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Pfefferminzöl bei Muskelkater?

T-online gibt in einem Beitrag Tipps zum Umgang mit Muskelkater und hat eine interessante Empfehlung: Pfefferminzöl.

Hier eine Zusammenfassung mit anschliessendem Kommentar:

Muskelkater entwickelt sich, wenn die Muskeln beim Training zu stark strapaziert werden und dadurch kleine Risse im Gewebe entstehen. Die verletzten Muskelfasern schwellen an und es kommt zu einer Entzündung, die sich durch den charakteristischen ziehenden und stechenden Schmerz zeigt.

Wer ungewohnt intensive Belastungen oder für den Muskel ungewohnte Bewegungsabläufe durchführt, muss mit Muskelkater rechnen. Verhindern lässt er sich nur mit einem auf die vorhandene Muskelkraft abgestimmten Training.

Aufwärmübungen und Dehneinheiten vor dem Sport reduzieren zwar das Verletzungsrisiko von Sehnen und Bändern, können aber einem Muskekater nicht vorbeugen. Und Schmerzmittel lindern nur das Symptom Schmerz, helfen jedoch den verletzten Muskelfasern nicht. Sportmedizinern zufolge können die in den Schmerzmitteln eingesetzten Wirkstoffe sogar den Muskelaufbau stören.

Gegen ein sanftes Sportprogramm ist Fachleuten zufolge auch mit Muskelkater nichts einzuwenden. Das Training sollte aber deutlich weniger intensiv ausfallen, weil der Muskel Zeit braucht um sich zu regenerieren. Walken, langsames Radfahren und entspanntes Schwimmen sind gute Trainingsmöglichkeiten in dieser Phase. Bei starkem Muskelkater ist aber eine Auszeit zu empfehlen oder eine Verlagerung des Trainings auf andere Muskelgruppen unter Schonung der beanspruchten.

Zahlreiche Sportler setzen auf Wärme nach der Trainingseinheit, weil sie die Muskeln entspannt und durch Erweiterung der Gefässe die Durchblutung fördert. Dadurch wird der Muskel besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

Von Massagen raten Fachleute bei Muskelkater allerdings ab, da der Druck, der dabei auf die Muskelpartien ausgeübt wird, diesen zusätzlich reizt.

Als Geheimtipp gegen Muskelkater stellt T-online in dem Beitrag Pfefferminzöl vor:

„Die ätherischen Öle, darunter Menthol, Menthon und Menthofuran wirken krampflösend, entspannend, kühlend und durchblutungsfördernd. So werden die Muskeln bei der Regeneration unterstützt und das Ziehen im Muskel gelindert. Am besten trägt man das Öl direkt nach der sportlichen Belastung auf die beanspruchten Bereiche auf.

Ein wenig verdünnt ist das Öl für die Haut besser verträglich. Einfach einige Tropfen auf ein angefeuchtetes Tuch oder Wattepad geben und die gewünschte Hautstelle damit einreiben.“

Wichtig sei zudem, nach der Anwendung die Hände gründlich zu waschen und den Kontakt mit den Augen zu vermeiden.

Der Muskelkater erreicht meist am zweiten oder dritten Tag nach dem intensiven Training seinen Höhepunkt und bis er wieder vollständig abgeklungen ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

Schädlich sei Muskelkater nicht, schreibt T-online. Sehr ausgeprägter und schmerzhafter Muskelkater sei allerdings ein sicheres Zeichen dafür, dass man es übertrieben hat.

Das Gute an Muskelkater sei zudem, „dass der Muskel angeregt wird, sich auf intensivere Trainingseinheiten vorzubereiten, zu wachsen beginnt und an Stärke gewinnt.“

Sei der Schmerz kaum auszuhalten oder lasse er nach einigen Tagen nicht nach, solle man einen Arzt aufsuchen. Dann könne es sein, dass eine Sportverletzung vorliegt, die behandelt werden muss.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/fitness/id_81171044/muskelkater-weitertrainieren-oder-pausieren-.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Pfefferminzöl bei Muskelkater – diese Empfehlung ist mir bisher noch nie über den Weg gelaufen.

Pfefferminzöl wird äusserlich oft verwendet als juckreizstillendes Mittel zum Beispiel bei Insektenstichen (ca. 1%ig) und als Gegenstimulation zur Linderung von Spannungskopfschmerzen (ca. 10%ig).

Bei akuten Prellungen auf den Sportplatz kann Pfefferminzöl Schmerzen ebenfalls lindern durch Gegenstimulation (Counterirritation). Menthol als Hauptbestandteil des Pfefferminzöls reizt die Kältesensoren in der Haut und die Kühlempfindung überlagert die Schmerzempfindung, lindert sie dadurch auf ähnliche Art wie ein Eisspray, aber ohne physikalisch zu kühlen.

Dass Pfefferminzöl auf der Basis einer Gegenstimulation auch Schmerzen bei Muskelkater lindert ist deshalb denkbar. Ich würde dazu allerdings Pfefferminzöl 10%ig in alkoholischer Lösung nehmen, so wie es als Roller oder Tupfer in Apotheken und Drogerien gegen Spannungskopfschmerzen empfohlen wird.

Dass sich mit Pfefferminzöl die Durchblutung (des Muskels) anregen lässt, scheint mir nicht sehr überzeugend. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Naturstoffen mit durchblutungssteigernder Wirkung – zum Beispiel Capsaicin aus Paprika, Rosmarinöl, Kampfer und Wacholderöl. Sie wirken aber eher wärmend und werden in Sportsalben und Rheumasalben eingesetzt. Ob sie auch die Durchblutung der Muskeln fördern ist eher zweifelhaft. Es spricht mehr dafür, dass sich die durchblutungsfördernde Wirkung vor allem auf die Haut beschränkt. Eine schmerzlindernde Wirkung des Pfefferminzöls bei Muskelkater kann ich mir aber gut vorstellen.

Siehe auch:

Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

 

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Unterschätzt wird nicht selten die recht gute Wirksamkeit von Pfefferminzöl gegen viele Bakterien, Viren (z. B. Herpes) und Hefepilze (z. B. Candida albicans). Untersuchungen dazu wurden im Zusammenhang mit Olbas-Tropfen gemacht – ein Gemisch aus Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl.

Siehe dazu:

Olbas-Tropfen: Ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Lebensgefährliche Vergiftung durch Verwechslung von Fingerhutblättern mit Beinwellblättern

Dumm gelaufen: Ihre Schlaflosigkeit wollte eine 63-jährige Frau aus Grossbritannien mit einem Tee aus Beinwellblättern lindern. Jemand aus dem Freundeskreis hatte ihr dazu geraten.

Die Frau ging zum Markt und kaufte dort vermeintlich Blätter von Beinwell (Symphytum officinale). Zu Hause übergoss sie die Pflanzenteile mit heißem Wasser und hoffte auf eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung des Tees. 18 Stunden später wurde sie mit Übelkeit, Herzrasen und Benommenheit in die Notaufnahme des King’s College Hospital in London eingeliefert. Die behandelnden Ärzte Mathew Kurian Vithayathil und Matthew Edwards berichten im Fachblatt „BMJ Case Reports“ von ihrem Fall.

In der medizinischen Vorgeschichte der Patientin liess nichts auf Herzprobleme schliessen. Im Elektrokardiogramms (EKG) fanden die Ärzte aber klare Auffälligkeiten. Die Blutwerte waren dagegen normal: Der Elektrolythaushalt war in Ordnung, die Entzündungsmarker waren nicht erhöht.

Die Mediziner wollten sich in einer nationalen toxikologischen Datenbank über Beinwell informieren, doch gibt es dort keinen Eintrag für die Pflanze. In einem anderen Online-Nachschlagewerk fanden sie aber einen Eintrag, der die Beinwellpflanze mit einer Lebervenen-Verschlusskrankheit in Verbindung bringt. Die Symptome der Patientin passen jedoch überhaupt nicht zu diesem Leiden.

Berichte, in denen Beinwell im Zusammenhang mit Herzkrankheiten oder Herzrhythmusstörungen genannt wird, fanden die Ärzte keine.

Dennoch hielten sie den Tee weiterhin für die wahrscheinlichste Ursache für die Symptome der Patientin und setzten deshalb ihre Recherche mit einer Bildersuche im Internet fort. Dabei fiel ihnen auf, dass die Blätter der Beinwellpflanze ähnlich aussehen wie die Blätter der Fingerhutpflanze (Digitalis purpurea, engl. foxglove).

Erneut untersuchen die Mediziner das Blut der Frau und konnten erhöhte Digoxin-Werte nachweisen – eine Substanz, die im Fingerhut vorkommt. Das Herzglykosid Digoxin bewirkt im menschlichen Organismus, dass sich das Herz kraftvoller zusammenzieht und langsamer schlägt.

Wegen dieser Wirkungen wurde die Substanz schon früh als Medikament bei Herzschwäche eingesetzt eingesetzt. Digoxin hat allerdings eine kleine therapeutische Breite, wodurch die Grenze zur Vergiftung rasch überschritten werden kann. Das führt dann zu Symptomen, die auch die britische Patientin hatte.

Nachdem der Auslöser der Vergiftung bekannt war, konnte die Frau mit einem Gegenmittel behandelt werden, mit dem das Digoxin unschädlich gemacht wurde. Das Herz kehrte wieder in seinen gewohnten Rhythmus zurück und die Frau konnte nach fünf Tagen die Klinik ohne bleibende Schäden verlassen.

Die Mediziner baten die Patientin noch, dem Händler auf dem Wochenmarkt mitzuteilen, welche Verwechslung ihm unterlaufen ist. Außerdem regen sie an, dass Beinwell nun doch in die nationale toxikologische Datenbank aufgenommen wird – wegen der möglichen Verwechslung mit Fingerhut.

Quelle:

http://derstandard.at/2000049373482/Selbstgemachter-Kraeutertee-Riskante-Mischung

http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_79729294/raetselhafter-medizinfall-frau-stirbt-fast-an-beruhigendem-kraeutertee.html

http://casereports.bmj.com/content/2016/bcr-2016-216995

 

Kommentar & Ergänzung:

1. Ja, Pflanzen (auch Heilpflanzen) sind nicht immer harmlos. Man sollte sie gut kennen, bevor man sie direkt aus der Natur, aus dem Garten oder vom Markt anwendet. Andernfalls bezieht man sie besser aus Apotheken oder Drogerien.

2. Beinwell gegen Schlaflosigkeit, das ist eine Empfehlung, die weder durch seriöse Phytotherapie-Fachliteratur gedeckt noch sonst wie plausibel ist. Gute Ratschläge aus dem Freundeskreis nicht unbesehen übernehmen, sondern mit seriöser Fachliteratur überprüfen.

3. Digoxin aus dem Roten Fingerhut war über längere Zeit ein zentrales Medikament bei Herzschwäche. Das zeigt die Bedeutung, die Naturstoffe für die Medizin hatten und in vielen Bereichen auch heute noch haben. Aufgrund der kleinen therapeutischen Breite (geringer Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis) wird Digoxin aus Fingerhut isoliert eingesetzt. Mit einem Fingerhut-Tee könnte Digoxin nicht präzis genug dosiert werden. Digoxin-Präparate sind rezeptpflichtig und haben inzwischen stark an Bedeutung verloren. Also bitte keine Selbstversuche mit Fingerhut!

