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Wo liegt der Unterschied zwischen Haferkleie und Weizenkleie?

Haferkleie und Weizenkleie unterscheiden sich im Gehalt an Inhaltstoffen ziemlich deutlich, was auch unterschiedliche Anwendungsbereiche zur Folge hat.

Rein quantitativ enthält Weizenkleie mehr Ballaststoffe, nämlich 45 – 54 %, während Haferkleie nur auf 20 – 24 % kommt.

Weizenkleie enthält mehr unlösliche Ballaststoffe als Haferkleie:

–        Zellulose 10 – 20 %, gegenüber 4 – 6 % bei Haferkleie.

–        Hemizellulose 20 – 28 % gegenüber 6 – 8 % bei Haferkleie.

–        Lignin 6 – 8 % gegenüber 1 % bei Haferkleie.

Haferkleie enthält dafür in grösseren Mengen den löslichen Ballaststoff Betaglukan:

–        8% gegenüber 2 – 3 % in Weizenkleie.

 

Die unlöslichen Ballaststoffe Zellulose und Lignin, die in der Weizenkleie dominieren, binden viel Wasser und fördern die Verdauung, da das Volumen des Stuhls erhöht und die Transitzeit reduziert wird. Zudem wird Zellulose zum Teil von Darmbakterien abgebaut, wobei kurzkettige Fettsäuren entstehen, die positiv für das Darmmillieu sind.

Betaglukan als löslicher Ballaststoff wird fast vollständig von den Darmbakterien abgebaut, mit den oben bei der Weizenkleie beschriebenen positiven Folgen. Darüber hinaus bindet Betaglukan Gallensäuren im Stuhl und kann so zu einer Verbesserung des Cholesterinspiegels beitragen.

Aus diesen Unterschieden leiten sich unterschiedliche Anwendungsbereiche ab:

Wer in erster Linie seine Verdauung verbessern und einer Verstopfung vorbeugen möchte, kann Weizenkleie verwenden. Wer jedoch in erster Linie seinen Cholesterinspiegel senken möchte, kann Haferkleie zu sich nehmen.

Die günstige Wirkung auf den Cholesterinspiegel ist zwar nicht gerade gross, aber gut messbar. Es braucht dazu allerdings 3 Gramm Betaglukan pro Tag über längere Zeit.

Siehe dazu:

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Weizenkleie und Haferkleie sollten jedoch nur in Verbindung mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden. Im Allgemeinen gilt es als sinnvoller, ballaststoffreiche Lebensmittel aufzunehmen als isolierte Ballaststoffe.

Weizenkleie kann zu Blähungen führen, wenn sie in grössen Mengen aufgenommen wird. Gegen Verstopfung wären dann Flohsamen eine verträglichere Option. Sie müssen gegen Verstopfung ebenfalls mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden und können im Übrigen ebenfalls eine leichte Senkung des Cholesterinspiegels bewirken.

Quelle:

https://www.bzfe.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/42921/page1/30/searchstring/+/forumId/3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Verdauungstrakt

Krankheiten und Beschwerden des Verdauungstraktes sind ein wichtiger Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Stichworte, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung zu diesem Thema vermittle.

Wir befassen uns vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen in folgenden Bereichen:

Schleimhauterkrankungen des Mund- und Rachenraumes

Magenkrankheiten  

Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit u. a.

 ☛ Darmkrankheiten

Funktionelle Darmkrankheiten (z. B. Völlegefühl)

Reizdarmsyndrom (= Reizkolon, irritables Kolonsyndrom IKS)

Meteorismus / Flatulenz 
(Blähungen)

Durchfallkrankheiten

Obstipation (Verstopfung)

Erkrankungen des Mastdarms, des Analbereichs, Hämorrhoiden

Proktitis (Entzündung des Mastdarms)

Analfissur und -rhagade

Analekzem

Hämorrhoiden

Leber- und Gallekrankheiten                                                                            

Leberkrankheiten

Krankheiten der Gallenblase und Gallenwege

Endokrine und Stoffwechselkrankheiten                                          

Diabetes mellitus

Fettsucht (Adipositas)

Bei diesen Beschwerden und Krankheiten geht es vor allem darum, so genau wie möglich zu erfassen, welche Heilpflanze zur Behandlung am wirksamsten ist – und jeweils auch die Grenzen der Heilpflanzen-Anwendungen abzustecken.

