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Efeu gegen Husten als Spagyrik-Tinktur anwenden?

Efeu wird als Heilpflanze gegen Husten eingesetzt und wirkt dabei krampflösende und auswurffördernd.

Dabei kommt es immer wieder zu Unklarheiten über die beste Anwendungsform.

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob Efeu auch als spagyrische Tinktur angewendet werden kann.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss man wissen, welche Wirkstoffe für die krampflösenden und auswurfförderden Effekte verantwortlich sind – und zudem, ob diese Wirkstoffe in relevanten Mengen vom Efeublatt in die spagyrische Tinktur übergehen.

Die Wirkung von Efeublättern zur Linderung von Husten wird seit längerer Zeit intensiv erforscht. Dabei gelten die Saponine als entscheidende Wirkstoffe. Als Hauptsaponin gilt Hederasaponin C.

Charakteristisch für die Spagyrik ist das sehr ungewöhnliche, aufwendige Herstellungsverfahren.

Die Pflanzen werden zuerst mit Hefe vergoren. Dann wird abdestilliert. Dabei geht ein allfällig vorhandenes ätherisches Öl ins Destillat über.

Der Destillationsrückstand wird anschliessend bei einer Temperatur von mehreren hundert Grad Celsius verascht. Dabei werden die organischen Inhaltsstoffe und damit auch die Wirkstoffe zerstört.

Die Asche und das Destillat werden anschliessend vereinigt.

Aufgrund dieses Herstellungsverfahrens ist klar, dass eine spagyrische Tinktur keine Saponine enthält. Ihre Anwendung bei Husten lässt sich nicht mit der Wirksamkeit von Saponinen begründen.

Aber wie kann Efeu als Hustenmittel eingesetzt werden?

Tee aus Efeublättern enthält zwar Saponine. Trotzdem sollen Efeublätter nicht als Tee zubereitet werden, weil die Wirkstoffe genau dosiert werden müssen und das bei der Anwendung als Tee nicht sichergestellt werden kann. Das gilt auch für klassische Pflanzentinkturen, egal ob es sich um eine Frischpflanzentinktur oder um eine Efeutinktur aus getrockenten Efeublättern handelt.

Sicher und wirksam kann Efeu als Arzneipflanze nur in Form von Efeuextrakt eingesetzt werden. Efeuextrakte sind Bestandteil verschiedener Hustenpräparate, zum Beispiel dem Drosinula Hustensirup (in Kombination mit Sonnentau-Extrakt und Extrakt aus Fichtensprossen) oder Bronchipret Hustensirup (in Kombination mit Thymianextrakt).

Monopräparate, die ausschliesslich Efeuextrakt enthalten, sind zum Beispiel Prospan Hustensaft / Hustentropfen und Sanabronch Sirup.

Klinische Studien zur Wirksamkeit von Efeuextrakt wurden vor allem mit dem Extrakt EA 575 (Prospan®) durchgeführt. Dieser Extrakt wird schon seit über 60 Jahren zur Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit akuten oder chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen eingesetzt.

Die pharmakologische Forschung mit dem Extrakt EA 575 hat auch wesentlich zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus der Efeu-Saponine beigetragen.

Bettina Lube – Diedrich beschreibt die Wirkungsweise im Fachbuch Arzneipflanzen – Arzneidrogen so:

„Die Saponine bewirken, dass auf den Oberflächen der Zellen des Lungenepithels und des Bronchialgewebes die Dichte der β2-adrenergen Rezeptoren zunimmt, die Empfindlichkeit  des Gewebes für Adrenalin steigt.  Dies hat mehrere positive Folgen: Es wird vermehrt Surfactant gebildet, eine oberflächenaktive Substanz, die die Lungenbläschen bedeckt und stabilisiert. Sie sorgt ausserdem für den Abtransport von Schleim, weil in den Lungenbläschen keine Flimmerhärchen sind, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Durch die vermehrte Surfactant  wird der zähe Schleim verflüssigt und kann abgehustet werden. Eine andere Folge der Zunahme der Rezeptorendichte ist die Entspannung der Bronchialmuskulatur, so dass der Atemwiderstand gesenkt wird.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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EFSA publiziert Sicherheitsevaluation für Catechine im Grüntee

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine Evaluation der Sicherheitsdaten von Catechinen im Grüntee durchgeführt. Grund dafür waren Meldungen von Leberschäden, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Verwendung von Grünteeprodukten stehen.

Catechine sind die wichtigsten Flavonoide, die im Grüntee enthalten sind, wobei mengenmässig Epigallocatechingallat (EGCG) dominiert.

Die EFSA kommt in ihrer Untersuchung zum Schluss, dass Catechine in Aufgüssen und anderen Grünteegetränken generell sicher sind.

In Europa wird die aufgenommene Tagesmenge an EGCG über traditionelle Grünteeaufgüsse auf 90 bis 300 mg geschätzt.

Bei Erwachsenen, die Grünteegetränke in grossen Mengen konsumieren, kann sie bis zu 866 mg erreichen. Der regelmässige Genuss von Grüntee ist sehr beliebt. Beobachtungsstudien vor allem aus China und Japan zeigen, dass Grünteekonsumenten ein verringertes Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen haben.

Andererseits können mit Schlankheitsprodukten auf der Basis von Grüntee für Erwachsene durchaus Catechindosen von über 800 mg/Tag zugeführt werden.

Bei so hohen Tagesdosen ist der Verdacht auf Leberschädigung aufgetaucht. Fachleute konnten bisher noch keine sichere Dosis definieren.

Bei Tagesdosen unter 800 mg gibt es keine Hinweise auf Leberschädigung.

Bei Recherchen wurden sehr variable Mengen an EGCG-Tagesdosen aus Nahrungsergänzungsmitteln mit Grüntee (5-1000 mg Catechine) gefunden.

Eine Rolle könnte auch die unterschiedliche Art der Einnahme spielen: Während Teeaufgüsse üblicherweise mit der Nahrung und über den Tag verteilt getrunken werden, werden Nahrungsergänzungsmittel eher nüchtern und als einzelne Tagesdosis eingenommen.

Um den Verbraucherschutz zu verbessern empfiehlt die EFSA, Grünteeprodukte deutlicher zu kennzeichnen mit Angabe des Catechingehalts. Darüber hinaus rät sie zu weiteren Studien zur Wirkung von Grünteecatechinen.

Literatur:

_European Food Safety Authority, Scientific opinion on the safety of green tea catechins, 18.04.2018

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5685&NMID=5685&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Grünteekonsum in Mengen, wie sie in China und Japan üblich sind, unschädlich ist, erscheint jedenfalls plausibel. Mit Nahrungsergänzungsmitteln kann man aber EGCG in Dosen aufnehmen, die weit darüber hinaus gehen. Hier ist Vorsicht durchaus angebracht. Die Empfehlung der EFSA, den Catechingehalt bzw. EGCG-Gehalt von Grünteeprodukten besser zu deklarieren, ist daher sinnvoll.

Bei Grüntee-Extrakten würde ich auch eine Angabe des DEV begrüssen. Dadurch lässt sich mindestens annähernd umrechnen, wieviel Tassen Grüntee eine Kapsel mit Grüntee-Extrakt entspricht. DEV = Droge-Extrakt-Verhältnis („Droge“ meint hier: getrocknete Arzneipflanze). Eine Erklärung zum DEV findet sich auf Wikipedia:

« Das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV), genau genommen das „native“ Droge-Extrakt-Verhältnis (DEVnativ), wird bei Drogenextrakten deklariert. Es gibt an, welche Ausgangsmenge an Droge für die Bereitung einer bestimmten Menge des Extraktes eingesetzt wurde. Für einen Trockenextrakt mit einem DEV von z. B. 10:1 bedeutet dies, dass 1 Teil Trockenextrakt aus 10 Teilen Droge gewonnen wurde, also wurde für die Bereitung von 10 g Trockenextrakt 100 g Droge eingesetzt. Mit dieser Zahl kann bei der Dosierung des pflanzlichen Arzneimittels immer auf die dafür eingesetzte Drogenmenge umgerechnet werden. Damit können auch verschiedene Trockenextrakte einer Droge in ihrer Qualität verglichen werden und Rückschlüsse auf die Anreicherung der Inhaltsstoffe gezogen werden. Trockenextrakte haben je nach eingesetztem Pflanzenteil ein DEV von 5 bis etwa 50:1, Fluidextrakte (Flüssigextrakte) haben ein DEV von 1:1 bis 1:2, Dickextrakte (zähflüssige Extrakte) beispielsweise 3-6:1, Tinkturen und andere alkoholische Extrakte meist 1:7 bis 1:9 bzw. 1:4 bis 1:4,5, je nachdem welche Menge Alkohol für die Extraktion der Droge eingesetzt wurde.»

Quelle: Wikipedia

Die erwähnten Beobachtungsstudien, die auf ein verringertes Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Grünteekonsumenten hinweisen, sind zwar interessant, können aber eine Wirksamkeit nie einwandfrei belegen.

Bei Beobachtungsstudien werden Bevölkerungsgruppen verglichen und es wird nach Zusammenhängen zwischen dem Auftreten von bestimmten Krankheiten und zum Beispiel bestimmten Ernährungsgewohnheiten geforscht.

Wenn man aber nun beispielsweise eine japanische und eine europäische Bevölkerungsgruppe vergleicht und dabei feststellt, dass in der japanischen Gruppe – die deutlich mehr Grüntee konsumiert – bestimmte Krebsarten seltener sind, dann ist damit noch nicht klar belegt, dass dieser Unterschied auf den Grünteekonsum zurückzuführen ist. Menschen in Japan unterscheiden sind an vielen Punkten von Menschen in Europa. Sie essen zum Beispiel auch mehr Soya, mehr Fisch, mehr Gemüse, weniger Fleisch….

In den Beobachtungsstudien zeigten sich die positiven Effekte von Grüntee zudem erst bei Gruppen, die relativ hohe Dosen täglich konsumierten, etwas 8 – 10 (japanische) Tassen.

Fazit: Wer Grüntee gern hat, kann ihn problemlos als Genusstee trinken, aber lieber nicht in exzessiv hohen Dosen. Mit konzentrierten Grüntee-Präparaten wäre ich zurückhaltend, vor allem, wenn es ausschliesslich um Vorbeugung geht.

Wer trotz fehlendem eindeutigem Wirksamkeitsnachweis Grüntee zum Beispiel zur Metastasen-Prophylaxe bei Krebserkrankungen einsetzen möchte, muss tägliche mehrere Tassen Grüntee trinken, allerdings nicht direkt wärhend einer Chemotherapie, da Grüntee die Wirksamkeit der Chemotherapie reduzieren kann.

Für den erwähnten Einsatz von Grüntee-Präparaten als Schlankheitsprodukte fehlen überzeugende Wirksamkeitsbelege.

Siehe dazu:

Grüntee zur Gewichtsreduktion? (1)

Grüntee zur Gewichtsreduktion? (2)

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wildkräuter: Gundelrebe / Gundermann in der Küche & als Heilpflanze

Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceen). Mit ihren blauvioletten Blüten ist die Pflanze im Frühling recht auffällig.

Nur wenige nutzen Gundermann in der Küche. Das Bundeszentrum für Ernährung weist aber darauf hin, dass sein herbes bis leicht harziges Aroma viele Alltagsgerichte wie Pellkartoffeln und Eierspeisen interessanter macht.

Auch für Salate, Kräuterquark und Pesto sei der Gundermann eine Bereicherung. Zum Osterfest werde er traditionell in der Gründonnerstagsuppe serviert, die aus neun verschiedenen Kräutern zubereitet wird.

Wie die Zubereitung von statten geht, beschreibt das BZfE so:

„Alle Wildkräuter, darunter auch Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn, werden gewaschen, trocken getupft und fein geschnitten. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter andünsten, Gemüsebrühe und das frische Grün hinzugeben. Nun lässt man die Suppe zwanzig Minuten köcheln und schmeckt mit etwas Schmand, Salz und Pfeffer ab.“

Auch Tee und Kräuterlimonade könne mit Gundermann verfeinert werden, schreibt das BzfE weiter, weist aber darauf hin, dass sparsam dosiert werden soll, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird.

Gundermann wird 10 bis 20 cm hoch und wächst am Waldrand, unter Hecken, aber auch in feuchten Wiesen. Er zählt Im Frühjahr zu den ersten verfügbaren Wildkräutern für die Küche und zeigt in den Monaten April bis Juni seine blauvioletten Blüten. Beim Zerreiben der Gundermannblätter entsteht ein scharfer Geruch, der etwas an Minze erinnert.

Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Im Mittelalter wurde Gundermann in klösterlichen Gärten als Arzneipflanze angebaut und zur Wundheilung eingesetzt. So leitet sich der Name wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „gund“ für Eiter oder Beule ab.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-12-vom-21-maerz-2018-31994.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

Gundermann eignet sich auch für Rahmspeisen wie Eiscreme oder Panna Cotta. Aber auch hier sparsam dosieren, sonst kippt der Geschmack ins Unangenehme. Schliesslich verwendete man früher bei den Sachsen den Gundermann anstelle von Hopfen als Bittermittel zum Bierbrauen.

Die Griechen und Römer in der Antike kannten den Gundermann nicht. Bei den Germanen war er aber wohl eine wichtige Heilpflanze. Im Mittelalter erwähnt ihn Hildegard von Bingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann für eine grosse Bandbreite von Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel innerlich bei Durchfall, Magenbeschwerden, Darmkatarrh, Bronchialerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Lungenleiden.

Diese „Indikationslyrik“ ist unübersichtlich, weil nicht mehr klar ist, wofür die Pflanze wirklich wirksam ist.

Es gibt keine fundierten Belege für solche Wirkungen des Gundermanns. Vermutet werden entzündungswidrige Wirkungen durch Flavonoide, Triterpentoide und Gerbstoffe, was bei äusserlicher Anwendung eine Rolle spielen könnte.

In der Alternativmedizin tauchen immer wieder Versprechungen auf, dass Gundermann / Gundelrebe zur Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber wirksam ist.

Das ist natürlich eine attraktive Vorstellung – eine Pflanze, die Gifte rausholt. Darum stossen solche Versprechungen auf grosse Ressonanz.

Diese Versprechen sind aber sehr fragwürdig. Es gibt keine glaubwürdigen Argumente oder gar Belege für eine solche Wirkung. Es gibt auch keine plausible Erklärung dazu, wie der Gundermann eine solche Wirkung zustande bringen soll.

Zu Laborforschung und klinischen Studien mit Gundermann habe ich nur im Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ einen Hinweis gefunden – und zwar zum Thema Hyperpigmentierung.

Im Labor hemmte ein Gundermann-Extrakt die Melatoninsynthese und die Tyrosinaseaktivität bei B16-Melanomzellen, woraus auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Hyperpigmentierungsflecken der Haut geschlossen wurde.

Eine Lotion mit Gundermann-Extrakt bewirkte nach 8-wöchiger Behandlung von UV-induzierten Pigmentflecken der Haut eine im Vergleich zu Placebobehandlung eine signifikante Depigmentierung und Entzündungshemmung.

Wie gut die Wirksamkeit dieser Lotion nun wirklich geklärt ist,  kann ich nicht beurteilen. Im Markt scheint sie jedenfalls bisher nicht erhältlich zu sein.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gundelrebe / Gundermann

Pflanzliche Präparate bei Wechseljahrsbeschwerden: Ökotest beurteilt nur Traubensilberkerze mit „gut“

Die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden hat in der Bevölkerung keinen guten Ruf. Deshalb suchen viele Frauen nach Alternativen. In Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und im Internet sind für diesen Zweck zahlreiche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Ökotest hat mit der pharmazeutischen Hilfe von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz aus Frankfurt einige Präparate unter die Lupe genommen.

Am besten schnitten dabei Präparate mit Traubensilberkerzen-Extrakt ab. Allerdings bekam nur das Traubensilberkerzen-Präparat Remifemin® die Note „gut“, weil hier aufgrund einer produktspezifischen Studie die Datenlage besser sei, schreibt Ökotest.

Von den anderen beurteilten Arzneimitteln mit Traubensilberkerze schnitten fast alle „befriedigend“ ab und nur eines mit „mangelhaft“.

Ein Extrakt aus Rhapontikrharbarber konnte die Tester nicht überzeugen, da zwar kleine Studien positive Effekte erkennen liessen, klinische Studien mit höheren Teilnehmerzahlen aber fehlten. Das Urteil  lautete daher nur „ausreichend“.

Bei den Nahrungsergänzungsmittteln überprüfte Ökotest insbesondere solche mit Isoflavonen aus Soja oder Rotklee. Einen Nutzen für gesunde Frauen sahen die Tester bei keinem Mittel. Die Bestnote bekamen hier die Menoflavon® Kapseln mit „ausreichend“.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/04/30/oekotest-findet-nur-traubensilberkerze-gut/chapter:all

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Beurteilung durch Ökotest zeigt gut, dass die Studienlage bei den untersuchten Präparaten sehr unterschiedlich ist. Und die Studienlage hängt stark davon ab, wieviel ein Hersteller bereit ist in die Forschung zu investieren.

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln müssen für ihre Produkte keinerlei Wirksamkeitsnachweis erbringen. Entsprechend ist die Motivation für aufwendige Forschung oft nicht sehr gross.

Bei Arzneimitteln sind die Anforderungen höher.

Im allgemeinen wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet, dass sich Präparate aus der gleichen Arzneipflanze in ihrer Qualität und Wirksamkeit fundamental unterscheiden können. Im Kontext der Phytotherapie kann man nicht einfach sagen, dass Traubensilberkerze gegen Wechsejahrsbeschwerden wie Wallungen hilft. Man muss immer auch dazu sagen, in welcher Anwendungsform die Pflanze wirksam ist.

Von den überprüften Präparaten gehören die Isoflavone und damit Soja und Rotklee zu den Phytoöstrogenen.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wurde früher auch zu den Phytoöstrogenen gezählt. Heute geht von einem Wirkungsmechanismus via Zentralnervensystem aus.

Das hat den Vorteil, dass jede Beeinflussung des Wachstums von östrogensensitiven Tumoren ausgeschlossen werden kann.

Remifemin besteht aus einem Trockenextrakt aus Cimicifuga-Wurzelstock mit Isopropanol als Lösungsmittel. Für diesen Extrakt ist die Studienlage tatsächlich robust.

In der Schweiz wird bei Wallungen als Phytopharmaka meistens ein Cimicifuga-Präparat von Zeller angewendet:

– Cimifemin® Neo mit 6,5 mg Trockenextrakt (Ze 450)  aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze. Kauf und zahlt man selber in Apotheken und Drogerien.

– Cimifemin uno mit 6.5 mg Trockenextrakt (Ze 450) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze.

– Cimifemin forte mit 13 mg Trockenextrakt (Ze 450) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze.

Cimifemin uno und Cimifemin forte werden von der Grundversicherung bezahlt, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt.

Für den Cimifemin-Trockenextrakt (Ze 450) gibt es auch positive Studien mit Patientinnen. Für Ze 450 wird aber Äthanol als Auszugsmittel verwendet, weshalb die Ergebnisse der Studien mit dem Isopropanol-Extrakt (Remifemin) nicht auf Cimifemin übertragen werden können.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weisse Taubnessel in der Küche und Kräuterheilkunde

Das Bundeszentrum für Ernährung hat gerade die Taubnessel als Wildkraut vorgestellt: Ihre zarten Blätter haben ein feines, champignonähnliches Aroma. Wer sie sammelt, sollte nur die jungen Triebe pflücken, deren obere Blättchen äußerst zart und schmackhaft sind.

Taubnessel schmeckt im Salat, im Pesto und Kräuterquark, in cremigen Suppen und in Aufläufen. Die Blätter lassen sich jedoch auch kurz gedünstet als Gemüsebeilage zu Fleisch und Fisch reichen.

Die weiße Taubnessel (Lamium album) zählt zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler und ist mit Kräutern wie Oregano und Thymian verwandt.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/taubnessel-in-der-kueche-32105.html

Kommentar & Ergänzung:

Neben der Weissen Taubnessel findet man in der Natur zum Beispiel auch die gelbblühende Goldnessel und die rotblühenden Arten Rote Taubnessel und Gefleckte Taubnessel. Sie sind auch essbar.

Die Weisse Taubnessel wurde früher entsprechend der Signaturenlehre wegen der weissen Blüten bei Weissfluss eingesetzt. Es gibt allerdings keine ernsthaften Hinweise für eine Wirksamkeit in dieser Hinsicht. Dazu kommt, dass Weissfluss durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Eine Empfehlung von Taubnesseln gegen Weissfluss ist daher von Grund auf zu undifferenziert. Tradition ist wertvoll, aber sie hat nicht immer Recht. Tradition zu schätzen heisst nicht, ihr kritiklos zu begegnen. Im Gegenteil: Tradition zu schätzen bedeutet, sich mit ihr auseinanderzusetzen und dabei zu prüfen, was an ihr nützlich und was überholt oder irrtumsbehaftet ist.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Zeit gibt es meinem Eindruck nach keine fundierten,  überzeugenden Anwendungsbereiche für die Weisse Taubnessel als Heilpflanze.

Taubnesseln sind aber sehr wertvolle Nahrungsquellen für Hummeln. Sie bieten ihnen sowohl Nektar als auch Pollen.

Und weil wir gerade bei den Hummeln sind und Frühling ist:

Augen auf – Hummelköniginnen unterwegs

 

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Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

Schüssler Salze sind als Methode der Alternativmedizin weit verbreitet. Dabei fällt auf, dass die Anwenderinnen und Anwender oft nur sehr rudimentäre Vorstellungen haben darüber, wie die Schüssler Salze hergestellt werden und wie sie wirken sollen. Insbesondere wenn davon ausgegangen wird, dass durch diese Präparate Mineralstoffe zugeführt werden können, ist das ein klarer Irrtum. Auf 1000 kg Schüssler Salz kommt ein Gramm des entsprechenden Mineralsalzes. Nur schon mit ein bisschen Hahnenwasser lassen sich vergleichbare Mengen an Mineralsalzen sehr viel einfacher und billiger (!) zuführen.

Siehe dazu:

Schüssler Salze: Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 enthält zum Beispiel ein Gramm Kochsalz (Natrium chloratum) auf 1000 kg. Um eine Pfanne Spaghetti zu salzen, wären also einige Tonnen Schüssler Salz Nr. 8 nötig.

Siehe dazu:

Pharmawiki erklärt Wirkung von Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6

Trotz nicht existierender Wirkstoffe wird das Präparat aber ziemlich vollmundig empfohlen zum Beispiel bei Blutarmut, Bleichsucht, Appetitlosigkeit, Diabetes, Rheuma, Trägheit, Bandscheibenschäden, Durchfall, Hämorrhoiden, Hautausschläge und Migräne.

Diesen Heilungsversprechungen fehlt jede Basis.

Auffallend ist zudem, dass für alle und jede Beschwerden, Krankheiten und Lebenslagen Schüssler Salze empfohlen werden, obwohl für die versprochenen Wirkungen nicht die Spur eines Beleges gibt.

Diese absolute Grenzenlosigkeit der Versprechungen ist es vor allem, die unglaubwürdig wirkt.

Solche Allmachtsphantasien sind allerdings auch in der Pflanzenheilkunde anzutreffen.

Das äussert sich dann zum Beispiel in Sätzen wie: „Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen.“ Wenn solche Versprechungen wahr wären, müsste niemand mehr an Krankheiten sterben.

Die Vorstellung, dass wir mit irgendwelchen Mitteln alle Krankheiten in den Griff bekommen können, hilft uns möglicherweise aus Ohnmachtsgefühlen heraus zu kommen. Das mag eine entlastende Vorstellung sein, die aber nicht wirklich tragfähig ist.  Mit Ohnmachtsgefühlen sollten wir lernen anders umzugehen.

Und zum Schluss noch:

Unabhängig davon, ob man nun von der Wirksamkeit von Schüssler Salzen überzeugt ist ober nicht, wäre es sinnvoll,  die Grundlagen dieser Methode zu kennen, wenn man damit zu tun hat.

Die Info-Plattform Homöopedia hat dazu gerade eine gute Einführung in die „Biochemie nach Schüssler“ veröffentlicht:

Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

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Detox ist Unsinn

Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Körper.  Jeden Frühling schwappt eine Detoxwelle wieder durch’s Land. Früher sagte man zu diesen körperinternen Putzaktionen Engiftungskur oder Entschlackungskur. Aber Detox tönt überzeugender. Die Frauenzeitschrift „Annabelle“ hat Michael Ristow gefragt, was der grösste Unsinn an Detox sei:

„Detox findet im Körper prinzipiell immer statt, dafür gibt es Organe wie die Leber oder die Nieren – und die funktionieren sehr gut. Es ist ein Irrglaube zu denken, man könnte durch Wunderkuren diese Vorgänge im Körper aktivieren oder beschleunigen. Was man allerdings tun kann, ist, die Leber zu behindern, etwa mit Alkohol. Wenn die Leber damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen, kann sie sich nicht um andere Dinge kümmern, die sie abbauen sollte.“

Prof. Dr. Michael Ristow ist Arzt und Wissenschafter und als Professor für Energiestoffwechsel an der ETH Zürich tätig.

Quelle:

http://www.annabelle.ch/leben/gesundheit/«-detox-trend-aergert-mich-schon-sehr»-47732

Kommentar & Ergänzung:

Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Körper. Es missachtet die Arbeit von Leber und Nieren und redet uns ein, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.

Es gibt ernsthafte Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen, bei denen die Funktion dieser Organe beeinträchtig ist oder gar versagt. Dann ist medizinische Hilfe nötig.

Aber gesunden Menschen einzureden, dass sie unbedingt Entgiftung und Entschlackung brauchen, ist nur ein gutes Geschäftsmodell.

Michael Ristow lässt im Annabelle-Interview im übrigen noch interessante Informationen einfliessen.

Er rät bei Obstsäften zur Vorsicht, da diese nicht nur gesunde Stoffe, sondern auch viel Zucker enthalten.  Ich würde empfehlen, Obstsäfte halb/halb mit Wasser zu verdünnen.

Auf die Frage, welches Obst er denn mit gutem Gewissen empfehlen könne, sagt Michael Ristow:

„Je kleiner die Frucht ist, desto gesünder ist sie. Das Gesunde im Obst steckt meist in der Schale und je mehr Schale, man bezogen aufs Gesamtvolumen isst, desto gesünder. Kleine Beeren oder allgemein alle kleinen Früchte, die rot, blau oder violett sind, kann ich empfehlen. Bei diesen Früchten ist die Chance höher, dass der ungünstige Zucker sich im Verhältnis zu den günstigen Polyphenolen lohnt. Polyphenolen sind nachweislich gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe, die in Früchten und im Gemüse enthalten sind.“

Aus phytotherapeutischer Sicht ist der Hinweis auf rote, blaue oder violette Beeren interessant. Hier handelt es sich um Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Anthocyane, einer Untergruppe der Flavonoide, die wiederum zu den Polyphenolen gehören.

Die wichtigste Heilpflanze mit Anthocyanen ist die Heidelbeere.

Auf die Heidelbeere weist Michael Ristow sogar speziell hin.

Anstelle von

«An apple a Day, keeps the Doctor away»

empfiehlt er „…eher 50 Blaubeeren a Day.“

Wobei aber leider die Blaubeeren / Heidelbeeren, die im Supermarkt verkauft werden, innen kaum blau sind und daher weniger Anthocyane enthalten als die „richtigen“, wildwachsenden Heidelbeeren.

Siehe dazu:

Heidelbeeren aus dem Supermarkt begtreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

Anthocyane sind Radikalfänger und hemmen Entzündungen. Eingeschränkt wird ihre Wirksamkeit aber oft durch stark eingeschränkte Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt.

Neben Heidelbeeren enthalten beispielsweise auch Himbeeren, Brombeeren, Schwarze Johannisbeeren, Auberginen (Schale), Aronia und Kirsche Anthocyane in relevanten Mengen. Man sollte diese Anthocyan-Quellen zwar nicht zu Wundermitteln hochjubeln, doch sind sie wertvolle Bestandteile einer vielfältigen Ernährung, wenn sie immer wieder mal auf den Speiseplan kommen.

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Hopfen bei Unruhe, Angst und Schlafstörungen

Die Deutsche Apotheker Zeitung hat ein Pflanzenporträt veröffentlicht über den Hopfen (Humulus lupulus) in der Phytotherapie. Darin kommen auch die Wirkstoffe zu Sprache:

„Hopfen enthält unter anderem die Bitterstoffe Humulon und Lupulon, außerdem ätherische Öle und Flavonoide. Eine sedierende Wirkung der Inhaltsstoffe wurde nachgewiesen, allerdings konnte keine konkrete wirksamkeitsbestimmende Substanz verantwortlich gemacht werden. Wahrscheinlich sind flüchtige Substanzen, die sich aus den instabilen Hopfen-Bitterstoffen Humulon und Lupulon bilden, an der Wirkung beteiligt.“

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/01/01/hopfen-in-der-phytotherapie/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Beim Hopfen sind bezüglich der Wirkstoffe, die für die beruhigende Wirkung verantwortlich sind, tatsächlich noch viele Fragen offen.

Hopfentee ist ausgesprochen bitter und kommt daher nicht gerade häufig zur Anwendung. Wer mit dem bitteren Geschmack nicht klar kommt, kann auch Hopfenextrakt in Dragees oder Kapselform einnehmen. Allerdings wird der Hopfenextrakt in diesen Präparaten oft mit Baldrianextrakt kombiniert. Deshalb gibt es auch kaum Studien allein mit Hopfenextrakt. Phytohersteller Zeller konnte jedoch für sein Baldrian-Hopfen-Kombipräparat Redormin zeigen, dass die Hopfen-Baldriankombination besser wirksam ist als der Baldriananteil im Redormin allein. So konnte die Wirksamkeit von Hopfenextrakt zumindestens indirekt bestätigt werden.

Als Wirkungsmechanismus des Hopfens wird eine Aktivierung des Melatoninrezeptors vermutet.

Hopfen eignet sich im Übrigen auch gut als Schlafkissen.

Margret Wenigmann schreibt dazu im Fachbuch „Phytotherapie“:

„Für ein Hopfenkissen oder –säckchen zur Beruhigung (z. B. von Säuglingen und Kleinkindern) frische Hopfenzapfen in ein Leinensäckchen füllen und ins Bettchen legen. Das bei der Lagerung entstehende 2-Methyl-3-butenol ist bereits bei niederen Temperaturen flüchtig und wirkt schlaffördernd.“

Das Hopfenkissen ist eine Alternative zum Lavendelsäckchen. Beide eignen sich natürlich auch für Erwachsene und insbesondere auch für ältere Personen, zum Beispiel im Pflegeheim.

Botanisch gehört der Hopfen übrigens zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Hopfen wird hauptsächlich für die Bierproduktion angebaut. Sie kommt aber auch wildwachsend vor, hauptsächlich in Auenwäldern. Kennenlernen können Sie Hopfen in der Natur an meinen Kräuterwanderungen in die Petite Camarque bei Basel, in die Rheinschlucht (Graubünden) und in die Thurauen am Zusammenfluss von Rhein und Thur.

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Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt stören können – sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen.

Lavendelöl und Teebaumöl duften nicht nur, den ätherischen Ölen wird auch eine beruhigende bzw. entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Darum sind sie auch Bestandteil zahlreicher kosmetischer Produkte, wie Hautcremen, Seifen oder Raumdüften. Eine Untersuchung an menschlichen Zellen zeigte allerdings, dass einige Bestandteile dieser ätherischen Öle hormonell wirksam sein können. Im Labor zeigten sie Wirkungen wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und hemmten die Aktivität des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Insgesamt acht hormonell wirksame Bestandteile der beiden ätherischen Öle konnten die Forscher identifizieren, darunter Eucalyptol und Limonen. Dass Kosmetika sogenannte Endokrine Disruptoren enthalten können, sei schon länger bekannt, erklärt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Bisher wurden allerdings hauptsächlich synthetisch hergestellte Substanzen untersucht.

Kommt man mit solchen hormonaktiven Substanzen regelmäßig in Kontakt, zum Beispiel über die Haut oder die Atemwege, dann kann das gesundheitliche Folgen haben. „Hormonaktive Stoffe können das menschliche Hormonsystem bewiesenermaßen durcheinander bringen“, sagt der Umweltmediziner Hutter. Das könne vom verfrühten Einsetzen der Pubertät über Einschränkungen der Fruchtbarkeit bis zu einem erhöhten Krebsrisiko gehen. Er hält es daher für wichtig, „dass wir Bestandteile von Kosmetika auf beiden Seiten des Spektrums untersuchen, also natürliche wie synthetisch hergestellte.“

Die US-Mediziner haben die ätherischn Öle untersucht, weil Beobachtungen erste Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit geliefert hatten. Bei drei Buben, die regelmäßig Teebaumöl-Produkte verwendet haben, wurde vor der Pubertät ein anormales Brustwachstum festgestellt, eine sogenannte Gynäkomastie. Wurden die Teebaumöl-Produkte nicht mehr verwendet, bildete sich die Brust zurück.

Umweltmediziner Hutter sagt, dass man diesen Zusammenhang auf jeden Fall noch genauer untersuchen müsse. Werde die hormonelle Wirksamkeit des Teebaumöls und des Lavendelöls durch mehrere Studien bestätigt, müsse die Zulassung für Kosmetikprodukte anders reguliert werden.

Die US-Wissenschaftler wollen nun auch andere ätherische Öle auf eine mögliche hormonelle Wirksamkeit untersuchen. Denn die Inhaltsstoffe, die sie identifiziert haben, findet man auch in mindestens 65 weiteren ätherischen Ölen. Umweltmediziner Hutter rät, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden – denn es gebe auch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, die noch nicht ausreichend erforscht sind.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2904066/

https://www.endocrine.org/news-room/2018/chemicals-in-lavender-and-tea-tree-oil-appear-to-be-hormone-disruptors

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Geschichte ist eigentlich schon ziemlich alt. Sie wurde im Fachmagazin New England Journal of Medicine bereits im Jahr 2007 publiziert:

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa064725

Die „Süddeutsche“ berichtete dann im Mai 2010 darüber.

http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-oestrogen-lavendel-oel-laesst-jungen-brueste-wachsen-1.109345

Der Bericht auf endocrine.org stammt vom 17. März 2018 und Ende März folgen nun Artikel auf 20min.ch und auf science.orf.

Es macht den Eindruck, als werde da immer wieder dieselbe Sau durchs Dorf gejagt….

Klar ist, dass auch Naturprodukte wie ätherische Öle unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können.

Beim vorliegenden Thema der allfälligen Hormonaktivität von Lavendelöl und Teebaumöl sind allerdings noch eine ganze Reihe von Fragen offen.

So lässt sich aus Einzelfallbeobachtungen nie sicher ein ursächlicher Zusammenhang belegen. Die drei Fälle mit den präpubertären Buben sind im New England Journal of Medicine detailliert beschrieben.

Patient 1 verwendete einen „healing balm“ mit Lavendelöl, Patient 2 einen Haargel und ein Shampoo mit Lavendelöl und Teebaumöl, Patient 3 eine Seife mit Lavendelöl.

In allen drei Fällen können andere auslösende Faktioren nicht ausgeschlossen werden. Auch dass sich in allen drei Fällen die Gynäkomastie einige Monate nach dem Absetzen der Produkte zurückbildete, sagt nichts Definitives aus. Das kann auch der natürliche Verlauf gewesen sein und zum Beispiel durch eine veränderte Hormonlage bewirkt worden sein.

Und Untersuchungen im Labor an menschlichen Zellen sagen nichts Definitives darüber aus, die die Substanzen im lebenden Organismus wirken.

Das ist alles sehr vage und wenn 20min.ch mit der Schlagzeile daher kommt: „Männer bekommen Brüste wegen Shampoo und Seife“, dann steht diese Behauptung auf wackeligen Beinen. Aber es tönt halt interessanter als „Teebaumöl und Lavendelöl zeigen Hormonwirkung im Reagenzglas“.

Den grundsätzlichen Rat von Umweltmediziner Hutter, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden, würde ich aber unterschreiben – auch in Bezug auf Lavendelöl und Teebaumöl.

Teebaumöl wird antimikrobiell gegen Bakterien, Pilze und Viren. Lavendelöl wird antimikrobiell gegen Bakterien und Pilze sowie beruhigend zum Beispiel bei Schlafstörungen.

Es ist nicht einzusehen, weshalb ein Haargel und ein Shampoo für einen präpubertären Jungen Teebaumöl und Lavendelöl enthalten sollte. Es ist auch für Erwachsene nicht einzusehen. Auch ein „healing balm“ und eine Seife mit Lavendelöl sind in diesem Kontext durchaus fragwürdig.

Aus phytotherapeutischer Sicht sind ätherische Öle Arzneimittel, die bei einer bestimmten Indikation angewendet werden können. Die tägliche Anwendung in Kosmetika oder als „Wellness“-Produkte ist in den meisten Fällen nicht zu empfehlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fatigue bei Krebserkrankungen

Martina Schmidt und Karen Steindorf haben gerade in der „Pharmazeutischen Zeitung“ einen sehr informativen Artikel veröffentlicht zum Thema Fatigue bei Krebserkrankungen. Sie empfehlen vor allem Sport und psychologische Interventionen, gehen aber in einem Abschnitt auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein.

Zahlreiche Krebspatienten leiden während der Behandlung unter Fatigue, einer extremen Erschöpfung, die die Lebensqualität massiv einschränkt. Bei rund einem Drittel der Betroffenen hält dieser belastende Zustand Monate oder gar Jahre nach Ende der Krebstherapie an. Die Fatigue ist eine der häufigsten Komplikationen während und nach einer Krebserkrankung und -therapie. Sie wird oft unzureichend behandelt und beeinträchtigt die Lebensqualität des Patienten und das soziale Umfeld (Partnerschaft, Familie, Freunde) stark.

Die Erkenntnisse zu Ursachen und Pathophysiologie von Fatigue sind insgesamt noch sehr diffus und unzureichend.

Um einer Chronifizierung vorzubeugen, sollte die Fatigue so früh wie möglich verhindert sowie therapiert werden, in der Regel meist schon während der Krebsbehandlung.

Die Autorinnen weisen darauf hin, dass nach dem gegenwärtigen Stand der Empfehlungen sind nicht-pharmakologische Verfahren aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit in den Vordergrund zu stellen sind. In begründeten Einzelfällen können sie durch eine pharmakologische Behandlung ergänzt werden.

Als derzeit vielversprechendste nicht-pharmakologische Therapieansätze gelten Sport und Bewegungstherapien sowie psychologische Interventionen. Eine aktuelle Metaanalyse über 113 randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien zeigte signifikant bessere Effekte von Sport sowie psychologischen Interventionen im Vergleich zu Medikamenten.

In einen kleinen Abschnitt gehen die Autorinnen auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein:

„Zu Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen, Phytotherapeutika oder anderen Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen gibt es wenig klare Evidenz. Nur für Ginseng gibt es einige Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit. Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius) verbesserte in einer großen doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie die Fatigue. Auch der asiatische Ginseng (Panax ginseng), der in Deutschland als Arzneimittel gegen Erschöpfung zugelassen ist, reduzierte signifikant die Beschwerden. Ein aktueller Review schätzte die Evidenz für eine positive Wirkung von Panax ginseng als gut ein. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche positive Effekte von Guaranà (Paullinia cupana).“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=75039

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, insbesondere natürlich für Menschen, die mit Fatigue zu tun haben, als Betroffene, als Angehörige von Betroffenen oder als medizinische oder pflegerische Fachleute.

Siehe auch:

Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

Onkologie: Johanniskraut beim Chronischen Fatigue-Syndrom

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung (Fatigue)

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Onkologie: Roter Ginseng bei Fatigue

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Bei der Anwendung von Ginseng ist zu beachten, dass es bei den im Handel erhältlichen Ginsengpräparaten grosse Qualitätsunterschiede gibt. Empfehlenswert sind auf einen bestimmten Gehalt an Ginsenosiden standardisierte Ginsengextrakte (z. B. der G115-Extrakt von Ginsana).

Bei Guaranà dürfte die Wirkung vor allem auf dem Gehalt an Koffein basieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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