Beiträge

Ingwer gegen Reisekrankheit

Die Ingwerwurzel ist als Mittel gegen Reisekrankheit inzwischen ziemlich etabliert:

„Ein bekanntes und gut wirksames Hausmittel ist Ingwer. Am besten hilft die Wurzel in Kapselform (Zintona). Der Vorteil: Im Vergleich zu Dimenhydrinat macht Ingwer nicht müde und schränkt das Reaktionsvermögen nicht ein.

Zwischendurch sind auch Bonbons mit Pfefferminz oder Ingwer erlaubt, die der Übelkeit entgegen wirken können. Wer auf große Fahrt geht, sollte auch auf seine Flüssigkeitsreserven achten. Getränke wie Milch oder Kaffee sind tabu, geeignet sind hingegen Tee aus Ingwer oder Pfefferminze sowie Wasser ohne Kohlensäure.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/pta-live/nachricht-detail-pta-live/fuenf-tipps-reiseuebelkeit-kinetosen-reisekrankheit-so-wird-kindern-nicht-uebel/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2&cHash=ceb156c23be026f5a24e214b0ddf224f

 

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist ein beliebtes Gewürz, das auch in Curry-Mischungen auftaucht und zur Verfeinerung von Speisen wie Lebkuchen, Milchreis oder Obstsalat eingesetzt werden kann.

Traditionell wird Ingwer gern bei Verdauungsstörungen angewendet. Für die Wirksamkeit gegen Reisekrankheit sprechen Resultate aus einigen kleineren Studien.

Als belegt gilt auch ein moderater Effekt zur Linderung von postoperativem Erbrechen.

Zudem gibt es Hinweise auf eine Wirkung gegen Erbrechen bei Chemotherapie.

Siehe dazu:

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer scheint auch Entzündungen hemmen zu können.

Der Inhaltsstoff Gingerol hemmt das Enzym Cyclooxygenase-2, welches Entzündungsreaktionen z. B. bei Arthrose und Rheuma fördert.

In einer iranischen Studie von Haghighi/Khalva/Toliat/Jallaei aus dem Jahr 2005 konnte bei Arthrose-Patienten mit Ingwer-Auszügen die gleiche Schmerzlinderung wie mit Ibuprofen erzielt werden. Wenn das stimmt, dann ist das sehr interessant. Allerdings kann ich die Qualität dieser Studie nicht beurteilen und aus dem Iran scheinen zum Thema Naturheilkunde eigenartigerweise nur Studien mit positiven Resultaten zu kommen.

Es gibt allerdings eine Metaanalyse dänischer Forscher, die ebenfalls zum Schluss kommt,  dass die Behandlung mit Ingwer bei Arthrose die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.

Die Überlegenheit gegenüber Placebo zeigte sich bei Dosierungen von 500 – 1000 mg Ingwer pro Tag, das entspricht 2 bis 4 Kapseln Zintona / Tag.

Siehe dazu:

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Zur Wirksamkeit und Sicherheit von Ingwer bei Schwangerschaftserbrechen gehen die Ansichten auseinander.

Sieh dazu:

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

[Buchtipp] „Über autoritäre Haltungen in ‚postfaktischen‘ Zeiten“, von Björn Milbradt

Verlagsbeschreibung

Angesichts des europa- und weltweiten Erstarkens rechtspopulistischer und autoritärer Bewegungen widmet sich der Autor zwei Begriffen, die derzeit zur Beschreibung der politischen Lage Konjunktur haben: Autoritarismus und Postfaktizität. Nach einem Rückblick auf klassische Autoritarismusstudien des 20. Jahrhunderts wird die Frage erörtert, inwiefern wir es heute mit einem „neuen“ Autoritarismus zu tun haben und welche Rolle „postfaktische“ Weltbezüge in ihm spielen. Nicht zuletzt zeigt der Autor Möglichkeiten der Intervention im Rahmen demokratischer Bildung auf. Das Buch endet mit einem auf eine demokratische Bildungspraxis gerichteten Kapitel zu Interventions- und Gegenstrategien.  Zum Shop


Aus dem Inhalt:

  • Autor – Autorität – Autoritarismus
  • Stereotypie – Syndrom – Autoritarismus
  • Ein Blick auf ‚Die Sprache des Dritten Reiches‘
  • Die Sprachphilosophie von Ludwig Wittgenstein
  • Zum Verhältnis der Begriffe ‚Verdinglichung‘ und ‚Stereotypie‘
  • Ein sprachtheoretischer Blick auf den Syndromcharakter von Vorurteilen
  • Die ‚Authoritarian Personality‘ und der Syndromcharakter von Vorurteilen
  • Zusammenfassung: Theorie des Autoritarismus
  • Über autoritäre Haltungen in ‚postfaktischen‘ Zeiten
  • Statt einer Handlungsempfehlung

Zum Autor Björn Milbradt

Björn Milbradt, Dr. phil., ist Soziologe und Leiter der Fachgruppe „Politische Sozialisation und Demokratieförderung“ am Deutschen Jugendinstitut in Halle (Saale).

Kommentar von Martin Koradi

Mir hat dieses Buch wichtige Erkenntnisse gebracht, obwohl ich weite Teile davon nicht wirklich verstanden habe.  Die Kapitel über die Theorie des Autoritarismus setzen für mich zuviel soziologisches Wissen voraus und die Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins ist für mich zu unverdaulich, obwohl ich mich regelmässig mit philosophischen Themen befasse.

Allerdings werden diese Kapitel auf den Seiten 189 – 192 ziemlich gut zusammengefasst und die restlichen Kapitel empfinde ich als ergiebig und verständlich

Es handelt sich dabei um folgende wichtige Themen:

Was ist Populismus?

Was ist Postfaktizität? Was ist Wahrheit?

