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Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne, Amygdalin, „Vitamin B17“ – unwirksam und in höheren Dosen giftig

Erneute Warnung vor Bitteren Aprikosenkernen als untaugliches Mittel zur alternativen Krebstherapie. Sie werden schon seit langem in der Alternativmedizin als Krebsheilmittel propagiert, auch unter dem Namen Amygdalin, Laetrile  oder „Vitamin B17“.

Bittere Aprikosenkerne enthalten einen relativ hohen Gehalt an Amygdalin. Von diesem cyanogenen Glycosid spaltet sich während der Verdauung hochgiftige Blausäure ab. Bei Einnahme grösserer Mengen besteht das Risiko einer Blausäurevergiftung.

Bittere Aprikosenkerne werden hauptsächlich zur alternativen Krebsbehandlung angepriesen. Es gibt aber bisher keine wissenschaftlichen Belege zur vorbeugenden oder heilenden Wirksamkeit bei Krebs. Amygdalin ist als giftige Substanz ohne Effekte bei der Krebstherapie einzustufen.

Von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und von Tox Info Suisse wurden schon mehrere Warnhinweise veröffentlicht.

Gemäss ToxInfoSuisse wird Verbrauchern dringend empfohlen, wenn überhaupt maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne täglich zu essen oder besser ganz darauf zu verzichten. Gemäss EFSA sollen Erwachsene nicht mehr als 1 grossen oder 3 kleine bittere Aprikosenkerne einnehmen. Bei kleinen Kindern ist die Menge auf maximal einen halben kleinen Aprikosenkern limitiert.

Arzneimittel mit Amygdalin oder seinen Derivaten (Mandelonitril oder Amygdalonitril, Laetrile) sind weder in der Schweiz noch in den Nachbarländern zugelassen und als bedenklich einzustufen. Trotzdem werden sie seit einiger Zeit wieder vermehrt – auch unter der irreführenden Bezeichnung „Vitamin B17“ – als alternatives Heilmittel in der Krebstherapie und zur Tumorvorbeugung beworben und eingesetzt.

Literatur:

_ANSES: Amandes d’abricot : un risque d’intoxication au cyanure, 27.07.2018

_Tox Info Suisse: Gefahr durch bittere Aprikosenkerne: die Menge macht‘s, 12.02.2015

_BfArM Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3 – September 2014

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5144&NMID=5144&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Warnungen erreichen allerdings diejenigen Leute kaum, die von der Wirksamkeit Bitterer Aprikosenkerne überzeugt sind. Es gibt da eine „Szene“, die für Argumente nicht mehr offen ist.

Das kann tödlich enden, wie in diesem Beispiel:

Alternativmedizin bei Krebs – gefährliche Esoterik

Aprikosenkerne gegen Krebs (Video)

Oder es kann zu Vergiftungen führen:

Aprikosen-Extrakt: Mann erleidet Zyanid-Vergiftung durch Alternativmedizin

Hier gibt es weitere Infos:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

Amygdalin / „Vitamin B17“ als angebliches Krebsmittel: alt, unwirksam und wieder aktuell

 

Alternative Krebstherapie mit Amygdalin: Bittere Aprikosenkerne / „Vitamin B17“ – unwirksam und toxisch

 

Ausführlichere Informationen auf Onkopedia.

Die Anpreiser dieser Methode berufen sich meist nur auf vollkommen unkontrollierte Anekdoten und verschanzen sich dann zum Beispiel hinter Sprüchen wie: Wer heilt hat recht!

Das aber ist ein irreführender Kurzschluss.

Siehe:

Komentärmedizin: Wer heilt hat Recht? (1)

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

 

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Apothekerin verbannt Homöopathika aus dem Laden

Eine Apothekerin in Weilheim (Deutschland) hat mit sofortiger Wirkung ihr Regal mit homöopathischen Mitteln geräumt, weil sie es nicht länger mit ihrem Gewissen vereinbaren kann, Globuli zu verkaufen.

Das Portal Apotheke Adhoc schreibt dazu:

«Der Wendepunkt kam vor rund zwei Wochen im Notdienst. „Ein Kunde hat mich wegen Arnika-Globuli rausgeklingelt“, erzählt sie. Der Mann hatte nach einem Haushaltsunfall Verbrennungen. Die Apothekerin riet ihm, ins Krankenhaus zu fahren. Das wollte der Mann nicht, er vertraute auf die Kraft der Arnika. „Ich habe ihm in einer gefährlichen Situation etwas gegeben, das ihm überhaupt nicht hilft“, erklärt Hundertmark. Diesen Zweifeln möchte sie sich nicht länger aussetzen.

