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Selen kann Prostatakrebsrisiko steigern

Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen, Mineralsalzen und Spurenelementen sind ein riesiger Markt, der mit weitreichenden Versprechungen zum Nutzen solcher Produkte für unsere Gesundheit am laufen gehalten wird. Seit einiger Zeit werden diese ausufernden Versprechungen allerdings zunehmend durch Studien zurechtgestutzt, die den Nutzen solcher Präparate in Frage stellen oder sogar ein Risiko postulieren. Eine aktuell erschienene Studie zu Selen unterstützt mit ihren Resultaten die kritische Einschätzung.

Nicht nur hochdosiertes Vitamin E aus Nahrungsergänzungsmitteln soll bei bei Männern das Prostatakrebsrisiko steigern – was schon lägner bekannt ist.

Eine neue Auswertung der SELECT-Studie im
Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2014; doi: 10.1093/jnci/djt456) zeigt nun auch, dass die Einnahme von Selen schädlich ist, wenn kein Mangel besteht.

Mit über 35.000 Teilnehmenden zählte der „Selenium and Vitamin E Cancer Preven­tion Trial“ zu den ambitionierten Präventionsstudien des US-National Cancer Institute. Die Studie wurde 2008 vorzeitig abgebrochen, als eine Zwischenauswertung zum Schluss kam, dass die Einnahme von Vitamin E und Selen oder die Kombination der beiden Antioxidanzien das Krebsrisiko von Männern nicht reduziert.

Im Jahr 2011 zeigte sich dann, dass die Männer, die Vitamin E eingenommen hatten, zu 17 Prozent häufiger an Prostatakrebs erkrankten als die Probanden des Placebo-Arms. Für Selen wurde nur eine tendenzielle Steigerung des Krebsrisikos gefunden.

Alan Kristal vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle wertete die Daten nun erneut aus. Der Wissenschaftler berücksichtigte dabei die Selenkonzentration in Fußnagelproben, die am Anfang der Studie entnommen worden waren. Sein Resultat: Im allgemeinen beeinflusste der Selenspiegel das Krebsrisiko nicht.

Allerdings erkrankten Männer, die trotz ausreichender Selen-Versorgung (gemessen an der Analyse der Fußnagelproben) Selen in hoher Dosis einnahmen, zu 91 Prozent häufiger an einem aggressiven high-grade Prostatakarzinom (Gleason 7–10), das heisst an einem Tumor, der frühzeitig die Organgrenzen überschreitet und durch Metastasen zum Tod führen kann. Kristal zieht daraus den Schluss, dass Selen für Männer, die ausreichend mit dem Mineral versorgt sind, eine toxische Wirkung ausüben kann.

Eine weitere Analyse bestätigte, dass Vitamin E das Risiko auf Prostatakrebs steigert. Diese schädliche Wirkung konnte der neuen Auswertung zufolge aber nur bei Männern festgestellt werden, die tiefe Selenwerte hatten. Sie erkrankten zu 63 Prozent häufiger an einem Prostatakrebsrisiko als die Probanden, die Placebos eingenommen hatten. Das Risiko auf einen High-Grade-Tumor war sogar um 111 Prozent grösser. Bei Teilnehmenden mit hohen Selenwerten am Anfang der Studie steigerte Vitamin E das Krebsrisiko nicht.

Kristal äussert die Vermutung, dass Selen eine gewisse Schutzwirkung gegen den schädlichen Effekt von Vitamin E hat. Dies würde auch ein paradoxes Resultat der Auswertung von 2008 erklären. Das erhöhte Krebsrisiko war damals nur bei Teilnehmenden festgestellt worden, die Vitamin E ohne Selen eingenommen hatten. Im Studienarm mit kombinierter Vitamin E plus Selen-Einnahme zeigten sich keine zusätzlichen Tumore.

Die Resultate der Studie unterstreichen nach Ansicht von Kristal ein weiteres Mal, dass hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel problematisch für die Gesundheit sind. Ihre Wirkung sei nicht vorhersehbar, komplex und häufig schädlich, kommentiert der Krebsforscher seine Warnung. Er rät Menschen, die keinen Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen haben, auf die Einnahme solcher Nahrungsergänzungsmittel zu verzichten.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57737/Selen-kann-Prostatakrebsrisiko-erhoehen

http://jnci.oxfordjournals.org/content/early/2014/02/21/jnci.djt456.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Uns werden von einer sehr werbeaktiven Nahrungsergänzungsmittelindustrie auf breiter Front unzählige Mängel eingeredet, die sich dann – oh Wunder – mit den Produkten eben dieser Firmen glücklicherweise beheben lassen. Die allermeisten dieser Präparate sind schlicht und einfach zum Fenster hinaus geworfenes Geld.