Rechtspopulistische Strategien (Triumph der Meinung, Herzland, Angst-Raum).

Im Kapitel „Handlungsempfehlungen“ liefert der Autor keine fertigen Kochrezepte, aber wichtige Anregungen. So weist er mit Bezug auf Volker Weiss darauf hin, dass der Aufstieg von Parteien und Bewegungen mit rechtspopulistischen und völkisch-nationalen Zügen auch die Frage nach ihren Gegnern aufwerfe. Angsprochen sind damit explizit Linksliberale, Liberale und Konservative.

Milbradt schreibt dazu:

„Man könnte vermuten, dass all diese Akteure, die die potentielle Gegnerschaft autoritärer Bewegungen darstellen, teilweise bisher wenig von den Grundbedingungen dieser Gegnerschaft verstehen. Denn bei demokratischen Gesellschaften handelt es sich eben nicht im Wesentlichen um solche, in denen alle vier jahre gewählt wird oder die die Möglichkeiten dafür geben, die eigenen persönlichen oder parteipolitischen Partikalarinteressen oder Überzeugungen durchzusetzen. Dies sicher auch. Aber der Kern von Demokratie ist die institutionalisierte Ermöglichung eines Widerstreits, die dauerhaft die Existenz unterschiedlicher Überzeugungen, Lebensstile und Ansichten sowie die Möglichkeit fortwährender, teils äusserst Kontroverser Aushandlungsprozesse sicherstellt, und zwar auf allen gesellschaftlichen Ebenen, von der lokalen bis zur nationalen und internationalen Ebene……

Populisten haben dann ein leichtes Spiel, wenn die Demokratinnen und Demokraten nicht wissen, was sie verteidigen, und daher den propagandistischen Strategien der Antidemokraten leicht auf den Leim gehen. Wer Demokratie als eine Art Lieferservice hält,  weiss nichts über die komplizierten und langwierigen Arbeits- und Aushandlungsprozesse, über die Parteiarbeit in Ortsgruppen, Gremien, Rathäusern und Parlamenten, und er weiss dann auch nichts davon, dass er selbst als Demokrat dazu aufgefordert ist, an diesen Aushandlungsprozessen teilzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann Politiker und Parteien gewählt werden, die versprechen, besser zu ‚liefern’, ist nicht ganz gering – wie man sicherlich am Beispiel Donald Trump und seinen teils absurden Versprechungen….gut zeigen kann.“

Dieser Beschreibung des Kerns der Demokratie ist eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen – bei Politikerinnen und Politikern verschiedenster Couleur, aber auch bei Bürgerinnen und Bürgern.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytoherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

Rosmarin gegen Ängste, schlechten Schlaf und Depressionen wirksam?

Eine Studie aus dem Iran kommt zum Schluss: Wer regelmäßig Rosmarin einnimmt, schneidet in Gedächtnistests besser ab, ist weniger ängstlich und schläft besser.

Rosmarin ist ein beliebtes Gewürz zu Kartoffeln, Fleisch oder Pilzen.

Über den aromatischen Effekt in Speisen hinaus ist Rosmarin aber auch eine Heilpflanze mit langer Tradition.

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ schreibt dazu:

„Diverse Studien haben bereits eine antioxidative und antibakterielle Wirkung, sowie Effekte gegen Krebs, Entzündungen, Diabetes und Schmerzen beschrieben. Auch auf die Alzheimererkrankung, Depressionen und Ängste soll Rosmarin positiv wirken.“

Iranische Wissenschaftler der Kerman University of Medical Sciences haben nun untersucht, wie sich Rosmarin auf die Gedächtnisleistung, Ängste, Depressionen und Schlafqualität von jungen Erwachsenen auswirkt. Dazu unterteilten sie die 68 Teilnehmer in zwei Gruppen: eine Gruppe bekam täglich zweimal 500 Milligramm Rosmarin zur Einnahme, der anderen Gruppe wurde stattdessen ein Placebo verabreicht.

Die Studie wurde doppelblind durchgeführt und dauerte einen Monat.

„Doppelblind“ bedeutet, dass weder die Versuchspersonen, noch die Verteiler der Wirkstoffkapseln wussten, ob jeweils Rosmarin oder das Placebo in den Kapseln enthalten war.

Die Effekte dieser Nahrungsergänzung mit Rosmarin wurden mit Gedächtnistests und standardisierten Befragungsbögen zu Depressions- und Angstsymptomen sowie der Schlafqualität beim Start der Studie und nach Ende des Behandlungsmonats ermittelt.

In allen Bereichen verbesserten sich die Werte der Studenten, die Rosmarin bekommen hatten, gegenüber denjenigen Studenten, die das Placebo eingenommen hatten. Nur die Schlafdauer sowie die sogenannte Schlaflatenz, also die Zeit, die man braucht, um einzuschlafen, veränderten sich mit der Rosmarin-Zulage nicht. Beim Start der Studie wurden 42 der Studenten als ‚normal‘ ängstlich eingestuft, bei 26 Studenten fanden sich dagegen Symptome einer mindestens milden Angststörung (zwölf in der Rosmaringruppe, 14 in der Placebogruppe).

Nach dem Behandlungsmonat stuften die Forscher nur noch sechs der Studenten der Rosmaringruppe als stärker ängstlich als normal ein, während in der Placebogruppe auch weiterhin 14 Studenten Symptome einer Angststörung zeigten.

In der Angst- und Depressionsskala verminderten sich sowohl die Ängste als auch die Depressionen der Studenten der Rosmaringruppe um knapp zwei Punkte, während die der Placebogruppe stabil blieben.

Mit Hilfe des Schlaffragebogens wiesen die Forscher der individuellen Schlafqualität einen Wert (von 0 bis 21) zu. Bei Werten über fünf Punkten wurde die Versuchsperson in dieser Befragung zu den „schlechten“ Schläfern gezählt. Zu den guten Schläfern gehörten zu Studienbeginn 28 Studenten (16 in der Rosmaringruppe, zwölf in der Placebogruppe), zu den schlechten Schläfern insgesamt 40 Studenten (18 in der Rosmaringruppe, 22 in der Placebogruppe).

Nach der Behandlung waren nur noch 13 der Studenten aus der Rosmarin-Gruppe schlechte Schläfer. In der Placebogruppe waren von den Versuchspersonen noch 18 schlechte Schläfer. Im Vergleich zeigten sich also unabhängig von der jeweiligen Behandlung Verbesserungen im Schlafmuster bei manchen Teilnehmern. Die Bewertungen der Schlafqualität besserten sich jedoch messbar in der Rosmaringruppe im Durchschnitt um zwei Punkte mit der Behandlung, die Werte der Placebogruppe verhielten sich dagegen stabil. Auch in verschiedenen Gedächtnistests schnitten die Studenten der Rosmaringruppe messbar besser ab (von 35,53 auf 30,65 Punkte), während die Werte der Placebogruppe dagegen weitgehend stabil blieben (vorher 35,5 Punkte, nachher 35,59 Punkte).

Die günstigen Wirkungen des Rosmarins werden insbesondere dem ätherischen Öl und seinen Bestandteilen zugesprochen, beispielsweise Kampher oder Phenolen wie Carnosol oder Rosmarinsäure. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet: Vor allem bei einer Erkrankung, die sich auf Schlaf, Ängste, Depressionen und das Gedächtnis auswirkt, wie zum Beispiel der Alzheimerdemenz, wäre die Rosmarin-Nahrungsergänzung zumindest eine Option, die nach Absprache mit dem Arzt auch unbedenklich sein sollte.

Quelle:

https://derstandard.at/2000085051533/Rosmarin-hilft-gegen-Aengste-schlechten-Schlaf-und-Depressionen

Originalpublikation: Effects of Rosmarinus officinalis L. on memory performance, anxiety, depression, and sleep quality in university students: A randomized clinical trial.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29389474

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie bringt auf den ersten Blick sehr attraktive Ergebnisse. Nur schon mit Stichworten wie Alzheimer, Depressionen und Ängste hat man die Aufmerksamkeit der Menschen rasch geweckt.

Und es ist natürlich verlockend, solche Aussagen 1:1 zu übernehmen.

Aber wir müssen schon genauer hinschauen.

Die Studie ist von den Teilnehmerzahlen her sehr klein und daher wird sie schon aus statistischen Gründen keine einwandfeien Belege liefern können.

Aus dem Iran kommen in letzter Zeit laufend derart kleine Studien zu Heilpflanzen-Anwendungen, die sensationelle Wirkungen gefunden haben wollen, für die bisher in der Fachliteratur keine Ansatzpunkte zu sehen sind.

Ich erinnere mich im Zusammenhang mit Iran zudem an eine Aussage von Roman Huber, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, der in einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ darauf hinwies, dass aus dem Iran und aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur positive Studienergebnisse publiziert werden (Quelle hier)

Das ist zumindestens eigenartig, denn wo Wissenschaft ergebnisoffen betrieben wird, müssten auch negative Resultate auftauchen.

Die Aussagekraft der Studie wird auch eingeschränkt durch den Umstand, dass hier offenbar einfach Studenten als Versuchspersonen eingesetzt wurden, nicht etwa Patienten mit klar definierten Erkrankungen.

Damit will ich dem Rosmarin nicht den Status als Heilpflanzen absprechen, aber solche Wischi-Waschi-Studien, die einfach mal sehr weitreichend eine positive Wirkung bei Schlafproblemen, Angst, Depression und Alzheimer in den Raum stellen, sind fragwürdig.

Rosmarinblätter werden in der Phytotherapie-Fachliteratur vor allem zur Linderung von Verdauungsbeschwerden angewendet und äausserlich als Rosmarinöl in einer Fettgrundlage zu Einreibungen bei Gelenkschmerzen.

Rosmarinöl gilt zudem als belebendes Mittel (Analeptikum) bei Kreislaufbeschwerden, insbesondere bei Müdigkeit auf Grund von niederem Blutdruck. Für diese analeptischen Effekte wird in der Regel Rosmarinöl in verschiedenen Formen eingeatmet. In der iranischen Studie wurde aber offensichtlich Rosmarin in Kapseln eingenommen, so dass dieser Effekt über die Duftebene nicht wirksam werden kann.

Rosmarin wird aufgrund seiner antimikrobiellen Wirkung als Konserrvierungsmittel und Antioxidans in der Lebensmittelindustrie eingesetzt (z. B. bei Fleisch und Fett). Eine wichtige Rolle spielt dabei das antimikrobiell wirkende Carnosol.

Dass Rosmarin gegen Krebs und Diabetes helfen kann, wie das einleitende Zitat aus dem „Standard“ antönt, wird im Übrigen von keinerlei fundierten Belegen gestützt. Tumorhemmende Wirkungen wurden zwar im Labor gefunden, aber das it weit weg von einer erfolgreichen Anwendung bei Krebspatienten.

Insgesamt wird in diesem „Standard“-Artikel also ziemlich viel heisse Luft transportiert.

Dass Rosmarin aber schon seit langem geschäzt wird, zeigt die Beschreibung der Pflanze durch Otto Brunfels (Botaniker, Stadtarzt von Bern, 1488 1534):

„Stercket die Memory, das ist die gedächtnüss,

behütet vor der pestilentz,

erwärmet das marck in den beynen.

Bringet die sprach härwider,

macht keck und hertzhafftig,

mach jung geschaffen,

retardiert das Alter, so man es allen tag trincket,

ist ein theriacks für alles gyfft….“

Da taucht also schon das Anti-Aging auf und die Verbesserung des Gedächtnisses auch…….

Aber Tradition hat auch nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: hat Tradition Recht?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Artikel im Tages-Anzeiger mit Fehlinformationen zu Heilpflanzen

Der Tages-Anzeiger hat am 6. August 2018 einen netten Text veröffentlicht über die Anwendung von Heilpflanzen. Darüber könnte ich mich ja freuen, wenn der Text nicht so fehlerhaft wäre.

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/die-passionsblume-wirkt-besser-gegen-aengste-als-benzos/story/17703360#mostPopularComment

Nur schon der Titel und der Lead haben es in sich:

„Diese Pflanze wirkt besser als Antidepressiva

Ihre Wirkung ist wissenschaftlich erwiesen, trotzdem tut sich die Medizin mit Heilpflanzen schwer. Welche Pflanzen bei Übelkeit, Erkältungen oder innerer Unruhe helfen.“

 

Und was für eine Heilpflanze ist darunter abgebildet?

Eine Passionsblumenblüte.

Für die Passionsblume gibt es aber keine fundierten Hinweise auf eine Wirksamkeit gegen Depressionen. Passionsblume wirkt leicht beruhigend bei Einschlafstörungen und Nervosität, ausserdem leicht angstlösend.

Dann steht da noch:

„Die Zulassung von Heilpflanzen als Arzneimittel bürgt für den Nachweis einer Wirkung.“

Das stimmt so nicht und ist einfach Unsinn.

Zwar ist es wichtig, zwischen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln zu unterscheiden.

Nahrungsergänzungsmittel müssen nie eine Wirksamkeit belegen, dürfen aber dafür auch keine Indikationen auf die Packung schreiben.

Bei pflanzlichen Arzneimitteln gibt es verschiedene Kategorien. Als traditionell eingestufte pflanzliche Arzneimittel sind vom Wirkungsnachweis befreit. Als Traditionell gilt dabei ein Mittel, das seit mindestens 30 Jahren auf dem Markt ist. Eine kurze Spanne, würde ich sagen. Unter „traditionell“ verstehe ich eher ein paar 100 Jahre.

Nun spricht schon viel dafür, dass es wirksame traditionelle Arzneimittel gibt. Aber ein Nachweis für Wirksamkeit ist eine traditionelle Anwendung keineswegs.

Sieh dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition recht?

 

Die Zulassung als Arzneimittel allein ist daher kein Nachweis für Wirksamkeit.

Kommt ein pflanzliches Arzneimittel (Phytopharmaka) mit einem neuen Anwendungsbereich (Indikation) auf den Markt, muss die Wirksamkeit vorher mit Studien belegt werden. Soll ein Phytopharmaka von der Grundversicherung bezahlt werden, steht ebenfalls eine Prüfung der Wirksamkeit an.

Es gibt also eine ganze Reihe von Phytopharmaka mit belegter Wirkung – der Artikel im Tages-Anzeiger führt als Beispiele  Ginkgo, Baldrian, Trau¬bensilberkerze, Mönchs¬pfeffer und Johanniskraut an. Dabei ist die Wirksamkeit allerdings jeweil nur für bestimmte Extrakte belegt. 

Auf alle pflanzlichen Arzneimittel lassen sich diese Belege aber nicht übertragen.

Homöopathika und Anthroposophika sind im Übrigen grundsätzlich vom Wirkungsnachweis befreit.

Schlussendlich wird in dem Artikel noch auf  die Wirkung von Teufelskralle bei Rheuma hingewiesen – allerdings illustriert mit einem falschen Foto. Abgebildet ist eine eiheimische Teufelskralle (= Rapunzel, Phyteuma), siehe Foto auf Wikipedia.

 

In der Phytotherapie wird aber die Afrikanische Teufelskralle verwendet (Harpagophytum procumbens), eine Wüstenpflanze, insbesondere bei Arthrose.

Foto auf Wikipedia hier.

Der Pflanzenname „Teufelskralle“ wurde also mindestens zweimal vergeben, aber dem Tages-Anzeiger scheint es egal zu sein, welches Bild stimmt (ich habe den Fehler schon zweimal gemeldet). Die Idee, die mit diesem falschen Foto suggeriert wird, dass unsere einheimische Teufelskralle gegen Rheuma hilft, ist irreführend.

Der Artikel ist ein Beispiel dafür, dass man auch bei etablierten Medien nicht fraglos alles glauben sollte……

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe 

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

http://www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

[Buchtipp] „Starrköpfe überzeugen“, von Sebastian Herrmann

Verlagsbeschreibung

Psychotricks für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern, Fundamentalisten, Partnern und Ihrem Chef. Taschenbuch

Erfolgreich diskutieren, ohne die Nerven zu verlieren.
Die meisten Menschen klammern sich an irgendwelche Mythen, Irrtümer und liebgewonnene Ansichten. Ganz egal, wie viele Fakten auch dagegen sprechen. Richtig frustrierend werden Diskussionen mit Esoterikern, Anhängern von Verschwörungstheorien oder Leugnern des Klimawandels. Was also tun? Sebastian Herrmann erklärt, warum sich festgefügte Meinungen nicht allein mit Logik und Sachinformationen knacken lassen. Wer an den Starrköpfen in Alltag, Beruf und Partnerschaft nicht verzweifeln möchte, muss auf Psychologie setzen – und die richtigen Kniffe kennen. Zum Shop

 

Zum Autor Sebastian Herrmann

Sebastian Herrmann, geboren 1974, ist Wissenschaftsredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Autor und lebt in München. Er hat Politikwissenschaft, Geschichte und Psychologie in München und Edinburgh studiert. Bei der Süddeutschen schreibt er regelmässig über Sozialpsychologie und irrationale Glaubenssysteme.

