten gesenkt haben.

Und was heisst das nun für die Gegenwart:

Das BfR hat Cumarin in Zimt 2012 neu bewertet. Bei Erwachsenen hält die Behörde nun 24 kleine Zimtsterne (120 Gramm) pro Tag bei einem 60 Kilo schweren Erwachsenen für vertretbar, zumindest, wenn er ansonsten keinen Zimt verzehrt. Im Jahr 2006 waren es nur acht (ungefähr 40 Gramm).

Und diese Menge Zimtsterne könnte man theoretisch das ganze Jahr über jeden Tag verspeisen, ohne Gesundheitsschäden durch Cumarin befürchten zu müssen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) liess zudem verlauten, dass man über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen die dreifache Menge Cumarin aufnehmen darf, ohne dass Gesundheitsschäden drohen. Damit dürfen auch Spitzenzeiten im Advent abgedeckt sein.

Bei kleinen Kindern hält das BfR maximal sechs kleine Zimtsterne (30 Gramm) oder 100 Gramm Lebkuchen pro Tag für garantiert unbedenklich. Auch in diesem Fall lag der Grenzwert 2006 noch tiefer, nämlich bei vier kleinen Zimtsternen (20 Gramm) oder 30 Gramm Lebkuchen.

Aber so ganz entwarnen wollen die Behörden dann doch nicht, insbesondere bei Langzeiteinnahme. Spiegel online formuliert das so:

„Wer jeden Morgen Zimt übers Müsli streut oder regelmäßig Milchreis unter einer dicken Zucker-Zimt-Haube isst, erreicht allerdings schnell die empfohlene Höchstmenge: Nicht mehr als ein kleiner, abgestrichener Teelöffel Zimt am Tag (2 Gramm) sollte ein 60 Kilogramm wiegender Erwachsener täglich konsumieren. Bei Kleinkindern sollte nach einem halben Gramm Schluss sein.“

Ganz am Schluss des Artikels und nach vielem hin und her kommt dann doch noch der erlösende Hinweis, dass es auf die Zimtsorte ankommt:

„Für den eigenen Haushalt gibt einen einfachen Trick. Während bei fertig gebackenen Lebensmitteln meist nicht deklariert wird, welche Zimtsorte verwendet wurde, kann man zu Hause auswählen: Cassia-Zimt enthält durchschnittlich 3000 Milligramm Cumarin pro Kilogramm, das entspricht 0,3 Prozent. Auf ihn beziehen sich auch die Richtwerte des BfR.

In Ceylon-Zimt kommt Cumarin dagegen nur in Spuren vor: Ungefähr acht Milligramm pro Kilogramm sind enthalten, das entspricht 0,0008 Prozent.“

Wer selbst gern mit Zimt koche oder backe, sei mit dem cumarinarmen Ceylon-Zimt auf der sicheren Seite.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/zimt-ist-zu-viel-cumarin-gefaehrlich-mythos-oder-medizin-a-1126831.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage: Auch Pflanzen können schädliche Stoffe enthalten und es ist richtig, dass Behörden darauf ein wachsames Auge werfen.

Manchmal sieht es allerdings schon eigenartig aus, wenn jedes noch so theoretische Risiko ausgeschlossen werden soll, jahrelang darüber diskutiert wird und am Schluss dann Grenzwerte festgelegt werden, die in der Praxis sowieso kein vernünftiger Mensch überschreitet.

Hingegen ist der Hinweis durchaus nützlich, dass man falls möglich den cumarinarmen Ceylon-Zimt dem billigeren, aber cumarinreicheren Cassia-Zimt vorziehen soll.

In der Phytotherapie wird Zimt als verdauungsförderndes Gewürz empfohlen (Ceylon-Zimt) und kontrovers als unterstützendes Mittel bei Diabetes diskutiert. Bisher konnte ein ausreichender Wirksamkeitsnachweis in Studien zum Anwendungsbereich Diabetes nicht erbracht werden.

