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Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gekürt

Der Weißdorn (Crataegus spec.) wird seit Generationen als Arzneipflanze zur Unterstützung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Wegen zahlreicher neuer Erkenntnisse zu den Wirkungen und der Bedeutung für die Pflanzenheilkunde wurde Weißdorn vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt.

 

Reichhaltige Kulturgeschichte des Weißdorns

Sagen und Mythen haben dem Weißdorn schon vor über 1.000 Jahren wundersame Fähigkeiten zugeschrieben. Dornröschen soll durch den Weißdorn in ihren hundertjährigen Schlaf gefallen sein.

Weißdorn galt jedoch auch als Zuhause der guten Feen und war der christlichen Zeit ein Zeichen für Hoffnung. Einer Legende nach soll selbst die Dornenkrone Jesu aus Weißdorn bestanden haben, woher wahrscheinlich die Assoziation mit Leben und Tod stammt.

Weißdorn beeindruckt aber nicht nur mit den zahkreichen Erwähnungen in der Sagenwelt, sondern auch durch die seit Jahrhunderten andauernde medizinische Anwendung und seine damit assoziierte Kraft. So wurden bereits in der Antike Weißdorn-Arten medizinisch genutzt, zum Beispiel gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung. Verschiedene nordamerikanische Stämme sollen schon die herzschützende Wirkung des Weissdorns gekannt und geschätzt haben. Erste Untersuchungen zur Heilkraft des Weißdorns wurden 1896 in den USA durchgeführt. Gerhard Madaus schreibt in seinem renommierten „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1938:

„Crataegus ist ein ausgezeichnetes Kardiakum [Herzmittel], das als fast unübertreffbar bei beginnender Myokardschwäche, namentlich im Alter und bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet werden kann.“

Ab den 1970er Jahren waren viele Anwendungen für Weißdornextrakt bekannt, wie beispielsweise bei Altersherz, Belastungsherz, Hochdruckherz mit und ohne Schwächeerscheinungen, leichtere Grade von Koronarinsuffizienz, Herzmuskelschwäche nach Infektionskrankheiten, Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkt (Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 1973). 1994 wurden dann auf der Grundlage vorliegender wissenschaftlicher Daten für Weißdornblätter mit Blüten von der für Arzneipflanzen zuständigen Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes das Anwendungsgebiet der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA festgelegt.

Weißdornextrakt als traditionelles Arzneimittel zugelassen

Die deutsche Zulassungsbehörde stufte Weissdornblätter mit Blüten im Jahr 2016 aufgrund der langjährigen Erfahrungen, der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffes als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Gründend auf langjähriger Erfahrung können Weißdornblätter mit Blüten auch bei zeitweilig auftretenden nervösen Herzbeschwerden (z. B. Herzklopfen, durch Ängste ausgelöste Extrasystolen) angewendet werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde. Befürwortet wird zudem der Einsatz bei leichten Symptomen von Stress und als Schlafhilfe. Auf Grund der bekannten Wirkungen könnte der Weißdornextrakt nicht nur bei funktionellen (nicht organisch bedingten) Herzbeschwerden, sondern gerade auch bei ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung einer Herzschwäche sinnvoll eingesetzt werden. Für die Herstellung von Arzneimitteln aus Weißdorn werden die Blätter zusammen mit den leuchtend-weißen Blüten der Weißdornsträucher oder -bäume verwendet. Sie enthalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie die oligomeren Procyanidine, die für die Wirkung zuständig sind. In Mitteleuropa sind mehrere Arten des Weißdorns heimisch, darunter auch der Eingriffelige Weissdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata(Poir.) DC), die beide zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) verwendet werden.

Vielfältige Wirkungen von Weißdorn auf Herz und Blutgefäße

Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie Weißdornextrakt die Herz- und Kreislauffunktion unterstützt. Die pflanzlichen Wirkstoffe wirken sich positiv auf die Pumpkraft des Herzens aus. Die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels wird erhöht, indem die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) angeregt und dessen Abbau gehemmt wird. Durch die Verbesserung der Kontraktionskraft des Herzens, die Verbesserung der Erregungsleitung und die Steigerung der Reizschwelle kann Weißdornextrakt zudem vor Herzrhythmusstörungen schützen. Ebenso kann der Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten die Blutgefäße elastisch halten und dadurch dem altersbedingten Verlust der Elastizität der Arterien entgegen wirken. Auch werden die krankheitsbedingten Störungen der Endothelfunktion (Endothel = Gefäßinnenwand der Blutgefäße) reduziert und der periphere Gefäßwiderstand vermindert. Es kommt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung tritt später ein. Durch aktuelle Untersuchungen liess sich zeigen, dass die Lebensqualität von Patienten unter Einnahme von Weißdornextrakt sich verbesserte und die körperliche Leistungsfähigkeit zunahm (Härtel et al., 2014).

Literatur

  1. Gündling PW: Weißdorn – neue Erkenntnisse zu einer alten Heilpflanze. Ein Multitalent für Herz und Kreislauf. EHK 2017; 66: 208-214.
  2. Härtel S, Kutzner C, Burkart M, Bös K: Einfluss von Training und Crataegus-Extrakt WS 1442 auf körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei leichter Herzinsuffizienz – eine randomisierte kontrollierte Studie. Z Phytother 2012 (Suppl 1): 17.
  3. Härtel S, Kutzner C, Westphal E et al.: Effects of endurance exercise training and Crataegus extract WS®_1442 in patients with heart failure with preserved ejection fraction – a randomized controlled trial. Sports 2014; 2(3): 59–75.
  4. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Vollständige (vierte) Neuausgabe, hersg. von P.H. List und L. Hörhammer, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, Bd. 4 1973: 330.
  5. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159075/2014. 5 April 2016.
  6. Holubarsch CJF, Colucci WS, Eha J: Benefit-risk assessment of Crataegus extract WS 1442: An evidence-based review. Am J Cardiovasc Drugs 2018; 18: 25-36.
  7. Madaus G: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Thieme-Verlag Leipzig 1938, S. 1119.
  8. Pittler MH, Guo R, Ernst E: Hawthorn extract for treating chronic heart failure. Cochrane Database Syst Rev. 2008; (1): CD005312.
  9. Wegener T. et al.: Stellenwert von Weißdornextrakt in der hausärztlichen Praxis – eine aktuelle Standortbestimmung. MMW-Fortschritte der Medizin 2018; 160 (54): 1-7.

    Foto: Copyright (iStock) – das Foto ist für die Aktion Weißdorn als Arzneipflanze des Jahres 2019 freigegeben.

Quelle:

Medienmitteilung Interdisziplinärer Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg.

 

Kommentar & Ergänzung:

Weissdorn ist die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie für das Herz.

Weissdorn ist gut verträglich und eignet sich für Langzeitanwendung.

Weissdorntee und Weissdornextrakt sollten mindestens über einen Zeitraum von 3 Monaten regelmässig angewandt werden.

Weissdorn ist vielfältig wissenschaftlich untersucht worden, wobei bei einigen dieser Forschungsergebnisse nicht so ganz klar ist, wie weit sie über die experimentelle Situation hinaus auch für Patienten in der Praxis klinisch relevant sind. Das drückt sich auch darin aus, dass die Zulassung nur als „traditionell“ (Kategorie „traditional use“) und nicht als wissenschaftlich belegt (Kategorie „well-established use“ = anerkannte medizinische Wirkung und akzeptierte Unbedenklichkeit) möglich wurde. Das ist etwas enttäuschen. Es ist aber immer schwierig, milde Wirkungen in einer Studie statistisch sicher zu belegen, nur schon, weil dazu grosse Probandenzahlen nötig sind.

Wie in der Medienmitteilung erwähnt, werden vom Weissdorn für die Herstellung pflanzlicher Arzneimitttel in der Regel die Blätter und Blüten gemischt verwendet. Die Weissdornfrüchte enthalten aber auch Wirkstoffe (oligomere Procyanidine und Flavonoide) und kommen gelegentlich auch in Präparaten zum Einsatz, zum Beispiel für Weissdorntinktur).

Weißdornfrüchte sind roh essbar, schmecken säuerlich-süß, sind jedoch sehr mehlig. Sie lassen sich zu Kompott oder Gelee verarbeitet und eignen sich dabei auch zum Mischen mit anderen Früchten, weil sie gut gelieren.

Weissdorn ist aber auch ein wertvoller Strauch oder Baum für die Tierwelt. Vögel fressen im Herbst sehr gerne die leuchtend roten Früchte, und für Insekten ist der Weissdorn eine wichtige Nahrungsquelle, zum Beispiel als Futterpflanze für 54 verschiedene Schmetterlingsraupen-Arten. Weissdorn eignet sich daher sehr gut als einheimischer Strauch in Hecken.

Zu beachten ist dabei aber, dass Weissdorn den Feuerbrand übertragen kann, eine gefährliche, durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzenkrankheit, die vor allem Kernobstgewächse befällt und sich seuchenartig schnell ausbreiten kann. Deshalb wird für die ganze Schweiz empfohlen, in definierten Schutzobjekten (Hochstammobstgärten, Baumschulen, Obstanlagen und andere definierte Objekte) in im Umkreis von 500 m darum herum auf das Anpflanzen von Weissdorn-Arten zu verzichten.

Dieser Empfehlung liegt ein Konses zugrunde zwischen schweizerischen Natur- und Vogelschutzverbänden, dem BAFU und dem Eidgenössischen und Kantonalen Pflanzenschutzdienst.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Bewegung reduziert Risiko für schwere Schlaganfälle

Menschen, die sich regelmäßig bewegen, haben ein geringeres Risiko für schwere Schlaganfälle als körperlich Inaktive. Dazu sind keine sportlichen Höchstleistungen nötig: Eine halbe Stunde Spazierengehen am Tag reicht für eine Halbierung des Risikos.

Körperliche Bewegung reduziert bekanntermaßen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Doch wenn es trotzdem zum Schlaganfall kommt, sind Aktive auch besser dran als Bewegungsmuffel. Zu diesem Ergebniss kommen schwedische Wissenschaftler in einer Studie, die im Fachjournal »Neurology« publiziert wurde. Das Team um Dr. Malin Reinholdsson von der Sahlgrenska Universität in Göteborg untersuchte dazu 925 Patienten, die zwischen 2014 und 2016 an der dortigen Universitätsklinik aufgrund eines erstmaligen Schlaganfalls behandelt worden waren. Die Patienten lieferten den Forschern dabei Angaben zu Art und Umfang ihrer körperlichen Aktivität vor dem Schlaganfall. Dies korrelierten die Wissenschaftler mit der Schwere der Symptome.

Es zeigte sich dabei, dass bereits leichte körperliche Aktivität – zum Beispiel vier Stunden Spazierengehen pro Woche – verglichen mit körperlicher Inaktivität einen nennenswerten Schutz vor schweren Schlaganfällen bot. Das traf ebenso zu für moderate körperliche Aktivität, zwei bis drei Stunden Joggen oder Schwimmen in der Woche. In beiden Aktivitätsgruppen lag der Anteil der Patienten mit einem schweren Schlaganfall bei 3 Prozent, bei den Inaktiven war er dagegen mit 6 Prozent doppelt so hoch.

»Einmal eine halbe Stunde oder zweimal eine Viertelstunde Spazierengehen am Tag reicht aus, um das Risiko für einen schweren Schlaganfall zu senken«, schreibt Seniorautorin Professor Dr. Katharina Stibrant Sunnerhagen in einer Mitteilung der Universität. Sie unterstreicht, dass die Schwere eines Schlaganfalls entscheidend dafür ist, wie rasch sich ein Patient davon wieder erholt. Nach einem milden Schlaganfall müsse ein Patient vielleicht eine Woche im Krankenhaus bleiben, könne dann die Reha zu Hause fortsetzen und habe gute Chancen, in sein normales Leben und auch die Arbeit zurückzukehren. Nach einem schweren Schlaganfall müssen die Betroffenen deutlich länger stationär behandelt werden und anschließend unter Umständen ins Pflegeheim.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dem-schlaganfall-davonspazieren/

DOI: 10.1212/WNL.0000000000006354

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist vielfältig vorbeugend und gesunderhaltend. Dabei zeigt sich in Studien immer wieder, dass es dabei nicht auf körperliche Höchstleistungen ankommt, sondern mehr um moderate, aber regelmässige Bewegung. Schon leichte Bewegung verbessert zum Beispiel das Gedächtnis im Alter.

Bewegung ist ein traditionelles Grundprinzip der Naturheilkunde und eine Säule im 5-Säulen-Modell nach Kneipp (neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie, Lebensordnung).

Bezüglich Schlaganfall gibt es auch Hinweise, das sich das Risiko auch über die Ernährung ein Stück weit beeinflussen lässt. Einen vollständigen Schutz kann man allerdings nicht erwarten.

Siehe auch:

Fischölkapseln schützen nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Kaffeegenuss in Massen reduziert Schlaganfallrisiko

Zitrusfrüchte gegen Schlaganfall

Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

Weisses Obst und Gemüse schützt vor Schlaganfällen

Grüntee und Schwarztee: Schutz vor Schlaganfall?

Man muss aber leider auch sagen, dass viele dieser Ernährungsstudien von begrenzter Aussagekraft sind und eher Hinweise liefern als sichere Belege.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kann man Vogelbeeren essen?

Der Vogelbeerbaum (Eberesche, Sorbus aucuparia) fällt im Herbst auf durch seine leuchtend orange-roten Früchte. Sie werden oft als giftig angesehen, was aber nicht richtig ist. Die Beeren sind roh wenig schmackhaft und enthalten Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können deshalb auch in größeren Mengen gegessen werden.

Durch die ersten Fröste wird die Parasorbinsäure ebenfalls zu Sorbinsäure abgebaut, wodurch die Früchte ihren bitteren Geschmack verlieren und leicht süßlich werden.

Es empfiehlt sich jedoch, die Beeren vor dem Verzehr zu kochen. Auf diese Art bekömmlich gemacht, sind sie vielseitig einsetzbar und schmecken als Konfitüre, Kompott, Sirup, Chuttney oder auch in Gebäck.

Vogelbeerschnaps hat in einigen Regionen Österreichs eine lange Tradition, so in Tirol, in der Region Salzburg und in der Steiermark. Beim Destillieren wird die Parasorbinsäure durch das Erhitzen vollständig abgebaut.

Sorbinsäure (E 200) wird übrigens als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet.

Im „keltischen Baumkreis“ (keltischen Baumhoroskop) gehört die Eberesche zu den Lebensbäumen. Allerdings ist der keltische Baumkreis eine freie Erfindung des keltischen Neopaganismus (siehe dazu Wikipedia) aus dem 20. Jahhundert und hat mit den Kelten nichts zu tun.

Die Eberesche ist eine gute Nahrungsquelle für Vögel, Insekten und Säugetiere. Die Früchte wurden früher zur Schweinemast verwendet, was zum Namen Eberesche geführt haben könnte (Eber = das männliche Schwein). Wahrscheinlicher kommt der Name aber davon, dass die Blätter der Eberesche denjenigen der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) ähneln, obwohl die beiden Pflanzenarten nicht verwandt sind.

Der Name Vogelbeeren stammt daher, dass die roten Beeren früher häufig als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.

Weitere Infos auch zur Bedeutung der Vogelbeeren für die Tierwelt hier:

Sind Vogelbeeren giftig?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne, Amygdalin, „Vitamin B17“ – unwirksam und in höheren Dosen giftig

Erneute Warnung vor Bitteren Aprikosenkernen als untaugliches Mittel zur alternativen Krebstherapie. Sie werden schon seit langem in der Alternativmedizin als Krebsheilmittel propagiert, auch unter dem Namen Amygdalin, Laetrile  oder „Vitamin B17“.

Bittere Aprikosenkerne enthalten einen relativ hohen Gehalt an Amygdalin. Von diesem cyanogenen Glycosid spaltet sich während der Verdauung hochgiftige Blausäure ab. Bei Einnahme grösserer Mengen besteht das Risiko einer Blausäurevergiftung.

Bittere Aprikosenkerne werden hauptsächlich zur alternativen Krebsbehandlung angepriesen. Es gibt aber bisher keine wissenschaftlichen Belege zur vorbeugenden oder heilenden Wirksamkeit bei Krebs. Amygdalin ist als giftige Substanz ohne Effekte bei der Krebstherapie einzustufen.

Von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und von Tox Info Suisse wurden schon mehrere Warnhinweise veröffentlicht.

Gemäss ToxInfoSuisse wird Verbrauchern dringend empfohlen, wenn überhaupt maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne täglich zu essen oder besser ganz darauf zu verzichten. Gemäss EFSA sollen Erwachsene nicht mehr als 1 grossen oder 3 kleine bittere Aprikosenkerne einnehmen. Bei kleinen Kindern ist die Menge auf maximal einen halben kleinen Aprikosenkern limitiert.

Arzneimittel mit Amygdalin oder seinen Derivaten (Mandelonitril oder Amygdalonitril, Laetrile) sind weder in der Schweiz noch in den Nachbarländern zugelassen und als bedenklich einzustufen. Trotzdem werden sie seit einiger Zeit wieder vermehrt – auch unter der irreführenden Bezeichnung „Vitamin B17“ – als alternatives Heilmittel in der Krebstherapie und zur Tumorvorbeugung beworben und eingesetzt.

Literatur:

_ANSES: Amandes d’abricot : un risque d’intoxication au cyanure, 27.07.2018

_Tox Info Suisse: Gefahr durch bittere Aprikosenkerne: die Menge macht‘s, 12.02.2015

_BfArM Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3 – September 2014

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5144&NMID=5144&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Warnungen erreichen allerdings diejenigen Leute kaum, die von der Wirksamkeit Bitterer Aprikosenkerne überzeugt sind. Es gibt da eine „Szene“, die für Argumente nicht mehr offen ist.

Das kann tödlich enden, wie in diesem Beispiel:

Alternativmedizin bei Krebs – gefährliche Esoterik

Aprikosenkerne gegen Krebs (Video)

Oder es kann zu Vergiftungen führen:

Aprikosen-Extrakt: Mann erleidet Zyanid-Vergiftung durch Alternativmedizin

Hier gibt es weitere Infos:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

Amygdalin / „Vitamin B17“ als angebliches Krebsmittel: alt, unwirksam und wieder aktuell

 

Alternative Krebstherapie mit Amygdalin: Bittere Aprikosenkerne / „Vitamin B17“ – unwirksam und toxisch

 

Ausführlichere Informationen auf Onkopedia.

Die Anpreiser dieser Methode berufen sich meist nur auf vollkommen unkontrollierte Anekdoten und verschanzen sich dann zum Beispiel hinter Sprüchen wie: Wer heilt hat recht!

Das aber ist ein irreführender Kurzschluss.

Siehe:

Komentärmedizin: Wer heilt hat Recht? (1)

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

 

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hausmittel bei Schnupfen und Halsschmerzen

Das Magazin „Stern“ berichtet über „natürliche Medizin“ in einem Artikel mit dem Titel:

„Diese Hausmittel helfen gegen Erkältung.“

Leider kommt der Text ungenau und etwas willkürlich daher. Aber schauen wir uns eine Passage detaillierter an:

„Die Naturapotheke hat einiges im Angebot: Läuft die Nase, können Tabletten oder Lösungen von Echinacea, Thuja, Eupatorium oder Kamille helfen. Bei Halsschmerzen bieten sich Wilde Malve, Salbei, Eibisch, Echte Kamille, Arnika, Tausendgüldenkraut und Enzian zum Gurgeln an.“

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/grippe/therapie/erkaeltung—die-besten-hausmittel-3215640.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schnupfen:

Echinacea (Sonnenhut), Eupatorium (Wasserdost) und Thujawerden als Immunstimulanzien eingesetzt. Wenn die Nase läuft, ist es dafür allerdings meist schon zu spät. Wenn akute angewendet, dann bei den allerersten Symptomen. Am besten untersucht ist Echinacea, wobei die Ergebnisse immer noch nicht eindeutig sind.

Thuja (Abendländischer Lebensbaum, Thuja occidentalis) wird phytotherapeutisch selten angewendet, dann aber in genau dosierbaren Extrakten (in Esperitox Präparaten), die auf einen bestimmten Gehalt an Inhaltsstoffen eingestellt sind. Thuja ist nämlich eine Giftpflanze. Das sollte meines Erachtens in einem solchen Text erwähnt werden, damit nicht irgendwer auf die Idee kommt, einen Kräutertee aus Thuja zu brauen. Thuja enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thujon.

Nach der Einnahme giftiger Pflanzenbestandteile kann es zu Schleimhautreizungen kommen und zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Brechreiz, Blähungen und Durchfall. In seltenen Fällen traten Schäden an Nieren und Leber sowie Krampfanfälle auf. Bei Tieren kann der Verzehr zum Tod führen. Zu Vergiftungen kommt es insbesondere, wenn Heckenschnitt mit Thuja auf Weideplätzen entsorgt wird.

Thuja wird in Europa häufig angepflanzt, hauptsächlich als zypressenähnlicher Baum auf Friedhöfen und als ganzjährig blickdichte Hecke in Gartenumfriedungen.

Äusserlich wird Thuja-Tinktur aufgrund der hautreizenden Wirkung manchmal punktuell gegen Warzen eingesetzt. Dabei kann es aber auch zu unerwünschten Hautirritationen kommen.

Da Thuja in der Homöopathie als wichtiges Mittel gilt, wird es gerne als Globuli verabreicht. Weil dann die Ausgangssubstanzen in der Regel mindestens 1: 1 000 000 mal verdünnt werden, sind keine Inhaltsstoffe mehr vorhanden, die toxisch wirken könnten. Eine Wirksamkeit ist aber wie bei allen Homöopathika nicht belegt.

Kamille (Matricaria recutita) kann sinnvoll sein bei Schnupfen, doch fehlt hier der Hinweis, dass die Pflanze am besten als Inhalation angewendet wird. Kamillentee ist sinnlos bei Schupfen.

 

Halsschmerzen:

Wilde Malve (Malva silvestris) und Eibisch (Althaea officinalis) enthalten Schleimstoffe, die bei Halsschmerzen reizlindernd und schützend auf Schleimhäute wirken können. Ihnen fehlen aber Eigenschaften, die bei Halsschmerzen wichtig sind, nämlich antimikrobielle Wirkungen, wie sie Salbei zeigt, und direkt entzündungswidrige Wirkungen, wie sie Kamille entfaltet.

Salbei (Salvia officinalis) vereinigt antimikrobielle Wirkungen (durch ätherisches Salbeiöl) und entzündungswidrige Wirkungen (durch Lamiaceen-Gerbstoffe).

Arnika  (Arnica montana) ist eher unüblich bei Halsschmerzen, aber wegen entzündungswidrignen Effekten nicht unplausibel.

Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) und Enzian (Gentiana lutea) enthalten vor allem Bitterstoffe, die bei verschiedenen Verdauungsstörungen eingesetzt werden. Ihre Anwendung bei Halsschmerzen ist unplausibel und durch die Phytotherapie-Fachliteratur nicht gedeckt.

Die Berichterstattung über Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen von Heilpflanzen in den Medien ist von sehr unterschiedlicher Qualität und mehrheitlich fragwürdig.

Erwerben Sie sich eigenes und fundiertes Wissen. zum Beispiel in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Ruediger Dahlke überzeugt nicht als Kokosöl-Verteidiger

Kokosöl wird als Superfood vermarktet, dem eine ganze Reihe von wunderbaren Eigenschaften zugeschrieben  wird. Unter anderem soll es gegen Alzheimer wirken.

Dass es für diese Versprechungen keinerlei Belege gibt und Kokosöl im Gegenteil sogar die Gesundheit schädigen kann, hat eine Medizin-Professorin der Universität Freiburg in einem Vortrag dargelegt.

In ihrem Vortrag bezeichnete Prof. Karin Michels Kokosöl als „schlimmer als Schweineschmalz und als reines Gift“. Der Vortrag und das Video auf YouTube stiessen auf grosse Resonanz, aber auch auf heftige Kritik der „Kokosöl-Gemeinde“.

Für die zugespitzte Formulierung hat sich die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg später entschuldigt, inhaltlich aber an ihrer Kritik festgehalten.

Im Magazin „Spuren“ hat der Fastenarzt und fragwürdige Esoteriker Ruediger Dahlke wiederum das Kokosöl verteidigt und Karin Michels heftig kritisiert. Er liefert damit ein bemerkenswertes Beispiel für miserable Argumentation. Ich gehe nur auf die ersten paar Sätze ein, weil eine umfassende Auseinandersetzung den Rahmen hier sprengen würde. Dahlke schreibt:

„Dass immer wieder Schulmediziner auf den alten Irrtümern beharren, ist nichts Neues, aber dieser Versuch ist doch ziemlich populär geworden. Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.

Ausserdem ignoriert sie die guten Erfahrungen, welche die US-Ärztin Mary Newport in der Behandlung ihres an Alzheimer erkrankten Mannes machte und im Buch Alzheimer vorbeugen und behandeln (VAK Verlag, Freiburg 2014) dokumentierte. Sie holte ihren Mann mittels mittelkettiger Fettsäuren, wie sie im Kokosöl enthalten sind, aus der Demenz zurück.“

Quelle:

https://spuren.ch/content/single-ansicht-news/datum////fette-vorurteile.html
Kommentar:

Schon der erste Satz ist fragwürdig: Man aktiviere einleitend das bewährte Feindbild „Schulmedizin“, dann hat man die Lesenden schon mal auf seiner Seite.

Aber schauen wir uns die eigentliche Argumentation an:

„Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.“

Dahlke weist also darauf hin, dass es den Menschen in Ländern, in denen viel Kokosöl konsumiert wird, „gut“ geht. Unklar bleibt, was unter „gut“ hier verstanden wird, und Dahlke geht offenbar fraglos davon aus, dass Kokosöl für dieses „gut gehen“ verantwortlich ist.

Ein abenteuerlicher Kurzschluss, der übersieht, dass eine ganze Reihe von Einflüssen für „gut gehen“ verantwortlich sein kann.

Und in diesen Ländern sollen die Menschen offen besonders schlank und fit bleiben. Auch hier wird das umstandslos dem Kokosöl gut geschrieben. Eine vollkommen willkürliche Argumentation.

Wer so schlampig und eindimensional argumentiert, könnte auch die tiefere Lebenserwartung in Thailand (74,7 Jahre) gegenüber der Schweiz (82, 6 Jahre) auf den höheren Kokosöl-Konsum in Thailand zurückführen (Quelle: Wikipedia)

Und sind die Menschen zum Beispiel auf den Philippinen tatsächlich so fit, wie Ruediger Dahlke es darstellt? Daran kann mit Fug und Recht gezweifelt werden:

„Jede Minute sterben neun Menschen an Herzkrankheiten. Das ist auch auf ungesunde Ernährung zurückzuführen. Der traditionelle Speiseplan aus Gemüse, Fisch und nur wenig Fleisch ist gerade in den Städten durch vorverarbeitete Lebensmittel, ungesunde Fertigkost und fettere Speisen ‚ergänzt‘ beziehungsweise verdrängt worden. Außerdem nimmt der Stress durch den wachsenden Leistungsdruck und das ‚moderne Leben‘ zu….

Offiziellen Gesundheitsindikatoren zufolge hat sich die Gesundheitssituation in den Philippinen in den letzten Jahren verbessert. Die Lebenserwartung ist von 1970 bis 2009 um zehn Jahre gestiegen, von 58 auf 71 Jahre. Nur: In vielen vergleichbaren Ländern hat sich die Situation im gleichen Zeitraum um einiges mehr gebessert. Und: Selbst wenn sie sich leicht gebessert hat, ist sie generell weiterhin als katastrophal zu bezeichnen. Denn einer prozentualen Abnahme steht eine Zunahme in absoluten Zahlen entgegen – des Bevölkerungswachstums wegen.“

Quelle:

http://vernetzte-er.de/dev/index.php?option=com_content&view=article&id=29&Itemid=46

 

Zur Gesundheit in Thailand schreibt Wikipedia:

„Herausforderungen, denen sich das Gesundheitssystem Thailands gegenübersieht, sind neue Epidemien wie die Vogelgrippe H5N1 oder Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit.“

Warum also stellt Ruediger Dahlke die Situation so verzerrt dar? Wohl weil es so besser zu seiner Kokosöl-Vorstellung und seinem Weltbild passt?

Dann verweist Dahlke auf die Erfahrungen der US-Ärztin Mary Newport, die ihren Mann mit Kokosöl aus der Demenz zurück geholt haben soll. Grundsätzlich lässt sich mit einer solchen anekdotischen Einzelfallschilderung nie Wirksamkeit begründen. Auch hier können weitere Faktoren mitgewirkt haben. Zudem kann Alzheimer einen wechselhaften Verlauf mit Verschlechterungen und Verbesserungen zeigen. Besserungsphasen werden dann gerne einem gerade zeitgleich verabreichten Mittel wie hier den Kokosöl zugeschrieben, während sie eigentlich nur den natürlichen Verlauf zeigen. Und wenn Dahlke schreibt, dass Mary Newport ihren Mann mittels Kokosöl aus der Demenz zurückgeholt hat, dann lässt er weg, dass Steven Jerry Newport 2016 an Demenz gestorben ist. Aber es würde natürlich den Reiz der Story stören, wenn man das erwähnen würde…..

Weitere Informationen zum angeblichen Superfood Kokosöl gibt es hier bei der Verbraucherzentrale Hamburg:

Inzwischen haben auch eine Reihe von Fachleuten zur Debatte um Kokosöl Stellung genommen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl, die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sagte der Nachrichtenagentur dpa, Kokosöl enthalte viele gesättigte Fettsäuren, die eine Gesundheitsgefahr darstellten und unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigerten. Kokosöl habe zu Unrecht ein positives Image, erklärte Gahl. Die Aussagen von Michels seien pointiert, in der Sache seien sie jedoch korrekt. Mehrere internationale Studien belegen laut Gahl das Gesundheitsrisiko, das von Kokosöl ausgeht. Wer Kokosöl gelegentlich zum Kochen nutze, müsse sich keine Sorgen machen, sagte die Ernährungswissenschaftlerin. Häufig verwendet, sei es aber schädlich. Schlicht falsch seien die Versprechungen der Werbung, dass Kokosöl beim Abnehmen helfe.

Besser als Kokosöl seien Pflanzenöle wie zum Beispiel Rapsöl, Sojaöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Leinöl. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren und gelten daher als weniger bedenklich. Ungesättigte Fettsäuren seien gut für Herz und Kreislauf des Menschen, sagt Gahl.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ sprach mit der Wiener Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer über Kokosöl.

Die Ernährungswissenschafterin und Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (Ages) sagt zu den Versprechungen, mit Kokosöl könne man leichter abnehmen oder es helfe gar gegen Demenz und Alzheimer:  „Das ist wissenschaftlich absolut nicht belegt, dazu gibt es keine seriösen Studien.“

Kokosöl sei tatsächlich von allen tierischen und pflanzlichen Ölen jenes, das den höchsten Gehalt an gesättigten Fettsäuren habe – er liege bei 90 Prozent, im Vergleich dazu enthalte Butter knapp unter 70 und Schweineschmalz 41 Prozent.

Kiefer lässt nur einen Vorteil von Kokosöl gelten: „Es ist beim Anbraten und Backen hitzestabil, weil der Schmelzpunkt niedrig und der Rauchpunkt hoch ist.“ Diesen Vorteil haben allerdings auch andere, gesündere Öle. Als gesündere Alternative zum Erhitzen raten die Experten etwa zu Olivenäl, Rapsöl oder Erdnussöl.

Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, sagt dem “Standard“: „Ich verstehen den Hype um das Kokosöl nicht. Ihm werden positive Eigenschaften zugeschrieben, die mir nicht verständlich sind. Es enthält viele gesättigte Fettsäuren, von deren Konsum wir eher abraten.“ Eine bessere Alternative zu anderen pflanzlichen Ölen sei Kokosöl deshalb nicht.

König sagt aber auch, dass weder Kokosöl noch Schweineschmalz ein Gift ist und dass es immer um die Menge gehe:  „Es schmeckt halt, deshalb ist es völlig legitim, Kokosöl in die Ernährung einzubauen. Abwechslung ist schließlich gut. Wenn sich der Konsum in Grenzen hält, ist der Genuss von Kokosöl genauso in Ordnung wie der von Schweineschmalz.“

Quelle:

https://derstandard.at/2000085910930/Ernaehrungsexperte-Kokosoel-ist-kein-Gift-Schmalz-auch-nicht

Kokosöl oft mit schlechter Ökobilanz

Auch aus Sicht des Naturschutzes ist Kokosöl fragwürdig. Es hat wegen langer Lieferwege und oft fragwürdiger Anbaumethoden eine schlechte Öko-Bilanz. Darauf weist Ilka Petersen hin, Referentin Landnutzung und nachhaltige Biomasse bei der Umweltorganisation WWF Deutschland. Ökologische und soziale Mindeststandards würden beim Anbau kaum eingehalten und der Handel setze Kokosbauern zunehmend unter Druck. Diese könnten von ihren Erträgen trotz gestiegener Nachfrage kaum leben, der Großteil der Gewinne gehe an die vielen Zwischenhändler der Branche. Ilka Petersen fordert, dass die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Bauern dringend verbessert werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Diese Stellungnahmen von Fachleuten zeigen meines Erachtens deutlich, wie fragwürdig die Argumentation von Ruediger Dahlke daher kommt.  Der Esoterik-Autor und das spirituelle „Spuren“-Magazin bewirtschaften hier schlicht und einfach das plumpe Feindbild „Schulmedizin“. Diese Feindbild-Bewirtschaftung ist ja eigentlich nicht so ganz kompatibel mit dem Weltbild, das sie sonst so predigen – aber was solls: Wenn man eine genügend unkritische Fangemeinde hat, mit der man diese Feindbilder teilt, dann wird der Widerspruch nicht zum Thema werden. Fundierte Argumente haben dann keine Bedeutung mehr.

Auch predigen genau diese Kreise stets von Ganzheitlichkeit, führen hier jedoch „gut gehen“ und „fit sein“ der Menschen zum Beispiel auf den Philippinen, aber auch die Heilung von Alzheimer eindimensional und monokausal auf Kokosöl zurück.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Apothekerin verbannt Homöopathika aus dem Laden

Eine Apothekerin in Weilheim (Deutschland) hat mit sofortiger Wirkung ihr Regal mit homöopathischen Mitteln geräumt, weil sie es nicht länger mit ihrem Gewissen vereinbaren kann, Globuli zu verkaufen.

Das Portal Apotheke Adhoc schreibt dazu:

«Der Wendepunkt kam vor rund zwei Wochen im Notdienst. „Ein Kunde hat mich wegen Arnika-Globuli rausgeklingelt“, erzählt sie. Der Mann hatte nach einem Haushaltsunfall Verbrennungen. Die Apothekerin riet ihm, ins Krankenhaus zu fahren. Das wollte der Mann nicht, er vertraute auf die Kraft der Arnika. „Ich habe ihm in einer gefährlichen Situation etwas gegeben, das ihm überhaupt nicht hilft“, erklärt Hundertmark. Diesen Zweifeln möchte sie sich nicht länger aussetzen.

Das Homöopathie-Regal in ihrer Bahnhof-Apotheke hat sie deshalb in der vergangenen Woche rigoros geleert, die Ware geht nun an die Lieferanten zurück. Es war kein spontaner Entschluss: „Ich habe mich mit diesem Thema schon länger beschäftigt. Wir sind als Apotheker angehalten, leitliniengerecht zu beraten. Bei Homöopathie tun wir das nicht. Schulmedizin und Homöopathie werden bei der Abgabe unterschiedlich behandelt.“»

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/nie-wieder-globuli/

Kommentar & Ergänzung:

Dass „Schulmedizin“ und Homöopathie bei der Abgabe unterschiedlich behandelt werden, stimmt natürlich. Der Unterschied besteht aber schon bei der Zulassung als Heilmittel, bei der Homöopathika grundsätzlich von Wirksamkeitsnachweis befreit sind.

Dieser Entscheid der Apothekerin ist hart, aber ehrlich. Sie begründet ihn damit, das es „keine evidenzbasierten Studien“ gibt: „Ich gebe die Globuli ab, ohne die Kunden darauf aufmerksam zumachen, dass sie eventuell nur ein Placebo kaufen.“

Dass qualitativ gut gemachte Studien gegen einen spezifischen Effekt der Globuli sprechen, ist inzwischen hinlänglich belegt. Dass manche Patienten vom „Gesamtkonzept“ Homöopathie profitieren können, lässt sich allerdings auch zeigen. Zum Beispiel in dieser Studie:

Wirkt Homöopathie? Und wenn ja: wie?

Die erwähnten Arnika-Globuli wurden sehr oft bezüglich ihrer Wirksamkeit bei stumpfen Verletzungen untersucht. Auch zwei Autoren, die der Homöopathie nahe stehen, haben bei der Auswertung von insgesamt 49 Studien statistisch keinen Unterschied zu Placebo nachweisen können. Die interpretierten Behandlungserfolge dürften durch den natürlichen Heilungsverlauf der Verletzung zustande kommen.

Homöopathie: Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen wirksam?

 

Allerdings muss man zur Leerräum-Aktion dieser Apothekerin noch sagen, dass nicht nur den Homöopathika die Bestätigung der Wirksamkeit durch Studien fehlt. Das betrifft genauso Bach-Blüten, Schüssler-Salze, einen Teil der Heilpflanzen-Präparate und einen Teil der synthetischen Arzneimittel.

Eine Apotheke oder Drogerie, die ausschliesslich Arzneimittel verkauft, deren Wirksamkeit durch hochwertige Studien belegt ist, wird wohl nicht sehr lange überleben.

Wichtig scheint mir Transparenz. Die Kundinnen und Kunden sollten in Apotheken und Drogerien informiert werden, ob und wie gut die Arzneimittel bezüglich Wirksamkeit belegt sind. Hier hapert es aber oft.

Und viele Kundinnen und Kunden sind sehr schlecht informiert, beziehen ihr Wissen ausschliesslich aus der Werbung oder vertrauen dem beliebten Kurzschluss:

„Wer heilt hat Recht!“

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – wer heilt hat Recht?

Wer sich in diesen Bereichen zurecht finden will, kommt nicht darum herum, sich eigenes Wissen anzueignen.

Eine Möglichkeit dazu sind meiner Lehrgänge – die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Benzodiazepine: Jede vierte Verordnung bei älteren Personen führt zur Abhängigkeit

Benzodiazepine sind eine Medikamentengruppe, die häufig gegen Schlafstörungen eingesetzt wird. Bekannte Präparate sind Valium, Lexotanil, Seresta und Temesta.

Der Missbrauch und die Abhängigkeit von Benzodiazepinen ist seit etwa 40 Jahren ein Thema. Das Abhängigkeitspotenzial dieser Medikamente wird häufig unter­schätzt.

Nach einer Studie, die in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.2413) publiziert wurde, erhielt ein Viertel aller älteren Patienten, denen Nichtpsychiater Benzodiazepine verschrieben hatten, auch nach einem Jahr weiterhin Rezepte.

Gerade im Alter sollten Benzodiazepine jedoch zurückhaltend eingesetzt werden.

Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Die Teilnehmenden des US-Programms SUSTAIN („Supporting Seniors Receiving Treatment and Intervention“), das Senioren mit niedrigem Einkommen unterstützt, waren durchschnittlich 78 Jahre alt, als ihnen zum ersten Mal ein Benzodiazepin verordnet wurde. Dabei sollten Benzodiazepine Patienten über 65 Jahre nur im Ausnahmefall verordnet werden, erläutert Lauren Gerlach, die an der Universität in Michigan ein „Program for Positive Aging“ betreut.

SUSTAIN dokumentiert ausschliesslich Verordnungen von Nicht-Fachärzten. Diese Nicht-Fachärzte hatten Benzodiazepine in der Regel gegen Schlafstörungen verordnet. Da sich die Schlafstörungen mit diesen Medikamenten zwar (vorübergehend) verbessern, die Ursachen jedoch nicht beseitigt werden, besteht die Gefahr, dass Folgerezepte ausgestellt werden. Die Patienten, die ein Jahr nach der ersten Verordnung weiterhin Benzodiazepine bekamen, gaben viermal häufiger einen sehr schlechten Schlaf an als Patienten, die nur kurzzeitig Benzodiazepine einnahmen.

Gesamthaft lag der Anteil der Patienten mit einer chronischen Verschreibung in dieser Untersuchung bei 26,4 Prozent (152 von 576 Patienten). Lauren Gerlach empfiehlt den Allgemeinmedizinern, bei der Erstverschreibung von Benzodiazepinen immer auch den Ausstieg zu planen.

Das Problem der übermäsigen Benzodiazepin-Verordnung ist nicht auf die USA begrenzt. In Deutschland bekommen zirka 4 bis 5 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten jährlich mindestens eine Verordnung eines Benzodiazepins oder eines Benzodiazepin-Derivats. Wie gross die Zahl der Menschen in Deutschland ist, die von Benzodiazepinen abhängig sind, ist nicht bekannt. Die Schätzungen liegen zwischen  128.000 und1,6 Millionen.

 

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97784/Benzodiazepine-Jede-vierte-Verordnung-bei-aelteren-Menschen-fuehrt-zur-Abhaengigkeit

 

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2701626

 

Kommentar & Ergänzung:

Benzodiazepine sind in bestimmten Situationen wichtige Medikamente, zum Beispiel in der Psychiatrie. Aber so breit und langfristig, wie sie seit langem eingesetzt werden, gegen Schlafstörungen und Spannungszustände im Alltag, das ist skandalös. Das hohe Abhängigkeitspotenzial ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde von den Herstellern kosequent kleingeredet. Irgendwie ist es auch absurd, dass chronischer Gebrauch von Benzodiazepinen gegen Schlafstörungen Schlafstörungen fördern kann.

Und damit das klar ist: Mir geht es nicht darum, ein plumpes, pauschales Feindbild „böse Pharmaindustrie“ zu bewirtschaften. Es gibt nützliche, wertvolle und notwendige Medikamente. Das soll aber nicht davon abhalten, Missstände klar zu benennen. Das hier ist ein solcher Missstand.

Schlafstörungen und Spannungszustände im Alltag sollten in erster Linie mit nicht-medikamentösen Bewältigungsstrategien angegangen werden. Unterstützend können auch Heilpflanzen-Anwendungen als Option in Frage kommen. Ätherische Öle wie Lavendelöl, Kräutertees wie Zitronenmelisse oder Orangenblüten, Phytopharmaka wie die Kombipräparate aus Baldrianextrakt und Hopfenextrakt. Sie helfen nicht in jedem Fall, sind aber völlig frei von jedem Abhängigkeitsrisiko. Deshalb lohnt es sich, sie in die Behandlungsoptionen einbezogen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Minze und Pfefferminze – wo liegt der Unterschied?

Oft wird mit „Minze“ in erster Linie die bekannte „Pfefferminze“ gemeint. Ihr belebender, scharfer Geschmack erinnert ein wenig an Pfeffer. Wegen ihres hohen Gehalts an Menthol ist die Pfefferminze auch für die Heilkunde interessant.

Ein Glas Pfefferminztee kann lindernd auf Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten wirken. Für  die Zubereitung werden einige frische Blätter mit heißem Wasser übergossen. Anschließend abgedeckt etwa 6 bis 8 Minuten ziehen lassen und dann absieben.

Die Pfefferminze wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel für Kaugummis, Pralinen und Eis verwendet.

Sie trägt den botanischen Namen Mentha x piperita und soll natürlicherweise als Kreuzung zwischen Krauseminze (Grüne Minze) und Bachminze (Wasserminze) entstanden sein. Das x im botanischen Pflanzennamen ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kreuzung handelt.

Die Gattung Mentha (Minze) gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceen) und umfasst rund 30 unterschiedliche Arten und viele Kreuzungen. Die Minzen sind mehrjährigen, krautigen Pflanzen, können 20 bis 100 Zentimeter hoch werden und viele sind in Europa heimisch. Sie unterscheiden sich oft deutlich im Aussehen, aber auch im Geschmack.

Die Schärfe der Pfefferminze ist nicht jedermanns Geschmack, sodass sie zum Kochen und für kalte Getränke nur selten verwendet wird. Für diese Zwecke eignen sich andere Minzen besser.

Die Grüne Minze zum Beispiel wird gerne zum Würzen von Blattsalaten, Chutneys, Fleisch und Fisch genutzt.

Die Marokkanische Minze dient der Verfeinerung von Reis, Bulgur und sommerliche Cocktails, während die Schokominze speziell gut zu Süßspeisen passt. Obstsalate bekommen mit fruchtigen Minzen eine spezielle Note. Gibt man einen Stängel Erdbeerminze in eisgekühltes Mineralwasser, bekommt man ein erfrischendes Getränk.

Im Garten benötigt die Pfefferminze nur wenig Pflege, wenn der Boden humusreich und ausreichend feucht ist. Mentha piperita mag leicht schattige, jedoch warme Standorte unter Bäumen und vor Sträuchern. Allerdings kann sich die Pfeferminze rasch im ganzen Garten ausbreiten, da sie sich über unterirdische Ausläufer vermehrt. Im späten Frühjahr liefert sie die ersten aromatischen Blätter.

Der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist kurz vor der Blüte am höchsten. Die beste Zeit für die Ernte sollen die frühen Morgenstunden sein, da der Gehalt an ätherischem Öl bis zum Abend sinkt. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über dem Boden ab und hängt sie in Büscheln zum Trocknen auf. So kann das feine Minzaroma ganzjährig konserviert werden.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-20-vom-17-mai-2017-30212.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Von allen Minzenarten ist für die Phytotherapie die Pfefferminze mit Abstand am wichtigsten. Pfefferminzblätter enthalten etwa 0,5 – 4,0 % ätherisches Pfefferminzöl mit einem Anteil von 35 – 45 % Menthol. Menthol wirkt antimikrobiell, gallenflussfördernd und krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darmes. Ausserdem löst es auf der haut einen Kühleffekt aus, genauer die Empfindung von kühl.

Die Krauseminze (Mentha spicata) enthält etwa 0,8 – 2,5% ätherisches Öl, das sich in seiner Zusammensetzung prägnant von Pfefferminzöl unterscheidet. Es enthält als Hauptkomponente 40 – 80 % Carvon, ein Keton, das auch als charakteristischer Inhaltsstoff des ätherischen Kümmelöls bekannt ist. Mentha spicata verströmt einen Kaugummi-Geruch („Spearmint).

In der Heilkunde wird zudem die Ackerminze genutzt (Mentha arvensis). Ihr ätherisches Öl kommt unter Bezeichnungen wie Minzöl, Japanisches Minzöl oder Japanisches Heilpflanzenöl in den Handel und enthält  25 – 40 % Menthol.

Siehe dazu:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

In der Natur trifft man bei uns am häufigsten die Rossminze an (Mentha longifolia). Sie wächst bis zu 1 Meter hoch und braucht nassen stickstoffreichen Boden. Da sie unangenehm nach Petroleum riecht, eignet sie sich eher weniger zur Teezubereitung.

Die Wasserminze (Mentha aquatica) ist eine Sumpfpflanze und kommt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoff- und basenreichen Böden vor. Sie verströmt den charakteristischen Minzduft besonders intensiv, nur schon wenn man in der Natur auf ein Blatt tritt, kann man den Minzgeruch oft deutlich wahrnehmen. Die Pflanze duftet, auch ohne dass man die Blätter zerreibt. Zur Linderung von Magenbeschwerden und zur Steigerung der Gallenproduktion steht die Wasserminze der Pfefferminze kaum nach.

Auf Wikipedia findet sich der Hinweis:

„Die Wasserminze zählte neben dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem Eisenkraut (Verbena officinalis) zu den heiligen Kräutern der Druiden.“

Leider fehlt dort eine Quellenangabe. Zudem wurde uns von den Druiden selbst mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Als Grund dafür wird zumeist das von Gaius Iulius Caesar berichtete Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

(Quelle: Wikipedia)

Daher sind heute verbreitete Angaben zu Heilkräutern der Druiden oft willkürlich, widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen.

Zur Gattung der Minzen siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Zur Pfefferminze in der Phytotherapie:

Pfefferminztee bei Verdauungsbeschwerden

Pfefferminzöl bewährt sich bei Spannungskopfschmerzen:

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl wirkt als magenresistente Kapsel verabreicht krampflindernd bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile):

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom schmerzlindernd

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer gegen Mundgeruch

Ein Scharfstoff aus der Gewürzknolle reduziert üblen Atem.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass Ingwer gegen schlechten Atem hilft. Ein in der Gewürzpflanze enthaltener Scharfstoff steigert die Produktion eines wichtigen Speichelenzyms. Dieses Enzym ist in der Lage, schwefelhaltige Verbindungen im Mund abzubauen. Dadurch verschwindet nicht nur der unangenehme Nachgeschmack, den manche Lebensmittel nach dem Konsum hinterlassen – wir riechen auch besser.

Ingwer ist eine nützliche und beliebte Pflanze: Er verleiht Tee, Gebäck, asiatischen Gewürzmischungen oder Sushi-Kreationen einen angenehmen Schärfekick und kann in der Küche vielseitig eingesetzt werden. Darüber hinaus ist er aber auch als Heilpflanze bekannt. Denn der Ingwer enthält ätherische Öle und Scharfstoffe, die im Körper positive Wirkungen entfalten können. So wirkt Ingwer zum Beispiel gegen Übelkeit und Brechreiz, reduziert Schmerzen und lindert Entzündungen.

Forscher um Thomas Hofmann von der Technischen Universität München haben nun einen weiteren Effekt der Knolle zeigen können. Sie untersuchten im Labor, wie unterschiedliche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf die im Speichel gelösten Moleküle wirken und stellten bei dieser Gelegenheit fest, dass Ingwer gegen Mundgeruch hilft.

Im Experiment stellten sie fest, dass sich beim Verzehr der Gewürzpflanze schon innerhalb weniger Sekunden die Konzentration des Enzyms Sulfhydryl-Oxidase 1 im Speichel erhöht – und zwar um das 16-fache. Ausgelöst wird dieser Effekt offenbar durch den scharf schmeckenden Ingwer-Inhaltsstoff 6-Gingerol. 

Speichel- und Atemluftanalysen bei vier Frauen und Männern zeigten, dass das Enzym im Mund übelriechende schwefelhaltige Verbindungen abbaut. Dadurch kann es den lang anhaltendenden Nachgeschmack zahlreicher Lebensmittel wie zum Beispiel Kaffee reduzieren und auch der Atem riecht dadurch besser. Dieser neu entdeckte Mechanismus könnte nach Ansicht der Forscher in Zukunft dazu beitragen, neue Mundpflegemittel zu entwickeln.

Neben dem Ingwer untersuchten die Wissenschaftler auch die Wirkung von Zitronensäure genauer. Dabei fanden sie heraus, dass dieser Stoff den Speichel auf eine ganz andere Art und Weise beeinflusst als die Ingwerknolle. Der Saft von Zitronen regt den Speichelfluss an und dadurch erhöht sich auch die Menge der im Speichel gelösten Mineralstoffe.

Als Folge davon steigt der Natriumionen-Spiegel rasch um das etwa Elffache an. Durch diesen Effekt nehmen wir Dinge weniger salzig wahr. Kochsalz ist Natriumchlorid, wobei die Natriumionen beim Menschen den Salzgeschmack bewirken. Enthält der Speichel schon stärkere Konzentrationen an Natriumionen, müssen verkostete Proben einen deutlich höheren Salzgehalt haben, um sie vergleichsweise salzig zu empfinden.

Die beiden Beispiele zeigen, wie komplex das Zusammenspiel zwischen den geschmacksgebenden Molekülen in Lebensmitteln ist. Auf der Basis dieser Forschungsergebnisse lassen sich möglicherweise Produkte entwickeln, die ein besseres kulinarisches Geschmackserlebnis ermöglichen oder gesundheitsfördernd wirken.

Hofmann und sein Team wollen mit ihren Experimenten in Zukunft die wissenschaftliche Grundlage für neue Lebensmittel entwickeln „deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucher ausgerichtet sind“, wie die Wissenschaftler in einer Mitteilung schreiben. 

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22997-2018-08-01.html

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02772

(Journal of Agriculture and Food Chemistry, 2018)

doi: 10.1021/acs.jafc.8b02772

Technische Universität München, 01.08.2018 – DAL

Kommentar & Ergänzung:

Das sind zwar erst Laborergebnisse und damit ist noch unklar, wie gross der Nutzen von Ingwer bei Mundgeruch in der Realität wirklich ist. Aber Ingwer ist billig zu haben und in normalen Mengen ungiftig, so dass nichts gegen einen Versuch spricht, wenn jemand unter Mundgeruch leidet.

Dazu kann Ingwer in unterschiedlichen Formen zur Anwendung gelangen, zum Beispiel als Ingwertee oder als kandierte Ingwerstückchen.

In der Phytotherapie wird Ingwer vor allem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt, vor allem aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen infolge Reisekrankheit (Kinetose) oder nach Operationen.

Siehe auch:

Ingwer gegen Reisekrankheit

Kandierte Ingwerstückchen zur Förderung des Appetits

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Ingwer bei Erkältungen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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