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Kann man Vogelbeeren essen?

Der Vogelbeerbaum (Eberesche, Sorbus aucuparia) fällt im Herbst auf durch seine leuchtend orange-roten Früchte. Sie werden oft als giftig angesehen, was aber nicht richtig ist. Die Beeren sind roh wenig schmackhaft und enthalten Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können deshalb auch in größeren Mengen gegessen werden.

Durch die ersten Fröste wird die Parasorbinsäure ebenfalls zu Sorbinsäure abgebaut, wodurch die Früchte ihren bitteren Geschmack verlieren und leicht süßlich werden.

Es empfiehlt sich jedoch, die Beeren vor dem Verzehr zu kochen. Auf diese Art bekömmlich gemacht, sind sie vielseitig einsetzbar und schmecken als Konfitüre, Kompott, Sirup, Chuttney oder auch in Gebäck.

Vogelbeerschnaps hat in einigen Regionen Österreichs eine lange Tradition, so in Tirol, in der Region Salzburg und in der Steiermark. Beim Destillieren wird die Parasorbinsäure durch das Erhitzen vollständig abgebaut.

Sorbinsäure (E 200) wird übrigens als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet.

Im „keltischen Baumkreis“ (keltischen Baumhoroskop) gehört die Eberesche zu den Lebensbäumen. Allerdings ist der keltische Baumkreis eine freie Erfindung des keltischen Neopaganismus (siehe dazu Wikipedia) aus dem 20. Jahhundert und hat mit den Kelten nichts zu tun.

Die Eberesche ist eine gute Nahrungsquelle für Vögel, Insekten und Säugetiere. Die Früchte wurden früher zur Schweinemast verwendet, was zum Namen Eberesche geführt haben könnte (Eber = das männliche Schwein). Wahrscheinlicher kommt der Name aber davon, dass die Blätter der Eberesche denjenigen der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) ähneln, obwohl die beiden Pflanzenarten nicht verwandt sind.

Der Name Vogelbeeren stammt daher, dass die roten Beeren früher häufig als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.

Weitere Infos auch zur Bedeutung der Vogelbeeren für die Tierwelt hier:

Sind Vogelbeeren giftig?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne, Amygdalin, „Vitamin B17“ – unwirksam und in höheren Dosen giftig

Erneute Warnung vor Bitteren Aprikosenkernen als untaugliches Mittel zur alternativen Krebstherapie. Sie werden schon seit langem in der Alternativmedizin als Krebsheilmittel propagiert, auch unter dem Namen Amygdalin, Laetrile  oder „Vitamin B17“.

Bittere Aprikosenkerne enthalten einen relativ hohen Gehalt an Amygdalin. Von diesem cyanogenen Glycosid spaltet sich während der Verdauung hochgiftige Blausäure ab. Bei Einnahme grösserer Mengen besteht das Risiko einer Blausäurevergiftung.

Bittere Aprikosenkerne werden hauptsächlich zur alternativen Krebsbehandlung angepriesen. Es gibt aber bisher keine wissenschaftlichen Belege zur vorbeugenden oder heilenden Wirksamkeit bei Krebs. Amygdalin ist als giftige Substanz ohne Effekte bei der Krebstherapie einzustufen.

Von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und von Tox Info Suisse wurden schon mehrere Warnhinweise veröffentlicht.

Gemäss ToxInfoSuisse wird Verbrauchern dringend empfohlen, wenn überhaupt maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne täglich zu essen oder besser ganz darauf zu verzichten. Gemäss EFSA sollen Erwachsene nicht mehr als 1 grossen oder 3 kleine bittere Aprikosenkerne einnehmen. Bei kleinen Kindern ist die Menge auf maximal einen halben kleinen Aprikosenkern limitiert.

Arzneimittel mit Amygdalin oder seinen Derivaten (Mandelonitril oder Amygdalonitril, Laetrile) sind weder in der Schweiz noch in den Nachbarländern zugelassen und als bedenklich einzustufen. Trotzdem werden sie seit einiger Zeit wieder vermehrt – auch unter der irreführenden Bezeichnung „Vitamin B17“ – als alternatives Heilmittel in der Krebstherapie und zur Tumorvorbeugung beworben und eingesetzt.

Literatur:

_ANSES: Amandes d’abricot : un risque d’intoxication au cyanure, 27.07.2018

_Tox Info Suisse: Gefahr durch bittere Aprikosenkerne: die Menge macht‘s, 12.02.2015

_BfArM Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3 – September 2014

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5144&NMID=5144&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Warnungen erreichen allerdings diejenigen Leute kaum, die von der Wirksamkeit Bitterer Aprikosenkerne überzeugt sind. Es gibt da eine „Szene“, die für Argumente nicht mehr offen ist.

Das kann tödlich enden, wie in diesem Beispiel:

Alternativmedizin bei Krebs – gefährliche Esoterik

Aprikosenkerne gegen Krebs (Video)

Oder es kann zu Vergiftungen führen:

Aprikosen-Extrakt: Mann erleidet Zyanid-Vergiftung durch Alternativmedizin

Hier gibt es weitere Infos:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

Amygdalin / „Vitamin B17“ als angebliches Krebsmittel: alt, unwirksam und wieder aktuell

 

Alternative Krebstherapie mit Amygdalin: Bittere Aprikosenkerne / „Vitamin B17“ – unwirksam und toxisch

 

Ausführlichere Informationen auf Onkopedia.

Die Anpreiser dieser Methode berufen sich meist nur auf vollkommen unkontrollierte Anekdoten und verschanzen sich dann zum Beispiel hinter Sprüchen wie: Wer heilt hat recht!

Das aber ist ein irreführender Kurzschluss.

Siehe:

Komentärmedizin: Wer heilt hat Recht? (1)

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

 

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hausmittel bei Schnupfen und Halsschmerzen

Das Magazin „Stern“ berichtet über „natürliche Medizin“ in einem Artikel mit dem Titel:

„Diese Hausmittel helfen gegen Erkältung.“

Leider kommt der Text ungenau und etwas willkürlich daher. Aber schauen wir uns eine Passage detaillierter an:

„Die Naturapotheke hat einiges im Angebot: Läuft die Nase, können Tabletten oder Lösungen von Echinacea, Thuja, Eupatorium oder Kamille helfen. Bei Halsschmerzen bieten sich Wilde Malve, Salbei, Eibisch, Echte Kamille, Arnika, Tausendgüldenkraut und Enzian zum Gurgeln an.“

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/grippe/therapie/erkaeltung—die-besten-hausmittel-3215640.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schnupfen:

Echinacea (Sonnenhut), Eupatorium (Wasserdost) und Thujawerden als Immunstimulanzien eingesetzt. Wenn die Nase läuft, ist es dafür allerdings meist schon zu spät. Wenn akute angewendet, dann bei den allerersten Symptomen. Am besten untersucht ist Echinacea, wobei die Ergebnisse immer noch nicht eindeutig sind.

Thuja (Abendländischer Lebensbaum, Thuja occidentalis) wird phytotherapeutisch selten angewendet, dann aber in genau dosierbaren Extrakten (in Esperitox Präparaten), die auf einen bestimmten Gehalt an Inhaltsstoffen eingestellt sind. Thuja ist nämlich eine Giftpflanze. Das sollte meines Erachtens in einem solchen Text erwähnt werden, damit nicht irgendwer auf die Idee kommt, einen Kräutertee aus Thuja zu brauen. Thuja enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thujon.

Nach der Einnahme giftiger Pflanzenbestandteile kann es zu Schleimhautreizungen kommen und zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Brechreiz, Blähungen und Durchfall. In seltenen Fällen traten Schäden an Nieren und Leber sowie Krampfanfälle auf. Bei Tieren kann der Verzehr zum Tod führen. Zu Vergiftungen kommt es insbesondere, wenn Heckenschnitt mit Thuja auf Weideplätzen entsorgt wird.

Thuja wird in Europa häufig angepflanzt, hauptsächlich als zypressenähnlicher Baum auf Friedhöfen und als ganzjährig blickdichte Hecke in Gartenumfriedungen.

Äusserlich wird Thuja-Tinktur aufgrund der hautreizenden Wirkung manchmal punktuell gegen Warzen eingesetzt. Dabei kann es aber auch zu unerwünschten Hautirritationen kommen.

Da Thuja in der Homöopathie als wichtiges Mittel gilt, wird es gerne als Globuli verabreicht. Weil dann die Ausgangssubstanzen in der Regel mindestens 1: 1 000 000 mal verdünnt werden, sind keine Inhaltsstoffe mehr vorhanden, die toxisch wirken könnten. Eine Wirksamkeit ist aber wie bei allen Homöopathika nicht belegt.

Kamille (Matricaria recutita) kann sinnvoll sein bei Schnupfen, doch fehlt hier der Hinweis, dass die Pflanze am besten als Inhalation angewendet wird. Kamillentee ist sinnlos bei Schupfen.

 

Halsschmerzen:

Wilde Malve (Malva silvestris) und Eibisch (Althaea officinalis) enthalten Schleimstoffe, die bei Halsschmerzen reizlindernd und schützend auf Schleimhäute wirken können. Ihnen fehlen aber Eigenschaften, die bei Halsschmerzen wichtig sind, nämlich antimikrobielle Wirkungen, wie sie Salbei zeigt, und direkt entzündungswidrige Wirkungen, wie sie Kamille entfaltet.

Salbei (Salvia officinalis) vereinigt antimikrobielle Wirkungen (durch ätherisches Salbeiöl) und entzündungswidrige Wirkungen (durch Lamiaceen-Gerbstoffe).

Arnika  (Arnica montana) ist eher unüblich bei Halsschmerzen, aber wegen entzündungswidrignen Effekten nicht unplausibel.

Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) und Enzian (Gentiana lutea) enthalten vor allem Bitterstoffe, die bei verschiedenen Verdauungsstörungen eingesetzt werden. Ihre Anwendung bei Halsschmerzen ist unplausibel und durch die Phytotherapie-Fachliteratur nicht gedeckt.

Die Berichterstattung über Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen von Heilpflanzen in den Medien ist von sehr unterschiedlicher Qualität und mehrheitlich fragwürdig.

Erwerben Sie sich eigenes und fundiertes Wissen. zum Beispiel in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ruediger Dahlke überzeugt nicht als Kokosöl-Verteidiger

Kokosöl wird als Superfood vermarktet, dem eine ganze Reihe von wunderbaren Eigenschaften zugeschrieben  wird. Unter anderem soll es gegen Alzheimer wirken.

Dass es für diese Versprechungen keinerlei Belege gibt und Kokosöl im Gegenteil sogar die Gesundheit schädigen kann, hat eine Medizin-Professorin der Universität Freiburg in einem Vortrag dargelegt.

In ihrem Vortrag bezeichnete Prof. Karin Michels Kokosöl als „schlimmer als Schweineschmalz und als reines Gift“. Der Vortrag und das Video auf YouTube stiessen auf grosse Resonanz, aber auch auf heftige Kritik der „Kokosöl-Gemeinde“.

Für die zugespitzte Formulierung hat sich die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg später entschuldigt, inhaltlich aber an ihrer Kritik festgehalten.

Im Magazin „Spuren“ hat der Fastenarzt und fragwürdige Esoteriker Ruediger Dahlke wiederum das Kokosöl verteidigt und Karin Michels heftig kritisiert. Er liefert damit ein bemerkenswertes Beispiel für miserable Argumentation. Ich gehe nur auf die ersten paar Sätze ein, weil eine umfassende Auseinandersetzung den Rahmen hier sprengen würde. Dahlke schreibt:

„Dass immer wieder Schulmediziner auf den alten Irrtümern beharren, ist nichts Neues, aber dieser Versuch ist doch ziemlich populär geworden. Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.

Ausserdem ignoriert sie die guten Erfahrungen, welche die US-Ärztin Mary Newport in der Behandlung ihres an Alzheimer erkrankten Mannes machte und im Buch Alzheimer vorbeugen und behandeln (VAK Verlag, Freiburg 2014) dokumentierte. Sie holte ihren Mann mittels mittelkettiger Fettsäuren, wie sie im Kokosöl enthalten sind, aus der Demenz zurück.“

Quelle:

https://spuren.ch/content/single-ansicht-news/datum////fette-vorurteile.html
Kommentar:

Schon der erste Satz ist fragwürdig: Man aktiviere einleitend das bewährte Feindbild „Schulmedizin“, dann hat man die Lesenden schon mal auf seiner Seite.

Aber schauen wir uns die eigentliche Argumentation an:

„Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.“

Dahlke weist also darauf hin, dass es den Menschen in Ländern, in denen viel Kokosöl konsumiert wird, „gut“ geht. Unklar bleibt, was unter „gut“ hier verstanden wird, und Dahlke geht offenbar fraglos davon aus, dass Kokosöl für dieses „gut gehen“ verantwortlich ist.

Ein abenteuerlicher Kurzschluss, der übersieht, dass eine ganze Reihe von Einflüssen für „gut gehen“ verantwortlich sein kann.

Und in diesen Ländern sollen die Menschen offen besonders schlank und fit bleiben. Auch hier wird das umstandslos dem Kokosöl gut geschrieben. Eine vollkommen willkürliche Argumentation.

Wer so schlampig und eindimensional argumentiert, könnte auch die tiefere Lebenserwartung in Thailand (74,7 Jahre) gegenüber der Schweiz (82, 6 Jahre) auf den höheren Kokosöl-Konsum in Thailand zurückführen (Quelle: Wikipedia)

Und sind die Menschen zum Beispiel auf den Philippinen tatsächlich so fit, wie Ruediger Dahlke es darstellt? Daran kann mit Fug und Recht gezweifelt werden:

„Jede Minute sterben neun Menschen an Herzkrankheiten. Das ist auch auf ungesunde Ernährung zurückzuführen. Der traditionelle Speiseplan aus Gemüse, Fisch und nur wenig Fleisch ist gerade in den Städten durch vorverarbeitete Lebensmittel, ungesunde Fertigkost und fettere Speisen ‚ergänzt‘ beziehungsweise verdrängt worden. Außerdem nimmt der Stress durch den wachsenden Leistungsdruck und das ‚moderne Leben‘ zu….

Offiziellen Gesundheitsindikatoren zufolge hat sich die Gesundheitssituation in den Philippinen in den letzten Jahren verbessert. Die Lebenserwartung ist von 1970 bis 2009 um zehn Jahre gestiegen, von 58 auf 71 Jahre. Nur: In vielen vergleichbaren Ländern hat sich die Situation im gleichen Zeitraum um einiges mehr gebessert. Und: Selbst wenn sie sich leicht gebessert hat, ist sie generell weiterhin als katastrophal zu bezeichnen. Denn einer prozentualen Abnahme steht eine Zunahme in absoluten Zahlen entgegen – des Bevölkerungswachstums wegen.“

Quelle:

http://vernetzte-er.de/dev/index.php?option=com_content&view=article&id=29&Itemid=46

 

Zur Gesundheit in Thailand schreibt Wikipedia:

„Herausforderungen, denen sich das Gesundheitssystem Thailands gegenübersieht, sind neue Epidemien wie die Vogelgrippe H5N1 oder Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit.“

Warum also stellt Ruediger Dahlke die Situation so verzerrt dar? Wohl weil es so besser zu seiner Kokosöl-Vorstellung und seinem Weltbild passt?

Dann verweist Dahlke auf die Erfahrungen der US-Ärztin Mary Newport, die ihren Mann mit Kokosöl aus der Demenz zurück geholt haben soll. Grundsätzlich lässt sich mit einer solchen anekdotischen Einzelfallschilderung nie Wirksamkeit begründen. Auch hier können weitere Faktoren mitgewirkt haben. Zudem kann Alzheimer einen wechselhaften Verlauf mit Verschlechterungen und Verbesserungen zeigen. Besserungsphasen werden dann gerne einem gerade zeitgleich verabreichten Mittel wie hier den Kokosöl zugeschrieben, während sie eigentlich nur den natürlichen Verlauf zeigen. Und wenn Dahlke schreibt, dass Mary Newport ihren Mann mittels Kokosöl aus der Demenz zurückgeholt hat, dann lässt er weg, dass Steven Jerry Newport 2016 an Demenz gestorben ist. Aber es würde natürlich den Reiz der Story stören, wenn man das erwähnen würde…..

Weitere Informationen zum angeblichen Superfood Kokosöl gibt es hier bei der Verbraucherzentrale Hamburg:

Inzwischen haben auch eine Reihe von Fachleuten zur Debatte um Kokosöl Stellung genommen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl, die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sagte der Nachrichtenagentur dpa, Kokosöl enthalte viele gesättigte Fettsäuren, die eine Gesundheitsgefahr darstellten und unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigerten. Kokosöl habe zu Unrecht ein positives Image, erklärte Gahl. Die Aussagen von Michels seien pointiert, in der Sache seien sie jedoch korrekt. Mehrere internationale Studien belegen laut Gahl das Gesundheitsrisiko, das von Kokosöl ausgeht. Wer Kokosöl gelegentlich zum Kochen nutze, müsse sich keine Sorgen machen, sagte die Ernährungswissenschaftlerin. Häufig verwendet, sei es aber schädlich. Schlicht falsch seien die Versprechungen der Werbung, dass Kokosöl beim Abnehmen helfe.

Besser als Kokosöl seien Pflanzenöle wie zum Beispiel Rapsöl, Sojaöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Leinöl. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren und gelten daher als weniger bedenklich. Ungesättigte Fettsäuren seien gut für Herz und Kreislauf des Menschen, sagt Gahl.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ sprach mit der Wiener Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer über Kokosöl.

Die Ernährungswissenschafterin und Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (Ages) sagt zu den Versprechungen, mit Kokosöl könne man leichter abnehmen oder es helfe gar gegen Demenz und Alzheimer:  „Das ist wissenschaftlich absolut nicht belegt, dazu gibt es keine seriösen Studien.“

Kokosöl sei tatsächlich von allen tierischen und pflanzlichen Ölen jenes, das den höchsten Gehalt an gesättigten Fettsäuren habe – er liege bei 90 Prozent, im Vergleich dazu enthalte Butter knapp unter 70 und Schweineschmalz 41 Prozent.

Kiefer lässt nur einen Vorteil von Kokosöl gelten: „Es ist beim Anbraten und Backen hitzestabil, weil der Schmelzpunkt niedrig und der Rauchpunkt hoch ist.“ Diesen Vorteil haben allerdings auch andere, gesündere Öle. Als gesündere Alternative zum Erhitzen raten die Experten etwa zu Olivenäl, Rapsöl oder Erdnussöl.

Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, sagt dem “Standard“: „Ich verstehen den Hype um das Kokosöl nicht. Ihm werden positive Eigenschaften zugeschrieben, die mir nicht verständlich sind. Es enthält viele gesättigte Fettsäuren, von deren Konsum wir eher abraten.“ Eine bessere Alternative zu anderen pflanzlichen Ölen sei Kokosöl deshalb nicht.

König sagt aber auch, dass weder Kokosöl noch Schweineschmalz ein Gift ist und dass es immer um die Menge gehe:  „Es schmeckt halt, deshalb ist es völlig legitim, Kokosöl in die Ernährung einzubauen. Abwechslung ist schließlich gut. Wenn sich der Konsum in Grenzen hält, ist der Genuss von Kokosöl genauso in Ordnung wie der von Schweineschmalz.“

Quelle:

https://derstandard.at/2000085910930/Ernaehrungsexperte-Kokosoel-ist-kein-Gift-Schmalz-auch-nicht

Kokosöl oft mit schlechter Ökobilanz

Auch aus Sicht des Naturschutzes ist Kokosöl fragwürdig. Es hat wegen langer Lieferwege und oft fragwürdiger Anbaumethoden eine schlechte Öko-Bilanz. Darauf weist Ilka Petersen hin, Referentin Landnutzung und nachhaltige Biomasse bei der Umweltorganisation WWF Deutschland. Ökologische und soziale Mindeststandards würden beim Anbau kaum eingehalten und der Handel setze Kokosbauern zunehmend unter Druck. Diese könnten von ihren Erträgen trotz gestiegener Nachfrage kaum leben, der Großteil der Gewinne gehe an die vielen Zwischenhändler der Branche. Ilka Petersen fordert, dass die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Bauern dringend verbessert werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Diese Stellungnahmen von Fachleuten zeigen meines Erachtens deutlich, wie fragwürdig die Argumentation von Ruediger Dahlke daher kommt.  Der Esoterik-Autor und das spirituelle „Spuren“-Magazin bewirtschaften hier schlicht und einfach das plumpe Feindbild „Schulmedizin“. Diese Feindbild-Bewirtschaftung ist ja eigentlich nicht so ganz kompatibel mit dem Weltbild, das sie sonst so predigen – aber was solls: Wenn man eine genügend unkritische Fangemeinde hat, mit der man diese Feindbilder teilt, dann wird der Widerspruch nicht zum Thema werden. Fundierte Argumente haben dann keine Bedeutung mehr.

Auch predigen genau diese Kreise stets von Ganzheitlichkeit, führen hier jedoch „gut gehen“ und „fit sein“ der Menschen zum Beispiel auf den Philippinen, aber auch die Heilung von Alzheimer eindimensional und monokausal auf Kokosöl zurück.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

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Apothekerin verbannt Homöopathika aus dem Laden

Eine Apothekerin in Weilheim (Deutschland) hat mit sofortiger Wirkung ihr Regal mit homöopathischen Mitteln geräumt, weil sie es nicht länger mit ihrem Gewissen vereinbaren kann, Globuli zu verkaufen.

Das Portal Apotheke Adhoc schreibt dazu:

«Der Wendepunkt kam vor rund zwei Wochen im Notdienst. „Ein Kunde hat mich wegen Arnika-Globuli rausgeklingelt“, erzählt sie. Der Mann hatte nach einem Haushaltsunfall Verbrennungen. Die Apothekerin riet ihm, ins Krankenhaus zu fahren. Das wollte der Mann nicht, er vertraute auf die Kraft der Arnika. „Ich habe ihm in einer gefährlichen Situation etwas gegeben, das ihm überhaupt nicht hilft“, erklärt Hundertmark. Diesen Zweifeln möchte sie sich nicht länger aussetzen.

Das Homöopathie-Regal in ihrer Bahnhof-Apotheke hat sie deshalb in der vergangenen Woche rigoros geleert, die Ware geht nun an die Lieferanten zurück. Es war kein spontaner Entschluss: „Ich habe mich mit diesem Thema schon länger beschäftigt. Wir sind als Apotheker angehalten, leitliniengerecht zu beraten. Bei Homöopathie tun wir das nicht. Schulmedizin und Homöopathie werden bei der Abgabe unterschiedlich behandelt.“»

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/nie-wieder-globuli/

Kommentar & Ergänzung:

Dass „Schulmedizin“ und Homöopathie bei der Abgabe unterschiedlich behandelt werden, stimmt natürlich. Der Unterschied besteht aber schon bei der Zulassung als Heilmittel, bei der Homöopathika grundsätzlich von Wirksamkeitsnachweis befreit sind.

Dieser Entscheid der Apothekerin ist hart, aber ehrlich. Sie begründet ihn damit, das es „keine evidenzbasierten Studien“ gibt: „Ich gebe die Globuli ab, ohne die Kunden darauf aufmerksam zumachen, dass sie eventuell nur ein Placebo kaufen.“

Dass qualitativ gut gemachte Studien gegen einen spezifischen Effekt der Globuli sprechen, ist inzwischen hinlänglich belegt. Dass manche Patienten vom „Gesamtkonzept“ Homöopathie profitieren können, lässt sich allerdings auch zeigen. Zum Beispiel in dieser Studie:

Wirkt Homöopathie? Und wenn ja: wie?

Die erwähnten Arnika-Globuli wurden sehr oft bezüglich ihrer Wirksamkeit bei stumpfen Verletzungen untersucht. Auch zwei Autoren, die der Homöopathie nahe stehen, haben bei der Auswertung von insgesamt 49 Studien statistisch keinen Unterschied zu Placebo nachweisen können. Die interpretierten Behandlungserfolge dürften durch den natürlichen Heilungsverlauf der Verletzung zustande kommen.

Homöopathie: Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen wirksam?

 

Allerdings muss man zur Leerräum-Aktion dieser Apothekerin noch sagen, dass nicht nur den Homöopathika die Bestätigung der Wirksamkeit durch Studien fehlt. Das betrifft genauso Bach-Blüten, Schüssler-Salze, einen Teil der Heilpflanzen-Präparate und einen Teil der synthetischen Arzneimittel.

Eine Apotheke oder Drogerie, die ausschliesslich Arzneimittel verkauft, deren Wirksamkeit durch hochwertige Studien belegt ist, wird wohl nicht sehr lange überleben.

Wichtig scheint mir Transparenz. Die Kundinnen und Kunden sollten in Apotheken und Drogerien informiert werden, ob und wie gut die Arzneimittel bezüglich Wirksamkeit belegt sind. Hier hapert es aber oft.

Und viele Kundinnen und Kunden sind sehr schlecht informiert, beziehen ihr Wissen ausschliesslich aus der Werbung oder vertrauen dem beliebten Kurzschluss:

„Wer heilt hat Recht!“

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – wer heilt hat Recht?

Wer sich in diesen Bereichen zurecht finden will, kommt nicht darum herum, sich eigenes Wissen anzueignen.

Eine Möglichkeit dazu sind meiner Lehrgänge – die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Benzodiazepine: Jede vierte Verordnung bei älteren Personen führt zur Abhängigkeit

Benzodiazepine sind eine Medikamentengruppe, die häufig gegen Schlafstörungen eingesetzt wird. Bekannte Präparate sind Valium, Lexotanil, Seresta und Temesta.

Der Missbrauch und die Abhängigkeit von Benzodiazepinen ist seit etwa 40 Jahren ein Thema. Das Abhängigkeitspotenzial dieser Medikamente wird häufig unter­schätzt.

Nach einer Studie, die in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.2413) publiziert wurde, erhielt ein Viertel aller älteren Patienten, denen Nichtpsychiater Benzodiazepine verschrieben hatten, auch nach einem Jahr weiterhin Rezepte.

Gerade im Alter sollten Benzodiazepine jedoch zurückhaltend eingesetzt werden.

Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Die Teilnehmenden des US-Programms SUSTAIN („Supporting Seniors Receiving Treatment and Intervention“), das Senioren mit niedrigem Einkommen unterstützt, waren durchschnittlich 78 Jahre alt, als ihnen zum ersten Mal ein Benzodiazepin verordnet wurde. Dabei sollten Benzodiazepine Patienten über 65 Jahre nur im Ausnahmefall verordnet werden, erläutert Lauren Gerlach, die an der Universität in Michigan ein „Program for Positive Aging“ betreut.

SUSTAIN dokumentiert ausschliesslich Verordnungen von Nicht-Fachärzten. Diese Nicht-Fachärzte hatten Benzodiazepine in der Regel gegen Schlafstörungen verordnet. Da sich die Schlafstörungen mit diesen Medikamenten zwar (vorübergehend) verbessern, die Ursachen jedoch nicht beseitigt werden, besteht die Gefahr, dass Folgerezepte ausgestellt werden. Die Patienten, die ein Jahr nach der ersten Verordnung weiterhin Benzodiazepine bekamen, gaben viermal häufiger einen sehr schlechten Schlaf an als Patienten, die nur kurzzeitig Benzodiazepine einnahmen.

Gesamthaft lag der Anteil der Patienten mit einer chronischen Verschreibung in dieser Untersuchung bei 26,4 Prozent (152 von 576 Patienten). Lauren Gerlach empfiehlt den Allgemeinmedizinern, bei der Erstverschreibung von Benzodiazepinen immer auch den Ausstieg zu planen.

Das Problem der übermäsigen Benzodiazepin-Verordnung ist nicht auf die USA begrenzt. In Deutschland bekommen zirka 4 bis 5 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten jährlich mindestens eine Verordnung eines Benzodiazepins oder eines Benzodiazepin-Derivats. Wie gross die Zahl der Menschen in Deutschland ist, die von Benzodiazepinen abhängig sind, ist nicht bekannt. Die Schätzungen liegen zwischen  128.000 und1,6 Millionen.

 

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97784/Benzodiazepine-Jede-vierte-Verordnung-bei-aelteren-Menschen-fuehrt-zur-Abhaengigkeit

 

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2701626

 

Kommentar & Ergänzung:

Benzodiazepine sind in bestimmten Situationen wichtige Medikamente, zum Beispiel in der Psychiatrie. Aber so breit und langfristig, wie sie seit langem eingesetzt werden, gegen Schlafstörungen und Spannungszustände im Alltag, das ist skandalös. Das hohe Abhängigkeitspotenzial ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde von den Herstellern kosequent kleingeredet. Irgendwie ist es auch absurd, dass chronischer Gebrauch von Benzodiazepinen gegen Schlafstörungen Schlafstörungen fördern kann.

Und damit das klar ist: Mir geht es nicht darum, ein plumpes, pauschales Feindbild „böse Pharmaindustrie“ zu bewirtschaften. Es gibt nützliche, wertvolle und notwendige Medikamente. Das soll aber nicht davon abhalten, Missstände klar zu benennen. Das hier ist ein solcher Missstand.

Schlafstörungen und Spannungszustände im Alltag sollten in erster Linie mit nicht-medikamentösen Bewältigungsstrategien angegangen werden. Unterstützend können auch Heilpflanzen-Anwendungen als Option in Frage kommen. Ätherische Öle wie Lavendelöl, Kräutertees wie Zitronenmelisse oder Orangenblüten, Phytopharmaka wie die Kombipräparate aus Baldrianextrakt und Hopfenextrakt. Sie helfen nicht in jedem Fall, sind aber völlig frei von jedem Abhängigkeitsrisiko. Deshalb lohnt es sich, sie in die Behandlungsoptionen einbezogen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] „Schwarzbuch AfD – Fakten, Figuren, Hintergründe“, von Marcus Bensmann

Verlagsbeschreibung

 

Wir erklären in unserem Schwarzbuch AfD die Geschichte der rechten Populisten, erläutern ihre soziale Basis, zeigen ihre Köpfe, und was sie sagen, klären über die Finanziers der Populisten, ihre völkische Ideologie, ihre Unterstützer und die Medien der Neuen Rechten auf. Als Bonus machen wir einen Faktencheck der Themen der AfD.

Autorinnen und Autoren

Marcus Bensmann, Justus von Daniels, Markus Grill, Ariel Hauptmeier, Camilla Kohrs, Marta Orosz, Tania Röttger, Nándor Hulverscheidt, Meret Michel. Zum Shop

 

Kommentar von Martin Koradi

Das „Schwarzbuch AfD“ ist ein kompaktes, informatives Werk, das von der Recherche-Organisation Correctiv publiziert wurde.

Die Autorinnen und Autoren zerpflücken das Programm der Partei in verschiedenen Abschnitten: Arbeitslosenversicherung, Mindestlohn, Steuern, Familienbild, Abtreibung, Alleinerziehende, Asyl und Einwanderung, Islam und Judentum, Direkte Demokratie, Euro, Aussenpolitik (EU, NATO, Russland).

Es ist eindrücklich zu lesen, wie abgehoben, widersprüchlich und weltfremd die Ausführungen im AfD-Programm über weite Strecken sind, zum Beispiel beim Thema Familienbild. Wenn die AfD ausserhalb ihrer Lieblingsthemen Lösungen bieten sollte, hat sie kaum etwas zu bieten. Die Gegner der AfD sollten die Partei an diesen Punkten festnageln und das „Schwarzbuch AfD“ gibt dazu reichlich Material.

Das „Schwarzbuch AfD“ beschreibt auch Positionen und Hintergründe von zentralen Figuren der AfD: Frauke Petri, Björn Höcke, Marcus Pretzell, Jörg Meuthen, Alice Weidel, Alexander Gauland, Beatrix von Storch, André Poggenburg, Josef Dörr, Markus Frohmaier, Hans-Thomas Tillschneider.

Ein wichtiger Abschnitt thematisiert die Förderer und Financiers der AfD. Allerdings weiss auch das Correctiv-Team nicht, wer die anonymen Sponsoren des ominösen „Vereins“ sind, welcher die AfD  mit Millionen unterstützt.

Das Erstarken der rechtsradikalen und völkischen Tendenzen sowie des Antisemitismus in der Partei wird ebenso dargestellt wie die Medien, die mit der AfD verbunden sind.

Für Gegner der AfD ist das Buch eine Fundgrube. Darüber hinaus kann es auch Leserinnen und Lesern in der Schweiz einen Einblick geben in politische Vorgänge und Positionen, die in der einen oder anderen Form auch bei uns zu beobachten sind.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

Minze und Pfefferminze – wo liegt der Unterschied?

Oft wird mit „Minze“ in erster Linie die bekannte „Pfefferminze“ gemeint. Ihr belebender, scharfer Geschmack erinnert ein wenig an Pfeffer. Wegen ihres hohen Gehalts an Menthol ist die Pfefferminze auch für die Heilkunde interessant.

Ein Glas Pfefferminztee kann lindernd auf Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten wirken. Für  die Zubereitung werden einige frische Blätter mit heißem Wasser übergossen. Anschließend abgedeckt etwa 6 bis 8 Minuten ziehen lassen und dann absieben.

Die Pfefferminze wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel für Kaugummis, Pralinen und Eis verwendet.

Sie trägt den botanischen Namen Mentha x piperita und soll natürlicherweise als Kreuzung zwischen Krauseminze (Grüne Minze) und Bachminze (Wasserminze) entstanden sein. Das x im botanischen Pflanzennamen ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kreuzung handelt.

Die Gattung Mentha (Minze) gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceen) und umfasst rund 30 unterschiedliche Arten und viele Kreuzungen. Die Minzen sind mehrjährigen, krautigen Pflanzen, können 20 bis 100 Zentimeter hoch werden und viele sind in Europa heimisch. Sie unterscheiden sich oft deutlich im Aussehen, aber auch im Geschmack.

Die Schärfe der Pfefferminze ist nicht jedermanns Geschmack, sodass sie zum Kochen und für kalte Getränke nur selten verwendet wird. Für diese Zwecke eignen sich andere Minzen besser.

Die Grüne Minze zum Beispiel wird gerne zum Würzen von Blattsalaten, Chutneys, Fleisch und Fisch genutzt.

Die Marokkanische Minze dient der Verfeinerung von Reis, Bulgur und sommerliche Cocktails, während die Schokominze speziell gut zu Süßspeisen passt. Obstsalate bekommen mit fruchtigen Minzen eine spezielle Note. Gibt man einen Stängel Erdbeerminze in eisgekühltes Mineralwasser, bekommt man ein erfrischendes Getränk.

Im Garten benötigt die Pfefferminze nur wenig Pflege, wenn der Boden humusreich und ausreichend feucht ist. Mentha piperita mag leicht schattige, jedoch warme Standorte unter Bäumen und vor Sträuchern. Allerdings kann sich die Pfeferminze rasch im ganzen Garten ausbreiten, da sie sich über unterirdische Ausläufer vermehrt. Im späten Frühjahr liefert sie die ersten aromatischen Blätter.

Der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist kurz vor der Blüte am höchsten. Die beste Zeit für die Ernte sollen die frühen Morgenstunden sein, da der Gehalt an ätherischem Öl bis zum Abend sinkt. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über dem Boden ab und hängt sie in Büscheln zum Trocknen auf. So kann das feine Minzaroma ganzjährig konserviert werden.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-20-vom-17-mai-2017-30212.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Von allen Minzenarten ist für die Phytotherapie die Pfefferminze mit Abstand am wichtigsten. Pfefferminzblätter enthalten etwa 0,5 – 4,0 % ätherisches Pfefferminzöl mit einem Anteil von 35 – 45 % Menthol. Menthol wirkt antimikrobiell, gallenflussfördernd und krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darmes. Ausserdem löst es auf der haut einen Kühleffekt aus, genauer die Empfindung von kühl.

Die Krauseminze (Mentha spicata) enthält etwa 0,8 – 2,5% ätherisches Öl, das sich in seiner Zusammensetzung prägnant von Pfefferminzöl unterscheidet. Es enthält als Hauptkomponente 40 – 80 % Carvon, ein Keton, das auch als charakteristischer Inhaltsstoff des ätherischen Kümmelöls bekannt ist. Mentha spicata verströmt einen Kaugummi-Geruch („Spearmint).

In der Heilkunde wird zudem die Ackerminze genutzt (Mentha arvensis). Ihr ätherisches Öl kommt unter Bezeichnungen wie Minzöl, Japanisches Minzöl oder Japanisches Heilpflanzenöl in den Handel und enthält  25 – 40 % Menthol.

Siehe dazu:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

In der Natur trifft man bei uns am häufigsten die Rossminze an (Mentha longifolia). Sie wächst bis zu 1 Meter hoch und braucht nassen stickstoffreichen Boden. Da sie unangenehm nach Petroleum riecht, eignet sie sich eher weniger zur Teezubereitung.

Die Wasserminze (Mentha aquatica) ist eine Sumpfpflanze und kommt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoff- und basenreichen Böden vor. Sie verströmt den charakteristischen Minzduft besonders intensiv, nur schon wenn man in der Natur auf ein Blatt tritt, kann man den Minzgeruch oft deutlich wahrnehmen. Die Pflanze duftet, auch ohne dass man die Blätter zerreibt. Zur Linderung von Magenbeschwerden und zur Steigerung der Gallenproduktion steht die Wasserminze der Pfefferminze kaum nach.

Auf Wikipedia findet sich der Hinweis:

„Die Wasserminze zählte neben dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem Eisenkraut (Verbena officinalis) zu den heiligen Kräutern der Druiden.“

Leider fehlt dort eine Quellenangabe. Zudem wurde uns von den Druiden selbst mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Als Grund dafür wird zumeist das von Gaius Iulius Caesar berichtete Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

(Quelle: Wikipedia)

Daher sind heute verbreitete Angaben zu Heilkräutern der Druiden oft willkürlich, widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen.

Zur Gattung der Minzen siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Zur Pfefferminze in der Phytotherapie:

Pfefferminztee bei Verdauungsbeschwerden

Pfefferminzöl bewährt sich bei Spannungskopfschmerzen:

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl wirkt als magenresistente Kapsel verabreicht krampflindernd bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile):

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom schmerzlindernd

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

[Buchtipp] „Faschismus – eine Warnung“, von Madeleine Albright

Verlagsbeschreibung

„Manche mögen dieses Buch und besonders seinen Titel alarmierend finden. Gut!“

MADELEINE ALBRIGHT

Weltweit kommt es zu einem Wiedererstarken anti-demokratischer, repressiver und zerstörerischer Kräfte. Die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright zeigt, welche großen Ähnlichkeiten diese mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts haben. Die faschistischen Tendenzen treten wieder in Erscheinung und greifen in Europa, Teilen Asiens und den Vereinigten Staaten um sich.
Albrights Familie stammt aus Prag und floh zweimal: zuerst vor den Nationalsozialisten, später vor dem kommunistischen Regime. Auf Grundlage dieser Erlebnisse und der Erfahrungen, die sie im Laufe ihrer diplomatischen Karriere sammelte, zeichnet sie die Gründe für die Rückkehr des Faschismus nach. Sie identifiziert die Faktoren, die zu seinem Aufstieg beitragen und warnt eindringlich vor den Folgen.
Doch Madeleine Albright bietet auch klare Lösungsansätze an, etwa die Veränderung der Arbeitsbedingungen und das Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen nach Kontinuität und moralischer Beständigkeit. Sie zeigt, dass allein die Demokratie politische und gesellschaftliche Konflikte mit Rationalität und offenen Diskussionen lösen kann.  Zum Shop

Zur Autorin Madeleine Albright

Madeleine Albright wurde 1937 als Madlenka Korbelová in Prag geboren. Ihre Familie emigrierte 1948 in die USA. Sie war von 1997 bis 2001 unter Präsident Bill Clinton Außenministerin der USA. Seit den Siebzigerjahren prägte Albright die amerikanische Innen- und Außenpolitik als Mitglied der Demokratischen Partei. Von 1978 bis 1981 war sie Mitglied des US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsrats und ab 1993 US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Seitdem ist sie als Universitätsdozentin tätig und leitet eine Consulting-Firma in Washington. Auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt ist Albright weiterhin eine wichtige Stimme der internationalen Politik und gehört zu den beliebtesten Politikern der USA.

Kommentar von Martin Koradi

Madelaine Albright, die mit ihrer Familie vor beiden Totalitarismen des 20. Jahrhundert fliehen musste weiss, wovon sie spricht, wenn sie vor einem neuen Faschismus warnt.

Dies ganz im Gegensatz zu Menschen meiner Generation, die politisch bisher in einer Art Wellness-Zone gelebt haben. Kein Krieg, kein gravierender Wirtschaftszusammenbruch, stabile Verhältnisse. Unverdient Glück gehabt.

Das kann allerdings dazu führen, dass solche Bedingungen als selbstverständlich empfunden und Warnzeichen übersehen werden, wenn Wolken aufziehen. Die kommt die Warnung von Madelaine Albright vielleicht gerade zur rechten Zeit.

Sie beschreibt das Aufkommen Mussolinis in Italien, Hitlers in Deutschland und Francos in Spanien.

Aktuellere Vorgänge wie die nationalistischen Exzesse auf dem Balkan und autoritäre Entwicklungen wie zum Beispiel in Venezuela unter Chávez oder unter Orban in Ungarn schildert Albright auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen als Aussenpolitikerin.

Wer sich schon intensiver mit Nationalsozialismus, Faschismus in Italien und der Zeit seit dem Ende des 2. Weltkriegs bis in die Gegenwart auseinandergesetzt hat, wird in den Schilderungen wohl nicht viel neue Fakten finden. Weniger historisch informierten Personen bieten diese Kapitel aber einen guten Überblick.

Und der anekdotische Charakter, der dabei immer wieder aufkommt, vermittelt interessante Einblicke.

Interessanter als die zeithistorischen Vorgänge sind aber die grundsätzlicheren Gedanken der Autorin zu ihrem Thema, die im Verlaufe des Buches zunehmend eingestreut werden.

Albright verweist auf den italienischen Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Primo Levi, von dem der Satz stammt, jedes Zeitalter habe seinen eigenen Faschismus. Faschistische Tendenzen zeigen sich heute anders als in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Für verschiedene Varianten und Anfänge zu sensibilisieren gelingt dem Buch meines Erachtens.

Am ergiebigsten finde ich das 17. und letzte Kapitel. Hier schildert Albright zum Beispiel, wie Demagogen aufsteigen:

„Der Lauf der Geschichte zeigt, dass Demagogen es oft besser als ihre demokratischen Gegner verstehen, die Massen zu begeistern, und fast immer sind sie erfolgreicher, weil man sie für entscheidungsfreudiger und urteilsstärker hält.

Sind die Zeiten relativ ruhig, fällt es uns nicht schwer, geduldig zu sein und zu akzeptieren, dass komplizierte politische Probleme gründliche Überlegung erfordern. Dementsprechend erwarten wir von unserer politischen Führung, dass sie Fachleute zurate zieht, alle verfügbaren Informationen berücksichtigt, Annahmen kritisch prüft und uns die Möglichkeit gibt, zu den vorgeschlagenen Optionen Stellung zu nehmen. Langfristige Planung und sorgfältiges Abwägen erscheinen uns unerlässlich. Doch sobald wir uns einbilden, es müsse sofort gehandelt werden, ist unsere Geduld mit dem umsichtigen Vorgehen am Ende.

Dann wollen viele von uns nicht mehr nach ihrer Meinung gefragt werden, sondern nur noch gesagt bekommen, wohin sie zu marschieren haben. Genau an diesem Punkt beginnt der Faschismus: wenn alle anderen Optionen unzulänglich erscheinen.“

Albright sieht das “Verlangen nach sofortigen Lösungen“ an Anfang faschistischer Entwicklungen.

Vor allem in Phasen der Angst, Wut oder Ratlosigkeit seien wir „womöglich gerne bereit, als Gegenleistung für Orientierung und Ordnung unsere Freiheit partiell preiszugeben – oder, weniger schmerzhaft, die Freiheit anderer.“

Albright kommt natürlich auch ausführlich auf Donald Trump zu sprechen und macht sich unter anderem Sorgen, dass dieser ein antidemokrtisches Vorbild abgibt für Staatschefs aus aller Welt:

„Die Staatschefs weltweit beobachten und imitieren einander. Sie registrieren genau, in welche Richtung ihre Amtskollegen steuern, womit sie ungestraft davonkommen und wie sie ihre Macht erhalten und ausbauen. Sie folgen einander in den Fussstapfen, so wie Hitler Mussolini gefolgt ist. Und heute bewegt sich die Herde in eine faschistische Richtung.“

Madelaine Albright stellt zum Schluss ihres Buches eine Reihe von Fragen zusammen, mit denen sich prüfen lässt, wie stark demagogische und autoritäre Neigungen angehender Führer sind:

„Bedienen sie unsere Vorurteile, indem sie suggerieren, dass Menschen, die nicht unserer Ethnie, Glaubensgemeinschaft oder Partei angehören, weder Würde noch Respekt verdienen?

Wollen sie uns zur Wut gegen jene anstacheln, die uns vermeintlich Böses zugeführt haben, unseren Missmut schüren und uns zur Vergeltung aufrufen?

Animieren sie uns, die staatlichen Institutionen und das politische Wahlverfahren zu verachten?

Versuchen sie, unser Vertrauen in grundlegende Elemente der Demokratie wie die unabhängige Presse und die unabhängige Rechtssprechung zu zerstören?

Beuten sie die Symbole des Patriotismus aus – die Nationalfahne, den Treuschwur – , um uns gezielt gegeneinander auszuspielen?

Wenn sie Wahlen verlieren – akzeptieren sie dann das Ergebnis, oder beharren sie darauf, gewonnen zu haben, ohne irgendeinen Beweis dafür zu erbringen?

Werben sie nicht nur um Stimmen, sondern brüsten sie sich ihrer angeblichen Befähigung, sämtliche Probleme und Ängste beseitigen und jedes Verlangen erfüllen zu können?

Buhlen sie um unseren Beifall, indem sie wie selbstverständlich und mit Machogehabe zur Anwendung von Gewalt gegen Opponenten aufrufen?

Klingt bei ihnen Mussolinis Parole «Die Masse muss nicht wissen, sondern glauben; sie muss sich unterwerfen und lenken lassen» an?

Oder laden sie uns dazu ein, gemeinsam mit ihnen eine Gesellschaft zu erschaffen, in der Rechte und Pflichten gerecht verteilt sind, der Gesellschaftsvertrag gewürdigt wird und alle Menschen sich entfalten und ihre Träume verwirklichen dürfen?“

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Aus Buchbesprechungen

„Madeleine Albrights Buch kommt gerade zur richtigen Zeit: Aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen, was es für die Zukunft zu verteidigen gilt.“
Marion Ammicht, ARD TTT

„Ein Buch, das zur rechten Zeit kommt und hoffentlich viele Leser findet.“
Joschka Fischer, RADIO EINS

„Diese Frau denkt immer im Maßstab des gesamten Globus“
Christoph Scheuermann, DER SPIEGEL

„Madeleine Albright bringt Licht ins Dunkel rechtspopulistischer Machenschaften.“
Anna Ernst, ZDF LITERARISCHES QUARTETT

„Erst Tschechoslowakin, dann Amerikanerin, erst Katholikin, dann Jüdin, erst Flüchtlingskind, dann Außenministerin: Madeleine Albright führt ein Jahrhundertleben. Nun warnt sie vor der Rückkehr des Faschismus“
Mareike Nieberding, SZ MAGAZIN

„Vor [ihren] persönlichen Erfahrungen, die sie oft einfließen lässt, führt Madeleine Albright auf unterhaltsame und intelligente Weise durch das 20. Jahrhundert.“
Alexander Cammann, DIE ZEIT

„Dass ein Werk mit diesem Titel von Rezensenten als ‚ein Buch, das zur rechten Zeit kommt‘ gelobt wird, lässt einen erschaudern.“
STERN

„Madeleine Albright, […] hat sich vom Herzen geschrieben, was ihr mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Sorgen bereitet. Das ist lesenswert.“
Günther Nonnenmacher, FAZ WOCHE

„Wenn man es […] polemisch formulieren will: Madeleine Albright hat ein Buch geschrieben, das vor allem wegen seines Titels und seiner Grundannahme wichtig ist. Das allerdings ist keine geringe Leistung.“
Ulrich Gutmair, TAZ

„Eine aufrüttelnde Warnung, die wichtig ist.“
Franziska Trost, KRONEN ZEITUNG

„eines der wichtigsten Bücher dieser Monate“
Arno Widmann,

BERLINER ZEITUNG, FRANKFURTER RUNDSCHAU

„Die frühere US-Außenministerin [legt] eine lesenswerte Arbeit vor, die die gegenwärtigen Umbrüche gut erklärt.“
Stefan Koch, RND

„Ein beunruhigendes und zugleich ermutigendes Buch.[…] ein Buch frei von plaudernder Nähkästchen-Eitelkeit.“
Marko Martin, DLF KULTUR

„Madeleine Albright lässt nicht locker.“
Eva Marburg, SWR 2

„Dass Albright Wendepunkte der Weltgeschichte persönlich erlebt hat, ist die größte Stärke des Buchs.“
Annett Meiritz, HANDELSBLATT

„Ein aufwühlend geschriebenes Werk“
Urs Gehriger, DIE WELTWOCHE

„Indem sie in der Geschichte faschistischer Systeme und ihrer Führer Muster sucht und aufdeckt, macht [Albright] die Gegenwart lesbar. […].Ein richtiger ‚Seitendreher‘, wie die Amerikaner packende Bücher nennen.“
Katharina Bracher, NZZ BÜCHER AM SONNTAG

„Madeleine Albright schrieb ein streitbares Buch. Sie fordert dazu auf, die richtigen Fragen an alle zu stellen, die nach Macht streben. Es geht darum, die Demokratie zu bewahren.“
Steffen Twardowski, SACHENLESEN.DE

„Mit ihrem neuen Buch ‚Faschismus. Eine Warnung‘ wirft die ehemalige Aussenministerin Madeleine Albright ein weiteres Schlaglicht darauf, warum der Faschismus heute eine größere Bedrohung darstellt als je zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.“
Elisabeth Bronfen, NZZ AM SONNTAG

[Buchtipp] „Inside AfD“, von Franziska Schreiber

Verlagsbeschreibung

Der Bericht einer Aussteigerin

Seit September ist die AfD mit 92 Abgeordneten im Bundestag vertreten und inszeniert einen medienwirksamen Konfrontationskurs zu den etablierten Parteien. Doch was treibt die Partei hinter den Kulissen an – und ist die Fremdenfeindlichkeit eine geteilte Grundposition aller? Niemand kann darüber besser Auskunft geben als Franziska Schreiber, die noch 2017 im Vorstand der Jungen Alternativen, der Jugendorganisation der AfD, saß. In ihrem Buch spricht sie Klartext über Antrieb, Ziele und Schwächen der AfD-Führung um Alexander Gauland sowie deren radikale Hetzer wie Björn Höcke. Die heute 27-Jährige trat 2013 in die AfD ein und machte eine steile Karriere. Innerhalb eines Jahres wird sie die Vorsitzende der Jungen Alternativen in Sachsen. 2017 ist sie im Bundesvorstand angekommen. Gegen den immer stärker und radikaler werdenden Flügel um Björn Höcke bezieht sie an Frauke Petris Seite Stellung. Entsetzt von den Aussagen, die innerhalb der AfD inzwischen üblich und akzeptiert sind, unternimmt sie mit anderen liberalen Mitgliedern im März 2017 einen letzten Versuch zur Kurskorrektur auf dem Bundesparteitag in Köln. Doch der Versuch scheitert. Es wird Zeit für eine Distanzierung. Ihren Parteiaustritt vollzieht sie eine Woche vor der Bundestagswahl 2017 öffentlich. Sie übernimmt die Verantwortung, die Wähler über den Rechtsruck der Partei aufzuklären. In ihrem Buch erzählt sie die ganze Geschichte der AfD und macht unmissverständlich deutlich, warum die Partei und ihre Anführer heute gefährlicher sind als je zuvor. Zum Shop

Aus Buchbesprechungen

„In ihrem Buch ‚Inside AfD’, aus dem die ‚Bild am Sonntag’ zitiert, schreibt Schreiber: ‚Frauke Petry forderte im Dezember 2015 Höckes Rücktritt und bereitete ein Parteiausschlussverfahren vor.’“                                                                                        wallstreet-online.de

„Das Buch ist eine knallharte Abrechnung“
BILD am Sonntag, 29.07.2018, S. 3.

„Jetzt rechnet sie in einem Buch mit der Partei ab, die sie als ‚voller Wut’ beschreibt.“
Bild.de, 28.07.2018

„Nach Angaben der AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber soll Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen die damalige AfD-Chefin Frauke Petry zum Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke gedrängt haben.“
FOCUS Online, 29.07.2018

„Die 28-Jährige schreibt von einer Partei voller Angst, Hass und Wut: ‚Wer in der AfD-Blase lebt, ist unentwegt von negativen Gefühlen umgeben.’ Fakten seien in der AfD egal.“
huffingtonpost.de, 29.07.2018

Über die Autorin Franziska Schreiber

Franziska Schreiber, 1990 in Dresden geboren, wuchs in einem linken Elternhaus auf und machte 2008 Abitur. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften trat sie 2013 in die AfD ein und machte eine steile Karriere: Innerhalb eines Jahres wird sie Vorsitzende der Jungen Alternativen in Sachsen und stellvertretende Pressesprecherin, 2017 ist sie im Bundesvorstand angekommen. Kurz vor der Bundestagswahl trat sie aus der Partei aus und arbeitet seitdem als Abteilungsleiterin in einem Unternehmen in Dresden.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch bietet einen guten Einblick in die Stimmungen und internen Kämpfe in der AfD – aus der Perspektive einer jungen, engagierten Aktivistin, die rasch mit zentralen Figuren in Kontakt kam. Das gibt ein gutes Bild über die Radikalisierung der Partei. Wer eine systematische Auseinandersetzung mit den Positionen und Figuren der AfD sucht, ist mit dem „Schwarzbuch AfD“ der Recherche-Organisation Correctiv wohl besser bedient.

Aber das Stimmungsbild, das Franziska Schreiber vermittelt, ist ebenso aussagekräftig und erschreckend.

Programminhalte und die zentralen Figuren der AfD kommen in Schreibers Buch auch vor, sie sind aber eher an beschriebene Ereignisse gekoppelt und dadurch naturgemäss nicht systematische aufgeführt. Die Widersprüche der Partei kennt die Autorin von innen und es gelingt ihr eindrücklich, sie aufzuzeigen.

Franziska Schreiber zieht den Schluss:

„ Die Wähler der AfD unterschätzen deren rechtsextreme Ansichten. Wir müssen die richtigen Antworten auf diese Bedrohung finden.“

Das Buch „Inside AfD“ liest sich flüssig und eignet sich sehr gut für Leserinnen und Leser, die sich mit dem besorgniserregenden Phänomen AfD vertraut machen möchten.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytoherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.