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Schwarztee lindert Sonnenbrand

Schwarztee wird in der Phytotherapie oft empfohlen zur Linderung von Sonnenbrand. Interessant ist, dass dieses Hausmittel inzwischen auch Support bekommt von Hautärzten.

Beispiel 1:

Dr. Reinhard Mrotzek, Hautarzt und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), kommt auf  T-online zu Wort:

«Viel besser als Quark ist schwarzer Tee geeignet. Dieser wirkt entzündungshemmend und kühlend. „Doch dafür muss man keine Teebeutel auf die Haut legen. Wer schwarzen Tee zubereitet und ihn, nachdem er abgekühlt ist, auf die Haut aufträgt, hat den gleichen Effekt“, sagt der Sonnenschutz-Experte. Auch hier sind Kompressen bestens geeignet. Die zerstörte Haut reparieren kann der Tee aber nicht, sondern lediglich die Symptome lindern. Das gilt auch für After-Sun-Lotions und –Cremes.»

Quelle: http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_63907268/erste-hilfe-bei-sonnenbrand-quark-lindert-den-schmerz.html

Beispiel 2:

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer vom Universitätsspital Zürich auf 20min.ch zur Frage, was zu tun ist bei einem Sonnenbrand:

« Kühlende Umschläge helfen: Einfach Schwarztee aufsetzen, auskühlen lassen, in den Kühlschrank stellen und dann Kompressen einlegen und auf die verbrannten Stellen auflegen. Eventuell empfiehlt sich die Einnahme einer Schmerztablette wie zum Beispiel Aspirin. Auf jeden Fall sollte man am nächsten Tag unbedingt die Sonne meiden.»

Auf die Frage, ob man bei einem Sonnenbrand kein Aftersun-Produkt auftragen müsse, kommt Dummer noch auf ein weiteres Hausmittel zu sprechen:

«Müssen tun sie das nie. Denn die Wirkung ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Wenn sie ihre Haut kühlen möchten, können sie auch Gurkenscheiben auflegen.»

Quelle:

http://www.20min.ch/sogehtsommer/sommer/story/27908403

Kommentar & Ergänzung:

Man macht beim Schwarztee die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe für die lindernde Wirkung bei Sonnenbrand verantwortlich. Schwarztee enthält aber neben den Gerbstoffen auch weitere Polyphenole mit antioxydativer Wirkung. Da auch Grüntee reich an Gerbstoffen und weiteren Polyphenolen ist, dürfte er sich zur Linderung von Sonnenbrand ebenso eignen.

Wichtig: Mit kochendem Wasser übergiessen, etwa 10 Minuten ziehen lassen (weil sich die Gerbstoffe langsam lösen), abkühlen lassen.

Schwarztee und Grüntee eignen sich auch zur Linderung von Hautentzündungen anderer Genese, zum Beispiel bei Intertrigo, auch „Hautwolf“ genannt. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die auf gegenüberliegenden Hautoberflächen in Hautfalten entsteht, zum Beispiel im Genitoanalbereich, an der Leiste, in Bauchfalten und unter den Brüsten. Ausgelöst wird sie zum einen von Reibung, gestauter Wärme und Feuchtigkeit, welche die Hautbarriere stören und zum anderen von einer Superinfektion mit Pilzen oder Bakterien. Vor allem bei nässenden Hautentzündungen haben sich Schwarztee-Kompressen bewährt. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ein so simples und billiges Mittel funktioniert.

Siehe auch:

Schwarztee bei Windeldermatitis

Schwarztee gegen Hautentzündungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schwarztee bei Windeldermatitis

Das Landwirtschaftliche Wochenblatt Westfalen-Lippe empfiehlt Schwarztee-Anwendungen bei wundem Po (Windeldermatitis, CH: „Rotes Fudi“):

„Dazu übergießt man einen Beutel handelsüblichen Schwarztee mit heißem Wasser, lässt ihn lange ziehen und danach gut abkühlen. Anschließend betupft man die betroffenen Stellen mit dem kräftigen Teesud und wickelt den Säugling wie üblich. 

An günstigen Stellen kann der erkaltete Teebeutel auch direkt auf die Haut gelegt und die Windel einfach darüber angezogen werden. Die beruhigende und heilungsfördernde Wirkung der Gerbsäure ist oft schon nach wenigen Stunden zu sehen.“

Quelle:

http://www.wochenblatt.com/landleben/nachrichten/schwarzer-tee-bei-wundem-po-8445.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Guter Tipp. Den Schwarztee kennen viele Leute nur als leicht anregenden Genusstee, wobei für diese Wirkung das Coffein zuständig ist. Schwarztee enthält jedoch auch Gerbstoffe. Damit Gerbstoffe in relevanten Mengen ins Teewasser übergehen, sollte der Tee mindestens rund 10 Minuten ziehen. Dann wirkt Schwarztee aufgrund der Gerbstoffe auch gegen Durchfall. Diesen Anwendungsbereich kennen manche Menschen noch. Wenig bekannt ist aber, dass die Gerbstoffe im Schwarztee auch wirksam sind bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten, vor allem bei nässenden Hautentzündungen und bei Windeldermatitis. In der Regel sind das eher kurzfristige Anwendungen über ein paar Tage. Bei nässenden Ekzemen zum Beispiel setzt man die nassen Anwendungen wieder aus, sobald das Nässen abgeklungen ist.

 

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Gerbstoffe; Eichenrinde bei Durchfall, Parodontitis, Hämorrhoiden….

Eichenrinde enthält Gerbstoffe in hoher Konzentration. Sie eignet sich deshalb für eine ganze Reihe von Indikationen.

Die „Pharmaceutical Tribune“ widmete dieser interessanten Heilpflanze einen informativen Beitrag.

Wie kommt die Wirkung gegen Durchfall zustande?

„Eichenrindentee wird innerlich bei leichten Durchfallerkrankungen empfohlen. Nach Einnahme gerbstoffhältiger Zubereitungen kommt es im Darm zur Anlagerung der nicht resorbierbaren Gerbstoffe an der Oberfläche der Mukosazellen. Es erfolgt eine Verdichtung der Struktur, die ein Eindringen weiterer pathogener Keime in die Darmschleimhaut verhindert. Unter dieser Protektion kann sich die Mukosa regenerieren, und erhöhte Flüssigkeitsabsonderung ins Darmlumen wird gestoppt.“

Eichenrinde eignet sich durchaus zur Anwendung gegen Durchfall. Üblicher ist für diesen Anwendungsbereich in der Phytotherapie aber Blutwurz (= Tormentillwurzelstock, Stammpflanze: Aufrechtes Fingerkraut, Potentilla erecta), die etwa einen ähnlich hohen Gerbstoffgehalt hat. Einfacher ist eine Gerbstoffanwendung bei Durchfallerkrankung mit Schwarztee (10 Minuten ziehen lassen), weil dieser im Haushalt eher greifbar ist.

Gerbstoffanwendungen lassen sich aber auch gut einsetzen bei Schleimhautentzündungen im Mundraum und im Analbereich:

„Ein Absud eignet sich abgekühlt ebenfalls als Mundspülung oder Pinselung bei Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Parodontitis. Besonders effektiv sind Sitzbäder mit Auszügen von Quercus cortex bei Analfissuren, Hämorrhoiden und Windeldermatitis bei Säuglingen.“

Auch bei Mundschleimhautentzündungen und anderen Entzündungen im Mundraum wird in der Regel eher Tormentill eingesetzt, vor allem als verdünnte Tormentilltinktur zur Pinselung oder für Spülungen.

Etabliert und bewährt ist das Eichenrindensitzbad bei Hämorrhoiden, Analfissuren und Windeldermatitis.

Achtung: Für Eichenrindenbäder keine Emailgefässe verwenden. Es könnten auf dem Email Verfärbungen entstehen, die sich kaum mehr entfernen lassen.

Quelle der Zitate:

Pharmaceutical Tribune Nr. 22/2011

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=111030&dspaid=961690

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Hausmittel gegen Insektenstiche, Prellungen und Juckreiz

Ob Insektenstiche, Prellungen oder Juckreiz, zahlreiche Patienten möchten ihre Hautprobleme am liebsten mit Heilpflanzen behandeln. Und die Natur hat tatsächlich auch einiges zu bieten.

Kamille und Ringelblume als pflanzliche Antiphlogistika (Entzündungshemmer) sind vielen Menschen bekannt. Aber auch Cardiospermum halicacabum (Ballonrebe), Solanum dulcamara (Bittersüß) und Hamamelis virginiana (Zaubernuss) werden oft eingesetzt. Allerdings handelt es sich bei diesen Heilpflanzen um sehr mild wirksame Therapeutika. Ihr entzündungshemmender Effekt ist deutlich schwächer als von 0,5%igem Hydrocortison und erst recht von starken Kortikoiden, erklärte der in Bonn niedergelassene Allgemeinarzt Dr. Detmar Jobst in einem Seminar der practica.

Die Blüten der Kamille (Chamomilla recutita, Matricaria recutita) werden bei den verschiedensten entzündlichen Hauterscheinungen eingesetzt. Hauptwirkstoffe der Kamillenblüten sind Chamazulen und Bisabolol.

Schachtelhalm & Arnika

Eine weitere Möglichkeit ist die Schachtelhalm-Kompresse: Je vier Esslöffel Arnikablüten, Kamillenblüten und Ringelblumenblüten sowie die gleiche Menge Johanniskraut und Ackerschachtelhalm mit acht Esslöffeln Leinsamen mischen, dann in Leinensäckchen oder Filtertüten füllen und diese zunähen. Danach werden die kleinen Säcke 20 Sekunden in heißes Wasser getaucht und nach dem Abkühlen fünf bis zehn Minuten auf die Entzündung aufgelegt. Die Kräuter-Säckchen eignen sich auch zur Behandlung von Insektenstichen und zur Wundreinigung.

Ebenfalls gern bei Insektenstichen und anderen Schwellungen angewendet werden Arnikablüten. Nur bei Kindern sollte man darauf verzichten, empfiehlt der Mediziner, denn sie entwickeln im Zusammenhang mit Stichen oft eine Korbblütlerallergie.

Der Beinwell ( = Wallwurz, Symphytum officinale)  bewährt sich als Salbe oder Umschlag bei Prellungen, Ergüssen und Furunkeln.

Bei Windeldermatitis, Hämorrhoidalbeschwerden und nässenden Ekzemen riet der Referent zu Hamamelis. Als Alternative kommt auch ein Sitzbad mit Eichenrinde in Betracht. Die Hülle der Frühjahrszweige lindert den Juckreiz und wirkt adstringierend ( = zusammenziehend).

Das bei zahlreichen Patienten beliebte Teebaumöl wirkt desinfizierend und tötet Hautpilze ab, sollte jedoch auf keinen Fall länger stehen. Denn das ranzige Öl führt leicht zu Allergien, ergänzte Professor Dr. Peter Gündling, Allgemeinarzt in Bad Camberg.

Ein wirksames Mittel gegen Juckreiz und Schmerzen hat die Natur mit Chilischoten zu bieten. Das aus Chilischoten gewonnene Alkaloid Capsaicin unterbricht die Schmerzweiterleitung. Capsaicin kann auch bei Prurigo (eine stark juckende Hauterkrankung) angewendet werden.

Quelle:

Medical Tribune, Ausgabe 50 / 2010 S.22,

http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/27042/

Kommentar & Ergänzung:

Der Beitrag in der Medical Tribune gibt gute Hinweise auf Möglichkeiten der Phytotherapie für die Behandlung von Insektenstichen, Prellungen und Juckreiz.

Neben dem Teebaumöl würde ich einfach noch das Lavendelöl erwähnen gegen Hautpilze und bei Insektenstichen. Ebenso als Juckreizstller das Pfefferminzöl gegen Insektenstiche.

Interessant ist für mich die beschriebene Schachtelhalm-Kompresse, weil ich die nicht kenne.

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[Buchtipp] Phytotherapie in der Kinderheilkunde, Ein Handbuch für Ärzte und Apotheker. 110 Original-Monographien d. Kommission E beim BfAM u. 52 Monographien der European Cooperative on Phytotherapy von Heinz Schilcher, Walter Dorsch

Verlagsbeschreibung

Sanfte Medizin… Phytopharmaka zeichnen sich durch ein besondersgutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aus. Deshalbeignen sie sich hervorragend zur Behandlung vonSäuglings- und Kinderkrankheiten. Aber:
Welche Phytopharmaka sind für Kinder besonders geeignet?
Wie ist die richtige, altersgerechte Dosierung?
Welche Phytopharmaka als Fertigarzneimittel
werden durch die gesetzlichen Krankenkassenerstattet? Diese und und weitere Fragen finden Sie in diesemWerk für Kinderärzte, niedergelasseneAllgemeinärzte und Internistensowie Apothekerbeantwortet. Sein Inhalt versteht sich nicht alsAlternative, sondern als wertvolle Ergänzung zu“klassischen“ Therapiemaßnahmen. Dabei erhält dasBuch wissenschaftliche Rückendeckung durchabgedruckte Monographien der Kommission E sowiesolcher der European Scientific Cooperative onPhytotherapy (ESCOP) zu Phytopharmaka, die fürdie Anwendung bei Kindern geeignet sind. … damit es dem kranken Kind bald wieder besser geht
. Zum Shop

Kommentar:

Phytotherapie in der Kinderheilkunde

Für ein fundiertes Buch über Phytotherapie in der Kinderheilkunde bietet dieses Autorenteam beste Voraussetzungen: Prof. Heinz Schilcher ist bekannt als langjähriger Fachbuchautor im Bereich Phytotherapie. Prof. Walter Dorsch bringt als Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin die pädiatrische Erfahrung mit. Das Buch beschreibt, welche Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) sich für Kinder besonders eignen und welches die jeweils richtige, altersgerechte Dosierung ist.

Bei den äusseren Anwendungen von Heilpflanzen-Präparaten geht es zum Beispiel um Windeldermatitis, Milchschorf, Gneis, Neurodermitis, um Wundbehandlung Verbrennungen, Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen, Herpes-Erkrankungen Augenerkrankungen, Candidose der Mundschleimhaut, Ohrenentzündungen.

Im Bereich der innerlichen Heilpflanzen-Anwendungen werden u. a. beschrieben:

– Erkrankungen der Atemorgane wie Katarrhe der oberen Luftwege, Trockener Husten, Husten mit zähflüssigem Schleim, Keuchhusten Schnupfen, Stirnhöhlenentzündung, Erkältungskrankheiten, Immunstimulation.

– Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, Dyspepsien, Flatulenz, Meteorismus, „Dreimonatskoliken“, Durchfall, Verstopfung, Reiseübelkeit,.

– Erkrankungen von Nieren & Blase wie Harnwegsinfekte Reizblase.

– Psychosomatische Störungen: Nervenberuhigungsmittel bei Unruhe, Angstzuständen, Schlafstörungen).

– Schmerzbekämpfung: Spannungskopfschmerz, Wundschmerz, Zahnschmerzen und Zahnungshilfe, Gliederschmerzen, psychisch bedingte Kopfschmerzen, Migräne-Anfälle.

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Kinderheilkunde: Heilpflanzen bei Hauterkrankungen

Eltern verlangen heute vermehrt nach natürlichen Alternativen in der Behandlung ihrer Kinder. Heilpflanzen-Präparate kommen diesem Bedürfnis entgegen. Prof. Karin Kraft hat sich in der Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis“ zur Anwendung von Heilpflanzen-Präparaten aus der Phytotherapie bei Hauterkrankungen geäussert:

„Häufige dermatologische Indikationsgebiete für Phytotherapie sind Windeldermatitis, Neurodermitis, Wunden und stumpfe Traumata, Infektion mit Herpes simplex und Insektenstiche.“

Für die einzelnen Bereiche gibt Prof. Kraft folgende Empfehlungen:

„Bei der Windeldermatitis werden Cremes, Salben und Sitzbäder mit Kamillenblütenextrakt, Eichenrindenextrakt sowie Extrakte aus Hamamelisblättern und -rinde empfohlen.“

„Für die Therapie der Neurodermitis eignet sich das linolensäurereiche Borretschsamenöl lokal wie oral, zudem Extrakte aus Hamamelisblättern und -rinde.“

„Schlecht heilende Wunden, Dekubitus und Schnitt-, Riss- und Quetschwunden können mit Ringelblumenextrakt behandelt werden. Für die Therapie von Hämatomen, Prellungen, Distorsionen, rheumatischen Muskel- und Gelenkschmerzen und Furunkulosen ist Arnikablütenextrakt empirisch gut wirksam. Beinwellextrakte eignen sich vor allem bei stumpfen Verletzungen. Es sollten hier nur Fertigarzneimittel verwendet werden, wegen des – allerdings geringen – Alkaloidgehaltes sollte die Anwendung nur auf intakter Haut und nicht bei kleinen Kindern und Schwangeren und stillenden Müttern stattfinden.“

„Bei Herpes labialis ist eine Verkürzung der Abheilzeit der Bläschen durch Melissenblätterextrakt, dessen virustatische Wirkung gut dokumentiert ist, beschrieben.“

„Schwellungen nach Insektenstichen lassen sich durch den Saft der Küchenzwiebel oder, direkt nach Stich, mit Spitzwegerichpresssaft behandeln.“

Quelle:

Kinderärztliche Praxis, Heft 05, 2008 Jahrgang 79

Rubrik: Fortbildung

Seite: 282-289

Autor: Prof. Dr. med. Karin Kraft

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein guter Überblick der wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen in der Dermatologie.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine wichtige Vertreterin der universitären Phytotherapie im deutschsprachigen Raum.

Ergänzende Hinweise:

Bei Neurodermitis (Atopische dermatitis) gilt im Borretschsamenöl die Gamma-Linolensäure als wirksamer Inhaltsstoff. Die gleiche Substanz enthält auch das Nachtkerzenöl. Vom Nachtkerzenöl gibt es in der Schweiz Präparate, die in ihrer Wirksamkeit gut genug durch Studien belegt sind, dass sie von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

Melissenextrakt wird in Salbenform gegen Herpes labialis („Fieberbläschen“) eingesetzt, wirkt aber wohl nur im frühen Stadium. Antivirale Wirksamkeit nützt nicht mehr viel, wenn die Virenvermehrung schon gelaufen ist. Es gibt – jedenfalls in der Schweiz –  zur Behandlung von Herpes labialis ausserdem Salben mit Salbei-Extrakt und Rhabarberwurzel-Extrakt.

Und natürlich gibt es noch viele weitere Anwendungsbereiche für Heilpflanzen in der Kinderheilkunde.

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Phytotherapie & Kinderheilkunde

Dem Thema “Phytotherapie in der Kinderheilkunde” widmet die Zeitschrift “PHYTOTherapie Austria” in ihrer neuesten Ausgabe einen Schwerpunkt-Artikel.
Die Autorin Univ.-Doz. Mag. pharm. DDr. Ulrike Kastner arbeitet am St. Anna Kinderspital in Wien.

Einleitend umreisst die Autorin die Bedeutung der Phytotherapie in der Kinderheilkunde:

“Phytopharmaka zählen heute in der Kinderheilkunde zu denjenigen Medikamenten, die mehr denn je von Eltern erwünscht und der Selbstmedikation zugänglich sind; nicht selten erfolgt die Anwendung jedoch durch den Laien – kommerziell beeinflusst und unreflektiert. Dabei wird vielerorts argumentiert, dass pflanzliche Arzneimittel eine große therapeutische Breite aufweisen, ohnehin als nur mittel bis schwach wirksam einzustufen sind und demzufolge auch keine nennenswerten Nebenwirkungen verursachen können.”

Anschliessend grenzt sie Phytotherapie von anderen Methoden der Komplementärmedizin ab:

“ Phytotherapie wird allzu oft mit komplementärmedizinischen Disziplinen wie Homöopathie, Bach-Blüten-Therapie, Bioresonanz u. a. vermengt oder ihnen gleichgestellt; zu Unrecht, denn Fertigzubereitungen aus pflanzlichen Drogen unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren mit nahezu den gleichen Anforderungen wie für synthetische Arzneimittel betreffend Qualität, pharmakologische Wirkungen, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Zwischen dem so genannten “natürlichen Arzneimittel ohne Nebenwirkungen” einerseits und dem modernen Phytotherapeutikum mit hohen Ansprüchen der Pharmakologie und Toxikologie anderseits steht das kranke Kind, das wie jeder Patient Recht auf adäquate und sichere Behandlung hat.”

Diese Abgrenzung ist nötig, weil vielen Laien die Unterschiede kaum klar sind. Insbesondere ist in weiten Kreisen nicht bekannt, dass sehr viele Heilmittel aus dem Bereich Komplementärmedizin von jedem Wirksameitsnachweis befreit sind, während Phytopharmaka für eine Zulassung als Heilmittel ihre Wirksamkeit und Sicherheit genauso dokumentieren müssen wie synthetische Medikamente.

Wenn Ulrike Kastner im obigen Abschnitt von “pflanzlichen Drogen” schreibt, sind damit im übrigen einfach getrocknete Heilpflanzen gemeint. Dies ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes “Droge”, was heute erläutert werden muss, damit nicht irreführende Vorstellungen entstehen.

Die Autorin umreisst dann den Schwerpunkt der Phytotherapie in der Kinderheilkunde:

“ In der Kinderheilkunde liegt der Schwerpunkt der Phytotherapie sicherlich nicht in der Notfallversorgung, sehr wohl aber in der “Alternativ”- und/oder Supportivtherapie bei milden bis moderaten Krankheitsbildern, wie dermatologischen Problemen, Atemwegserkrankungen, gastrointestinalen Erkrankungen und häufig auftretenden Befindlichkeitsstörungen, wie Säuglingsunruhe bis hin zu Konzentrations- und Schlafstörungen des Schulkindes.”

Anschliessend werden die wichtigsten Anwendungsbereiche der Phytotherapie in der Kinderheilkunde vorgestellt.

Die wichtigsten Stichwörter zusammengefasst:

– Hautkrankheiten:
Windeldermatitis: Kamillenblüte, Eichenrinde, Hamamelisblatt, Hamamelisrinde, Calendulablüte u. a.
Neurodermitis: Nachtkerzenöl, Hamamelis, Avocadoöl

– Atemwegsinfektionen:
Hustenpflanzen wie Eibisch, Malve, Spitzwegerich, Huflattich, Primelwurzel, neben ätherischen Ölen.

– Verdauungsstörungen:
Am interessantesten ist hier das Rezept für die altbewährte Karottensuppe nach Moro gegen Durchfall:
“Karottensuppe nach E. Moro (1905):
500 g geschälte Karotten zerkleinern, in 1 Liter Wasser 1 bis 1 1/2 Stunden kochen, pürieren,
Gesamtmenge auf 1 Liter auffüllen und 3 g Kochsalz zufügen .
Herr Dr. Pechlaner, Praktischer Arzt in Lofer, empfiehlt eine Variante der Karottensuppe:
500 g geschälte Karotten in 1L Wasser 1 bis 1 1/2 Stunden kochen, 3 g Kochsalz zufügen,
ca. 1 KL Butter und 1 EL Zucker dazugeben und zu einem Brei verarbeiten.
Der erfahrene Arzt sagt: ,Wird von Kindern deutlich lieber gegessen.‘”
Bei Blähungen: Fenchel, Anis, Kümmel (das sind die Klassiker, M.K.)

– Unruhe, Schlafstörungen:
Bei Schlafstörungen von Kleinkindern und Schulkindern Teemischungen aus Pfefferminze, Melisse, Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Okay, aber den Geschmack im Auge behalten, Baldrian und Hopfen sind für Kinder diesbezüglich gar nicht attraktiv, M.K.)

Allgemein hält die Autorin aber die Verträglichkeit und Akzeptanz von Phytopharmaka für sehr gut:

“ Generell sind Verträglichkeit und Akzeptanz von Phytopharmaka im Kindesalter als sehr gut einzustufen, zumal durch die Beimengung von Geschmackskorrigentien oder durch die Anwendung von wohlschmeckenden Sirup- und Saftrezepturen die Compliance kein Problem darstellen dürfte.”

Der Artikel schliesst mit der wichtigen Frage nach Dosierungsregeln für Heilpflanzen-Präparate in der Kinderheilkunde. Es gibt natürlich noch wesentlich mehr Anwendungsbereiche für Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde in der Kinderheilkunde. Der Text von Ulrike Kastner gibt meiner Ansicht nach aber eine gute Einführung.

Quelle: Zeitschrift PHYTOTherapie Austria 3 / 2009
(PHYTOTherapie Austria ist die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie)

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