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Homöopathie: Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen wirksam?

Bei Heilpflanzen-Anwendungen kommt es immer auch auf die Form an, in welcher sie eingesetzt werden. Dabei kommt es in den Medien oft zu verwirrenden bis irreführenden Aussagen. Auch werden homöopathische und phytotherapeutische Anwendungen oft verwechselt.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an:

Die österreichische „Kronenzeitung“, ein Boulevardblatt von fundamental fragwürdigem Niveau, berichtet über die Anwendung von Arnika-Globuli:

« „Arnika ist wohl eines der bekanntesten homöopathischen Mittel für Sportler. Es lindert Schmerzen, verhindert massive Schwellungen sowie Blutergüsse und beschleunigt den Heilungsprozess“, erklärte der Wiener Orthopäde und Sportmediziner Dr. Karl- Heinz Kristen auf einer Pressekonferenz. „Typischerweise zu verwenden bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen mit Gewebeeinblutungen, Verschlimmerung durch Bewegung, Ruhelosigkeit und Verbesserung durch Kälte, z.B. bei Prellungen oder Zerrungen.“ »

Quelle:

 

http://www.krone.at/gesund-fit/mit-homoeopathie-durch-die-warme-jahreszeit-ausflug-und-reise-story-562777

Kommentar & Ergänzung:

Interessant wäre zu erfahren, welche Firma die Pressekonferenz veranstaltet hat, doch leider hält die Journalistin das offenbar nicht für mitteilungswert.

Arnika-Globuli werden oft empfohlen bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Blutergüssen etc.

Die Schwierigkeit bei der Beurteilung von Behandlungserfolgen bei solchen Verletzungen liegt darin, dass im Einzelfall nicht gewusst werden kann, wie der Heilungsverlauf ohne Behandlung vonstatten gegangen wäre.

Aus diesem Grund macht man Studien, in denen die eine Gruppe mit Arnika-Globuli behandelt wird, und eine andere Gruppe mit einem Scheinmedikament (Placebo). So lässt sich unterscheiden, ob die Besserung mit Arnika-Globuli rascher eintritt als wenn man ohne Behandlung auf die natürlichen Selbstheilungskräfte setzt.

Solche kontrollierten Studien wurden mit Arnika-Globuli in namhafter Zahl durchgeführt.

Studien unterscheiden sich aber häufig stark in ihrer Qualität und nicht selten auch im Ergebnis. Wenn man eine verlässlichere Aussage bekommen will, fasst man daher die Resultate der qualitativ besten Studien in einer Metaanalyse zusammen. Das wurde für Arnika-Globuli bereits 1998 von Ernst & Pittler gemacht. Acht Studien wurden für die Metaanalyse ausgewertet:

Arch Surg. 1998 Nov;133(11):1187-90.

Efficacy of homeopathic arnica: a systematic review of placebo-controlled clinical trials.

Ernst E1, Pittler MH.

Die Autoren fanden keinen Unterschied zwischen der Placeo-Gruppe und der Arnika-Globuli-Gruppe:

„RESULTS: Eight trials fulfilled all inclusion criteria. Most related to conditions associated with tissue trauma. Most of these studies were burdened with severe methodological flaws. On balance, they do not suggest that homeopathic arnica is more efficacious than placebo.

CONCLUSION: The claim that homeopathic arnica is efficacious beyond a placebo effect is not supported by rigorous clinical trials.“

Quelle:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9820349?dopt=Abstract

Langversion hier.

http://www.crd.york.ac.uk/CRDWeb/PrintPDF.php?AccessionNumber=11998002055&Copyright=Database+of+Abstracts+of+Reviews+of+Effects+%28DARE%29%3Cbr+%2F%3EProduced+by+the+Centre+for+Reviews+and+Dissemination+%3Cbr+%2F%3ECopyright+%26copy%3B+2017+University+of+York%3Cbr+%2F%3E

 

Während also Ernst & Pittlersich auf die acht qualitativ besten Studien beschränkten, habe im Jahr 2005 Rainer Lüdtke und Daniela Hacke alle prospektiven, kontrollierten Studien ausgewertet, bei denen Arnika homöopathisch verordnet wurde (insgesamt 49 Studien). Lüdtke und Hacke arbeiten bzw. arbeiteten für die Carstens-Stiftung, die sich der Förderung der Homöopathie verschrieben hat. Die Studie mit dem Titel „Zur Wirksamkeit des homöopathischen Arzneimittels Arnica montana“  kommt zu folgenden Schlussfolgerungen:

„Eine Wirksamkeit homöopathischer Arnika ist statistisch nicht nachzuweisen, aber auch nicht auszuschließen. Die Ergebnisse weisen eine hohe Heterogenität auf, die auch durch die Meta-Regression nicht eliminiert wird.“

Quelle:

Wiener Medizinische Wochenschrift

November 2005, Volume 155, Issue 21, pp 482–490

http://link.springer.com/article/10.1007/s10354-005-0227-8?no-access=true

Oft zeigen sich in qualitativ schlechteren Studien positive Ergebnisse, die sich in gut gemachten Studien nicht reproduzieren lassen. Aber selbst mit Einbezug dieser schlechteren Studien konnten die Autoren, die zudem der Homöopathie zugewandten sind, keine überzeugenden Resultate finden.

Erstaunlich ist meines Erachtens, dass diese doch sehr eindeutige Studienlage in der Verordnungspraxis offenbar keine Beachtung findet. Arnika-Globuli gehören nach wie vor zu den am häufigsten angewandten Homöopathika.

Die Empfehlung von Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen müsste eigentlich „tot“ sein, wenn aus der Studienlage Konsequenzen gezogen würden.

Passend zum Thema ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe.

Zitat des Tages von Johann Wolfgang von Goethe

Und wie sieht die Situation bezüglich Arnika in der Phytotherapie aus?

