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Cochrane-Review untersucht Nutzen der Grippeimpfung beim Pflegepersonal für Patienten in Langzeitpflegeeinrichtungen

In Pflegeheimen und Kliniken gibt es jeden Herbst Kampagnen, mit denen das Pflegepersonal für die Grippeimpfung motiviert werden soll. Dabei wird nicht selten ein moralischer Druck aufgebaut und mit dem Schutz für die Patienten argumentiert.

Ein Cochrane-Review hat nun untersucht, ob die Impfung des Pflegepersonals gegen Grippe das Risiko reduziert, dass ältere Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen eine Influenza-Infektion durch das Pflegepersonal bekommen.

Die Symptome von Grippe ähneln denjenigen zahlreicher anderer Atemwegserkrankungen. Darum muss in Studien, die die Wirkung von Grippeimpfungen testen, mit sehr präzisen Labortests geprüft werden, ob die Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen tatsächlich an einer Grippe leiden oder an einer anderen Atemwegserkrankung.

Die Cochrane-Forscher schlossen mit Stand Oktober 2015 insgesamt fünf Studien in ihren Review ein, verwendeten aber nur Daten von drei Studien mit 5896 Bewohnern.

Was sind die Hauptresultate?

Das folgende Zitat fasst die Hauptergebnisse zusammen und liefert auch Angaben zur jeweiligen Qualität der Evidenz ( = Grad der Belegtheit):

„Das Angebot von Grippeimpfungen für das Pflegepersonal, das sich um Personen im Alter von 60 und älter in Langzeitpflegeeinrichtungen kümmert, könnte eine geringe oder keine Wirkung auf im Labor nachgewiesene Grippefälle haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Impfprogramme für Mitarbeiter im Pflegedienst haben wahrscheinlich eine geringe Wirkung auf Infektionen der unteren Atemwege (moderate Qualität der Evidenz), könnten aber eine geringe oder keine Wirkung auf die Aufnahme ins Krankenhaus haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Es ist unklar, welche Wirkung Impfprogramme auf Tod in Folge einer Infektion der unteren Atemwege (sehr niedrige Qualität der Evidenz) oder auf die allgemeine Sterblichkeit haben (sehr niedrige Qualität der Evidenz).“

Die Cochrane-Forscher fanden in ihrem Review bei den untersuchten Studien keine Angaben zu anderen Maßnahmen, die in Verbindung mit der Impfung des Pflegepersonals angewendet wurden (z.B. Händewaschen, Quarantäne, Mundschutz, Früherkennung von im Labor nachgewiesener Grippe, Vermeidung von Neuaufnahmen, sofortige Anwendung von Virostatika, Aufforderung von Pflegepersonal mit grippeähnlichen Erkrankungen, nicht zur Arbeit zu erscheinen).

Es bestehe Bedarf an qualitativ hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien, welche Kombinationen dieser Maßnahmen untersuchen, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD005187/grippeimpfung-fur-pflegepersonal-das-langzeitpflegeeinrichtungen-lebende-personen-im-alter-von-60

Kommentar & Ergänzung:

Eine Metaanalyse der Cochrane-Collaboration – das ist der Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.

Und das Ergebnis ist für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen nicht gerade überzeugend. Das stellt zu mindestens den moralischen Druck infrage, der jeden Herbst auf Pflegepersonen ausgeübt wird, damit sie die Grippeimpfung machen lassen.

Damit ich bei diesem Thema nicht in die falsche Ecke gestellt werde: Ich bin kein Impfgegner. Die pauschale Diffamierung von Impfungen durch radikale Impfgegner halte ich für absurd. Impfungen sind bei vielen Krankheiten ein grosser Erfolg – beispielsweise bei Kinderlähmung, Diphterie, Starrkrampf, Pocken, Röteln. Das heisst aber natürlich nicht, dass jede Impfung, die gemacht werden kann, bei jedem Menschen und in jeder Situation auch sinnvoll ist.

Für mich selber bin ich überzeugt, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Grippeimpfung brauche. Würde ich in einem Pflegeheim arbeiten, würde ich mich aber wahrscheinlich impfen lassen – zum besseren Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Und dies obwohl das Cochrane-Review den Nutzen nicht überzeugend zeigen konnte. Ich finde die Grippeimpfung aber auch nicht riskant und könnte sie daher gut akzeptieren.

Es spricht meines Erachtens auch nichts dagegen, dass in Spitälern und Pflegeheimen für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen argumentiert wird. Nur der moralische Druck, der dabei oft zur Anwendung kommt – wer sich nicht impfen lässt, bringt Patienten um – der steht wissenschaftlich auf schwachem Boden, wie das Cochrane-Review gezeigt hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Aspirin zur Vorbeugung von Krebs und Herzinfarkt?

Täglich eingenommenes Aspirin (Acetylsalicylsäure, ASS) kann das Risiko für Herzinfarkt und manche Krebsarten reduzieren – wobei aber als Nachteil Blutungen auftreten können. Forscher haben nun Nutzen und Risiken neu bewertet und empfehlen die vorbeugende Einnahme.

Vielleicht lohnt sich aber auch hier der bewährte Grundsatz: Nachdenken vor Schlucken.

Denn die ASS-Tabletten müssen über viele Jahre regelmässig eingenommen werden, um vorbeugende Effekte zu erzielen.

Die Risikoverminderung lässt sich als relatives oder absolutes Risiko darstellen und das hinterlässt bei Leserinnen und Lesern sehr unterschiedliche Eindrücke.

 

Relatives Risiko:

„Die Hauptergebnisse: Wer täglich 75 bis 100 Milligramm ASS einnimmt, hat – statistisch gesehen – nach zehn Jahren ein um 35 Prozent reduziertes Darmkrebsrisiko (minus 40 Mortalität durch diese Krankheiten), die Gefährdung, an Speiseröhren- oder Magenkrebs zu erkranken sinkt um 30 Prozent. Die Sterblichkeit dadurch sinkt um 35 bis 50 Prozent.“

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1743702/

 

Das sieht nach einem dramatisch grossen Schutzeffekt aus.

Stellt man die Zahlen als absolutes Risiko dar, erscheint der Schutzeffekt plötzlich kleiner:

 

Absolutes Risiko:

„Auf 1.000 Personen, die bis zum 60. Lebensjahr täglich ASS einnehmen, würden 16 Todesfälle an Krebs, einer an Herzinfarkt vermieden. Dem stünden zwei zusätzliche Todesfälle durch Blutungskomplikationen gegenüber.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59655/ASS-Reduktion-des-Krebsrisikos-macht-Primaerpraevention-vorteilhaft

Absolutes Risiko:

„Am Beispiel von 100 Männern und 100 Frauen zeigen die Mediziner, was die ASS-Einnahme beginnend mit 55 Jahren – statistisch gesehen – für die nächsten 20 Jahre für Folgen hätte: Von 100 Männern würden 11,5 an Krebs sterben, Aspirin hin oder her. Allerdings könnten 1,5 der 100 Männer mithilfe des Medikaments vor dem Krebs gerettet werden. Der Schutz vor dem Herztod fällt geringer aus und liegt bei weniger als 0,25 verhinderten Todesfällen unter 100 Männern. In einer ähnlich niedrigen Größenordnung liegen die Risiken durch Aspirin, hauptsächlich bedingt durch die erhöhte Blutungsneigung, die zu Schlaganfällen und Magenblutungen führen kann. Diese Risiken steigen besonders bei Menschen jenseits der 70 an.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/arzneimittel-asprin-gegen-krebs-und-infarkt-1.2079032

 

Also: Wenn 100 Männer über 20 Jahre täglich Aspirin schlucken könnten von 11,5 Männern, die an Krebs sterben, 1,5 Männer dank Aspirin gerettet werden. Das ist nicht nichts und schon gar nicht für die 1,5 Männer, die davon profitieren. Aber es ist auch nicht gerade ein grosser Durchbruch.

 

Festzuhalten ist dazu noch, dass es bei diesen Zahlen um Primärprävention geht. Die Studienteilnehmer haben also noch keine Krebserkrankung bzw. keinen Herzinfarkt erlitten. Beim Herzinfarkt scheint die Sekundärprävention – also die Vorbeugung eines Zweitinfarktes nach einem Herzinfarkt, von der Studienlage her nicht umstritten. Für die Primärprävention mit ASS kam allerdings die Metaanalyse einer Forschergruppe an der St. George’s Universität in London 2012 zum Schluss, dass das Risiko den Nutzen überwiegt, und dass 120 Personen über sechs Jahre ASS einnehmen müssen, um ein Herz-Kreislauf-Ereignis zu vermeiden.

Siehe dazu:

Aspirin (ASS) für die Primärprävention von Herzinfarkt – mehr Risiko als Nutzen

 

Das „Ärzteblatt“ schreibt:

„Der Vorteil von ASS in der Primärprävention ist demnach denkbar gering, und einzelne Risikofaktoren, die das Blutungsrisiko erhöhen, könnten schnell zu einer negativen Bilanz führen. Dazu gehören beispielsweise Rauchen und der Konsum von Alkohol oder auch eine Infektion mit H. pylori. Wer ASS einnimmt, sollte deshalb tunlichst auf einen übermäßigen Alkoholkonsum und auf das Rauchen verzichten, rät Cuzick.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59655/ASS-Reduktion-des-Krebsrisikos-macht-Primaerpraevention-vorteilhaft

 

Und Werner Bartens stellt zu diesem Thema abschliessend fest:

„Allerdings muss erwähnt werden, dass die Tabletten viele Jahre regelmäßig genommen werden müssen, um den beschriebenen Effekt zu erreichen. Und dass die Euphorie der Autoren vielleicht eine Spur heftiger ausfällt, weil etliche von ihnen beratend für Bayer tätig sind.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/arzneimittel-asprin-gegen-krebs-und-infarkt-1.2079032

 

Originalstudie:

http://annonc.oxfordjournals.org/content/early/2014/07/30/annonc.mdu225.full?sid=2d2f4b88-d17a-4313-97ae-e4c7a26d3353

 

 

Wikipedia-Artikel zum Thema:

Relative und absolute Risikoreduktion

 

Kommentar & Ergänzungen:

Dass die Euphorie der Autoren vielleicht eine Spur heftiger ausfällt, weil etliche von ihnen mit dem Aspirin-Hersteller Bayer verbunden sind, passt gut zu diesem Beitrag:

Forschungsberichte oft übertrieben optimistisch formuliert

Es stellen sich aber noch ein paar andere Fragen:

Warum eigentlich gerade Aspirin zur Krebsprävention?

Da gibt es doch beispielsweise den Spruch „An apple a day keeps the doctor away“. Und es gibt ein paar Hinweise aus Tieruntersuchungen und Beobachtungsstudien, die zwar nicht beweisen, aber doch nahelegen, dass auch Äpfel einen krebspräventiven Effekt haben könnten:

„Was Epidemiologen bereits wissen: Menschen, die häufig Äpfel essen, erkranken seltener an Darm- und Lungenkrebs. Das haben zwei Forschungsstudien in Finnland und den USA vor einigen Jahren gezeigt. Ein deutlich vermindertes Krebsrisiko fanden die Forscher zwar nur, wenn sie die Teilnehmer, die von allen Untersuchten die meisten Äpfel verzehrten, mit totalen Apfel-Abstinenten verglichen. Außerdem beobachteten sie den schützenden Effekt bisher nur bei Frauen……….

Einen weiteren Hinweis darauf, dass Apfelesser seltener Krebs bekommen, liefern Tierversuche. Wissenschaftler haben gezeigt, dass Mäuse oder Ratten, die neben ihrem normalen Futter mit Extrakten aus Äpfeln, Apfelschalen oder Apfelsaft verköstigt werden, seltener Tumoren entwickeln. Die Tiere waren zuvor entweder mit krebserregenden Substanzen in Berührung gebracht worden oder es handelte sich um genetisch vorbelastete Arten, die ein höheres Krebsrisiko tragen. Bei den Tieren, die eine Nahrungsergänzung aus Äpfeln bekommen hatten, fanden die Forscher bis zu fünfzig Prozent weniger Tumoren als bei den Tieren mit gewöhnlicher Verköstigung. In anderen Versuchen hatten die Tiere mit der Apfeldiät zumindest deutlich kleinere Geschwülste als ihre normal fressenden Artgenossen. Ein japanisches Forscherteam fand zudem deutlich weniger Metastasen in Lunge und Lymphknoten, wenn den Tieren Apfelsaft zum Essen gereicht wurde. Der Effekt war bei trübem Apfelsaft deutlicher ausgeprägt als bei klarem. Die Forscher vermuten, dass dafür die Procyanidine verantwortlich sind – denn die sind im trüben Apfelsaft in viel größeren Mengen enthalten.“

Diese Sätze stehen nicht etwa in der „Glückspost“, sondern immerhin in der Zeitschrift des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Würde man ein paar Millionen in die Apfelforschung stecken, könnte man vielleicht auch fundiert zeigen, dass „an apple a day“ ein bisschen krebsprophylaktisch wirkt. Aber da investiert niemand ein paar Millionen.

Oder wie wärs mit Radieschen? – Die hab ich gern. Enthalten Glukosinolate (Senfölglykoside) ähnlich wie Brokkoli, und die könnten auch positive Effekte zeigen gegen Krebserkrankungen:

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

 

Ich glaub, ich probiers mal mit einem Radischen oder Apfel täglich als Prophylaxe (ohne Blutungsrisiko) – und verzichte bis auf weiteres auch in Zukunft auf Aspirin…..

Siehe auch:

Aspirin (ASS): Vorteil zur Krebsprävention unklar

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft

Untersuchungen zur Frage der gesunden Ernährung gibt es zuhauf. Doch sind die Schlussfolgerungen der meisten Studien fragwürdig. Um wirklich herauszufinden, welche Ernährung die Gesundheit schützt, wären riesige, teure Studien nötig.

In der ÄrzteZeitung brachte Beate Schumacher vor einiger Zeit die Problematik der Situation auf den Punkt:

„Das Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall lässt sich um 39 Prozent senken, wenn man täglich acht Gramm Schokolade nascht. Alternativ kann man auch Nüsse knabbern – damit geht die Herzinfarktrate um 48 Prozent zurück. Oder wenigstens einmal in der Woche fetten Fisch auf den Tisch bringen: macht 44 Prozent weniger Infarkte.“

Die genannten und vielfach berichteten relativen Risikoreduktionen stammen aus Beobachtungsstudien, die solche Schlussfolgerungen eigentlich gar nicht zulassen, stellt Schumacher klar.

Mithilfe von Beobachtungsstudien könne nur festgestellt werden, ob zwei Konstellationen besonders häufig gemeinsam auftreten. Aus einem solchen Zusammentreffen lasse sich jedoch kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Wenn eine Beobachtungsstudie ergebe, dass ältere Männer, die das Frühstück ausfallen lassen, häufiger einen Herzinfarkt erleiden, bedeutet dies eben nicht, dass Frühstücken vor dem Infarkt schützt.

Es könnte ja auch sein, dass sich gestresste und daher infarktgefährdete Menschen einfach nur nicht die Zeit für eine Morgenmahlzeit nehmen.

Solche Korrelationen zu Kausalitäten umzudeuten sei unzulässig, werde aber trotzdem oft gemacht.

Neben dieser eingeschränkten Aussagekraft aller Beobachtungsstudien kommt bei Ernährungsstudien als spezielle Schwierigkeit dazu, dass Essverhalten der Probanden in der Regel von den Studienteilnehmern erfragt wird und die Ergebnisse daher von deren Gedächtnis beeinflusst werden. Und dieses ist nicht immer zuverlässig. So fanden sich beispielsweise in verschiedenen Studien unphysiologisch tiefe Angaben zur Energieaufnahme.

Darüber hinaus scheinen Abhängigkeiten die Resultate mancher Ernährungsstudien zu beeinflussen. Beispielsweise wird der Limonadenkonsum zwar in 80 Prozent aller epidemiologischen Studien mit einer Gewichtszunahme in Verbindung gebracht. Beschränkt man sich aber auf diejenigen Studien, die von den Getränkeherstellern unterstützt wurden, dann finden ebenfalls 80 Prozent keinen derartigen Zusammenhang.

Besonders anfällig für systematische Verzerrungen sind Beobachtungsstudien mit erwartbar kleinen Effekten, wie es in der Primärprävention mit einzelnen Nahrungsmitteln der Fall ist.

Jeder Störfaktor oder jede Ungleichheit in den Patientengruppen kann so ein statistisches Rauschen verursachen, das den eigentlichen Effekt weit übertrifft.

Aussagekräftiger wären große prospektive Studien

Damit die Ernährungsforschung ernst zu nehmende Resultate liefern könne, seien mehr randomisierte kontrollierte Studien nötig. Davon sind viele Fachleute überzeugt.

Das heisst: Es braucht eine Gruppe, die über lange Zeit eine bestimmte, genau definierte Ernährungsweise einhält, und eine Kontrollgruppe, die sich anders ernährt. Und es muss per Zufall entschieden werden ( = Randomisierung), wer welcher Gruppe zugeteilt wird.

Nur mit riesigen Langzeitstudien unter randomisierten kontrollierten Bedingungen werde es letztlich möglich sein, herauszufinden, mit welcher Ernährungsweise sich die Sterblichkeit reduzieren lässt. Solche Studien seien extrem aufwendig und teuer. Am Ernährungsverhalten insgesamt werden sie vermutlich trotzdem nicht viel ändern, schreibt Beate Schumacher.

Auch heute schon wisse man, dass eine ausgeglichene normokalorische Diät eine Adipositas mit ihren tödlichen Folgen verhindern kann. Dennoch seien 23 Prozent der Deutschen fettsüchtig. Wenn es für die Ernährungsberatung nicht genügend Geld gebe, sei die Ernährungsforschung wenig wert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/article/855000/leitartikel-ernaehrung-viele-studien-naehrwert.html?sh=19&h=-906492551

 

Kommentar & Ergänzung:

Aus Beobachtungsstudien werden tatsächlich nicht selten voreilig Schlüsse gezogen.

Man erfasst über lange Zeiträume die Ernährungsgewohnheiten einer Gruppe von Menschen (nach deren Angaben), und sucht dann Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsbestandteilen und dem Auftreten bestimmter Krankheiten.

So findet man dann beispielsweise heraus: Wer viel Anthocyane einnimmt – das sind blaue und rote Farbstoffe aus Beeren – hat ein tieferes Parkinsonrisiko.

Wer nun daraus schliesst: „Anthocyane schützen vor Parkinson“, liegt möglicherweise falsch. Vielleicht leben Leute, die viele Beeren essen, auch in anderen Bereichen gesünder, und es gibt andere Faktoren, die für das tiefere Parkinsonrisiko verantwortlich sind.

Mehr dazu hier:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Die kritische Einschätzung von Beobachtungsstudien, die Beate Schumacher in der AerzteZeitung vornimmt, ist daher sehr berechtigt.

Aber die grossen, randomisierten, kontrollierten Langzeitstudien, die mehr fundierte Erkenntnisse in die Ernährungsforschung bringen sollen, sind alles andere als einfach zu realisieren.

Wer lässt sich schon per Zufall auf eine bestimmte Ernährungsform festlegen und hält die dann über Jahre durch?

Und so sieht es ganz danach aus, dass wir im Bereich der Ernährungslehren noch lange auf zweifelsfrei gesicherte Erkenntnisse warten müssen – wenn es sie denn je geben sollte. Vielleicht ist das ja gar nicht einmal so schlecht. Wenn allen klar ist, dass die vorliegenden Erkenntnisse nur begrenzte Aussagekraft haben, dann schützt das möglicherweise auch vor Dogmatismus, also vor der Absolutsetzung bestimmter Diäten oder Ernährungsweisen. Das setzt allerdings voraus, dass wir immer wieder lernen, auch ohne absolute Wahrheiten zu leben.

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang vor allem noch, dass bei der Berichterstattung über Forschungsergebnisse auch die jeweiligen Limitierungen der zugrundeliegenden Studien mitgeliefert werden.

Die Verwechslung von Korrelation mit Kausalität, die Beate Schumacher beschreibt, ist im Übrigen nicht nur in der Ernährungsforschung ein oft vorkommender Fehlschluss, sondern genauso auch bei der Beurteilung der Wirksamkeit von Heilmitteln.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Soziale Isolation erhöht die Sterblichkeit – aber nicht aufgrund von Einsamkeit

Alte Menschen ohne Kontakt zu Familie und Freunden sterben früher. Ob sie sich in den Jahren vor ihrem Tod einsam gefühlt haben, bleibt darauf aber ohne Einfluss. Das schreiben englische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (doi: 10.1073/pnas.1219686110).

Forschern ist seit Jahren bekannt, dass alte Menschen in sozialer Isolation früher sterben als Senioren mit regelmäßigem Kontakt zu Freunden und Familie. Bisher nahmen die Experten jedoch an, dass das Gefühl der Einsamkeit für die schädlichen Folgen der Isolation auf die Gesundheit verantwortlich ist. Klare Belege dafür konnten sie aber nicht erbringen.

Gesundheitsforscher um Andrew Steptoe vom University College in London konnten diese Annahme nun widerlegen. Die Wissenschaftler begleiteten mehr als sieben Jahre lang 6.500 Menschen, die beim Start der Studie mindestens 52 Jahre alt waren.

Teilnehmende, die wenig oder keinen Kontakt zu Familie, Freunden oder Vereinen hatten, wurden von den Wissenschaftlern als sozial isoliert klassifiziert. Ob mit diesem Mangel an Kontakten auch das Gefühl der Einsamkeit verbunden war, erfassten die Forscher mittels Fragebögen.

Ohne soziale Kontakte lag das Sterberisiko ein Viertel höher

Rund jeder siebte Teilnehmer starb im Verlaufe der Studie. Unter sozial isolierten Menschen war der Anteil der Todesfälle fast doppelt so hoch wie bei gesellschaftlich integrierten Senioren. Bei einsamen Personen lag der Anteil um 50 Prozent höher. Berücksichtigten die Wissenschaftler das unterschiedliche Alter, die je nach Geschlecht unterschiedliche Lebenserwartung und zusätzliche Faktoren wie Vorerkrankungen und Wohlstand, war die Sterbehäufigkeit bei Menschen ohne regelmäßige Sozialkontakte noch um ein Viertel erhöht.

Überrascht war das Forscherteam, als sie auch für einsame Menschen die genannten Einflussfaktoren herausrechneten: Derart bereinigt ergab die Statistik, dass der prozentuale Anteil der Todesfälle unter einsamen Menschen nicht mehr erhöht war. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass hauptsächlich soziale Nachteile wie kleines Einkommen oder tiefer Bildungsstand sowie Erkrankungen den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Todesfällen erklärten.

Als Bindeglied zwischen sozialer Isolation und höherer Sterblichkeit konnten die Forscher das Gefühl der Einsamkeit ausschließen. Egal, ob sozial isolierte Menschen sich einsam fühlten oder nicht – ihr Sterberisiko lag ein Viertel höher als bei gut integrierten Personen.

Schwere Vorerkrankungen kommen als Ursache nicht in Frage

Die ebenfalls mögliche Erklärung, dass sterbenskranke Menschen sozial isolierter sind, konnten die Wissenschaftler weitgehend ausschließen.

Die Befunde dieser Studie bestätigen nach Ansicht der Forscher, dass soziale Isolation mit einer höheren Sterblichkeit bei älteren Männern und Frauen verbunden ist. Dieser Effekt ist jedoch unabhängig von der emotionalen Erfahrung der Einsamkeit. Für das Wohlergehen und die Lebensqualität sei es wichtig, sowohl die Isolation als auch die Einsamkeit zu reduzieren. Im Hinblick auf die Lebenserwartung hätten Maßnahmen gegen die soziale Isolation jedoch größeren Nutzen.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/soziale-isolation-verkürzt-das-leben-073738654.html

Kommentar & Ergänzung:

Diese interessante Studie zeigt einmal mehr, wie komplex es ist, von festgestellten Fakten – hier die erhöhte Sterblichkeit von sozial isolierten Menschen – auf die dafür verantwortlichen Ursachen zu schliessen. Wie leicht nimmt man da jene Ursache an, die den eigenen Überzeugungen entspricht. In diesem Fall zum Beispiel die Einsamkeit.

Keine Frage: Die Themen „Soziale Isolation“ und „Einsamkeit“ im Alter sind wichtig.

Wenn es um eine erhöhte Sterblichkeit von sozial isolierten Menschen geht, dann fehlt mir in der Diskussion um die Ursachen meist ein ziemlich auf der Hand liegender Einfluss:

Wer isoliert lebt, der hat bei einem akuten Notfall weniger Hilfe zur Verfügung.

Beispielsweise wird bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, bei dem es um schnelle Alarmierung von Rettungskräften und rasche medizinische Intervention geht, seltener jemand anwesend sein, der diese Hilfe anfordern könnte. Mir scheint, dies könnte vielleicht einen Teil der erhöhten Sterblichkeit erklären.

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Krebsvorbeugung durch Vitamin E: Auf die Form kommt es möglicherweise an

In einer neuen Studie bewerten US-amerikanische Wissenschaftler aus New Jersey das Potenzial der verschiedenen Formen von Vitamin E bei der Krebsvorbeugung.

Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass Vitamin E in Form von Alpha-Tocopherol, das vor allem für Nahrungsergänzungsmittel genutzt wird, keinen krebsvorbeugenden Effekt besitzt, während Vitamin E in Form von Gamma-Tocopherol und Delta-Tocopherol, das in Nahrungsmitteln wie Sojabohnen, Nüssen und Rapsöl vorkommt, diese Eigenschaft zeigt.

Quelle:

http://bio-pro.de/magazin/wissenschaft/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/07915/index.html

http://www.nutraingredients.com/Research/Dietary-vitamin-E-better-than-supplements-to-battle-cancer-Researchers?utm_source=copyright&utm_medium=OnSite&utm_campaign=copyright

Originalquelle:

Does Vitamin E Prevent or Promote Cancer?, Chung S. Yang, Nanjoo Suh, Ah-Ng Tony Kong, Cancer Prevantion Research, Mai 2012 5; 701

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie scheint auf rein epidemiologischer Basis zu stehen. Zudem verweisen die Forscher auf Tierexperimente. Damit kann allerdings auch für Delta-Tocopherol und Gamma-Tocopherol nicht zweifelsfrei eine Wirksamkeit bezüglich Krebsvorbeugung belegt werden.

Die Versprechungen einer Krebsvorbeugung durch Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine, Antioxidantien….sind generell sehr viel grösser als die Belege, welche für eine solche Wirkung sprechen.

Alpha-Tocopherol gehört darüber hinaus noch zu denjenigen Inhaltsstoffen von Nahrungsergänzungsmitteln, für die es Hinweise gibt, dass sie die Sterblichkeit erhöhen könnten.

Nicht alles, was als gesund angepriesen wird, ist es auch.

Siehe:

Mit Nahrungsergänzungsmitteln höheres Sterberisiko

Antioxidantien fördern möglicherweise Diabetes

Schwächen Antioxidantien die Muskelfunktion

US-Studie findet keinen Schutzeffekt von Vitamin A und E für’s Herz

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Metastudie: Fischöl-Kapseln nutzlos für Herzpatienten

Gemäss einer neuen Metastudie schützt die tägliche Einnahme von Fischöl-Kapseln Risikopatienten nicht vor weiteren Herzbeschwerden

Regelmäßiger Konsum von fetten Fischsorten wie Lachs, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, soll Herzkrankheiten vorbeugen.

Die Omega-3-Fettsäuren sollen einer Arterienverkalkung entgegen wirken und dadurch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.

Bisherige Studien in diesem Bereich fielen widersprüchlich aus: Einige Studien kamen zum Schluss, dass Omega-3-Kapseln Patienten mit Herzproblemen vor weiteren Problemen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen, andere kamen zu einem gegenteiligen Resultat. Gemäss einer neuen Analyse von 14 Studien, die im Fachmagazin „Archives of Internal Medicine“ publiziert wurde, soll es keine positiven Auswirkungen der Fischölkapseln geben.

Die südkoreanischen Wissenschaftler vom Center for Cancer Prevention and Detection in Goyang fanden bei ihrer Analyse von 14 Studien mit über 20 000 Probanden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die entweder Fischölkapseln oder Placebos bekamen, keinen Unterschied bezüglich Herzinfarkte, Schlaganfälle und die Sterblichkeit generell.

Die Studienresultate sind jedoch nicht unumstritten, da die Wissenschaftler zwei große Studien, die einen günstigen Effekt belegten, aufgrund methodischer Probleme – die Probanden bekamen kein Placebo – in ihre Metaanalyse nicht aufnahmen. Die Wissenschaftler entgegnen, auch unter Einfließen dieser zwei Studien sei eine eindeutige positive Wirkung der Fischölkapseln nicht belegbar.

Ob täglich geschluckte Fischölkapseln gesunde Menschen vor solchen Krankheiten schützen, ist bisher nur ungenügend erforscht. Einig sind sich die Forscher, dass der Konsum von frischem Fisch auf jeden Fall gesund sei.

Quelle:

http://derstandard.at/1334132287080/Metastudie-Fischoelkapseln-Kein-Nutzen-fuer-Herzpatienten

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/archinternmed.2012.262

Kommentar & Ergänzung:

Dafür, dass Fischölkapseln für eine ganze Palette von Krankheiten empfohlen werden, sind die gesicherten Ergebnisse bezüglich Wirksamkeit ziemlich mager.

Siehe auch:

Omega-3-Fettsäuren: Fischöl-Kapseln bei Multipler Sklerose unwirksam

Omega-3-Fettsäuren: Schutz vor Diabetes und Herzkrankheiten?

Gelenkschmerzen lindern mit Zitronenverbene und Fischöl

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Zitrusfrüchte gegen Schlaganfall

Der Konsum von Zitrusfrüchten kann bei der Prävention von Schlaganfällen mitwirken. Das haben Forscher der Norwich Medical School an der University of East Anglia in Norwich, Großbritannien, entdeckt. Die in den Zitrusfrüchten vorkommenden Flavonoide reduzieren demnach das Schlaganfallrisiko um bis zu 19 Prozent.

Die britischen Forscher haben den Zusammenhang zwischen der Einnahme von hohen Mengen an Flavonoiden und dem Schlaganfallrisiko genauer untersucht. Die Studie stützte sich auf Daten der sogenannten Nurse’s Health Study, in der fast 70.000 Frauen über 14 Jahre lang beobachtet wurden. Die teilnehmenden Frauen wurden regelmäßig zu ihrem Obst- und Gemüseverzehr befragt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Frauen, die eine große Menge Zitrusfrüchte wie etwa Orangen oder Grapefruits konsumierten, ein um 19 Prozent tieferes Risiko hatten, einen Schlaganfall zu erleiden.

Flavonoide sind Pflanzenstoffe, die nicht nur in Zitrusfrüchten enthalten sind, sondern auch in anderen Früchten, in Gemüse, dunkler Schokolade und Rotwein vorkommen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse sowie von Vitamin C mit einem reduzierten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Für diesen Effekt werden hauptsächlich die Flavonoide verantwortlich gemacht, da sie die Blutgefäße schützen und eine Wirkung gegen Entzündungen entfalten.

Die britischen Wissenschaftler haben nun die einzelnen Flavonoide genauer unter die Lupe genommen. Die Gesamtmenge der konsumierten Flavonoide verminderte dabei das Schlaganfallrisiko nicht wesentlich. Allerdings reduzierte ein hoher Konsum von Flavanonen, einer Untergruppe der Flavonoide, das Schlaganfallrisiko bei den Frauen um 19 Prozent. In dieser Studie stammten die Flavanone vor allem aus Orangen und Orangensaft (82 Prozent) oder Grapefruits und Grapefruitsaft (14 Prozent). Die Wissenschaftler empfehlen dennoch, dass Verbraucher eher ihren Früchtekonsum steigern sollten, als dass sie zu Fruchtsäften greifen, da diese oft auch Zucker in allzu grossen Mengen enthalten. Generell seien jedoch noch weitere Studien nötig, um den Zusammenhang zwischen Früchtekonsum und vermindertem Schlaganfallrisiko zu bestätigen.

Quellen:

http://www.aponet.de/aktuelles/forschung/2012-02-orangen-gegen-schlaganfall.html

„Dietary Flavonoids and Risk of Stroke in Women“, Aedín Cassidy et al.; Stroke, DOI: 10.1161/STROKEAHA.111.637835

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind eine wichtige und interessante Wirkstoffgruppe in Heilpflanzen. Sie haben grosse Bedeutung in der Ernährung und in der Phytotherapie. Es handelt sich um sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, zu denen ein grosser Teil der Blütenfarbstoffe gehört.

Zum Stellenwert der Flavonoide in der Ernährung schreibt Wikipedia:

„ Der Mensch nimmt Flavonoide mit der Nahrung in größeren Mengen auf. Rund zwei Drittel der rund ein Gramm umfassenden phenolischen Substanzen, die der Mensch zu sich nimmt, sind Flavonoide. ‚Es wird angenommen, das sie dank ihrer antioxidativen Wirkung, die in vitro z. T. stärker ist als diejenige von bekannten Antioxidanzien wie Vitamin E, einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben.’

Epidemiologische Studien zeigten ein geringeres Risiko für verschiedene Krankheiten bei höherer Flavonoidaufnahme, darunter etwa Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Flavonoide wirken auf den Arachidonsäure-Stoffwechsel und damit auf die Blutgerinnung. Für Krebs zeigten die epidemiologischen Studien keinen Zusammenhang, mit Ausnahme von Lungenkrebs, dessen Risiko vor allem durch Flavonoidaufnahme über Äpfel verringert wird.

Für einige Verbindungen wurde in in vitro-Tests eine mutagene oder genotoxische Wirkung gezeigt. Es gibt aber keine Hinweise auf eine Toxizität beim Menschen, Tierversuche zeigten keine kanzerogene Wirkung von Flavonoiden. Bestimmte Flavonoide führen zu einer starken Hemmung der Cytochrom P450-abhängigen Monooxygenasen (Phase-I-Enzyme), andere wiederum zu einer Aktivierung. Es kann auch eine dosisabhängige Aktivierung von Phase-II-Enzymen kommen. All dies kann zu Wechselwirkungen mit Arzneistoffen führen, etwa bei Grapefruit.“

In Früchten wie beispielsweise im Apfel sind die Flavonoide vor allem in den Schalen konzentriert.

Zu den Wechselwirkungen von Grapefruitsaft mit Medikamenten siehe:

Grapefruitsaft und andere Fruchtsäfte können Medikamenten-Wirkungen beeinflussen

Zur medizinischen Wirkung der Flavonoide:

„Etliche flavonoidhaltige Arzneidrogen werden therapeutisch genutzt, daneben auch einige Reinstoffe. Sie werden als Venenmittel eingesetzt aufgrund ihrer gefäßschützenden, ödemprotektiven Wirkung, als Herz-Kreislaufmittel wegen ihrer positiv inotropen, antihypertensiven Wirkung, als Diuretika, als Spasmolytika bei Magen-Darm-Beschwerden sowie als Lebertherapeutika. Ihre Wirkung wird hauptsächlich auf ihre antioxidativen Eigenschaften sowie die Hemmung von Enzymen zurückgeführt.

Epidemiologische, wie auch die meisten in vivo-Studien deuten an, dass Flavonoide einen positiven Einfluss auf verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen haben. Traditionell wurden diese Effekte nur ihren antioxidativen Aktivitäten zugeschrieben. Jedoch gibt es neben der unmittelbaren Bindung Reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) eine Vielzahl anderer Effekte, die in pharmakologisch erreichbaren Konzentrationen auch für den positiven kardiovaskulären Einfluss der Flavonoide wie z.B. Taxifolin verantwortlich sein kann. Dazu gehören insbesondere die Hemmung der ROS-bildenden Enzyme, Hemmung der Thrombozytenfunktion, Hemmung der Leukozyten-Aktivierung und gefäßerweiternde Eigenschaften.

Unter den zahlreichen Wirkungen von Flavonoiden, die in in vitro- und in vivo-Versuchen nachgewiesen wurden, sind die wichtigsten:

antiallergische und antiphlogistische Wirkung

antivirale und antimikrobielle Wirkung

antioxidative Wirkung

antiproliferative und antikanzerogene Wirkung

Flavonoide wirken über mehrere Wirkungsmechanismen. Im Vordergrund stehen dabei die Interaktion mit DNA und Enzymen, die Aktivierung von Zellen, ihre Eigenschaft als Radikalfänger, sowie die Beeinflussung von verschiedenen Signaltransduktionswegen in den Zellen (NF-κB, MAPK). Flavonoide hemmen über dreißig Enzyme im menschlichen Körper. Sie aktivieren verschiedenste Zelltypen des Immunsystems. Die beiden letzten Eigenschaften sind etwa für die entzündungshemmende Wirkung von Flavonoiden verantwortlich.

Folgende Flavonoide werden als Reinstoffe als Venenmittel genutzt:

Citrusbioflavonoide, Hesperidin

Diosmin

Rutin und Hydroxymethylrutinoside

Unter den Arzneidrogen überwiegen solche, die Flavonolglykoside und Glykosylflavone enthalten. Wichtige Arzneidrogen, die größere Mengen an Flavonoiden enthalten, sind:

Arnikablüten (Arnika)

Birkenblätter (Hänge-Birke, Moor-Birke)

Buchweizenkraut (Fagopyrum esculentum)

Ginkgoblätter (Ginkgo)

Goldrutenkraut (aus Solidago virgaurea, Solidago gigantea und Solidago canadensis)

Holunderblüten (Schwarzer Holunder)

Hopfenzapfen (Echter Hopfen)

Kamillenblüten (Kamille)

Katzenpfötchenblüten (Gewöhnliches Katzenpfötchen)

Lärchenextrakt (Taxifolin)

Mädesüßkraut und -blüten (Mädesüß)

Mariendistelfrüchte (Mariendistel)

Passionsblumenkraut (aus Passiflora incarnata)

Bitterorangenschale (Bitterorange)

Ringelblumenblüten (Ringelblume)

Römische Kamille

Rotes Weinlaub (Vitis vinifera)

Saflorblüten (Saflor)

Stiefmütterchenkraut (Viola arvensis und Viola tricolor)

Süßholzwurzel (Süßholz)

Weißdornblätter mit Blüten (mehrere Weißdorn-Arten)“

Quelle: Wikipedia

Wenn Wikipedia von „Arzneidrogen“ schreibt, sind damit getrocknete Heilpflanzen gemeint. Der Begriff „Droge“ bezieht sich also in der Pflanzenheilkunde nicht auf Drogen im Sinne von Betäubungsmitteln.

Flavonoide sind in der Regel gut verträgliche Wirkstoffe, die sich auch für längere Anwendung eignen. Es muss aber auf ausreichende Dosierungen geachtet werden, was insbesondere bei Pflanzentinkturen aus Frischpflanzen (Urtinkturen) oft nicht gewährleistet ist, wenn zum Beispiel von Weissdorntinktur oder Mariendisteltinktur nur 3 mal täglich 3 – 5 Tropfen empfohlen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Mit Nahrungsergänzungsmitteln höheres Sterberisiko

Erneut kommt eine Studie zu dem Resultat, dass die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen Menschen ohne Mangelzustände mehr schadet als nutzt.

Eine Auswertung der Iowa Women’s Health Study zeigt in den Archives of Internal Medicine (2011; 171: 1625-1633) für mehrere Nahrungsergänzungsmittel sogar eine Steigerung der Sterblichkeit.

Einzige Ausnahme war Kalzium, deren Einnahme mit einem reduzierten Sterberisiko älterer Frauen verbunden war.

Die Iowa Women’s Health Study (IWHS) startete im Jahr 1986. Die Kohorte umfasst 41.836 postmenopausale Frauen, die beim Start der Studie 55 bis 69 Jahre alt waren. Die prospektive Beobachtungsstudie will den Einfluss von Ernährung und Lebensgewohnheiten auf chronische Erkrankungen untersuchen.

Zum gegenwärtigen American Way of Life zählt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, von denen sich die Bevölkerung gesundheitliche Vorteile verspricht. Hauptsächlich ältere Frauen greifen gerne zu den Produkten aus Drogerie oder Supermarkt. Beim Start der IWHS hatten 66 Prozent der Teilnehmerinnen der Women’s Health Study wenigstens ein Präparat eingenommen. Bis ins Jahr 2004 erhöhte sich der Anteil auf 85 Prozent. Jede vierte Teilnehmerin konsumierte vier oder mehr Mittelchen, in der Regel ohne dass ein Arzt einen Mangel diagnostiziert hatte.

Doch das zugrunde liegende Motto „Mehr hilft mehr“ gilt für die lebenswichtigen Vitamine ebenso wenig wie für die im Organismus nur in Spuren enthaltenen Mineralien. Im Gegenteil: Jaakko Mursu von der Universität von Minnesota in Minneapolis ermittelte gleich für mehrere Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel) ein signifikant höheres Sterberisiko von durchaus bedeutsamem Ausmaß.

Die Einnahme von Multivitaminen steigerte das Sterberisiko absolut um 2,4 Prozentpunkte. Für Vitamin B6 fanden die Forscher einen Anstieg um 4,1 Prozentpunkte. Bei Folsäure zeigte sich ein Anstieg um 5,9 Prozentpunkte, beim Magnesium um 3,6 Prozentpunkte und beim Zink um 3,0 Prozentpunkte. Für Eisen wurde ein Anstieg um 3,9 Prozentpunkte festgestellt. Der Anstieg war dosisabhängig, was eine mögliche Kausalität unterstreicht.

Einen endgültigen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang kann eine prospektive Beobachtungsstudie allerdings nicht liefern. Der wichtigste und auch plausible Kritikpunkt lautet, dass die Teilnehmerinnen im Fall einer Krankheit eher zu den Präparaten greifen als bei völliger Gesundheit.

Klarheit können hier nur randomisierte klinische Studien bringen: Studien also mit zufallbestimmten ( = Randomisierung) Verteilung der Teilnehmenden auf zwei Gruppen, wovon die eine Nahrungsergänzungsmittel bekommt und die andere ein Placebopräparat. Es hat allerdings in den letzten Jahren gleich mehrere derartige Studien gegeben, die ein steigendes Sterberisiko bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln feststellten. Dazu zählt die Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention oder ATBC-Studie, in der Raucher nach der regelmässigen Einnahme von Beta-Carotin häufiger an Lungenkrebs erkrankten.

Im Norwegian Vitamin Trial und dem Western Norway B Vitamin Intervention Trial erkrankten Koronarpatienten öfter an Krebs, wenn sie mit Folsäure oder Vitamin B12 behandelt worden waren. Schließlich ergab eine Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien ein erhöhtes Sterberisiko für Beta-Carotin, Vitamin A und Vitamin E. Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen. Andererseits existieren jedoch auch klinische Studien, die eine Schutzwirkung einzelner Vitamine oder Spurenelemente zeigten.

Dies war auch in der aktuellen Beobachtungsstudie der Universität Minnesota der Fall. Die Einnahme von Kalzium-Supplementen war mit einer Reduktion des Sterberisikos um 3,8 Prozentpunkte verbunden. Da es sich bei den Teilnehmerinnen um ältere Frauen handelt, die ein höheres Osteoporoserisiko haben, ist dieses Resultat nachvollziehbar.

Der Editorialist Goran Bjelakovic von der Universität Kopenhagen verweist allerdings auf eine jüngst im Britischen Ärzteblatt veröffentlichte Meta-Analyse, die auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko nach Kalziumsubstitution hingewiesen hatte. Die alleinige und unkritische Kalziumsubstitution steht seither im Verdacht, die Einlagerung von Kalk in den Gefäßwänden und damit die Atherosklerose zu begünstigen.

Die meisten Fachleute raten daher, Kalzium nicht ohne medizinische Indikation einzunehmen und im Bedarfsfall mit Vitamin D zu kombinieren, damit das Mineral seinen Bestimmungsort Knochen auch wirklich erreicht.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47640/Vitamine_und_Eisen_verkuerzen_das_Leben_aelterer_Frauen.htm

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/171/18/1625

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin sehr skeptisch, was den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln anbelangt. Wir werden von einer ganzen „Gesundheitsindustrie“ krank geredet. Uns wird auf allen Kanälen suggeriert, dass wir ohne zusätzliche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Schüssler Salze, Heilpflanzen und was weiss ich nicht noch alles unmöglich gesund bleiben oder gesund werden können.

Diese Studie bestärkt mich grundsätzlich in meiner Skepsis.

Aber:

Die Einwände gegen die Studie sind sehr bedenkenswert: Es ist nahe liegend, dass Teilnehmerinnen, die krank sind, verstärkt zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen und zugleich ein höheres Sterberisiko haben. Damit wird möglicherweise eine ursächliche Beziehung zwischen dem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln und dem erhöhten Sterberisiko suggeriert, die gar nicht vorhanden ist.

Das „Aerzteblatt“ weißt zu Recht darauf hin, dass sich durch diese Art von Studien kein ursächlicher Zusammenhang belegen lässt und dass dazu randomisierte Studien mit Kontrollgruppe nötig wären. Sehr zu Recht wird aber auch darauf hingewiesen, dass mehrere wichtige randomisierte Studien ein erhöhtes Sterberisiko bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aufgezeigt haben. Die Steigerung war dabei zwar nicht dramatisch hoch, aber „heinomol“ – wer ein Nahrungsergänzungmittel schluckt in der Erwartung, damit etwas Gutes für seine Gesundheit zu tun, dabei aber seine Sterblichkeit erhöht, wird doch verarscht (Tschuldigung). Es müsste ein klarer Nutzen belegt sein und das ohne Risiko. Der Haken ist hier aber, dass Nahrungsergänzungsmittel im Gegensatz zu den meisten Medikamenten ihre Wirksamkeit nicht belegen müssen. Das öffnet der Propaganda alle Tore.

Gesundheitsversprechungen kritisch unter die Lupe zu nehmen ist daher unumgänglich, wenn man nicht über den Tisch gezogen werden will.

Wie man solche Aussagen prüft und sich eine eigene fundierte Meinung dazu bildet können Sie lernen bei mir im Heilpflanzen-Seminar, in der Phytotherapie-Ausbildung oder im Tagesseminar „Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot“.

Wer sich unbedingt mit Nahrungsergänzungsmitteln beruhigen muss, soll doch die vorgeschlagene Dosierung halbieren (sofern nicht ein Mangelzustand eindeutig diagnostiziert ist). Das halbiert dann die Kosten und vielleicht auch das Risiko.

Noch raffinierter wäre es, auf Schüssler-Salze umzustellen. Sie bestehen aus Laktose (Milchzucker) oder einer anderen Substanz, die in den verwendeten Dosierungen garantiert keine spezifischen Wirkungen zeigt. Und was keine spezifischen Wirkungen hat, wird auch keine spezifischen Nebenwirkungen oder Risiken haben. Wer also unbedingt das Ritual der täglichen Pilleneinnahme braucht, ist mit den Schüssler-Salzen auf der sichereren Seite als mit vitamin- und mineralstoffhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Allerdings ist die Laktose in den Schüssler-Salzen massiv überteuert. Und zum täglichen Ritual der Pilleneinnahme gäbe es auch noch einige Fragen zu stellen. Irgendwie scheint es ja viele Leute zu geben, die um synthetische Pillen der „Pharmaindustrie“ einen weiten Bogen machen (manchmal zu Recht), aber offenbar stark am Ritual der Pilleneinnahme hängen. Die schlucken dann Vitaminpillen oder Schüssler-Salze, sind überzeugt davon, dass sie sich damit etwas Gutes tun und unterstützten damit genauso die „Pharmaindustrie“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Cochrane-Review: Kein Schutz vor Krebs durch Selen

Die Einnahme von Selen beugt Krebserkrankungen nicht vor. Zu diesem Resultat kommt eine Übersicht im Cochrane Database of Systematic Reviews (2011, Issue 5. Art. No.: CD005195. DOI: 10.1002/14651858.CD005195.pub2). Die unkritische Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Selen könne sogar schaden.

Selen ist Bestandteil verschiedener Proteine (Eiweisse). Einige davon haben antioxidative Wirkungen und könnten damit eine krebspräventive Wirkung haben. Tatsächlich waren eine Reihe von prospektiven Beobachtungsstudien zu dem Resultat gekommen, dass Menschen, die zu wenig Selen mit der Nahrung aufnehmen, mit höherer Wahrscheinlichkeit an Krebs erkranken.

Gabriele Dennert vom Institut für transdisziplinäre Gesundheitsforschung in Berlin ermittelt in ihrer Meta-Analyse eine um 31 Prozent verminderte Krebsinzidenz (Odds Ratio OR 0,69; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,53-0,91) und eine um 45 Prozent reduzierte Sterblichkeit (OR 0,55; 0,36-0,83) für Personen mit der höchsten Aufnahme von Selen, wobei die Inzidenz bei Männern (OR 0,66; 0,42-1,05) stärker vermindert war als bei Frauen (OR 0,90; 0,45-1,77).

Wie auch bereits bei einer Reihe anderer Vitamine und Spurenelemente kamen die randomisierten klinischen Studien zu einem negativen Ergebnis. Dennert nennt total sechs Therapiestudien, die weder für Hautkrebs noch für das Prostatakarzinom Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung des Selens fanden.

Die Studienresultate zum Leberkrebs seien noch unklar, fügt die Wissenschaftlerin hinzu. Gegen eine unkritische Einnahme von Selenpräparaten sprechen ihrer Ansicht nach die Resultate des Nutritional Prevention of Cancer Trial und des Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial. Beide Studien hätten auf mögliche langfristige Schäden durch die Einnahme von Selenpräparaten hingewiesen. Die britische Cancer Research UK schloss sich in einer Stellungnahme den Schlussfolgerungen der Autorin an. Die bisherigen Studien hätten gezeigt, dass die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen das Krebsrisiko nicht reduzieren.

Die aktuelle Meta-Analyse bestätige diesen Eindruck. Gleichzeitig ist jedoch klar, dass auf Selen als Spurenelement nicht verzichtet werden kann. Der Bedarf lässt sich nach Ansicht der meisten Experten aber durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung decken.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45822/Cochrane_Selen_nicht_krebspraeventiv.htm

http://onlinelibrary.wiley.com/o/cochrane/clsysrev/articles/CD005195/frame.html

Kommentar & Ergänzung:

Viele Hersteller und Verkäufer von Selenpräparaten machen seit Jahren Geschäfte mit der Angst der Menschen vor Krebs. In der Werbung wird – wen wundert’s – der Nutzen von Selen sehr betont und die allfälligen Risiken verschwiegen. Daher ist es wichtig, dieser Propaganda auch kritischere Informationen entgegenzusetzen.

Hier ergänzend noch ein Zitat zu Selen aus Wikipedia:

„Selen als Nahrungsergänzungsmittel

In einer kritischen Bewertung der Pharmainformation vom Juni 2005 wird festgestellt, dass die bislang verfügbaren Studien keine Hinweise für einen Nutzen einer zusätzlichen Gabe von Selen in irgendeinem Zusammenhang erbringen konnten. Zwar scheint eine positive Beeinflussung verschiedener Krebsarten möglich, andererseits die Begünstigung anderer Karzinome nicht unwahrscheinlich. Die ‚SELECT’-Studie (‚Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial’) sollte diesbezüglich Auskunft geben und 2013 abgeschlossen werden. Allerdings wurde diese im Oktober 2008 abgebrochen, da während der Studie nachgewiesen werden konnte, dass es keine verbesserte Schutzwirkung im Vergleich zum Placebo gibt und ein Nutzen ausgeschlossen werden konnte. In dieser Studie wurde zwar sogar eine erhöhte Prostatakrebshäufigkeit unter der Gabe von Vitamin E und eine erhöhte Diabetesentstehung unter der Selengabe festgestellt, beides war aber nicht statistisch signifikant.

Im Rahmen der neuerlichen Auswertung von Daten einer Studie kam Saverio Stranges von der Universität in Buffalo  zu dem Ergebnis, dass von den 600 Patienten, die Selen einnahmen (tägl. 200 µg) nach fast acht Jahren etwa zehn Prozent an Typ 2 Diabetes erkrankt waren. Bei der Placebo-Kontrollgruppe waren es lediglich sechs Prozent. Bis dato wurde noch keine potentielle Ursache für das erhöhte Diabetes-Risiko gefunden. Hohe Selenkonzentrationen im Blut korrelieren mit dem Risiko, an Diabetes zu erkranken. Somit kommt auch die Pharmainformation vom Februar 2008 zum Schluss: ‚Eine kritische Haltung gegenüber wenig belegten Konzepten, hinter denen natürlich ein großes finanzielles Interesse steht, hat sich wieder einmal bestätigt.’ Die Studienlage ist diesbezüglich jedoch nicht eindeutig. So werden der Studie von Stranges et. al. methodische Fehler unterstellt, etwa das Fehlen einer vorherigen Familienamnese, die eine erhöhte familiäre Prävalenz von Diabetes mellitus innerhalb der Selengruppe hätte ausschließen müssen, sowie die Tatsache, dass die untersuchten Probanden Personen waren, die in hohem Maße Sonnenstrahlung und Chemikalien ausgesetzt waren, weswegen sich die Ergebnisse schlecht auf ‚durchschnittliche’ Probanden übertragen ließen. Zudem liege das Diabetes-Risiko sowohl in der Placebo- als auch in der Selengruppe unter dem amerikanischen Durchschnittswert. Andere Studien legen weiterhin einen hemmenden Effekt von Selen auf die Entwicklung von Diabetes mellitus nahe, darunter eine jüngst veröffentlichte von Tasnime Akbaraly (Universität Montpellier) durchgeführte Untersuchung an 1162 Männern und Frauen.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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