Kommentar von Martin Koradi

Sebastian Herrmann gelingt es ausgezeichnet, den Leserinnen und Lesern verständlich zu machen, warum ansonsten vernünftige Menschen manchmal an Dinge glauben, die für Unbeteiligte offensichtlich Schwachsinn sind. Dazu erklärt er zum Beispiel, wie wir Informationen selektiv aufnehmen oder auch selektiv ausblenden.

Nach diesem ersten Teil zum Thema „Wie ticken Starrköpfe?“ geht es im zweiten Teil um die Frage, wie sich Starrköpfe in Diskussionen überzeugen lassen.

Im Vorwort schreibt Herrmann:

„Wir müssen uns mit der Psyche der Starrköpfe (und der anderen Menschen) beschäftigen. Die entscheidende Frage lautet nicht: Ist etwas wahr? Sondern sie lautet: fühlt sich etwas wahr an? Viele unserer Meinungen könnten wir kaum mit fakten belegen. Wir haben sie einfach, wir sind von ihnen überzeugt. Das Hauptaugenmerk dieses Buches liegt darauf, die Bedingungen zu entschlüsseln, unter denen sich etwas richtig anfühlt. Was fördert diese Wahrheits-Illusionen, und wie lassen sie sich nutzen und einsetzen? Mit welchen Psychotechniken erreichen wir, dass ein Starrkopf wenigstens zuhört, anstatt seine geistigen Zugbrücken reflexartig zu schliessen und sich hinter den Bollwerken der eigenen Meinungen und der eigenen Weltsicht zu verschanzen? Dazu werden Techniken und Handreichungen geliefert, wie Diskussionen gestaltet und wie Informationen dargestellt werden sollten, um Überzeugungskraft tz entfalten.“

Warum ist das alles wichtig? Dazu schreibt Sebastian Herrmann am Schluss seines Buches:

„Es geht um mehr, als nur recht zu behalten – und es geht schon gar nicht darum, anderen zu beweisen, dass sie Idioten wären. Es mag sich pathetisch überhöht anhören, aber funktionierende Demokratien sind darauf angewiesen, dass ihre Bürger gut und vor allem richtig informiert sind. Wenn eine nennenswerte Zahl von Bürgern aber an Ansichten festhält, die allen Fakten widersprechen, dann werden sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene Entscheidungen getroffen, die dem Wohl und dem Interesse der Menschen nicht entsprechen.“

Das Buch ist 2013 erschienen. Angesichts der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der letzten Jahre, in denen Falschmeldungen und Propaganda gegenüber von Fakten die Oberhand zu gewinnen scheinen, ist das Zitat im letzten Abschnitt aktueller denn je.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytoherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Haferkleie und Weizenkleie?

Haferkleie und Weizenkleie unterscheiden sich im Gehalt an Inhaltstoffen ziemlich deutlich, was auch unterschiedliche Anwendungsbereiche zur Folge hat.

Rein quantitativ enthält Weizenkleie mehr Ballaststoffe, nämlich 45 – 54 %, während Haferkleie nur auf 20 – 24 % kommt.

Weizenkleie enthält mehr unlösliche Ballaststoffe als Haferkleie:

–        Zellulose 10 – 20 %, gegenüber 4 – 6 % bei Haferkleie.

–        Hemizellulose 20 – 28 % gegenüber 6 – 8 % bei Haferkleie.

–        Lignin 6 – 8 % gegenüber 1 % bei Haferkleie.

Haferkleie enthält dafür in grösseren Mengen den löslichen Ballaststoff Betaglukan:

–        8% gegenüber 2 – 3 % in Weizenkleie.

 

Die unlöslichen Ballaststoffe Zellulose und Lignin, die in der Weizenkleie dominieren, binden viel Wasser und fördern die Verdauung, da das Volumen des Stuhls erhöht und die Transitzeit reduziert wird. Zudem wird Zellulose zum Teil von Darmbakterien abgebaut, wobei kurzkettige Fettsäuren entstehen, die positiv für das Darmmillieu sind.

Betaglukan als löslicher Ballaststoff wird fast vollständig von den Darmbakterien abgebaut, mit den oben bei der Weizenkleie beschriebenen positiven Folgen. Darüber hinaus bindet Betaglukan Gallensäuren im Stuhl und kann so zu einer Verbesserung des Cholesterinspiegels beitragen.

Aus diesen Unterschieden leiten sich unterschiedliche Anwendungsbereiche ab:

Wer in erster Linie seine Verdauung verbessern und einer Verstopfung vorbeugen möchte, kann Weizenkleie verwenden. Wer jedoch in erster Linie seinen Cholesterinspiegel senken möchte, kann Haferkleie zu sich nehmen.

Die günstige Wirkung auf den Cholesterinspiegel ist zwar nicht gerade gross, aber gut messbar. Es braucht dazu allerdings 3 Gramm Betaglukan pro Tag über längere Zeit.

Siehe dazu:

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Weizenkleie und Haferkleie sollten jedoch nur in Verbindung mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden. Im Allgemeinen gilt es als sinnvoller, ballaststoffreiche Lebensmittel aufzunehmen als isolierte Ballaststoffe.

Weizenkleie kann zu Blähungen führen, wenn sie in grössen Mengen aufgenommen wird. Gegen Verstopfung wären dann Flohsamen eine verträglichere Option. Sie müssen gegen Verstopfung ebenfalls mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden und können im Übrigen ebenfalls eine leichte Senkung des Cholesterinspiegels bewirken.