Die Phytotherapie-Fachliteratur lehnt die innerliche Anwendung von Arnika ab, weil die Sicherheit nicht ausreichend geklärt ist.

Phytotherapeutisch wird Arnika daher nur äusserlich angewendet – vor allem als Arnikagel oder in Form von verdünnter Arnikatinktur – zum Beispiel bei Verletzungs- und Unfallfolgen wie Hämatomen, Prellungen, Quetschungen; bei rheumatischen Muskel- und Gelenksbeschwerden und bei Entzündungen als Folge von Insektenstichen.

Schaut man sich hier die Studienlage an, ist das Fazit ebenfalls nicht so eindeutig. Das hängt auch damit zusammen, dass phytotherapeutische Arnikapräparate in sehr unterschiedlicher Qualität im Handel sind. Homöopathische Arnika-Globuli sind dagegen sehr eindeutig definiert, so dass Studienergebnisse gut auf die Arnika-Globuli aller Hersteller übertragen werden können.

Bei phytotherapeutischen Arnikapräparaten sind die Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Zubereitungsformen und Markenprodukten so gross, dass Studienergebnisse mit einem Präparat nicht ohne weiteres auf andere Präparate übertragen werden können. Das macht eine generelle Bewertung der Studienlage schwierig. Eine Studie gilt daher eigentlich nur für das Präparat, das gerade untersucht wurde.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt zur Studienlage für die äusserliche Anwendung von Arnikapräparaten:

„In einer klinischen Doppelblindstudie zum Wirksamkeitsnachweis von Arnika-Salbe und Arnika-Gel bei chronischer Veneninsuffizienz konnten signifikant positive Effekte nachgewiesen werden. In einer klinischen Studie mit Patienten mit Osteoarthritis an den Händen konnte bei Behandlung mit Ibuprofen-Gel oder mit Arnika-Gel in beiden Gruppen eine vergleichbare Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerzreduktion festgestellt werden. Eine systematische Auswertung von 11 Studien zur topischen Anwendung von Arnika-Zubereitungen in der Behandlung von Schmerzen, Schwellungen und hämatomen kommt zum Schluss, dass eine Tendenz zu Wirksamkeit gegeben ist, aber weitere Studien – eventuell auch mit höheren Dosierungen – wünschenswert wären.“

Klar ist: In der Phytotherapie braucht es ziemlich viel fundiertes Wissen, um ein geeignetes Präparat und eine geeignete Zubereitungsform auszuwählen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Durchspülungstherapie bei Blasenentzündung

Ein Apotheken-Portal hat Empfehlungen veröffentlicht zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten / Blasenentzündung.

Hier ein Zitat daraus – verbunden mit der Frage: „Was ist da falsch?“

„Die wichtigsten Pflanzen für die Durchspülungstherapie sind Bärentraubenblätter, Goldrutenkraut, Brennnesselblätter, Schachtelhalmkraut, sowie Birkenblätter und Orthosiphonblätter.

Vor allem die Bärentraubenblätter gelten aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehaltes als Harndesinfiziens. Aufgrund ihres Inhaltsstoffes Arbutin kommt es bei längerer Anwendung jedoch zu gastrointestinalen Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation. Das Arbutin wird im Körper zu Hydrochinon umgewandelt, welches als leberschädigend und krebserregend gilt. Daher sollte es nur kurzzeitig und nicht häufiger angewendet werden.“

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/durchspuelungstherapie-bei-harnwegsinfekten-baerentraube-goldrute-co/

 

Kommentar & Ergänzung:

Hier ist einiges durcheinander geraten.

– Bärentraubenblätter gelten nicht „ aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehaltes“ als Harndesinfiziens. Gerbstoffe werden im Verdauungstrakt nicht resorbiert. Sie gelangen gar nicht in die Harnwege und können daher dort auch nicht antimikrobiell wirken.

– Allfällige gastrointestinale Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation nach längerer Anwendung entstehen nicht durch den Wirkstoff Arbutin, sondern durch den Gerbstoffgehalt im Bärentraubenblättertee. Zubereitung als Kaltauszug reduziert den Gerbstoffgehalt, verbessert die Magenverträglichkeit und den Geschmack.

– Der Hinweis, dass Hydrochinon „als leberschädigend und krebserregend gilt“, ist eine sehr verkürzte Darstellung und müsste präzisiert werden. Er basiert auf sehr abstrakten Überlegungen und Laborexperimenten, die sehr wenig aussagen darüber, ob mit der Anwendung von Bärentraubenblättertee ein Risiko verbunden ist. Die Situation in lebendigen Harnwegen sieht doch etwas anders aus als die Situation im Labor oder im Chemiebuch.

Blaschek / Frohne / Loew schreiben im Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“:

„Der Verdacht auf eine mutagene und möglicherweise karzinogene Wirkung von Hydrochinon dürfte klinisch aufgrund der raschen Entgiftung nicht zum Tragen kommen. Auch ist einer pharmakokinetischen Pilotstudie zufolge nach Gabe von Arbutin in therapeutischen Dosen eine renale Ausscheidung toxikologisch bedenklicher Konzentrationen von Hydrochinon auszuschliessen.“                                           Zu Entwarnung bezüglich mutagener Effekte siehe hier:

Bärentraubenblätter-Extrakt als Alternative bei Harnwegsinfektionen

Die Empfehlung, Arbutin „nur kurzzeitig und nicht häufiger“ anzuwenden, ist aber trotz solcher Entwarnungen sinnvoll. Sie geht schon auf die „Kommission E“ zurück, die eine Beschränkung der Einnahme von Bärentraubenblätter-Präparaten und Bärentraubenblättertee auf maximal 5 mal pro Jahr und jeweils nicht länger als 7 Tage empfohlen hat.

Bärentraubenblätter werden bei aktuten Harnwegsinfekten kurzfristig während einigen Tagen angewendet, sollten dann aber ausreichend hoch dosiert werden ( 10 g Bärentraubenblätter = 4 – 5 Teebeutel pro Tag).

Siehe auch:

Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bärentraube gegen Blasenentzündung

Heilpflanzen bei Blasenentzündung

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wildkräuter: Gundelrebe / Gundermann in der Küche & als Heilpflanze

Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceen). Mit ihren blauvioletten Blüten ist die Pflanze im Frühling recht auffällig.

Nur wenige nutzen Gundermann in der Küche. Das Bundeszentrum für Ernährung weist aber darauf hin, dass sein herbes bis leicht harziges Aroma viele Alltagsgerichte wie Pellkartoffeln und Eierspeisen interessanter macht.

Auch für Salate, Kräuterquark und Pesto sei der Gundermann eine Bereicherung. Zum Osterfest werde er traditionell in der Gründonnerstagsuppe serviert, die aus neun verschiedenen Kräutern zubereitet wird.

Wie die Zubereitung von statten geht, beschreibt das BZfE so:

„Alle Wildkräuter, darunter auch Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn, werden gewaschen, trocken getupft und fein geschnitten. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter andünsten, Gemüsebrühe und das frische Grün hinzugeben. Nun lässt man die Suppe zwanzig Minuten köcheln und schmeckt mit etwas Schmand, Salz und Pfeffer ab.“

Auch Tee und Kräuterlimonade könne mit Gundermann verfeinert werden, schreibt das BzfE weiter, weist aber darauf hin, dass sparsam dosiert werden soll, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird.

Gundermann wird 10 bis 20 cm hoch und wächst am Waldrand, unter Hecken, aber auch in feuchten Wiesen. Er zählt Im Frühjahr zu den ersten verfügbaren Wildkräutern für die Küche und zeigt in den Monaten April bis Juni seine blauvioletten Blüten. Beim Zerreiben der Gundermannblätter entsteht ein scharfer Geruch, der etwas an Minze erinnert.

Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Im Mittelalter wurde Gundermann in klösterlichen Gärten als Arzneipflanze angebaut und zur Wundheilung eingesetzt. So leitet sich der Name wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „gund“ für Eiter oder Beule ab.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-12-vom-21-maerz-2018-31994.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

Gundermann eignet sich auch für Rahmspeisen wie Eiscreme oder Panna Cotta. Aber auch hier sparsam dosieren, sonst kippt der Geschmack ins Unangenehme. Schliesslich verwendete man früher bei den Sachsen den Gundermann anstelle von Hopfen als Bittermittel zum Bierbrauen.

Die Griechen und Römer in der Antike kannten den Gundermann nicht. Bei den Germanen war er aber wohl eine wichtige Heilpflanze. Im Mittelalter erwähnt ihn Hildegard von Bingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann für eine grosse Bandbreite von Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel innerlich bei Durchfall, Magenbeschwerden, Darmkatarrh, Bronchialerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Lungenleiden.

Diese „Indikationslyrik“ ist unübersichtlich, weil nicht mehr klar ist, wofür die Pflanze wirklich wirksam ist.

Es gibt keine fundierten Belege für solche Wirkungen des Gundermanns. Vermutet werden entzündungswidrige Wirkungen durch Flavonoide, Triterpentoide und Gerbstoffe, was bei äusserlicher Anwendung eine Rolle spielen könnte.

In der Alternativmedizin tauchen immer wieder Versprechungen auf, dass Gundermann / Gundelrebe zur Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber wirksam ist.

Das ist natürlich eine attraktive Vorstellung – eine Pflanze, die Gifte rausholt. Darum stossen solche Versprechungen auf grosse Ressonanz.

Diese Versprechen sind aber sehr fragwürdig. Es gibt keine glaubwürdigen Argumente oder gar Belege für eine solche Wirkung. Es gibt auch keine plausible Erklärung dazu, wie der Gundermann eine solche Wirkung zustande bringen soll.

Zu Laborforschung und klinischen Studien mit Gundermann habe ich nur im Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ einen Hinweis gefunden – und zwar zum Thema Hyperpigmentierung.

Im Labor hemmte ein Gundermann-Extrakt die Melatoninsynthese und die Tyrosinaseaktivität bei B16-Melanomzellen, woraus auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Hyperpigmentierungsflecken der Haut geschlossen wurde.

Eine Lotion mit Gundermann-Extrakt bewirkte nach 8-wöchiger Behandlung von UV-induzierten Pigmentflecken der Haut eine im Vergleich zu Placebobehandlung eine signifikante Depigmentierung und Entzündungshemmung.

Wie gut die Wirksamkeit dieser Lotion nun wirklich geklärt ist,  kann ich nicht beurteilen. Im Markt scheint sie jedenfalls bisher nicht erhältlich zu sein.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gundelrebe / Gundermann

Pflanzliche Präparate bei Wechseljahrsbeschwerden: Ökotest beurteilt nur Traubensilberkerze mit „gut“

Die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden hat in der Bevölkerung keinen guten Ruf. Deshalb suchen viele Frauen nach Alternativen. In Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und im Internet sind für diesen Zweck zahlreiche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Ökotest hat mit der pharmazeutischen Hilfe von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz aus Frankfurt einige Präparate unter die Lupe genommen.

Am besten schnitten dabei Präparate mit Traubensilberkerzen-Extrakt ab. Allerdings bekam nur das Traubensilberkerzen-Präparat Remifemin® die Note „gut“, weil hier aufgrund einer produktspezifischen Studie die Datenlage besser sei, schreibt Ökotest.

Von den anderen beurteilten Arzneimitteln mit Traubensilberkerze schnitten fast alle „befriedigend“ ab und nur eines mit „mangelhaft“.

Ein Extrakt aus Rhapontikrharbarber konnte die Tester nicht überzeugen, da zwar kleine Studien positive Effekte erkennen liessen, klinische Studien mit höheren Teilnehmerzahlen aber fehlten. Das Urteil  lautete daher nur „ausreichend“.

Bei den Nahrungsergänzungsmittteln überprüfte Ökotest insbesondere solche mit Isoflavonen aus Soja oder Rotklee. Einen Nutzen für gesunde Frauen sahen die Tester bei keinem Mittel. Die Bestnote bekamen hier die Menoflavon® Kapseln mit „ausreichend“.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/04/30/oekotest-findet-nur-traubensilberkerze-gut/chapter:all

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Beurteilung durch Ökotest zeigt gut, dass die Studienlage bei den untersuchten Präparaten sehr unterschiedlich ist. Und die Studienlage hängt stark davon ab, wieviel ein Hersteller bereit ist in die Forschung zu investieren.

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln müssen für ihre Produkte keinerlei Wirksamkeitsnachweis erbringen. Entsprechend ist die Motivation für aufwendige Forschung oft nicht sehr gross.

Bei Arzneimitteln sind die Anforderungen höher.

Im allgemeinen wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet, dass sich Präparate aus der gleichen Arzneipflanze in ihrer Qualität und Wirksamkeit fundamental unterscheiden können. Im Kontext der Phytotherapie kann man nicht einfach sagen, dass Traubensilberkerze gegen Wechsejahrsbeschwerden wie Wallungen hilft. Man muss immer auch dazu sagen, in welcher Anwendungsform die Pflanze wirksam ist.

Von den überprüften Präparaten gehören die Isoflavone und damit Soja und Rotklee zu den Phytoöstrogenen.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wurde früher auch zu den Phytoöstrogenen gezählt. Heute geht von einem Wirkungsmechanismus via Zentralnervensystem aus.

Das hat den Vorteil, dass jede Beeinflussung des Wachstums von östrogensensitiven Tumoren ausgeschlossen werden kann.

Remifemin besteht aus einem Trockenextrakt aus Cimicifuga-Wurzelstock mit Isopropanol als Lösungsmittel. Für diesen Extrakt ist die Studienlage tatsächlich robust.

In der Schweiz wird bei Wallungen als Phytopharmaka meistens ein Cimicifuga-Präparat von Zeller angewendet:

– Cimifemin® Neo mit 6,5 mg Trockenextrakt (Ze 450)  aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze. Kauf und zahlt man selber in Apotheken und Drogerien.

– Cimifemin uno mit 6.5 mg Trockenextrakt (Ze 450) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze.

– Cimifemin forte mit 13 mg Trockenextrakt (Ze 450) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze.

Cimifemin uno und Cimifemin forte werden von der Grundversicherung bezahlt, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt.

Für den Cimifemin-Trockenextrakt (Ze 450) gibt es auch positive Studien mit Patientinnen. Für Ze 450 wird aber Äthanol als Auszugsmittel verwendet, weshalb die Ergebnisse der Studien mit dem Isopropanol-Extrakt (Remifemin) nicht auf Cimifemin übertragen werden können.

 

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Gute Studiendaten für Extrakt aus Kapland-Pelargonie bei Atemwegserkrankungen von Kindern

Phytopharmaka mit dem Pelargonium-sidoides-Extrakt EPs® 7630 sind eine wirksame und sichere Behandlungsalternative für Kinder und Jugendliche mit akuten Atemwegsinfektionen. Zu diesem Fazit kommen Wissenschaftler der Klinik für Naturheilkunde und integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte in einer Metaanalyse.

Die Forscher fassten im Fachjournal »Academic Pediatrics« elf randomisierte klinische Studien mit total 2181 pädiatrischen Probanden zusammen (DOI: 10.1016/j.acap.2017.06.006).

In sechs Studien bekamen die Kinder entweder den Extrakt EPs 7630, der in Umckaloabo® enthalten ist, oder Placebo. Die Ansprechrate lag beim Kapland-Perlargonien-Extrakt 2,56-mal höher als unter Placebo und es zeigten sich auch kaum mehr Nebenwirkungen als unter Placebo. Als Ansprechrate galt die Zahl der Patienten mit vollständiger Genesung spezifischer Symptome des Atemwegsinfekts nach einem Zeitraum von vier bis sieben Tagen. In vier ausgewerteten Studien wurden die Kinder mit Echinacea-Extrakt (Sonnenhut) behandelt. Hier bewerteten die Autoren der Metaanalyse die Datenlage als widersprüchlich. Es zeigte sich keine Evidenz für das Vorbeugen von Symptomen eines Atemwegsinfekts. Dementsprechend ziehen die Wissenschaftler den Schluss, dass für Sonnenhut-Präparate keine Empfehlung ausgesprochen werden könne. Für standardisierte Pelargonium-Extrakte sehen die Wissenschaftler dagegen einen moderaten Beleg für Wirksamkeit und Sicherheit und ziehen sie als zusätzliche Behandlungsoption bei Atemwegsinfektionen in Betracht. Entsprechende Phytopharmaka sind in Deutschland zur Therapie der akuten Bronchitis bei Kinder ab einem Jahr zugelassen, sollten jedoch bei Kindern unter sechs Jahren nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=74337

http://www.academicpedsjnl.net/article/S1876-2859(17)30358-3/fulltext

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studienlage zur Kapland-Pelargonie entwickelt sich erfreulich. Festzuhalten ist allerdings, dass diese Studienergebnisse korrekterweise nur für den untersuchten Extrakt gelten und nichts aussagen über andere Zubereitungen aus Pelargonium sidoides. In der Schweiz ist der Extrakt EPs 7630 als Umckaloabo® im Handel, sowie als Kaloabo® (kassenzulässig für die Grundversicherung bei ärztlicher Verschreibung).

Bei den Echinacea-Präparaten ist die Lage insofern komplexer, dass sehr unterschiedliche Produkte in Studien untersucht werden, zum Beispiel alkoholische Tinkturen oder Frischpflanzenpresssäfte. Diese unterschiedlichen Präparate lassen sich nicht so einfach in Metaanalysen zusammenfassen. Man müsste hier also mehr wissen über die untersuchten Präparate.

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Ingwer unterstützt Heilungsprozess bei Mandel-Operation

Die Einnahme von Ingwer-Pulver nach einer Entfernung der Gaumenmandeln kann im Vergleich zu Placebo den Schmerz signifikant lindern und die Epithelisierung im Wundbereich beschleunigen. Das ist das Resultat einer kleinen Studie, die kürzlich im Fachmagazin «Clinical and Experimental Otorhinolaryngology» publiziert wurde.

An der prospektiven Studie beteiligten sich 49 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nach dem Eingriff bekamen sie alle standardmäßig eine antibiotische Behandlung bestehend aus Amoxicillin und Clavulansäure (zweimal täglich 1000 mg) sowie dreimal pro Tag 500 mg Paracetamol zur Schmerzlinderung. 29 Patienten erhielten zusätzlich über sieben Tage zweimal täglich Ingwerwurzel in Kapselform (500 mg Ginger Root, Solgar). Ein Facharzt begutachtete und dokumentierte den Heilungsprozess jeweils nach 1, 4, 7 und 10 Tagen. An denselben Tagen wurde das Schmerzempfinden mittels einer visuellen Analogskala erfasst. Das Schmerzempfinden war unter der Ingwer-Gabe an allen Untersuchungszeitpunkten signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe. Ausserdem war die Epithelisierung (Wundheilung) nach 7 beziehungsweise 10 Tagen in der Ingwer-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter der alleinigen Standardbehandlung: Bei 74 Prozent der Patienten mit der Ingwer-Zusatzbehandlung war die Wundfläche schon zu mehr als 75 Prozent mit Epithel bedeckt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 24 Prozent der Fall war. Auch die Nahrungsaufnahme konnte in der Ingwer-Gruppe deutlich früher wieder einsetzen. Bei der Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechen sowie von Blutungen waren zwischen den beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede feststellbar.

Die Autoren um Dr. İlker Koçak von der Koç Universität in Instanbul führen die Resultate auf spezifische Wirkungen des Ingwers zurück, insbesondere auf entzündungswidrige und wundheilungsverbessernde Eigenschaften, die bereits experimentell in Studien gezeigt werden konnten. Größere Untersuchungen seien jedoch notwendig, um den Effekt zu bestätigen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73567

https://www.e-ceo.org/journal/view.php?doi=10.21053/ceo.2017.00374

DOI: 10.21053/ceo.2017.00374

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema dieser Studie ist für die Phytotherapie sehr interessant.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Ingwer in einer Dosis von 1 g / Tag in einer akuten Situation schmerzlindernd wirkt und vor allem auch noch die Wundheilung verbessert, dann ist das sehr bemerkenswert.

Ich habe mir die Originalstudie kurz angeschaut.

Die Patienten wurden randomisiert, das heisst per Zufall auf die zwei Gruppen verteilt. Das ist wichtig, weil es Manipulationsmöglichkeiten reduziert. Die Patienten wussten nicht, dass die Ingwer-Kapsel auf schmerzlindernde Wirkung getestet werden sollte und der Befund-erhebende Hals-Nasen-Ohren-Arzt wurde im unklaren darüber gelassen, zu welcher Gruppe der jeweils untersuchte Patient gehört. Das sind Qualitätsmerkmale für eine Studie. Die Zahl der Studienteilnehmer ist aber sehr klein und reicht nicht, um eine Wirksamkeit einwandfrei zu belegen. Und die Qualität der statistischen Berechnungen kannich nicht beurteilen.

Im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ ist die Rede von standardisiertem Ingwer-Extrakt. Das stimmt nicht. In der Originalarbeit ist von Ingwerpulver die Rede. Das untersuchte Produkt ist ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel. Damit ist es nicht patentierbar und braucht für die Zulassung am Markt auch keine Wirksamkeitbelege zu liefern, wie das bei eiinem Arzneimittel der Fall wäre. Aus diesen zwei Gründen werden wohl die grösseren Untersuchungen, die von den Studienautoren angeregt werden, kaum zustande kommen.

1000 mg Ingwerwurzelpulver entspricht inm Bereich der Phytopharmaka, also der pflanzlichen Arzneimittel, vier Kapseln Zintona pro Tag.

Dass Ingwer entzündungswidrig wirken kann, dafür gibt es schon seit einiger Zeit experimentelle Hinweise aus dem Labor, aber nur wenige konkrete Erkenntnisse bei Patienten. Und in der Ayurvedischen Medizin wird Ingwer mit Erfolg in der Behandlung von Migräne eingesetzt. Das kommt dem Thema Schmerzreduktion zumindestens nahe.

Ingwertherapie zeigte in einer Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo bei Arthrose. Dabei variierte die Behandlungsdauer aber zwischen drei und zwölf Wochen, während an der besprochen Studie nach Mandel-OP die schon kurzfristig auftretende Wirkung auffällt.

Neu für die Phytotherapie-Fachliteratur ist die mögliche Förderung der Wundheilung durch Ingwer bei peroraler Anwendung. Wenn das bestätigt werden könnte, wäre das sehr interessant. Dann könnte man darüber nachdenken, bei welchen Wunden das sonst noch Sinn macht und das gäbe eine ganze Palette von Einsatzmöglichkeiten. Aber eben: Da hat es noch einige ‚wenn’ und ‚könnte’….

Bemerkenswert ist auch, dass sich keine Abnahme bei der Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen zeigte. Ingwer wurde mehrfach zur Linderung von Übelkeit nach Operationen bzw. Narkosen untersucht und zeigte dabei widersprüchliche Ergebnisse. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

„Nach einem überblick über die publizierten Doppelblindstudien zur Verhinderung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen besteht zwischen Ingwer und Placebo kein Unterschied, jedoch ein Effekt bei Schwangerschaftserbrechen und der Reisekrankheit. Dennoch wird von verschiedenen Seiten die Anwendung bei Schwangeren wegen fehlender umfangreicher Daten und der unklaren Thromboxan-Synthesehemmung durch Ingwer nicht empfohlen.“

Siehe auch:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als ‚Gut‘ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

 

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwer bei Erkältungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kinderheilkunde: Fencheltee bei „Dreimonatskoliken“

In der Zeitschrift der österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 5 / 2017) berichtet Univ.-Doz. DDr. Ulrike Kastner über die Behandlung von Magen-Darmbeschwerden bei Kindern. Dabei kommt auch das Thema „Dreimonatskoliken “ und Fencheltee zur Sprache:

„Die typischen sogenannten ‚Dreimonatskoliken‘, pathogenetisch nicht immer nur auf schmerzhafte Meteorismen zurückzuführen, sind nach wie vor Domäne der Phytotherapie. Zwar haben pharmakologische Studien bezüglich Toxizität von Bestandteilen des ätherischen Öls als Reinsubstanzen (Estragol) Aufsehen erregt und viel Verunsicherung hervorgerufen, doch kann nach dem derzeitigen Wissensstand davon ausgegangen werden, dass bei bestimmungsgemäßem Gebrauch Fencheltee auch im sehr frühen Säuglingsalter bedenkenlos eingesetzt werden kann.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0517.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Fencheltee ist vor allem in der Kinderheilkunde ein altbewährtes Mittel gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Das Zitat spielt auf eine Diskussion vor einigen Jahren an. Das ätherische Fenchelöl enthält Estragol. In Tierexperimenten mit Mäusen zeigte sich damals, dass Estragol krebsfördernde Eigenschaften haben kann. Das führte zu Warnungen vor der Einnahme von Fencheltee, die bis heute herumgeistern. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharma“ schreibt dazu:

„In Tierstudien (Mäuse) über 12 Monate mit reinem Estragol (Methylchavicol) waren Lebertumoren beobachtet worden. Diese Ergebnisse können jedoch nicht auf dieVerabreichung von Fenchelfrüchten bzw. Fenchelöl übertragen werden.“

Und im Fachbuch „Phytopharmakognosie/Phytopharmazie„: „Die bei den entsprechenden Untersuchungen an Nagern verwendete Dosis betrug die 100 – 1000-Fache der beim Menschen als Gewürz oder Arzneimittel infrage kommenden Dosis. Zudem unterscheidet sich der Phenylpropanstoffwechsel beim Menschen zumindest in quantitativer Hinsicht ganz erheblich von dem der Nager. Aufgrund eingehender Studien kam die European Medicines Agency (EMA) zum Schluss, dass die Verwendung von estragolhaltigen phytotherapeutischen Produkten bei angemessener Dosierung und Einnahmedauer beim Menschen kein signifikantes Krebsrisiko darstellt.“

Natürlich ist die Natur nicht immer gesund. Es gibt schliesslich auf Giftpflanzen. Aber manchmal wird durch sehr unrealistische Untersuchungen manchmal schon vor Risiken gewarnt, die sich bei sorgfältiger Betrachtung dann als gegenstandslos erweisen. So kommt es dann unnötigerweise zu Verunsicherung.

Mehr dazu hier:

Phytotherapie: Fencheltee weiterhin empfehlenswert

Mein Rat: Fencheltee bei Säuglingen nicht einfach zur Flüssigkeitszufuhr einnehmen, sondern nur wenn Beschwerden wie Blähungen und Darmkrämpfe vorhanden sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Öko-Test beurteilt Schleimlöser bei Husten: Heilpflanzen-Präparate top

Öko-Test hat 24 frei verkäufliche Arzneimittel gegen Husten unter die Lupe genommen, davon 9 Hustenreizdämpfer und 15 Schleimlöser.

Die Fachleute halten nur für wenige Produkte eine lindernde Wirkung aus wissenschaftlicher Sicht hinreichend belegt. Darum schneidet die Mehrzahl der Hustenmittel im Test auch nur „ausreichend“ und schlechter ab.

Auffallend und erfreulich ist aber, dass bei den Schleimlösern Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka) am besten abschneiden:

«Bei den Schleimlösern ist die Auswahl an sehr guten Produkten schon etwas größer: „Bronchipret TP, Filmtabletten“ (9,90 Euro/20 Stück), „GeloMyrtol Forte, Weichkapseln“ (10,19 Euro/20 Stück), „Soledum Kapseln Forte“ (9,90 Euro/20 Stück). Für die „Umckaloabo-Tropfen hat es immerhin noch für ein „gut“ gereicht (10,20 Euro/20 ml).»

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Diese-Mittel-helfen-bei-Husten-article20206388.html

Kommentar & Ergänzung:

Wir haben es hier mit ganz unterschiedlichen Phytopharmaka zu tun, die aber alle gut durch Studien in ihrer Wirksamkeit belegt sind.

– Bronchpret Filmtabletten enthalten Thymiankraut-Trockenextrakt und Primelwurzel-Trockenextrakt.

– GeloMyrtol Forte enthält ein ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: GeloDurat (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

– Soledum Kapseln Forte besteht zu 100% aus Cineol, dem Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. Dieses Präparat ist in Deutschland auf dem Markt, nicht jedoch in der Schweiz.

– Umckaloabo (flüssig) ist da einzige mit Studien belegte Präparat aus Kapland-Pelargonie. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: Kaloabo (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

„Mangelhaft“ abgeschnitten haben synthetische Schleimlöser auf der Basis von ACC bzw. NAC (Acetylcystein) – nicht ganz unerwartet, weil ihre Wirksamkeit nur mangelhaft belegt ist.

Wikipedia schreibt zu ACC:

„Die Wirksamkeit hinsichtlich einer schleimverflüssigenden Wirkung von Acetylcystein ist für einfache Atemwegsinfekte nicht belegt. Die therapeutische Wirksamkeit bei Bronchitis ist umstritten, da die aus den 1980er Jahren stammenden Studien heutigen Ansprüchen an ein Studiendesign nicht standhalten. Dementsprechend gibt es nach der DEGAM-Leitlinie auch keine Empfehlung für ACC bei der Behandlung eines grippalen Infektes oder einer akuten Bronchitis, da in randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studien keine signifikanten Effekte auf Lungenfunktion, Bronchialschleim, systemische Oxygenierung und/oder Beatmungsnotwendigkeit nachgewiesen werden konnten. Der Einsatz von ACC als Schleimlöser wird aus medizinischer Sicht deshalb kritisch hinterfragt.“

Das ist bemerkenswert, weil ACC-Präparate sehr oft gegen Husten verkauft werden. Wikipedia führt als Präparate auf:

Monopräparate

ACC (D, A, CH), Acemuc (D), Acemucol (CH), Acetyst (D), Aeromuc (A), Dynamucil (CH), Ecomucyl (CH), Fluimucil (D, A, CH), Helvetussin (CH), Mucobene (A), Mucofluid (CH), Myxofat (D), NAC (D), Secresol (CH), Solmucol (CH), diverse Generika (D, CH)

Kombinationspräparate

Alvesin (D), Aminopäd (D), Aminoplasmal (D), Deltamin (D), Infesol (D), Nephrotec (D), Periplasmal (D, A), Pädamin (A), Rinofluimucil (CH), Salviamin (D), Solmucalm (CH)

 

Bei den Schleimlösern wird also den Phytopharmaka von „Öko-Test“ eine besser belegte Wirksamkeit attestiert als den synthetischen Präparaten. Diese Beurteilungen und Belege gelten allerdings nur für die entsprechenden Produkte und können nicht auf andere Heilpflanzen-Anwendungen übertragen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hirtentäschelkraut reduziert in Studie Blutungen nach der Geburt

Ergänzend zu Oxytocin zeigte sich die Gabe eines Extraktes von Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschel) zur Linderung postpartaler Hämorrhagie (Blutungen nach der Geburt) gegenüber Placebo als überlegen.

Starke Blutungen nach einer Geburt können zu einem kritischen Gesundheitszustand führen. Als Folge des hohen Blutverlustes und anhaltender Blutungen können Anämie, Infektionen, Nierenprobleme, die Erfordernis von Bluttransfusionen oder einer Gebärmutterentfernung auftreten. Im schlimmsten Fall kann die postpartale Hämorrhagie sogar tödlich enden. Das vom menschlichen Körper produzierte Hormon Oxytocin kommt als Standardtherapie zur Eindämmung übermäßiger postpartaler Blutungen und zur Gebärmutterrückbildung zur Anwendung. Hebammen setzen in verschiedensten Kulturkreisen seit jeher die Kräuterheilkunde ein zur Begleitung von Schwangeren und Wöchnerinnen. Eine fast über die ganze Erde verbreitete Heilpflanze, die traditionell zur Stillung von Blutungen eingesetzt wird, ist das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris).

An der Shahid Beheshti University of Medical Sciences in Teheran wurde im Rahmen einer Doktorarbeit erstmals mit einer klinischen Studie untersucht, inwieweit die Verabreichung eines wässrig-alkoholischen Extraktes von Capsella bursa-pastoris den postpartalen Blutverlust bei Frauen mit vaginaler Entbindung reduzieren kann.

Jeweils 50 Frauen wurden per Zufallsentscheid zwei Gruppen zugeordnet (= randomisiert), die entweder Hirtentäschelkraut-Extrakt oder Placebo-Flüssigkeit bekamen.

Nach vollständiger Entfernung der Nachgeburt wurden den Studienteilnehmerinnen sublingual (= unter die Zunge) 10 Tropfen der jeweiligen Testflüssigkeit verabreicht. Alle Frauen bekamen als Standardbehandlung eine Infusion mit 20 U Oxytocin in 1 l Ringerlösung.

Der Blutverlust in den ersten drei Stunden nach der Geburt wurde durch das Wiegen unbenutzter und der benutzten (blutgetränkten) Hygienevorlagen erfasst. Ausserdem wurden in diesem Zeitraum in regelmäßigen Abständen die Vitalwerte der Probandinnen dokumentiert. Zu Geburtsbeginn und 6 Stunden nach der Entbindung wurden Blutproben der Frauen auf den Hämoglobin- und den Hämatokrit-Gehalt untersucht. In einer 40-tägigen Follow-up-Phase befragte die Studienleiterin die Teilnehmerinnen telefonisch zu ihrem Wohlbefinden und zu speziellen Vorkommnissen (Blutungen, Krankenhausaufenthalte, sonstige Komplikationen bei der Mutter oder beim Kind).

Verglichen mit der Kontrollgruppe (Oxytocin + Placebo) verlor die Behandlungsgruppe (Oxytocin + Capsella) total durchschnittlich 35 ml weniger Blut. Die Differenz erwies sich im statistischen Test für den Gesamtverlust und für die Messungen zur ersten, zweiten und dritten Stunde nach der Geburt als signifikant (p < 0.0001). Sowohl die Hämoglobin- als auch der Hämatokrit-Werte lagen bei den Frauen der Hirtentäschelkraut-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe. Die Teilnehmerinnen in der Hirtentäschelkraut-Gruppe waren mit ihrer Behandlung deutlich zufriedener als die Frauen der Placebo-Gruppe.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/hirtentaeschelkraut-gegen-blutungen-nach-der-entbindung.html

Ghalandari S, Kariman N, Sheikhan Z, Mojab F, Mirzaei M, Shahrahmani H. Effect of hydroalcoholic extract of Capsella bursa patoris on early postpartum hemorrhage: a clinical trial study. J Altern Complement Med 2017; 23(10):794-799.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28590768

 

Kommentar & Ergänzung:

Hirtentäschelkraut hat eine lange Tradition als Mittel gegen starke Blutungen in der Gynäkologie. Aber die Belege für eine Wirksamkeit sind bisher schwach. Auf diesem Hintergrund ist diese Studie aus dem Iran ziemlich überraschend und interessant.

Allerdings habe ich zu Studien aus dem Iran noch eine Aussage von Roman Huber in Erinnerung, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle dazu  siehe hier: Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Wie es die Wissenschaft normalerweise fordert, müsste diese Studie nun von einer unabhängigen Forschungsgruppe wiederholt und das Resultat bestätigt werden, damit die Wirksamkeit anerkannt werden kann.

Interessant an diesem Bereicht ist ausserdem, dass die Verabreichung des Hirtentäschelextrakts sublingual erfolgte.

„Bei der sublingualen Einnahme gelangt der Wirkstoff schneller in den Blutkreislauf, da das venöse Blut aus der Mundschleimhaut direkt in die obere Hohlvene fließt. Bei der oralen Einnahme muss der Wirkstoff erst die Leber passieren, um in den großen Kreislauf zu gelangen, wobei er eventuell chemisch verändert wird. Dies ist bei der sublingualen Einnahme nicht der Fall, die Leber wird umgangen.“

Quelle: Wikipedia

Hirtentäschelkraut soll laut dem Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ ein Peptid enthalten, das in-vitro (= im Reagenzglas) eine dem Oxytocin ähliche Wirkung zeigt. Das könnte eine Erklärung sein für eine allenfalls vorhandene blutstillende (hämostyptische) Wirkung.

Auch hier gilt es allerdings festzuhalten, dass eine Wirkung im Labor nicht unbedingt einer Wirkung im menschlichen Organismus entspricht.

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Zimt gegen Entzündungen?

Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt Gewürze als Entzündungshemmer:

„Zimt, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma genießen unter den Gewürzen einen Sonderstatus. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie Entzündungen im Körper gezielt bekämpfen.“

Schauen wir uns das Beispiel Zimt genauer an:

„Zimt ist ein Allroundtalent. Das Pulver aus der getrockneten Zimtbaumrinde kann sowohl für süße als auch für pikante Speisen verwendet werden. Im Haferbrei oder Backwaren sorgt Zimt für eine angenehm herbe Note, mariniert man Fleisch oder würzt Saucen damit, erhält man ein duftendes, weihnachtliches Aroma.

Zimt wurde von der Wissenschaft eine desinfizierende und krampflösende Wirkung attestiert. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das beliebte Gewürz gerne bei Kältegefühl verwendet, da es die „innere Kälte“ durch gesteigerte Durchblutung vertreiben kann. Auch die blutzuckersenkende und stimmungsaufhellende Wirkung des Gewürzes wird betont. Wissenschaftler des Rush University Medical Centers haben in einer Studie mit Zimt und Mäusen zudem eine deutliche Steigerung der Gehirnleistung festgestellt.“

Quelle der Zitate:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

Kommentar & Ergänzung:

Zimt ist ein feines Gewürz, das Verdauungsbeschwerden lindern kann. Die ESCOP bestätigt als Anwendungsbereiche für die Zimtrinde:

Dyspeptische Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz; Appetitlosigkeit, Durchfall.

Die blutzuckersenkenden Wirkung wurde in Laborexperimenten im Reagenzglas und an Mäusen festgestellt. Diese Einschränkung fehlt im Artikel des „Kuriers“.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt:

„Zur blutzuckersenkenden Wirkung von Zimtrinde liegen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor, in denen eine antidiabetische Wirkung eines wässrigen Extrakts gezeigt werden konnte, doch ist die Übertragbarkeit auf eine therapeutische Anwendbarkeit beim Menschen schwierig.“

Die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Zimt bei Diabetespatienten sind bisher nicht überzeugend. Siehe dazu:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes?

Einschränkung sind auch angebracht bezüglich der Studie zur Steigerung der Gedächtnisleistung bei Mäusen. Auch hier ist alles andere als klar, ob das Gehirn von Menschen von Zimtgaben profitieren kann und welche Dosierungen dazu nötig wären.

Ich habe zu diesem Experiment hier schon einen Beitrag geschrieben:

Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Auch die erwähnte entzündungswidrige Wirkung der Zimtrinde wurde in Laborexperimenten festgestellt. Ob Zimt gegen Entzündungen im menschlichen Organismus wirksam ist und welche Zimtmengen dazu nötig wären, bleibt offen.

Der Beitrag im „Kurier“ ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Laboreffekte aneinanderzureihen, ohne auf die begrenzte Aussagekraft solcher Experimente für den Menschen hinzuweisen.

Chinesischer Zimt (Cinnamomum cassia, Cassia-Zimt) enthält übrigens erhebliche Konzentrationen an Cumarin, das auf längere Sicht die Leber belasten könnte. Im Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) sind die Cumarin-Werte viel tiefer. Ich würde also Ceylon-Zimt vorziehen. Allerdings sollte man diese Gefahr nicht dramatisieren. Wikipedia schreibt dazu:

„Einen eindeutigen Beleg für die angebliche Gefährlichkeit von Cumarin beim normalen Gebrauch von cumarinhaltigen Gewürzen gibt es allerdings bis zum heutigen Tage nicht. In allen Studien trat eine gesundheitschädigende Wirkung erst nach extremen Überdosierungen bei Versuchen an Ratten auf.“

Siehe auch:

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Zimt ist ein tolles Gewürz mit verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Artikel des „Kuriers“ wird Zimt aber „überverkauft“, das heisst mit unrealistischen Versprechungen angepriesen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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