4. Der geschilderte Fall ist eindrücklich. Im allgemeinen kann man aber auch feststellen, dass Vergiftungen mit Pflanzen heute eher selten vorkommen, vor allem im Vergleich zu Vergiftungen mit Medikamenten und Chemikalien.

5. Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide, die unter anderem Lebererkrankungen auslösen können. Das erklärt die Erwähnung einer Lebervenen-Verschlusskrankheit im Artikel. Beinwell wird deshalb nur zur Anwendung äusserlich auf intakter Haut empfohlen, zum Beispiel als Salbe oder Gel bei Verstauchungen, Prellungen, Quetschungen, Sehnenscheidenentzündungen etc. Meist werden dazu Auszüge aus den Beinwellwurzeln verwendet (zum Beispiel in Kytta-Salbe), seltener aus den Blättern.

6. Im Bericht der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ über diesen Fall wird irrtümlich anstelle von Digoxin als Inhaltsstoff von Fingerhut Dioxin erwähnt. Das schreibt sich zwar ähnlich, ist aber genauso eine Verwechslung wie der Konsum von Fingerhut- anstelle von Beinwellblättern. Schon blöd, wenn man einen Artikel über Verwechslung schreibt, und dann selber eine macht. Dioxin steht im allgemeinen Sprachgebrauch für eine Gruppe von gefährlichen Umweltgiften, die sich über die Nahrungskette anreichern.

7. Dass die Mediziner offenbar nur die Patientin baten, den Händler auf dem Markt über seinen Irrtum aufzuklären, scheint mir ungenügend. In einem solchen Fall würde ich erwarten, dass diese Meldung über einen offiziellen Kanal läuft, bei dem überprüft werden kann, ob der Händler identifiziert und die Warnung angekommen ist. Bei uns hat die Gewerbepolizei die Aufsicht über den Markt und die kennen ihre Marktfahrer. Das wäre meiner Meinung nach die sichere Variante. Zwar wird es selten vorkommen, dass jemand Beinwellblätter zur Teezubereitung kauft, aber manche Leute verwenden sie als Wildgemüse. Und das würde dann auch reichen für eine veritable Vergiftung, wenn statt Beinwellblätter irrtümlich Fingerhut verkauft wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Phytotherapie: EMA veröffentlicht Empfehlungen zu Phytopharmaka

Die europäische Aufsichtsbehörde „European Medicines Agency“ (EMA) will Informationen zu pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Deshalb werden ab sofort die Empfehlungen zur Anwendung von Phytopharmaka, die der zuständige Ausschuss, das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), publiziert, in laienverständlicher Sprache zusammengefasst.

Die Zusammenfassungen umfassen Informationen zur Bewertung des Phytopharmakons, die Schlussfolgerungen des HMPC betreffend die empfohlene Anwendung, sowie die Daten, auf denen die Empfehlungen basieren und Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen.

Diese Angaben sollen die Packungsbeilage ergänzen und den Bürgern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie die entsprechenden Präparate in der Selbstmedikation anwenden.

Für sechs Heilpflanzen, deren Bewertung schon abgeschlossen ist, wurden die Zusammenfassungen nun publiziert.

In Zukunft sollen diese Dokumente für alle neu bewerteten Heilpflanzen sowie für alle Revisionen, die im Rahmen der üblichen Routine stattfinden, verfügbar sein.

Die EMA beabsichtigt, nach und nach die publizierten Zusammenfassungen in alle offiziellen Sprachen der EU zu übersetzt.

Bislang publiziert sind:

 

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia california)

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Beinwell (Symphytum officinale)

Paprika (Capsicum annuum)

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella)

 

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/08/05/phytoempfehlungen-der-ema-kuenftig-auch-fuer-laien-verstaendlich/16417.html

Kommentar & Ergänzung:

So kommen Sie zu diesen Zusammenfassungen:

Gehen Sie auf die Übersichtsseite. Unter „Browse A – Z“ klicken Sie auf den Buchstaben, der dem ersten Buchstaben des lateinischen Namens der Heilpflanze entspricht, die Sie suchen.

Aus der Liste wählen Sie die entsprechende Heilpflanze aus.

Wenn Sie auf der Seite der gesuchten Heilpflanze sind, zum Beispiel „Ginkgo“, dann sehen Sie zuerst die Zusammenfassung. Unter „All documents“ kommen Sie zu PDFs mit weiteren Informationen.

Dort können Sie zum Beispiel die Monografie zu Ginkgo abrufen.

Die Beschreibungen der Heilpflanzen ist nicht umfangreich. Davon sollte man sich nicht über ihren Wert täuschen lassen. Die Knappheit ist Resultat eines wohl ziemlich aufwendigen Auswahlprozesses. Die Quantität sagt nichts über die Qualität aus. Das ist im übrigen ähnlich bei Vorträgen und Kursen über Heilpflanzen. Wer am meisten über fast unendliche und wunderbare Anwendungsmöglichkeiten erzählt, hat sich vielleicht einfach um den aufwendigen Auswahlprozess gedrückt.

Interessant bei diesen Monografien ist zum Beispiel die Unterscheidung in „Well-established-use“ (linke Spalte) und „Traditional use“ (rechte Spalte).

„Well-established-use“ – das umfasst Aussagen, für die es wissenschaftliche Daten gibt.

„Traditional use“ – damit sind Aussagen zu Heilwirkungen gemeint, die ausschliesslich auf überlieferten Angaben aus langjähriger Anwendung basieren.

Monografien als Form der Qualitätssicherung

Die detaillierte Beschreibung von Heilpflanzen in Monografien, wie es hier das HMPC macht, ist eine Form der Qualitätssicherung in der Phytotherapie. Der wesentlichste Punkt dabei ist, dass die Quellen offengelegt werden, auf denen die Aussagen basieren.

Sie finden diese Quellenangaben unter „All documents“ als PDF mit dem Titel „List of references supporting the assessment of….“.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Aussagen in Monografien, die in einem kooperativen Verfahren zustande gekommen sind und auf offengelegten Quellen beruhen, haben einen viel höheren Glaubwürdigkeitsgrad als isolierte Behauptungen von Einzelpersonen.

Der Weg, wie eine Aussage zustande gekommen ist, muss so gut wie möglich dokumentiert sein. Das bieten Monografien in hohem Mass.

Neben diesen neuen HMPC-Monografien sind in der Phytotherapie die ESCOP-Monografien und die älteren Monografien der Kommission E wichtig. Auch die WHO erstellt Monografien von Heilpflanzen.

Phytotherapie: Was sind ESCOP-Monografien

Phytotherapie: Kommission E – was beudeutet das?

Es wimmelt aber von isolierten Behauptungen von Einzelpersonen über die Wirkungen von Heilpflanzen. Behauptungen, die keinen kooperativen Diskussionsprozess überstanden haben und deren Entstehungsweg nicht transparent dokumentiert ist.

Was ist von solchen Behauptungen zu halten?

Nur weil es isolierte, undokumentierte und oft intransparent entstandene Behauptungen von Einzelpersonen sind, müssen sie ja nicht falsch sein.

Sie könnten trotzdem korrekt sein, aber sie haben wesentliche Prüfungen durch die „Community“ der Fachleute nicht hinter sich. Und daher sind sie wesentlich ungewisser und weniger glaubwürdig.

Beispiele für solche freischwebenden, isolierten, undokumentierten Behauptungen, die häufig anzutreffen, aber fragwürdig sind:

Storchenschnabeltinktur gegen Schock

Karde gegen Borreliose

Kleiner Kommentar zu den 6 veröffentlichten Zusammenfassungen

Da sind sehr unterschiedliche Heilpflanzen ausgewählt worden von den Anwendungsbereichen und von der Bedeutung her.

Ein paar Stichworte:

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia california)

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia californica, Papaveraceae) wird traditionell als Beruhigungsmittel und als leichtes Schlafmittel in der amerikanischen Indianermedizin angewendet. Diese Heilpflanze ist in der Schweiz wenig bekannt. Es gibt aber seit 2008 ein zugelassenes Arzneimitttel. Die wissenschaftliche Datenbasis ist schmal (Tierversuche, keine ausreichenden Patientenstudien)

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Ginkgo-Extrakt gehört zu den meistverkauften und am besten untersuchten Heilpflanzen. Patientenstudien sprechen für eine positive Wirkung im Frühstadium von Demenzerkrankungen.

Beinwell (Symphytum officinale)

Äusserlich als entzündungshemmende Salbe oder Gel oft angewendet bei stumpfen Verletzungen (Prellungen, Verstauchungen) und Gelenkentzündungen. In den letzten Jahren zunehmend wissenschaftlich erforscht mit Patientenstudien, welche diese Wirkungen teilweise untermauern konnten.

Paprika (Capsicum annuum)

Paprika enthält als wichtigsten Inhaltsstoff das Alkaloid Capsaicin mit schmerzstillender, juckreizlindernder und entzündungshemmender Wirkung. Äusserlich angewandt lassen sich damit zum Beispiel Gelenkschmerzen, Neuralgien und manche Formen von Juckreiz behandeln. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Studien.

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Enthält Gerbstoffe und kann beispielsweise bei leichten Durchfallerkrankungen und leichten Mundschleimhautentzündungen angewendet werden. Da es viele und wahrscheinlich auch besser wirksame Gerbstoffpflanzen gibt, wird Odermennigkraut nur selten eingesetzt. Patientenstudien fehlen.

Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella)

Diese Pflanze ist mir in der Phytotherapie-Fachliteratur noch nie über den Weg gelaufen und daher überrascht es mich, sie hier in dieser Liste anzutreffen. Auf den Kräuterwanderungen sehe ich sie oft. Die langen Haare auf den Blättern sind sehr auffällig und haben zur Bezeichnung Mausohr-Habichtskraut geführt (auch: „Langhaariges Habichtskraut“ oder von mir inoffiziell „Dreitagebart-Habichtskraut“ genannt).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Dill (Anethum graveolens) als Gewürz und Heilpflanze

Die Zeitschrift „Phytotherapie“ publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zu Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Dill, einer alten Heilpflanze, die heute vor allem als Gewürz verwendet wird. Nachfolgend eine Zusammenfassung.

Die historischen Angaben zur medizinische Nutzung des Dills bei Albertus Magnus (1200 – 1280) und Paracelsus (1493 – 1541) gleichen sich weitgehend. Dill wird empfohlen als Karminativum (gegen Blähungen), Stomachikum (magenstärkendes Mittel), Galaktagogum (milchbildungsförderndes Mittel), Schmerzmittel, gegen Übelkeit, Mundgeruch, Hämorrhoiden, Kondylome und Schlaflosigkeit. Auf die weitverbreitete Nutzung des Dills verweist die Bemerkung, dass er »allen luten sy wolbekant« in einem der ersten gedruckten Kräuterbücher, dem Gart der Gesundheit (1485). Dem aromatischen Geruch verdankt der Dill seinen Ruf als Pestpflanze. So wurden die Früchte in Peststuben geräuchert und innerlich als Bestandteil des Tugendpulvers, als Roborans (Kräftigungsmittel) und Pesttherapeutikum verwendet.

Gegenwärtig wird Dill nur noch selten in der westlichen Phytotherapie genutzt, meist in Form von Dillwasser oder Sirup als Karminativum für Kinder, hauptsächlich in Großbritannien. In der Volksmedizin wurde Dill gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt: Hämorrhoiden (als Presssaft), Skorbut (Vitamin-C-Gehalt des Krautes!), die Früchte gegen Zyklusstörungen und Erbrechen, das Kraut gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Niere, Harnwege, bei Schlafstörungen und Krämpfen, außerdem bei Tumoren, Kondylomen, Indurationen, Husten, Schluckauf, Bauchschmerzen, Brustgeschwüren, Prellungen, Wassersucht, Gelbsucht und als Diuretikum. Als Galaktagogum wird Dilltee auch heute noch angewendet.

Inhaltsstoffe

Ein großer Teil der Dill-Produktion wird für die industrielle Herstellung von eingelegtem Gemüse genutzt, vor allem von Gurken. Dillkraut enthält getrocknet 0,12 – 1,9% ätherisches Öl mit 6- 44% (+)-Carvon, Limonen, Dillether und Myristicin. Neben anderen Komponenten sind hauptsächlich Dillether, α-Phellandren, Limonen und Myristicin für das charakteristische Dillaroma verantwortlich. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls, vor allem dessen Gehalt an (+)-Carvon schwankt stark. Außerdem enthält das Kraut Flavonolglykoside mit Quercetin und Isorhamnetin als Aglyka und es wurde Scopoletin nachgewiesen.

Dillfrüchte enthalten 2,5 – 4% ätherisches Öl. Es besteht im Wesentlichen aus (+)-Carvon, (+)-Limonen und α- Phellandren.

Ausserdem enthalten Dillfrüchte Furano- und Hydroxycumarine wie Bergapten und Umbelliferon, Flavonolglykoside, die sich vom Kämpferol, Isorhamnetin und Quercetin ableiten, sowie 10–20% fettes Öl.

Durch Wasserdampfdestillation der getrockneten Samen gewinnt man das schwach gelbe, kümmelähnlich riechende Dillöl (Anethi aetheroleum).

Wirkungen

Aus der Dillpflanze hergestellte Arzneimittel werden heute in der westlichen Medizin nur noch selten angewendet. Wissenschaftlich anerkannt ist der Einsatz von Dillfrüchten (Anethi fructus) Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Bescherden). Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und schützen die Magenschleimhaut Auch in der vietnamesischen Medizin wird der Dill bei Darmkrankheiten eingesetzt. Die Kommission E bewertete den Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden als positiv, jedoch kommt den Kümmelfrüchten durch ihre stärkere Wirkung auch eine größere Bedeutung zu. Dillfrüchte sind aber bei Blähungen, Völlegefühl und ähnlichen Verdauungsbeschwerden eine Alternative für Menschen mit einer Abneigung gegen den Kümmelgeschmack.

Die im ätherischen Öl von Dillkraut (Anethi herba) vorkommenden (+)-Carvon, Dillether und Limonen führen im Tierversuch zu einem Anstieg der Glutathion-S-Transferase in der Leber und der Dünndarmschleimhaut Dieses Enzym spielt bei der Entgiftung von organischen Substanzen im Körper eine bedeutende Rolle.

Durch viele Studien sind die antibakteriellen und fungistatischen Effekte des ätherischen Öls der Früchte und des Krautes belegt. Die antimikrobielle Aktivität einiger Inhaltsstoffe des Dills könnte ein Grund für dessen vielseitige Verwendung als Gewürz sein, da dadurch die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert wird.

Das fruchtreife oberirdische Dillkraut entfaltet insektizide ( = insektentötende) und repellierende ( = insektenvertreibende) Wirkungen, u.a. durch die im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin und Dillapiol.

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 5/2013

Online

http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1349763

Kommentar & Ergänzung:

Von der Wirkung her gehört Dill in die Nähe von Fenchel, Kümmel und Anis. Er gilt in der Wirkung gegen Verdauungsbeschwerden aber als schwächer. Eine Wirksamkeit als Galaktagogum ist nicht belegt.

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Rechtsstaat auf dünnen Eis?

Anfang Juni hat ein Luzerner Elite-Polizist bei einer Festnahme einem Einbrecher, der mit ausgebreiteten Armen am Boden lag, mehrmals mit dem Stiefel gegen den Kopf getreten.

Der rumänische Einbrecher erlitt bei dem Übergriff Prellungen, Blutergüsse und Schürfwunden am Kopf. Nun hat die „Rundschau“ Videoaufnahmen einer Überwachungskamera gezeigt, von der der Polizist nichts wusste.

Quelle:

http://www.blick.ch/news/schweiz/zentralschweiz/polizist-tritt-einbrecher-gegen-den-kopf-id2414702.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist selbstverständlich unakzeptabel. Was mir aber am meisten zu denken gibt, sind die Kommentare auf der Website des „Blicks“, die zu einem erschreckend grossen Teil sagen „gut so“ oder „Der Polizist hat Recht, man muss es diesen Kriminellen mal zeigen“.

Diese Kommentarschreiber verstehen offensichtlich nicht, dass ein Polizist hier keinen Spielraum haben darf, wenn wir in einem Rechtsstaat leben wollen. Keinen Spielraum.

Hat ein Polizist einen Spielraum, ob und wie viele Tritte er bei einer Verhaftung austeilt, leben wir nicht mehr in einem Rechtsstaat.

Bei uns wird relativ viel über den Begriff „Demokratie“ diskutiert in dem Sinne, dass das Volk sagt, wo’s lang geht.

Wenn ich mir die Kommentare im „Blick“ anschaue, müsste wohl mehr über Rechtsstaatlichkeit geredet werden, ein Prinzip, das genauso wichtig ist wie Demokratie.

Staatliche Organe und Beamte (insbesondere Gerichte und Polizei) müssen sich an Gesetze und Regeln halten. Vielleicht ist das bei uns so selbstverständlich geworden, dass der Wert eines Rechtsstaates nicht mehr so ohne weiteres einsichtig ist.

Den Gegensatz zum Rechtsstaat bildet jedoch der Willkürstaat, der Despotismus, beziehungsweise der Polizeistaat.

Bewohnerinnen und Bewohner von Staaten, in denen ein Rechtsstaat fehlt oder mangelhaft ist, könnten darüber besser berichten, welchen Preis man unter solchen Verhältnissen zahlt.

Auch auf der Website von Amnesty International finden sich dazu unzählige Beispiele.

Dem Rechtsstaat Sorge zu tragen – das ist im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger.

Die Hoffnung der Kommentierenden, dass staatliche Übergriffe auf Wehrlose eine abschreckende Wirkung hätten, ist zudem sehr trügerisch und dürfte wohl nicht zutreffen. Abschreckend auf die Begehung von Straftaten wirkt – die Kriminologie würde das wohl bestätigen – wenn das Risiko erwischt zu werden steigt.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

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Quarkwickel / Quarkauflage lindert Entzündungen

Die MDR-Sendung „Hauptsache gesund“ stellt die Quarkauflage bzw. den Quarkwickel und seine Wirkung vor:

„Quark hat eine ähnlich entzündungshemmende Wirkung wie Kohl und hat die Fähigkeit, überschüssige Wärme aus dem Körper zu ziehen. Quarkwickel sind geeignet bei Venenentzündungen, Sonnenbrand oder Brustentzündungen. Für den Wickel streicht man den kalten Quark etwa fingerdick auf ein Mulltuch, schlägt es ein und legt es dann auf die schmerzende Stelle. Mindestens eine halbe Stunde einwirken lassen. Sobald der Quark eingetrocknet ist, kann er abgewaschen werden.“

Quelle:

http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/lebensmittel188_dosArt-lebensmittel204_zc-f0f5bea5.html

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Anwendungsbereiche von Quarkwickel / Quarkauflage sind:

Halsschmerzen, Heiserkeit, Gelenkentzündungen, Prellungen, Verstauchungen, Insektenstiche, Ekzeme, Akne, Neurodermitis.

Keine Quarkanwendungen durchführen bei offenen Wunden (z. B. Ulcus cruris, Dekubitus), um ein hygienisches Risiko auszuschliessen.

Quarkwickel kühlen und lindern Entzündungen.

Unsinnig sind meines Erachtens die Geschichten, wonach der Quarkwickel  „Giftstoffe“ aus dem Körper zieht. Es ist nämlich völlig unklar,

– um welche Art von „Giftstoffen“ es sich da handeln soll,

– wie der Quark „weiss“, welche Stoffe er als „Giftstoffe“ herausziehen soll und welche drin bleiben müssen, und

– mit welcher Art von Kraft der Quark dieses Herausziehen bei intakter Haut bewerkstelligt.

Manchmal höre ich, der Quarkwickel ziehe „osmotisch“ Giftstoffe raus. Das ist aber nicht möglich, weil es für Osmose eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran braucht. Die Haut ist aber keine semipermeable Membran, sonst wäre es ziemlich gefährlich, in die Badewanne zu steigen…..

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Das PECH-Schema bei Sportverletzungen

In verschiedenen Sportarten kann es zu akuten stumpfen Verletzungen kommen, beispielsweise Prellungen, Muskelrisse, Bänderrisse, Hämatome (Blutergüsse), Ermüdungsbrüchen. Durch den Aufprall gelangen Flüssigkeit aus Zellen und Blut aus den Gefässen ins Gewebe und es entwickelt sich eine Schwellung.

Durch Sofortmassnahmen nach dem PECH-Schema lassen sich die Folgen einer leichten Verletzung eindämmen und die Rehabilitationszeit verkürzen.

Das PECH-Schema:

P: Pause

E: Eis

C: Compression

H: Hochlagerung

Nach dem Unfall wird die betroffene Körperstelle am besten sofort gekühlt. Die Kälte zieht die Blutgefässe zusammen (Vasokonstriktion), führt zu einer Schmerzreduktion und hemmt die Bildung von Schwellungen und Hämatomen. Zur Kühlung geeignet sind beispielsweise Eis, Wasser oder Kältepackungen. Um lokalen Erfrierungen vorzubeugen, ist direkter Hautkontakt zu vermeiden.

Um darüber hinaus ein Anschwellen zu verhindern, wird mit einer breiten elastischen Binde ein Druckverband angelegt (Compression). Zur Fortführung der Kältetherapie werden die einzelnen Lagen dieses Druckverbandes mit Eiswasser oder Kühlspray getränkt.

Anschliessend wird die verletzte Gliedmasse hochgelagert, was den venösen Abfluss und das Abschwellen fördert. Falls möglich soll der betroffene Körperteil während 12-24 Stunden über Herzebene hochgelagert werden.

Zu empfehlen ist eine Schonzeit von ca. 2 Tagen, nach der wieder mässig belastet werden sollte. Erfolgt bis zu diesem Zeitpunkt keine Besserung, ist ärztliche Hilfe beizuziehen.

Literatur:

_Pharmazeutische Zeitung, Nr. 29/2012/Supplement/p6

_Sportler in der Apotheke; Govi-Verlag 2004; p173

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4672&NMID=4672&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Den schmerzstillenden Kälteeffekt kann man auch mit Pfefferminzöl auslösen.

Pfefferminzöl wirkt kühlend über eine Aktivierung von Kälterezeptoren. Es löst also eine Kälteempfindung aus, ohne temperaturmässig zu kühlen. Eine schmerzstillende Wirkung kommt auf diese Art ebenfalls zustande – via Counter-Irritation. Die Vasokonstriktion dürfte aber mit dem Pfefferminzöl wohl ausbleiben.

Bei Sportverletzungen setzt die Phytotherapie ausserdem ein:

Umschläge mit verdünnter Arnikatinktur.

Beinwellsalbe / Beinwellgel.

Siehe auch:

Alternativmedizin – was hilft bei Sportverletzungen

Phytotherapie: Arnika – Wirkung – Anwendungsbereiche – Allergiepotenzial

Prellung und Hämatom mit Heilpflanzen behandeln

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Lavendelöl als Appetithemmer?

Lavendelöl zeigt eine gute Wirkung als Beruhigungsmittel und als Einschlafhilfe.

In einem Interview mit dem ORF macht die Ernährungswissenschaftlerin Veronika Somoza von der Universität Wien eine interessante Anmerkung zum Lavendel. Sie erwähnt dabei eine Untersuchung mit Ratten:

„Tiere, auf deren Käfige ein mit Lavendel getränktes Stück Stoff gelegt wurde, fraßen messbar weniger.“

Quelle: http://science.orf.at/stories/1695533/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist zwar nur ein (wahrscheinlich verhältnismässig tierfreundlicher) Tierversuch. Dabei bleibt offen, ob eine ähnliche Wirkung auch beim Menschen zu erwarten ist. Obwohl der Hinweis kaum Infos enthält, ist er natürlich interessant und ich habe versucht, mehr über diese mögliche Lavendel-Wirkung herauszufinden.

In einem „Standard“-Interview vom Februar beschreibt Veronika Somoza den Versuch etwas genauer:

„Man konnte die Wirkung von Linalool, eine Verbindung, die im Lavendel, in schwarzem Pfeffer und Ingwer vorkommt, nachweisen, allerdings nur in Tierstudien. Ratten, denen über ein Monat täglich eine Viertelstunde ein mit Lavendelöl getränktes Stück Stoff auf den Käfig gelegt wurde, fraßen weniger als die Kontrollgruppe. Das heißt aber nicht, dass man das Schnuppern an einem Lavendeltaschentuch als neue Diätmaßnahme proklamieren kann, so weit sind wir noch nicht.“

Quelle: http://derstandard.at/1329703280417/Saettigungsgefuehle-Es-ist-die-Nadel-im-Heuhaufen-die-wir-suchen

Der Hinweis auf eine appetithemmende Wirkung des Lavendelöls findet sich auch in einem „Welt“-Artikel von 2008:

„Auch innerlich entfaltet das blaue Kraut seine wohltuende Wirkung. Als Tee hilft es gegen Blähungen und Magen-Darm-Beschwerden und soll – im Gegensatz zu Lavendelöl, dem man eine appetithemmende Wirkung zuspricht – den Appetit fördern. Abends vorm Schlafengehen ist ein heißer Lavendeltee mit Honig der optimale Schlummertrunk. Und selbst in der Küche kommt Lavendel zur Anwendung: es ist Bestandteil vieler Kräuter-der-Provence-Gewürzmischungen und auch Eintöpfe, Fischsuppen und Hammelfleischgerichte werden mit Lavendel gewürzt. Kreationen wie Lavendelkekse, -schokolade und -eis sind eher ein Phänomen jüngerer Zeit.“

Quelle: http://www.welt.de/lifestyle/article1530953/Was_gewoehnlicher_Lavendel_alles_kann.html

Der „Welt“-Text bringt aber auch gute Informationen zur äusserlichen Anwendung von Lavendel bzw. Lavendelöl:

„Lavendel ist eines der vielseitigsten ätherischen Öle, das bei kleinen Verbrennungen, Hautabschürfungen, Schnittwunden, Prellungen, Entzündungen oder Insektenstichen hilft. Auf die betroffene Stelle geträufelt sorgt Lavendel für eine schnelle Heilung. In der Duftlampe angewendet verbreitet das Lavendelöl einen Wohlfühlduft, der ausgleichend und stimmungsaufhellend wirkt. Gibt man einige Tropfen Lavendelöl aufs Kopfkissen, schläft man besser. Unter Fernreisenden, die sich an einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnen müssen, gilt er als Geheimtipp. Und ein paar Lavendelblüten zwischen den Bettlaken sollen dafür sorgen, dass sich ein Paar nie streitet.“

Quelle: http://www.welt.de/lifestyle/article1530953/Was_gewoehnlicher_Lavendel_alles_kann.html

Ergänzend noch als Indikation für die äusserliche Anwendung von Lavendelöl: Fusspilz.

Und zum Lavendelbad:

„Ein Lavendelbad hilft gegen Erschöpfung, Nervosität und Muskelkater. Wer nicht auf einen der zahlreichen Badezusätze in Form von Öl, Milch, Sprudeltabletten oder Schaumbad zurückgreifen will, kann eine Tasse Lavendelblüten in einem Liter Wasser aufkochen, durchsieben und dem warmen Badewasser zugeben. Bei unreiner Haut kann eine selbst gemachte Lavendeltinktur klärend wirken. Dafür werden Lavendelblüten mit Alkohol angesetzt.“

Quelle: http://www.welt.de/lifestyle/article1530953/Was_gewoehnlicher_Lavendel_alles_kann.html

Lavendelöl eignet sich gut als Entpannungsbad und als Abendbad zur Schlafförderung. Am einfachsten mischt man dazu etwa 8 Tropfen Lavendelöl mit etwas Kaffeerahm oder mit einer Tasse Vollmilch. Die Mischung gibt man dann ins Badewasser.