Das Homöopathie-Regal in ihrer Bahnhof-Apotheke hat sie deshalb in der vergangenen Woche rigoros geleert, die Ware geht nun an die Lieferanten zurück. Es war kein spontaner Entschluss: „Ich habe mich mit diesem Thema schon länger beschäftigt. Wir sind als Apotheker angehalten, leitliniengerecht zu beraten. Bei Homöopathie tun wir das nicht. Schulmedizin und Homöopathie werden bei der Abgabe unterschiedlich behandelt.“»

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/nie-wieder-globuli/

Kommentar & Ergänzung:

Dass „Schulmedizin“ und Homöopathie bei der Abgabe unterschiedlich behandelt werden, stimmt natürlich. Der Unterschied besteht aber schon bei der Zulassung als Heilmittel, bei der Homöopathika grundsätzlich von Wirksamkeitsnachweis befreit sind.

Dieser Entscheid der Apothekerin ist hart, aber ehrlich. Sie begründet ihn damit, das es „keine evidenzbasierten Studien“ gibt: „Ich gebe die Globuli ab, ohne die Kunden darauf aufmerksam zumachen, dass sie eventuell nur ein Placebo kaufen.“

Dass qualitativ gut gemachte Studien gegen einen spezifischen Effekt der Globuli sprechen, ist inzwischen hinlänglich belegt. Dass manche Patienten vom „Gesamtkonzept“ Homöopathie profitieren können, lässt sich allerdings auch zeigen. Zum Beispiel in dieser Studie:

Wirkt Homöopathie? Und wenn ja: wie?

Die erwähnten Arnika-Globuli wurden sehr oft bezüglich ihrer Wirksamkeit bei stumpfen Verletzungen untersucht. Auch zwei Autoren, die der Homöopathie nahe stehen, haben bei der Auswertung von insgesamt 49 Studien statistisch keinen Unterschied zu Placebo nachweisen können. Die interpretierten Behandlungserfolge dürften durch den natürlichen Heilungsverlauf der Verletzung zustande kommen.

Homöopathie: Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen wirksam?

 

Allerdings muss man zur Leerräum-Aktion dieser Apothekerin noch sagen, dass nicht nur den Homöopathika die Bestätigung der Wirksamkeit durch Studien fehlt. Das betrifft genauso Bach-Blüten, Schüssler-Salze, einen Teil der Heilpflanzen-Präparate und einen Teil der synthetischen Arzneimittel.

Eine Apotheke oder Drogerie, die ausschliesslich Arzneimittel verkauft, deren Wirksamkeit durch hochwertige Studien belegt ist, wird wohl nicht sehr lange überleben.

Wichtig scheint mir Transparenz. Die Kundinnen und Kunden sollten in Apotheken und Drogerien informiert werden, ob und wie gut die Arzneimittel bezüglich Wirksamkeit belegt sind. Hier hapert es aber oft.

Und viele Kundinnen und Kunden sind sehr schlecht informiert, beziehen ihr Wissen ausschliesslich aus der Werbung oder vertrauen dem beliebten Kurzschluss:

„Wer heilt hat Recht!“

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – wer heilt hat Recht?

Wer sich in diesen Bereichen zurecht finden will, kommt nicht darum herum, sich eigenes Wissen anzueignen.

Eine Möglichkeit dazu sind meiner Lehrgänge – die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

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Artikel im Tages-Anzeiger mit Fehlinformationen zu Heilpflanzen

Der Tages-Anzeiger hat am 6. August 2018 einen netten Text veröffentlicht über die Anwendung von Heilpflanzen. Darüber könnte ich mich ja freuen, wenn der Text nicht so fehlerhaft wäre.

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/die-passionsblume-wirkt-besser-gegen-aengste-als-benzos/story/17703360#mostPopularComment

Nur schon der Titel und der Lead haben es in sich:

„Diese Pflanze wirkt besser als Antidepressiva

Ihre Wirkung ist wissenschaftlich erwiesen, trotzdem tut sich die Medizin mit Heilpflanzen schwer. Welche Pflanzen bei Übelkeit, Erkältungen oder innerer Unruhe helfen.“

 

Und was für eine Heilpflanze ist darunter abgebildet?

Eine Passionsblumenblüte.

Für die Passionsblume gibt es aber keine fundierten Hinweise auf eine Wirksamkeit gegen Depressionen. Passionsblume wirkt leicht beruhigend bei Einschlafstörungen und Nervosität, ausserdem leicht angstlösend.

Dann steht da noch:

„Die Zulassung von Heilpflanzen als Arzneimittel bürgt für den Nachweis einer Wirkung.“

Das stimmt so nicht und ist einfach Unsinn.

Zwar ist es wichtig, zwischen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln zu unterscheiden.

Nahrungsergänzungsmittel müssen nie eine Wirksamkeit belegen, dürfen aber dafür auch keine Indikationen auf die Packung schreiben.

Bei pflanzlichen Arzneimitteln gibt es verschiedene Kategorien. Als traditionell eingestufte pflanzliche Arzneimittel sind vom Wirkungsnachweis befreit. Als Traditionell gilt dabei ein Mittel, das seit mindestens 30 Jahren auf dem Markt ist. Eine kurze Spanne, würde ich sagen. Unter „traditionell“ verstehe ich eher ein paar 100 Jahre.

Nun spricht schon viel dafür, dass es wirksame traditionelle Arzneimittel gibt. Aber ein Nachweis für Wirksamkeit ist eine traditionelle Anwendung keineswegs.

Sieh dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition recht?

 

Die Zulassung als Arzneimittel allein ist daher kein Nachweis für Wirksamkeit.

Kommt ein pflanzliches Arzneimittel (Phytopharmaka) mit einem neuen Anwendungsbereich (Indikation) auf den Markt, muss die Wirksamkeit vorher mit Studien belegt werden. Soll ein Phytopharmaka von der Grundversicherung bezahlt werden, steht ebenfalls eine Prüfung der Wirksamkeit an.

Es gibt also eine ganze Reihe von Phytopharmaka mit belegter Wirkung – der Artikel im Tages-Anzeiger führt als Beispiele  Ginkgo, Baldrian, Trau¬bensilberkerze, Mönchs¬pfeffer und Johanniskraut an. Dabei ist die Wirksamkeit allerdings jeweil nur für bestimmte Extrakte belegt. 

Auf alle pflanzlichen Arzneimittel lassen sich diese Belege aber nicht übertragen.

Homöopathika und Anthroposophika sind im Übrigen grundsätzlich vom Wirkungsnachweis befreit.

Schlussendlich wird in dem Artikel noch auf  die Wirkung von Teufelskralle bei Rheuma hingewiesen – allerdings illustriert mit einem falschen Foto. Abgebildet ist eine eiheimische Teufelskralle (= Rapunzel, Phyteuma), siehe Foto auf Wikipedia.

 

In der Phytotherapie wird aber die Afrikanische Teufelskralle verwendet (Harpagophytum procumbens), eine Wüstenpflanze, insbesondere bei Arthrose.

Foto auf Wikipedia hier.

Der Pflanzenname „Teufelskralle“ wurde also mindestens zweimal vergeben, aber dem Tages-Anzeiger scheint es egal zu sein, welches Bild stimmt (ich habe den Fehler schon zweimal gemeldet). Die Idee, die mit diesem falschen Foto suggeriert wird, dass unsere einheimische Teufelskralle gegen Rheuma hilft, ist irreführend.

Der Artikel ist ein Beispiel dafür, dass man auch bei etablierten Medien nicht fraglos alles glauben sollte……

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Weisse Taubnessel in der Küche und Kräuterheilkunde

Das Bundeszentrum für Ernährung hat gerade die Taubnessel als Wildkraut vorgestellt: Ihre zarten Blätter haben ein feines, champignonähnliches Aroma. Wer sie sammelt, sollte nur die jungen Triebe pflücken, deren obere Blättchen äußerst zart und schmackhaft sind.

Taubnessel schmeckt im Salat, im Pesto und Kräuterquark, in cremigen Suppen und in Aufläufen. Die Blätter lassen sich jedoch auch kurz gedünstet als Gemüsebeilage zu Fleisch und Fisch reichen.

Die weiße Taubnessel (Lamium album) zählt zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler und ist mit Kräutern wie Oregano und Thymian verwandt.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/taubnessel-in-der-kueche-32105.html

Kommentar & Ergänzung:

Neben der Weissen Taubnessel findet man in der Natur zum Beispiel auch die gelbblühende Goldnessel und die rotblühenden Arten Rote Taubnessel und Gefleckte Taubnessel. Sie sind auch essbar.

Die Weisse Taubnessel wurde früher entsprechend der Signaturenlehre wegen der weissen Blüten bei Weissfluss eingesetzt. Es gibt allerdings keine ernsthaften Hinweise für eine Wirksamkeit in dieser Hinsicht. Dazu kommt, dass Weissfluss durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Eine Empfehlung von Taubnesseln gegen Weissfluss ist daher von Grund auf zu undifferenziert. Tradition ist wertvoll, aber sie hat nicht immer Recht. Tradition zu schätzen heisst nicht, ihr kritiklos zu begegnen. Im Gegenteil: Tradition zu schätzen bedeutet, sich mit ihr auseinanderzusetzen und dabei zu prüfen, was an ihr nützlich und was überholt oder irrtumsbehaftet ist.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Zeit gibt es meinem Eindruck nach keine fundierten,  überzeugenden Anwendungsbereiche für die Weisse Taubnessel als Heilpflanze.

Taubnesseln sind aber sehr wertvolle Nahrungsquellen für Hummeln. Sie bieten ihnen sowohl Nektar als auch Pollen.

Und weil wir gerade bei den Hummeln sind und Frühling ist:

Augen auf – Hummelköniginnen unterwegs

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zitronenmelisse-Extrakt beruhigt nervöse Herzen

Melissenextrakt hilft laut einer iranischen Studie bei Herzstolpern.

Die Melisse (Melissa officinalis) wurde früher oft auch „Herztrost“ genannt und ihre beruhigende Wirkung wurde bereits von Ärzten des Altertums und Mittelalters wie Theophrastos und Paracelsus beschrieben. Daher ist es naheliegend, diese altbewährte Heilpflanze auch im Hinblick auf eine mögliche Wirksamkeit bei nervösen Herzbeschwerden zu untersuchen.

Inwiefern ein Melissenextrakt Patienten mit regelmäßig auftretendem gutartigen Herzrasen helfen kann, untersuchten nun Wissenschaftler im Iran mit einer kleinen Studie. Die Teilnehmer wurden per Zufallsentscheid in zwei Gruppen unterteilt, die über den Studienzeitraum von zwei Wochen entweder zwei Mal täglich eine Kapsel mit 500 mg Melissenextrakt oder aber Placebokapseln erhielten.

Erfasst wurden psychische Symptome wie Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Somatisierung und psychosoziale Belastungen.

Bei den Patienten in der Melissenextraktgruppe konnten die Vorfälle des Herzrasens um mehr als ein Drittel vermindert werden. Auch die Angstzustände und damit verbundene (Ein-)Schlafstörungen gingen bei diesen Patienten im Vergleich zu jenen, die Placebokapseln bekamen, deutlich zurück. Der Melissenextrakt wurde von den Probanden insgesamt gut vertragen.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronenmelisse-beruhigt-nervoese-herzen.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874115000781?via%3Dihub

http://dx.doi.org/10.1016/j.jep.2015.02.007

 

Kommentar & Ergänzung:

Herzbeschwerden brauchen natürlich eine ärztliche Untersuchung. Bei nervös bedingten, funktionellen Herzbeschwerden können beruhigend wirkende Heilpflanzen wie Melisse oder Lavendel durchaus sinnvoll als Teil einer Behandlung eingesetzt werden.

Die Studie aus dem Iran ist interessant, wirft aber eine ganze Reihe von Fragen auf. An der beruhigenden Wirkung von Melisse dürfte das ätherische Melissenöl beteiligt sein, insbesondere sein Bestandteil Citronellal. Allerdings wird Melissenöl im hier untersuchten wässrigen Trockenextrakt aus Melisse kaum in relevanter Konzentration vorhanden sein. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Tierexperimenten, wonach Rosmarinsäure beruhigende und antidepressive Effekte auslösen kann. Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen übertragen lassen, ist aber ungeklärt. Rosmarinsäure kommt zudem nicht nur in Melisse vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Salbei oder Rosmarin, die dann eigentlich auch beruhigend wirken müssten.

Siehe dazu:

Was ist Rosmarinsäure?

Ich kann die Qualität und Aussagekraft der iranischen Studie nicht detailliert beurteilen. Klar ist allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden mit 71 ziemlich klein ist. Zudem haben nur 55 davon die Studie bis zum Abschluss mitgemacht. Diese Aussteigerquote von 16 scheint mir etwas gar hoch.

Ich habe zudem bei Studien aus dem Iran immer ein Wort von Roman Huber in Erinnerung. Der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg wies in einem Interview darauf hin, dass aus dem Iran genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend (Interview siehe hier).

 

Die untersuchten Melissenextrakt-Kapseln sind bei uns nicht im Handel.

Ein wässriger Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Baldriparan (zusammen mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt). Ein alkololischer Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Dormiplant (zusammen mit Baldrianextrakt). Ich würde bei nervösen Herzbeschwerden aber durchaus auch Melissentee empfehlen, auch wenn es dafür keine Belege aus Studien gibt. Das kostet fast nichts und hat noch einen Ritualcharakter.

Klosterfrau Melissengeist enthält mir zuviel Alkohol. Siehe dazu:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

Wenn ich in deser Art auf kritische Punkte von Studien hinweise, werde ich manchmal gefragt, warum ich das mache. Ich könne doch froh sein, dass Studien gemacht werden und dadurch die Phytotherapie an Stärke gewinnt.

Die Phytotherapie gewinnt aber nur wirklich durch starke, gut gemachte Studien. Es ist sehr wichtig sich klarzumachen, dass es viele Studien gibt, die nur sehr geringe Aussagekraft haben und zum Teil einfach von schlechter Qualität sind. Das gilt für Studien in der klassischen Pharmaforschung mit synthetischen Arzneistoffen genauso wie für Studien im Bereich von Komplementärmedizin und Naturheilkunde.

„Eine Studie hat gezeigt, dass……“ ist also eine Satz, die noch gar nichts aussagt, wenn man sich nicht die Qualität der Studie anschaut.

Siehe dazu auch:

Qualitätssicherung in der Phytotherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Taigawurzel von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung der Taigawuzel vor.

Die Taigawurzel (Eleutherococci radix von Eleutherococcus senticosus) wird aufgrund von Daten nach Markteintritt und Erfahrungen positiv bewertet. Den Gutachtern der EMA standen dafür klinische Studien zur Verfügung, in denen ein möglicher Effekt auf Müdigkeit und Schwächegefühl beobachtet worden war. Wirkliche Belege seien aus den mehr als 30 Studien jedoch nicht zu entnehmen, schreibt die EMA, weil die Studiendesigns nicht den höchsten wissenschaftlichen Kriterien entsprächen.

Die EMA kommt dennoch zu dem Resultat, dass die Effekte und die Sicherheit der Taigawurzel hinreichend belegt sind. Aufgrund der jahrelangen traditionellen Anwendung der Taigawurzel könne von einer ausreichenden Wirksamkeit und Sicherheit der Präparate ausgegangen werden.

In Deutschland sind Extrakte aus der Taigawurzel in Form von Lösungen oder Dragees seit rund 20 Jahren im Handel. Eingesetzt werden sollen Eleutherococcus-Präparate bei Personen über 12 Jahren zur unterstützenden Symptomlinderung bei Asthenie (Schwäche, Kraftlosigkeit). Die Tagesdosis liegt bei 2 bis 3 Gramm Taigawurzel. Die Anwendungdauer beträgt in der Regel bis zu drei Monaten.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Taigawurzel gehört zusammen mit Ginseng und Rosenwurz zu den sogenannten Adaptogenen. Das sind Arzneipflanzen, die zur besseren Bewältigung von Stresssituationen beitragen können.

Siehe:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz: Was sind Adaptogene?

Burnout-Syndrom: Adaptagene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz

Phytotherapie: Was sind Adaptogene?

Die meisten Studien zur Wirksamkeit der Taigawurzel stammen aus den 1950er Jahren und wurden in der Sowjetunion durchgeführt. Es erstaunt daher nicht, dass sie neueren wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen.

Hier wären neuere und bessere Studien nötig. Wenn nämlich die EMA nur aufgrund der jahrelangen traditionellen Anwendung der Taigawurzel die Wirksamkeit der Präparate bestätigt sieht, dann ist diese Schlussfolgerung nicht sehr fundiert. Zumal in diesem Zusammenhang schon von einer traditionellen Anwendung ausgegangen wird, wenn die Pflanze mehr als 30 Jahre im Handel ist. Auch langjährige Anwendung garantiert nicht Wirksamkeit. Das zeigt sich zum Beispiel beim traditionellen Einsatz von Nashorpulver als Potenzmittel in Asien.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Taigawurzel gibt es eine ganze Reihe von Laborexperimenten und Untersuchungen an Tieren, aber wenige und widersprüchliche klinische Studien mit Patienten.

So wurde beispielsweise in einer randomisierten und kontrollierten Studie an 144 Patienten mit stressbezogenen Erschöpfungs- und Müdigkeitssymptomen bei Behandlung mit 120 mg Eleutherococcus-senticosus-Wurzelextrakt pro Tag in Ergänzung zu einem professionellen Stressmanagement-Training (SMT) kein zusätzlicher Nutzen gesehen (nach: Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka).

Trotzdem gibt es aber auch sehr klare Empfehlungen für die Taigawurzel in der ESCOP-Monografie:

„Nachlassende geistige und körperliche Leistungsfähigkeit wie Schwächegefühl, Erschöpfung, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, zur Rekonvaleszenz.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ginkgo-Extrakt: Unerwünschte Nebenwirkungen auf Placebo-Niveau

Ob Patienten mit dem Ginkgo-biloba-Spezialextrakt EGb 761® (Tebonin®) behandelt werden oder mit einem Scheinmedikament (Placebo) macht keinen Unterschied, was die Häufigkeit von Nebenwirkungen anbelangt. Zu diesem Resultat kommt eine Metaanalyse von 44 placebokontrollierten Studien, die kürzlich im Rahmen einer Poster-Präsentation auf dem Symposium der Europäischen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (ESCP) in Heidelberg präsentiert wurde. In der Fachinformation des Ginkgo-Präparats Tebonin sind als potenziell auftretende unerwünschte Ereignisse Blutungen an einzelnen Organen, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, leichte Magen-Darm-Beschwerden sowie Kopfschmerzen und Schwindel aufgeführt. Wie oft diese Nebenwirkungen unter Tebonin im Vergleich zu Placebo auftreten, untersuchten zwei Mitarbeiter der Herstellerfirma Willmar Schwabe unter der Leitung von Professor Dr. Martin Schulz von der Freien Universität Berlin. Total werteten sie 44 randomisierte klinische Studien aus, in denen insgesamt 6415 Patienten entweder EGb 761 oder Placebo bekommen hatten. Für keine der aufgeführten Nebenwirkungen ergab sich in der Gesamtschau ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Placebo und EGb 761.

Die Autoren ziehen den Schluss, dass sich unter der Behandlung mit Tebonin sowohl unerwünschte Wirkungen als auch vermutete unerwünschte Arzneimittelreaktionen auf Placebo-Niveau bewegen. Die bisherige Bewertung potenzieller Nebenwirkungen sei womöglich verzerrt worden, weil zu wenige placebokontrollierte Studien betrachtet wurden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=72616

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein positives Ergebnis für den Ginkgo-biloba-Spezialextrakt EGb 761® (Tebonin®, in der Schweiz als „Tebofortin“ bzw. kassenzulässig bei ärztlicher Verordnung als „Tebokan“). Diese Aussagen lassen sich aber nicht einfach auf andere Ginkgo-Zubereitungen übertragen, insbesondere nicht auf Ginkgotee, der unterschiedliche Mengen von Ginkgolsäuren enthalten kann, die ein hohes allergenes Potenzial besitzen und in pharmakologisch-toxikologischen Untersuchungen auch cytotoxische, neurotoxische und mutagene Wirkungen zeigen.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

 

Einschränkend muss man sagen, dass die Untersuchung weitgehend vom Hersteller abhängig war und dass eine Poster-Präsentation an einem Kongress nicht gleich viel wert ist wie eine Publikation in einer Fachzeitschrift.

Das Thema ist aber grundsätzlich sehr interessant: Gibt man ein wirkstofffreies Scheinpräparat (Placebo), so sind vergleichbare Nebenwirkungen zu beobachten wie bei dem echten Arzneimittel, hier einem Ginkgo-Präparat.

Das heisst natürlich – und das wollen die Autoren auch sagen – dass das Ginkgo-Präparat gut verträglich ist.

Aber es heisst auch, dass bei der Anwendung eines wirkstofffreien Scheinpräparats Nebenwirkungen beobachtet werden können. Das ist auf den ersten Blick doch sehr erstaunlich.

Wie kommen solche unerwünschten Nebenwirkungen zustande?

Erstens können wirkstofffreie Scheinpräparate (Placebo) eine Erwartungshaltung erzeugen, die zu unerwünschten Nebenwirkungen führt. Das nennt man Nocebo-Effekt.

Siehe dazu:

Interessantes zum Nocebo-Effekt

Zweitens kann es sein, dass während der Einnahme eines Arzneimittels zufällig bestimmte Beschwerden auftreten, die dann fälschlicherweise dem Arzneimittel zugeschrieben werden.

Wenn ich über drei Monate ein Medikament X einnehme und während dieser Zeit zwei Tage Kopfschmerzen habe, kann ich den Schluss ziehen, dass es sich bei diesen Kopfschmerzen um eine Nebenwirkung von Medikament X handelt. Die Ursache für die Kopfschmerzen sehe ich bei Medikament X, obwohl die Kopfschmerzen und die Einnahme von X unabhängig voneinander sind. In diesem Fall spricht man von einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss.

Das tönt komplizierter als es ist. Mehr dazu hier:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] „Gut durch die Krebstherapie“ von Josef Beuth

KrebstherapieVerlagsbeschreibung

Was Sie jetzt schützt und stärkt.
Sie fühlen sich schlapp, Ihre Gelenke schmerzen oder Ihre Haut juckt? Eine Strahlen- oder Chemotherapie ist belastend und mit vielfältigen Nebenwirkungen verbunden. Gegen die 70 häufigsten Beschwerden im Rahmen einer Krebstherapie können Sie aber einiges tun: Enzyme gegen Lymphödem, Leinsamen-Bäder beim Hand-Fuß-Syndrom oder Bromelain bei Thrombose.
Prof. Dr. med. Josef Beuth, Leiter des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren der Universität zu Köln, erklärt die wirksamsten komplementärmedizinischen Möglichkeiten von A-Z. Die bewährten Praxistipps sind sanft und ganzheitlich – ohne Ihre Therapie zu hemmen. So können Sie Ihre akuten Beschwerden kurzfristig in den Griff zu bekommen und Ihr Wohlbefinden langfristig zu steigern. Zum Shop

Zum Autor Josef Beuth

Prof. Dr. med. Josef Beuth ist Leiter des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Uni Köln.

Kommentar von Martin Koradi

Im Kern der Krebstherapie – bei der direkten Bekämpfung der Krebserkrankung – haben Heilpflanzen keine Bedeutung – auch wenn immer wieder anderes behauptet wird. Jedenfalls gibt es keine seriösen Belege, dass alleine mit Heilpflanzen-Anwendungen Krebs geheilt werden kann. Das ist bedauerlich, doch braucht es hier eine klare Aussage anstelle von fragwürdigen Versprechungen.

Heilpflanzen-Anwendungen können aber zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen, in dem sie unerwünschte Nebenwirkungen der Chemotherapie oder der Strahlentherapie lindern oder Beschwerden bessern, die mit der Krebskrankheit verbunden sind.

Josef Beuth gibt dazu nützlich Empfehlungen und führt dabei auch eine Reihe von Heilpflanzen an.

Das Buch „Gut durch die Krebstherapie“ ist verständlich geschrieben und eignet sich gut als Patientenratgeber. Es kann aber auch für Fachleute aus medizinischen Berufen (z. B. aus Palliative Care und Onkologiepflege) nützliche Anregungen und Informationen vermitteln

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

[Buchtipp] Homöopathie neu gedacht von Natalie Grams

homoeopathie-neu-gedacht

Verlagsbeschreibung

Die Homöopathie ist über 200 Jahre alt und erfährt auch heute noch einen ungebrochenen Zustrom. Viele Patienten und Therapeuten schwören auf die alternative Heilmethode, die mittlerweile auch von vielen Krankenkassen erstattet wird. Kritikern erscheint dies völlig unverständlich ist für sie doch längst klar, dass die Homöopathie hoffnungslos unwissenschaftlich ist und allenfalls einen Placebo-Effekt zu bieten hat. Schon seit ihrer Geburtsstunde sieht sich die Homöopathie äusserst kontroversen Diskussionen ausgesetzt. Die Positionen von Befürwortern und Gegnern scheinen dabei ebenso unverrückbar wie unvereinbar. Natalie Grams zugleich naturwissenschaftliche Ärztin und offene Homöopathin geht in diesem authentischen Buch über das bisher Gesagte hinaus. Sie beantwortet spannende Fragen: Was bleibt in einer Medizin des 21. Jahrhunderts übrig von dem Gedankengebäude der Homöopathie? Wie wirkt sie wirklich? Welche Teile von Hahnemanns Theorien können wir auch heute noch guten Gewissens anwenden und zum Nutzen von Patienten und Gesundheitssystem einsetzen? Wo aber hat die Homöopathie Grenzen und muss in der Tat kritisch betrachtet und bewertet werden? Die Autorin hat sich über Jahre mit den Kritikpunkten an der Homoöpathie auseinandergesetzt, nimmt aber gleichzeitig auch die Wünsche und Sorgen ihrer Patienten ernst, die sich in der konventionellen Medizin oft nur unzureichend versorgt fühlen. Ihr Buch versucht einen (überfalligen) Brückenschlag zwischen den zwei traditionell verfeindeten Lagern.

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Zur Autorin Natalie Grams

Die Ärztin Dr. med. Natalie Grams, Jahrgang 1978, führte eine erfolgreiche homöopathische Privatpraxis in Heidelberg. Im Laufe ihrer Tätigkeit kamen ihr als Naturwissenschaftlerin jedoch Zweifel darüber, wie die Homöopathie auch heute noch guten Gewissens angewendet werden kann. Ihr Medizinstudium hat Grams in München begonnen und in Heidelberg beendet, wo sie seither mit ihrem Mann und drei Kindern lebt.

Inhaltsverzeichnis des Buches „Homöopathie neu gedacht“:

Vorwort.

1. Wie und auf welcher Grundlage behandelt die Homöopathie?

2. Wovon ist die Rede, wenn wir von Homöopathie sprechen?- Gibt es die Homöopathie?- Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie.- In welcher Zeit entstand die Homöopathie?- Die homöopathische Methode – was ist anders?- Die homöopathischen Repertorien und die Materia medica.- Die homöopathische Anamnese.- Die homöopathischen Medikamente (Potenzierung).- Die homöopathische Diagnose, das Prinzip Ähnlichkeit und die homöopathische Arzneimittel-Prüfung.- Die Empfindungsmethode in der Homöopathie.

3. Ist die Homöopathie Teil der heutigen Medizin?- Wozu brauchen wir die Wissenschaft überhaupt?- Zur persönlichen Situation: Im Konflikt mit der Naturwissenschaft.- Geistartige Energie und fehlender Wirkstoff – das Problem der potenzierten Medikamente in der Homöopathie.- Der problematische Begriff Lebenskraft.- Die homöopathische Arzneimittelprüfung.- Ist die Homöopathie Medizin?

4. Warum wenden sich Patienten der Homöopathie zu?…

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch „Homöopathie neu gedacht“ von Natalie Grams ist sehr lesenswert für alle, die sich für Homöopathie im speziellen oder für Komplementärmedizin im weiteren Sinn interessieren. Doch auch wer wissenschaftlich-medizinisch denkt, wird aus dem Buch interessante Anregungen mitnehmen können. Denn die Frage, der Natalie Grams auf den Grund geht, ist sehr relevant: Wenn homöopathische Globuli keine spezifische arzneiliche Wirkung haben – und dafür sprechen die vorliegenden Erkenntnisse aus Studien mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit – wie kommt es dann, dass viele Menschen bei verschiedensten Beschwerden durch Homöopathie Linderung erfahren? – Die Antworten auf diese Frage sind auch lehrreich für andere therapeutische Methoden und für die Medizin. Kritiker und Anhänger der Homöopathie können aus „Homöopathie neu gedacht“ interessante Erkenntnisse gewinnen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.