Quelle:

https://www.bzfe.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/42921/page1/30/searchstring/+/forumId/3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Übersichtsarbeit: Weißdorn sicher und wirksam bei Herzinsuffizienz

Der Weißdorn-Spezialextrakt WS®1442 (Crataegutt®) vermindert wirksam die Symptome bei Patienten mit Herzinsuffizienz (Herzschwäche) im NYHA-Stadium II und III. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Professor Dr. Christian J.F. Holubarsch vom Park-Klinikum Bad Krozingen in einem evidenzbasierten Review (Übersichtsarbeit), das vor Kurzem im «American Journal of Cardiovascular Drugs» publiziert wurde. Sie haben dazu vorliegende Studien ausgewertet.

Ihr Fazit: Randomisierte klinische Studien hätten gezeigt, dass der Weissdorn-Extrakt die funktionale Kapazität des Herzen verbessert, belastende Symptome vermindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert. Eine große klinische Studie mit mehr als 1300 Teilnehmern, die eine Polymedikation bekamen, sowie Daten aus Post-Marketing-Studien hätten zudem die Sicherheit der Anwendung sowohl als Monotherapie als auch als Zusatztherapie gezeigt. Es traten dabei weder spezifische Nebenwirkungen noch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf.

Die Autoren verweisen zudem präklinische Studien die gezeigt hätten, dass der Weißdorn-Spezialextrakt die Pumpkraft des Herzens unterstützt, antiarrhythmisch wirkt und die Gefäßfunktion verbessert. Er schütze das Herzmuskelgewebe (Myokard) vor Schäden durch Minderdurchblutung, Reperfusions-Verletzungen und bluthochdruckbedingter Hypertrophie. Zudem verlangsame er die Alterung der Endothelzellen.

Quelle

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=77911

Originalpublikation:

DOI: 10.1007/s40256-017-0249-9

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs40256-017-0249-9

 

Kommentar & Ergänzung:

Weissdorn ist wohl unumstritten die wichtigste Herzpflanze der Phytotherapie, wenn man von Digitalisglykosiden aus Fingerhut-Arten absieht, die rezeptpflichtig sind, isoliert zur Anwendung kommen und daher eher zur klassischen Pharmakologie gezählt werden.

Wie gut dieses Review gemacht wurde, kann ich nicht beurteilen. Die Autoren sind vom Hersteller des erwähnten Weissdorn-Extrakts, der Firma Schwabe in Karlsruhe, nicht ganz unabhängig, weil sie Honorare für gewisse Leistungen bezogen haben. Aussedem fällt auf, dass in diesem Review die SPICE-Studie mit dem Weißdorn-Spezialextrakt WS®1442 diskutiert und mitbewertet wird, die ebenfalls von Prof. Holubarsch durchgeführt wurde. Er beurteilt da also unter anderen auch seine eigene Studie. Sinnvoller wäre es, wenn eine Übersichtsarbeit von einem Forscher durchgeführt wird, der an den beurteilten Einzelstudien nicht beteiligt war.

Der Weißdorn-Spezialextrakt WS®1442 ist aber wohl einer der bestuntersuchten Weissdornextrakte und das hohe Engagement dieser Firma in der Weissdornforschung ist löblich.

Studienergebnisse mit solchen Trockenextrakten lassen sich nicht einfach auf andere Zubereitungsarten wie Weissdorntee oder Weissdorntinktur übertragen.

Insbesondere die Weissdorntinktur dürfte von der zugeführten Wirkstoffmenge her in einer ungenügenden Grössenordnung liegen. Die Wirkstoffe im Weissdorn – vor allem Flavonoide und oligomere Procyanidine – werden im Organismus rasch umgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Daher braucht es die kontinuierliche Zufuhr von verhältnismässig hohen Dosen.

Weissdorn ist eine Heilpflanze, die über längere Zeit angewendet werden sollte, damit sie Wirksamkeit entfaltet (mindestens 3 Monate).

Wenn im Review von einer Wirksamkeit bei Herzinsuffizient Stadien II und III die Rede ist, dann ist das eher unüblich. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt Weissdornextrakte bei Stadien I und II.

Bei Dosierungen zwischen 160 und 900 mg Extrakt pro Tag konnte bei Patienten mit Herzinsuffizienz Stadium I nach NYHA nach 8 Wochen Symptomfreiheit erzielt werden, bei Studienteilnehmern mit Stadium II war eine signifikante Verbesserung zu erreichen.

Weissdornpräparate gelten generell als gut verträglich und relevante Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bisher nicht bekannt geworden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Kakao verbessert Sehschärfe und Kontrastwahrnehmung – kurzfristig jedenfalls

Zwei Stunden nach dem Verzehr von dunkler Schokolade verbessern sich kurzfristig Sehschärfe und Kontrastwahrnehmung.

Vor allem die dunkle und damit kakaoreiche Schokolade soll  das Herz-Kreislauf-System günstig beeinflussen.

An der School of Optometry, einer katholischen Privatuniversität in San Antonio, Texas, haben Jeff Rabin und seine Kollegen nun einen weiteren Vorzug entdeckt und in der Fachzeitschrift »JAMA Ophthalmology« bekannt gemacht: Der Verzehr von dunkler Schokolade soll das Sehvermögen verbessern. Die Wissenschaftler verabreichten an 30 Teilnehmer Bitterschokolade und unterzogen sie zwei Stunden später einem Sehtest. Verglichen mit einer Kontrollgruppe, die weniger kakaohaltige Milchschokolade bekam, verbesserte sich ihre Sehschärfe um 4 Prozent und ihre Kontrastwahrnehmung um 5 bis 15 Prozent.

Für diesen Effekt könnten laut dem Artikel Flavonole verantwortlich sein, eine bestimmte Art von sekundären Pflanzenstoffen, die im Kakao reichlich vorhanden sind. Flavonole könnten die Gefäße erweitern und somit die Durchblutung der Netzhaut und des visuellen Kortex anregen. Möglicherweise kann also Kakao dank der besseren Versorgung der Augen und des Gehirns mit Glukose und Sauerstoff die eingehenden Signale besser verarbeiten.

Der positive Effekt ist zwar signifikant, aber schwach und er verschwindet wahrscheinlich recht bald, weil Flavonole rasch abgebaut werden. »Weitere Experimente werden nötig sein, um die Dauer dieser Effekte und ihren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit im Alltag zu bestimmen«, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://www.spektrum.de/news/kakao-schaerft-den-blick/1580742

https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/article-abstract/2678792

 

Kommentar & Ergänzung:

In der Regel werden für die Herz-Kreislauf-Wirkung des Kakaos Flavanole verantwortlich gemacht, insbesondere Epicatechin, Catechin und Procyanidin. Ich frage mich, ob in dem referierten Artikel nicht etwas verwechselt wurde, wenn von Flavonolen die Rede ist.

Flavonoide, die Wirkstoffgruppe, zu der Flavonole und Flavonole zählen, werden aber im Organismus grundsätzlich rasch abgebaut und ausgeschieden. Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass  sie in der Regel gut verträglich sind. Es bedeutet aber auch, dass regelmässig verhältnissmässig hohe Dosen zugeführt werden müssen, um eine kontinuierliche Wirkung zu bekommen.

Leider steht weder im referierten Artikel noch im Abstract der Originalpublikation, wieviel Schokolade in Gramm pro Tag die Testpersonen bekommen haben und wieviel Flavonoiden das entsprach. Es ist nur von einem Riegel die Rede.

Solche Angaben sind wichtig, um einschätzen zu können, ob es überhaupt realistisch ist, diese Menge jeden Tag über lange Zeit zu konsumieren.

Eine Metaanalyse aus Melbourne hat zudem gezeigt, dass Kakao zwar eine geringfügige Blutdrucksenkung bewirkt. Dieser Effekt zeigte sich jedoch nur innerhalb von zwei Wochen, nicht aber in Studien von längerer Dauer.

Siehe dazu:

Metastudie: Kakao gegen Bluthochdruck

Grundsätzlich dürfte jedoch einfach gesund sein, Flavonoide als Bestandteil einer vielfältigen Ernährung in den Alltag einzubauen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten.

Flavonoidreiche Nahrungsmittel sind zum Beispiel:

Äpfel (vor allem die Schalen)

Blaue und rote Beeren (Heidelbeeren, Brombeeren, Aronia, Schwarze Johannisbeeren, Schwarzer Holunder, Himbeeren etc.). Sie enthalten Anthocyane, eine Untergruppe der Flavonoide).

Aubergine, Blaue Kartoffel (sie enthalten ebenfalls Anthocyane).

Eine gute Mischung flavonoidreicher Nahrungsmittel ist bestimmt gesünder als der Konsum von Dunkler Schokolade in grossen Mengen. Was aber nicht dagegen spricht, ab und zu auch Dunkle Schokolade als Flavonoidquelle zu nutzen. Je höher der Kakaogehalt der Schokolade ist, desto besser.

Darüber hinaus gibt es viele Heilpflanzen, deren Wirkung mit dem Gehalt an Flavonoiden in Zusammenhang gebracht wird.

Zum Beispiel Ginkgo-Extrakt, Mariendistelfrucht (Silymarin), Buchweizenkraut (Rutin), Weissdorn, Rotes Weinlaub, Grüntee.

Bei der Anwendung dieser Heilpflanzen stellt sich immer die Frage, in welcher Form (Kräutertee, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt) und in welcher Dosierung die Aufnahme einer ausreichenden Menge an Flavonoide gewährleistet werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Signaturenlehre (Pflanzensignaturen, Heilpflanzensignaturen)

Die Signaturenlehre, die davon ausging, dass Heilpflanzen uns durch ihre Formen und Farben sagen, wofür sie für uns gut sind, hatte ihren Höhepunkt in der Renaissance (16. Jahhundert). Dann geriet sie in eine Krise, weil zunehmend klar wurde, dass es sich bei diesen Zuschreibungen um Interpretationen handelt, die viel mit uns, aber so gut wie nichts mit den Pflanzen zu tun haben.

Und weil klar wurde, dass diese Interpretation unendlich ist. Jeder Mensch kann innert weniger Minuten Dutzende von Interpretationen liefern, die auf Ähnlichkeiten von Pflanzenformen und –farben mit Organen des Menschen zu tun haben. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Formen und Farben etwas über die Wirkungen der Pflanzen aussagen, bleibt vollkommen unklar, nach welchen Kriterien entschieden werden soll, welche dieser Interpretationen relevant sind.

Nun kommen solche Vorstellungen unter Bezeichnungen wie Pflanzensignaturen oder Heilpflanzensignaturen wieder auf, weil sie offenbar Bedürfnissen von Menschen entsprechen. In der Vorstellung der Signaturenlehre hat die Natur uns etwas zu sagen. Das ist eine schöne Vorstellung. Die Heilwirkungen der Pflanzen sollte man daraus aber nicht ableiten.