Bedeutend heikler wird die Sache allerdings, wenn sich gar als gesundheitsgefährdend herausstellt, was als so ungemein gesund propagiert wurde.

Jahrelang war die Rollenverteilung im Kampf um unsere Gesundheit klar:

Die Guten, das sind die Antioxidantien, die Radikalfänger.

Die Bösen, das sind die „freien Radikale“. Sie sollen unter anderem Krebs verursachen.

Wirft man genügend gute Antioxidantien ein, bleibt man gesund.

Auch Selen gehört zu den Radikalfängern.

Zu den bekannteren Antioxidantien aus natürlichen Quellen gehören ausserdem:

– Gewisse Polyphenole aus Schwarztee, Grüntee (EGCG), Kakao, Kaffee, Rotwein (Resveratrol) u. a.. Phytotherpeutisch relevant sind aus dieser Gruppe vor allem Flavonoide wie z. B. Silymarin oder Anthocyane.

– Gewisse Vitamine (Vitamin E, Vitamin C).

– Carotinoide (Lycopin, Betacarotin, Lutein)

Das über lange Jahre aufgebaute Schwarz-Weiss-Bild kommt nun immer stärker ins Wanken.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass freie Radikale nicht nur schädlich sind, sondern in bestimmten Funktionen für den Organismus auch wichtige Aufgaben erfüllen.

Und es wird immer deutlicher, dass Antioxidantien vor allem in grösseren Mengen auch schädliche Effekte auslösen können.

Das entspricht ziemlich genau der Einschätzung von Alan Kristal, dass diese Nahrungsergänzungsmittel in ihrer Wirkung nicht vorhersehbar, komplex und manchmal vielleicht gar schädlich sind.

Erstaunlich ist dabei nur, dass der Markt mit diesen Präparaten über viele Jahre derart gut laufen kann, obwohl noch nicht einmal die wichtigsten Fragen zu Wirksamkeit und Sicherheit geklärt sind.

Siehe auch:

Experimente stärken Zweifel am Nutzen von Antioxidantien

Selen: Kein Schutz vor Lungenkrebs

Spurenelement Selen – kein Schutz vor Herzkreislauferkrankungen

Oxidativer Stress weniger schädlich als gedacht?

Schwächen Antioxidantien die Muskelfunktion?

Antioxidantien fördern möglicherweise Diabetes

Naturheilkunde: Früchte essen statt Burgerstein schlucken

Cochrane-Review: Kein Schutz vor Krebs durch Selen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie: Ältere Menschen schlucken zu viele Nahrungsergänzungsmittel

Zahlreiche Senioren konsumieren einer Studie zufolge zu viele Nahrungsergänzungsmittel. 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer über 64 Jahre schlucken demnach ergänzende Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige Zusatzstoffe.

Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit empfohlenen Tageshöchstmengen würden dabei oft überschritten, erklärte das Helmholtz Zentrum München. Bei 20 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer, die regelmäßig Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel konsumieren, seien die Mengen zu hoch. Ebenso werde Vitamin E nicht selten zu hoch dosiert.

Für die Studie befragten die Wissenschaftlerinnen Sigrid Schwab, Barbara Thorand und Annette Peters vom Institut für Epidemiologie II knapp 1100 Menschen in der Region Augsburg. Publiziert wurden die Resultate in der Fachzeitschrift «The Journal of Nutrition, Health and Aging».

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/studie-senioren-nehmen-zu-viele-nahrungserg-nzungsmittel-ein-091828470.html

http://link.springer.com/article/10.1007/s12603-013-0418-8

Kommentar & Ergänzung:

Uns wird ständig eingeredet, was uns angeblich an Vitaminen, Mineralsalzen und anderen Zusatzstoffen fehlt, damit uns eine rührige Industrie die angeblich notwendigen Nahrungsergänzungsmittel andrehen kann.

Der grösste Teil dieser Produkte ist schlichtweg unnötig, ein kleiner Teil bei längerdauernder Anwendung in höheren Dosen gar schädlich.

Cool bleiben gegenüber dieser Propagandawelle ist angesagt.

Es gibt nur wenige definierte Situationen, in denen die zusätzliche Einnahme solcher Stoffe medizinisch sinnvoll oder gar notwendig ist.

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Brokkoli: Schutz gegen Arthrose?

Brokkoli enthält nicht nur Vitamine. Er hilft möglicherweise auch Arthrose vorzubeugen,  beziehungsweise das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Gemäss den Resultaten einer Laborstudie verlangsamt das in Brokkoli in großen Mengen enthaltene Isothiocyanat Sulforaphan die Zerstörung von Knorpel in Gelenken, wie britische Wissenschaftler im Fachjournal «Arthritis & Rheuma» schreiben.

Die Wissenschaftler um Professor Ian Clark von der University of East Anglia in Norwich untersuchten die Effekte von Sulforaphan an Mäusen sowie an menschlichen Knorpelzellen und Knorpelgewebe von Rindern. Bei Mäusen, die eine Sulforaphan-reiche Ernährung bekamen, zeigten sich demnach signifikant weniger Knorpelschäden und Arthrose-Symptome als normal ernährten Tieren.

Die Forscher entdeckten, dass Sulforaphan Enzyme blockiert, die für die Gelenkzerstörung verantwortlich gemacht werden. Darüber hinaus scheint Sulforaphan den Transkriptionsfaktor NF-κB zu hemmen, dessen Aktivierung eine Rolle bei der Entstehung von Entzündungen spielt.

Dem Inhaltsstoff Sulforaphan werden schon lange gesundheitsfördernde Effekte nachgesagt. Er soll antioxidativ, entgiftend und entzündungshemmend wirken. In früheren Untersuchungen zeigten sich zudem Hinweise auf möglicherweise günstige Effekte bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen und chronischen Entzündungen der Darmschleimhaut hin.

Das Isothiocyanat Sulforaphan entsteht bei der enzymatischen Hydrolyse von Senfölglykosiden. Diese kommen hoch konzentriert in Brokkoli vor, aber auch in anderen Kreuzblütlergewächsen wie Rosenkohl oder Weißkohl.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=48450&Nachricht_Title=Nachrichten_Brokkoli+essen+gegen+Arthrose&type=0

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/art.38133/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Bei Experimenten mit Mäusen, isolierten Zellen und isolierten Geweben bleiben natürlich immer noch viele Fragen offen. Zum Beispiel: Wieviel Brokkoli müsste ich den pro Tag essen, damit diese Wirkung eintritt?

Zwei Kilo? Und das jeden Tag ab dem 30. Lebensjahr, damit ich mit 80ig 15 % weniger Abnützungen an den Gelenken habe? Isolierte Gewebe kann im Labor mit einem bestimmten Wirkstoff quasi überschwemmen, was auf den lebenden Organismus oft nicht so einfach übertragbar ist.

Trotz dieser eher zurückhaltenden Interpretation bin ich natürlich überzeugt davon, dass Brokkoli ein gesundes Gemüse ist. Zusammen mit anderen Kreuzblütlern ist er ein sinnvoller Bestandteil in unserer Ernährung.

Zu Brokkoli:

Glukosinolate aus Brokkoli & Co im Fokus der Forschung

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Brokkolisprossen hemmen Helicobacter pylori im Magen

Brokkoli-Inhaltsstoff günstig bei Asthma

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Spurenelement Selen – kein Schutz vor Herzkreislauferkrankungen

Selenpräparate werden als Nahrungsergänzung von Herstellern wie zum Beispiel Burgerstein ausdrücklich bei Herzerkrankungen empfohlen.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie nimmt in einer Pressemitteilung Stellung zum Nutzen von Selen für das Herz:

Die Einnahme von Selen schützt nicht vor Herzkreislauferkrankungen. Das schreibt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich einer aktuellen Meta-Analyse. Darüber hinaus bestehe anscheinend ein Zusammenhang von Seleneinnahme und erhöhtem Diabetesrisiko, hält die DGE weiter fest. Möglicherweise gebe es jedoch eine positive Wirkung dieses Spurenelementes bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen. Die Fachgesellschaft empfiehlt, sich ähnlich wie bei der Einnahme von Vitamin D und Kalzium auch vor der Einnahme von Selenpräparaten ärztlich beraten zu lassen.

Wozu Selen nötig ist

Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe seien lebensnotwendig und heutzutage auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln weit verbreitet. Das Spurenelement Selen schütze nicht nur die Zellmembran, sondern sei auch an der Regelung des Stoffwechsels beteiligt.

Menschen nehmen Selen mit der Nahrung auf – reich an Selen seien Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch sowie Milch- und Getreideprodukte. Ein Selenmangel sei – ähnlich wie ein Vitamin-D-Mangel – in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht worden, sagt Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum. Dazu gehören Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit bei Männern, Gemütsschwankungen, Alzheimer, Herzkreislauferkrankungen und entzündliche Gelenkerkrankungen.

Einen Beleg, dass die Einnahme von Selen diese Erkrankungen verhindern oder bessern kann, gab und gebe es allerdings nicht, stellt Professor Schatz klar.

Für Herzerkrankungen gibt es nun eine aktuelle Analyse der renommierten Cochrane-Institution über zwölf randomisierte, kontrollierte Studien mit annähernd 20 000 Teilnehmern. Die Resultate dieser Metaanalyse zeigen keinen vorbeugenden Effekt einer Selen-Gabe.

In mit Selen gut versorgten Gegenden der Erde wie in den USA oder auch bei uns, sei eine Selenzufuhr zur kardiovaskulären Vorbeugung offenbar ohne Effekt, kommentiert Schatz.

Ein Selenmangel sei bei uns höchstens bei Veganern oder künstlich ernährten Menschen zu finden.

Eine weitere Studie habe ergeben, dass unter Selengabe das Risiko für Diabetes Typ 2 bis auf das Dreifache steigen kann. Zu ähnlichen Resultaten kamen auch schon frühere Studien.

Zahlreiche Endokrinologen wenden Selen therapeutisch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie der Hashimoto-Thyreoiditis an. Selen diene als Baustein bestimmter Enzyme, welche bei der Produktion der Schilddrüsenhormone beteiligt seien, erklärt Professor Schatz. Aber auch hier sei die Beweislage für die Notwendigkeit einer Selengabe nicht gesichert. Dafür wären dringend prospektive, kontrollierte Therapiestudien mit Selen im Vergleich zu Placebo nötig, die an einer größeren Anzahl von Patienten durchgeführt werden.

Selenpräparate bei gesunden Menschen unnötig

Gesunde Menschen brauchen keine Selenpräparate, sagt der DGE-Mediensprecher.

Die Seleneinnahme ohne Grund könnte sogar schädlich sein. Zu viel Selen kann eine Selenvergiftung auslösen, die Selenose. Deren Symptome sind gemäss Professor Schatz Magendarmbeschwerden, Haarausfall, Nagelveränderungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervenirritationen.

Ähnlich ist die Situation auch bei der ärztlich nicht begründeten Zufuhr höherer Dosen von Kalzium. Hier erhöhe sich bei Männern das Risiko an Herzkreislauferkrankungen zu sterben um 20 Prozent, erklärt der Experte und verweist auf eine neue Studie an knapp 400 000 Menschen aus den USA. Weniger sei mehr, das gelte auch im Fall dieser Nahrungsergänzungsmittel, betont Professor Schatz.

Quelle:

http://www.endokrinologie.net/presse_130212.php

Kommentar & Ergänzung:

Sehr fragwürdig ist in diesem Zusammenhang, dass Hersteller wie beispielsweise Burgerstein Selenpräparate mit grossen Versprechungen vermarkten, obwohl noch eine Vielzahl von wichtigen Fragen offen sind. Der Nutzen solcher Nahrungsergänzungsmittel ist nicht wirklich belegt und die Sicherheit nicht wirklich geklärt. Aber das Business läuft wie geschmiert. Burgerstein empfiehlt Selen ausdrücklich bei „Herzerkrankungen (Herzinfarkt, begleitend; Herzinsuffizienz)“.

Siehe auch:

Experimente stärken Zweifel am Nutzen von Antioxidantien

Selen – kein Schutz vor Lungenkrebs

Cochrane-Review: Kein Schutz vor Krebs durch Selen

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Ungesunder Trend zur Körperoptimierung

„Wir sind auf dem besten Weg zu verlernen, was es bedeutet, in Würde zu altern“, sagt der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München, Peter Falkai, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Altersflecken, Falten, Tränensäcke oder Besenreiser würden nicht mehr akzeptiert, sondern von vielen als sehr störend empfunden.

Dieser Trend zur Körperoptimierung bereite ihm Sorgen. Gegen fast alles gebe es eine Spritze. Zwar bräuchten beruflich erfolgreiche Menschen eine gewisse Eitelkeit, sagt der Psychiater. Gefährlich werde es jedoch, wenn diese Eitelkeit mit mangelndem Selbstbewusstsein gepaart sei. Wer sein Äußeres immer weiter optimieren wolle und mit dem Resultat nie zufrieden sei, benötige psychologische Hilfe.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=177789

Kommentar & Ergänzung:

Neben diesem Trend zur Körperoptimierung gibt es noch den genauso fragwürdigen Trend zur Pathologisierung und Medikalisierung aller Lebenslagen.

Älterwerden beispielsweise wird zunehmend von einer Lebensphase zu einem behandlungsbedürftigen Vorgang – unabhängig davon, ob Beschwerden vorliegen oder nicht.

Was wird uns doch nicht alles dringend empfohlen für’s  gesunde Aelterwerden: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und andere Nahrungsergänzung, auch Pflanzenpräparate in jeder Form.

Es gibt in diesem Bereich aber nur wenige sinnvolle Produkte individuell passend für ganz bestimmte Menschen bzw. Situationen – und sehr viel überflüssigen Schrott, bei dem uns die Werbung nur einredet, wie dringend wir dies und das brauchen.

Uns werden ständig Versorgungsdefizite untergejubelt und dann stehen – oh Wunder – schon 50 Firmen bereit, um uns für diese Lücken Nahrungsergänzung zu verkaufen.

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Leberentgiftung unmöglich

Leberentgiftung und Leberreinigung sind Begriffe, die in Naturheilkunde und Alternativmedizin häufig anzutreffen sind. Und es sind fragwürdige Begriffe, auf die man besser verzichten würde.

Zum Thema „Leberentgiftung“ hat sich kürzlich der Gastroenterologe Prof. Claus Niederau von den Katholischen Kliniken Oberhausen geäussert:

„Wer……glaubt, seine Leber selbst ‚entgiften’ zu können, liegt falsch. Produkte mit dem Wirkstoff der Mariendistel beispielsweise haben Niederau zufolge nur unter ganz bestimmten Bedingungen eine Wirkung: ‚Bei Patienten, denen hochkonzentrierte Distellösung intravenös gespritzt wurde, hat man eine Besserung beobachtet’, so der Arzt. Für Tabletten und Pulver zum Einnehmen hingegen sei eine Wirkung nicht belegt. ‚Man kann seine Leber nicht entgiften’, sagt Niederau. Sie könne sich häufig regenerieren, wenn schädigende Einflüsse wie Alkohol und fettes Essen weggelassen werden.“

Quelle:

http://lifestyle.t-online.de/kann-man-die-leber-entgiften-/id_43588420/index

Kommentar & Ergänzung:

Ich teile die Überzeugung, dass man seine Leber nicht entgiften kann. Leberentgiftung und Leberreinigung sind Wischi-Waschi-Begriffe, bei denen völlig unklar bleibt, was denn genau auf welchem Weg entgiftet werden soll.

Allerdings muss ich die Mariendistel etwas in Schutz nehmen. Wer seriös mit Heilpflanzen arbeitet, wird bei Mariendistel nicht von Leberentgiftung oder Leberreinigung sprechen. Für eine solche Wirkung gibt es keinerlei fundierte Hinweise.

Pharmakologische und klinische Daten sprechen für einen gewissen Leberschutzeffekt und bei chronischen Lebererkrankungen für eine Verbesserung der Leberfunktion:

Das Flavonoid-Gemisch Silymarin stimuliert die nucleoläre Polymerase I, wodurch die Synthesegeschwindigkeit ribosomaler Ribonukleinsäuren erhöht und damit Zellregenerationsprozesse beschleunigt werden. Dadurch ist auch ein kurativer Effekt möglich.

Am wirksamsten ist Mariendistel tatsächlich intravenös als Infusion, wobei der isolierte Wirkstoff Silibinin verwendet wird, zum Beispiel zwecks Leberschutz bei Knollenblätterpilzvergiftungen.

Bei der peroralen Anwendung gibt es für die Indikation „chronische Leberschäden“ (bspw. durch Alkoholkonsum) durchaus auch positive klinische Studien.  Dass „Tabletten und Pulver zum Einnehmen“ in ihrer Wirkung unbelegt sind, würde ich also so generell nicht unterschreiben. Es kommt allerdings sehr auf die konkrete Anwendungsform an. Bei peroraler Anwendung (also zum Einnehmen) ist eine gewisse Wirksamkeit nur zu erwarten bei Anwendung von isoliertem Silymarin oder von hochkonzentrierten Mariendistelextrakten, die auf Silymarin standardisiert sind. Die Phytotherapie-Fachliteratur fordert 200 – 400 mg Silymarin als Tagesdosis. Diese Menge ist nur mit isoliertem Silymarin und allenfalls mit hochkonzentrierten Extrakten erreichbar. Nicht sinnvoll ist Mariendisteltee, weil Silymarin schlecht wasserlöslich ist. Und bei Mariendisteltinktur dürfte die zugeführte Menge an Silymarin sehr deutlich zu klein bleiben.

Ein grosser Vorteil von Silymarin bzw. Mariendistelextrakt ist die ausgesprochen gute Verträglichkeit.

Doch zurück zur Leberentgiftung.

Im Internet werden zur Leberentgiftung zu Hunderten Vitamine, homöopathische Globuli, Schüssler-Salze, Heilkräuter, Leberwickel und vieles mehr angeboten.

Es spricht sehr viel dafür, dass dieser ganze Entgiftungsmarkt unsinnig, überflüssig und unwirksam ist. Was bleibt, wenn es um die Gesunderhaltung der Leber geht,  ist ganz simpel ein leberfreundlicher Lebensstil. Und das heisst: Alkohol nur sehr massvoll, kein Medikamentenmissbrauch,  Fettanteil in der Ernährung in Grenzen halten, allenfalls Impfung gegen Hepatitisviren bei entsprechenden Risiken.

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Darmkrebs-Studie: Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 reduzieren Krebsrisiko nicht

Forscher an einem Bostoner Spital haben untersucht, welche Wirkungen Folsäure sowie Vitamin B6 und B12 bei der Darmkrebsvorsorge von Frauen haben. Das Resultat: egal, ob die Frauen die Vitamine oder Placebos einnahmen – das Risiko für Polypen im Darm blieb identisch. Trotz Vitamingaben entwickelten 24,3 Prozent der Frauen diese Vorstufe für Darmkrebs, in der Kontrollgruppe waren es 24,0 Prozent.

Bisherige Studien zu dem Thema hatten vermuten lassen, dass es einen Zusammenhang zwischen Folsäure und Darmkrebs gibt. Allerdings gab es dazu widersprüchliche Meinungen. Einige Wissenschaftler nahmen an, dass Folsäure das Krebsrisiko reduziere – andere waren der Meinung, dass zu viel davon das Krebswachstum beschleunige.

Die Studie wurde im Fachmagazin „Journal of the National Cancer Institute“ veröffentlicht.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=147538

http://jnci.oxfordjournals.org/content/early/2012/10/12/jnci.djs370.abstract?sid=aa1937ca-ff66-4ea8-bf3f-ce3716f43a0c

Kommentar & Ergänzung:

Nahrungsergänzungsmittel werden immer wieder mit der Andeutung vermarktet, dass sie vor Krebs schützen könnten. Die grossen Versprechungen wurden allerdings in den letzten Jahren immer wieder durch Studien erschüttert. Die Studie aus Boston ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Skepsis gegenüber solcher Vitaminpropaganda angebracht ist.

Das „Aerzteblatt“ schreibt dazu:

„Die Hoffnung, dass Vitamine vor Krebs schützen können, haben sich bisher nicht erfüllt. So kam 1994 eine finnische Studie zu dem Ergebnis, dass Betacarotin, eine Vorstufe von Vitamin A, das Lungenkrebsrisiko von Rauchern erhöht, statt sie vor dem Tumor zu schützen (NEJM 1994; 330: 1029-1035). In der SELECT-Studie wurde für Vitamin E ein erhöhtes Sterberisiko am Prostatakarzinom  nachgewiesen (JAMA 2011; 306: 1549-1556). Eine Meta-Analyse zeigt für Menschen, die aus Gesundheitsbewusstsein Vitamin A und E oder Beta-Carotin einnahmen, eine höhere allgemeine Sterblichkeitsrate (JAMA 2007: 297: 842-57).“

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52028/B-Vitamine-koennen-Darmkrebs-nicht-vorbeugen

Siehe auch:

Naturheilkunde: Früchte essen statt Burgerstein schlucken

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Fischöl-Kapseln unwirksam gegen Schlaganfall und Herzinfarkt

Fischöl-Kapseln sollen vorbeugen gegen Herzinfarkt oder Schlaganfall, sollen Blutfett abbauen und Gefäßverkalkungen verhindern. Verantwortlich für diese Wirkungen sollen Omega-3-Fettsäuren sein, die in fettigem Fisch wie Lachs, Sardelle oder Makrele vorkommen. Wissenschaftler aus den USA bestreiten die Wirksamkeit aufgrund ihrer Metaanalyse.. Im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“ schreiben sie, dass die Fischöl-Kapseln nicht wirksam sind.

Die Forscher um Evangelos Rizos haben nach eigenen Angaben 20 verschiedene Studien ausgewertet, an den total etwa 70.000 Patienten beteiligt waren. Ihr Resultat: Ob die Probanden Fischöl-Kapseln nahmen oder nicht, machte keinen Unterschied. Weder Herzinfarkt, noch Schlaganfälle oder Todesfälle seien seltener geworden unter der Fischöl-Medikation.

Fischöl-Präparate sind beliebt und in vielen Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich. Millionen vor Menschen schlucken weltweit Fischöl-Kapseln. Studien zur Wirksamkeit widersprechen sich oft. Mal wird den Kapseln eine Wirkung bescheinigt, mal nicht.

Um in solchen strittigen Fragen Klarheit zu gewinnen, ist eine Metaanalyse hilfreich, wie sie nun Evangelos Rizos & Mitarbeiter vorgelegt haben. Für eine Metaanalyse werden die Rohdaten aus den besten Studien untersucht, zusammengefasst und ausgewertet.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=135643

http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1357266

Kommentar & Ergänzung:

Sehr vielen, was uns als gesund angepriesen wird, ist ganz offensichtlich nur Fake.

Erfreulich, dass man sich offenbar auch die nicht gerade billigen und geschmacklich eher unangenehmen Fischöl-Präparate sparen kann.

Es stellt sich nun die Frage, ob dieses Ergebnis einen Einfluss hat auf die Empfehlung, zweimal wöchentlich Fisch zu essen.

Die „Süddeutsche“ schreibt dazu:

„ Ernährungsexperten und Kardiologen sind sich dennoch einig, dass zweimal in der Woche Fisch statt Fleisch gesund für Herz und Gefäße ist. Womöglich verhält es sich mit den neuen Daten zu Fischöl ähnlich wie mit jenen Erkenntnissen, die über Vitamine bekannt sind: Während Vitamine in allem, was natürlich gewachsen ist – sei es Obst, Gemüse, Getreide oder Fleisch – gesund sind, schaden Vitaminpräparate mehr als dass sie nutzen. Ein Apfel enthält tausend Substanzen, ein Multivitaminpulver hingegen nur ein gutes Dutzend. Gesund sind offenbar nicht die Einzelsubstanzen im Pulver, sondern die natürlich abgestimmten Wechselwirkungen der Stoffe. Auch die gesundheitsfördernde Eigenschaft von Fisch lässt sich offenbar nicht einfach isolieren und in Kapseln pressen.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/fischoel-zur-infarkt-vorbeugung-fruchtloser-tran-1.1465467

Die Aussage in diesem Zitat kommt übrigens einem phytotherapeutischen Verständnis sehr nahe: Besser wirksam als ein isolierter Einzelstoff ist das Zusammenwirken verschiedener Inhaltsstoffe.

Wobei aber auch diese Aussage nicht absolut genommen werden sollte. Zudem ist Fischöl auch nicht einfach nur eine isolierte Einzelsubstanz….

Und so sind wieder einmal viele Fragen offen. Hat Fisch nun wirklich vorbeugende Wirkungen auf Herz und Kreislauf – Fischöl-Präparate aber nicht?

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Krebsvorbeugung durch Vitamin E: Auf die Form kommt es möglicherweise an

In einer neuen Studie bewerten US-amerikanische Wissenschaftler aus New Jersey das Potenzial der verschiedenen Formen von Vitamin E bei der Krebsvorbeugung.

Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass Vitamin E in Form von Alpha-Tocopherol, das vor allem für Nahrungsergänzungsmittel genutzt wird, keinen krebsvorbeugenden Effekt besitzt, während Vitamin E in Form von Gamma-Tocopherol und Delta-Tocopherol, das in Nahrungsmitteln wie Sojabohnen, Nüssen und Rapsöl vorkommt, diese Eigenschaft zeigt.

Quelle:

http://bio-pro.de/magazin/wissenschaft/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/07915/index.html

http://www.nutraingredients.com/Research/Dietary-vitamin-E-better-than-supplements-to-battle-cancer-Researchers?utm_source=copyright&utm_medium=OnSite&utm_campaign=copyright

Originalquelle:

Does Vitamin E Prevent or Promote Cancer?, Chung S. Yang, Nanjoo Suh, Ah-Ng Tony Kong, Cancer Prevantion Research, Mai 2012 5; 701

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie scheint auf rein epidemiologischer Basis zu stehen. Zudem verweisen die Forscher auf Tierexperimente. Damit kann allerdings auch für Delta-Tocopherol und Gamma-Tocopherol nicht zweifelsfrei eine Wirksamkeit bezüglich Krebsvorbeugung belegt werden.

Die Versprechungen einer Krebsvorbeugung durch Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine, Antioxidantien….sind generell sehr viel grösser als die Belege, welche für eine solche Wirkung sprechen.

Alpha-Tocopherol gehört darüber hinaus noch zu denjenigen Inhaltsstoffen von Nahrungsergänzungsmitteln, für die es Hinweise gibt, dass sie die Sterblichkeit erhöhen könnten.

Nicht alles, was als gesund angepriesen wird, ist es auch.

Siehe:

Mit Nahrungsergänzungsmitteln höheres Sterberisiko

Antioxidantien fördern möglicherweise Diabetes

Schwächen Antioxidantien die Muskelfunktion

US-Studie findet keinen Schutzeffekt von Vitamin A und E für’s Herz

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Krebs & Psyche: Positiv denken?

Immer noch geistern Vorstellungen herum, im Kampf gegen Krebs sei positives Denken Voraussetzung für eine Heilung. Krebspatienten, denen dieses positive Denken nicht so leicht fällt, bekommen oft mehr oder weniger deutlich zu hören, dass sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben und dadurch nicht ganz unschuldig sind, wenn die Heilung auf sich warten lässt.

Es ist Zeit, diesen alten Zopf abzuschneiden.

Klar Stellung genommen zu dieser Frage hat vor kurzem Christian Zniva, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz (Oberösterreich):

« “Patienten erwarten oft von uns, dass wir ihnen helfen, positiv zu denken – damit sie den ,Kampf gegen den Krebs’ aufnehmen können“. Dabei sei das überholt. „Wissenschaftliche Studien haben längst widerlegt, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Psyche und dem Krankheitsverlauf gibt“, sagt Zniva. „Diese Information kann Patienten entlasten.“ Denn es sei gar nicht nötig, ständig gut gelaunt gegen den Krebs zu kämpfen. „Das führt oft nur zu einem verkrampften Umgang und kostet außerdem viel zu viel Kraft.“

Heute würde man mit anderen Bildern arbeiten. „Ich beschreibe Krebs gerne als einen Weg mit Stolpersteinen, auf dem man – einen nach dem anderen – wegräumt.“»

Quelle:

http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesundheit/art114,782756

Kommentar & Ergänzung:

Fazit: Wer positiv gestimmt ist soll sich davon nicht abbringen lassen. Aber auch angeblich negative Gefühle wie Wut, Ohnmacht, Trauer etc. haben quasi ein Existenzrecht. Und kein Krebspatient, keine Krebspatientin muss sich vorwerfen (lassen), das schade dem Kampf gegen die Krankheit, wenn er oder sie mal nicht so gut „drauf ist“.

Angestrengt positives Denken ist nämlich ziemlich bescheuert.

Ein noch heiklerer Punkt beim Thema Krebs & Psyche ist eine fürchterlich oberflächliche, oft esoterisch angehauchte Populär-Psychosomatik, die mit leichtfertig hingeworfenen psychologischen oder esoterischen Deutungen um sich wirft („Du musst deine Konflikte bearbeiten, damit du gesund wirst“).

Die Durchsetzung von Deutungen ist eine Machtfrage und es ist oft eine Form von Übergriff, wie in dieser „Szene“ Patientinnen und Patienten Deutungen aufgedrängt oder aufgedrückt werden.

Solche Schuldzuweisungen dienen der Kontingenzbewältigung. Mit Kontingenz ist hier gemeint, dass wir als Menschen Krankheit und Gesundheit nicht im Griff haben. Diese ohnmachtsträchtige Situation lässt sich lindern durch Theorien, welche Kranken Schuld und Verantwortung zuschieben.

Multiple Sklerose oder Krebs sind dann nicht Widerfahrnisse, die Menschen zustossen können, weil Krankheit auch zur menschlichen Existenz gehört. Sie sind Folge von Versäumnissen. So kann man sich dann zurechtphantasieren, dass man von solchen Krankheiten verschont wird, wenn man sich richtig verhält – genug an sich arbeitet, sich spirituell höher entwickelt, viel Vitamine konsumiert, nur moderat sündigt……

Konstruktiver wäre meines Erachtens, dass wir Kontingenz als Bestandteil menschlicher Existenz anerkennen und dass wir lernen, mit diesem manchmal bedrohlichen Faktum umzugehen.

Kontingenz-Kompetenz wäre dann also quasi gefragt, aber wo lernt man das schon?

Falls Sie sich vertiefter mit diesen Fragen auseinandersetzen wollen, empfehle ich einen Blick auf www.patienten-seminare.ch und auf Eidberger Gedankengänge.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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