Zu Lavendelöl siehe auch:

Lavendelöl: Grosse Qualitätsunterschiede

Orangenöl & Lavendelöl bei Zahnarztangst

Lavendelöl gegen Hautpilze

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

Lavendel belebt in der  dunklen Jahreszeit

Lavendelöl zur Behandlung von Angststörungen

Lavendelöl-Bestandteil Linalool dämpft Stressreaktion

Wer sich vertieft für Wirkung und Anwendungsbereiche von Lavendelöl interessiert, findet dazu Informationen in meiner Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen statt Schmerztabletten

Das empfiehlt die „Bild“-Zeitung. Gutgemeinte Idee, aber mit den konkreten Ratschlägen happert es noch ein bisschen:

„Gegen Muskelschmerzen können Sie eine Baldrian- oder Arnika-Tinktur auf verspannte oder gezerrte Muskeln auftragen und sanft einmassieren.“

Quelle: http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/schmerzmittel/gefahr-segen-was-sie-wissen-muessen-23018112.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Arnikatinktur, liebe Bild-Zeitung, darf nie unverdünnt aufgetragen werden, weil sie sonst zu aggressiv auf die Haut wirkt und Entzündungen auslösen kann. Das müsste man der Leserschaft sagen. 1:10 mit Wasser verdünnt wirkt Arnikatinktur aber gegen Blutergüsse, Verstauchungen, Quetschungen. Arnikagel oder Arnikasalbe sind allerdings üblichere  Anwendungsformen.

Baldriantinktur wirkt bei ausreichender Dosierung als mildes Beruhigungsmittel, aber nur bei innerlicher Anwendung. Reibt man die Baldriantinktur ein, hat man eventuell einen Effekt durch den verdunstenden Alkohol. Dann könnte man aber jeden Schnaps nehmen oder besser noch Wacholdergeist, der ausserdem durchblutungsförderndes Wacholderöl enthält.

Heikel ist das Einreiben von Baldriantinktur, wenn man eine Katze im Haus hat. Sie wird an der eingeriebenen Stelle die Krallen wetzen und sich auch sonst ziemlich auffällig verhalten. Die Rechung für allfällige Schäden schicken Sie am besten der Bild-Zeitung……

Die schnellste schmerzlindernde Wirkung bei Muskelschmerzen, Prellungen etc. hat Pfefferminzöl (5 – 10 % Pfefferminzöl gemischt mit Mandelöl).

Prellung und Hämatom mit Heilpflanzen Behandlung

Hausmittel gegen Insektenstiche, Prellungen und Juckreiz

Alternativmedizin – was hilft bei Sportverletzungen

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Arnika – welche Anwendungen sind medizinisch anerkannt?

Arnika (Arnica montana) ist eine der bekanntesten Heilpflanzen. Sie wird vor allem eingesetzt als Arnikagel / Arnikasalbe oder als (verdünnte) Arnikatinktur.

Folgende Anwendungsbereiche gelten in der Phytotherapie als anerkannt:

„Zur äußerlichen Anwendung bei Verletzungs- und Unfallfolgen, z.B. bei Hämatomen, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen, Frakturödemen; außerdem bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden. Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachenraum; Furunkulose und Entzündungen als Folge von Insektenstichen; oberflächliche Venenentzündung (Kommission E); äußerlich bei Blutergüssen Verstauchungen und Entzündungen infolge von Insektenstichen; bei Mundschleimhautentzündungen, aphthenartigen Geschwüren; zur symptomatischen Behandlung von rheumatischen Beschwerden (ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/arnika.php

Kommentar & Ergänzung:

Arnika gehört zu den bekanntesten Alpenpflanzen und wächst auf sauren Böden.

Eine gute Übersicht zu den Wirkungen von Arnika gibt Wikipedia:

„Den antiken Schriftstellern war Arnika als Heilpflanze nicht bekannt. Die wohl früheste Erwähnung findet sich bei Hildegard von Bingen. Bei der von ihr als „Wolfsgelegena“ bezeichneten Pflanze könnte es sich um die Arnika handeln. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Arnika tatsächlich bei Beschwerden und Krankheiten eingesetzt. Das Anwendungsspektrum war weit gefächert, neben Blutergüssen und allgemeinen Verletzungen wurden auch Krampfadern, Venenentzündungen, Gicht und Rheuma behandelt. Außerdem fand eine Verwendung als Analeptikum und Stimulans statt. Häufig wurde es auch missbräuchlich als Abortivum benutzt.

Heutzutage wird Arnika zur äußeren Anwendung bei Verletzungen und bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden verwendet. Die Anwendung ist dabei zugelassen und klinisch belegt.

Bei der äußeren Anwendung wird am häufigsten eine (alkoholische) Tinktur hergestellt. Hierbei gehen die meisten Sesquiterpenlactone in Lösung. Auf Wasserbasis kann man auch einen wässrigen Auszug verwenden, bei dem 75 % der Sesquiterpenlactone in Lösung gelangen. Tinkturen bzw. Auszüge zur äußeren Anwendung wirken antimikrobiell und antiphlogistisch. Arnika-Salben bzw. Arnika-Gele können auch bei Veneninsuffizienz einen therapeutischen Effekt erzielen.

Da die innere Anwendung nicht zugelassen ist, wurden sehr viele Teepräparate vom Markt genommen. Nur zur äußeren Anwendung sind diese erlaubt, wenngleich nicht zum Dauergebrauch. Hierbei wurden Arnikablüten mit kochendem Wasser überbrüht und ausgesiebt. Heutzutage ist die Teebereitung indes nicht mehr so gebräuchlich.

Besonders in der Homöopathie werden Arnika-Potenzen häufig bei Blessuren eingesetzt. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten keinen Nutzeffekt dieser Präparate feststellen.“

(Quelle: Wikipedia)

Mit „Arnika-Potenzen“ sind homöopathische Globuli gemeint. Erkennbar sind diese Produkte an den Verdünnungsstufen, die dem Namen “Arnica” folgen. Also zum Beispiel Arnica D6, Arnica C30, Arnica C200.

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