Beiträge

[Buchtipp] „Wie Demokratien sterben – und was wir dagegen tun können“, von Steven Levitsky, Daniel Ziblatt

Verlagsbeschreibung

Warum die Demokratie bedroht ist – und wie wir sie retten können.
Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern. Der Knall, also das oft gewaltsame Ende einer Demokratie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revolution, ist spektakulärer. Doch das Dahinsiechen einer Demokratie, das Sterben mit einem Wimmern, ist alltäglicher – und gefährlicher, weil die Bürger meist erst aufwachen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Lateinamerika und Europa zeigen die beiden Politologen Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, woran wir erkennen, dass demokratische Institutionen und Prozesse ausgehöhlt werden. Und sie sagen, an welchen Punkten wir eingreifen können, um diese Entwicklung zu stoppen. Denn mit gezielter Gegenwehr lässt sich die Demokratie retten – auch vom Sterbebett.  Zum Shop

Aus Buchbesprechungen

„Ein unaufgeregt nüchternes und zugleich eindringliches Buch“

ZDF aspekte

„Beeindruckend an dem Buch ist zweierlei: Erstens erstellt es einen scheinbar für alle Länder gültigen Katalog von Machtmitteln, mit denen gewählte Volksvertreterinnen eine Demokratie in ein autoritäres Regime verwandeln können. Zweitens zeigen die Autoren, wie fundamental die Veränderungen sind, die Amerika über die letzten fünfzig Jahre geprägt und die die politische Kultur des Landes zur Unkenntlichkeit entstellt haben. Trump, so sagen sie, ist nicht der Grund, sondern das Symptom des politischen Sittenzerfalls in den USA. Er ist das Schaumkrönchen zuoberst auf der gigantischen Welle von autoritären Kräften, die in Washington an Macht gewonnen haben. Die Bedrohung der amerikanischen Demokratie ist älter als das Trump-Phänomen – und wird nicht vorüber sein, wenn er wieder aus der Landschaft verschwinden sollte.“

Daniel Binswanger im Online-Magazin Republik

«„Wie Demokratien sterben“ ist ein wichtiges und aufrüttelndes Buch. Es legt dar, woran das langsame Sterben der Demokratien früh zu erkennen ist und wie Gegenwehr angelegt sein kann. In vielen Staaten des Westens sind die hier beschriebenen Probleme zu beobachten. Sie zu erkennen ist der erste Schritt, dagegen anzugehen der zweite. „Wie Demokratien sterben“ zeigt auch, wie hilfreich wissenschaftliche Erkenntnisse für die politische Praxis sein können. Es ist eine ausgezeichnete Aufklärung für alle, denen das demokratische Leben wichtig ist.»

Thomas Jäger im Magazin Focus

Zu den Autoren

Steven Levitsky und Daniel Ziblatt sind Professoren für Regierungslehre an der Universität Harvard. Steven Levitskys Forschungsschwerpunkte sind politische Parteien, Demokratien und Autokratien sowie die Rolle von informellen Institutionen vor allem in Südamerika. Daniel Ziblatt forscht hauptsächlich zu Demokratie und Autoritarismus in Europa, Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten ihn u.a. nach Berlin, Köln, Konstanz, München, Paris und Florenz. Forschung und Lehre beider Autoren sind preisgekrönt, als Experten auf ihren Forschungsgebieten haben sie mehrere Bücher und zahlreiche Fachartikel verfasst.

Kommentar von Martin Koradi

Die beiden US-amerikanischen Autoren schreiben im Vorwort, dass sie sich seit 15 Jahren mit dem Versagen von Demokratien an anderen Orten und zu anderen Zeiten auseinandersetzen – zum Beispiel in den dunklen 1930er Jahren in Europa und den repressiven 1970er Jahren in Lateinamerika – und nun feststellen, dass sie sich ihrem eigenen Land zuwenden müssen.

Dementsprechend nimmt die Entwicklung in den USA einen wichtigen Platz im Buch ein, doch sind vor allem auch dieVergleiche mit antidemokratischen Vorgängen in anderen Ländern interessant, zum Beispiel in Argentinien, Equador, Ungarn, Polen oder Peru.

Die Autoren haben vier Verhaltensweisen identifiziert, die als Warnzeichen dienen können, um autoritäre Politiker zu erkennen:

„Danach sollten wir uns Sorgen machen, wenn ein Politiker (1) in Wort oder Tat demokratische Spielregeln ablehnt, (2) politischen Gegnern die Legitimität abspricht, (3) Gewalt toleriert oder befürwortet oder (4) bereit ist, bürgerliche Freiheiten der Gegner, einschliesslich der Medien, zu beschneiden.“

Die Autoren kommen zum Schluss, dass Donald Trump während des Wahlkampfs und in seinem ersten Amtsjahr bereits alle vier Verhaltensweisen gezeigt hat. Sie belegen das mit Beispielen.

Levitsky und Ziblatt gehen dann ausführlicher darauf ein, was zu tun ist, wenn ein Möchtegern-Autokrat einmal erkannt ist.

Autoritäre Politiker von der Macht fernzuhalten sei leichter gesagt als getan:

„Demokratien sollen keine Parteien verbieten oder Kandidten von Wahlen ausschliessen – und auch wir befürworten solche Massnahmen nicht. Die Verantwortung für das Aussieben von Autokraten liegt vielmehr bei den Parteien und ihren Führungen – den Wächtern er Demokratie.“

Die etablierten Parteien müssen ihre Wächterfunktion (das „Gatekeeping“) wahrnehmen und extremistische Kräfte isolieren und besiegen, schreiben die Autoren.

Prodemokratische Parteien sollten:

  1. die Möchtegern-Autokraten von Wahllisten streichen,
  2. Extremisten an der Bassi aus ihren Reihen verbannen,
  3. jedes Bündnis mit antidemokratischen Parteien und Kandidaten meiden,
  4. Extremisten systematisch isolieren, anstatt sie zu legitimieren,
  5. wenn Extremisten als ernstzunehmende Wahlrivalen auftauchen, eine geschlossene Front bilden, um sie zu schlagen, wozu sie sich auch mit Gegnern zusammentun müssen, die ihnen ideologisch ernstehen, die aber die demokratische Ordnung aufrechterhalten wollen.

Levitsky und Ziblatt  beschreiben eindrücklich, wie Autokraten, nachdem sie durch Wahlen an die Macht gekommen sind, den Rechtsstaat und die Demokratie in Windeseile demontieren können:

„Um zu verstehen, wie gewählte Autokraten auf subtile Weise Institutionen untergraben, hilft es, sich ein Fussballspiel vorzustellen. Um ihre Macht zu festigen, müssen angehende Autokraten die Schiedsrichter gleichschalten, wenigstens einige der wichtigsten Spieler der gegnerischen Mannschaft neutralisieren und schliesslich die Spielregeln so umzuformulieren, dass sich für sie Vorteile ergeben und das Spiel zum Nachteil der Gegner verändert wird.“

Es geht dem Autokraten um die Schwächung und Ausschaltung aller Mächte, die seiner eigenen Macht Grenzen setzen könnten (insbesondere Parlament, Gerichte, Medien).

Die Autoren betonen, dass ihrer Meinung nach verfassungsmässige Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichen, um die Demokratie zu schützen. Sie beschreiben, dass auch gut durchdachte Verfassungen machmal versagen, und dass die Demokratie darüber hinaus starke demokratische Normen braucht. Zwei Normen seien für das Funktionieren einer Demokratie besonders wichtig: gegenseitige Achtung und institutionelle Zurückhaltung.

Gegenseitige Achtung meint vor allem die Überzeugung, dass politische Gegner keine Feinde sind.

Institutionelle Zurückhaltung kann man sich vorstellen als Unterlassen von Handlungen, die zwar den Buchstaben des Gesetze genügen, ihren Geist aber offensichtlich verletzen.

Starke Polarisierung zum Beispiel kann diese beiden Normen zerstören und die Demokratie in den Abgrund führen.

Levitsky und Ziblatt  beschreiben einen solchen Weg in die Polarisierung am Beispiel der USA und machen dabei deutlich, dass diese Entwicklung schon lange vor Trump begonnen hat.

In Bezug auf die USA empfehlen die Autoren, dass sich die prodemokratische Opposition nicht der gleichen schutzigen Machtspiele wie Trump bedienen, sondern auf die Wiederherstellung demokratischer Normen hinwirken sollte.

Trumps Gegner sollten nach Levitsky und Ziblatt  eine breite prodemokratische Koalition bilden:

„Heutzutage sind Koalitionen häufig Zusammenschlüsse von gleichgesinnten Gruppen…..Koalitionen von Gleichgesinnten sind wichtig, aber sie genügen nicht, um die Demokratie zu verteidigen. Die wirkungsvollsten Koalitionen sind diejenigen, in denen sich gruppen zusammenfinden, die in vielen Fragen unterschiedliche – und häufig gegensätzliche – Ansichten vertreten. Sie bestehen nicht aus Freunden, sondern aus Gegnern. Eine wirkungsvolle Koalition zur Verteidigung der amerikanischen Demokratie müsste also Progressive, Geschäftsleute und Unternehmer, religiöse (und insbesondere evangelikale) Führer und Republikaner aus Bundesstaaten mit republikanischer Mehrheit umfassen……Koalitionen zu bilden, die über unsere natürlichen Verbündeten hinausgehen, ist schwierig. Man muss bereit sein, Anliegen, die einem wichtig sind, für den Augenblick beiseite zu legen.“

Die Autoren werfen aber auch einen Blick in die Zukunft:

„Darüber nachzudenken, wie man gegen den Machtmissbrauch der Regierung Trump Widerstand leisten kann, ist wichtig. Aber das Grundproblem, vor dem die amerikanische Demokratie steht, bleibt die extreme Spaltung des Landes in verfeindete Lager, die nicht nur von politischen Meinungsverschiedenheiten verursacht wird, sondern auch von tiefersitzenden Ressentiments, einschliesslich rassischer und religiöser Unterschiede. Die grosse Spaltung Amerikas ging Trumps Präsidentschaft voraus, und sie wird diese sehr wahrscheinlich überleben.“

Das Buch bietet eine Fülle von Inputs und Hinweisen dazu, was für die Stärkung demokratischer Gesellschaften wichtig ist. Gerade auch von den Entwicklungen in den USA können wir in Europa viel lernen, damit unsere Gesellschaften nicht in dieselben Sackgassen laufen.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Perubalsam & Allergien

Perubalsam wird gewonnen aus dem in Zentralamerika heimischen Balsambaum (Myroxylon balsamum).

Er gilt als antimikrobiell, antiseptisch, wundheilungsfördernd und antiparasitär.

Die Anwendung von Perubalsam hat eine lange Tradition bei Schrunden, Rhagaden, trockene Lippen, Hautaffektionen, schlecht heilende Wunden, Frostbeulen, Scabies, Erkältungskrankheiten, Hämorrhoiden.

Aufgrund seines Allergisierungspotentials wird Perubalsam aber sehr viel zurückhaltender eingesetzt als in früheren Jahren.

In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr.1/2012) geht Univ.-Doz.Mag.DDr. Ulrike Kästner auf dieses Problem ein:

„Durch das ständig wachsende Wissen um Allergien und das auslösende Agens erscheinen auch alte Arzneipflanzen im neuen (kritischen) Licht, wie z. B. der Perubalsam. Vor nicht allzu langer Zeit war er aufgrund seiner ausgezeichneten wundheilenden und granulationsfördernden Wirkung noch fixer Bestandteil in Externa zur Behandlung von Ekzemen, Windelsoor und schlecht heilenden Wunden. Die Erkenntnis, dass es auch hier zu Sensibilisierungen und Kreuzreaktionen mit Propolis kommen kann, hat diese altbewährte Droge aus der praktischen Anwendung völlig verdrängt, Wundsalben mit Perubalsam-Anteil sind heute bei Kindern obsolet.“

Interessant ist die erwähnte Kreuzreaktion mit Propolis (Bienenkittharz).

Es scheint jedenfalls sinnvoll, bei Kindern und bei Personen, die zu Allergien neigen, Perubalsam-Anwendungen zu meiden. Insbesondere Anwendungen über längere Zeiträume, wie sie früher beispielsweise für die Behandlung von Dekubitus und Ulkus cruris durchgeführt wurden, sind im Lichte neuerer Erkenntnisse problematisch.

Ich verwende selber gerne Perubalsam (als Dermophil Indien oder Peru-Stick) für kleinere Schrunden. Ich neige aber nach bisheriger Erfahrung auch nicht zu Allergien.

Künstlich hergestellter Perubalsam (Balsamum peruvianum artificale) ist enthalten in Erkältungssalben – und zwar auch in solchen, die speziell für Kinder angeboten werden (Demo Baby Erkältungssalbe, Pulmex Baby Salbe, Pinimenthol Baby Erkältungssalbe). Wie dieses Produkt – künstlicher Perubalsam – sich genau zusammensetzt und ob es allergologisch weniger bedenklich ist, dazu habe ich bisher keine Informationen gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat die Grosse Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) zur Arzneipflanze des Jahres 2013 erkoren. Foto auf Wikipedia.

Die Blätter und Blüten dieser Pflanze enthalten Glucosinolate (Senfölglucoside). Aus diesen Wirkstoffen wird Benzylsenföl freigesetzt, das die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen hemmt. Daher wird die Kapuzinerkresse seit Jahrzehnten zur Behandlung von Infekten angewendet. Zudem hat eine durchblutungsfördernde Wirkung. Präparate aus der Kapuzinerkresse werden zur Behandlung der Bronchitis und von Harnblasenentzündungen (Zystitis) eingesetzt.

Glucosinolate kommen in Kreuzblütlern (Brassicaceen) vor,  hauptsächlich in verschiedenen Kressen, im Senf und im Meerrettich, aber auch in der Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) aus der Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae). Die aus den Glukosinolaten enzymatisch freigesetzten Senföle schmecken scharf. In der Kapuzinerkresse kommt hauptsächlich das Benzylsenföl (Benzylisothiocyanat) vor.

In drei Kohortenstudien zeigte ein Fertigarzneimittel, das Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthält, Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bronchitis und akuter Blasenentzündung. Das geprüfte Produkt erwies sich als gleichwertig zu einer Behandlung mit Antibiotika.

Die Grosse Kapuzinerkresse ist in den Anden Perus und Boliviens heimisch. Schon die Inka nutzten sie als Heilpflanze, und zwar hauptsächlich als Schmerzmittel und Wundheilmittel. Darüber berichtete der Jesuit Bernabé Cobo (1582–1657), der sich mit der Heilkunde der Indianer befasste. Bereits vor 1600 gelangte die Kapuzinerkresse nach Europa. Eine Abbildung findet man schon in dem berühmten Gartenpflanzenbuch Hortus Eystettensis aus dem Jahr 1613.

Die Kapuzinerkresse ist auch heute noch eine beliebte Zierpflanze wegen ihren großen, orangefarbenen, gespornten Blüten, welche die Spanier an die Kapuzen von Mönchskutten erinnert haben. Sie ist allerdings anfällig für Blattläuse. Die Blätter und Blüten sind essbar und können zur Verschönerung  von Blattsalaten genutzt werden.

Quellen:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2012/10/24/kapuzinerkresse-ist-arzneipflanze-des-jahres-2013/8587.html

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=43913&Nachricht_Title=Nachrichten_Kapuzinerkresse+zur+Arzneipflanze+des+Jahres+gek%FCrt&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Die Kapuzinerkresse hat die Auszeichnung „redlich verdient“.

Senfölglykoside aus Kapuzinerkresse und Meerrettich zeigen interessante Wirkungen.

Das erwähnte Fertigpräparat  mit Kapuzinerkresse und Meerrettich heisst Angocin®, doch kann, wer die Schärfe geschmacklich verträgt, die Glukosinolate auch direkt mit Kapuzinerkresse oder Meerrettich aufnehmen. So lassen sich sogar grössere Mengen an Glukosinolaten zuführen.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass Kapuzinerkresse / Meerrettich / Angocin® nicht in jedem Fall Antibiotika ersetzen können!

Weiter Informationen zu Kapuzinerkresse / Meerrettich:

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Senfölglycoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und  Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie: Was ist Perubalsam?

Als Perubalsam (Balsamum peruvianum) wird der Balsam aus den eingeritzten, geschwelten Stämmen des Balsambaums Myroxylon balsamum var. Pereirae bezeichnet.  Perubalsam wird medizinisch unter anderem zur Förderung der Wundheilung, bei Hauterkrankungen und Erkältungskrankheiten eingesetzt. Perubalsam ist ein bekanntes Kontaktallergen und kann eine allergische Kontaktdermatitis und andere Hauterkrankungen auslösen.

Perubalsam-Produkte in der Schweiz

Perubalsam ist in der Schweiz unter anderem ein Bestandteil in Erkältungssalben, Balsam-Stiften und Lippenbalsamen (Dermophil Indien®, Peru-Stick®), Zugsalben (Leucen®), Nasensalben (H.E.C.®) und Heilsalben (Rapura®, Zeller Balsam®). Es handelt sich dabei überwiegend um traditionelle Arzneimittel, die bereits seit Jahrzehnten im Handel sind.

Inhaltsstoffe des Perubalsams

Perubalsam enthält einen hohen Anteil an Estern, hauptsächlich Benzylester der Benzoesäure und der Zimtsäure. Das Gemisch wird auch Cinnamein genannt.

Wirkungen des Perubalsams

Perubalsam soll antimikrobiell, antiseptisch, wundheilungsfördernd und antiparasitär wirken.

Anwendungsgebiete für Perubalsam

Hauptsächlich Schrunden, Rhagaden, trockene Lippen, Hautaffektionen, schlecht heilende Wunden, Frostbeulen, Scabies, Erkältungskrankheiten,

Hämorrhoiden.

Unerwünschte Wirkungen des Perubalsams

Perubalsam ist ein bekanntes Kontaktallergen und kann eine allergische Kontaktdermatitis, phototoxische und weitere Hautreaktionen verursachen. Er sollte deshalb nur zurückhaltend eingesetzt werden.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Perubalsam

Kommentar & Ergänzung:

In der Krankenpflege wurde früher Perubalsam zur Behandlung von Dekubitus eingesetzt. Dieser Anwendungsbereich wurde wieder fallengelassen wegen dem hohen Allergisierungspotenzial des Perubalsams.

In Form von Dermophil Indien® und Peru-Stick® ist er aber zur Behandlung von Schrunden und Rhagaden auch heute noch im Einsatz und auch wirksam.

Die Anwendung sollte aber aufgrund des Allergisierungspotenzials nicht länger als eine Woche dauern. Fragwürdig ist daher die Anwendung in Lippenpomaden, weil diese meist täglich über längere Zeit benutzt werden.

Perubalsam wurde (oder wird?) zudem angewendet als Fixateur in der Parfumerie.

Myroxylon balsamum ist übrigens in den Bergwäldern der Küstenregion von San Salvador beheimatet und wird unter anderem auch angebaut auf Jamaika sowie Sri Lanka. Haupterzeugerland für Perubalsam ist aber San Salvador. Interessieren würde mich, wie der Perubalsam zu seinem Namen kommt, wenn er doch nicht aus Peru stammt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Blaue Kartoffeln können offenbar Übergewichtigen dabei helfen ihren Blutdruck zu senken. Das ergab eine Untersuchung von Wissenschaftlern um Joe Vinson von der Universität Scranton im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Die Resultate wurden auf einem Kongress der American Chemical Society präsentiert. Demnach konnten übergewichtige Personen, die einen Monat lang regelmäßig die blauen Knollen konsumierten, ihren Blutdruck nachweislich leicht reduzieren.

In der Studie wurden 18 vorwiegend übergewichtigen Patienten mit Bluthochdruck einen Monat lang blaue Kartoffeln auf den gewöhnlichen Ernährungsplan gesetzt.

Sie sollten die blauen Kartoffeln essen, weil farbige Früchte und Gemüse besonders zahlreich sekundäre Pflanzenstoffe beinhalten, so die Wissenschaftler.

Diese Stoffe wiederum sollen gesundheitsfördernde Effekte haben. Die Probanden verspeisten also zweimal am Tag sechs bis acht der golfballgroßen Knollen mit Schale, wobei die Kartoffeln ohne Öl in der Mikrowelle zubereitet wurden.

Während der Studie maßen die Wissenschaftler sowohl den sogenannten systolischen oder oberen Blutdruck – also den Wert, wenn der Herzmuskel Blut in die Arterien pumpt – als auch den diastolischen oder unteren Blutdruck, der gemessen wird, wenn sich das Herz entspannt.

Das Resultat: Durch die Kartoffelkur wurde der systolische Blutdruck im Schnitt um 3,5 Prozent, der diastolische um 4,3 Prozent reduziert. Zudem nahm keiner der Probanden an Gewicht zu.

„Die Kartoffel hat vermutlich mehr als jedes andere Gemüse einen unverdienten schlechten Ruf, der dazu geführt hat, dass viele gesundheitsbewusste Menschen sie von ihrem Speiseplan gestrichen haben“, erklärte Vinson.

Liebhaber von Pommes und Kartoffelchips könnten sich allerdings nicht über die Resultate freuen: Denn die hohen Temperaturen, bei denen die Produkte hergestellt werden, zerstören einen Großteil der gesunden Inhaltstoffe der Kartoffel, so die Wissenschaftler. Zurück blieben hauptsächlich Stärke, Fett und Mineralien.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/668180/blaue-kartoffeln-senken-blutdruck.html?sh=309&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Hier ein paar Zusatzinformationen zur Blauen Kartoffel:

„Die Vitelotte (auch Negrèsse, Truffe de Chine, blaue französische Trüffelkartoffel, in Deutschland auch als „Blaue Kartoffel“ im Handel) ist eine sehr seltene und edle, blau-violette Ur-Kartoffelsorte.

Sie stammt aus Peru und Bolivien, der südamerikanischen Urheimat der europäischen Kartoffel, und wird dort bis heute kultiviert. Vermutlich ist sie eine rund 200 Jahre alte Kreuzung peruanischer Ursorten. Auch Landwirten aus Baden-Württemberg gelang 2004 die Kultivierung.

Sie bildet langovale Knollen mit tiefen Augen, die dank eines hohen Gehalts an dem natürlichen Farbstoff Anthocyan von außen dunkel violett-blau bis nahezu schwarz sind. Innen sind die rohen Knollen hell und dunkel violett-blau durchwachsen, nach dem Kochen dann durch und durch einheitlich violett-blau.“

(Quelle: Wikipedia)

In der Schweiz ist eine Blaue Kartoffel als „Blaue Schweden“  schon seit Jahrzehnten bekannt. Wahrscheinlich kam die Sorte von Skandinavien her in die Schweiz. Sie ist eine von zahlreichen blaufleischigen und blauschaligen Kartoffelsorten, die in der Schweiz immer wieder sporadisch auftauchten und wieder verschwanden. Heute erlebt die Blaue Kartoffel dank ProSpecieRara wieder ein kleines Revival.

Zur erwähnten Studie ist noch anzufügen:

1. Die Teilnehmerzahl ist sehr klein, was die Aussagekraft einschränkt, weil zufällige Faktoren eine übermässige Rolle gespielt haben könnten.

2. Die Präsentation einer Studie auf einem Kongress ist noch kein besonderes Qualitätszeichen. Nur wenn die Studie in einer Fachzeitschrift mit Peer-Review-Verfahren publiziert wurde, kann davon ausgegangen werden, dass die Qualität der Studie vor der Veröffentlichung geprüft wurde. Da eine entsprechende Quellenangabe hier fehlt, scheint eine solche Publikation (noch) nicht vorzuliegen.

Im Peer-Review-Verfahren (englisch für Begutachtung durch Ebenbürtige) werden unabhängige Gutachter (engl. peer für Ebenbürtiger, Gleichrangige oder auch referee für Schiedsrichter) aus dem gleichen Fachgebiet wie die Autoren herangezogen, um die Qualität eines Fachartikels zu beurteilen.

3. Anthocyane als blau-violette Farbstoffe kommen in vielen anderen Pflanzen vor und werden intensiv erforscht, vor allem wegen ihrer antioxidativen Wirkung. Typisch sind sie bespielsweise vorhanden in der Roten Beete („Randen“), bei der ebenfall eine leichte blutdrucksenkende Wirkung festgestellt wurde.

Siehe:

Randensaft / Rote Beete senkt Blutdruck

Weiteres zum Randensaft:

Rote Beete / Randensaft: legales Doping bei Radrennen?

Randensaft / Rote Beete steigert sportliche Ausdauer

Heidelbeeren sind eine weitere interessante Quelle für Anthocyane:

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Anthocyane gehören zu den Polyphenolen. Siehe dazu:

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Polyphenole für Herz & Kreislauf: Schwache Datenlage

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit Mao-Hemmer-Effekt

Auch für die Wirkungen von Karkade-Tee (Hibiskus-Tee) werden auf Anthocyane zurückgeführt:

Karkade-Tee senkt systolischen Blutdruck um 13mmhg

Hibiskus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Diese Forschungen rund um die Anthocyane sind der Kontext, in dem die neue Studie zur Blutdrucksenkung durch Blaue Kartoffeln eingebettet ist.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Was ist Jojobaöl?

Jojobaöl kommt in den nussähnlichen Samen des Jojobastrauches (Simmondsia sinensis) in Konzentrationen um die 50 Prozent vor. Der Strauch ist heimisch in Halbwüsten und Wüsten Mittelamerikas und heißt in der Sprache der Papago-Indianer »Ho-ho-ba«.

Genau genommen ist das Jojobaöl gar kein Öl, sondern ein bei Zimmertemperatur flüssiges Wachs.

In den USA, in Israel, Indien, Kenia, Peru, Argentinien und Australien liegen wichtige Jojoba-Anbaugebiete. Weil die Jojoba-Pflanze sehr genügsam ist, kann sie überall dort wachsen, wo Landwirtschaft wegen fehlender Niederschläge sonst kaum möglich ist. Die Sträucher schützen den Boden vor Erosion und schaffen ein günstiges Kleinklima, in dem sich auch andere Lebewesen ansiedeln.

Die Büsche sind ziemlich robust, sodass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln meist unnötig ist. In seiner natürlichen Umgebung erreicht ein Jojobastrauch eine Alter von bis zu 200 Jahren.

Schon nach einem Jahr liefert ein Strauch schon 500 Gramm Früchte, nach 25 Jahren beträgt die Ernte bis zu 13 Kilogramm pro Pflanze. Die Bauern ernten die Samen in der Trockenperiode meist von Hand, mitunter jedoch auch mit Hilfe von Erntemaschinen.

Jeder Samen beziehungsweise jede Nuss besteht zu 48 bis 56 Prozent aus Jojobaöl. Chemisch gesehen ist Jojobaöl ein Wachs, weil es nicht aus Triglyceriden besteht, sondern aus Estern primärer Alkohole und Monocarbonsäuren (Fettsäuren) mit einer Kettenlänge von 38 bis 44 Kohlenstoffatomen. Da der Schmelzpunkt des Wachses bei 7 Grad Celsius liegt, ist es das einzige in der Natur vorkommende flüssige Wachs. Jojobaöl verdirbt nicht durch Ranzigwerden wie die fetten Öle, denn seine chemische Struktur ist unempfindlich gegenüber einer Oxidation an der Luft. Ohne Zusatz von Konservierungsstoffen ist es deshalb bis zu zehn Jahren haltbar.

Weitere wichtige Inhaltsstoffe der Jojoba-Samen sind Vitamin E, Provitamin A (Betacarotin), Mineralien und das Simmondsin mit seinen Derivaten Simmondsinferulat, 4-Desmethylsimmondsin und 5-Desmethylsimmondsin. Die Samen enthalten zudem geringe Mengen freier ungesättigter Fettsäuren (etwa 1 Prozent) und Fettalkohole.

Die Indios verwendeten Jojobaöl in ihrer Volksmedizin lokal zur Wundbehandlung und gegen Kopfschmerzen sowie als Haarwuchsmittel. Die gerösteten Samen dienten als Kaffee-Ersatz und wurden in Notzeiten auch als Nahrung genutzt.

Die Kosmetikhersteller in Europa entdeckten das Wachs in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, als die Behörden zum Schutz der Pottwale den Einsatz von Walrat (Cetaceum) verboten.

Heute ist Jojobaöl geschätzter Bestandteil vieler kosmetischer Zubereitungen wie Hautcremes und Haarpflegeprodukte. Das Wachs hat eine sehr gute Spreitung und ist darum sehr angenehm anzuwenden. Es zieht sehr rasch in die Haut ein und ist für alle Hauttypen geeignet. Sein besonderes Spektrum an Fettsäuren soll die Haut glätten, ihren pH-Wert stabilisieren und den Feuchtigkeitsgehalt regulieren.

Jojobawachs wirkt entzündungshemmend und besitzt einen natürlichen Lichtschutzfaktor von drei bis vier. Da es kein Öl ist, hinterlässt es auch keinen Fettfilm auf der Haut. Für Massagen lässt es sich deshalb besser in Kombination mit fetten Ölen wie Mandelöl verwenden. Auch mit ätherischen Ölen ist Jojobawachs gut mischbar. Massageöle gegen Cellulite, Sport- und Schwangerschaftsöle enthalten oft Jojobawachs.

Eine Packung mit Jojobaöl gibt schuppigem, trockenem und sprödem Haar einen schönen Glanz. In zahlreichen Haarshampoos und Haarkuren ist darum Jojobaöl enthalten. Auch die Hersteller dekorativer Kosmetik nutzen Jojoba. So sorgt es zum Beispiel für die Geschmeidigkeit und Pflegewirkung von Produkten wie Make-up und Lipgloss.

Die Qualität des Jojobaöls hängt wie bei den fetten Ölen von der Gewinnung und Verarbeitung ab. Hochwertiges Öl stammt immer aus der ersten Kaltpressung der Jojoba-Samen. Weitere Pressungen ergeben minderwertige Qualität und erfordern oft den Einsatz von hohen Temperaturen oder Zusatzstoffen.

Quelle:

http://www.pta-forum.de/index.php?id=1076

Kommentar & Ergänzung:

Ein weiterer Inhaltsstoff der Jojoba-Samen ist Simmondsin. Samenpulver mit hohem Simondsin-Gehalt wurde Anfang 2007 Nahrungsmitteln zugesetzt und als Schlankheitsmittel angepriesen. Dieser Nahrungsmittelzusatz ist jedoch europaweit gesetzlich verboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät von einer Einnahme ab, weil sich die Samen im Tierversuch als stark giftig erwiesen haben.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Kampf gegen die Regenwald-Zerstörung

Die Staaten der Amazonas-Region wollen in Zukunft enger kooperieren, um illegale Rodungen im Regenwald einzudämmen.

Die acht Länder, über die sich die größte Urwaldfläche der Welt erstreckt, wollen unter anderem ihre Messmethoden aufeinander abstimmen, um eine globale Einschätzung der Abholzung zu ermöglichen.

Die regionale Organisation des Amazonas-Abkommens (OTCA) gab in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito einen gemeinsamen Plan bekannt, um die über 6 Millionen Quadratkilometer des Regenwaldgebiets gegen den zunehmenden Druck von Landwirtschaft und Bergbau zu schützen.

Die Amazonasregion sei nicht nur ein bedeutendes Schutzgebiet für die Artenvielfalt, sondern auch „ein Gebiet von großem kulturellem Reichtum, in dem etwa 420 indigene Bevölkerungsgruppen leben“, sagte OTCA-Sekretär Mauricio Dorfler.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1685216/

Kommentar & Ergänzung:

In der Organisation des Amazonas-Abkommens (OTCA) sind Bolivien, Brasilien, Venezuela, Equador, Kolumbien, Guyana, Peru und Surinam zusammengeschlossen.

Für Schutzbemühungen zugunsten der Regenwälder in der Amazonas-Region ist es allerhöchste Zeit. Es bleibt zu hoffen, dass es sich hier nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt. In erster Linie geht es um den Schutz der Lebensgrundlagen für die indigenen Bevölkerungsgruppen und um den wichtigen Beitrag der Regenwälder zum globalen Klimaschutz.

Im übrigen sind die Regenwälder der Amazonas-Region auch eine Fundgrube für Heilpflanzen, von denen wohl erst ein kleiner Teil überhaupt entdeckt wurde.

Zum Thema „Artenvielfalt im Regenwald – die Apotheke der Welt“ heisst es in einem SWR-Bericht:

„Egal ob’s um Schmerzen, Husten oder Wundheilung geht: Weltweit haben bis zu drei Viertel aller Medikamente zumindest einen pflanzlichen Ursprung, auch wenn die Stoffe später im Labor nachgebaut werden……. Immer wieder wird Neues gefunden, wenn Wissenschaftler neue Pflanzen aus den Urwäldern genauer untersuchen. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken, erklärt der Biologe und langjährige Pharmaexperte Prof. Frank Petersen: ‚Wir wissen, dass etwa zehn Prozent aller Pflanzen, die wir heute auf der Erde kennen, chemisch untersucht worden sind. Nur ein kleinerer Teil davon wurde wirklich systematisch in der Wirkstoffforschung in der pharmazeutischen Industrie überhaupt untersucht. Was wir vermuten ist, dass wir in den Regenwäldern auf weitere Arten stoßen können, die ein medizinisches Potential haben werden. Davon bin ich wissenschaftlich überzeugt.’ Auch Wirkstoffe gegen Krankheiten, die wir heute noch nicht behandeln können, dürften hier zu finden sein: ‚Die Natur kann uns den Weg weisen, wie man in der Zukunft solche Erkrankungen effizient behandeln kann.’ Vorausgesetzt freilich, die Wälder bleiben erhalten.“

(Quelle: http://www.uni-tuebingen.de/uni/bzf/Presse/Lehre/SWR-Heilpflanzen-Okt-2010.pdf)

In diesem Zusammenhang wäre dann allerdings auch die Biopiraterie-Thematik zu beachten.

Heilpflanzen: Deutschland unterzeichnet Abkommen gegen Biopiraterie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Was ist Verveine-Tee?

Verveine ( = Zitronenstrauch, Aloysia citrodora, auch Zitronenduftstrauch oder Zitronenverbene genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae).

Verveine wächst als laubabwerfender Strauch mit Wuchshöhen von 2 bis 6 Meter. Die meisten Pflanzenteile duften stark nach Zitrone.

Synonyme für Aloysia citrodora sind:
Aloysia triphylla, Lippia citrodora, Lippia triphylla, Verbena triphylla, Zappania citrodora

Verveine – Herkunft und Geschichte

Der Zitronenstrauch / Verveine stammt ursprünglich aus Südamerika (Uruguay, Argentinien (Catamarca, Jujuy, La Rioja, Salta, Tucuman) Chile, Peru). Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und ist heute bei Feinschmeckern und Kräuterliebhabern ein Begriff.

Duft- und Inhaltsstoffe

Die Verveine-Blätter können ähnlich wie Spinat gekocht werden. Wesentlich öfters werden die Blätter als Gewürz für süße oder herzhafte Salate verwendet. Aus den frischen und getrockeneten Blätter kann man einen sehr aromatischen Tee brühen.
Medizinische Wirkungen wurden untersucht. Das ätherische Öl wird vielfältig verwendet, beispielsweise als Parfümbestandteil oder als Insektenrepellent
Zitronenverbenen enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl. Die Intensität ist deutlich stärker als bei den meisten anderen nach Zitrone riechenden Pflanzen. Schon beim leichten Verreiben der Vervein-Blätter entstehen Duftwolken an Citrusaromen. Die ätherischen Öle (unter 1 %) enthalten als Hauptbestandteile die Aldehyde Citral, Neral und Geranial sowie weitere Monoterpene bzw. Monoterpenabkömmlinge (Limonen, Carvon, Dipenten, Linalool, Nerol, Geraniol).

Die Verwendung von Verveine

Bevorzugt werden die frischen Blätter verwendet, jedoch sind auch die getrockneten Blätter sind sehr beliebt, weil das Zitronenaroma im getrockneten Zustand der Blätter lange erhalten bleibt.

Verveine zur Verfeinerung von Speisen

Feinschmecker und Gourmets verarbeiten die Verveine gerne in der Küche. Verwendet werden die Verveine-Blätter für Salate, Schweinefleisch- und Pilzgerichte, aber auch zum Würzen von Süßspeisen wie Obstsalat, Pudding und zur Zubereitung von Speiseeis. Zudem kann man feingeschnittene Verveine-Blätter in den Zuckerguss für Zitronenkuchen einarbeiten.

Verveine-Getränke

Die Verveine wird auch für die Zubereitung von Getränken genutzt. Legt man frisch gepflückte Verveine-Blätter für eine halbe Stunde in heißes Wasser, so bekommt man einen angenehm erfrischenden Tee. Das zitronige Aroma der Pflanze ist in Frankreich als anregend-beruhigender Guten-Abend-Tee sehr beliebt und dort auch bekannt als Verveine. Auch im Getränk Inca Kola aus Peru kommt das Aroma dieser Pflanze (sie wird lokal Cedrón genannt) zum Einsatz. Unter Eisenkrauttee wird in der Regel Verveine bzw. Zitronenverbena oder bezeichnenderweise wohlriechende Verbena verstanden. Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis) schmeckt demgegenüber recht bitter.

Verveine in der Kosmetik

Verveine wird nicht nur als Badezusatz verwendet, der eine erfrischende Wirkung entfaltet, sondern auch zur Parfümierung beziehungsweise Verfeinerung von Seifen.

Verveine im Haushalt

Säckchen oder Bündel von Verveine bringen einen frischen Duft ins Haus oder in den Kleiderschrank.

Gesundheitliche Wirkung des Verveine-Tees

Da Verveine appetitanregend sowie verdauungsfördernd wirkt, helfen sie gegen Verdauungsbeschwerden beziehungsweise Verstopfungen. Ausserdem wirken sie leicht beruhigend bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Erkältungskrankheiten.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Verveine ist also in Mitteleuropa keine einheimische Pflanze, sondern wird in Gärten angebaut. Nicht selten wird daher tatsächlich das einheimische Echte Eisenkraut (Verbena officinalis), das bei uns an Wegrändern nicht selten anzutreffen ist, mit der Verveine verwechselt.
Im deutsche Sprachraum kennen wir die Verveine fast nur als Genusstee. Deshalb wird sie in deutschsprachigen Phytotherapie-Fachbüchern meist nur am Rande oder gar nicht erwähnt. In Frankreich dagegen gehört Verveine auch zu den Heilpflanzen.
Dort werden die Blätter nicht nur gerne zum ebenso anregenden wie entspannenden Abendtee aufgegossen. Sie dienen sondern auch – etwa der »Distillerie Verveine du Velay« – dazu, (hochprozentige!) Liköre zu destillieren, die sich vorzüglich als Digestif eignen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch