Beiträge

Buchtipp: „Die grosse Gereiztheit“ von Bernhard Pörksen

Verlagsbeschreibung

Wege aus der kollektiven Erregung

Terrorwarnungen, Gerüchte, die Fake-News-Panik, Skandale und Spektakel in Echtzeit – die vernetzte Welt existiert längst in einer Stimmung der Nervosität und Gereiztheit. Bernhard Pörksen analysiert die Erregungsmuster des digitalen Zeitalters und beschreibt das große Geschäft mit der Desinformation. Er führt vor, wie sich unsere Idee von Wahrheit, die Dynamik von Enthüllungen und der Charakter von Debatten verändern. Heute ist jeder zum Sender geworden, der Einfluss etablierter Medien schwindet. In dieser Situation gehört der kluge Umgang mit Informationen zur Allgemeinbildung und sollte in der Schule gelehrt werden. Medienmündigkeit ist zur Existenzfrage der Demokratie geworden. Zum Shop

Zum Autor Bernhard Pörksen

Bernhard Pörksen, Prof. Dr. phil., studierte Germanistik, Journalistik und Biologie, war als Journalist tätig und lehrt heute am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen.

Kommentar von Martin Koradi

Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die sich für die gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen interessieren.

Pörksen beschreibt eine Wahrheitskrise, eine Diskurskrise, eine Autoritätskrise, eine Behaglichkeitskrise und eine Reputationskrise. Er plädiert aber bezüglich der Krisen der digitalen Öffentlichkeit weder für pauschale Euphorie noch für ebenso pauschalen Pessimismus, sondern sieht in der gegenwärtigen Situation vor allem eine Bildungsherausforderung.

Im letzten Kapitel seines Buches stellt er die Utopie einer redaktionellen Gesellschaft zur Diskussion, in der die Grundfragen des Journalismus nach der Glaubwürdigkeit und Relevanz von Information zu einem Element der Allgemeinbildung geworden sind.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Melisse als Beruhigungsmittel

Das Magazin „Focus“ befasst sich mit den Wirkungen der Melisse:

„Das Hauptanwendungsgebiet der Melisse ist die Beruhigung des Nervensystems. Ein Tee aus frischen Melissen-Blättern kann sich bei Stress und Nervosität als wahres Wundermittel erweisen, denn die in ihm enthaltenen ätherischen Öle wirken entspannend und angstlösend.“

Diese Empfehlungen sind nachvollziehbar, auch wenn der Begriff „wahres Wundermittel“ grundsätzlich fragwürdig ist.

Wer Melisse im Haus habe, brauche sich vor schweren Prüfungen keine Sorgen zu machen, schreibt „Focus“ weiter.

Das kann man probieren, doch gibt es bei Prüfungsangst bzw. Prüfungsstress Heilpflanzen, die ich vorziehen würde. Zum Beispiel als leicht angstlösende Präparate hochdosierten Passionsblumenextrakt oder Lavendelöl-Kapseln (Lasea). Und eher für längerfristige Anwendung zur besseren Stressbewältigung Adaptogene wie Ginseng (Ginsana) oder Rosenwurz (Vitango).

Ausserdem empfiehlt „Focus“:

„Vor dem Zubettgehen getrunken, kann auch ein Gläschen vom berühmten Kräuterschnaps Melissengeist beim Einschlafen helfen.“

Hier würde ich den Melissentee kombiniert mit einer Lavendelöl-Anwendung eindeutig vorziehen. Melissengeist hat mir zuviel Alkohol und zuwenig Melisse. Zudem enthält der Melissengeist neben Alkohol und Melissenblättern eine ganze Reihe von Heilpflanzen, die ihn eher als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden prädestinieren: Alantwurzelstock, Angelikawurzel, Ingwerwurzelstock, Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Schwarze Pfefferfrüchte, Enzianwurzel, Muskatsamen, Pomeranzenschalen, Zimtrinde, Zimtblüten, Kardamomensamen.

Die Melisse überrasche aber mit weiteren ungeahnten Heilkräften, schreibt „Focus“ weiter:

„Neben ihren ätherischen Ölen enthält sie Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Mineralsalze. Insbesondere die Gerbstoffe haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie attackieren Herpes-Viren und schützen die Haut vor einer erneuten Infektion. Melissenextrakt gilt heute als anerkanntes Mittel gegen die lästigen Lippenbläschen.“

Korrekt. Der Melissenextrakt wird zu diesem Zweck in eine Creme eingearbeitet (Lomaherpan). Das Präparat muss wie alle lokal anzuwendenden antiviralen Herpesmittel bei den ersten Symptomen eingesetzt werden. Es kann die Dauer der Herpeserkrankung leicht verkürzen – vergleichbar mit anderen Fieberbläschensalben.

Ähnlich lokal antiviral gegen Herpesviren wirken Melissenöl und Pfefferminzöl. In der Schweiz gibt es zudem Parsenn Herpescreme aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt, in kassenzulässiger Form als Phytovir.

Quelle:

http://www.focus.de/kultur/videos/melisse-melisse-zur-beruhigung-des-nervensystems_id_5294391.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Suchtgefahr durch Bachblüten-Notfalltropfen?

Kürzlich wurde ich gefragt, ob es bei der Anwendung von Bachblüten-Notfalltropfen eine Suchtgefahr gebe.

„Sucht“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für „Abhängigkeit“ und der Begriff ist nicht ganz einfach zu fassen und zu definieren.

Klar ist: Es gibt keine substanzgebundene Abhängigkeit bei Bachblüten-Tropfen, weil darin keine Wirkstoffe enthalten sind.

Und wo keine Wirkstoffe sind, gibt es weder pharmakologische Abhängigkeit noch andere unerwünschte Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Es gibt aber meinem Eindruck nach sehr wohl eine Art psychischer Abhängigkeit von Bachblüten-Tropfen, weil es für jede Lebenslage Bachblüten-Tropfen im Angebot gibt.

Ich kenne jedenfalls Leute, die bei jeder Befindlichkeitsstörung und in jeder Lebenslage ihre Bachblüten-Tropfen einwerfen – ob Liebeskummer, Nervosität bei Schulanfang, Einsamkeit, Trauer beim Verlust eines Haustieres……

An solche „kleinen Helferlein“ in allen Lebenslagen kann man sich sehr wohl gewöhnen.

Das ist meines Erachtens ungesund. Es unterminiert das Vertrauen in die Fähigkeit des eigenen Organismus, mit leichten Befindlichkeitsstörungen selber fertig zu werden.

Ich für meinen Teil vertrete eine sehr viel zurückhaltendere Linie:

Ich kann und will nicht für jede Lebenslage ein Pflanzenpräparat empfehlen.

Das ist allerdings nicht attraktiv für Leute, die davon überzeugt sind, dass es für alles und jedes ein Mittelchen geben muss.

Diesen Menschen muss man aber manchmal eine Ent-Täuschung ihrer grenzenlosen, überzogenenVorstellungen zumuten. Langfristig ist das gesünder.

Siehe auch:

Bach-Blütentherapie – worum gehts?

Gibt es Interaktionen zwischen Bachblüten und HIV-Medikamenten

Studie untersucht Bachblüten-Wirkung bei Prüfungsangst und ADHS

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Patientenratgeber Multimedikation

Nicht immer lässt sich die Einnahme vieler Medikamente vermeiden, aber manchmal sind einige unnötig. Bei der Einnahme mehrerer Arzneimittel ist nicht mehr vorhersehbar, was im Körper an Wirkungen, Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen passiert.

In der Fachsprache nennt man die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente Multimedikation oder Polypharmazie. Heikel dabei ist, dass mit steigender Anzahl der eingenommenen Medikamente auch mehr unerwünschte Wirkungen auftreten wie Übelkeit, Verstopfung, Kopfschmerzen, Benommenheit oder Blutungen.

Auch eine Behandlung im Spital und schlimmstenfalls der Tod können eine Folge von Multimedikation sein.

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesärztekammer (BÄK) einen Patientenratgeber zur Multimedikation veröffentlicht. Hier geht’s zum Patientenratgeber.

http://www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/aezq-version-kip-multimedikation.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Bei diesem Thema ist es meiner Ansicht nach sinnvoll, auch über „Multimedikation“ bei Naturheilmitteln und bei Präparaten der Komplementärmedizin oder Alternativmedizin nachzudenken.

Bei Phytopharmaka beispielsweise: Zwar zeichnen sich pflanzliche Arzneien oft durch „Gutmütigkeit“ aus, doch gibt es auch Heilpflanzen, bei denen mit Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Das wohl bekannteste Beispiel dafür sind Johanniskraut-Präparate. Sie können den Abbau von gewissen Medikamenten in der Leber beschleunigen und dadurch deren Wirkung abschwächen.

Keine Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen gibt es bei Homöopathika, Bachblüten-Tropfen und Schüssler-Salzen, weil diese Präparate keine Wirkstoffe enthalten. Wo keine Wirkstoffe drin sind, gibt es auch keine Wechselwirkungen oder unerwünschten Nebenwirkungen.

Trotzdem sind aber auch bei Homöopathika, Bachblüten-Tropfen und Schüssler Salzen fragwürdige Formen der „Multimedikation“ zu beobachten, wenn für jede Lebens- und Gemütslage eine ganze Reihe von Produkten angeboten und konsumiert wird.

Das führt nicht selten zu einer Art von Gewöhnung, wenn bei jeder Gelegenheit solche „kleinen Helferlein“ eingeworfen werden.

Längerfristig wird dadurch das Vertrauen in die eigenen Regulationsfähigkeiten unterminiert. Dass unser Körper oder unsere Psyche in der Lage sind, kleinere Befindlichkeitsstörungen und leichtere Beschwerden selber auszugleichen, gerät so mehr und mehr in Vergessenheit.

Im Bereich der Phytotherapie bin ich für eng gesteckte Grenzen: Es gibt nicht für jede Befindlichkeitsstörung eine wirksame und zugleich sinnvolle Heilpflanze.

Liebeskummer, Einsamkeit, Trauer beim Verlust eines Haustieres, Nervosität beim Schulanfang usw. – das Internet ist voll von Angeboten aus Komplementärmedizin und Alternativmedizin zur Behandlung solcher Lebenslagen.

Diese ausufernden Therapieversprechungen sind nicht nur von der Wirksamkeit her fragwürdig, sondern auch von der zugrundeliegenden Haltung. Der Mensch wird dadurch letztendlich aufgefasst als behandlungsbedürftig von der Wiege bis zur Bahre – und das ist alles andere als eine gesunde Vorstellung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schlafmittel-Abhängigkeit: Bis zu zwei Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen

In Deutschland werden jährlich 230 Millionen Tagesdosen an Benzodiazepinen von den gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet und etwa die gleiche Menge wird zusätzlich über Privatrezepte verordnet.

Benzodiazepine sind wichtig Wirkstoffe, die in der Notfallmedizin, in der Anästhesie oder bei psychiatrischen Notfällen oft von grossem Wert sind. Verbreiteter ist jedoch ihre Anwendung als Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie zum Beispiel in Form des klassischen Valiums. Jede zweite Person, die eines dieser Medikamente einnimmt, schluckt es zur Linderung von Schlafstörungen und jede Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.

Benzodiazepine zeigen zwar eine gute Wirksamkeit, haben jedoch auch bekanntermaßen ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Die Arzneimittelrichtlinie legt in der Regel einen Einnahmezeitraum von bis zu vier Wochen fest. Die tatsächlich verkauften Tabletten deuten jedoch darauf hin, dass häufig ein Langzeitverbrauch stattfindet.

Die genaue Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen ist bisher nicht bekannt, liegt jedoch etwa zwischen 128.000 bis 1,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Problematik des Missbrauch und der Abhängigkeit von Benzodiazepinen sind seit über 40 Jahren bekannt und vieldiskutiert.

Die Bedeutung des Abhängigkeitsrisikos wurde von der Pharmaindustrie über lange Zeit verharmlost.

Seit rund 40 Jahren sind Missbrauch und Abhängigkeit von Benzodiazepinen aber bekannte Probleme.

 

Pharmazeutische Unternehmen und die deutsche Zulassungsbehörde haben deshalb seit den 1980er Jahren die Anwendungsdauer auf in der Regel zwei bis vier Wochen beschränkt.

 

Katrin Janhsen et al. haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1-7) gezeigt, wie die hohe Verschreibungszahl der Benzodiazepinen zu Stande kommt und worauf bei der Entgiftung zu achten ist.

 

Muss ein Benzodiazepinen-Abhängiger entwöhnt werden, braucht es dazu einen langwierigen Entzug. Starke Medikamentenabhängigkeit setzt für den Entzug sogar eine stationäre Behandlung voraus, wie die Autoren anhand eines Ablaufschemas darstellen. Sie unterstreichen, dass Ärzte unsachgemäße Langzeitverordnung vermeiden sollen und über die Vorbeugung und Behandlung von Arzneimittelabhängigkeit intensiver fortgebildet werden müssten.

 

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61345/Bis-zu-zwei-Prozent-der-deutschen-Bevoelkerung-von-Schlafmitteln-abhaengig

Die Übersichtsstudie:

Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen – Verschreibungspraxis, Epidemiologie und Entzugsbehandlung

Kommentar & Ergänzung:

Der Langzeitkonsum von Benzodiazepinen bei Beschwerden, für die sie wegen des Risikopotenzials nicht geeignet sind, ist tatsächlich schon seit vielen Jahren ein Thema.

Da Appelle an Ärzte und Patienten offenbar nur sehr beschränkt wirksam sind, wären schärfere gesetzliche Regelungen meines Erachtens überfällig.

Zu erwähnen wäre gleichzeitig aber auch, dass es eine Reihe von pflanzlichen Schlafhilfen gibt, die keine Abhängigkeit, kein Hang-over und keine erhöhte Sturzgefahr bewirken.

Pflanzliche Schlafhilfen wie Baldrian, Melisse, Passionsblume, Hopfen oder Lavendel / Lavendelöl helfen zwar nicht in jedem Fall. Sie sind aber eine Option, die in vielen Situationen sinnvollerweise in Betracht zu ziehen ist. Manchmal, aber nicht immer, lassen sich Benzodiazepine durch pflanzliche Schlafhilfen vermeiden oder ersetzen. Wobei aber das Absetzen von Benzodiazepinen nach längerem Gebrauch ärztlicher Unterstützung bedarf. Benzodiazepine schlagartig absetzen und durch pflanzliche Schlafmittel zu ersetzen – das würde mit grösster Wahrscheinlichkeit schief laufen.

Besser ist es, bei harmloseren Beschwerden gar nicht erst in eine Benzodiazeptin-Abhängigkeit hinein zu schlittern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytoöstrogene: Hopfen bei Hitzewallungen in den Wechseljahren

Hopfenzapfen werden immer wieder mal empfohlen gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren. Begründet wird dies mit dem Gehalt an Phytoöstrogenen.

Reinhard Länger hat in der Zeitschrift „PHYTOTherapie“ (5 / 2014) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie einen informativen Beitrag über den Hopfen als Heilpflanze publiziert. Darin geht es auch um die Phytoöstrogene im Hopfen.

Zitat:

„Hopfenzapfen enthalten neben den genannten Inhaltsstoffen auch Flavonoide, darunter solche, die östrogenartige Effekte hervorrufen können (nomenklatorisch nicht ganz korrekt als 8-Prenylnaringenin bezeichnet). Obwohl diese Substanz zu jenen Phytoöstrogenen zählt, die in-vitro die stärksten Wirkungen zeigten, ist die Affinität zu den Östrogenrezeptoren verglichen mit Estradiol doch deutlich geringer (ERα 70-fach geringer, ERβ 20,000-fach geringer). Diese Substanzen könnten die Erklärung dafür sein, weshalb bei Hopfenpflückerinnen Zyklusstörungen beobachtet wurden und traditionell konzentrierte Reste des Brauvorgangs zur Behandlung verschiedenster gynäkologischer Probleme verwendet wurden. In Bieren, die mit modernen CO2-Extrakten aus Hopfen zubereitet wurden, ist der Phytoöstrogengehalt im Bereich 0 – ca. 20 μg/kg, also sehr gering.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0514.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin gegenüber der Empfehlung von Hopfen zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden schon seit langem generell skeptisch.

Erstens ist der Gehalt an Phytoöstrogenen tatsächlich gering. Im Labor zeigt die Substanz aber interessante Wirkungen.

Zweitens bindet Prenylnaringenin – wie auch Reinhard Länger darlegt – deutlich stärker an den Östrogenrezeptor Alpha (Erα) als an Östrogenrezeptor Beta (Erβ).

Diese beiden Östrogenrezeptoren befinden sich im menschlichen Körper an unterschiedlichen Orten.

Der ERα überwiegt in der Niere und Nebenniere, in der Brustdrüse, in der Leber, im Uterus und im Zentralnervensystem in der Hypophyse.

Überwiegend ERß dominiert im Gefäßsystem, im Knochen, in der Lunge, in der Blase und in der Prostata.

Da in der Brustdrüse und im Uterus Tumore auftreten können, die durch Östrogene im Wachstum stimuliert werden, ist bei Substanzen wie Prenylnaringenin, die hauptsächlich an Erα binden, nicht auszuschliessen, dass sie dort tumorfördernde Effekte auslösen.

Selbst wenn also Hopfen relevante östrogene Wirkungen im menschlichen Organismus zeigen würde, wäre eine Empfehlung gegen Wechseljahrbeschwerden meines Erachtens wegen diesem nicht geklärten Risiko fragwürdig.

Die von Reinhard Länger erwähnten Berichte über Zyklusstörungen bei Hopfenpflückerinnen geistern im übrigen schon seit Jahrzehnten in der Fachliteratur herum, ohne dass ich bisher irgendwo konkrete Angaben dazu gefunden hätte (wer hat wann, wo, was genau beobachtet? Wo wurden diese Angaben publiziert?).

In der Phytotherapie-Fachliteratur wird Hopfen hauptsächlich als Mittel gegen Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität eingesetzt. Eine Empfehlung von Hopfen zur Linderung von Hitzewallungen taucht dort nicht auf. Empfohlen wird gegen diese Beschwerden in der Regel Traubensilberkerze als Extrakt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Energydrinks: Zu viel Koffein für Kinder

Jedes fünfte Kind zwischen 10 und 14 Lebensjahren konsumiert zuviel Koffein, wenn es Energydrinks zu sich nimmt. Rechnet man auch Cola und Schokolade als Koffeinquellen dazu, konsumiert sogar jedes zweite Kind mehr als die zuträgliche Koffein-Dosis. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Technischen Universität Dänemarks. Pro Tag und pro Kilogramm Körpergewicht sollte man nicht mehr als 2,5 mg Koffein einnehmen. Wird diese Höchstmenge überschritten, kann es zu Schlafstörungen, Herzrasen, Nervosität und Angstzuständen kommen.

Quelle: NZZ am Sonntag, 4. Januar 2015

Kommentar & Ergänzung:

Der hohe Konsum von Energydrinks wie Red Bull (und anderen) vor allem bei Jugendlichen wird schon seit längerem aus medizinischer Sicht kritisch gesehen.

Dabei steht nehmen dem hohen Koffeingehalt auch die Menge an Zucker im Fokus, die mit solchen Getränken zugeführt wird.

Schokolade wird in der Meldung erwähnt, weil Kakao etwa 0,2 % Koffein enthält.

Als Koffeinquelle ist Schokolade allerdings von untergeordneter Bedeutung.

Siehe auch:

Energydrinks: Harmlos oder riskant?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Forschung zum Wirkungsmechanismus von Traubensilberkerze bei Wechseljahrbeschwerden

Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren führt häufig zu Beschwerden wie Wallungen, die gerne alternativ zu konventionellen Therapien mit Präparaten der Traubensilberkerze (Actaea racemosa, Syn. Cimicifuga racemosa) behandelt werden.

Einem Team von Forschenden um Sophia Khom vom Department für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Wien ist nun ein bedeutender Schritt zur Aufklärung der möglichen Wirkmechanismen der Traubensilberkerze gelungen. Die neuen Erkenntnisse wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics“ publiziert.

Die Wirksamkeit der Traubensilberkerze wird in klinischen Studien unterschiedlich beurteilt. In manchen Studien scheint durch ihre Einnahme eine Besserung der subjektiven Symptomatik hauptsächlich bei Beschwerden wie Schlafstörungen, Hitzewallungen oder Unruhe einzutreten. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind jedoch weitgehend unbekannt. Vermutet wird bereits seit einiger Zeit, dass Inhaltsstoffe verschiedene Botenstoffsysteme im zentralen Nervensystem modulieren. 

Einer der Inhaltsstoffe der Traubensilberkerze verstärkt die Wirkung des wichtigsten hemmenden Botenstoffes (γ-Aminobuttersäure; kurz GABA) im Gehirn an sogenannten GABA(A) Rezeptoren. Dieser Rezeptor ist hauptsächlich als molekulares Ziel ärztlich verordneter Schlafmittel wie Zolpidem, Diazepam, Anästhetika, Tranquilizer oder Antiepileptika bekannt.

 

Inhaltsstoffe vermindern Angst und Stress


 

Die Pharmakologinnen Sophia Khom und Barbara Strommer untersuchten zuerst die Wirkung des Naturstoffes an neun verschiedenen GABAA Rezeptor Subtypen, die in Eizellen des afrikanischen Krallenfrosches exprimiert wurden. Besonders auffällig war in der Studie, dass der Naturstoff keine Selektivität zeigt und alle untersuchten GABA(A)-Rezeptor-Subtypen gleichermaßen beeinflusst, erklärt Sophia Khom, Leiterin der experimentellen Untersuchungen an der Universität Wien.

 

Die maximale Wirkung sei im Vergleich zu etablierten Substanzen wie Diazepam etwa sechsmal stärker ausgeprägt. Daraus könne man schließen, dass die Substanz vermutlich an allen im Gehirn vorkommenden GABA(A)-Rezeptoren angreife und dadurch signifikant die Erregbarkeit von Nervenzellen im gesamten Hirn reduziere.

 

Eine solche Wirkung vermindert Unruhe, Angst oder Stress, führt jedoch auch zu unerwünschten Wirkungen wie Sedierung – also einer Dämpfung der Funktionen des zentralen Nervensystems –, zu Schlafbedürfnis und dem Verlust der Kontrolle über die Muskulatur. Untersuchungen zeigten tatsächlich angstlösende und Stress reduzierende Effekte, jedoch auch eine starke Beruhigung, die im Einklang mit dem festgestellten Wirkungsmechanismus des Inhaltsstoffes steht.

 

Diese beruhigende Wirkung könne bei Gabe von Traubensilberkerzen-Präparaten zu einer erwünschten Linderung von Nervosität in der Postmenopause beitragen, vermutet Sophia Khom.

Es brauche aber entsprechende klinische Studien, um zu klären, ob dies wirklich der Fall sei.

 

Mit der beobachteten Sedierung können jedoch auch unerwünschte Wirkungen verbunden sein, schreibt die Universität Wien in der Pressemitteilung. Ob es bei wiederholter Einnahme zu einer übermäßigen Sedierung und zum Beispiel zur Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit kommt, können die ForscherInnen noch nicht mit Sicherheit sagen.

 

Sie glauben, dass ihre Arbeit einen möglichen Wirkungsmechanismus der Traubensilberkerzen-Extrakte aufzeigt.

Quelle:

http://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/macht-die-traubensilberkerze-muede/

Publikation in Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics
Strommer B., Khom S., Kastenberger I., Stuppner H., Schwarzer C., Hering S.: A Cycloartane Glycoside Derived from Actaea racemosa L. Modulates GABA(A) Receptors and Induces Pronounced Sedation in Mice. Aug. 26 2014 / 2014 Nov; 351(2):234-42. DOI: 10.1124/jpet.114.218024.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25161170

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Forschung. Je besser wir die Wirkungsmechanismen der Heilpflanzen verstehen, desto präziser und wirksamer kann man sie anwenden und desto eher sind potenzielle unerwünschte Nebenwirkungen voraussehbar.

Festzuhalten ist aber, dass es sich hier um reine Laborexperimente an Zellen handelt. Ob entsprechende Wirkungen an GABA-Rezeptoren auch in einer „ganzen“ Frau stattfinden und eine Rolle für die Wirkung des Traubensilberkerzen-Extrakts spielen, ist völlig unklar. Den Forscherinnen und Forschern ist das klar, doch geht diese Einschränkung in der Medienberichterstattung und manchmal sogar in der Fachliteratur nicht selten unter.

Im Labor an isolierten Zellen oder Geweben lassen sich leicht irgendwelche Vorgänge beobachten und als Wirkungsmechanismen interpretieren, die in der Anwendungssituation oft gar nichts mit der Wirkung zu tun haben.

So gibt es für Traubensilberkerzen-Extrakt aus dem Labor bereits Hinweise auf ganz unterschiedliche Wirkungsmechanismen:

„Die Wirksubstanzen haben verschiedene Angriffspunkte. Neben einer selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulation (→SERM) durch die Cycloartanderivate wurde ein zentraler Angriff, z. B. an Regulationszentren für die Körpertemperatur sowie an Serotonin-, Dopamin-, GABA- und Opioid-Rezeptoren, gezeigt.“

Quelle: Teuscher / Melzig / Lindequist, Biogene Arzneimittel, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2012

Da stellt sich natürlich die Frage, welcher von diesen auf der Basis von Laborergebnissen postulierten Wirkungsmechanismen relevant ist.

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2010) von Schilcher / Kammerer / Wegener steht als Zielstruktur der Hypothalamus in Zentrum:

„Wirkmechanismus: Dämpfung des hypothalamischen LHRH-Pulsgenerators, damit verbunden eine Senkung pulsatiler LH-Sekretion und Hemmung der Aktivität hypothalamischer Temperatur- und Herz-Kreislauf-regulierender Nervenzellen, dadurch Hemmung von aufsteigenden Hitzewallungen und tachykarden Anfällungen.“

Möglich wäre auch, dass mehrere Wirkungsmechanismen beteiligt sind.

Dann hätten wir es mit einer Multi-Target-Therapie zu tun, was in der Phytotherapie nicht selten der Fall sein dürfte: Es werden mehrere Zielstrukturen durch das gleiche Präparat beeinflusst. Aus diesem breiten Ansatz ergibt sich nicht selten eine gute Verträglichkeit.

Von daher ist aber auch die Spekulation über stark sedierende Eigenschaften, die möglicherweise bis zur Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit gehen, eher fragwürdig. In der Phytotherapie-Fachliteratur taucht eine sedierende Wirkung von Traubensilberkerzen-Extrakt nicht auf, und bei klinischen Studien wäre eine stark sedierende Wirkung wohl aufgefallen.

Interessant an dieser ganzen Diskussion rund um Wirkungsmechanismen des Traubensilberkerzen-Extrakts ist eine Veränderung über die Zeit hinweg: Während anfänglich vor allem hormonelle Wirkungsweisen im Vordergrund standen und als Wirkstoffe Phytoöstrogene postuliert wurden, gehen heute viele Fachleute von einer Beeinflussung der Wechseljahrsymptome im Zentralnervensystem aus.

Die Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte die Pressemeldung der Universität Wien im übrigen unter dem Titel „Pflanzliches Präparat gegen menopausale Beschwerden wirksam“ – was völlig irreführend ist. In der beschriebenen Forschung geht es nicht um Wirksamkeit, sondern um Wirkstoffe und potentielle Wirkungsmechanismen. Um eine Wirksamkeit zu belegen, sind klinisch Studien nötig, also Untersuchungen mit Frauen, die an Hitzewallungen leiden. Die gibt es, doch sind die Ergebnisse für Traubensilberkerzen-Extrakt widersprüchlich. Es dürfte unter anderem wohl sehr darauf ankommen, welche Präparate jeweils untersucht worden sind.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Mit dem Begriff „Fatigue“ bezeichnet man ein Erschöpfungs-Syndrom mit außerordentlicher Müdigkeit, mangelnder Energiereserven oder einem massiv erhöhten Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zur vorausgegangenen Aktivität ist. Leitsymptome der Fatigue sind Müdigkeit und Erschöpfung. Aber auch Leistungsschwäche und Depression sind charakteristisch für das Beschwerdebild.

Die Bezeichnung Fatigue wird in der Medizin in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

In der Onkologie ist das Fatigue-Syndrom eines der häufigsten und zugleich das am stärksten belastende Begleitsymptom der Krebserkrankung und ihrer Therapie. Stärker noch als unter Schmerzen leiden viele Patienten unter der extremen Erschöpfung. Dennoch bleibt die Fatigue oft unerkannt und unbehandelt.

Zur Entstehung des Fatigue-Syndroms schreibt Wikipedia:

„Die Pathogenese des Fatigue-Syndroms bei Krebs ist bislang nicht eindeutig geklärt. Überwiegend wird von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen, an der bei Krebskranken auch psychologische Faktoren, Blutbildveränderungen und Ernährungseinflüsse beteiligt sind. Bei ihnen wird die Fatigue durch die Erkrankung selbst oder im Zusammenhang mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung ausgelöst. Sie hält meist Wochen bis Monate über den Behandlungszeitraum hinaus an und beeinträchtigt die Lebensqualität oft erheblich.“

Die Behandlung der Fatigue ist oft schwierig. Die „ÄrzteZeitung“ berichtet über das Thema.  Vor allem Anderen müssten eine Bewegungstherapie, etwa mit Ausdauer- oder Krafttraining, und eine psychoonkologische Begleitung gewährleistet sein, berichtete Dr. Axel Eustachi vom Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat) der TU München.

Er wies auf eine britische Studie hin, in der Daten von 20 Studien, 15 davon randomisiert und kontrolliert, analysiert wurden, um die Wirksamkeit komplementärer und alternativer Medizin (CAM, complementary and alternative medicine) bei Tumor-Fatigue zu beurteilen (Integr Cancer Ther. 2013; 12(4):276-90).

Resultat:

„Begleitend neben Chemo- oder Strahlentherapie erwiesen sich Hypnose, Ginseng- und Guaranabehandlung als effektiv. Akkupunktur hingegen zeigte einen deutlichen Effekt nach Beendigung der Chemo- oder Strahlentherapie. Zudem gab es Hinweise auf die Effektivität von Massage in dieser Therapiesituation.

Qi Gong zeigte sowohl während wie auch nach der konventionellen Therapie positive Wirkung auf Fatigue. Hinsichtlich Therapie-Kombinationen konnte die Studie keine Ergebnisse liefern. Problematisch war auch die kurze Nachbeobachtungszeit von weniger als drei Monaten.“

Wichtig sei es, die Kombinierbarkeit mit der laufenden onkologischen Standardtherapie abzuklären und mögliche Wechselwirkungen auszuschließen, erklärte Eustachi. So enthalte Ginseng zum Beispiel Substanzen, die mit unklarer Wirkung an Östrogenrezeptoren andocken könnten. Deshalb sei Ginseng bei Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs besser zu meiden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/855721/onkologie-hilft-fatigue.html?sh=1&h=-402959452

http://spcare.bmj.com/content/1/Suppl_1/A12.2.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Zu Guarana: Der mehrjähige Guarana-Strauch Paullinia cupana var. sorbilis aus der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae) ist im Amazonasgebiet in Brasilien heimisch und wird in weiteren südamerikanischen Staaten kultiviert.

Als Arzneimittel verwendet werden die vom Samenmantel und der Samenschale befreiten, getrockneten und gerösteten Samenkerne (Guaranae semen). Guarana enthält Coffein und wird wie Kaffee gegen Müdigkeit und zur Leistungssteigerung eingenommen.

Zu Ginseng:

Ginsengextrakte sollten nicht zusammen mit Koffein enthaltenden Präparaten wie Guarana verwendet werden, da dies zum „Ginsengmißbrauchsyndrom“ mit Bluthochdruck, Nervosität, Schlaflosigkeit, morgendlicher Diarrhoe, Ödemen und Euphorie führen könnte.

Siehe auch:

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie: Roter Ginseng bei Fatigue

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Symptome bei Krebserkrankungen

Ausserdem zu Fatigue:

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Die Vermarktung der Hildegard von Bingen

Die österreichische Zeitung „Der Standard“ publizierte vor kurzem einen Beitrag zum Thema „Das grosse Geschäft mit Hildegard von Bingen“.

Der Historiker Peter Dinzelbacher vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien stellt darin einleitend fest, dass die Benediktinerin wohl mit dem heiligen Zorn der Prophetin reagieren würde, könnte sie heute ihre Vermarktung kommentieren.

In der Alternativmedizin werde gut und gerne mit dem Namen Hildegard von Bingen geworben, was nicht selten die Bezeichnung „Etikettenschwindel“ verdiene, schreibt „Der Standard“.

Kaum eine historische Persönlichkeit habe eine derartige Kommerzialisierung und Instrumentalisierung erfahren wie die Nonne und Äbtissin Hildegard von Bingen.

Zahllose Kräutermischungen, Liköre, Nahrungsmittel, Tinkturen, Elixiere, Öle, Kosmetika, Edelsteine, Kochbücher, Gesundheitsratgeber und sogar Schulen, Hotels und Wellnesstempel tragen ihren Namen.

Ein genauer Blick auf die angepriesenen Produkte lasse mitunter allerdings gewisse Diskrepanzen zutage treten, stellt „Der Standard“ fest. So werde gegenwärtig ein „Aronia-Saftgetränk in der Tradition der Hildegard von Bingen“ angepriesen, obwohl diese Beerenart im 12. Jahrhundert – zu Lebzeiten der Kirchenheiligen – in Deutschland noch völlig unbekannt war. Die Formulierung „in der Tradition von“ im Produktnamen lasse jede Menge Interpretationsspielraum offen. Ähnlich verhalte es sich mit Likören, die mit dem Signet der „Posaune Gottes“ – wie sich Hildegard von Bingen selbst nannte – versehen werden: Das habe überhaupt nichts mit Hildegard von Bingen zu tun, erklärt Johannes Mayer, Leiter der Forschergruppe Klostermedizin in Würzburg, in dem Beitrag.

Keine Hildegard-Fastenmethode überliefert

Auch beim Heilfasten sei es um die Seriosität der beworbenen Hildegard-Kuren schlecht bestellt. In den Schriften von Hildegard setze sich lediglich ein Satz mit diesem Thema auseinander, der frei übersetzt laute: ‚Das Fasten sollst du nicht übertreiben‘. Das sei alles, sagt Medizinhistoriker Mayer. Nach Ansicht des Experten handelt es sich bei den Hildegard-Diäten um einen „kleinen Etikettenschwindel“. Das Prinzip sei denkbar einfach: Es werde eine Heilfastenmethode – etwa jene nach Buchinger – genommen und das wenige, was in dieser Fasten-Zeit gegessen werde, mit Pflanzen angereichert, die Hildegard von Bingen speziell empfohlen hat.

Eine spezielle Fastenmethode nach Hildegard von Bingen gebe es aber definitiv nicht.

Edelsteintherapie nach Hildegard?

Ein breites Geschäftsfeld stelle die nach der Nonne benannte Edelsteintherapie dar, schreibt „Der Standard“. In ihren kirchenmedizinischen Traktaten liste die „Prophetin“ neben 290 Pflanzen immerhin auch 25 Mineralien und acht Metalle auf.

Gemäss den Empfehlungen der Verkäufer sollen die angeblich gesundheitsfördernden Steine entweder als Amulett am Körper getragen, als Elixier getrunken oder in pulverisierter Form unter das Essen gemischt werden – und so gegen Nervosität oder Unruhe wirken und die Entgiftung des Körpers fördern. Die Therapie entbehre jeder rationalen Grundlage. Oral eingenommene Edelsteinpulver würden einfach wieder ausgeschieden – ohne irgendeinen Effekt, sagt dazu der klinische Psychologe Colin Goldner.

Auch Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin steht dieser Methode skeptisch gegenüber: Was Hildegard von Bingen da betrieben habe, sei sozusagen ‚weiße Magie‘, die naturwissenschaftlich natürlich nicht nachweisbar sei. Er sehe das in gewisser Weise als Spiel.

Symbolische Naturinterpretation

Im Beitrag des „Standard“ wird im weiteren ein wichtiger Punkt erwähnt: Von Laien häufig nicht mitgedacht werde, dass die beiden kirchenmedizinischen Hauptwerke „Physica“ und „Causae et Curae“ (Krankheitsgründe und Heilmittel), deren Entstehung Historiker auf 1158 datieren, nicht von einem naturwissenschaftlich Weltbild geprägt sind, sondern von einer symbolische Naturinterpretation, die sich auf einen göttlichen Heilplan beruft. Pflanzen, Steine und Metalle besitzen in diesem Weltbild nicht per se eine heilende Wirkung, sondern entfalten diese ausschließlich durch die ihnen innewohnende göttliche Kraft.

Hildegard-Medizin ist eher Hertzka-Medizin

Die massenhafte Vermarktung von „Hildegard-Produkten“ lasse sich auf den österreichischen Arzt Gottfried Hertzka zurückführen, der von dem visionären Ursprung der Schriften der Kirchenheiligen überzeugt war. Gemeinsam mit dem Apotheker Max Breindl entwickelte Hertzka in den 60er-Jahren entsprechende Rezepturen, die er ab 1970 unter der Bezeichnung „Hildegard-Medizin“ propagierte.

Es gebe zwar Produkte, die stimmig seien, insgesamt seien das aber nur wenige, lautet die Schlussfolgerung von Johannes Mayer. Dazu zähle etwa die Ringelblumensalbe, die tatsächlich eine Entdeckung von Hildegard sei. Der Medizinhistoriker weist darauf hin, dass die Calendula tatsächlich eine sehr gute Pflanze gegen Hautverletzungen ist, die Ringelblumensalbe heute aber nicht mehr mit Schweineschmalz hergestellt wird. Die Produkte müssten also streng genommen unter dem Namen „Hertzka-Medizin“ geführt werden, was aber weit weniger gut ziehen würde als die „Marke“ „Hildegard von Bingen“.

Quelle:

http://derstandard.at/1371171658909/Das-grosse-Geschaeft-mit-Hildegard-von-Bingen

Kommentar & Ergänzung:

Die Vermarktung der Hildegard von Bingen ist tatsächlich ziemlich fragwürdig und es ist löblich, dass „Der Standard“ dieses Thema kritisch aufgreift.

Merke:

Nicht überall, wo Hildegard draufsteht, ist auch Hildegard drin.

Traditionen erfordern eine interessierte Auseinandersetzung, nicht blinde Gläubigkeit.

Nicht alles, was ein paar hundert Jahre alt ist, ist dadurch auch schon plausibel.

Eine kritische Haltung gegenüber der „Hildegard-Medizin“ steht einer Würdigung der aussergewöhnlichen Leistungen der „Hildegard von Bingen“ nicht im Wege.

Wenn Colin Goldner darauf hinweist, dass von oral eingenommem Edelsteinpulver keine Wirkung zu erwarten ist, dann kann man dem meines Erachtens insofern zustimmen, als wohl kaum relevante Stoffe in den Organismus aufgenommen werden. Zu beachten ist allerdings, dass Edelsteine bei Hildegard eine symbolische Bedeutung haben. Und Symbole und Rituale haben in manchen Fällen durchaus eine Wirkung.

Weitere  Infos zum Thema:

Aderlass & Hildegard-Medizin

Papst erhebt Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin

Hildegard-Medizin

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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