Siehe auch:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes

Zimt bei Diabetes: Zum aktuellen Stand des Wissens

Für Zimtsterne Ceylon-Zimt statt Cassia-Zimt verwenden

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Cumaringehalt von Zimt schwankt stark

Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontrovers beurteilt

Phytotherapie: Zimt regt den Magen an

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Manchen Menschen fällt das Lernen einfach schwerer. Ihnen könnte möglicherweise eine Prise Zimt helfen. Hinweise in diese Richtung zeigten sich in einer neuen US-Studie mit Mäusen, in der Zimt das Lernvermögen verbessert.

Gaben die Forscher Labormäusen, die schlecht lernten, einen Monat lang zusätzlich zu ihrem Futter Zimt ins Futter, verbesserte sich ihr Gedächtnis und ihr Lernvermögen deutlich und wurde so gut wie das von schnell lernenden Mäusen.

Das berichten die Wissenschaftler um den Neurologen Kalipada Pahan von der Rush University in Chicago im Journal of Neuroimmune Pharmacology.

Auf Mäuse, die bereits schnell lernten, hatte die Zimtgabe keinen Einfluss.

Die Forscher hatten Mäuse ins Barnes-Labyrinth geschickt, eine große Arena, in die am Rand 40 Löcher gestanzt sind. In diese Löcher kann eine Maus hineinschlüpfen, doch führt nur eines der Löcher durch einen Gang in ein echtes Versteck. Die anderen Löcher enden blind und die Maus wird sich darin unwohl fühlen.

Am Rand der Arena gibt es Markierungen, damit eine Maus, wenn sie einmal das echte Versteck gefunden hat, dieses sofort wiedererkennen kann. Wird die Maus ins Labyrinth gesetzt, huscht sie rasch zum richtigen Loch.

Mit dem Barnes-Labyrinth können Forscher also Mäuse auf ihre Lernfähigkeit testen. Mäuse mit guten Lernwerten verschwinden augenblicklich im richtigen Loch. Mäuse mit Lernproblemen suchen alle Löcher ab und finden das Versteck erst nach längerer Zeit. Bei diesen Schlecht-Lerner-Mäusen war nun die Steigerung der Lernfähigkeit nach Zimtgabe signifikant.

Eine Maus, die beispielsweise 150 Sekunden brauchte, um im Barnes-Test das richtige Loch zu finden, schaffte das innert 60 Sekunden, nachdem sie einen Monat lang Zimt bekommen hatte.

Die Wissenschaftler entdeckten in weiteren Tests sogar die neurobiologischen Grundlagen für diesen Effekt. Zimt-Inhaltsstoffe werden in der Leber zu Natriumbenzoat verstoffwechselt. Diese Substanz beeinflusst offenbar den Hippocampus, einen kleinen Hirnbereich, der Erinnerungen sortiert und speichert.

Schlechte Lerner haben im Hippocampus tiefere Werte des Proteins CREB, das beteiligt ist an Erinnerung und Lernen, und höhere Werte von Proteinen, die hemmend auf diese Prozesse wirken.

Natiumbenzoat verändert die Menge dieser Stoffe in günstiger Weise und stimuliert im Hippocampus die Plastizität, also letztlich die Lernfähigkeit des Gehirns.

Ob Zimt auch die Lernfähigkeit des Menschen steigern kann, ist allerdings noch völlig offen.

Sollten sich ihre Resultate bei Menschen bestätigen, die sich mit dem Lernen schwertun, wäre dies ein bemerkenswerter Fortschritt, erklären die Forscher. Kalipada Pahan schreibt:

„Dies wäre einer der sichersten und einfachsten Ansätze, um aus schlechten Lernern gute Lerner zu machen.“

In normalen Mengen konsumiert, sind Zimt und Natiumbenzoat für den Menschen unbedenklich. Die Forscher empfehlen aber, auf die Qualität des Zimts zu achten. Billiger Cassia-Zimt, auch chinesischer Zimt genannt, enthält höhere Mengen an Cumarin, das die Leber schädigen kann. Im sogenannten Ceylon-Zimt kommt Cumarin nur in sehr geringen Mengen vor.

Quellen:

http://www.aponet.de/aktuelles/kurioses/20160715-zimt-verbessert-das-lernvermoegen.html

http://www.welt.de/gesundheit/article157299038/Wer-Zimt-isst-lernt-womoeglich-leichter.html

https://www.sciencedaily.com/releases/2016/07/160712214659.htm

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11481-016-9693-6

DOI: 10.1007/s11481-016-9693-6

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich sind diese Ergebnisse sehr interessant, doch kann nicht genug betont werden, dass von Laborergebnissen und Tierexperimenten nicht einfach auf entsprechende Wirkungen beim Menschen geschlossen werden kann. Das sagen ja auch die Wissenschaftler selber in ihrer Zimtstudie. Auch die Frage, welche Dosis für Menschen nötig wäre, ist ungeklärt.

In der Originalpublikation steht einfach, dass Zimt von den Mäusen in Natriumbenzoat umgewandelt wird. Das ist natürlich vereinfacht dargestellt. Es muss ein bestimmter Inhaltsstoff von Zimt sein und bisher habe ich nicht herausgefunden, welcher dafür in Frage kommt.

Interessants gibt es aber auch zum Natriumbenzoat zu sagen:

Natriumbenzoat hemmt Bakterien und Pilze und wird daher als Lebensmittelzusatzstoff (E 211) zur Konservierung von Lebensmitteln eingesetzt.

Wikipedia schreibt zur Verträglichkeit:

«Natriumbenzoat kann Allergien wie Asthma und Nesselsucht auslösen und belastet den Leberstoffwechsel. Eine britische Studie nannte Natriumbenzoat, das als Konservierungsstoff in Colagetränken verwendet wird, neben anderen Zusatzstoffen als möglichen Auslöser für ADHS. Wörtlich heißt es in der Studie, die im britischen Medizinjournal The Lancet erschien: „Diese Ergebnisse zeigen, dass ungünstige Wirkungen nicht nur bei Kindern mit extremer Hyperaktivität (wie ADHS), sondern auch in der normalen Bevölkerung auftreten“»

Da die aus Zimt umgewandelten Mengen an Natriumbenzoat wohl doch eher klein sein dürften, kann ich mir unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Belastung des Leberstoffwechsels auf diesen Weg nicht recht vorstellen. Für Allergien reichen allerdings schon sehr geringe Stoffmengen. Interessant ist das Zitat aus „The Lancet“ am Schluss. Da stellt sich die Frage, ob Natriumbenzoat im Gehirn durch Einwirkung auf bestimmte Proteine nicht nur günstige Wirkungen auf Lernprozesse auslösen kann, sondern in manchen Situationen vielleicht auch dysregulierend wirken könnte. Allerdings wurde in der betreffenden Lance-Studie Natriumbenzoat zusammen mit bestimmten Lebensmittelfarbstoffen untersucht, so dass nicht eindeutig ist, ob Natriumbenzoat an diesem negativen Effekt beteiligt ist und wenn ja, wie stark:

„An der Studie nahmen rund 300 Kinder teil, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Sie wurden gebeten, über den Zeitraum von sechs Wochen Fruchtsäfte zu trinken. Bei zwei der drei Gruppen waren die Säfte aber mit den Farbstoffen Sunsetgelb (E110), Chinolingelb (E104), Azorubin (E122) und Allularot (E129) sowie dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat (E211) versetzt. Letzteres wird häufig Erfrischungsgetränken wie Cola beigemischt.

