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Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

Schüssler Salze sind als Methode der Alternativmedizin weit verbreitet. Dabei fällt auf, dass die Anwenderinnen und Anwender oft nur sehr rudimentäre Vorstellungen haben darüber, wie die Schüssler Salze hergestellt werden und wie sie wirken sollen. Insbesondere wenn davon ausgegangen wird, dass durch diese Präparate Mineralstoffe zugeführt werden können, ist das ein klarer Irrtum. Auf 1000 kg Schüssler Salz kommt ein Gramm des entsprechenden Mineralsalzes. Nur schon mit ein bisschen Hahnenwasser lassen sich vergleichbare Mengen an Mineralsalzen sehr viel einfacher und billiger (!) zuführen.

Siehe dazu:

Schüssler Salze: Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 enthält zum Beispiel ein Gramm Kochsalz (Natrium chloratum) auf 1000 kg. Um eine Pfanne Spaghetti zu salzen, wären also einige Tonnen Schüssler Salz Nr. 8 nötig.

Siehe dazu:

Pharmawiki erklärt Wirkung von Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6

Trotz nicht existierender Wirkstoffe wird das Präparat aber ziemlich vollmundig empfohlen zum Beispiel bei Blutarmut, Bleichsucht, Appetitlosigkeit, Diabetes, Rheuma, Trägheit, Bandscheibenschäden, Durchfall, Hämorrhoiden, Hautausschläge und Migräne.

Diesen Heilungsversprechungen fehlt jede Basis.

Auffallend ist zudem, dass für alle und jede Beschwerden, Krankheiten und Lebenslagen Schüssler Salze empfohlen werden, obwohl für die versprochenen Wirkungen nicht die Spur eines Beleges gibt.

Diese absolute Grenzenlosigkeit der Versprechungen ist es vor allem, die unglaubwürdig wirkt.

Solche Allmachtsphantasien sind allerdings auch in der Pflanzenheilkunde anzutreffen.

Das äussert sich dann zum Beispiel in Sätzen wie: „Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen.“ Wenn solche Versprechungen wahr wären, müsste niemand mehr an Krankheiten sterben.

Die Vorstellung, dass wir mit irgendwelchen Mitteln alle Krankheiten in den Griff bekommen können, hilft uns möglicherweise aus Ohnmachtsgefühlen heraus zu kommen. Das mag eine entlastende Vorstellung sein, die aber nicht wirklich tragfähig ist.  Mit Ohnmachtsgefühlen sollten wir lernen anders umzugehen.

Und zum Schluss noch:

Unabhängig davon, ob man nun von der Wirksamkeit von Schüssler Salzen überzeugt ist ober nicht, wäre es sinnvoll,  die Grundlagen dieser Methode zu kennen, wenn man damit zu tun hat.

Die Info-Plattform Homöopedia hat dazu gerade eine gute Einführung in die „Biochemie nach Schüssler“ veröffentlicht:

Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Hausmittel und Medikamente gegen Halsschmerzen

Spiegel online schreibt zum Thema „Was Husten, Schnupfen, Heiserkeit lindert“.

Gegen Halsschmerzen wird empfohlen:

„Gegen Halsweh gibt es Lutschtabletten oder Sprays, die den Rachenraum kurzzeitig oberflächlich betäuben. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Degam) rät in ihrer Patienteninformation „Halsschmerzen“ bei starken Beschwerden eher zu Schmerzmitteln mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Sie wirken demnach besser, wenn man sie in den betroffenen Tagen regelmäßig einnimmt und nicht nur ab und zu. Salbeibonbons befeuchten zusätzlich den Hals. Ein bewährtes Hausmittel ist, mit Salzwasser zu gurgeln. Dazu 1/4 Teelöffel Kochsalz in einem Glas Wasser auflösen.“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltungen-das-hilft-gegen-husten-schnupfen-heiserkeit-a-1176650.html

Kommentar & Ergänzung:

„Salbeibonbons befeuchten zusätzlich den Hals.“

Ja, aber das wird wohl jedes Bonbon machen. Ich würde mit Salbeitee gurgeln, alle 2 Stunden jeweils mindestens 2 Minuten. Und pro Tasse Salbeitee würde ich ¼ Teelöffel Kochsalz beigeben. Salbeitee und Kochsalz ist eine gute Kombination.

Salbeitee enthält ätherisches Öl, das zumindestens in Laboruntersuchungen antimikrobielle Eigenschaften gezeigt hat, und Gerbstoffe mit entzündungswidriger Wirkung.

Schmerzmittel auf der Basis von Ibuprofen oder Paracetamol sind mir als Behandlungsoption bei Halsschmerzen eine ziemlich fremde Vorstellung und ich denke, das kann nur bei starken Halsschmerzen temporär Sinn machen. Vielleicht kann ich mich aber da auch einfach nicht so gut einfühlen, weil ich bisher selber kaum je Halsscherzen hatte…….

Dass örtlich betäubende Lutschtabletten oder Sprays auf der Basis von Oxybuprocain, Lidocain oder Ambroxol nicht viel bringen, scheint mir plausibel. Phytotherapeutisch lokalanästhetisch wirkt Menthol, die Hauptkomponente des Pfefferminzöls (Menthol-Lutschbonbons). Aber auch hier ist der Effekt begrenzt, wenn die Halsschmerzen stark sind.

Manchmal lindern bei Halsschmerzen auch Schleimstoffe, zum Beispiel GeloRevoice oder Lindenblütentee (lang ziehen lassen).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Placebo-Effekt bei Tieren? Kommt selbstverständlich vor!

Dieses Argument kommt häufig auf den Tisch in Diskussionen rund um Alternativmedizin und Komplementärmedizin:

„Präparat X wirkt auch bei Tieren. Das beweist, dass es nicht nur ein Placebo ist.“

So beispielsweise hier in einem Artikel der „Südwest Presse“ über Homöopathie bei Tieren:

„Einem Vorurteil sieht sich die Homöopathie immer wieder ausgesetzt: Die vermeintliche Heilung sei eingebildet, ein reiner Placebo-Effekt. Über die Wirkung bei Tieren lässt sich in diesem Fall jedoch kaum streiten: Sie können keinem Placebo-Effekt unterliegen.“

Quelle:

http://www.swp.de/ehingen/lokales/ehingen/Print-Homoeopathie-Tieraerztin-Heilung-Placebo-Konservative-Medizin-versus-Homoeopathie-bei-Tieren-Sanfte-Heilung-durch-Natur;art4295,2836442

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig davon, ob das „Präparat X.“ tatsächlich wirksam ist oder nicht: Als Argument ist diese Aussage sehr schwach und zeugt zudem von mangelndem Wissen bezüglich dem Placebo-Phänomen:

1. Der Placebo-Effekt ist nicht gleichzusetzen mit „Einbildung“, wie es die Formulierung der „Südwest Presse“ suggeriert. Der Placebo-Effekt ist viel vielschichtiger und komplexer.

2. Placebo-Effekte gibt es auch bei Tieren und sie sind schon seit vielen Jahren gut dokumentiert.

Alexandra Freismuth schreibt dazu in ihrer Dissertation zum Thema „Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie zur Wirkung von Vitamin E und Selen auf die Muskulatur von Sportpferden (München 2004):

„Der Placeboeffekt spielt in der Tierarztpraxis eine große Rolle, obwohl sich dessen viele Tierärzte nicht bewusst sind.

Als PESUT 1983 einen Artikel über Placebos in der Tiermedizin verfasste, stellte er fest, dass es eigentlich keine Literatur darüber gab. Er war sich jedoch sicher, dass die meisten Tierärzte über den Gebrauch des Placebos in der Humanmedizin Bescheid wussten, selbst Placebos einnahmen oder sogar Patienten damit behandelten, bewusst oder unbewusst (PESUT, 1983).

In der Tiermedizin existiert jedoch häufig die Ansicht, dass es den Placeboeffekt beim Tier überhaupt nicht geben würde, da bei Tieren im Gegensatz zum Menschen keine subjektive Beeinflussung durch den Therapeuten möglich wäre, und Tiere damit auch keine Erwartungshaltung an die Verabreichung eines Placebos knüpfen könnten. Tiere sind jedoch sehr wohl in der Lage, durch Maßnahmen des Menschen im Sinne einer Placebowirkung zu reagieren, was durch zahlreiche experimentelle und klinische Untersuchungen gezeigt werden konnte. Tiere reagieren auf jede Veränderung in ihrer gewohnten Umgebung oft sehr viel empfindlicher als der Mensch. Das Fixieren von Versuchstieren für Applikationen führt zu Stress- bedingten Veränderungen zahlreicher Transmitter-, Hormon- und Mediatorsysteme, was Arzneimittelwirkungen simulieren, potenzieren oder auch maskieren kann. In der experimentellen Pharmakologie muss deshalb jede Arzneimitteluntersuchung placebokontrolliert durchgeführt werden, das heißt die Versuchstiere müssen den Arzneiträger in der gleichen Menge und mit der gleichen Applikationsart bekommen wie die mit Arzneimittel behandelte Gruppe, um Rückschlüsse auf die Wirkung des Arzneimittels zu bekommen. Im klinischen Bereich muss zwischen einer direkten Placebowirkung auf das Tier durch die Handlungen des Tierarztes und die damit verbunden Reaktionsänderung und Erwartung des Tieres und dem Einfluss des Besitzers unterschieden werden.

Jede mit Angst, Schmerz oder Stress verbundene Maßnahme am Tier führt zu einer unspezifischen Aktivierung endogener Prozesse, was den natürlichen Verlauf einer Erkrankung beeinflussen kann. Der Einfluss des Besitzers auf den Behandlungserfolg hat objektive und subjektive Aspekte. Der Besitzer wird oft dem kranken Tier mehr Aufmerksamkeit widmen als dem gesunden Tier, was die Wirkung beeinflussen kann (LÖSCHER und RICHTER, 1999).

Nach PESUT stellt sich hier die Frage, wer nun behandelt wird das Tier oder der Besitzer. Oft erwarten die Tierbesitzer auch, dass das Tier eine Injektion, Tabletten oder eine Salbe zum Auftragen erhält. Tierärzte, die in dieser Situation nichts spritzen oder keine Medikamente zur Behandlung abgeben, laufen Gefahr einen Kunden zu verlieren.

In der Humanmedizin hat der Kinderarzt ein ähnliches Problem. Er behandelt einen viralen Infekt eines Kindes auf das Drängen der Eltern mit Antibiotika, obwohl keine Sekundärinfektionen vorliegen.

Diese Problematik entsteht hauptsächlich dadurch, dass Patienten für jedes Symptom eine Behandlung erwarten (WEISS, 1990).

Es ist jedoch die Frage, ob die Tiere wirklich auf das Placebo oder auf die Veränderung im Verhalten des Menschen reagieren. Hat ein Tier eine sehr enge Beziehung zu seinem Besitzer wird es ihm sicherlich gut tun, wenn der Besitzer ihm mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Auch werden, sobald ein Tier erkrankt ist, oft schlechte Haltungsbedingungen verbessert, die vielleicht die Krankheit mit verursacht haben.

Seit den Versuchen von Pawlov an Hunden ist bekannt, dass sich Placeboeffekte beim Tier auch durch Konditionierung über bedingte Reflexe erreichen lassen. Dieselben Beobachtungen wurden bei Versuchen an Ratten gemacht, die durch eine Reihe von Scopalamin Injektionen konditioniert wurden und anschließend nach der Injektion von Kochsalz ähnliche Reaktionen zeigten (HERRNSTEIN, 1962; PESUT und KOWALCZYK, 1983).“

Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3248/1/Freismuth_Alexandra.pdf

 

Der Placeboeffekt bei Tieren belegt ja gerade, dass Tiere auf Massnahmen reagieren und keine Maschinen sind. Wie also, ums Himmels Willen, kann man das ausblenden?

Im Übrigen kann ein Placebo-Effekt nicht nur bei den behandelten Tieren auftreten, sondern auch bei den Halterinnen und Haltern. Und die sind es ja hauptsächlich, die einen Behandlungserfolg beurteilen.

Weitere Infos zum Thema Placeboeffekt bei Tieren in der „Zeit“, im „Spiegel“ und auf „Scienceblogs“.

3. Tiere haben Selbstheilungskräfte, genauso wie auch Menschen. Wer krank ist, ein Heilmittel einnimmt und dann gesund wird, kann noch nicht daraus schliessen, dass die Besserung durch das Heilmittel bewirkt wurde. Die meisten Krankheiten und Beschwerden, das ist eine altbekannte Tatsache, bessern nämlich auch von selbst.

Und bei chronischen Erkrankungen gibt es oft einen schwankenden Verlauf, was dazu verleiten kann, natürlicherweise vorkommende Besserungen der Therapie zuzuschreiben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Täuschende Erfahrungen

Aus diesen Gründen täuscht uns unsere Erfahrung oft.

Das hat schon der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883 – 1969) beschrieben:

„Man weiss, wie schwer in vielen Fällen der Beweis des Heilerfolgs ist. Aus einem einzelnen Fall ist nur ein Eindruck, kein Beweis möglich. Der Fehlschluss: post hoc ergo propter hoc täuscht nur allzu leicht.

Der objektive Beweis dagegen ist zu führen aus physiologischer Erkenntnis des Kausalzusammenhangs und durch Statistik, nicht aber durch das allgemeine: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Jeder Arzt weiss, welche Rolle Suggestionen, Besserungen von Beschwerden durch ermutigende Stimmung, Schwankungen des Krankheitsverlaufs, periodische Veränderungen des Gesamtzustandes, die Cyclothymien u. a. spielen.

Wir sind in der Medizin oft Täuschungen erlegen infolge allgemein herrschender wissenschaftlicher Auffassungen und verbreiteter Meinungen. Es scheint zuweilen dem Strom solchen Meinens gegenüber das einfache, durchschlagende Gegenargument machtlos, das dann doch im Laufe der Zeit zur Geltung kommt.“

(Aufsatz „Arzt und Patient“, in: Karl Jaspers, Wahrheit und Bewährung, Serie Piper 1983).

Es braucht sehr viel Sorgfalt, um aus „Erfahrungen“ fundierte Schlüsse zu ziehen.

Siehe:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung 

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung 

„Präparat X. wirkt auch bei meiner Katze, daher ist es wirksam und nicht nur ein Placebo“ – solche Aussagen sind nicht überzeugend:

Sie blenden aus, dass auch in der Tierheilkunde Placeboeffekte auftreten und auch Tiere Selbstheilungskräfte haben.

Erst wenn diese beiden Aspekte mitberücksichtigt werden, können fundiertere Schlüsse aus Erfahrungen gezogen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kürbissamen bei Blasenschwäche (Harninkontinenz)

In der Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 7 / 2012) werden Kürbissamen bei Blasenschwäche der Frau empfohlen:

„Die Belastungs- oder Stressinkontinenz, die Reizblase und die Dranginkontinenz sind die häufigsten Formen der Blasenschwäche bei Frauen. Eine große Rolle in der Problematik spielt nach aktuellem Wissensstand ein hormonelles Ungleichgewicht, das einen Einfluss auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase hat. In diesem Zusammenhang stellen die Samen des steirischen Kürbisses eine sinnvolle pflanzliche Therapiemöglichkeit dar. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Inhaltsstoffe einen Effekt auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase ausüben. In klinischen Studien zeigten sich gute Erfolge bei täglicher Einnahme von hoch dosiertem Kürbiskernextrakt: Es kam bei postmenopausalen Frauen zu einer Reduktion der Inkontinenz-Ereignisse und zu einer Verbesserung der Blasenentleerung.“

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Hinweis auf positive Einflüsse der Kürbissamen auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase taucht da und dort auch in der Phytotherapie-Fachliteratur auf.

Allerdings sind mir in den letzten 30 Jahren, in denen ich die Phytotherapie-Fachliteratur intensiv im Auge habe, nie konkrete Angaben zu den oben erwähnten klinischen Studien begegnet: Wer hat die Studien durchgeführt? Wo wurden sie publiziert? Um welche Art von Studien handelt es sich? Wie wurden sie genau durchgeführt?

Das macht mich eher skeptisch. Wären wirklich gute Studien zu diesem Anwendungsbereich von Kürbissamen vorhanden, würde die Phytotherapie-Fachliteratur sie erwähnen und kommentieren. Konkrete Dokumentationen bringt die Phytotherapie-Fachliteratur bei den Kürbissamen aber nur zum Anwendungsgebiet „gutartige Prostatavergrösserung“ (benigne Prostatahyperplasie, BPH).

Kürbissamen sind allerdings ein gesunder Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung und sie verursachen auch keine exorbitanten Kosten. In diesem Sinne ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Kürbissamen in die tägliche Ernährung integriert werden.

 

Meines Erachtens ist keine fundierte Therapie der Harninkontinenz auf Basis von Heilpflanzen in Sicht.

 

Das ist natürlich enttäuschend für Betroffene, aber es ist einfach die offen kommunizierte Sachlage. Ich will ja nicht einfach tolle Geschichten erfinden, die dankbar geglaubt werden.

 

Auf diesem Hintergrund ärgert mich allerdings schon manchmal, wie locker Heilungsversprechungen ohne jeden Gehalt publiziert werden.

Googelt man zum Beispiel „Blasenschwäche“ und „Schüssler-Salze“, dann ergibt das 15 800 Ergebnisse. Empfohlen wird zum Beispiel Schüssler-Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum D6. Das ist also Glaubersalz, 1 : 1 Mio. mal verdünnt mit Milchzucker. Es gibt bei dieser Anwendung keinerlei greifbare Belege für eine Wirkung und auch keinerlei glaubwürdige Begründung. Aber es ist halt toll, wenn man für jede Krankheit etwas anbieten kann, auch wenn es keinerlei Bodenhaftung hat. Bei Blasenschwäche werden ebenso empfohlen:

Schüssler-Salz Nr. 1 Calcium Fluoratum D12

Schüssler-Salz Nr. 3 Ferrum Phosphoricum D12

Schüssler-Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 (Kochsalz 1 : 1 Mio. mal verdünnt)

 

Auch hier fehlt jede fundierte Dokumentation. Bei den Schüssler-Salzen explodieren die Anwendungsbereiche im Internet. Eine leichte oder schwere psychische oder körperliche Störung, bei der Schüssler-Salze angeblich nicht helfen. Keine dieser Angaben ist auch nur im Geringsten dokumentiert und belegt. Das ist völlig unglaubwürdig.

Siehe: Das Scharlatan-O-Meter

Ich kann nicht nachvollziehen, wie man solche vollkommen leeren Behauptungen in die Welt setzen kann.

Aber eben: Betroffene mit chronischen Krankheiten wollen oft ein Mittel, damit sie aus ihrer Ohnmacht heraus kommen. Das macht solche Versprechungen und solche Produkte so erfolgreich. Auch wenn sie keine spezifische Wirkung haben. Gerade bei chronischen Krankheiten gibt es häufig einen schwankenden Verlauf, wobei jede Besserung dem angewendeten Mittel gutgeschrieben wird, obwohl sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach dem natürlichen Verlauf entspricht. Das ist der Regression-zur-Mitte-Irrtum.

Dazu passt:

Warum werden unsere Patienten wieder gesund?

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Hier gibt’s Informationen zu Inkontinenz / Blasenschwäche

Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Chronische Rhinosinusitis: Hypertone Salzlösung unterstützt Behandlung

Unter einer Rhinosinusitis versteht man eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“) und eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen („Sinusitis“).

Zur Symptomlinderung bei chronischer Rhinosinusitis können außer spezifischen Medikamenten unterstützend hypertone Salzlösungen lokal eingesetzt werden. Der osmotische Effekt bewirkt eine schonende Abschwellung der Nasenschleimhäute.

Eine Schädigung der Nasenschleimhaut, wie sie als Nebenwirkung bei der längerfristigen Anwendung klassischer Nasensprays zur Abschwellung auftreten kann, sei mit diesen Präparaten nicht zu befürchten, sagt Professor Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden.

Der Nasenschleimhaut wird durch die erhöhte Salzkonzentration überschüssiges Wasser entzogen, was die Schleimhäute abschwellen lässt. Durch die frei werdende Flüssigkeit lösen sich zudem zähes Sekret und Verkrustungen.

Das lässt den Patienten wieder besser durchatmen. Dieser lokale Effekt unterstützt die Selbstreinigungs- und Abwehrfunktion der Nasenschleimhaut auch bei längerfristiger Anwendung.

Auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie erwähnt die lokale Anwendung hypertoner Salzlösungen zur Beschwerdelinderung.

Eine kontrollierte Studie mit 211 Patienten belegte bei zweimal täglicher Anwendung einer hypertonen Salzlösung eine Verminderung der Beschwerden. Ein Cochrane Review bestätigte den Nutzen einer topischen Salzlösung als unterstützende Maßnahme bei chronischer Rhinosinusitis.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/851517/chronische-rhinosinusitis-kochsalzloesung-unterstuetzt-therapie.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Handel sind zum Beispiel Präparate mit hypertoner Kochsalzlösung 2,7%ig.

Das kann man mit Leitungswasser auch selber herstellen. 27 g Kochsalz auf einen Liter Wasser = 2,7%. Ein gestrichener Teelöffel Kochsalz gilt als 5 Gramm. Allerdings sind mit dieser Standardangabe wohl eher die früher üblichen „tieferen“ Löffel gemeint und nicht die heutigen flachen.

Die meisten der heute als Nasenspray oder Nasenspüllösung verkauften Salzlösungen sind nicht hyperton, sondern isotonisch ( = 0,9%, „physiologische Kochsalzlösung“).

Salzlösung – das ist eine sehr einfache Sache, aber die Studienlage ist ziemlich komplex.

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde kommt zum Schluss, dass bei akuter Rhinosinusitis weder isotone noch hypertone Salzlösungen hilfreich sind.

Bei chronischer Rhinosinusitis  gibt die Leitlinie eine starke Empfehlung für hypertone Lösungen ab mit der Begründung, sie könnten zu mindestens eine Beschwerdelinderung bewirken. Isotone Kochsalzlösung, Emser Salz und Leitungswasser (hypoosmolar) zeigten dagegen gemäss „Leitlinie“ keine therapeutische Effekte.

Quelle:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049l_S2k_Rhinosinusitis_2011-07.pdf

(Seite 39)

Gegen eine tägliche Langzeitanwendung von Salzspülungen wandte sich allerdings 2009 der  US-Allergologe Talal Nsouli. Er hatte in zwei Studien über 24 und 12 Monate bei Patienten mit chronischer Nasennebenhöhlenentzündung erhöhte Raten an akuten Infektionen der Nebenhöhlen festgestellt. Die Studien sind allerdings klein und wurden nicht in einer Fachpublikation veröffentlicht. Sie haben daher nur begrenzte Aussagekraft.

Quelle:

http://ml.spiegel.de/article.do?id=879276

Der Allergologe Nsouli sagte an einem Kongress, die nasale Schleimhaut sei nicht nur eine Quelle der Verschleimung, sondern diene offenbar auch als erste Verteidigungslinie gegen eindringende Erreger. Spüle man diesen Schleim zwei Mal täglich mit Salz weg, dann beraube man seine Nase um diese Abwehrtruppe. Seiner Meinung nach spreche nichts dagegen, einige Wochen lang täglich oder auch zwei Mal pro Tag zur Nasendusche zu greifen, aber nicht für längere Zeit.

Quelle:

http://news.doccheck.com/de/2179/rhinosinusitis-kalte-dusche-fur-therapie/

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bei Durchfall statt Cola Elektrolytmischung

Akuter Durchfall wird hierzulande meist durch Viren ausgelöst. Dabei haben Antibiotika in der Regel keinen Nutzen, mit Ausnahme von entzündlichen Durchfällen, die häufig von Bakterien verursacht werden. Das sagte Privatdozent Dr. Hans-Jörg Epple beim Pharmacon, dem internationalen Fortbildungs­kongress der Bundesapothekerkammer. Antibiotika seien bei viralen Infektionen nicht nur sinnlos, sie könnten auch die Darmflora schädigen und zu Komplikationen wie schweren Verlaufsformen führen.

Bei der Therapie von Durchfall steht der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten im Vordergrund. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät zum Ausgleich der Verluste mit einer definierten Mischung aus Salzen wie Kochsalz, Natriumcitrat sowie Kaliumchlorid und zusätzlich Traubenzucker (Glucose) in einem definierten Verhältnis.

Dabei ist der Traubenzucker wichtig, weil die Salze und das Wasser sonst nicht im Darm aufgenommen werden können.

Das altbekannte Hausmittel Cola plus Salzstangen könne er gegen akuten Durchfall nicht empfehlen, sagt Epple. Es enthalte viel zu viel Zucker, was den Durchfall verstärken könne. Andere Salze wie Kalium oder Citrate fehlten hingegen in diesem veralteten Hausmittel.

Epple empfiehlt, Durchfall wenn möglich immer mit einer definierten Elektrolytmischung zu behandeln. Wenn aber keine Medikamente verfügbar seien, könne notfalls auf ein anderes Hausmittel ausgewichen werden, das ebenfalls aus gängigen Lebensmitteln bestehe und den WHO-Empfehlungen zumindest näherungsweise entspreche.

Der Experte rät, in einem Liter abgekochtem Wasser oder stillem Mineralwasser einen viertel Teelöffel Kochsalz und einen viertel Teelöffel Backpulver aufzulösen. Dazu gibt man zwei Esslöffel Zucker oder Honig und eine halbe Tasse Orangensaft. Orangensaft ist reich an Kalium. Als Alternative kann man auch ein bis zwei Bananen zerdrücken und essen. Der Nutzen von Nahrungsmitteln mit probiotischen Mikroorganismen sei für die Vorbeugung schwerwiegender Durchfälle wissenschaftlich nicht sicher belegt, hält Epple fest.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=45089&Nachricht_Title=Nachrichten_Durchfall%3A+Elektrolytmischung+statt+Cola&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Viele Hausmittel sind sinnvoll, weil sie rasch zur Hand,  billig und trotzdem recht wirksam sind.

Es ist aber auch wichtig, den Nutzen solcher Hausmittel ab und zu mal wieder in Frage zu stellen. Cola und „Salzstängeli“ gehören wohl tatsächlich zu den fragwürdigeren Hausmitteln.

Aus Sicht der Phytotherapie könnte man noch ergänzen, stehen bei akuteren Durchfällen Pflanzenzubereitungen mit Gerbstoffen im Vordergrund, zum Beispiel Schwarztee, Tormentilltinktur oder Tormentillpulver (Tormentill = Blutwurz, Potentilla erecta, Aufrechtes Fingerkraut). Aber auch Schleimstoffe sind manchmal nützlich, zum Beispiel Reisschleim, Flohsamen, Johannisbrotkernmehl.

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WHO-Empfehlung: Salzkonsum möglichst tief halten

Ohne Salz funktioniert der Wasser- und Nährstoffhaushalt des menschlichen Organismus nicht. Doch ein zu hoher Salzkonsum ist ungesund.

Erwachsene sollten nicht mehr als fünf Gramm Salz täglich konsumieren. So lautet die neue Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. In fünf Gramm (g) Salz sind 2000 Milligramm (mg) Natrium enthalten. In Deutschland haben Fachleute bislang empfohlen, nicht mehr als sechs Gramm Salz täglich einzunehmen.
Die WHO empfiehlt Erwachsenen zudem, mindestens 3510 Milligramm Kalium pro Tag aufzunehmen. Wer zu viel Natrium und zu wenig Kalium aufnimmt, läuft nämlich Gefahr, dass sein Blutdruck sich erhöht. Das steigere das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen, den häufigsten Ursachen für Tod und Behinderung.

Viel Natrium steckt hauptsächlich in verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten. Brot enthält gemäss den Angaben der  WHO etwa 250 mg Natrium pro 100 g, dieselben Mengen Schinken oder Popcorn rund 1500 mg und Sojasoße etwa 7000 mg. Auch unverarbeitete Lebensmittel enthalten Natrium, allerdings in kleinerem Maß, beispielsweise Milch oder Eier (etwa 50 beziehungsweise 80 mg pro 100 g).

Kaliumreich sind hauptsächlich Hülsenfrüchte (Erbsen und Bohnen etwa 1300 mg pro 100 g), Nüsse (zirka 600 mg pro 100 g) oder Gemüse wie Spinat oder Kohl (etwa 550 mg pro 100 g). Sobald Lebensmittel industriell verarbeitet werden, reduziert sich der Kaliumgehalt, schreibt die WHO.

Quelle:

http://www.cellesche-zeitung.de/website.php/website/story/342861

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage, dass vor allem Fertigprodukte eigentliche „Kochsalzbomben“ sind und dass der durchschnittliche Salzkonsum in Mitteleuropa ungesund hoch ist.

Wirklich notwendig ist eine Zufuhr von nur einem Gramm Kochsalz pro Tag.

Ein bisschen mehr Zurückhaltung beim Salzkonsum dürfte also sinnvoll sein.

Eine salzarme Ernährung bedeutet allerdings für viele Menschen eine große Umstellung. Viele Gerichte können jedoch auch ohne Salz ganz hervorragend schmecken. Zahlreiche pflanzliche Gewürze können das Salz überflüssig machen und häufig noch feiner und stärker als Salz wirken. Eine Vielfalt an Möglichkeiten bieten bereits Ingwer, Dill und Senf. Möglich ist auch das Würzen mit speziellen kochsalzsparenden Diätsalzen.

Es spricht allerdings auch einiges dafür, dass beim Thema Blutdrucksteigerung durch Kochsalzzufuhr nicht jeder Mensch gleichermassen empfindlich reagiert.

Jeder zweite Bluthochdruck-Betroffene reagiert auf eine salzarme Ernährung. Durch eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf etwa 5-6 g/Tag sinkt der Blutdruck bei diesen kochsalzsensitiven Personen etwa um 5 bis 8 mmHg.

Die These, dass Kochsalz generell für einen hohen Blutdruck mitverantwortlich ist, und darum unbedingt reduziert werden muss, wird deshalb heute in Frage gestellt. Bluthochdruck-Patienten sollten daher testen, ob sie zur kochsalzsensitiven Gruppe gehören.

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Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

Die spezifische Behandlung von Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis lässt sich durch natürliche Arzneien unterstützen: So kann gemäss aktueller Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie die lokale Anwendung von hypertonen Salzlösungen die Beschwerden lindern.

Durch die osmotische Wirkung schwellen die Nasenschleimhäute ab, das Nasensekret verflüssigt sich. Dadurch wird die mukoziliäre Clearance verbessert, also der Selbstreinigungsmechanismus der Nasenschleimhaut.

Wie funktioniert die mukozilliäre Clearance?

„Die Hauptbronchien bis zu den Bronchioli terminales (Ende des luftleitenden Abschnittes) sind mit einem respiratorischen Epithel ausgekleidet, ebenfalls Luftröhre, Kehlkopf, Nase und weite Abschnitte des Pharynx. Auf ihm befinden sich Flimmerzellen, die an ihrer Oberfläche haarförmige Strukturen (Zilien) tragen. Die Zilien sind umgeben von einer dünnflüssigen Schleimschicht. Darauf befindet sich eine zweite dickflüssige Schleimschicht, in der Fremdpartikel und Mikroorganismen haften bleiben. Innerhalb der dünnflüssigen Schleimschicht führen die Zilien koordiniert Bewegungen in Richtung Pharynx aus. Dadurch wird die dickflüssige Schleimschicht mitsamt ihrer Fracht in Richtung Mund abtransportiert, wo sie verschluckt oder abgehustet wird.“

(Quelle: Wikipedia)

Eine kontrollierte, prospektive Studie mit 211 Patienten hat bei zweimal täglicher Anwendung einer hypertonen Salzlösung zu einer Verminderung der Beschwerden geführt.

Und in einem Cochrane Review soll der Nutzen einer topischen Salzlösung als unterstützende Maßnahme bei chronischer Rhinosinusitis bestätigt worden sein.

Der Nasenschleimhaut werde durch die Salzkonzentration überschüssiges Wasser entzogen, wodurch die Schleimhäute abschwellen.

Die frei werdende Flüssigkeit löse zähes Sekret und Verkrustungen. Der Effekt sei lokal und unterstütze die Selbstreinigungs- und Abwehrfunktion der Nasenschleimhaut auch bei längerfristiger Anwendung.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/828023/hypertone-salzloesungen-natuerliche-hilfe-wenn-nase-dicht.html?sh=18&h=-1730543029

Kommentar & Ergänzung:

Nasenspülungen mit Kochsalzlösung sind ein altes Hausmittel.

Als hypertone Salzlösung wird in dem Artikel eine 2,7%ige Lösung empfohlen, das entspricht  etwa drei knappen gestrichenen Teelöffeln Kochsalz auf 500ml Wasser.

Was ist eine Rhinosinusitis?

Eine Rhinosinusitis ist eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“, Schnupfen) und eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen („Sinusitis“).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Unkritisches Porträt des Homöopathie-Gründers Samuel Hahnemann

RadioWissen auf Bayern 2 bringt oft informative Sendungen. Das kürzlich ausgestrahlte Porträt Samuel Hahnemanns strotzt aber vor unkritischer Naivität und Einseitigkeit.

Samuel Hahnemann kommt das Verdienst zu, dass er die grösstenteils unwirksamen und zugleich belastenden Behandlungsmethoden der Medizin seiner Zeit (z. B. Aderlass, Quecksilberbehandlungen) weggelassen und durch ebenfalls unwirksame, aber unschädliche Interventionen ersetzt hat. Davon haben seine Patientinnen und Patienten profitiert. Er hat aber auch mit ausgesprochen missionarischem Gestus ein hoch dogmatisches System aufgebaut, das viele seiner Anhängerinnen und Anhänger bis heute unkritisch nachbeten.

Dass RadioWissen die doch ziemlich weit hergeholten Überzeugungen Hahnemanns ohne jedes Fragezeichen und ohne jede Distanz als Fakt wiedergibt, ist schon sehr bemerkenswert.

Auch im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin zeigt sich eine Tendenz im Journalismus, dem Publikum einfach zu liefern, was es zu hören, zu sehen oder zu lesen wünscht. Das mag gut sein für Quoten und Verkaufszahlen, nicht aber für die notwendige sorgfältig-kritische Auseinandersetzung mit solchen Themen.

Hier finden Sie die Radiosendung zum Nachhören.

Und hier ein Aufzählung Samuel Hahnemanns mit all den Faktoren und Einflüssen,  die eine homöopathische Behandlung unwirksam machen (aus dem Organon der Heilkunst):

„Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z.B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll.“

Da fragt es sich doch, wie Homöopathie überhaupt möglich ist, wenn man die Aussagen Samuel Hahnemanns ernst nimmt. Aber RadioWissen blendet aus, was nicht ins harmonische Hahnemann-Bild passt. Eine derart schlagseitige, geglättete Darstellung trägt zur Verdummung bei und passt nicht so recht in ein Sendegefäss mit dem Namen RadioWissen. Meine Erwartung an ein solches Porträt wäre, dass ein Menschen auch in seinen Widersprüchen fassbar gemacht wird. Bei Politikern, Kaisern, Philosophen, Schriftstellern etc. gelingt das der Redaktion von RadioWissen doch auch – warum nicht bei Hahnemann?

Quellenangabe siehe:

Menthol & Kampfer – warum nicht zusammen mit Homöopathie?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antitussiva (Hustenstiller / Hustenblocker) bei trockenem Husten

Was hilft bei trockenem Husten?

„Trockener Husten ist meist das erste Symptom eines Virusinfekts der oberen Luftwege oder tritt in Kombination mit anderen Erkältungssymptomen auf. Diese Art des Hustens erfolgt manchmal nur als Hüsteln oder Räuspern gemeinsam mit Heiserkeit, vor allem in den ersten Tagen einer Erkältung. So genannte Antitussiva – Hustenstiller – dienen zur Unterdrückung des Hustenreizes und werden bei trockenem Husten eingesetzt. Sie werden in der Regel 2 bis 3 Tage lang eingenommen. Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen Spitzwegerich, Eibischwurzel, Königskerze, Isländisch Moos, während die Wirkstoffe Pentoxyverin, Benproperin oder Dextromethorphan zu den chemischen Antitussiva zählen. Ebenso können Lutschtabletten zur Minderung des Hustenreizes herangezogen werden, wie etwa pflanzliche Pastillen oder Lokalanästethika. Generell sollten Sie auf ausreichend Luftfeuchtigkeit achten – feuchte Handtücher auf der Heizung können helfen – sowie auf das Sprechen mit normaler, nicht lauter aber auch nicht flüsternder Stimme.“

Quelle: „Die Apotheke“ Nr. 9 / 2012

Kommentar & Ergänzung:

Zu den pflanzlichen Antitussiva würde ich noch die Malvenblüten (von Malva silvestris) hinzufügen.

Ein bewährtes Hausmittel sind zudem Inhalationen mit Kamillenblüten und Thymiankraut 1 : 1 gemischt oder mit Kochsalz.

Dazu zwei Liter Wasser zum Kochen bringen. Entweder eine Handvoll der Mischung von Kamilleblüten und Thymiankraut oder drei gehäufte Esslöffel Kochsalz dazugeben. Gesicht über die Schüssel halten, mit Handtuch abdecken und zehn Minuten inhalieren. Die Kamille wirkt desinfizierend und dämpft Entzündungen. Kochsalz wirkt schleimlösend.

Von den erwähnten synthetischen Wirkstoffen kommt in der Schweiz als Hustenblocker häufig Dextromethorphan zur Anwendung. Beispielsweise in Bexin®, Bexomed®, Calmperphan®, Clemesin®, Dextro-Med®, Pretuval® Pulmofor®, Vicks Medinait®.

Bei starkem Reizhusten kann Dextromethorphan temporär Sinn machen, die Anwendung in einem Kombipräparat wie Pretuval oder Vicks Medinait ist allerdings fragwürdig.

Siehe:

Erkältungsmittel: Hände weg von Kombipräparaten

Dextromethorphan kann allerdings problematische Nebenwirkungen haben, die zu wenig bekannt sind:

„ Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Infolge der erwähnten pharmakogenetischen Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6 gibt es einen geringen Prozentsatz von Menschen, die den Wirkstoff Dextromethorphan sehr langsam abbauen. Dadurch verlängert sich die Plasmahalbwertszeit von Dextromethorphan, so dass schon bei therapeutischen Dosen ein starker Rauschzustand ausgelöst werden kann, der einer Psychose ähnelt.

Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose zur Folge haben, wobei unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung führen kann. Bei regelmäßiger, missbräuchlicher Einnahme kann sich eine Suchterkrankung entwickeln, unter Umständen muss auch mit Hirnschäden gerechnet werden.

Dextromethorphan sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, da es in Verdacht steht, die fetale Hirnentwicklung negativ zu beeinflussen.

Für ein rezeptfrei verkauftes Arzneimittel sind das ziemlich happige Risiken, die zur Vorsicht mahnen.

Möglichst zu meiden sind synthetische Hustenblocker bei produktivem Husten (= Husten mit Auswurf), weil sie das Abhusten des Schleims behindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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