 

Hier ein Zitat zu diesem Thema:

 

„Jahrhundertelang glaubte man in der Medizin, dass die Wirkung der Heilkräuter von ihren Formen abhänge. Die Blätter des Leberblümchen ähneln in ihrem Umriss zum Beispiel einer menschlichen Leber, folglich glaubte man an eine Heilkraft bei Leberinfektionen. Die Blätter des Huflattich haben die Form eines Pferdehufs, und man benutzte sie gegen Hufentzündungen……Falsch an der früheren Kräuterlehre war…die Theorie über den Zusammenhang von Form und Wirkung, aus der zum Teil falsche Schlüsse gezogen wurden. Heute wissen wir, dass die Effekte der Kräuter von ihren chemischen Inhaltsstoffen abhängen, von ihren sogenannten sekundären Stoffwechselprodukten, und dass die Form von Blatt, Wurzel und Blüte damit nichts zu tun hat. Aber solange man das annimmt, findet man natürlich immer irgendeine Analogie zwischen Form und Wirkung, um die Theorie aufrechtzuerhalten. Schliesslich sind höhere Pflanzen als Gestalten kompliziert genug, um alles mögliche in sie hineinzulesen.“

 

Quelle:

Hemminger/Keden; Seele aus zweiter Hand, Quell Paperback 1997

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant an diesem Zitat sind die letzten beiden Sätze. Tatsächlich: Fast jede Pflanze zeigt einen so grossen Reichtum an Formen und Farben, dass wir hundertfache Ähnlichkeiten darin entdecken können. Welche dieser Ähnlichkeiten mir ins Auge fallen, das hat aber nur mit mir zu tun. Es sind meine Erinnerungen, Assoziationen und Interpretationen, die aus der Vielzahl der Ähnlichkeiten auswählen. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Ohne diese Vorgänge wäre die Welt für uns ärmer.

Problematisch wird es nur, wenn man nicht erkennt, dass solche Deutungen aus unserem Inneren stammen und mit der Pflanze nichts zu tun haben. So kommt dann beispielsweise ein Buchautor und Hersteller von Pflanzentinkturen auf die Idee, dass die Wilde Möhre gut für Menschen sei, die sich zentrieren müssen, weil diese Pflanze im Zentrum ihrer Blüte einen auffallenden schwarz-violetten Punkt hat. Das würde dann bedeuten, dass die Wilde Möhre uns Menschen etwas sagen will und sich um uns kümmert. Das ist zwar eine anrührende, schöne Vorstellung, die wohl vor allem Menschen anspricht, die im Grunde genommen in grosser Distanz zur Natur leben. Doch ist es meines Erachtens auch eine sehr irreführenden Vorstellung. Vollkommen übersehen wird dabei nämlich, dass die Wilde Möhre sich mit ihrem schwarz-violetten Punkt nicht an uns, sondern an die Insekten richtet. Wir stellen uns viel zu sehr in den Mittelpunkt der „Natur-Veranstaltung“, wenn wir diese Botschaft als an uns gerichtet auffassen. Es steckt eine gehörige Portion Anthropozentrismus in diesen Vorstellungen von Signaturenlehre bzw. Pflanzensignaturen: Der Mensch steht im Zentrum der „Veranstaltung“ – die Pflanzen sind auf ihn hin geschaffen und ausgerichtet.

Mir scheint es sehr fragwürdig, dass solche Vorstellungen unreflektiert wieder in der Pflanzenheilkunde auftauchen.

Ökologischer ist es, wenn wir die Pflanzen in ihren Lebensräumen und in ihren Wechselwirkungen mit anderen Lebewesen sehen – zum Beispiel den bestäubenden Insekten. Wir Menschen spielen für die Pflanze wohl keine so grosse Rolle und sind allenfalls als Fressfeinde oder Zerstörer von Lebensräumen relevant.

Das soll uns nicht davon abhalten, uns an den Pflanzen zu freuen, sie gern zu haben und mit Respekt als Heilpflanzen oder Nahrungsmittel zu nutzen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Das Magazin „Stern“ empfiehlt in einem Artikel über Hausmittel Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen:

„Den Blüten des Lavendelstrauchs wird eine allgemein beruhigende Wirkung nachgesagt. Diese Einschätzung teilen auch Wissenschaftler: Die Kommission-E-Experten empfehlen Lavendel gegen Unruhezustände und Einschlafstörungen. Für den Effekt verantwortlich ist offenbar das ätherische Blütenöl. Es entspannt das zentrale Nervensystem und beruhigt die Atemwege.“

Als konkrete Anwendungsmöglichkeiten stellt der Text zwei Varianten des Lavendelbades vor:

„Eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen sechs bis zehn Tropfen Lavendelöl in etwas Sahne einrühren und ins warme, nicht zu heiße Badewasser geben. Eine Temperatur von 37 Grad ist ideal.

Als Alternative empfehlen sich getrocknete Lavendelblüten: 50 bis 60 Gramm mit einem Liter siedendem Wasser übergießen, 20 Minuten ziehen lassen, abseihen und in das Badewasser gießen.

Nicht länger als 15 Minuten baden. Im Anschluss ruhen.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550522595

 

Kommentar & Ergänzung:

Das sind keine schlechten Empfehlungen. Ergänzend könnte man noch auf weitere Anwendungsvarianten von Lavendelblüten bzw. Lavendelöl hinweisen:

– Lavendelöl kann direkt im Raum verdunsten und eingeatmet werden (ein paar Tropfen auf ein Papertaschentuch geben und in den Raum legen).

– Lavendelblüten können zu Lavendelsäckchen verarbeitet und unters Kopfkissen gelegt werden.

– Ein paar Tropfen Lavendelöl können mit Mandelöl oder Bodylotion gemischt für Einreibungen und Massagen eingesetzt werden.

– Die Phytotherapie setzt Lavendelöl in Kapselform auch innerlich ein bei leichten Angststörungen.

– Äusserlich wirkt Lavendelöl auch gegen Hautpilze, zum Beispiel bei Fusspilz.

Der Hinweis auf eine beruhigende Wirkung auf die Atemwege ist fragwürdig.

Siehe auch:

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl gegen Hautpilze

Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl bessert Migränekopfschmerz effektiver als Placebo

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Pflanzenheilkunde: Kräuterkissen für guten Schlaf

Und hier gibts eine Broschüre zu Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelblüten / Lavendelöl.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch