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Süssmittel Stevia gegen Bluthochdruck?

Süssmittel aus der Pflanze Stevia rebaudiana haben in den letzten Jahren eine steile Karriere hingelegt.

Stevia hat alle offensichtlichen Vorteile zuckerfreier Süssstoffe – kein Karies, keine Kalorien, keine Beeinflussung des Blutzuckerspiegels.

In den Medien diskutiert wird gelegentlich die Frage, ob Stevia darüber hinaus einen medizinischen Nutzen besitzt.

Die Plattform medizin-transparent hat die wissenschaftliche Datenlage zu diesem Thema recherchiert:

„In einer systematischen Übersichtsarbeit schließen die Autoren auf eine blutdrucksenkende Wirkung. Zwei randomisiert-kontrollierte Studien und Erkenntnisse aus Tierversuchen liefern dafür einen ersten Hinweis, größere Studien sind aber notwendig. In Südamerika wird Stevia schon länger auch gegen Diabetes eingesetzt, die Studienlage dazu ist aber noch völlig unzureichend.“

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/ist-stevia-der-zucker-der-zukunft

Kommentar & Ergänzung:

Stevia rebaudiana ist eine in Südamerika beheimatete Pflanze, die als Staude im Gebiet der Amambai-Bergkette im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Brasilien wächst.

Steviablätter werden seit Jahrhunderten von der indigenen Bevölkerung Paraguays und Brasiliens bei der Zubereitung von Speisen und Getränken und als Heilpflanze genutzt.

Die lange Geschichte bis zur Zulassung von Stevia als Süssmittel ist auf Wikipedia nachzulesen.

Die Autoren von medizin-transparent kommen zum Schluss, dass eine niedrige wissenschaftliche Beweislage für die Wirksamkeit von Stevia bei Bluthochdruck spricht.

Das ist zwar eine interessante Erkenntnis. Es fehlen aber nicht nur die grösseren Studien. Es sind auch fundamentale Fragen offen wie zum Beispiel, welche Dosierung für welche zu erwartenden Effekte nötig wäre.

Auf medizin-transparent gehen die Autoren auch auf die Diskussion um mögliche Risiken von Stevia ein.

Interessant aus der Pflanzenheilkunde sind beim Thema Bluthochdruck im übrigen auch Karkade (Hibiscus sabdariffa) und Rote Beete (Randen).

Siehe:

Rote Beete (CH: Randen) reduziert Blutdruck

Rote Beete (Randen) reduziert Blutdruck

Randensaft / Rote Beete senkt Blutdruck

Karkadetee senkt systematischen Blutdruck um 13 mmhg

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Süssmittel Stevia nicht gesünder als andere Zuckerersatzstoffe

Das Süßmittel Stevia ist für Diabetespatienten nicht besser oder schlechter geeignet als andere Zuckerersatzstoffe. Das schreibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemitteilung. Stevia sei eine weitere Alternative zu Zucker, die keine Kalorien enthalte, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der DDG, und er ergänzt: „Nicht mehr und nicht weniger.“

Seit der Entfernung von Diabetikerprodukten aus dem Handel gelte, dass alle gesunden Lebensmittel grundsätzlich gleichermaßen geeignet seien für Diabetespatienten wie für Nicht-Diabetespatienten, schreibt die DDG. Lediglich für Menschen, die an der angeborenen Stoffwechselstörung Phenylketonurie leiden und zugleich Süßstoffe brauchen, sei Stevia eine gute Alternative, betont  Matthaei.

Steviolglycoside, umgangssprachlich „Stevia“ genannt, sind seit Dezember 2011 in der Europäischen Union unter der Bezeichnung „Lebensmittelzusatzstoff E 960“ als Süßungsmittel zugelassen. Stevia wird aus der Pflanze „Stevia rebaudiana“ gewonnen, auch bekannt als „Süßkraut“ oder „Honigkraut“. Stevia ist zweihundert- bis dreihundertmal süßer als Zucker und dabei aber praktisch energiefrei. Die Einnahme von Steviolglycosiden gilt bei Einhaltung der duldbaren Tagesdosis (ADI) von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich. Ob das Risiko einer Überdosierung besteht, ist gegenwärtig noch ungeklärt. Stevia wirkt weder kariesfördernd noch krebserregend, schädigt nicht das Erbgut und stört auch nicht die Fruchtbarkeit oder Entwicklung des Ungeborenen.

Dies gelte in gleicher Weise für andere Süßungsmittel, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG aus Tübingen. So hat die amerikanische Diabetes Gesellschaft „American Diabetes Association“ fünf künstliche Süßungsmittel untersucht und für unbedenklich erklärt: Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Sucralose und Neotam. Es gebe keinerlei belastbare wissenschaftliche Belege, die zeigten, dass diese Süßstoffe in den zum Verzehr empfohlenen Mengen krebsfördernd seien, sagt Fritsche.

Der DDG Experte widerspricht auch der immer wieder geäußerten Behauptung, wonach Süßstoffe oder eine angeblich damit verbundene Insulinausschüttung Hungerattacken auslösen und sogar süchtig machen können. Wenn überhaupt, vermittle Insulin bei schlanken Menschen ein Sättigungssignal ans Gehirn, erklärt Fritsche.

Bei Übergewichtigen dagegen sei das Gehirn vermutlich unempfindlich gegenüber Insulin. Daher komme das Sättigungssignal möglicherweise nicht mehr im Gehirn an. Nach allem, was derzeit wissenschaftlich bekannt sei, könne weder Zucker noch Süßungsmittel süchtig machen, erklärt Fritsche. Unabhängig davon sollte aber jeder Mensch darauf achten, nicht mehr als die empfohlenen Mengen Süßstoff oder mehr als 50 Gramm Zucker täglich zu konsumieren.

Nur für Menschen, die unter der sehr seltenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie leiden und zugleich aufgrund von Diabetes Süßstoffe brauchen, sei Stevia eine gute Alternative. Wer an Phenylketonurie erkrankt sei, vertrage die Aminosäure Phenylalanin nicht. Weil das Süßungsmittel Aspartam Phenylalanin enthält, müssen Betroffene es meiden – Stevia dagegen ist wie auch weitere Süßstoffe frei von Phenylalanin. Insgesamt dürfte das aber nicht mehr als ein Dutzend Menschen in Deutschland betreffen, so Fritsche.

Geklärt ist inzwischen, weshalb Stevia nicht nur süß, sondern auch bitter schmeckt. Dafür sorgen die beiden Geschmacksrezeptoren hTAS2R4 und hTAS2R14, wie Forscher der Technischen Universität München und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam Rehbrücke (DIfE) entdeckt haben. In hoher Konzentration löst Stevia lakritzartige, bittere Geschmacksempfindungen aus.

Quelle:

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/stevia-ist-nicht-gesuender-als-andere-zuckerersatzstoffe-1.html?cHash=58e8736bc44c944e677f3e94a668916e

Kommentar & Ergänzung:

Stevia ist ein interessantes Süssmittel und die Steviolglycoside sind interessante Naturstoffe. Die Aussage der DDG, dass Stevia nicht gesünder sei als andere Zuckeraustauschstoffe, dürfte vielen Stevia-Freunden nicht gefallen. Man muss dazu meiner Ansicht nach festhalten, dass ein Stoff nicht einfach nur schon dadurch gesünder ist, weil er aus der Natur stammt.

Ausserdem werden synthetische Zuckerersatzstoffe wie Aspartam meinem Eindruck nach auch ein Stück weit Verschwörungstheorie-artig dämonisiert.

Ich denke aber, man sollte einfach mit all diesen Stoffen vernünftig umgehen und den Gebrauch nicht masslos übertreiben.

Stevia rebaudiana ist in Paraguay heimisch und gehört zur Familie der Asteraceen (Korbblütler). Die stark süßende Wirkung der Pflanze ist den Ureinwohnern seit Jahrhunderten bekannt. Im Jahr 1887 entdeckte Moises Giacomo Bertoni, ein Schweizer Botaniker, die Pflanze und gab ihr 1905 den Namen Stevia rebaudiana Bertoni. Er erkannte ebenfalls die süßende Wirkung und beschrieb schon 1901, dass ein paar kleine Blätter genügen, um eine Tasse starken Kaffees oder Tees zu süßen.

Steviablätter in kleinen Dosen eignen gut zum Süssen von Kräutertees.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Was ist Pastinak?

Pastinak (Pastinaca sativa)  ist ein gelbblühender Doldenblütler (Apiaceae). Foto auf Wikipedia.

Pastinak wächst  in Wiesen, hauptsächlich in Wegnähe, an Böschungen, in lückigen Unkrautfluren, im Eisenbahngelände, in Steinbrüchen oder im Getreide und auf lehmigen Böden.

Eine Kulturform des Pastinak  wird seit der Antike als Wurzelgemüse, Futterpflanze und Heilpflanze angebaut.

Im Römischen Reich zählte Pastinak zu den beliebtesten Wurzelgemüsen. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war der Pastinak auch in Mitteleuropa wegen seiner geringen Krankheitsanfälligkeit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, wurde jedoch von Kartoffeln und Karotten weitgehend verdrängt. In Großbritannien, Irland, den USA, Frankreich, den Niederlanden, Skandinavien, Ungarn ist Pastinak aber bis heute als Gemüse und Würzpflanze beliebt. Besonders durch die Biolandwirtschaft wurde der Pastinak auch bei uns wieder bekannter, ist aber weiterhin eher selten erhältlich.

Pastinak in der Küche

Der Geschmack der hauptsächlich im Winter geernteten Wurzeln ist süßlich-würzig, zum Teil auch herb. Dieser erinnert an Karotten und Sellerie und ist dem der Petersilienwurzel ähnlich, aber milder. Pastinakwurzeln lassen sich backen oder kochen und zu Cremesuppen und Pürees verarbeiten. Pürierter Pastinak wird vor allem wegen seines tiefen Nitratgehalts als Baby-Gemüsebrei in Gläschen verkauft. Gerieben kann er wie Sellerie auch als Salat verarbeitet werden.

Pastinak sollte nicht zu dunkel angebraten werden, da er andernfalls einen bitteren Geschmack bekommt. Auch zu lange Lagerung kann zu Bittergeschmack führen. Zu den Klassikern der englischen Küche zählt Pastinakenpüree, Mashed parsnips, das ebenso wie Kartoffelpüree zubereitet wird, aber deutlich aromatischer ist. Es wird traditionell zu gebratenem oder gegrilltem Fleisch angeboten. Ähnlich der Kartoffel werden aus Pastinak auch Chips produziert. Seines hohen Stärkegehalts wegen wurde Pastinak in der Vergangenheit auch zur Herstellung von Bier und Pastinakenwein verwendet. Aus dem Saft kann ein dickflüssiger Sirup gekocht werden, der als Brotaufstrich und Süßmittel diente. Die Blätter des Pastinak können, ähnlich wie Petersilie, als Würzkraut eingesetzt werden. Zur Aufbewahrung werden die Pastinakwurzeln in Würfel oder Streifen geschnitten, blanchiert und danach tiefgefroren. Auch für Suppenmischungen werden sie genutzt.

Inhaltsstoffe der Pastinaken

Verglichen mit den Karotten kommt Pastinak auf einen viermal so hohen Gehalt an Fasern, Kalium, Protein und Vitamin C. Neben einem hohen Anteil an Stärke enthält die ganze Pflanze Bergapten, Xanthotoxin und Imperatorin. Die Früchte enthalten ätherisches Öl und Calciumoxalat. Auch auf Standorten, die stark mit Stickstoff gedüngt sind, liegt der Nitratgehalt noch tiefer als 100 mg/kg Frischsubstanz.

Wirkung

Neben der Anregung des Appetits soll der Genuss von Pastinak auch harntreibend wirken. Es existieren aber keine dokumentierten Erfahrungen oder gar Studien zur Wirksamkeit der Pastink. Die Pflanze wird in der Phytotherapie daher nicht verwendet. In der Volksmedizin gibt es Anwendungen bei leichten Katarrhen der Harnwege und bei Rheuma. Die Kräuterbücher des 16. und 17. Jahrhunderts empfahlen die Wurzel, das Kraut und die Samen der Pastinake als Wundheilmittel, als Mittel bei Schluckauf, Seitenstechen, Husten, Verstopfung, Leibschmerzen, Gebärmutterbeschwerden sowie als stein- und menstruationstreibendes Mittel. Da zeigt sich eine gewisse Indikationslyrik, wie man sie oft in der Volksmedizin findet. In solchen Fällen ist es nicht einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen, oder mit anderen Worten zu unterscheiden, welche der unterschiedlichen Anwendungsgebiete überzeugend sind und welche nicht. Tradition hat nicht immer Recht. Siehe dazu: Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Giftigkeit

Beim Umgang mit Pflanzenteilen der Pastinake können im Zusammenhang mit Sonnenschein auf der Haut phototoxische Reaktionen durch Furanocumarine auftreten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

Xylitol-Kaugummis können das Risiko für Mittelohrentzündungen bei Kindern um bis zu 25 Prozent senken. Die Autoren eines neuen Cochrane-Reviews mit Daten aus Finnland fanden ausreichend Hinweise darauf, dass eine tägliche Dosis von 8,4 Gramm Xylitol eine akute Otitis media (Mittelohrentzündung) bei Kindern bis 12 Jahren verhindern kann, wenn sie nicht gleichzeitig unter einem Infekt der oberen Atemwege leiden. Die Wissenschaftler werteten in ihrem Review vier Studien mit mehr als 3000 Kindern aus, die finnische Tagesbetreuungsstätten besuchten. In den berücksichtigten Studien kauten die Kinder fünfmal täglich nach den Mahlzeiten zwei Stück Kaugummi jeweils während fünf Minuten. Mit Xylitol-haltigen Lutschtabletten und Sirupen ließen sich ähnliche Resultate erzielen.

Der Zuckeralkohol Xylitol wird normalerweise als Zuckerersatz für Diabetiker und als Süßungsmittel mit Antikarieswirkung eingesetzt. Darüber hinaus kann Xylitol jedoch auch die Anheftung von Bakterien wie Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae an Zellen des Nasen-Rachen-Raums reduzieren. Das haben In-vitro-Untersuchungen (Laborexperimente) gezeigt.

Schätzungen zufolge machen knapp zwei Drittel aller Kinder schon im ersten Lebensjahr eine akute Mittelohrentzündung durch. Bis zum Alter von drei Jahren sollen vier von fünf Kindern eine solche Erkrankung hinter sich haben. Die Folge ist oft der Einsatz von Antibiotika mit entsprechendem Risiko von Nebenwirkungen, Resistenzbildung und Kosten für das Gesundheitssystem.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39991&Nachricht_Title=Nachrichten_Kaugummikauen+sch%FCtzt+Kinder+vor+Mittelohrentz%FCndung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Xylitol ist eine vielfältig wirksame Substanz:

„Xylitol, auch Xylit (auch Birkenzucker genannt), sind Trivialnamen für Pentanpentol, einen Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff (E 967) verwendet wird. Die Entdeckung geht auf den späteren Nobelpreisträger Emil Fischer zurück.

Die Besonderheit an Xylitol ist seine in verschiedenen klinischen Studien nachgewiesene kariostatische und antikariogene Wirkung. Auf einige Säugetiere, vor allem Hunde, wirkt Xylitol dagegen toxisch.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur medizinsichen Bedeutung von Xylitol:

Anti-kariogene Wirkung

Xylitol wurde Anfang der 1970er-Jahre als ein mögliches kariesreduzierendes Kohlenhydrat entdeckt. An der Universität Turku (Finnland) wurden in den Jahren 1972 bis 1975 zwei klinische Studien (bekannt als Turku-Zuckerstudien) durchgeführt, die eine hochsignifikante Reduktion von Karies belegen konnten.

In der ersten, einer zweijährigen Ernährungsstudie wurde Zucker (Saccharose) in allen Lebensmitteln durch Fructose bzw. Xylitol ersetzt. Insgesamt 115 Personen in insgesamt 3 Gruppen nahmen teil. Der Verzehr der Süßmittel belief sich auf 50 bis 67 g pro Tag. Nach der Studie konnte eine Kariesreduktion von 30 % bei Fructose und von über 85 % beim Einsatz von Xylitol ermittelt werden. Zum Vergleich wurde der sogenannte DMFS-Index herangezogen. Die Zunahme des Index war 7,2 in der Saccharose-Gruppe, bei 3,8 in der Fructose-Gruppe und 0,0 in der Xylitolgruppe.

Die zweite Studie wurde gestartet, als bei verschiedenen Probanden während der ersten Studie eine markante Reduktion der DMFS-Werte festgestellt wurden, d. h. dass sie eine sogenannte „Kariesreversion“ aufwiesen, wobei bestimmte Kariesläsionen einen Wiedererhärtungsprozess durchgemacht hatten. Rund 100 Personen wurden in Saccharose- und Xylitolgruppen aufgeteilt. Die Süßmittel wurden im Zeitrahmen von einem Jahr in Kaugummis verabreicht, ca. 7 Gramm täglich pro Person. Im Vergleich zur Saccharosegruppe wurde bei den Xylitolprobanden eine Reduktion der Karieszuwachsrate um mehr als 82 % ermittelt. Der Kaueffekt konnte ausgeschlossen werden, da beide Gruppen die gleiche Menge Kaugummi konsumierten. Ein Fazit der Studie ist auch, dass bereits geringe Mengen an Xylitol ausreichen und eine komplette Umstellung des Süßmittels nicht notwendig ist.

Diese Effekte werden dadurch erklärt, dass die kariogenen Streptococcus mutans das Xylitol nicht verstoffwechseln können und damit absterben. Weiterhin werden sie auch daran gehindert, als Plaquebakterien an der Zahnoberfläche anzuheften. Als optimale Xylitolmenge wurden zwischen 5 und 10 Gramm pro Tag in mehreren Portionen ermittelt. Diese kann mittels Kaugummi oder Lutschpastillen aufgenommen werden.

Darüber hinaus regt Xylitol die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt.

In einer weiteren Turku-Studie aus dem Jahr 2000 wurden die Wechselwirkungen zwischen Müttern, die regelmäßig xylitolhaltige Kaugummis kauten, und ihren Kindern (bis 2 Jahre alt) untersucht. Ergebnis der Untersuchung war, dass der regelmäßige Konsum von Xylitol-Kaugummis durch die Mütter den Befall mit Streptococcus mutans bei den Kindern signifikant hemmt.

Mittelohrentzündungsvorbeugende Wirkung

In einer finnischen Studie wurde nachgewiesen, dass Kinder, die täglich Xylitol als Sirup oder in Form von Gummibonbons erhielten, im Vergleich zu Kindern einer Kontrollgruppe, die das Süßungsmittel nicht erhielt, 30–40 % weniger häufig an einer Mittelohrentzündung erkrankten.

Osteoporosevorbeugende Wirkung

Im Darm bildet Xylitol Komplexe mit Calcium und erleichtert dessen Resorption. Dies könnte ein noch wenig erforschter Weg zur Vorbeugung von Osteoporose sein.“

( Quelle: Wikipedia)

Xylitol kann als Nebenwirkung Durchfall erzeugen, hat aber auch noch andere interessante Eigenschaften:

„Xylitol hat denselben Geschmack und die nahezu gleiche Süßkraft wie Saccharose. Löst sich Xylitol im Mund im Speichel, entzieht es der Umgebung Wärme und erzeugt auf der Zunge einen Kühleffekt (endotherme Lösungswärme) von −153,2 J/g, der ähnlich beschrieben wird wie der erfrischende Geschmack von Menthol.

Der bezogene Nährwert von 10 kJ/g (2,4 kcal/g) ist 40 % geringer als bei Haushaltszucker. Der Stoffwechselweg im menschlichen Körper läuft insulinunabhängig ab, beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel nur geringfügig und ist somit für Diabetiker geeignet.

Xylitol ist hitzestabil und karamellisiert nur, wenn es mehrere Minuten auf über 200 °C erhitzt wird. Bei Temperaturen um ca. 100 °C findet keine Karamellisierung statt.

Xylitol ist ein Molekül, das viel Wasser an sich zu binden vermag. Es wird im Dünndarm nur passiv, also langsam und unvollständig resorbiert. Bei regelmäßiger Einnahme kann die Resorptionsrate im Dünndarm durch Enzyminduktion erhöht werden. Bei Einnahme von mehr als 0,5 g Xylitol pro kg Körpergewicht kann eine abführende Wirkung auftreten, welche nach Adaption des Organismus verschwinden kann. Es wurden in Studien Einnahmen von 200 g Xylitol täglich problemlos vertragen. Bei Sorbitol besteht diese Anpassung nicht, daher wirkt Sorbitol immer abführend.

Im Dickdarm wird das restliche Xylitol (etwa 2/3 der eingenommenen Menge) durch Bakterien zerlegt und zu kleinen Fettsäurebestandteilen abgebaut und resorbiert. Diese werden zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser verstoffwechselt.“

(Quelle: Wikipedia)

Ob es nun angebracht ist, allen Kindern xylitolhaltige Kaugummis zu empfehlen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Gegenüber zuckerhaltigen Süssigkeiten hat Xylitol aber klare Vorteile. Und bei Kindern die zu Mittelohrentzündungen neigen, scheint mir Xylitol ein interessanter Typ. Verhinderte Mittelohrentzündungen sparen Schmerzen und Antibiotika.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Zu viel Lakritze kann schaden.  «Das kann zu Wasseransammlungen im Körper und damit zu einem Anstieg des Blutdrucks führen», sagte Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK).

Der Basisbestandteil von Lakritze entfalte im Organismus die gleiche Wirkung wie die Hormone Aldosteron und Cortisol:  Beide behindern den Flüssigkeitsausgleich und sorgen so für einen erhöhten Blutdruck, erklärte Heribert Brück.

«Gesunde Erwachsene erleiden keinen Schaden, auch wenn sie Lakritze gelegentlich in größeren Mengen verzehren», stellte Brück aber beruhigend fest. Die Angaben zu den Höchstmengen seien sehr unterschiedlich, und allgemein akzeptierte Grenzwerte für den Lakritzenkonsum fehlten. Als Höchstwert für die regelmäßige Einnahme würden etwa 100 Gramm am Tag für Erwachsene in der Literatur am häufigsten genannt. «Jeder kann also ohne Bedenken mal eine Tüte Lakritze vernaschen.»

Für Schwangere sind Brück zufolge jedoch nur maximal 50 Gramm täglich empfehlenswert. Das liege daran, dass Lakritze den Cortisolspiegel heraufsetzt, der über den durchlässigen Mutterkuchen direkt an das Kind weitergegeben wird. «Cortisol ist ein Stresshormon: Es führt insbesondere zu einer Erhöhung des Blutdrucks, des Blutzuckers, und der Blutfette.» Es sei nicht auszuschließen, dass ein Kind später besonders empfindlich auf Stress reagiert, wenn es während der Schwangerschaft dauerhaft zu viel Cortisol aufnimmt.

Quellen:

http://de.news.yahoo.com/26/20101123/thl-zu-viel-lakritze-kann-den-blutdruck-b930478.html / DPA

Kommentar & Ergänzung:

Lakritze wird aus Süssholz gewonnen (Glycyrrhiza glabra). Die Warnung betrifft nicht den gelegentlichen Konsum von Süssholzwurzeln, die durch ihren Gehalt an Glycyrrhizin als Süssmittel wirken. Und wie schon im Text erwähnt ist der gelegentlich Konsum von moderaten Lakritze-Mengen harmlos. Der regelmässige Konsum von hohen Lakritze-Dosen ist aber kritisch zu beurteilen und nicht zu empfehlen, obwohl in nordischen Ländern genau dies üblich ist. Hier stimme ich der Warnung bei, ohne dass deswegen nun eine Lakritzen-Panik angebracht wäre.

Vom regelmässigen Konsum von Lakritze während der Schwangerschaft würde ich abraten. Mir scheint der Höchstwert von 50 Gramm pro Tag – wie er in dem Bericht von DPA / Yahoo genannt wird – während der Schwangerschaft zu unsicher. Es gibt einige durchaus beunruhigende Forschungsergebnisse zu möglichen Folgen von regelmässigen, grösseren Lakritzemengen in der Schwangerschaft. Auch hier geht es mir nicht um Panikmache – sondern um eine Safety-first-Grundhaltung.

Und Heilpflanzen sind ja – man muss es immer wieder sagen – nicht immer nur gesund. Sie können in bestimmten Situationen wie einer Schwangerschaft oder bei falscher Anwendung auch schaden. Denn ein Heilmittel, das in keinem Fall unerwünschte Nebenwirkungen zeigt, steht im dringenden Verdacht, auch keine erwünschte Wirkung zu haben.

Weitere Infos:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze – schädlich in der Schwangerschaft?

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Stevia-Extrakt als Süssmittel bewilligt

Die Stevia-Pflanze schmeckt süss und ist beliebt als Zusatz in Kräutertees. Stevia-Extrakt in Lebensmitteln war allerdings bisher verboten. Jetzt hat das Bundesamt für Gesundheit eine Bewilligung erteilt.

Stevia (Stevia rebaudiana) wurde vor über 100 Jahren vom Tessiner Botaniker Moises Bertoni in Paraguay entdeckt. Die Blätter enthalten ein Steviosid, das im Vergleich zu Haushaltzucker eine ca. 300-fache Süsskraft besitzt. Die Blätter selber sind etwa 30-mal süsser als Zucker. Trotzdem schädigt Stevia weder die Zähne, noch fördert es Übergewicht. Auch Diabetiker vertragen sie gut. Viele Vorteile also. Darum ist das süsse Pflänzchen in Japan, China und Brasilien schon seit langem ein Ersatz für Zucker und künstliche Süssstoffe wie Cyclamat oder Saccharin. In dem USA ist Stevia als Nahrungsergänzungsmittel erlaubt. In Europa dagegen ist Stevia als Lebensmittel nicht zugelassen. Nach Ansicht der EU-Kommission konnten potenzielle Risiken nicht eindeutig entkräftet werden. Vor allem erbgutschädigende, aber auch krebsfördernde Wirkungen und negative Effekte auf die männliche Fruchtbarkeit wurden befürchtet. Allerdings stammen die meisten Untersuchungen über die Verträglichkeit von Steviosid aus den 70er und 80er Jahren. Sie wurden in Japan und Korea durchgeführt und es liegen nur kurze Zusammenfassungen auf Englisch vor. Daher sind diese Ergebnisse sehr umstritten. Die EU-Kommission hatte aber gar keine andere Wahl, als den Zulassungsantrag abzulehnen, da die Gesetze bei der Genehmigung eines neuartigen Lebensmittels eine ausführliche Prüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit vorschreiben. Für eine Zulassung müssen sämtliche Bedenken ausgeräumt werden.

In der Schweiz ist es zulässig, Kräutertee mit kleinen Mengen Stevia-Blättern zu süssen. Stevia-Extrakte als Bestandteil von Lebensmitteln wie zum Beispiel Getränken waren dagegen bisher nicht erlaubt. Inzwischen hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Kehrtwende gemacht und ein Gesuch für ein mit Stevia gesüsstes Getränk gutgeheissen. Das BAG stützt sich dabei auf eine Neubewertung von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Welternährungsorganisation (FAO).
Es ist vorhersehbar, dass nun eine ganze Anzahl von Stevia-Produkten folgen werden.
Steviabätter eignen sich tatsächlich gut zum Süssen von Heilpflanzen-Tees. Man gibt dazu einfach eine kleine Prise Stevia zu den Heilpflanzen. Auch mit Steviosid hergestellte Lebensmittel oder Steviosid in Reinform als Süssmittel dürften unschädlich sein. Meine Empfehlung ist aber, auch mit Stevia Mass zu halten und es nicht in grossen Mengen über lange Zeiträume einzunehmen. Sicherheitshalber.
Quellen:
Petra Stöhr, Die Schranken für das Süsskraut Stevia fallen, Saldo Nr. 16/2008
Stoye / Krebs / Koch, Expertenrat: Stevia, Zeitschrift für Phytotherapie 3/2008

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