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Cochrane-Review untersucht Nutzen der Grippeimpfung beim Pflegepersonal für Patienten in Langzeitpflegeeinrichtungen

In Pflegeheimen und Kliniken gibt es jeden Herbst Kampagnen, mit denen das Pflegepersonal für die Grippeimpfung motiviert werden soll. Dabei wird nicht selten ein moralischer Druck aufgebaut und mit dem Schutz für die Patienten argumentiert.

Ein Cochrane-Review hat nun untersucht, ob die Impfung des Pflegepersonals gegen Grippe das Risiko reduziert, dass ältere Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen eine Influenza-Infektion durch das Pflegepersonal bekommen.

Die Symptome von Grippe ähneln denjenigen zahlreicher anderer Atemwegserkrankungen. Darum muss in Studien, die die Wirkung von Grippeimpfungen testen, mit sehr präzisen Labortests geprüft werden, ob die Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen tatsächlich an einer Grippe leiden oder an einer anderen Atemwegserkrankung.

Die Cochrane-Forscher schlossen mit Stand Oktober 2015 insgesamt fünf Studien in ihren Review ein, verwendeten aber nur Daten von drei Studien mit 5896 Bewohnern.

Was sind die Hauptresultate?

Das folgende Zitat fasst die Hauptergebnisse zusammen und liefert auch Angaben zur jeweiligen Qualität der Evidenz ( = Grad der Belegtheit):

„Das Angebot von Grippeimpfungen für das Pflegepersonal, das sich um Personen im Alter von 60 und älter in Langzeitpflegeeinrichtungen kümmert, könnte eine geringe oder keine Wirkung auf im Labor nachgewiesene Grippefälle haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Impfprogramme für Mitarbeiter im Pflegedienst haben wahrscheinlich eine geringe Wirkung auf Infektionen der unteren Atemwege (moderate Qualität der Evidenz), könnten aber eine geringe oder keine Wirkung auf die Aufnahme ins Krankenhaus haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Es ist unklar, welche Wirkung Impfprogramme auf Tod in Folge einer Infektion der unteren Atemwege (sehr niedrige Qualität der Evidenz) oder auf die allgemeine Sterblichkeit haben (sehr niedrige Qualität der Evidenz).“

Die Cochrane-Forscher fanden in ihrem Review bei den untersuchten Studien keine Angaben zu anderen Maßnahmen, die in Verbindung mit der Impfung des Pflegepersonals angewendet wurden (z.B. Händewaschen, Quarantäne, Mundschutz, Früherkennung von im Labor nachgewiesener Grippe, Vermeidung von Neuaufnahmen, sofortige Anwendung von Virostatika, Aufforderung von Pflegepersonal mit grippeähnlichen Erkrankungen, nicht zur Arbeit zu erscheinen).

Es bestehe Bedarf an qualitativ hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien, welche Kombinationen dieser Maßnahmen untersuchen, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD005187/grippeimpfung-fur-pflegepersonal-das-langzeitpflegeeinrichtungen-lebende-personen-im-alter-von-60

Kommentar & Ergänzung:

Eine Metaanalyse der Cochrane-Collaboration – das ist der Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.

Und das Ergebnis ist für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen nicht gerade überzeugend. Das stellt zu mindestens den moralischen Druck infrage, der jeden Herbst auf Pflegepersonen ausgeübt wird, damit sie die Grippeimpfung machen lassen.

Damit ich bei diesem Thema nicht in die falsche Ecke gestellt werde: Ich bin kein Impfgegner. Die pauschale Diffamierung von Impfungen durch radikale Impfgegner halte ich für absurd. Impfungen sind bei vielen Krankheiten ein grosser Erfolg – beispielsweise bei Kinderlähmung, Diphterie, Starrkrampf, Pocken, Röteln. Das heisst aber natürlich nicht, dass jede Impfung, die gemacht werden kann, bei jedem Menschen und in jeder Situation auch sinnvoll ist.

Für mich selber bin ich überzeugt, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Grippeimpfung brauche. Würde ich in einem Pflegeheim arbeiten, würde ich mich aber wahrscheinlich impfen lassen – zum besseren Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Und dies obwohl das Cochrane-Review den Nutzen nicht überzeugend zeigen konnte. Ich finde die Grippeimpfung aber auch nicht riskant und könnte sie daher gut akzeptieren.

Es spricht meines Erachtens auch nichts dagegen, dass in Spitälern und Pflegeheimen für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen argumentiert wird. Nur der moralische Druck, der dabei oft zur Anwendung kommt – wer sich nicht impfen lässt, bringt Patienten um – der steht wissenschaftlich auf schwachem Boden, wie das Cochrane-Review gezeigt hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Nordrhein-Westfalen will Pflegeberufe deutlich aufwerten

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen will einem Bericht zufolge die Rolle von Pflegekräften im Gesundheitswesen stärken. Wo über Pflege entschieden werde, sitze «oftmals keiner von der Pflege mit am Tisch», sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

Pflegerichtlinien würden demnach hauptsächlich von Vertretern der Ärzte, Krankenkassen und Kliniken gemacht. «Das Berufsbild muss als eine eigene Profession im Gesundheitswesen aufgewertet werden, auch damit der Beruf für mehr Abiturienten attraktiv wird», erklärte Laumann der Zeitung. Er kündigte dem Bericht zufolge eine eigene Interessenvertretung der Pflegenden in Nordrhein-Westfalen an.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71449

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufwertung der Pflege ist ein wichtiges politisches Anliegen. In der Schweiz geht die Pflegeinitiative in eine ähnliche Richtung:

Pflegeinitiative

Die Pflegeinitiative ist vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) lanciert worden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Die Universität Zürich sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Professor Reinhard Saller auf den Lehrstuhl für Naturheilkunde.

Im Rahmen dieser Neubesetzung fand am 30. August 2012 am Universitätsspital Zürich ein Symposium statt, an dem  BewerberInnen sich mit einem Fachvortrag vorstellten.

Vortragende und Themen waren:

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Integration von Naturheilkunde / Komplementärmedizin in die

konventionelle Medizin am Beispiel Akupunktur

Prof. Dr. med. Jost Langhorst

Innere Medizin V – Naturheilverfahren und Integrative

Medizin Kliniken Essen Mitte – Knappschaftskrankenhaus

Thema: Naturheilkunde und Integrative Medizin am Beispiel chronisch

entzündlicher Darmerkrankungen

PD Dr. med. Florian Pfab

Präventive und Rehabilitative Sportmedizin

Klinikum rechts der Isar; Technische Universität München

Thema: Nadeln, Chilli, Drachenblut oder gar Haschisch gegen Juckreiz?

Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie

und Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Forschung zur Komplementärmedizin – eine internationale Perspektive

PD Dr. med. Ursula Wolf

Institute of Complementary Medicine, Universität Bern; Inselspital

Thema: Forschung in der Komplementärmedizin

Kommentar & Ergänzung:

Tobias Füchslin und Marko Kovic besuchten die Veranstaltung und haben sie in einem Podcast kritisch kommentiert.

Den Podcast können Sie hier hören.

Bei Prof. Reinhard Saller war die Phytotherapie ein zentraler Schwerpunkt. Es wäre natürlich aus meiner Sicht begrüssenswert, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin auch einen „Draht“ zur Phytotherapie mitbringen würde.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass eine Person gewählt wird, die Wissenschaft nach den besten Standards betreibt.  Die Methoden von Komplementärmedizin und Naturheilkunde sollen ergebnisoffen erforscht werden. Das ist in diesem Bereich nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Wenn aus politischen Gründen komplementärmedizinische Forschung an Universitäten durchgedrückt wird, entwickelt sich daraus nicht selten eine einseitige Bestätigungs- und Rechtfertigungsforschung, die wissenschaftlich zurecht nicht mehr ernst genommen wird.

Ein Beispiel für einseitige Zugänge ist wohl die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder mit dem „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“, das mit wissenschaftlich fragwürdigen Lehrveranstaltungen und skurilen Forschungsarbeiten in die Kritik gekommen ist.

Siehe:

Europa-Universität Viadrina: Esoterik-Institut vor dem aus

An der Europa-Universität Viadrina wird der Lehrstuhl von Harald Walach durch den Homöopathika-Hersteller Heel finanziert. Harald Walach ist der diesjährige Preisträger des „Goldenen Bretts“:

„Das «Goldene Brett vorm Kopf 2012» geht an Harald Walach, Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder…..Das gab die Gesellschaft für Kritisches Denken bekannt.

Die Verleihung der Preise für den «erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug» fand…..im Naturhistorischen Museum Wien statt. Der Komplementär-Mediziner Walach wurde dabei für sein «einzigartiges Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen», gewürdigt.“

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-fuer-Erich-von-Daeniken/story/26845575

Forschung muss sich an den besten Standards orientieren – auch die Forschung im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Je mehr sich Forschung an dehnbareren, „weicheren“ Standards orientiert, desto grösser wird der Interpretationsspielraum. Und das dient letztlich weder der Wissenschaft noch der „Komplementärmedizin“.

Siehe auch: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Das Berufungsverfahren für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich hat bisher in der Schweiz kaum Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise geht nun die „Die Süddeutsche“ in einem ausführlicheren Beitrag darauf ein:

Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Uni Zürich ist etwas Besonderes: Er ist im deutschsprachigen Raum der einzige, der nicht durch Interessengruppen finanziert wird. Ausgerechnet hier hat die Kandidatur einer deutschen Homöopathie-Forscherin nun zum Eklat geführt. Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Komplementärmedizin, wurde aus der Berufungskommission gedrängt.“

Mir war nicht bewusst, dass der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich im deutschsprachigen Raum der einzige ist, der nicht von Interessengruppen finanziert wird.

Bei der deutschen Homöopathie-Forscherin, die sich für den Lehrstuhl in Zürich bewirbt, und auf welche die „Süddeutsche“ hinweist, handelt es sich um Prof. Claudia Witt von der Charité Berlin. Ihr Lehrstuhl wird von der Carstens-Stiftung finanziert, einer Organisation zum Zwecke der Homöopathie-Förderung. Meinem Eindruck nach bemüht sich Claudia Witt um Ergebnisoffenheit und um differenzierte Stellungnahmen, aber sie laviert manchmal auch. Es sind an der Charité allerdings zudem einige Studien durchgeführt worden, die viel Interpretationsspielraum offen lassen und von der „Homöopathie-Szene“ sofort als Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode gefeiert wurden, eine Schlussfolgerung, welche die Studien nicht ansatzweise hergeben.

Im Artikel der „Süddeutschen“ wird die Forschungsarbeit von Claudia Witt kritisch kommentiert von Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin in Exeter,  und von Jürgen Windeler vom unabhängigen Institut für Qualitätskontrolle und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Alternative Heilverfahren an Hochschulen: Wissenschaft in homöopathischen Dosen

An der Universität Rostock gibt es noch den Lehrstuhl für Naturheilkunde, der mit Prof. Karin Kraft besetzt ist. Sie befasst sich intensiv mit Phytotherapie und publiziert dazu auch in Fachzeitschriften. Ihr Forschungsarbeit kann ich nicht beurteilen, ihre Fachartikel sind aber sorgfältig und fundiert geschrieben.

Auch der Lehrstuhl an der Universität Rostock ist eine Stiftungsprofessur, wobei mir aber scheint, dass die Stifter und Sponsoren etwas breiter angesiedelt sind als bei der Stiftungsprofessur an der Charité und an der Vaidrina.

Arzneipflanzenkunde ist an Universitäten gut etabliert

Aus phytotherapeutischer Perspektive könnte noch ergänzt werden, dass es im Pharmazie-Studium eine ganze Reihe von Lehrstühlen im Bereich der Pharmazeutischen Biologie gibt, die sich gut etabliert mit Lehre und Forschung zum Thema Arzneipflanzenkunde befassen.

Um beispielhaft und unvollständig ein paar Namen ehemaliger oder aktiver Persönlichkeiten zu nennen:

Rudolf Hänsel (Universität Berlin), Hildebert Wagner (Universität München), Rudolf Bauer (Universität Düsseldorf), Theo Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Georg Schneider (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Ilse Zündorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Otto Sticher (ETH Zürich), Jürgen Reichling (Universität Heidelberg), Michael Wink (Universität Heidelberg), Max Wichtl (Universität Marburg), Elisabeth Stahl-Biskup (Universität Hamburg), Rudolf Bauer (Universität Graz) sowie last, aber ganz sicher nicht least: Heinz Schilcher (Freie Universität Berlin).

Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Daher ist für die Phytotherapie die Arzneipflanzenkunde, wie sie in der Pharmazeutischen Biologie erforscht und vermittelt wird, absolut zentral.

Und die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Phytotherapie bestens in die Wissenschaft integriert ist und damit auch nicht zur Komplementärmedizin gerechnet werden kann.

Siehe auch: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde und damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe: Naturheilkunde – was ist das?

Zu hoffen ist, dass bei der Besetzung des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Zürich eine Person gewählt wird, die gute Forschung gewährleisten kann und auch wirklich im Bereich der Naturheilkunde – und damit auch der Phytotherapie – „zuhause“ ist.

Eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Neubesetzung des Lehrstuhle für Naturheilkunde ist gerade erschienen auf skeptiker.ch

Wenn Sie interessiert sind daran, Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde vertiefter zu verstehen, dann bekommen Sie Informationen dazu im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“, am 18. November 2012 in Winterthur. Der Kurstag vermittelt auch Orientierungspunkte und Kriterien, mit denen man im weitläufigen Dschungel der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen unterscheiden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Palliative Care & Naturheilkunde: Weiterbildung Phytotherapie

Sie suchen eine fundierte Weiterbildung im Bereich „komplementäre Pflege“ für die Palliative Care (bzw. für Spitex, Pflegeheim, Klinik)?

In Winterthur am Seminar für Integrative Phytotherapie gibt es den Speziallehrgang für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege. Phytotherapie verbindet die traditionelle Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Phytotherapie ist kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln, was eine Voraussetzung ist für eine Integration in Pflegeheime, Spitex-Dienste oder Kliniken.

Komplementäre Pflege bzw. komplementärmedizinische Pflege ist ein Thema, das zunehmend auf Interesse stösst, doch genau wie beim Begriff „Komplementärmedizin“ ist nirgendwo definiert, was genau damit gemeint ist. Das hat zur Folge, dass in Ausbildungen und Weiterbildungen in „Komplementärer Pflege“ meistens eine ganze Reihe von Methoden vermittelt werden, von denen nicht wenige zu „exotisch“ sind, um in „normalen“ Pflegeinstitutionen umgesetzt zu werden. Sie eignen sich allenfalls für naturheilkundlich orientierte Spezialkliniken (werden dort aber dann hautsächlich von Ärzten angewendet).

Heilpflanzen-Anwendungen sind dagegen so breit in der Bevölkerung verankert, dass sie auch in vielen „normalen“ Pflegeheimen, Palliativ Care Abteilungen, Spitex-Diensten und Kliniken akzeptiert werden, wenn sie in einem professioneller Rahmen zur Anwendung kommen.

Weil „Komplementärmedizinische Pflege“ ein undefinierter Sammelbegriff ist, werden unter dieser Bezeichnung auch Lehrgänge angeboten, in denen verschiedenste (und sehr unterschiedliche) Methoden gemischt sind. Das tönt auf den ersten Blick immer verlockend, weil es den Eindruck macht, umfassend zu sein. Der Haken daran ist aber erfahrungsgemäss, dass man am Schluss von vielem eine Ahnung hat, aber in keinem Bereich ein tragfähiges Fundament bekommt.

Phytotherapie erweitert Handlungsmöglichkeiten in der Palliative Care

Sinnvoller ist es jedenfalls, eine Methode fundiert zu lernen. Und wenn es um die Umsetzung in die Pflege geht, sollte die Methode zudem medizinkompatibel und pflegekompatibel sein. Integrative Phytotherapie bietet dazu optimale Voraussetzungen.

Phytotherapie auf der Grundlage professioneller Krankenpflege ist eine ideale Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde. Pflegende als medizinische Fachpersonen bringen zudem ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um im Sinne der Gesundheitsförderung fundiertes Heilpflanzenwissen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Heilpflanzen-Anwendungen sind bewährt in der Palliative Care

Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen es zudem den Pflegenden in Situationen, in denen sie bei der Betreuung von schwerkranken Personen wenig zur Linderung des Leidens beitragen können, oft noch positive Veränderungen zu bewirken. Sie können zudem den Angehörigen sinnvolle Instrumente in die Hand geben, womit diese im täglichen Umgang mit ihren Verwandten ebenfalls handlungsfähiger werden. Auch unter diesen Gesichtspunkten haben sich Heilpflanzen-Anwendungen in der Palliativ-Pflege sehr bewährt.

Informationen zum Thema „Phytotherapie in der Pflege“:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen

(medizinkompatibler, pflegekompatibler Lehrgang)

Argumente für Phytotherapie in der Pflege

(zum Beispiel für Gespräche mit Pflegedienstleitungen)

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege

(Presse-Berichte zu Beispielen erfolgreicher Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, Angebot für Teamweiterbildung)

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care:

www.ig-pp.ch

Madentherapie zur Wundbehandlung

Die Wundreinigung mithilfe von Fliegenlarven (Maden) wird immer häufiger in Kliniken eingesetzt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten wissenschaftlichen Erfahrungsberichte zur Wundtherapie mit Fliegenlarven veröffentlicht. Während man es früher den Schmeißfliegen überließ, ihre Eier in die unverbundene Wunde zu legen, aus denen sich dann die Maden entwickelten, spezialisierten sich später Firmen auf die Züchtung und den Vertrieb von Fliegenmaden. Der Siegeszug der Antibiotika seit den 1940er Jahren beendete jedoch ziemlich rasch die Anwendung der Madentherapie.

Erst Jahrzehnte später zeigte sich, dass Fliegenlarven den Antibiotika in mancher Hinsicht überlegen sein können. Dazu erklärt Sebastian Debus, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: „Die Wunden sind häufig schlecht durchblutet, deshalb gelangen die Antibiotika über den Blutkreislauf erst gar nicht dahin, wo man sie benötigt. Eine lokale Aufbringung von Antibiotika auf die Wunde ist in diesen Fällen meist ungünstig, weil sich besonders rasch Resistenzen bilden.“ Debus therapiert rund jeden fünften Patienten mit Fliegenmaden. Nur etwa ein Viertel der Patienten lehnt dieses Behandlungsverfahren ab.

Und für Joachim Dissemond an der Hautklinik des Universitätsklinikums Essen ist die Wundreinigung mithilfe von Fliegenmaden das Mittel der Wahl, wenn eine Wunde nicht chirurgisch gereinigt werden kann, weil der Patient eine Narkose nicht verträgt

Quelle:

Das Comeback der Maden. FAZ vom 10.8.2011.

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/08/10/madentherapie-gehoert-eindeutig-zum-repertoire-der-schulmedizin.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Madentherapie ist eine interessante Option in der Wundbehandlung, aber nicht ein Wundheilmittel für alle Fälle, wie auch der Beitrag in der DAZ und in der FAZ zeigt.

Detailliertere Infos zur Fliegenmadentherapie liefert Wikipedia (Literatuarangaben siehe dort unter „Madentherapie“).

Hier ein paar Zitate aus Wikipedia mit Zwischentiteln:

Worum geht’s bei der Madentherapie?

„Bei der Madentherapie (auch Biochirurgie genannt) werden in Speziallaboren gezüchtete, keimfreie Maden eingesetzt, um chronische Wunden von nekrotischem (abgestorbenem) Gewebe und Bakterienbefall zu befreien. Vornehmlich kommen Maden der Goldfliege (Lucilia sericata) zur Anwendung. Lange wurde angenommen, dass die Maden nur oder überwiegend abgestorbenes Gewebe als Nahrung aufnehmen – dadurch wurde der medizinische Einsatz als Therapie möglich. Unterstellt wurde, dass das intakte Gewebe verschont bleibt. Dieser Arbeitshypothese widersprechen jüngere Publikationen im renommierten British Medical Journal. Eine exakte Dosierung (Anzahl und Größe der Maden), die stete Kontrolle durch medizinisches Personal und die Einhaltung der richtigen Anwendungsdauer kann dafür sorgen, dass intaktes Gewebe geschont wird. Sobald Schmerzen auftreten, wird lebendes Gewebe von den Maden angegriffen.

Die Maden der Goldfliege besitzen eine extrakorporale Verdauung (extraintestinale Verdauung), sie geben also Verdauungssäfte ab um die Nahrung zu verflüssigen, die anschließend aufgenommen wird. Sie werden entweder als „Freiläufer“ eingesetzt, das heißt, sie befinden sich frei beweglich in der Wunde, oder in einem Beutel aus Gaze, der auf die Wunde aufgelegt wird. Die Abgabe der Verdauungssäfte in die Wunde und die Aufnahme des angedauten, verflüssigten Gewebes erfolgt dann durch die Gaze hindurch. Die Verwendung von Maden in Beuteln führt allerdings zu einer deutlichen Verringerung der Wirksamkeit.

Die Madentherapie wurde erstmals im amerikanischen Bürgerkrieg gezielt eingesetzt. In den 1930er Jahren erreichte sie eine gewisse Verbreitung, verschwand aber mit dem Aufkommen der Antibiotika wieder. Erst seit den 1990er Jahren ist eine Wiederbelebung des Verfahrens zu vermerken. Eine großangelegte Studie im Jahr 2009 verglich die Madentherapie mit einer herkömmlichen, modernen Methode der Wundheilung, der Auflage eines Hydrogels zur Behandlung von offenen Wunden. Es zeigte sich, dass die Madentherapie zwar zu einem schnelleren Abbau der nekrotischen Gewebe führte, dass es aber bei beiden Methoden etwa gleich schnell zur Heilung durch Wundverschluss kommt, bei etwa gleich hohen Kosten.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Wirkung  und Anwendung der Madentherapie

– Madentherapie baut nekrotische Wundbeläge ab

„Viele chronische Wunden sind von einem Belag aus abgestorbenen Zellen und Wundsekret bedeckt. Diese Beläge behindern die Wundheilung, da sie zum einen ein mechanisches Hindernis bei der Wundbehandlung darstellen und zum anderen vom Blutkreislauf und somit vom körpereigenen Immunsystem abgeschnitten sind. Die Wundbeläge stellen ideale Nährböden für Bakterien dar, die ihrerseits die Wundheilung behindern. Durch den Bakterienbefall kann eine Gangrän genannte Form der Gewebenekrose hervorgerufen werden, und in Extremfällen kann es zu einem Multiorganversagen kommen, wenn aus der Grenzzone zwischen nekrotischem und intaktem Gewebe toxische oder immunsuppressive (Immunreaktionen unterdrückende) Stoffe in den Blutkreislauf gelangen.

Da die Goldfliegenmaden sich zuerst von nekrotischem Material ernähren, stellen die Wundbeläge eine ideale Nahrungsquelle für sie dar. Die Goldfliegenlarven werden auf die zu behandelnde Wunde aufgebracht und scheiden dort Verdauungssäfte aus. Die darin enthaltenen Enzyme dauen nur das Gewebe an und verflüssigen es. Dabei wird lebendes Gewebe nur dann nicht angegriffen oder geschädigt, wenn es für die Maden unerreichbar abgedeckt wird. Das sich bildende Gemisch wird von den Goldfliegenmaden aufgesaugt und verdaut. Dabei nehmen die Goldfliegenmaden in wenigen Tagen um das Hundertfache zu. Dann stellen sie die Nahrungsaufnahme ein und müssen gegen neue, frisch geschlüpfte Goldfliegenmaden mit entsprechendem Appetit ersetzt werden. Nach mehreren Anwendungen bleibt eine vom nekrotischen Wundbelag befreite Wunde zurück, die dann weiterbehandelt werden kann. Eine beschleunigte Wundheilung ist durch die Wundreinigung nicht zu erwarten.“

(Quelle: Wikipedia)

– Selektive bakterizide Wirkung der Fliegenmaden

„Die Goldfliegenmaden beseitigen Bakterien, indem sie eine eigene Gruppe von antibakteriellen Stoffen (Defensine) und Seraticin produzieren und den pH-Wert in der Wunde durch Ausscheidung von Ammoniak und Ammoniakderivaten auf ein für Bakterien wenig verträgliches Niveau anheben. Danach werden die abgetöteten Bakterien zusammen mit dem angedauten, abgestorbenen Gewebe aufgesaugt und verdaut. Dabei ist unerheblich, ob die Bakterien gegen einzelne Antibiotika resistent sind oder gar Multiresistenzen besitzen. Aus diesem Grund wird die Madentherapie auch bei Wunden angewandt, die mit MRSA-Stämmen oder anderen multiresistenten Bakterien infiziert sind.

In einer Laborstudie stellte sich heraus, dass Lucilia sericata-Larven empfindlich auf Pseudomonas aeruginosa-Bakterien reagieren und absterben können, also nicht alle Bakterien beseitigen können, die in Wunden vorkommen können.“

(Quelle: Wikipedia)

Nebenwirkungen der Madentherapie

„Etwa 20 bis 35 Prozent der Patienten mit Wunden empfinden zusätzliche Schmerzen und benötigen Schmerzmittel (Analgetika). Gelegentlich verursachen die Maden aber auch nur kribbelnde und juckende Gefühle. Schmerzen gelten als Zeichen für den Abbau von lebendem Gewebe, was durch die Anwendung von zu vielen Maden (Überdosierung) vorkommt. Nach dem vollständigen Verzehr des nekrotischen Gewebes wird auch gesundes Gewebe angegriffen. Auch bei Durchblutungsstörungen im benachbarten nicht-nekrotischen Gewebe kann es durch das Verdauungssekret der Maden zu Schädigungen kommen.“

(Quelle: Wikipedia)

Anwendungsbeispiele der Madentherapie

„Neben der Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) und der diabetischen Gangrän, bei der Gewebe abstirbt, wird die Madentherapie auch bei Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris) und bei entzündlichen Druckstellen (Dekubitus) angewendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Vergleich mit anderen Methoden der Wundbehandlung

„Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2009 an 267 Patienten mit einem Ulcus cruris (offenes Bein) verglich die Madentherapie mit Lucilla sericata und eine konventionelle Therapie, bei der ein Hydrogel aufgelegt wurde. Zwar wurde abgestorbenes Gewebe bei der Madentherapie schneller abgebaut (Débridement; zwei bis drei statt zehn Wochen), die Dauer der Wundheilung war jedoch nicht signifikant unterschiedlich, der Medianwert lag jeweils um 240 Tage. Dies galt unabhängig davon, ob die Maden frei oder in einem Gazenetz auf die Wunde aufgebracht wurden. Patienten der Madentherapie hatten gegen Ende der ersten Anwendung der Maden signifikant mehr Wundschmerzen. Die verursachten Kosten waren vergleichbar. Die Autoren der Studie empfehlen daher, bei der Entscheidung für eine Therapie den Patientenwunsch und deren Schmerzerfahrung mit den Maden zu berücksichtigen.“

(Quelle: Wikipedia)

Eingesetzte Fliegenarten

„Lucilia sericata wurde seit der Studie von Baer 1931 am weitaus häufigsten eingesetzt. Die Verwendung von anderen Calliphoridae-Arten wurde jeweils in nur vier (Phormia regina), zwei (Lucilia caesar) oder einer Studie beschrieben (Calliphora vicina, Chiysomya rufifacies. Lucilia caesar, Lucilia cuprina, Lucilia ilhatris, Protophormia terraenovae). Ebenfalls in einer Studie wurde die Sarcophagidae-Art Wohlfahrtia nuba verwendet.

Stand 2009 ist in den USA eine bestimmte Zuchtlinie (Stamm LB-01) der Art Lucilia sericata zum Verkauf zugelassenen.

(Quelle: Wikipedia)

Zur Geschichte der Madentherapie

– Die Madentherapie bis zum 19. Jahrhundert:

„Von mehreren Völkern sind Berichte überliefert, dass sie Maden zur Wundreinigung einsetzten. Dazu gehören die Ngemba, ein Stamm der Aborigines in New South Wales, Völker im nördlichen Burma bis in die chinesische Provinz Yunan und die Maya, die mit Tierblut getränkte Tücher erst in die Sonne und, nachdem Fliegen ihre Eier darauf gelegt hatten, auf die Wunden gelegt haben sollen.

Seit dem 17. Jahrhundert sind in Europa sporadische Berichte über einen Nutzen von Fliegenlarven bei der Wundheilung überliefert, beispielsweise von Hieronymus Fabricius (1537-1619) und 1829 von Dominique Jean Larrey. Larrey, Feldarzt in der französischen Armee, konnte seine Patienten jedoch nicht davon überzeugen, die Maden in den Wunden zu belassen. Im amerikanischen Bürgerkrieg setzte John Forney Zacharias, Arzt der konföderierten Armee, Fliegenmaden gezielt zur Behandlung von Wundbrand ein. Zacharias beschreibt neben einer schnellen und effektiven Wundheilung durch die Maden auch eine hohe Überlebensrate der Verwundeten:

“I am sure I saved many lives by their use, escaped septicemia and had rapid recoveries.”

„Ich bin mir sicher, ich rettete viele Leben durch ihre [der Maden] Anwendung, vermied Blutvergiftungen und erzielte schnelle Genesungen.“

John Forney Zacharias

Auch andere Feldärzte in diesem Krieg bemerkten die vorteilhaften Auswirkungen der Infestationen der Wunde. Zu einer weiter verbreiteten gezielten Anwendung kam es jedoch nicht. Die Madentherapie wird daher auch heute noch von Militärärzten empfohlen, wenn keine Alternativen verfügbar sind. Beim Auftreten von Schmerzen wird allerdings auch dem verwundeten Soldaten empfohlen, die Behandlung abzubrechen, um kein gesundes Gewebe zu verlieren.

Eines der auftretenden Probleme war die richtige Zuordnung der Larven zu verschiedenen Fliegenarten, insbesondere bei unerwartetem Madenbefall. Es gibt solche, die sich in lebendes Gewebe aktiv einbohren und dieses dabei schädigen, wie beispielsweise die Neuwelt-Schraubenwurmfliege (Cochliomyia hominivorax). Man spricht dann von Myiasis, der Fliegenmadenkrankheit. Lucilla sericata, die Goldfliegenlarve hingegen, kann sich nicht auf glatter menschlicher Haut festhalten, benötigt ein Fell als Hilfe und befällt daher nur Kleintiere wie Kaninchen oder Schafe, die durch eine geächtete Amputation des Schafsschwanzes (Mulesing) hiervor geschützt werden sollen. Der Blowfly Strike, der tödliche Angriff von Lucilia-Fliegenmaden auf Schafe, ist in den Ländern mit Schafzucht gefürchtet. Außerdem wurde Ende des 19. Jahrhunderts die Keimtheorie entwickelt und erkannt, dass Fliegen Krankheitserreger übertragen können.“

(Quelle: Wikipedia)

– Madentherapie im frühen 20. Jahrhundert

„Auch im 20. Jahrhundert fiel die positive Wirkung von Fliegenmaden zunächst im Krieg, bei schlechter medizinischer Versorgungslage auf. Die Sterberate bei offenen, infizierten Wunden lag über 70%. Der US-amerikanische Chirurg Wiliam S. Baer war im Ersten Weltkrieg Feldarzt in Frankreich. Er berichtete später, dass er zwei Soldaten behandelt habe, die sieben Tage verwundet auf einem Schlachtfeld gelegen hatten, und in deren Wunden sich tausende Fliegenmaden befanden. Nachdem Baer diese entfernt hatte, stellte er fest, dass die Wunden sauber waren und erstaunlich schnell und ohne Komplikationen heilten. 1929 war Baer Professor für orthopädische Chirurgie an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland. Hier suchte er nach Therapien für Patienten mit Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung), darunter viele Kinder. Bei 21 Patienten mit bis dahin therapieresistenter, chronischer Osteomyelitis setzte Baer in die eröffneten Läsionen über mehrere Wochen alle vier Tage Maden einer heimischen Schmeißfliege ein. Nach zwei Monaten konnten alle 21 Patienten als geheilt entlassen werden.

Ein Problem bei der weiteren Anwendung war die Verseuchung der Maden mit Clostridium tetani, dem Erreger des Wundstarrkrampfs (Tetanus) und Clostridium perfringens, dem häufigsten Erreger des Gasbrands. Um sterile Zuchten zu erhalten, sterilisierte er Eier und gab diese dann zu sterilisiertem Futter, bis sie die gewünschte Größe erreichten. „Surgical maggots“ (chirurgische Maden) der Arten Lucilla sericata und Phormia regina wurden schließlich von Pharmaunternehmen angeboten. Zwischen 1930 und 1940 wurden über hundert medizinisch-wissenschaftliche Publikationen zum Thema Madentherapie veröffentlicht. In über 300 amerikanischen Krankenhäusern wurde die Madentherapie in der Praxis angewendet.

Durch die Einführung von Sulfonamiden und Penicillin standen plötzlich andere Mittel zur Wundbekämpfung zur Verfügung und der Fortschritt in der Madentherapie kam zum Erliegen. Zwischen 1940 und 1990 erschienen lediglich vereinzelte Artikel, in denen beschrieben wurde, wie die Madentherapie als letzte exotische Behandlung bei hoffnungslosen Fällen eingesetzt wurde. 1988 wurde die Madentherapie von Milton Wainwright für tot erklärt:

“Fortunately maggot therapy is now relegated to a historical backwater, of interest more for its bizarre nature than its effect on the course of medical science … a therapy the demise of which no one is likely to mourn.”

„Glücklicherweise ist die Madentherapie heute verbannt in eine historische Provinz, von Interesse eher wegen ihrer bizarren Natur als wegen ihres Einflusses auf die medizinische Wissenschaft. … Eine Therapie, deren Ableben niemand nachtrauert.“

Milton Wainwright

– Das Wiederaufleben der Madentherapie ab den 1990er Jahren

„Ende der 1980er Jahre untersuchten Ronald Sherman und Edward Pechter, Ärzte am Medical Center der University of California, Los Angeles, bei einem Patienten eine zufällig mit Maden infestierte Wunde und beobachteten deren Sauberkeit. Sherman baute darauf hin im Veterans Administration Hospital in Long Beach (Kalifornien) eine Fliegenzucht auf, um sterile Maden zu produzierten, die zur Wundbehandlung eingesetzt wurden. Erste Studien in den 1990er Jahren zeigten einen schnelleren Abbau von nekrotischem Gewebe als andere Methoden.

1995 wurde in Wales eine erste europäische Produktionsstätte für Goldfliegen-Larven aufgebaut. Zoobiotic lieferte innerhalb von 3 Jahren über 5000 Einheiten an Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte. In Deutschland hat sich die Firma Biomonde als Hersteller und Vertreiber von Fliegenmaden etabliert. Biomonde wurde am 4. Mai 2010 von ZooBiotic übernommen. 2002 wendeten über 1000 Kliniken, Krankenhäuser und Arztpraxen die Madentherapie an. Seit 2008 können Apotheken auch die keimfreien Eier der Goldfliege erhalten und daraus Fliegenmaden züchten. Die Anwendung der Maden in der Wundbehandlung liegt allein in der Verantwortung des behandelnden Arztes,  da die in Europa als Arzneimittel geltenden Maden in Deutschland nicht zugelassen sind und nur bis zu einer späteren Zulassung angeboten werden dürfen, siehe Arzneimittelgesetz § 141 Satz 4.

Die Wirksamkeit der Madentherapie gegen Wundinfektionen – beispielsweise bei der postoperativen Wundbehandlung – ist 2004 von der Food and Drug Administration (FDA), der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde, anerkannt worden.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Madentherapie lässt sich natürlich nicht zur Phytotherapie zählen – im weiteren Sinn zur Naturheilkunde aber schon.

Es ist sehr zu begrüssen, wenn genauer erforscht wird, für welche Art von Wunden eine Madentherapie geeignet ist und für welche nicht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Über 60 % der Hausärzte setzen Heilpflanzen-Präparate häufig oder sehr häufig ein

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ veröffentlichte Dr. med. Berthold Musselmann einen ausführlichen und fundierten Artikel über dem Titel „ABC der klassischen Phytotherapie“.

Zitat:

„Heilpflanzen bieten eine breite Anwendungspalette in der hausärztlichen Medizin. Sie können bei fast allen Patienten eine sinnvolle Ergänzung und bei vielen Erkrankungen eine überlegenswerte Alternative sein. Dabei ist die ausreichende Qualität der Extrakte und Präparate entscheidend; aber auch Wechselwirkungen sind zu beachten.“ (1)

Eine Umfrage zeigt, dass Heilpflanzen-Anwendungen von Hausärzten häufig eingesetzt werden:

„Nach einer eigenen aktuellen deutschlandweiten Befragung unter 3000 Hausärzten beziehen 60% der Hausärzte Naturheilverfahren mit in ihre Therapie ein. Über die Hälfte der Hausärzte setzt Heilpflanzenpräparate häufig oder sehr häufig ein. Sind diese aber wirklich so wirksam und erfolgversprechend, wie die Mehrheit der Bevölkerung glaubt? Immerhin wünschen 70–80% der Patienten, dass bei ihrer Behandlung Naturheilverfahren mitberücksichtigt werden.“ (2)

Die Zahl der Studien in der Phytotherapie ist in den letzten 10 Jahren stark gestiegen:

„Eine hinreichend evidenzbasierte Herangehensweise ist in der Naturheilkunde nicht immer anzutreffen. Im Bereich Phytotherapie gibt es allerdings eine zunehmende Forschungstätigkeit und damit eine deutliche Zunahme der Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Im Zeitraum von 1999 bis 2009 ist die Zahl der publizierten randomisierten kontrollierten Studien zu Phytotherapeutika von 80 auf knapp 1700 gestiegen.“ (3)

Trotzdem gibt es immer noch viele Heilpflanzen, zu denen keine Studien existieren:

„Für viele Heilpflanzen liegen bisher noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Das heißt nicht, dass diese Pflanzen nicht wirksam sind, wohl aber, dass sie kritischer betrachtet werden müssen.“ (4)

Quelle:

http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

Der Hausarzt, 2010/14:  31-36 Autor: Dr. med. Berthold Musselmann

Facharzt für Allgemeinmedizn mit Ausbildung in Naturheilverfahren

Kommentar & Ergänzung:

(1) Die Qualität der Extrakte und Heilpflanzen-Präparate ist tatsächlich entscheidend. Den Konsumentinnen und Konsumenten ist viel zuwenig bewusst, dass hier grosse Unterschiede bestehen. Es werden viele Produkte verkauft, deren Wirksamkeit höchst fraglich ist, auch in Apotheken und Drogerien.

Dies gilt für Heilpflanzen-Präparate, aber auch für Naturheilmittel generell und für Produkte der Komplementärmedizin.

Wer mehr über solche Qualitätsunterschiede erfahrend will, bekommt dazu Informationen in meiner Phytotherapie-Ausbildung und in den Heilpflanzenkursen.

(2) Phytotherapie eignet sich ausgezeichnet als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin. Sie kommt damit einem verbreiteten Bedürfnis in der Bevölkerung entgegen. Neben den Hausärztinnen und Hausärzten eignen sich meiner Ansicht nach Pflegefachleute  gut für die Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in die Institutionen des Gesundheitswesens wie Spitex-Organisationen, Pflegeheime, Kliniken und Spitäler. Info dazu siehe Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege.

(3) Eine Schwierigkeit für die Phytotherapie-Forschung besteht darin, dass überwiegend nur dort geforscht wird, wo auch ein Markt ersichtlich ist. So finden viele Heilpflanzen keinen „Sponsor“ für die Überprüfung ihrer tatsächlichen oder angeblichen Heilwirkungen.

(4) Sehr einverstanden. Es dürfen meines Erachtens auch Heilpflanzen angewendet werden, deren Wirksamkeit nicht durch Studien belegt ist. Allerdings braucht es dann volle Transparenz über diesen Status. Für die Käufer und Verwender solcher Produkte sollte erkennbar sein, ob die Wirksamkeit belegt ist oder nicht. Von der obligatorischen Krankenkassen-Grundversicherung sollten allerdings nur Heilpflanzen-Präparate, Naturheilmittel und Produkte der Komplementärmedizin bezahlt werden, deren Wirksamkeit belegt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen bei Blasenentzündung, Reizblase & Co

Mit diesem Thema befasste sich ein Beitrag in der Pharmaceutical Tribune mit Tipps und Infos von Mag. pharm. Ilona E. Leitner, Präsidentin der Wiener Apothekerkammer und Vizepräsidentin des Österreichischen Apothekerverbandes.

Oberstes Ziel bei sich ankündigenden Blasenkatarrhen sei die Linderung der Symptome und eine forcierte Ausschwemmung der Keime.

Als unterstützende Maßnahmen empfiehlt Mg. Leitner:

„Viel trinken, ausreichende Ruhe und bei Bedarf Wärmezufuhr im Unterbauchbereich…“, und sie verweist auf die guten Erfahrungen mit einem Blasentee, den das Arzneibuch seit dem 17. Jahrhundert in unveränderter Form vorschlägt:

„Er enthält diuretisch wirkende Birkenblätter, bakteriostatisch wirksame Bärentraubenblätter und spasmolytisch wirksames Bruchkraut.“

Neben der verstärkten Keimausschwemmung durch hohe Trinkmengen ist die Ansäuerung des Urins eine sehr wirksame Maßnahme: „Ein saurer Harn vermindert die Bakterien-Adhärenz am Urothel und ermöglicht eine Keimreduktion um bis zu 50 Prozent.“

Angesäuert werden kann der Urin mit L-Methionin, Ascorbinsäure oder Apfelessig. Fruchtsäfte sind ungeeignet, weil diese den ph-Wert des Harns in die falsche Richtung verschieben.
Cranberry und Kürbiskerne

Zur Prävention und unterstützenden Behandlung von Blasenentzündungen sind Preiselbeer-Präparate hervorragend geeignet, weil sie antiadhärent wirken – also die Anheftung der Keime an die Schleimhäute hemmen. Damit erleichtern sie die Ausschwemmung von Keimen.

In jedem Fall handelt es sich bei Preiselbeer-Präparaten um ein diätetisches Lebensmittel, das somit auch für Kinder und Schwangere geeignet ist.
Ebenfalls vorbeugend eingesetzt werden Kürbiskern-Präparate. Mag. Leitner dazu: „Deren regelmäßige, längerfristige Einnahme wird zur Vorbeugung der Entwicklung einer Reizblase empfohlen.“

Allgemein gilt: Wer länger als fünf Tage an Beschwerden beim Wasserlassen leidet, sollte den Arzt aufsuchen. Wichtige Warnsymptome, die eine ärztliche Abklärung benötigen, sind Fieber, allgemeine Schwäche und blutige Verfärbung des Urins.
http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=100985&dspaid=833716

Kommentar & Ergänzung:

Bei beginnender Blasenentzündung würde ich anstelle der beschriebenen Blasentee-Mischung (Birkenblätter, Bärentraubenblätter, Bruchkraut) eher Bärentraubenblättertee allein empfehlen. Es braucht in diesen Fällen  den Bärentrauben-Wirkstoff Arbutin in ziemlich hohen Dosen, die mit der „Dreier-Mischung“ kaum zu erreichen sein dürften.

Cranberrysaft bzw. Preiselbeersaft / Preiselbeer-Präparate haben sich inzwischen vor allem in der Rückfallprophylaxe von Blasenentzündungen bewährt, und zwar auch in der Krankenpflege (Spitex, Pflegeheime, Kliniken).

Kürbiskerne bzw. Kürbissamen lindern die Beschwerden bei der gutartigen Prostatvergrösserung älterer Männer und sind in diesem Bereich verhältnismässig gut in ihrer Wirksamkeit dokumentiert. Die Anwendung bei Reizblase wird zwar immer wieder empfohlen, doch fehlen hier bislang gute Belege für einen Nutzen.

Kürbissamen sind aber auch einfach ein gesundes Nahrungsmittel und eignen sich gut als kleiner Snack zwischendurch, im Salat, im Müesli etc.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Phytotherapie? Was ist Integrative Phytotherapie?

Phytotherapie befasst sich mit der Vorbeugung und Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten mittels pflanzlicher Heilmittel.  Sie verbindet die jahrtausendealte Erfahrung traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzenforschung.

Phytotherapie bringt Heilpflanzen in vielfältigen Formen zur Anwendung, zum Beispiel als Tee, Tinktur, Extrakt oder Salbe, inhalativ als ätherisches Öl, als Bad oder Wickel usw.

Phytotherapie orientiert sich an Wirkstoffen und unterscheidet sich damit von  komplementärmedizinischen Heilverfahren wie Homöopathie, Bachblüten, Anthroposophischer Medizin, Schüsslersalzen, Spagyrik, TCM  etc. – die ihrerseits auf eigenen Weltbildern und Theoriesystemen basieren.

Die Patientinnen und Patienten schätzen an der Phytotherapie nebst der Wirksamkeit die gute Verträglichkeit und den Bezug zur Natur.

Was ist Integrative Phytotherapie?

Integrative Phytotherapie versteht sich als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin. Damit verbunden ist Kooperationsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit im Verhältnis zur Medizin, das Bestreben nach fundierter Begründung von Aussagen, eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen phytotherapeutischer Anwendungen und die Absage an Heilslehren und Dogmen aller Art.

Diese Grundhaltung der „Integrativen Phytotherapie“, wie sie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur gepflegt wird, schafft optimale Voraussetzungen für die Integration von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie in der Pflege – eine Chance für alle Beteiligten

Die Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege (IGPP) setzt sich für die Integration von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in die Pflege ein.

Sie vernetzt Pflegende mit einer Ausbildung am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur.

Bekannte und bewährte Heilmittel aus dem vielfältigen Reich der Pflanzen sollen wieder ihren Platz bekommen in Spitex, Pflegeheimen und Kliniken. Martin Koradi stellt das Projekt in einem Interview für die Zeitschrift „Leben & Gesundheit“ vor:

Interview: Phytotherapie in der Pflege – eine Chance für alle Beteiligten

Website IGPP: Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege

Dokument Phytotherapie in der Pflege mit Beispielen für die Integration von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, sowie Argumenten für dieses Projekt.

Ausbildungen in Phytotherapie für Pflegefachleute und andere Interessierte mit medizinischem Grundberuf.

Teamweiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Spital, Palliative Care

Info: Martin Koradi, Tel 052 202 20 29

Starke Argumente für Phytotherapie in der Psychiatrie

Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Psychiatrie bieten Chancen für alle Beteiligten – für Kliniken, Pflegende, Psychiaterinnen und Psychiater, Patientinnen und Patienten. Warum das so ist, soll hier kurz zusammengefasst werden:

Die in der Phytotherapie verwendeten Extrakte, Tinkturen, Tees, Wickel, Einreibungen oder

Inhalationen  können bei der Regulierung von Störungen in den Bereichen Schlaf, Angst und Gemütsverstimmungen mithelfen. Die besondere Stärke der Phytotherapie in der Psychiatrie liegt aber darin, dass Psychiatriepatientinnen und -patienten über ihre psychiatrische Erkrankung hinaus immer wieder einmal an Beschwerden leiden, wie sie auch in der übrigen Bevölkerung vorkommen: Erkältungskrankheiten, Verdauungsstörungen, Hautprobleme, Kreislauferkrankungen, Blasenentzündungen etc.

Hier kann die Phytotherapie in vielen Fällen überzeugende Angebote machen.

Psychiatriepatienten und  -patientinnen, die aufgrund ihrer psychiatrischen Krankheiten häufig starke Medikamente benötigen, sind oft dankbar für «sanfte» Heilpflanzen-Anwendungen in diesen somatischen Zonen. Ein fundiertes, geklärtes und in der Institution verankertes «Phytokonzept» kann zudem Ärztinnen und Ärzte von Bagatellfällen entlasten, so dass sie sich mehr auf diejenigen Probleme fokussieren können, bei denen ihre psychiatrische Fachkompetenz stark gefordert ist.

Wickel, Kräutertees, Einreibungen oder Bäder vermitteln persönliche Zuwendung in einer strukturierten, ritualisierten Form. Das entlastet Pflegende oft von entsprechenden Ansprüchen zu allen möglichen und unmöglichen anderen Zeiten. Eine tragfähige Compliance bei der psychiatrischen Medikation lässt sich manchmal unterstützen, wenn den Patientinnen und Patienten im Bereich von Heilpflanzen-Anwendungen das Gefühl vermittelt werden kann, dass sie Einfluss haben auf ihre Behandlung und daran mitwirken können.

Kliniken können mit einem Phytotherapie-Konzept das weit verbreitete Bedürfnis nach „natürlichen Heilmitteln“ aufgreifen und mit einem professionellen, seriösen Angebot beantworten. Mit einem Angebot notabene, das kompatibel ist mit Medizin bzw. Psychiatrie, und mit dem sich eine Klinik auch in der Öffentlichkeit positionieren und profilieren kann.

Eine sorgfältige, fundierte Phytotherapie-Ausbildung für Pflegefachleute, aber auch Medizinerinnen und Mediziner wird seit 2001 am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur angeboten.

Weiter Informationen bei der Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege, www.ig-pp.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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