Die Flüssigkeiten, die den Drei- beziehungsweise Acht- bis Neunjährigen gegeben wurden, entsprachen den Forschern zufolge Getränken, die im Handel erhältlich sind. In der Untersuchung fanden die Wissenschaftler heraus, dass in beiden Altersgruppen die Kinder, die die präparierten Flüssigkeiten zu sich nahmen, unruhig wurden und leichter die Konzentration verloren.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass ungünstige Wirkungen nicht nur bei Kindern mit extremer Hyperaktivität (wie ADHS), sondern auch in der normalen Bevölkerung auftreten“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.»

Quelle: https://web.archive.org/web/20070908220223/http://www.netzeitung.de/wissenschaft/732690.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Diabetes

Diabetes ist ein schwieriges Gebiet für die Phytotherapie. Es schwirren zwar viele Ideen herum, aber es sind wenige fundierte Daten dazu vorhanden.

Soll ich dazu überhaupt einen Beitrag verfassen oder es bleiben lassen?

Meiner Ansicht nach ist es unseriös, immer nur Tolles zu berichten, und die Widersprüche, die offenen Fragen und die schwierigeren Terrains einfach auszulassen.

So verhalten sich jedenfalls eher manche Verkäufer oder Missionare.

Ein eigenständiges, realitätsnahes Bild kann sich aber nur machen, wer umfassend und differenziert über ein Gebiet informiert ist. Und dazu gehören eben auch Widersprüche, Lücken, offene Fragen etc.

 

Und daher lesen Sie hier manchmal auch kritische Texte, in denen Grenzen der Pflanzenheilkunde aufscheinen.

Wer nämlich immer nur tolle Heilungsgeschichten vorgesetzt bekommt, wird an der Nase herumgeführt.

 

Und nun zum Thema „Heilpflanzen und Diabetes“.

Professor Edzard Ernst aus Exeter in Großbritannien präsentierte beim Diabeteskongress in Berlin eine Reihe systematischer Reviews zur Wirksamkeit von komplementärmedizinischer Ansätzen bei Diabetes mellitus.

Ernst bezeichnete das Vorgehen vieler Befürworter der Komplementärmedizin, erwünschte Schlussfolgerungen aus Studien überzubetonen und widersprechende Evidenz nicht zu berücksichtigen, als „Rosinenpickerei“.

Ausserdem kritisierte er, dass meist nur Daten aus In-vitro-Untersuchungen und Tiermodellen vorlägen, bzw. dass die Studien von schlechter Qualität seien und nur geringe Effektgrößen zeigten.

Valide klinische Studien in diesem Bereich seien Mangelware.

Und was bleibt dann noch übrig:

 

„Ein systematisches Review, das 31 Studien (meist schlechter Qualität) einschloss, zeigte einen potenziellen Benefit bei Diabetes für Chrom, Ballaststoffe, Grünen Tee und Bockshornklee. Suksomboon et al. (J Ethnopharmacol 2011) konnten Effekte auf den HbA1c-Wert für Mariendistel und Bockshornklee, nicht aber für Süßkartoffel und Zimt zeigen. Eine Cochrane-Analyse von 7 randomisierten klinischen Studien zu ayurvedischen Ansätzen, kam zu dem Schluss, dass aufgrund der methodischen Defizite der Untersuchungen keine Bewertung möglich sei.“

 

Quelle:

 

http://www.springermedizin.de/ddg-kongress_valide-daten-zu-alternativen-behandlungsoptionen-sind-mangelware/5152590.html

(mehr Quellenangaben dort)

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Bei Diabetes sind eine adäquate Ernährungsgestaltung, Reduktion von Übergewicht und ausgiebige Bewegung wichtiger als Heilpflanzen-Anwendungen. Das sind aber eigentlich auch Bereiche der Naturheilkunde.

Ballaststoffe sind im Zitat oben pauschal aufgeführt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose. Gemeint sein könnten zum Beispiel:

– Haferkleie:

„Hafer-Beta-Glucan bildet im Magen und Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz, die eine verlangsamte Resorption der Nährstoffe aus der gelartigen Masse zur Folge hat. Dies führt zu einem weniger starken und zeitverzögerten Anstieg des Blutglucosespiegels.“

(Quelle: Wikipedia)

– Guarkernmehl

– Johannisbrotkernmehl

– Flohsamen

– Bockshornkleesamen

 

Mariendistel ist bekannt als Leberschutzpflanze und zur unterstützenden Behandlung bei chronischen Lebererkrankungen, wobei allerdings nur Präparate wirksam sind, die einen hohen Wirkstoffgehalt aufweisen (hochkonzentrierte Extrakte, reine Silymarin-Präparate). Mariendisteltee und Mariendisteltinktur liegen mit ihrem Silymaringehalt deutlich zu tief.

 

Interessant und neu für mich ist die Erwähnung der Mariendistel im Zusammenhang mit Diabetes bzw. dem HbA1c-Wert.

 

Was ist der HbA1c-Wert:

„HbA1c ist ein Glykohämoglobin, das heißt eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist (Glykierung). Die Kopplung von Glukose an das Hämoglobin A findet ohne Enzyme statt (Amadori-Umlagerung), daher handelt es sich nicht um eine Glykosylierung.

Der Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin (Hb) kann bei Blutuntersuchungen festgestellt werden. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen (im Durchschnitt acht Wochen, das ist ungefähr das mittlere Alter der Erythrozyten) und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Zimt & Diabetes siehe:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2014/06/06/zimt-zur-senkung-des-blutzuckers-bei-diabetes.html

Zum Thema „Rosinenpicken“ hier ein Zitat von Goethe und ein paar Erläuterungen zum Single-Study-Syndrom.

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Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes

Zimt ist seit einigen Jahren in der Diskussion als begleitendes Mittel in der Behandlung von Diabetes. In der Fachzeitschrift „PHYTOtherapie“ der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte Reinhard Länger eine eher kritische Einschätzung der Wirksamkeit:

„Große Mengen an Zimtrinde oral aufgenommen (bis zu 6 g täglich) sollen den Blutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetes senken. Diese Annahme basiert auf einer einzigen klinischen Prüfung mit nur ca. 60 Patienten. Der erzielte Effekt war gering. Trotzdem wurde Zimt schlagartig weltweit als natürlicher Blutzuckersenker berühmt, Nahrungsergänzungsmittel waren unverzüglich erhältlich. Bis heute fehlen sowohl eine Bestätigung der Wirksamkeit als auch Hinweise über den vermeintlichen Wirkmechanismus. Auch die Sicherheit der Einnahme so großer Mengen an Zimt über einen längeren Zeitraum ist nicht belegt. Fazit: Typ-2-Diabetes soll mit gesicherten Maßnahmen behandelt werden, alle Interventionen sollen mit Arzt und Diätologin abgesprochen sein.“

Quelle:

PHYTO Therapie 6 2013

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0613.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nach dieser 2003 publizierten Studie mit 60 Patienten, die in Pakistan durchgeführt wurde, war Zimtpulver in der Naturheilkunde sofort ein Thema für die unterstützende Behandlung von Diabetes. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von klinischen Studien, welche die Hoffnungen in Zimt wieder etwas gedämpft haben.

Eine Zusammenfassung der Studienlage hat das Portal „medizin-transparent“ kürzlich veröffentlicht:

http://www.medizin-transparent.at/zimt-die-maer-vom-gesunden-wintergewuerz

Neben den Patientenstudien gibt es auch eine ganze Reihe von Laborexperimenten zum allfälligen Wirkungsmechanismus von Zimt.

Forschungsergebnisse aus dem Labor wurden bereits 2006 in der Pharmazeutischen Zeitung zusammengefasst. Hier ein Ausschnitt aus dieser Übersicht:

„In In-vitro-Studien an 3T3-L1 Adipozyten verbesserte der Zusatz von Methylhydroxychalkonpolymer (MHCP), einem wasserlöslichen Polyphenolpolymer aus Zimt, die Glucoseaufnahme und Glykogensynthese in ähnlichem Ausmaß wie Insulin (Jarvill-Taylor et al. 2001). Unter MHCP-Einfluss kam es zu einer Aktivierung der Glykogensynthase, zu einer Hemmung der Glykogensynthasekinase-3β (GSK-3β) sowie zu einer Steigerung der Phosphorylierung des Insulinrezeptors, wodurch vermutlich die Insulinsignaltransduktionskaskade angeregt wird. Die kombinierte Behandlung der Adipozyten mit MHCP und Insulin führte zu überadditiven Effekten, ein Hinweis auf einen Synergismus zwischen diesen beiden Substanzen. Nach Auffassung von Jarvill-Taylor et al. (2001) könnte MHCP auf Grund seiner insulinmimetischen Eigenschaften für die Behandlung der Insulinresistenz von Bedeutung sein.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1587

Klar ist aber auch, dass solche Laborergebnisse grundsätzlich nicht geeignet sind, um eine Wirksamkeit bei Patientinnen und Patienten zu belegen.

Hier gibt es noch eine Stellungnahme von Sabine Glasl-Tazreiter, Ao. Univ.-Prof. am Department für Pharmakognosie am Pharmaziezentrum der Universität Wien:

Zimt bei Diabetes – zum aktuellen Stand des Wissens 

 

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Kardamom als Gewürz und Heilpflanze

Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zur Pflanzenfamilie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) und verfeinert vor allem asiatische und arabische Speisen. Kardamompulver wird in Curry-Mischungen verwendet und im Orient auch als Kaffeegewürz. Zudem ist es Bestandteil von Lebkuchengewürz-Mischungen.

„Spiegel online“ hat vor kurzem die Wirkungen von Kardamom als Heilpflanze beschrieben:

„Wie Zimt hat auch Kardamom einen hohen Anteil ätherischer Öle. Ein wichtiger Inhaltsstoff des Kardamomöls ist Cineol, das in größeren Mengen auch in Eukalyptus vorkommt. Es wirkt stark antibakteriell und schleimlösend. Daher empfiehlt sich Kardamom auch zur Behandlung von Erkältungs- und Lungenerkrankungen.

Daneben blockiert der im Kardamomöl enthaltene Wirkstoff Gingerol einen Rezeptor im Magen-Darm-Trakt, der den Brechreiz auslöst. Kardamom kann deshalb die Verdauung unterstützen und gegen Übelkeit helfen.“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/zimt-nelken-weihrauch-weihnachtsgewuerze-fuer-die-gesundheit-a-936932.html

Kommentar & Ergänzung:

Kardamomöl enthält 20 – 40 % 1,8-Cineol und ist an diesem Punkt tatsächlich mit dem Eukalyptusöl verwandt. Daraus lässt sich eine antibakterielle und schleimlösende Wirkung ableiten. Kardamom gilt auch als Mittel zur Linderung von Verdauungsstörungen.

Dass Gingerol ein Bestandteil von Kardamomöl ist, halte ich aber für einen Irrtum. Nirgends in der mir zugänglichen Fachliteratur taucht Gingerol als Inhaltsstoff von Kardamom oder Kardamomöl auf. Gingerole sind nicht flüchtig und können daher nicht Bestandteil des Kardamomöls sein.

Gingerole sind die Scharfstoffe im Ingwer (Zingiber officinale). Und beim Ingwerwurzelstock gibt es tatsächlich diese Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen, die auf einer Blockade des 5-HT3-Rezeptors beruht.

Siehe dazu:

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

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Zimt bei Diabetes – zum aktuellen Stand des Wissens

Seit einigen Jahren ist Zimt als Heilpflanze bei Diabetes im Gespräch. Entsprechende Hoffnungen wurden genährt durch Laborexperimente und klinische Studien. Die Erkenntnislage dazu ist allerdings immer noch widersprüchlich.

Die Zeitschrift „Phytotherapie Austria“ (Nr. 1 / 2013) hat zu diesem Thema Sabine Glasl-Tazreiter befragt, Ao. Univ.-Prof. am Department für Pharmakognosie am Pharmaziezentrum der Universität Wien.

Auf die Frage, wie die Anwendung von Zimt aus heutiger Sicht zu beurteilen sei, antwortet sie:

„Der Zimt-Hype nahm seinen Lauf mit der Publikation der Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2003. Vermahlenes Zimtpulver hatte in den Dosierungen 1g, 3g und 6g über einen Anwendungszeitraum von 40 Tagen zu einer Senkung der Glucoseplasmaspiegel sowie zur Senkung der Triglyceride, LDL und des Gesamtcholesterins geführt. Seither wurden zahlreiche klinische Studien durchgeführt. Deren Ergebnisse sind allerdings widersprüchlich und keineswegs so klar, wie man sich das erhofft hatte.“

Die Expertin geht dann auf Stellungnahmen von Fachgesellschaften ein:

„Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft hat 2005 eine Stellungnahme verfasst, in der sie keine Empfehlung für Zimt abgibt. Darin heißt es, die Einstellung von Diabetespatienten sei bereits mit den gut geprüften Antidiabetika schwer; darüber hinaus habe man keine Information über die für die Wirkung verantwortlichen Zimt-Inhaltsstoffe, und letztlich kritisiert man die ungenügenden Daten zu Toxikologie und Langzeiteffekten. Die Amerikanische Diabetesgesellschaft erklärt in ihrer Stellungnahme aus dem Jahr 2010, dass Zimt keinen Benefit für Diabetiker brächte, dass die Beweislage hinsichtlich der cholesterinsenkenden Wirkung nicht überzeugend sei, und dass man keine Empfehlung für Zimt zur Behandlung erhöhter Cholesterinspiegel abgeben könne.“

Und hier ihr Fazit:

„Diese sehr kritischen Bewertungen werden von manchen Ärzten als zu vorsichtig eingeschätzt, denn bei den vielen pflanzlichen Alternativen, die bei Diabetes beworben werden, liefert der Zimt in den Studien die größte Konsistenz hinsichtlich der Senkung des Nüchternblutzuckers und der HbA1C-Werte. Was also soll man den Patienten raten? Will man auf Nummer Sicher gehen, so sollte keine Selbstmedikation ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0113.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Als die Forschungen zum Thema „Zimt & Diabetes“ bekannt wurden, war das eine ziemliche Sensation, weil niemand eine solche Wirkung von Zimt erwartet hatte.

Inzwischen haben allerdings widersprüchliche Ergebnisse die Einschätzung nicht gerade leichter gemacht. Der Expertin ist aber zuzustimmen, wenn sie feststellt, dass andere pflanzliche Mittel bei Diabetes in den Studien weniger Konsistenz zeigten.

Nicht nachvollziehbar ist die Aussage der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, wonach man keine Information über die für die Wirkung verantwortlichen Zimt-Inhaltsstoffe habe.

Als Wirkstoff erforscht wird Methylhydroxychalkonpolymer (MHCP), ein wasserlösliches Polyphenolpolymer aus Zimt. MHCP verbesserte in In-vitro-Studien an 3T3-L1 Adipozyten die Glucoseaufnahme und Glykogensynthese in ähnlichem Ausmaß wie Insulin.

Gemäss Pharmawiki wurde die erwähnte Studie aus dem Jahr 2003 mit Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia) durchgeführt. Er enthält verhältnismässig hohe Konzentrationen des bei längerer Einnahme in hohen Dosen möglicherweise leberschädigenden Cumarins.

Und da bei einer Anwendung als Begleittherapie bei Diabetes von einer Langzeitanwendung auszugehen ist, muss Cassia-Zimt in diesem Anwendungsbereich sehr in Frage gestellt werden. Der Cumaringehalt liegt bei Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) wesentlich tiefer.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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