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Weidenröschen bei gutartiger Prostatavergrösserung

Das „Weidenröschen“ wird in der Pflanzenheilkunde empfohlen als Mittel gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei in Apotheken und Drogerien oft ausdrücklich das „Kleinblütige Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) verlangt wird.

Mag. pharm. Dr. Siegrun Gerlach hat in der Zeitschrift „PHYTO Therapie“ (2/2016) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie interessante Informationen dazu publiziert, von denen ich hier einige weitergeben möchte, ergänzt mit eigenen Bemerkungen.

Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency – EMA) hat im November 2015 die Monographie „Epilobium angustifolium L. und/ oder Epilobium parviforum Schreb., herba“ veröffentlicht.

Die Publikation einer Monographie bedeutet die Anerkennung als traditionell verwendete Heilpflanze und damit die Möglichkeit einer Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel in der EU (traditionelle pflanzliche Arzneimittel sind vom Wirkungsnachweis befreit).

Die Empfehlung von gezielt kleinblütigen Arten ist auf die österreichische Kräuterbuchautorin Maria Treben zurück zu führen, die allerdings bei der Bestimmung der Weidenröschenarten nicht sehr genau war. So ist nicht klar, ob sie wirklich die botanische Art „Kleinblütiges Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) empfehlen wollte oder einfach alle kleinblütigen Weidenröschenarten.

Eine Diplomarbeit an der Universität Wien (Lachinger 2004) konnte in der Zwischenzeit aufzeigen, dass die Inhaltsstoffe und deren Konzentration der in Österreich vorkommenden Weidenröschenarten vergleichbar sind.

Die von Maria Treben getroffene Unterscheidung der „kleinblütigen“ Weidenröschenarten als wirksam und der „großblütigen“ als unwirksam lässt sich nach diesen Resultaten nicht nachvollziehen.

Auf der Suche nach wirksamen Inhaltsstoffen der Weidenröschen glaubte man in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei den Flavonoiden fündig geworden zu sein. Das sind in Epilobium parviflorum und verwandten Weidenröschenarten:

Quercetin, Myricetin und Kämpferol, sowie die entsprechenden Glykoside, in Mengen von 1 – 2 Prozent. Als Prostaglandinsynthese-Hemmer können diese Inhaltsstoffe potenziell entzündungshemmend wirken.

Das Institut für Pharmakognosie der Universität Graz beschäftigte sich ausgiebig mit der Flavonoidfraktion aus Weidenröschenarten. Hiermann et al. stellten im Labor fest, dass Myricetin-3-O-glucuronid aus Epilobium bis zu 500mal stärker entzündungswidrig wirkt als der synthetische Wirkstoff Indomethacin.

Als weitere Inhaltsstoffe wurden in Weidenröschen bis zu 0,55 Prozent Phytosterole (β-Sitosterol, Sitosterolglucoside und Sitosterolester) gefunden. Diese Stoffgruppe gilt als wirksamkeitsmitbestimmend bei der Anwendung von Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel bei der gutartigen Prostatavergrösserung, was eine Anwendung von Weidenröschen bei der gleichen Indikation plausibel erscheinen lässt.

Einige Jahre später wurde dann die erste Arbeit publiziert, in der Oenothein A und B als Wirkstoffe vorgestellt wurden (Lesuisse et al., 1996).

Diese Gallussäurederivate (hydrolysierbare Tannine), strukturell in die Gruppe der Gerbstoffe einzuordnen, lassen sich in Mengen von 4 – 14 Prozent in Epilobium finden. In der Studie wurden verschiedene Inhaltsstoff-Fraktionen aus Weidenröschen hinsichtlich ihrer 5α-Reductase- Hemmwirkung getestet, wobei sich Oenotheine als die wirksamsten Substanzen erwiesen. 5α-Reductase- Hemmer sind etablierte Medikamente bei gutartiger Prostatavergrösserung (z.B. Finasterid, das aber beträchtliche Nebenwirkungen haben kann).

Oenotheine wurden weiter im Labor (=in vitro) untersucht. Dabei zeigte sich, dass sie nicht nur 5α-Reductase-Hemmstoffe sind, sondern in vitro auch Aromatase-Hemmstoffe.

Die Kombination der Prostaglandinsynthese-Hemmung durch Flavonoide mit der 5α-Reductase- und Aromatase-Hemmung durch Oenotheine macht den Einsatz von Weidenröschen bei benigner Prostatahyperplasie plausibel.

Die Autorin Siegrun Gerlach geht in ihrem Beitrag abschliessend noch auf Hürden für eine zukünftige Vermarktung von Weidenröschen ein:

„1. Ist nur die Anwendung als Tee traditionell belegt. „Weidenröschenextrakt“ als Basis einer galenischen Zubereitung würde, vielen europäischen Zulassungsbehörden zufolge, eine Vollzulassung mit klinischen Studien bedeuten und somit (weil teuer) unrentabel wer- den. Und 2.: Ob der Name „Weidenröschen“ sich gut als Männerarznei vermarkten ließe, wurde schon angezweifelt.“

Neben Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel stellt die Anwendung von Weidenröschenkraut nach Ansicht der Autorin eine interessante Option bei der Behandlung der BPH dar und bereichert den pflanzlichen Arzneischatz.

Quelle:

PHYTO Therapie 2|16

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0216.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Am interessantesten ist für mich die Bestätigung, dass die Inhaltsstoffe der verschiedenen Weidenröschenarten sich nicht wesentlich unterscheiden. Damit ist es plausibel, dass auch das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) verwendet werden kann, wenn Weidenröschentee gewünscht wird. Das Schmalblättrige Weidenröschen ist zudem häufiger und eindeutiger zu bestimmen als das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum).

Zum Schmalblütigen Weidenröschen beschreibt Siegrun Gerlach im übrigen eine interessante Anwendung als Tee in östlichen Ländern:

„Die frischen oder getrockneten Blätter des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium) wer- den besonders in östlichen Ländern zur Bereitung eines wohlschmeckenden Tees verwendet (Koptischer Tee, Ivans Tee, Kapor Tee), der u. a. auch zur Behandlung von gastrointestinalen Beschwerden empfohlen wird.“

Bezüglich der Wirksamkeit von Weidenröschentee bei gutartigen Prostatabeschwerden überzeugt mich der Artikel allerdings nicht.

Maria Treben ist keine verlässliche Empfehlerin. Ihre Bücher sind voll von falschen, unsinnigen und gefährlichen Angaben.

Und die Resultate der Laboruntersuchungen zu den Inhaltsstoffen sind zwar interessant, sagen aber wenig Handfestes aus. Schön, wenn Flavonoide in vitro (= im Reagenzglas) entzündungswidrig wirken. Aber werden sie bei peroraler Anwendung auch in relevanter Menge aufgenommen in den Körper und erreichen sie in der Prostata wirklich eine Konzentration, die Entzündungen hemmt?

Desgleichen bei den Oenotheinen als 5α-Reductase-Hemmstoffe und Aromatase-Hemmstoffe – im Labor. Und wenn Oenotheine strukturell zu den Gerbstoffen gerechnet werden, dann ist es wohl nicht unwesentlich, dass Gerbstoffe im Allgemeinen kaum resorbiert werden.

Zum Gehalt an Phytosterolen in den Weidenröschen ist anzumerken, dass er mit bis zu 0,55% verhältnismässig gering ist (Kürbissamen: etwa 1 %). Laut klinischen Studien braucht es als Initialtherapie bei BPH 60mg Phytosterol pro Tag und für Langzeittherapie 30 mg pro Tag. Rechnet man mit diesen bis zu 0,55 Prozent, hat es 60 mg Phytosterole in rund 11 g Weidenröschenkraut und 30 mg in rund 5,5 g.

Die Monografie des Monografie des HMPC gibt als Tagesdosis an: 1,5 – 2,0 g Weidenröschenkraut / 250 ml Wasser als Aufguss, 2 x täglich, 1 Teelöffel entspricht rund 0,8 g.

Damit kommt man nicht ganz auf die 5,5 g Weidenröschenkraut, in denen die für Langzeittherapie nötigen 30 mg Phytosterole grundsätzlich vorhanden sein sollten. Aber: Phytosterole sind kaum wasserlöslich. Sie werden nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil ins Teewasser übergehen. Daher ist es fragwürdig, bei einer Heilpflanze, die als Kräutertee angewendet wird, mit Phytosterolen zu argumentieren.

Dazu kommt noch: Bei normaler, westeuropäischer Ernährung werden täglich 160–360 mg an Phytosterolen aufgenommen. Ob da eine zusätzliche Gabe von 30 mg noch einen Einfluss ausübt, kann als fraglich angesehen werden.

Fazit: Über die Wirksamkeit von Weidenröschentee gegen gutartige Prostatavergrösserung lässt sich so gut wie nichts Sicheres aussagen. Entscheidend wäre die Bestätigung der Wirksamkeit in klinischen Studien mit BPH-Patienten. Solche Studien gibt es aber nicht. Und leider – Siegrun Gerlach spricht das in ihrem Text an – wird es sie auch wohl kaum je geben. Für nicht patentierbare Arzneimittel wie Weidenröschentee und Weidenröschenextrakt lohnt es sich für keine Firma, mit der grossen Kelle in Forschung zu investieren.

Aber das ist natürlich ein Fazit, das kaum jemand hören will.

Dass Männer den Weidenröschentee aufgrund des Namens ablehnen, kann ich mir nicht recht vorstellen. Nicht ganz einfach dürfte es dagegen sein, ältere Männer dafür zu motivieren, 2 – 3 mal täglich eine Tasse Kräutertee zu trinken – und das über 6 bis 12 Monate. Die Studien mit pflanzlichen Prostatamitteln haben nämlich gezeigt: Falls sich eine Wirksamkeit besser als Placebo feststellen lässt, zeigt sich der Unterschied erst nach 6 bis 12 Monaten.

Ich selber würde bei Prostatabeschwerden wohl am ehesten Kürbissamen einnehmen, weil sie neben einer möglichen Linderung auch ein gesunder Bestandteil für die Ernährung sind. Als pflanzliches Arzneimittel würde ich ein Kombipräparat mit Brennesselwurzel & Sabalfrüchten (Prostagutt) in Betracht ziehen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Brennnessel für Feinschmecker

Brennnesseln wachsen am Straßenrand, im Blumenbeet und auf der Wiese. Sie sind verschrienen als Unkraut und wer barfuß auf sie tritt, bekommt dies schmerzhaft zu spüren.

Doch aus dem gemeinen Unkraut lassen sich auch allerlei Köstlichkeiten für Feinschmecker zaubern, schreibt der aid-infodienst. Vor allem die jungen Blätter mit ihrem fein-säuerlichen Aroma lassen sich in der Küche vielseitig verwenden. Zusammen mit Löwenzahn, Sauerampfer oder Bärlauch ergibt sich ein wohlschmeckender Wildkräutersalat. Brennnesseln lassen sich aber auch als Suppe, im Pfannkuchen oder als Rührei zubereiten. Die Kräuterbutter lasse sich ebenfalls mit Brennnesseln abschmecken.

Die Zubereitung als Gemüse ist laut dem aid sehr einfach: Ähnlich wie Spinat werden die Brennnesselblätter zunächst in kochendem Salzwasser blanchiert. Abtropfen lassen, anschliessend kleinhacken und mit gedünsteten Zwiebeln kurz erhitzen. Die Brennnesseln danach mit Salz, Pfeffer, Muskat und bei Bedarf einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. Ein Schuss Sahne verleiht dem Gemüse eine feine Note.

Damit das Pflücken der Brennnesseln ganz ohne Pusteln abläuft, ist es empfehlenswert Handschuhe zu tragen. Besonders zart und aromatisch seien die jungen, etwa 20 Zentimeter hohen Pflanzen, schreibt der aid-Infodienst. Von Mai bis Juli können die Brennnesseln gepflückt werden – vorzugsweise an geschützten Standorten wie dem eigenen Garten oder am Waldrand.

Quelle:

http://www.fr-online.de/ratgeber/verbraucher/brennnesseln-fuer-feinschmecker/-/1473052/8429884/-/index.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Brennnessel gehört natürlich auch zu den Heilpflanzen.

Brennnesselblätter werden verwendet zur Durchspülungstherapie Harnwegsinfekten, allerdings meist gemischt mit anderen Heilpflanzen (Goldrute, Bärentraube. Birkenblätter, Schachtelhalm).

Interessanter ist aber die entzündungswidrige Wirkung bei Rheuma / Arthritis.

Siehe dazu:

Brennnessel-Kur gegen Rheuma

Unsinnig ist die Propagierung der Brennnessel als „Blutreinigungstee“ oder „Entschlackungsmittel“ bzw. „Entschlackungskur“.

Es gibt im menschlichen Organismus keine Schlacken, die auf solche Weise entfernt werden könnten. Entschlackung ist daher unnötig.

Während viele Blutreinigungstees und Entschlackungsmittel stark abführende Heilpflanzen enthalten (z. B. Sennesblätter), ist die Brennnessel in dieser Hinsicht neutral und damit zumindestens unschädlich.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Entschlackung – was ist das?

Fasten & Entschlacken

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Die Brennnesselwurzel lindert Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung älterer Männer (Benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei sie zu diesem Zweck oft kombiniert wird mit Sägepalmenfrüchten von Sabal serrulata (Serenoa repens), oder mit Kürbeissamen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Teedrogen und Phytopharmaka, ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage von Wolfgang Blaschek

Verlagsbeschreibung

Die grüne Pharmazie – neu erfunden!
Kann sich ein Klassiker wie der „Wichtl“ nach 30 Jahren noch einmal übertreffen?
Urteilen Sie selbst!
Das Autorenteam fasst unter seinem neuen Herausgeber die Literatur der letzten Jahre in den Blick und passt alle Teile des Werks sorgfältig an.
Die Zahl der Arzneidrogen erhöht sich auf 240.
Neu aufgenommen: z.B. die Bittere Schleifenblume, die Notoginsengwurzel und die Purpur-Sonnenhut-Wurzel
Die jüngsten klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen geben bemerkenswerten Aufschluss über die Wirksamkeit der Drogen. Bei den Indikationen zählen die aktuellen Bewertungen von ESCOP, WHO und HMPC. Ein zeitgemäßes Layout gibt den Rahmen für ein Standardwerk, das sich mit dieser Auflage neu erfindet. Phytopharmazie ist spannend – mit dem neuen „Wichtl“ macht sie auch Spaß! Dtsch Apoth Ztg
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Kommentar:

Teedrogen und Phytopharmaka

Der „Wichtl“ ist ein Klassiker unter den Phytotherapie-Fachbüchern, ein umfangreiches und schwergewichtiges Nachschlagewerk auf wissenschaftlicher Grundlage. Es werden 234 Heilpflanzen detailliert und auf dem neusten Stand des Wissens beschrieben.
Weil der Begriff Teedrogen immer wieder zu Missverständnissen führt, sei hier festgehalten, dass damit einfach getrocknete Heilkräuter gemeint sind. Zu Drogen im Sinne von „Betäubungsmitteln“ besteht kein Zusammenhang. Der „Wichtl“ beschreibt Heilpflanzen, die als Kräutertee oder als Bestandteil von Teemischungen verwendet werden, oder als Bestandteil von Heilpflanzen-Präparaten (Phytopharmaka).
Beschrieben werden unter anderem die Inhaltsstoffe der Pflanzen, ihre Wirkungen und ihre Indikationen (Anwendungsbereiche), allfällige unerwünschte Nebenwirkungen, Angaben zur Teezubereitung und zur Aufbewahrung der Heilpflanzen.
Der „Wichtl“ stellt die Heilpflanzen in alphabetischer Reihenfolge als Monografien (Einzelpflanzenbeschreibung) vor. Das Buch enthält keinen Organsystemteil, also keine Kapitel, welche von den Krankheitsbereichen her  zu den einzelnen Pflanzen kommt.
Das Werk enthält zu jeder besprochen Heilpflanze Fotos der lebenden Pflanze in „Natura“, der getrockneten Pflanzenteile sowie oft auch noch mikroskopische Aufnahmen.

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Heilpflanzen-Extrakte zeigen günstige Effekte bei bakterieller Prostatitis

Der Zusatz pflanzlicher Arzneien bessert eine bakterielle Prostatitis schneller als ein Antibiotikum allein. Einen Monat nach der Behandlung mit Prulifloxacin plus Serenoa repens, Urtica dioica (ProstaMEV®), Quercetin und Curcumin (FlogMEV®) zeigten 90 Prozent von 143 Studienteilnehmern keine Symptome mehr, berichten Wissenschaftler aus Florenz. Mit Prulifloxacin pur dagegen wurde nur knapp ein Drittel beschwerdefrei. Ein halbes Jahr später hatte keiner mit der Kombi einen Rückfall, mit Monotherapie jedoch waren es zwei Patienten (Int J Antimicrob Agents 33, 2009: 549).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Eine interessante Meldung. Bakterielle Prostatitis ist bisher  für die Phytotherapie eher ein randständiges Thema. Im Vordergrund der Phytotherapie im Bereich Urologie stehen Heilpflanzen zur Linderung der Beschwerden bei benigner Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrösserung):

Vor allem Sägepalmenfrüchte, aus der Sägepalme, ( = Zwergpalme, Sabal serrulata, Serenoa repens),

Brennesselwurzel aus der Brennessel (= Urtica dioica) und

Kürbissamen (Cucurbita pepo).

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Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

Ein Extrakt aus Granatäpfeln soll die Gebärmutter von Schwangeren dazu bringen, sich zusammenzuziehen. Verantwortlich dafür sei ein Inhaltsstoff namens Beta-Sitosterin, der die Muskelzellen im weiblichen Fortpflanzungsorgan beeinflusst. Zu diesem Resultat sei Professor Sue Wray von der Universität im britischen Liverpool im Tierversuch gekommen.
Diese Nachricht wurde auf dem Newsportal von Yahoo verbreitet.
Hier eine Zusammenfassung der Meldung und anschliessend ein Kommentar dazu:

Zieht sich während der Wehen die Gebärmutter einer Schwangeren nicht genügend zusammen, können Ärzte das Hormon Oxytozin anwenden, um die Muskelkontraktionen herbeizuführen. Allerdings wirkt Oxytozin nicht bei allen Frauen, so dass häufig ein Kaiserschnitt nötig wird. Nun hoffen die britischen Forscher, aus dem Granatapfel-Extrakt, der aus den Kernen gewonnen wird, in Zukunft möglicherweise wirksame Medikamente herstellen zu können.
In der Vergangenheit haben sich viele Wissenschaftler intensiv mit dem Granatapfel und der medizinischen Bedeutung seiner Inhaltsstoffe beschäftigt. Diverse Untersuchungen haben bestätigt, dass Granatapfel-Extrakte bei Erkrankungen wie Zum Beispiel Krebs oder Arthritis eine günstige Wirkung auf die Gesundheit der Patienten haben können.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung scheint sensationeller als sie ist. Beta-Sitosterol ( = Beta-Sitosterin) kommt in der Pflanzenwelt ziemlich verbreitet vor und ist keineswegs ein spezifischer Inhaltsstoff in Granatapfel-Kernen (Punica granatum).

Beta-Sitosterin, ( = Beta-Sitosterol) gehört zur Gruppe der Phytosterine, deren chemische Strukturen Ähnlichkeit mit der von Cholesterin aufweisen.
Sitosterin wurde erstmals 1897 aus Weizenkeimöl isoliert.

In den folgenden Jahren wurde Beta-Sitosterin dann auch in zahlreichem anderen Pflanzenölen gefunden (z. B. in Maiskeimöl, Roggenkeimöl, Baumwollsamenöl, Avocadoöl, Olivenöl, Kürbissamenöl, Sojaöl). Es kommt aber auch vor in Tallöl, Calabarbohnen, Cinchonawachs und Cinchonarinde, in Pekannüssen, der Sägepalme (Serenoa repens), in Avocado (Persea americana), Kürbissamen (Curcurbita pepo), Prunus africana (Pygeum africanum), Cashewnüssen, Reiskleie, Sanddorn und Bocksdornfrüchten bzw. Gojifrüchten.

Im Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie spielt Beta-Sitosterol eine Rolle als Inhaltsstoff von Heilpflanzen gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergösserung (Benigne Prostatahyperplasie). Im Vordergrund stehen dabei Brennesselwurzel, Sägepalmenfrüchte, Hypoxis-rooperi-Rhizom, Pygeum afrikanum.
Wikipedia führt eine Liste der Pflanzenteile mit den höchsten Konzentrationen an Beta-Sitosterol (Angabe in parts per million):
Cherimoya-Samen (Annona cherimola MILL.): 10000-14000 ppm
Zweigriffliger Weißdorn-Blüten und Weissdorn-Blätter (Crataegus laevigata (POIR.) DC): 6500-7800 ppm in den Blüten; 5100-6200 ppm in den Blättern
Echter Schwarzkümmel-Samen (Nigella sativa L.): 3218 ppm
Gemeine Nachtkerzen-Samen (Oenothera biennis L.): 1186-2528 ppm
Salbei-Blätter (Salvia officinalis L.): 5-2450 ppm
Weiße Maulbeere (Morus alba L.): 2000 ppm in den Blättern
Senna obtusifolia (L.) H.IRWIN & BARNEBY: 1000-2000 ppm in den Samen
Buchweizen-Samen (Fagopyrum esculentum MOENCH.): 1880 ppm
Basilikum-Blätter (Ocimum basilicum L.): 896-1705 ppm
Mais (Zea mays L.): 1300 ppm in Maisgriffel, in Narbe/Stylus (Maisgriffel)
Salbei-Stiel (Salvia officinalis L.): 1214 ppm
Basilikum-Blüte (Ocimum basilicum L.): 1051 ppm
Sanddorn-Samen (Hippophae rhamnoides L.): 550-970 ppm
Sojabohne (Glycine max (L.) MERR.): 900 ppm in den Samen
Süßholz-Wurzel (Glycyrrhiza glabra L.): 500 ppm in Radix Liquiritiae
Basilikum-Wurzel (Ocimum basilicum L.): 408 ppm
Duftveilchen (Viola odorata L.): 330 ppm in der Pflanze
Basilikum-Sprossen (Ocimum basilicum L.): 230 ppm im Stiel des Keimlings
Ashwaganda-Wurzel, Schlafbeeren-Wurzel (Withania somnifera (L.) DUNAL): 200 ppm
Sägepalme-Früchte, Sabalpalme (Serenoa repens (W. BARTRAM) SMALL): 189 ppm

Zur pharmakologieschen Wirkung von Beta-Sitosterol

Die normale Aufnahme von Beta-Sitosterin durch die Nahrung beträgt etwa 250-300 mg pro täglich. Dabei werden im Magen-Darmtrakt etwa 5 % des aufgenommenen Beta-Sitosterins resorbiert.
Allein oder in Kombination mit ähnlichen Phytosterinen vermag Beta-Sitosterin in höheren Dosen (1-3 g pro Tag) den Cholesterinspiegel des Blutes zu reduzieren und wird daher manchmal als Mittel gegen Hypercholesterinämie eingesetzt, da es die Cholesterinaufnahme bremst.
Beta-Sitosterin wird in der Pflanzenheilkunde in niedrigeren Dosierungen (mg-Bereich) zur symptomatischen Behandlung einer beginnenden Benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingesetzt.
Auch zur unterstützenden Behandlung von Prostatakarzinom und Brustkrebs wird es verwendet. Die Wirkprinzipien sind noch weitgehend unbekannt. Solide Studien fehlen. Diskutiert werden hormonartige Effekte (estrogenartig) und die Hemmung der Prostaglandinsynthese.

Auf welchem Weg Beta-Sitosterol wehenfördernd wirken soll, bleibt unklar. Eine Hemmung der Prostaglandinsynthese würde sich wohl eher negativ auswirken, da Prostaglandin E2 eine wichtige Rolle bei den Wehen spielt.
Den Artikel auf Yahoo-News kann man meines Erachtens zusammenfassen mit: Viel Wind, aber wenig Substanz.
Aber wer weiss, vielleicht zeigen ja zukünftige Forschungen, dass……..
Weitere Infos über Granatapfel:
Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/02/13/ellagsaeure-aus-granatapfel-hemmt-brustkrebs-im-labor.html

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Phytotherapie bei gutartiger Prostatavergrösserung – wirksam, günstig, nebenwirkungsarm

Medikamente aus Heilpflanzen zählen seit Jahrzehnten zu den populärsten Präparaten bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrösserung (benignes Prostatasyndrom, BPS). In einem sehr fundierten Beitrag in der Zeitschrift “Pharmazie Unserer Zeit” (4/2008) fasst der Urologe Gerd Popa die Studienlage bezüglich der verschiedenen Prostata-Heilpflanzen zusammen und spricht sich für ihren Einsatz in der Praxis aus. Als Vorteile sieht er die wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit, die Armut an unerwünschten Nebenwirkungen, die Preiswürdigkeit und die hohe Einnahmetreue durch der Patienten (Compliance).

Popa hält fest, dass es zu den verschiedenen Prostata-Heilpflanzen unterschiedlich viele und unterschiedlich fundierte Studien gibt:
– Sägepalmenfrüchte (Sabal serrulata): Hier liegen am meisten Studien vor. In Vergleichsstudien mit den synthetischen Mitteln Finasterid (über 6 Monate) und Tamsulosin (über 12 Monate) zeigten Sabal-Extrakte ebenbürtige Ergebnisse bezüglich Symptomlinderung und Lebensqualität. Gegenüber Placebo wirkten Sabal-Extrakte in mehreren Studien besser.
– Phytosterole: Sie wurden mit positivem Resultat mehrmals gegen Placebo getestet.
– Kürbissamen: Hier zeigte die fundierteste Studie über 12 Monate eine leichte Verbesserung der Symptome, aber keinen Unterschied zwischen Verum und Placebo bezüglich Lebensqualität und Restharn.
– Brennesselwurzel (Urtica dioica): Gute Verbesserung der Beschwerden gegenüber Placebo, nur leichte Verbesserung der Lebensqualität.
– Roggenpollen (Secale cereale): Dazu gibt es am wenigsten Studien. Die einzige placebokontrollierte Studie ging über 6 Monate, wurde 1990 veröffentlicht und entspricht heutigen Qualitätsanforderungen nicht. Die Frage nach einer Verbesserung der Symptome beantworteten aber 69 % der Verum-Patienten positiv gegenüber von nur 29% in der Placebo-Gruppe. Der Restharn verminderte sich unter Roggenpollen um 43ml und unter Placebo um 20ml.
– Kombi-Präparate Sägepalmenextrakt / Brennesselwurzelextrakt: Hier gibt es mehrere fundierte Studien im Vergleich zu Placebo und im Vergleich mit synthetischen Standardtherapeutika. Die Kombination zeigte sich gegenüber Placebo als überlegen und im Vergleich mit verschiedenen Standardmedikamenten (Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reduktasehemmer, Tamsulosin) als ebenbürtig bezüglich Symptomverminderung und Verbesserung der Lebensqualität.

Der Autor verteidigt die Studienlage bei den Prostata-Phytotherapeutika gegenüber Einwänden von Kritikern. Unter anderem zeigt er auf, dass manche Kritiker an die Qualität der Phyto-Studien Ansprüche stellen, die auch die Studien mit synthetischen Präparaten nicht erfüllen – und dass dort diese Ansprüche gar nicht erhoben werden. Er bemängelt zudem, dass die Kritiker die Nebenwirkungsarmut der Phyto-Präparate als erheblichen Vorteil völlig übergehen: “Insgesamt wird also die Studienlage für urologische pflanzliche BPS-Medikamente schlechter dargestellt, als sie der Wirklichkeit der Studienergebnisse entspricht.” Popa hält fest: “Eine Therapie mit pflanzlichen BPS-Therapeutika ist besonders bei irritativen Beschwerden gerechtfertigt. Bei der Mehrzahl der Patienten mit leichten bis mittelschweren Miktions-Symptomen ist eine solche Behandlung subjektiv – traditionelle Langzeiteinnahme trotz Eigenfinanzierung – und objektiv – leitlinienkonforme positive Studienergebnisse – erfolgreich.”
Ergänzt werden könnte hier noch betreffend Eigenfinanzierung: Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz Prostata-Phytotherapeutika, die von der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verordnet.
Die Prostata-Heilpflanzen sind zu recht beliebt aufgrund ihrer guten Wirksamkeit und optimalen Verträglichkeit.

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