 

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Verdauungstakt befassen:

Malvae folium – Malvenblätter

Matricariae flos – Kamillenblüten

Arnicae flos – Arnikablüten

Salviae folium – Salbeiblätter

Tormentillae rhizoma – Tormentillwurzel (= Blutwurz)

Myrtilli fructus – Heidelbeerfrucht

Myrrha – Myrrhe

Centaurii herba – Tausendguldenkraut

Menthae piperitae folium – Pfefferminzblatt

Melissae folium – Melissenblatt

Iberidis herba – Schleifenblumenkraut

Solani tuber – Kartoffelknolle, in Form von Kartoffelsaft:

Lini semen – Leinsamen

Gentianae radix – Enzianwurzel

Calami rhizoma – Kalmuswurzelstock

Angelicae radix – Angelikawurzel (Engelwurz)

Trifolii fibrini folium – Fieberkleeblatt, Bitterkleeblatt

Absinthii herba – Wermutkraut

Cnici benedicti herba – Kardobenediktenkraut

Millefolii flos/herba – Schafgarbenblüte/kraut

Psyllii semen – Flohsamen

Althaeae radix – Eibischwurzel

Liquiritiae radix oder succus – Süssholzwurzel oder -saft

Brassicae oleraceae succus – Weisskohlsaft

Ceratoniae semen – Johannisbrotsamen

Carvi fructus – Kümmelfrucht

Foeniculi fructus – Fenchelfrucht

Harunganae cortex und folium – Harongarinde und –blatt

Theae nigrae folium – Schwarzteeblatt

Ratanhiae radix – Ratanhiawurzel

Pektin

Saccharomyces boulardii – Hefepilze

Plantaginis ovatae semen – Indische Flohsamen

Sennae folium und fructus – Sennesblatt und -frucht

Frangulae cortex – Faulbaumrinde

Ricini oleum – Ricinusoel

Rhei radix – Rhabarberwurzel

Aloe – Aloe

Quercus cortex – Eichenrinde

Hamamelidis cortex und folium – Hamamelisrinde/-blatt

Juglandis folium – Walnussblatt

Hippocastani semen – Rosskastaniensamen

Fagopyri herba – Buchweizenkraut

Cardui mariae fructus – Mariendistelfrüchte

Cynarae folium – Artischockenblatt

Curcumae xanthorrhizae rhizoma – Javanische Gelbwurz

Boldo folium – Boldoblatt

Taraxaci radix und herba – Löwenzahnwurzel /-kraut

Raphani sativi radix – Rettichwurzel

Chelidonii herba und radix – Schöllkraut-Kraut/-Wurzel

Petasitidis rhizoma – Pestwurz-Wurzelstock

Fumariae herba – Erdrauchkraut

Cinnamomi cortex – Zimtrinde

Momordicae charantiae fructus – Bittermelone

Guarmehl

Foenugraeci semen – Bockshornkleesamen

 

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung und Repetition.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

Flohsamen gegen Verstopfung

Das Magazin „Focus“ empfiehlt eine Reihe von Hausmitteln gegen Verstopfung. Aus phytotherapeutischer Sicht ist darunter der Tipp mit dem Flohsamen am wichtigsten:

„Flohsamen, am besten Flohsamenschalen geschrotet, in ein Glas Wasser geben und morgens sowie abends zu den Mahlzeiten trinken. Flohsamenschalen lassen sich auch in Joghurt und Müsli einrühren. Flohsamen enthalten wertvolle Ballast- und Schleimstoffe, die den Darm pflegen und den Stuhlgang fördern. Positive Nebenwirkung: Wer regelmäßig Flohsamen zu sich nimmt, senkt damit auch seinen Cholesterinspiegel und unterstützt das Abnehmen. Wenn Sie Flohsamen anwenden, sollten Sie jedoch immer viel dazu trinken, als Faustregel gilt: Ein Teelöffel Flohsamen, 250 Milliliter Wasser, sonst löst sich das natürliche Abführmittel nicht richtig auf und bewirkt das Gegenteil.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/es-klappt-auch-ohne-abfuehrmittel-verstopfung-die-9-besten-hausmittel_id_8746633.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Flohsamen enthalten Schleimstoffe und gehören daher zu den Quellmitteln. Mit ausreichend Wasser eingenommen vergrössern Flohsamen ihr Volumen, lösen damit einen Dehnungsreiz auf die Darmwand aus und wirken so nach ein paar Tagen Einnahme mild abführend. Flohsamen quellen mit Wasser etwa auf das 10 – 12-fache, Flohsamenschalen etwa auf das 40-fache. Flohsamenschalen sind daher wirksamer, sie zu schroten ist meines Erachtens aber nicht nötig. Leinsamen funktionieren übrigens nach demselben Prinzip, quellen aber nur etwa auf das 4-fache.

Flohsamen und Flohsamenschalen eignen sich auch gut als Regulans bei Reizdarm mit Verstopfung und/oder Durchfall. Bei Verstopfung nimmt man sie dann mit viel Wasser, bei Durchfall mit wenig Wasser, weil sie dann das überschüssige Wasser im Darm binden.

Wichtig bei allen Quellmitteln: Sie können die Aufnahme von gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln vermindern.

Siehe auch:

Flohsamen bei Durchfall

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung: Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie: Was sind Flohsamenschalen?

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie Flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bei chronischer Verstopfung erst im zweiten Schritt Abführmittel anwenden

Chronische Verstopfung sollte nicht sogleich mit Abführmitteln behandelt werden. Empfehlenswert als erster Behandlungsschritt sei eine ballaststoffreiche Ernährung, bis zu zwei Liter Flüssigkeitszufuhr pro Tag und regelmäßige Bewegung.

Wichtig bei Verstopfungen sei zunächst eine Umstellung des Speiseplans. Flohsamenschalen und Weizenkleie könnten Betroffene zur Ergänzung ausprobieren. Darauf haben die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) hingewiesen. Sie haben gemeinsam eine Leitlinie zur Behandlung der sogenannten chronischen Obstipation publiziert.

Erst wenn diese Massnahmen keine Besserung bringen, sollten Arzneimittel zum Einsatz kommen. Klassische Abführmittel sind der Leitlinie zufolge angezeigt, wenn die Beschwerden durch eine Darm-Transportstörung verursacht werden. Dabei passiert der Stuhl den Dickdarm verzögert. Die Medikamente können dann den Stuhl verflüssigen und die Darmtätigkeit anregen. Eine andere Möglichkeit sind bestimmte Zuckerstoffe. Helfen solche Präparate nicht, kommen Prokinetika infrage, die das Darmnervensystem stimulieren. Weniger empfehlenswert seien Mittel, die auf Salz oder Ölen basieren, erklären die Fachleute.

Bei Beschwerden, die auf einer sogenannten Entleerungsstörung beruhen, können Abführzäpfchen oder Einläufe als unterstützende Maßnahmen zur Anwendung kommen. Bei einer Entleerungsstörung funktioniert der Transport bis in den Enddarm, doch fällt den Patienten die Entleerung schwer.

Als chronisch gilt eine Verstopfung, wenn sie mindestens zwölf Wochen andauert und der Patient über zwei weitere Symptome wie «starkes Pressen», «klumpiger harter Stuhl» oder «subjektiv unvollständige Entleerung» klagt.

Quelle:

http://www.ksta.de/gesundheit/bei-chronische-verstopfung-erst-im-zweiten-schritt-abfuehrmittel,15938564,24000956.html

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Die hier empfohlenen Flohsamen bzw. Flohsamenschalen gehören zu den wichtigen Heilpflanzen in der Phytotherapie.

Als Quellmittel können sie als Regulans eingesetzt werden – mit viel Wasser eingenommen, gegen Verstopfung, mit wenig Wasser gegen chronische Durchfälle, zum Beispiel bei Reizdarm.

 

Siehe auch:

Flohsamen bei Durchfall

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung: Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie: Was sind Flohsamenschalen?

 

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Probiotika und Ballaststoffe gegen Verstopfung

Die österreichische Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte einen Text zum Thema Verstopfung und befragte dazu den Wiener Allgemeinmediziner Gerhard Wallner.

„Der erste Schritt, um einer chronische Verstopfung Herr zu werden, ist in jedem Fall die Änderung des Lebensstils. Das heißt: auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse umsteigen, ausreichend viel trinken und auf genügend Bewegung achten. Das bewirkt, dass der Stuhl weicher wird und die Darmtätigkeit wieder in Gang kommt. Künstliche Ballaststoffe wie Weizenkleie oder Flohsamen können ohne Weiteres zugeführt werden. Die Einnahme von Probiotika oder Inulin (Zichorienwurzel) könne die Darmtätigkeit ebenfalls anregen, so Wallner.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000070695670/Verstopfung-Was-den-Darm-in-Schwung-bringt

 

Kommentar & Ergänzung:

Weizenkleie und Flohsamen als „künstliche Ballaststoffe“ zu bezeichnen ist etwas seltsam, aber sonst sind die Tipps nachvollziehbar.

Flohsamen sind ein Quellmittel. Sie enthalten Schleimstoffe, die in Kontakt mit Wasser ihr Volumen stark vergrössern und durch einen Dehnungsreiz auf die Darmwand mild abführend wirken.

Weizenkleie enthält etwa 10 – 20 % unverdauliche Zellulose, die in den tieferen Darmabschnitten zum Teil von Darmbakterien abgebaut wird. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die positiv für das Darmmillieu sind. Darum kann man die Weizenkleie zu den Präbiotika zählen. Das sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt anregen und dadurch die Gesundheit verbessern.

Gegen Verstopfung würde ich Flohsamen der Weizenkleie vorziehen, weil letztere deutlich stärker Blähungen verursachen kann.

Inulin gehört auch zu den Präbiotika. Es ist in den Wurzeln vieler Asteraceen (Korbblütler) vorhanden, neben der Zichorie (Wegwarte) zum Beispiel im Löwenzahn und im Topinambur (Helianthus tuberosus), aber auch in Doldenblütlern wie zum Beispiel der Pastinake.

Inulin besteht hauptsächlich aus einer Kette von Fruchtzuckermolekülen, wird aber im Dünndarm nicht abgebaut und daher wie Weizenkleie im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt. Dabei kann es auch zu Blähungen kommen. Die entstehenden Proprionate wirken möglicherweise als natürlicher Appetithemmer.

Jedenfalls haben wir es hier mit ziemlich interessanten Naturstoffen zu tun.

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Leinsamen gegen Verstopfung

Das Magazin „Stern“ beschreibt die Anwendung von Leinsamen gegen Verstopfung und orientiert sich dabei erfreulicherweise an den Standards der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Leinsamen enthalten Schleimstoffe, die bei Kontakt mit Wasser aufquellen und so das Stuhlvolumen vergrößern. Ein Esslöffel Leinsamen kann in Verbindung mit Flüssigkeit auf das Vierfache seines Volumens anwachsen. Das führt zu einem Dehnungsreflex im Darm, der abführend wirkt. Auf diese Weise können Leinsamen Verstopfungen lindern oder einem trägen Darm auf die Sprünge helfen. Nach Einschätzung der Kommission E sind sie auch für Patienten geeignet, deren Darmtätigkeit durch übermäßigen Konsum von Abführmitteln bereits geschädigt ist. Das enthaltene Fett wirkt zusätzlich als Gleitmittel.“

Als Fett enthalten Leinsamen das wertvolle Leinöl, das aber nur verdaut und aufgenommen wird, wenn die Leinsamen geschrotet werden.

Was ist gemeint mit den „Einschätzungen der Kommission E“?

Siehe dazu:

Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Zur Zubereitung von Leinsamen schreibt das Magazin „Stern“:

„Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamenschrot in Apfelmus, Milch oder Quark einrühren.

Die Speisen nach Belieben mit einem Teelöffel Honig süßen.

Über mehrere Wochen und Monate anwenden, die Behandlung erfolgt langfristig. Eine Wirkung stellt sich oft erst nach einigen Tagen ein.

Leinsamen können unter Umständen die Aufnahme von Arzneistoffen beeinträchtigen. Es ist daher sinnvoll, zwei bis drei Stunden Abstand zwischen den Einnahmen zu halten.

Allgemein empfiehlt es sich, im Fall einer Verstopfung viel Wasser zu trinken.“

Milch verschlechtert allerdings die Quellwirkung der Leinsamen. Meine Empfehlung lautet deshalb: Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamen mit 1 bis 2 Glas Wasser einnehmen. Man kann den Leinsamen auch ganz herunterspülen, also ungeschrotet – dann quillt nur der Schleim aus den Randschichten des Samens. Der Leinsamenschleim wird nicht verdaut, sondern wieder ausgeschieden. Der Inhalt des Leinsamens bleibt so unverdaut (auch das Leinöl).

Ungeschrotete Leinsamen sind besser haltbar, geschrotete Leinsamen können rasch ranzig werden.

Flohsamen und isbesondere Flohsamenschalen quellen im Übrigen deutlich stärker als Leinsamen und sind verträglicher. Siehe dazu:

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung – Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie – was sind Flohsamenschalen

Quelle der Zitate:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550475443

 

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Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

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Haferflocken reduzieren Cholestereinspiegel im Blut

Das Magazin „Focus“ gibt eine Empfehlung zur Reduktion des Cholesterinspiegels:

„Die Leber bildet die Gallensäure, die die Gallenblase speichert. Die Säuren machen das Nahrungsfett für den Körper brauchbar. Um das Cholesterin zu senken, sollten Sie morgens Haferflocken essen, rät Dietrich Grönemeyer. Denn die binden die Gallensäuren. Wenn die Leber neue Gallensäure produziert, zieht sie Cholesterin aus dem Blut, sodass das Blutfett sinkt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/star-mediziner-raet-statt-tabletten-ein-fruehstuecksklassiker-senkt-ihren-cholesterinspiegel_id_7317491.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Tatsächlich lässt sich mit dem beschriebenen Mechanismus (Hemmung der Gallensäure-Rückresorption) der Cholesterinspiegel oft senken – nicht sehr stark, aber messbar und ohne Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen.

Das im Hafer enthaltene Beta-Glucan – ein löslicher Ballaststoff – reduziert nicht nur den Cholesterinspiegel. Es kann auch den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit verlangsamen, was bei Diabetes Typ 2 erwünscht ist.

Die Empfehlung von Haferflocken ist allerdings suboptimal. Wenn schon Haferflocken, dann solchen sie „Vollkorn“ sein. Am meisten Beta-Glucan hat es nämlich in den Randschichten des Haferkorns. Haferkleie enthält mit 8,1 Gramm auf 100 Gramm beinahe doppelt so viel Beta-Glucan wie Haferflocken.

Haferkleie ist also vorzuziehen, wenn man wirklich den Cholesterinspiegel senken oder den Blutzuckerspiegel günstig beeinflussen will.

Weizenkleie enthält überwiegend unlösliche Ballaststoffe und entfaltet daher keine Wirksamkeit auf Cholesterin- und Blutzuckerspiegel. Sie dient insbesondere der Vorbeugung von Verstopfung.

Ähnlich günstige Effekte auf Cholesterin- und Blutzuckerspiegel lassen sich jedoch auch mit verschiedenen anderen Quellmitteln erreichen, zum Beispiel mit Flohsamen, Guarmehl, Bockshornkleesamen, Johannisbrotkernmehl, Pektin.

Der Saathafer wurde im übrigen zur Arzneipflanze des Jahres 2017 erkoren.

Siehe auch:

Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

Hafer schützt Arterien

 

 

 

Vollkornprodukte präventiv gegen Diabetes Typ 2, Hypercholesterinämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas

Bockshornklee interessant als Heilpflanze und Gewürz

Bockshornklee in der Diabetesbehandlung

 

 

 

 

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Kümmelöl-Leibauflagen beim Reizdarmsyndrom

Etwa 10 und 15 % der Bevölkerung in Europa leiden unter dem Reizdarmsyndrom. Bei den Betroffenen kommt es zu Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Unterbauchschmerzen, Völlegefühl oder übermäßig auftretenden Blähungen. Da eine ursächliche Behandlung nicht möglich ist, bieten sich nur Therapiemaßnahmen auf der Symptomenebene an. Vor allem phytotherapeutische Maßnahmen wie die Gabe von Pfefferminzöl und Kümmelöl in Kapselform sowie von Flohsamen haben sich bereits als effektiv in der Bekämpfung einzelner Beschwerden erwiesen.

Ein Team der Universität Duisburg-Essen untersuchte nun die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen, wie sie in der Kneipptherapie angewandt werden, bei Reizdarm-Patienten.

Die an der Studie beteiligten Reizdarm-Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Behandlungen bekamen, wobei aber nach dem Rotationsprinzip jeder Proband jede der drei Interventionen erhielt.

Jede der Behandlungen wurde über einen Zeitraum von drei Wochen appliziert, und zwar täglich für jeweils ca. 30 Minuten.

So sahen die drei Behandlungsgruppen aus:

1.)     Die zu prüfende Leibauflage mit Kümmelöl (2 %ig mit Olivenöl) und eine Moor-Wärmeauflage.

2.)     Eine erwärmte Leibauflage mit Olivenöl.

3.)     Eine körperwarme, nicht erwärmte Auflage mit Olivenöl.

Die Gruppen 2 und 3 dienten als Kontrollgruppen. Sie sollten es ermöglichen, die spezifischen Effekte des Kümmelöls sowie die Rolle der Wärme für eine potenzielle Linderung der Symptome zu unterscheiden.

Die Auflagen mit Kümmelöl zeigten sich den anderen Behandlungen deutlich überlegen, was die Zufriedenheit der Patienten und die Linderung der Symptome anbelangt. Die Kümmelölleibauflagen waren gut verträglich und wurden von den meisten der Patienten als angenehm und hilfreich bei der Linderung der Symptome beurteilt.

Quellen:

– http://www.carstens-stiftung.de/artikel/kuemmeloelleibauflagen-beim-reizdarm-endlich-ruhe-im-bauch.html

– Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36(06): 244-246

DOI: 10.1055/s-0041-109742

– Digestion. 2015;92(1):22-31. doi: 10.1159/000398790. Epub 2015 Jun 5.

Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome–A Randomized Controlled Cross-Over Trial.

Lauche R1, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?filters=&orig_db=PubMed&cmd=Search&term=92%2A%5Bvolume%5D%20AND%2022%5Bpage%5D%20AND%202015%5Bpdat%5D%20AND%20Lauche%20R%5Bauth%5D

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war zwar klein (48 Patienten, wovon 40 Frauen, Durchschnittsalter 53,9 Jahre) und nicht verblindet. Das schränkt die Aussagekraft ein.

Es ist aber schwierig, für einfache, billige, nicht patentierbare Massnahmen grosse Forschungsgelder für umfangreiche Studien zu finden.

Daher sind auch schon derart kleine Studien willkommen.

Auch ist es generell schwierig, Wickel, Auflagen und ätherische Öle zu verblinden.

Bei einer Tablette ist das einfacher. Man kann sie wirkstoffrei herstellen und hat voilà – ein identisch aussehendes Placebo (Scheinpräparat) für die Kontrollgruppe.

Aber wie lässt sich ein Placebo herstellen für eine Kümmelölleibauflage, ein wirkstoffloses Scheinpräparat, das aussieht, sich anfühlt und riecht wie eine Kümmelölleibauflage?

Wenn etwas so riecht, sich anfühlt und aussieht wie eine Kümmelölleibauflage, dann ist es eine Kümmelölleibauflage.

Die mangelnde Verblindung kann man also nicht den Forschern und nicht der Kümmelölleibauflage zum Vorwurf machen. Sie folgt aus der Komplexität der Intervention.

In der Zeitschrift für Phytotherapie (6/2015) werden die Resultate der Studie so zusammengefasst:

„Ein signifikanter Unterschied bezüglich der Symptome zugunsten der Kümmelölleibauflage wurde im Vergleich zur körperwarmen Auflage identifiziert (Differenz –38,4 Punkte; p = 0,033), nicht jedoch im Vergleich zur erwärmten Auflage mit Olivenöl (Differenz –24,3 Punkte; p = 0,139). Die Anzahl der Therapieansprecher (mindestens 50 Punkte Symptomreduktion) war in der Gruppe der Patienten mit Kümmelölleibauflage (43,9 %) signifikant höher im Vergleich zu maximal 20 % in den anderen beiden Gruppen.“

Signifikant war der Unterschied zugunsten der Kümmelölauflage also nur im Vergleich zur körperwarmen Auflage mit Olivenöl, nicht jedoch zur erwärmten Auflage. Das unterstreicht die Bedeutung der Wärmeanwendung. Offensichtlich waren die Patienten aber mit der Kümmelölleibauflage zufriedener. Da könnte auch der Duft eine Rolle spielen, der eine Massnahme wirksamer erscheinen lässt.

Und wie macht man nun eine Kümmelölleibauflage praktisch. Der Betrag in der „Zeitschrift für Phytotherapie“ (6/2015) gibt dazu eine Anleitung:

„Für die Kümmelölleibauflage benötigen Sie eine Wärmeauflage (Wärmeflasche, Moor-Wärmeauflage), ein Geschirrtuch, ein großes Frotteetuch sowie eine Mischung aus Kümmel- und Olivenöl (2–10 % Kümmelölanteil, erhältlich z. B. in der Apotheke) und einen Löffel.

Tränken Sie das Geschirrtuch in heißem Wasser, und wringen Sie es gut aus. Nehmen Sie einen Teelöffel des Ölgemisches und reiben Sie es mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn auf den Bauch ein. Darüber legen Sie dann das feuchtwarme Geschirrtuch und fixieren das Ganze mit dem großen Frotteetuch. Legen Sie dann die Wärmeauflage oben auf. Danach begeben Sie sich für ca. 30 Minuten mit der Auflage ins Bett oder auf die Couch.

Wichtig: Prüfen Sie unbedingt die Temperatur der Auflage im Vorfeld, z. B. am Unterarm. Besondere Vorsicht ist bei Kindern oder älteren Menschen geboten, insbesondere wenn die Temperaturwahrnehmung gestört ist. Bei empfindlicher Haut können Sie den Anteil des Kümmelöls zudem reduzieren.

Sollten bei der Anwendung Unverträglichkeitsreaktionen auftreten (Juckreiz, Rötung), entfernen Sie die Auflage und reinigen Sie die Haut gründlich mit warmem Wasser. In diesem Fall sehen Sie von weiteren Anwendungen ab.“

Zum Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Schüssler-Salze gegen Warzen?

Ich bin immer wieder verblüfft über die Unverfrorenheit, mit der irgendwelche Behauptungen über fragwürdige Heilwirkungen herumgeboten werden.

Noch mehr verblüfft mich aber, wie selten solche Behauptungen in Frage gestellt werden.

Jetzt bin ich gerade über eine Aussage in der Drogistenzeitung „D-inside“ gestossen, die sich mit der Behandlung von Warzen befasst (Ausgabe April 2017).

Naturheilkundlich lasse sich eine Warze mit Schüssler-Salz Nr. 4 zur Bindung des Papillomavirus behandeln sowie mit Schüssler-Salz Nr. 10, das die Virenausscheidung verbessere, schreibt die Autorin unter Bezugnahme auf Aussagen einer Naturheilpraktikerin.

Was wird hier genau versprochen:

Schüssler-Salz Nr. 4 soll also das Papillomavirus binden, das für die Entstehung von Warzen verantwortlich ist. Eine steile Behauptung. Eine solche Wirkung kann man nicht einfach von aussen beobachten.

Um eine solche Wirkung festzustellen, braucht es deshalb ein Experiment zumindestens im Reagenzglas, wobei dann allerdings noch nicht klar wäre, ob der Vorgang auch in einer veritablen Warze funktionieren würde.

Nun sind aber bisher keinerlei derartige Studien bekannt geworden.

Gibt es womöglich eine geheime Studie? Das wäre sehr komisch, denn das Ergebnis wäre sensationell und würde den Umsatz vervielfachen. Zudem ist kaum vorstellbar, dass die Wirkung sich auf Papillomaviren beschränken würde. Schüssler-Salz Nr. 4 wäre dann die Lösung für unzählige gefährliche Virenkrankheiten und der Entdecker dieses Wundermittels ein heisser Kandidat für den Nobelpreis in Medizin.

Da liegt es schon sehr nahe, dass die Studie eben darum geheim bleibt, weil es sie gar nicht gibt.

Schüssler-Salz Nr. 4 enthält 1 g Kaliumchlorid auf 1000 kg Milchzucker.

Kaliumchlorid ist als Geschmacksverstärker unter der Bezeichnung E 508 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz Nr. 4-Konsumenten im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? E 508 und damit auch Kaliumchlorid ist enthalten in Fertiggerichten, Würzmitteln und diätetischen Lebensmitteln – viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 4.

Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, schreibt in der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 24 /2010, S. 1419):

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre…..“

Das gilt genauso für Trinkwasser-Konsumenten.

So: Und dieses Schüssler-Salz Nr. 4, das 1 g Kaliumchlorid pro 1000 kg Schüssler-Salz enthält, soll in der Warze die Papillomaviren binden? Wie genau muss ich mir das vorstellen?

Zudem soll Schüssler-Salz Nr. 10 noch die Virenausscheidung verbessern. Wie werden denn Viren überhaupt ausgeschieden? Ich habe bisher eigentlich gedacht, dass Viren von Fresszellen des Immunsystems vertilgt werden.

Auch die verbesserte Virenausscheidung kann man nicht sehen und damit eine solche Aussage gemacht werden kann, müssten Daten aus einem Experiment oder einer Studie vorliegen. Das wäre auch in diesem Fall Nobelpreis-würdig, wenn es dazu Belege geben würde……

Schüssler-Salz Nr. 10 enthält 1 g Natriumsulfat (Glaubersalz) auf 1000 kg Milchzucker.

Natriumsulfat ist als Lebensmittelzusatzstoff Nummer E 514 ohne Höchstmengenbeschränkung für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Es dient als Festigungsmittel, Säureregulator und Trägersubstanz.

Und auch hier führen wir Natriumionen und Sulfationen mit dem Trinkwasser in viel grösseren Mengen zu, als dies mit Schüssler-Salz Nr. 10 je möglich wäre:

„Grundwässer in sulfatarmen Gesteinen enthalten üblicherweise bis ca. 30 mg/l Sulfat…. Wesentlich höhere Gehalte (bis mehrere 100 mg/l) sind jedoch für Wässer aus sulfathaltigen Gesteinen typisch.“

Quelle:

http://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser/grundwasserbericht/grundwasserbeschaffenheit/gueteparameter/grundprogramm/sulfat/sulfat-137612.html

Ein Liter Trinkwasser enthält also zwischen 30 mg und mehreren 100 mg Sulfat. Eine Tablette Schüssler-Salz enthält 0.25 Millionstelgramm Natriumsulfat (Quelle: Pharmawiki).

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Die_Schuessler_Luege

In Dosen von 10 – 30 Gramm wird Glaubersalz als Abführmittel bei Verstopfung und zur Darmentleerung vor Fastenkuren eingesetzt.

Und nun zurück zu den Warzen. Die Aussagen in der Drogistenzeitung bezüglich Virenbindung und Virenausscheidung durch Schüssler-Salze Nr. 4 und 10 sind völlig faktenfrei. Warzen sind aber in der Regel selbstlimitierend – sie heilen nach einer gewissen Zeit auch ohne Behandlung – und sie reagieren häufig sehr gut auf Suggestion bzw. Placebo.

Es wird daher während der Behandlung mit diesen Schüssler-Salzen in einer respektablen Zahl der Fälle zu einem Verschwinden der Warze kommen. Und dann kann man ja durchaus den Schluss ziehen, dass es keine Rolle spielt, ob der Effekt durch Suggestion oder durch eine spezifische Wirkung der Schüssler-Salze zustande kommt.

Verwerflich und störend finde ich nur die völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen spezifischer Wirkungen wie „Virenbindung“ und „Virenausscheidung“, die man eigentlich nur als Bullshit bezeichnen kann.

In der Pflanzenheilkunde wird gegen Warzen gerne der Schöllkrautsaft verwendet.

Siehe dazu:

Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

Schöllkraut enthält im Milchsaft eiweissspaltende Enzyme sowie die Alkaloide Berberin und Sanguinarin, die mit der DNA reagieren und deshalb zelltoxisch und antiviral wirken. Dadurch könnte eventuell (!) eine Wirkung gegen Warzen erklärt werden, wenn der Schöllkrautsaft 2 mal täglich auf die Warze aufgetragen wird. Da diese Wirkungen aber nur im Labor belegt sind, lässt sich daraus keine sichere Aussage über eine Wirksamkeit an konkreten Warzen lebender Menschen machen.

Wenn eine Warze nach der Anwendung von Schöllkrautsaft verschwindet, kann ich daher nie mit Sicherheit wissen, ob dieser Effekt durch eine spezifische Wirkung der Schöllkraut-Inhaltsstoffe erfolgt ist, durch Suggestion oder durch ein zufälliges Zusammenfallen der Behandlung mit dem Zeitpunkt, an dem die Warze sowieso verschwunden wäre.

Für den Warzenträger oder die Warzenträgerin spielt das in diesem Fall keine wesentliche Rolle. Es ist aber meines Erachtens eine Frage der Wahrhaftigkeit, die Ungewissheit über den eigentlichen Wirkfaktor anzuerkennen und sich nicht im Brustton der Überzeugung mit leeren, aber eindrücklich klingenden Behauptungen zu schmücken – zum Beispiel betreffend Virenbindung und Virenausscheidung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch