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[Buchtipp] „Cannabis“ von Klaus Häussermann, Franjo Grotenhermen, Eva Milz

CannabisVerlagsbeschreibung

Cannabis auf Rezept!
1976 pries der Song „Legalize it!“ Cannabis als Medizin – und landete auf dem Index. 2016 lindert Vater Beimer in der „Lindenstraße“ seine Parkinsonsymptome mit Gras und hat die Nation auf seiner Seite. Ein weiter Weg – doch jetzt ist es so weit: Cannabis auf Rezept aus der Apotheke! Dieses Szenario ist brandneu und wirft ungewohnte Fragen auf:
Welche Sorten und Darreichungsformen von Cannabis sind verfügbar?
Wem wird was auf welcher rechtlichen Grundlage verschrieben?
Welche Indikationen sprechen auf Cannabis an?
Wie sind Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen für den Patienten?
Wie gestaltet sich Beschaffung, Lagerung und Prüfung in der Apotheke?
Die Autoren, ausgewiesene Experten für BtM und cannabisbasierte Arzneimittel, liefern Ihnen eine kompakte Arbeitshilfe für die Apotheke. Profitieren Sie von diesem Wissen!

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Zum Autor Klaus Häußermann

Dr. Klaus Häußermann studierte Biologie an der Universität Stuttgart. Die Promotion folgte am Dr. Margarete-Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart. Nach 20-jähriger Industrietätigkeit als Leiter Betäubungsmittel (BtM-Verantwortlicher, zuvor Leiter Med-Wiss. BtM & ZNS, ehemaliges Mitglied im Sachverständigenausschuss BtM beim BfArM) sind Schwerpunkte seiner freiberuflichen Tätigkeit Fortbildung (LAV Baden-Württemberg, verschiedene bundesweit auftretende Seminaranbieter) und Beratung im Betäubungsmittelwesen in Apotheke, Arztpraxis und Industrie. Er ist Autor von Fachartikeln in der Zeitschrift PTAheute und des BtM-Teils von „Das große PTAheute Handbuch“. Dr. Häußermann ist Mitglied der ACM/IACM und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Kommentar von Martin Koradi

Die Möglichkeiten für den legalen Einsatz von Cannabis als Arzneimittel waren lange Zeit aus ideologischen Gründen komplet verschlossen. Das ändert sich seit einigen jahren Schritt für Schritt.

In der Schweiz  sind unter gewissen Umständen pharmazeutische Präparate wie Dronabinol, Sativex, Cannabistinktur und Ölauszuge (Sativa Öl) mit einer Bewilligung des BAG legal erhältlich. In Deutschland hat der Bundestag im Januar 2017 das „Cannabisgesetz“ angenommen.  Damit können Ärzte und Ärztinnen Cannabisblüten verschreiben, wenn sie begründet eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf oder vorhandene Symptome erwarten. Die Krankenkassen müssen diese Therapie in solchen Fällen bezahlen. Der Anbau des medizinischen Cannabis wird in Zukunft Sache des Staates sein.

Diese veränderte gesetzliche Situation stellt Ärzte und Apotheker vor neue Herausforderungen und verlangt vertieftes Wissen über Wirkungen, Nebenwirkungen, Interaktionen, Anwendungsformen, Dosierungen etc.

Diese A4-Broschüre mit 51 Seiten liefert das nötige Know-how.

Die rechtlichen Erläuterungen beziehen sich natürlich auf die Situation in Deutschland und lassen sich nicht auf die Schweiz übertragen.

Von den fachlichen Ausführungen profitieren jedoch alle, die sich mit der medizinischen Anwendung von Cannabis befassen.

Die Wirkungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen, Risiken und Anwendungsformen (Präparate, Canabisblüten) werden detailliert und auf dem aktuellen Wissensstand beschrieben.

Als etablierte Indikationen für cannabisbasierte Medikamente führen die Autoren auf:

Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapie

Appetitlosigkeit und Kachexie (Auszehrung) bei Krebs- oder HIV/Aids-Patienten

Neuropathische und chronische Schmerzen

Spastik bei multipler Sklerose.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Professor Dr. Theo Dingermann, Seniorprofessor an der Universität Frankfurt, hat auf einer Fortbildungsveranstaltung die verschiedenen Cannabisarten mit ihren unterschiedlichen Wirkungen beschrieben.

Die Pflanzengattung Hanf (Cannabis) gehört in die Familie der Hanfgewächse und besteht aus drei verschiedenen Arten, auf die sich jede erhältliche Mischung oder Kreuzung zurückführen lässt: Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis.

Zu Cannabis sativa, der bekanntesten Art, sagt Dingermann:

„Das High, das solche Sorten erzeugen, wird meist als psychedelisch, verträumt und kreativitätsfördernd beschrieben. Der Effekt ist sowohl geistig als auch körperlich spürbar.“

Diese Cannabis-Sorten werden insbesondere zur Behandlung von Übelkeit und Brechreiz eingesetzt, beispielsweise verursacht durch eine Chemotherapie oder durch HIV/Aids-Medikamente, ausserdem bei Appetitlosigkeit, Migräne, Depression, chronischen Schmerzen und verwandten Symptomen.

Das High von Cannabis indica beschrieb Dingermann als schwer und stark und in der Regel wie ein Beruhigungsmittel wirkend. Diese Empfindung sei vor allem körperlicher Natur und wirke entspannend, da die Muskelspannung vermindert werde. Bevorzugte Anwendungsbereiche sind daher die Behandlung von Muskelspasmen und Tremor-Symptomen (beispielsweise bei Multiple Sklerose und Parkinson) sowie chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Ängste.

Cannabis ruderalis ist eine kleinwüchsige, struppige Pflanze, die nur äußerst wenig THC enthält und wegen ihrer frühen Blüte in der Züchtung eine Rolle spielt.

Quelle:

ptaforum 06/2016

http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8597

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Differenzierung, die auch für die medizinische Anwendung wichtig ist. Für die unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica dürfte unter anderem der höhere Gehalt an Cannabidiol (CBD) in Cannabis indica verantwortlich sein. Mit reinen THC-Präparaten wie Dronabinol ist jedenfalls nicht allen Patientinnen und Patienten optimal geholfen. CBD kann die Wirkung offenbar in manchen Fällen günstig modulieren.

Siehe dazu auch:

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Zu Möglichkeiten des legalen Bezug von Cannabis-Präparaten für Patientinnen und Patienten in der Schweiz:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Palliativmedizin: Cannabinoide gegen Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen

Wenn schwerkranke Menschen an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen leiden, können Cannabinoide hilfreich in der Palliativtherapie sein.

Lebensqualität sei das herausragende Ziel für Menschen am Lebensende, sagte Professor Dr. Andreas S. Lübbe von der Palliativstation in Bad Lippspringe beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie.

Starke Schmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Fatigue, Erbrechen und Übelkeit belasten zahlreiche Kranke enorm – und auch ihre Angehörigen.

Wenn Patientinnen oder Patienten nicht essen können oder wollen kann das zu starkem Gewichtsverlust und zu krankhafter, starker Abmagerung (Kachexie) führen.

Cannabis kann unter anderem den Appetit anregen. Dronabinol-Tropfen enthalten THC und können deshalb Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit vermindern.

Lübbe nannte die Cannabinoide als einen Baustein zur medikamentösen Behandlung der Anorexie (Appetitlosigkeit).

Derzeit gibt es in Deutschland nur ein entsprechendes Fertigarzneimittel auf dem Markt: den Mundspray Sativex® zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS-Patienten.

Eine Alternative dazu bietet die Dronabinol-Rezeptursubstanz, die in Apotheken gemäß NRF-Vorschrift zu öligen Tropfen (25 mg/ml) oder Kapseln (2,5 oder 5 oder 10 mg/Kapsel) verarbeitet werden kann. Informationen zur Rezeptur stellt der Hersteller unter www.bionorica-ethics.de zur Verfügung.

Das Rezepturarzneimittel muss von einem Arzt oder einer Ärztin auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Als Indikationen für Dronabinol gelten unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Anorexie bei Krebs- oder Aidspatienten sowie Spastizität und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss).

Ebenso gebe es eine hohe Evidenz bei Patienten mit Kachexie-Syndrom, sagte Lübbe. Dronabinol könne Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit mildern.

Appetitanregung und Muskelrelaxation sind laut Hersteller die Hauptwirkungen von Dronabinol.

Weniger ausgeprägt sind die Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Schmerzen und Angst, sowie die beruhigenden und entzündungswidrigen Wirkungen.

Dronabinol kommt darüber hinaus zur Anwendung bei Schmerzen anstelle von oder ergänzend zu Opioiden. Lübbe hält dies vor allem für sinnvoll, wenn Patienten an weiteren Symptomen leiden, gegen die Cannabinoide wirksam sind. Als Beispiele erwähnte er Übelkeit, Anorexie, Spastizität, Hypersalivation und Schlafstörungen.

Zur Appetitstimulation sollte man mit einer tiefen Dosis anfangen und langsam auftitrieren. Das bedeutet: Zu Beginn zweimal täglich einen bis drei Tropfen der öligen Lösung (0,83 bis 2,5 mg) geben und alle drei Tage steigern. Lübbe sagte, dass die meisten Patienten nicht mehr als 10 mg pro Tag brauchen.

Höhere Dosierungen kommen in der Regel zur Anwendung bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen sowie zur Schmerzbehandlung.

Als unerwünschte Wirkungen können typischerweise auftreten: Schwindel (mehr als 10 Prozent der Patienten) sowie Müdigkeit, Amnesie, Dysarthrie (Sprechstörungen) und affektive Störungen.

Kontraindikationen für Dronabinol sind psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Depression sowie Krampfanfälle und Epilepsie in der Anamnese.

Lübbe hält Cannabinoide für eine Bereicherung in der Palliativmedizin und verlangte »mehr Mut zum Einsatz«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57248

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen zu Dronabinol, Sativa-Öl und Sativex finden Sie hier:

Dronabinol / THC vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Neues Cannabismedikament in der Schweiz (Sativa-Öl)

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erehältlich (Dronabinol / Cannabistinktur)

Cannabis-Wirkstoffe neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

 

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Cannabis als Heilpflanze – es tut sich was

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Gericht erlaubt Schmerzpatienten Eigenanbau von Cannabis

Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass Schmerzkranke für den Eigenbedarf zu therapeutischen Zwecken Cannabis anbauen dürfen.

Es sei das erste Mal, dass in Deutschland solche Genehmigungen erteilt werden, schreibt Spiegel online.

In einem spektakulären Urteil hat das Verwaltungsgericht zugunsten von drei Schmerzpatienten entschieden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) muss ihnen eine Genehmigung erteilen., damit sie Cannabis zu therapeutischen Zwecken selber anbauen können.

Die drei Kläger leiden unter chronischen Schmerzen und sind im Besitz einer Erlaubnis zum Erwerb und therapeutischen Konsum von Cannabisblüten. Sie möchten die zu therapeutischen Zwecken nötige Menge an Cannabis selbst anbauen und verarbeiten, da sie den Preis für den Erwerb der sogenannten Medizinal-Cannabisblüten aus der Apotheke nicht bezahlen können und die Kosten in ihren Fällen auch nicht von den Krankenversicherungen erstattet werden.

Das BfArM hatte zuvor die Anträge der drei Patienten auf Zulassung des Eigenanbaus von Cannabis abgelehnt.

Das Verwaltungsgericht unter Vorsitz des Medizinrechtlers Andreas Fleischfresser schaute sich jeden Fall einzelnen an. In drei Fällen waren alle Bedingungen für den Selbstanbau geben. Auch hatten die Schmerzpatienten alle anderen möglichen Behandlungen erfolglos durchlaufen, so dass Cannabis für sie eine unverzichtbare Option ist.

In der mündlichen Verhandlung hatte das Gericht darauf hingewiesen, dass es in den Verfahren nicht um eine „generelle Freigabe“ von Cannabis gehe. Es müsse immer „in besonders gelagerten Ausnahmefällen“ geklärt werden, ob ein Eigenanbau zum therapeutisch erforderlichen Eigenkonsum zugelassen werden kann.

Akzeptiert das BfArM die Entscheidung aus Köln, dürfen drei Deutsche erstmals ganz legal Cannabis in ihrer Wohnung anbauen – zu therapeutischen Zwecken. Legt das Bundesinstitut Berufung ein, gelangt der Fall vor das Oberverwaltungsgericht Münster und wird dort neu verhandelt.

 

Quelle:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/cannabis-fuer-schwerkranke-gericht-erlaubt-erstmalig-anbau-a-982244.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Man mag von Cannabis als Droge halten was man will. Aber dass schwerkranken Menschen der Zugang zu Cannabis als Arznei zum Teil immer noch massiv erschwert wird und sie in manchen Fällen gar kriminalisiert werden, ist unhaltbar und unakzeptabel. Wir haben auch in der Schweiz hier noch Verbesserungsbedarf.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln geht uns in der Schweiz zwar nichts an, doch ist es immerhin ein ermutigendes Signal, das vielleicht auch über die Grenzen ausstrahlt.

In der Schweiz gibt es eine legale Möglichkeit für die medizinische Anwendung von Cannabis in Form von Dronabinol. Das THC-Präparat ist als Trofpen oder Kapseln erhältlich und wird in der Schweiz vorwiegend gegen chronische / neuropathische Schmerzen und Spastik eingesetzt, zum Beispiel bei Multipler Sklerose. Es handelt sich bei Dronabinol um ein Betäubungsmittel, das nur mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit bezogen werden kann. Über die dazu nötigen Bedingungen – auch für eine legale Cannabistinktur – weiss die Bahnhofapotheke in Langnau im Emmental wohl am besten Bescheid:

http://www.panakeia.ch/dronabinolcannabis.html

In der Schweiz ist seit 2013 zudem ein Cannabis-Mundspray zugelassen (Sativex ®). Er enthält neben Tetrahydrocannabinol (THC) auch Cannabidiol.

Siehe dazu:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Zu den medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis:

Cannabis als Arznei 

Siehe auch kritische Einwände zum Gerichtsentscheid:

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutische Bedenken

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

„Die Presse“ in Österreich publizierte vor kurzem einen Artikel von Stephan Müller zur medizinischen Anwendung von Cannabis.
Dabei wird als Cannabis-Wirkstoff interessanterweise nicht wie meist üblich das THC ins Zentrum gerückt, sondern das Cannabidiol (CBD).
Tetrahydrocannabinol (THC) wird immer wieder als Hauptwirkstoff der Cannabispflanze dargestellt. Cannabis enthält aber 66 verschiedene Cannabinoide mit unterschiedlicher Wirkung.
Bei THC ist der therapeutische Einsatz in manchen Situationen schwierig durch den berauschenden Effekt. Zudem erreichen nicht alle Patientinnen und Patienten mit einem reinen THC-Präparat – in der Schweiz als Dronabinol im Handel – ein befriedigendes Behandlungsergebnis.
Im Gegensatz zu THC entwickelt CBD keine Rauschwirkung.
Im Gegenteil: CBD soll gemäss neueren Studien den Rauscheffekt des THC’s neutralisieren oder zumindestens abschwächen. Darüber hinaus soll es auch eine krebs- und entzündungshemmende Wirkung haben. Schon länger bekannt sei dessen entkrampfende, angstlösende und Übelkeit lindernde Wirkung. Außerdem sei CBD wenig toxisch und nebenwirkungsarm, betont der Pharmazeut Rudolf Brenneisen, Spezialist für Cannabis an der Universität Bern.
Lange hat sich die Forschung rund um die Anwendung von Cannabis in der Medizin laut Brenneisen hauptsächlich auf den Wirkstoff THC konzentriert. Cannabinoide wurden bisher vor allem gegen neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie, gegen die Nebenwirkungen von Chemotherapien oder gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Die Entdeckung des CBD und dessen Wirkkraft verlieh der Cannabisforschung international neuen Schwung, sagt Brenneisen. Für das natürliche Heilmittel Cannabis eröffnen sich dadurch immer neue Forschungsansätze, zum Beispiel die Anwendung bei Brustkrebs oder Psychosen. Medizinalcannabis hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Eine Folge dieser Cannabis-Forschung ist die Einführung von Sativex – ein Medikament mit einer Kombination von THC und CBD, zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden bei Multipler Sklerose beitragen kann.
Trotz dieser Fortschritte bei der Zulassung von Cannabis-Medikamenten wünscht sich Cannabisspezialist Brenneisen endlich eine „Entkriminalisierung, vielleicht sogar die partielle Legalisierung von Konsum und Handel“. Denn der Einsatz von natürlichen Cannabinoiden, die unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden, sei für die medizinische Verwendung geeignet. Zumal es auch zahlreiche Patienten gebe, die gezielt danach fragten, hauptsächlich im Bereich Krebs.
Quelle:
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1556828/Cannabis-wird-als-Heilpflanze-salonfaehig?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do
Kommentar & Ergänzung:
Zu Sativex siehe:
Zu Dronabinol:
Wikipedia schreibt zur Pharmakologie von  Cannabidiol:
„Cannabidiol bindet an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 agonistisch, jedoch kann es deren Aktivität über einen ungeklärten Mechanismus auch blockieren. Es wirkt jedoch als Antagonist an dem G-Protein gekoppeltem Rezeptor GPR55, dessen physiologische Rolle noch nicht geklärt ist.
CBD wird als Spasmolytikum bei multipler Sklerose eingesetzt. CBD wirkt immunsupprimierend und wird zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verwendet. Eine Verwendung bei affektiven Störungen wird untersucht. CBD ist Bestandteil des arzneilich genutzten Hanfextrakts Nabiximols.“
Der Artikel in der „Presse“ spricht auch eine mögliche krebshemmende Wirkung von Cannabidiol an und erwähnt als Beispiel den Brustkrebs. Cannabidiol und andere Cannabinoide stehen immer wieder im Fokus der Forschung und tauchen in diesem Zusammenhang in Medienberichten auf. CBD soll beispielsweise bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Gehirntumor und Leukämie wirksam sein und Krebszellen töten.
Natürlich ist es zu begrüssen, wenn THC, Cannabidiol und andere Cannabinoide erforscht werden. Die Meldungen darüber sind aber oft fragwürdig. So basieren die Meldungen über krebshemmende Wirkungen von Cannabidiol überwiegend auf Laborversuchen mit isolierten Zellen, teilweise auf Tierversuchen und nur in sehr geringem Mass auf Untersuchungen an Menschen. Daraus eine Meldung wie beispielsweise „Cannabidiol wirksam gegen Prostatakrebs“ zu basteln ist einfach nicht zulässig. Im Labor lassen sich isolierte Zellen verhältnisweise einfach zerstören. Ob aber aus solchen Erkenntnissen ein wirksames Medikament gegen Tumorerkrankungen entwickelt werden kann, ist in den meisten Fällen noch eine ganz und gar offene Frage – und braucht in der Regel auf jeden Fall viel Zeit.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Sativex® Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Der Sativex Spray mit Cannabisextrakt zur Anwendung in der Mundhöhle ist schon in mehreren europäischen Ländern im Handel (beispielsweise in Deutschland und Grossbritannien). In der Schweiz und in Frankreich bekam das Medikament vor kurzem die Marktzulassung, ist zur Zeit jedoch noch nicht im Vertrieb.

Nach Angaben des Zulassungsinhabers wird der Sativex Spray in der Schweiz voraussichtlich ab April 2014 in den Apotheken erhältlich sein (aber natürlich nicht rezeptfrei).

Im Sativex Spray enthalten ist ein Dickextrakt aus Cannabisblüten und Cannabisblättern.

Dieser Extrakt besteht zu gleichen Teilen aus den Phytocannabinoiden Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Die beiden Wirkstoffe beeinflussen das Endocannabinoidsystem, welches an der Regulierung der neuronalen und neuromuskulären Signalübertragung beteiligt ist.

Bei Multiple-Sklerose-Patienten ist dieses System stark beeinträchtigt, da es als Folge der Neurodegeneration zu einer Verminderung der körpereigenen Cannabinoide kommt.

Im Sativex Spray wird die psychoaktive Wirkung von THC durch das antipsychotisch wirksame CBD überwiegendst verhindert.

Die Indikation des Sativex Sprays ist sehr begrenzt: Sativex wird eingesetzt zur Symptomverbesserung bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von Multipler Sklerose, wenn die Beschwerden nicht angemessen durch eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie gelindert werden können. Zudem muss ein Anfangstherapieversuch eine klinisch erhebliche Verbesserung der mit der Spastik verbundenen Symptome bewirkt haben.

Es wird eine Titrationsphase von bis zu zwei Wochen benötigt, um die optimale Dosis zur erreichen.

Der Patient kann die Dosis schrittweise um einen Sprühstoss pro Tag bis zu einem Maximum von 12 Sprühstössen täglich steigern, bis eine optimale Linderung der Symptome eintritt. Zwischen den Sprühstössen sollen Abstände von mindestens 15 Minuten eingehalten werden. Der Sativex-Spray wird unter die Zunge oder auf die Innenseite der Wange appliziert.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?NMID=4952&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn es zunehmend legale, sichere Wege für die Anwendung von Cannabis als Heilmittel gibt. Vor allem die Spastik bei Multipler Sklerose ist ein gut belegtes Anwendungsgebiet.

Siehe auch:

Cannabis als Heilmittel:  Zulassung für Sativex-Spras in Deutschland

Multiple Sklerose: Marihuana verschlechtert Kognition

US-Studie: Hasch wirksam gegen Spastik bei Multipler Sklerose

Cannabisextrakt hilft Multiple-Sklerose-Kranken

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Für Cannabis sativa könnte es bald ein weiteres Anwendungsgebiet geben, schreiben Wissenschaftler der University of Reading im „British Journal of Pharmacology“. Sie haben gezeigt, dass das Cannabinoid mit dem Namen Cannabidivarin zur Therapie von Epilepsie eingesetzt werden könnte.

Der nicht psychoaktive Cannabis-Wirkstoff hatte im Tierversuch eine krampflösende Wirkung gezeigt. Klinische Studien sollen Ende des Jahres beendet werden.

In Deutschland sind Cannabis-Extrakte bislang in dem Fertigarzneimittel Sativex (Almirall) enthalten. Als Rezeptursubstanz gibt es darüber hinaus das synthetisch hergestellte Dronabinol. Sativex ist zur Therapie spastischer Beschwerden von Multiple-Sklerose-Patienten indiziert. Auch als Antiemetikum (Mittel gegen Erbrechen) oder zur Appetitsteigerung in der Krebstherapie und AIDS-Behandlung findet die Cannabispflanze Verwendung.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/cannabis-gegen-epilepsie

Kommentar & Ergänzung:

Na, dann warten wir doch einmal die Ergebnisse der klinischen Studien Ende Jahr ab.

Nur die klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten geben fundierte Hinweise darauf, ob der Cannabis-Wirkstoff Cannabidivarin tatsächlich zur Epilepsie-Therapie geeignet ist. Studien am Tier sind hier nur begrenzt aussagekräftig.

Zu Dronabinol siehe auch:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis als Heilmittel zulassen!

Zu Sativex siehe auch:

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex®-Spray in Deutschland

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Langzeitkonsum von Cannabis reduziert Intelligenzquotient (IQ)

US-Wissenschaftler kamen in einer fast 40 Jahre andauernden Studie zum Schluss, dass Hanfkonsum das zentrale Nervensystem unwiderruflich schädigen und den Intelligenzquotienten (IQ) vermindern kann. Der IQ sinkt umso stärker, je früher die Menschen beginnen, Cannabis zu konsumieren.

Bei Langzeitkonsum von Cannabis stellten die Wissenschaftler um Madeline Meier von der Duke University in Durham fest, dass sich gewisse regionen des Gehirns deutlich verschlechterten und dieser Zustand über Jahre anhält.

Zudem zeigte die Studie, dass Langzeitkiffer mehr Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren oder sich an etwas zu erinnern.

Vor allem Jugendliche laufen der Studie zufolge Gefahr, zu dauerhaften Konsumenten zu werden, je früher sie in Kontakt mit Cannabis kommen. Auch der IQ nahm bei den Jugendlichen deutlich ab. Das jugendliche Gehirn ist nach Angaben der Wissenschaftler nicht in der Lage, sich vollständig von den Folgen zu erholen.

Das Gehirn von Jugendlichen macht während des Wachstums entscheidende Entwicklungen durch. Der Cannabis-Konsum habe Effekte, die ihr Nervensystem nachhaltig schädige.

Für ihre Untersuchung erfassten die Wissenschaftler mehr als 1.000 Menschen, welche zu Beginn der 70er Jahre in Neuseeland geboren worden waren. Sie begleiteten die Studienteilnehmer 38 Jahre lang.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1703940/

Die Studie:

„Persistent cannabis users show neuropsychological decline from childhood to midlife“ von Madeline Meier und Kollegen erschienen in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

http://www.pnas.org/content/early/2012/08/22/1206820109

Kommentar & Ergänzung:

Schon seit längerem gibt es Hinweise dafür, dass Cannabiskonsum bei Jugendlichen ein erhöhtes Risiko mit sich bringt, weil deren Gehirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Und dass es fragwürdig ist, wenn man sich jahrelang permanent bekifft, liegt auf der Hand.

Gleichzeitig  sollte aber auch nicht übersehen werden, dass chronischer Alkoholkonsum wohl noch ernstere Schäden verursachen dürfte.

Und die Anwendung von Cannabis als Heilmittel bei bestimmten Erkrankungen – wie zum Beispiel Multiple Sklerose – ist durch diese Studie nicht von Tisch.

Sie ist aber auch ein Hinweis darauf, dass mit Cannabis als Heilmittel sorgfältig umgegangen werden muss.  Es gibt hier – wie bei vielen Medikamenten – Risiken und Chancen.

Siehe auch:

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex®-Spray in Deutschland

Multiple Sklerose: Marihuana verschlechtert Kognition

Cannabis-Wirkstoff THC lindert Appetitlosigkeit während Tumortherapie

Cannabis & Psychose

Fördert Cannabis-Konsum Infektionen und Krebs?

Cannabis: Psychoserisiko nicht unterschätzen

Neuropathieschmerz: Geringfügige Linderung durch Cannabis

Cannabis: Wechselwirkungen mit Medikamenten

US-Studie: Hasch wirksam gegen Spastik bei Multipler Sklerose

Cannabis-Extrakt hilft Multiple-Sklerose-Kranken

Cannabisrauchen in der Pubertät – erhöhtes Risiko für Hodenkrebs

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Kalifornien: Behandlung mit „medizinischem Marihuana“ gestoppt

Die US-amerikanische Bundesregierung hat entschieden, die in etwa 15 Bundesstaaten praktizierte Abgabe von Cannabis zu therapeutischen Zwecken nicht länger zu dulden. Dieser Beschluss trifft vor allem den bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien, wo „medizinisches Marihuana“ im Jahr 2003 durch ein Landesgesetz legalisiert worden war.

Den Landesgesetzen, die die Anwendung von Cannabis zu therapeutischen Zwecken gestatten, steht ein Bundesgesetz von 1970 entgegen, das Cannabis als Betäubungsmittel mit hohem Suchtpotenzial einstuft und darum dessen medizinische Anwendung generell verbietet. Der Bundesstaat Kalifornien missachtete demgegenüber aufgrund neuerer medizinischer Erkenntnisse das Bundesgesetz und regelte mit dem Gesetz vom 12. Oktober 2003 die legale Abgabe von Cannabis und Cannabispräparaten an Patienten, die ein ärztliches Rezept vorweisen. Es handelt sich um Patienten, die beispielsweise an neuropathischen Schmerzen oder an Kachexie leiden und mit anderen Medikamenten nicht zufriedenstellend behandelt werden können. Als entscheidender Wirkstoff gilt das in Cannabis enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC), das als Reinsubstanz in den USA unter dem Namen Marinol angeboten wird (in Deutschland und der Schweiz: Dronabinol). Die Abgabe von „medizinischem Marihuana“ geschieht seither in bestimmten „dispensaries“, die eine entsprechende Lizenz besitzen. Die Cannabis-Patienten bekamen einen Ausweis, welcher ihnen den Besitz der Droge in geringen Mengen gestattete.

Das System der Abgabe von „medizinischem Marihuana“ in Kalifornien und etwa 15 weiteren US-Staaten ist jahrelang von der Bundesregierung toleriert worden. Weshalb sie ihre Meinung unvermittelt geändert hat, ist unbekannt. Gestützt auf eine Weisung des Justizministeriums hat die Bundesanwaltschaft den Inhabern der „dispensaries“ nun ein Ultimatum gestellt, in spätestens 45 Tagen die Abgabe von Cannabis einzustellen.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/10/10/kalifornien-ende-der-therapie-mit-medizinischem-marihuana.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein Rückschlag in den Bestrebungen, Cannabis / Marihuana kontrolliert als Medikament zuzulassen.

Cannabis hat unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken, wie andere wirksame Heilmittel auch. Es ist aber auch belegt, dass Cannabis bei manchen Patienten gute Wirkung zeigt, zum Beispiel zur Linderung von Spastik bei Multipler Sklerose. Diesen Patienten aus ideologischen Gründen ein wirksames Medikament vorzuenthalten, ist meines Erachtens ethisch sehr fragwürdig.

Weitere Informationen:

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

Cannabis als Heilpflanze: Es tut sich was

Cannabis als Heilmittel zulassen (Dronabinol-Anwendung in der Schweiz)

Multiple-Sklerose: Marihuana verschlechtert Kognition

Cannabis-Wirkstoff THC lindert Appetitlosigkeit während Tumortherapie

Cannabis & Psychose

Neuropathieschmerz: Geringfügige Linderung durch Cannabis

US-Studie: Hasch wirksam gegen Spastik bei Multiper Sklerose

US-Regierung genehmigt Marihuana als Heilmittel

Cannabis-Extrakt hilft Multiple-Sklerose-Kranken

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

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Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex®-Spray in Deutschland

Sativex® ist seit einigen Jahren schon in verschiedenen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Grossbritannien im Handel. Seit dem 1. Juli 2011 ist Sativex® nun auch in Deutschland offiziell erhältlich. Für die Schweiz ist allerdings bis jetzt noch kein Markteinführungstermin in Sicht.

Der Sativex-Spray ist zugelassen als Zusatztherapie bei MS-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik, die nicht angemessen auf eine andere antispastische Arzneimittelbehandlung angesprochen haben.

Ein Sprühstoss beinhaltet 2.7mg Tetrahydrocannabinol (THC) und 2.5mg Cannabidiol (CBD). Die beiden Wirkstoffe greifen in das Endocannabinoidsystem ein, welches an der Regulierung der neuronalen und neuromuskulären Signalübertragung mitwirkt. Bei MS-Patienten ist dieses System stark beeinträchtig, da es in Folge der Neurodegeneration zu einer Verminderung der körpereigenen Cannabinoide kommt. Die psychoaktive Wirkung von THC wird durch das antipsychotisch wirksame CBD weitestgehend unterbunden.

Sativex® ist nur zur Anwendung in der Mundhöhle vorgesehen. Die Multiple-Sklerose-Patienten sollten darüber informiert werden, dass es bis zu zwei Wochen brauchen kann, bis die optimale Dosierung gefunden ist. Während dieser Zeit kommt es als Nebenwirkung am häufigsten zu Schwindelgefühlen. Diese Schwindelgefühle sind jedoch üblicherweise schwach und lassen nach einigen Tagen nach. Psychiatrische Symptome wie Angst, Illusionen, Stimmungsschwankungen und paranoiden Vorstellungen wurden nur gelegentlich beobachtet.

Literatur: Deutsche Apotheker Zeitung, 22/2011/p32

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4367&NMID=4367&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Cannabis ist eine interessante Heilpflanze bei Spastik auf dem Hintergrund einer Multiplen Sklerose. Wenn es tatsächlich gelingt, die Dosierung gut einzustellen und die psychoaktiven Wirkungen einzuschränken, kann das für Patientinnen und Patienten ein wichtiger Fortschritt sein. Ganz abgesehen davon, dass damit endlich ein legaler Zugang zu diesen antispastischen Wirkungen möglich wird.

Es ist zu hoffen, dass diese Behandlungsoption bald auch Multiple-Sklerose-Kranken in der Schweiz zur Verfügung steht. Bisher gibt es in der Schweiz legalerweise meines Wissens nur Dronabinol. Siehe dazu:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

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