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Cochrane-Review untersucht Nutzen der Grippeimpfung beim Pflegepersonal für Patienten in Langzeitpflegeeinrichtungen

In Pflegeheimen und Kliniken gibt es jeden Herbst Kampagnen, mit denen das Pflegepersonal für die Grippeimpfung motiviert werden soll. Dabei wird nicht selten ein moralischer Druck aufgebaut und mit dem Schutz für die Patienten argumentiert.

Ein Cochrane-Review hat nun untersucht, ob die Impfung des Pflegepersonals gegen Grippe das Risiko reduziert, dass ältere Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen eine Influenza-Infektion durch das Pflegepersonal bekommen.

Die Symptome von Grippe ähneln denjenigen zahlreicher anderer Atemwegserkrankungen. Darum muss in Studien, die die Wirkung von Grippeimpfungen testen, mit sehr präzisen Labortests geprüft werden, ob die Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen tatsächlich an einer Grippe leiden oder an einer anderen Atemwegserkrankung.

Die Cochrane-Forscher schlossen mit Stand Oktober 2015 insgesamt fünf Studien in ihren Review ein, verwendeten aber nur Daten von drei Studien mit 5896 Bewohnern.

Was sind die Hauptresultate?

Das folgende Zitat fasst die Hauptergebnisse zusammen und liefert auch Angaben zur jeweiligen Qualität der Evidenz ( = Grad der Belegtheit):

„Das Angebot von Grippeimpfungen für das Pflegepersonal, das sich um Personen im Alter von 60 und älter in Langzeitpflegeeinrichtungen kümmert, könnte eine geringe oder keine Wirkung auf im Labor nachgewiesene Grippefälle haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Impfprogramme für Mitarbeiter im Pflegedienst haben wahrscheinlich eine geringe Wirkung auf Infektionen der unteren Atemwege (moderate Qualität der Evidenz), könnten aber eine geringe oder keine Wirkung auf die Aufnahme ins Krankenhaus haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Es ist unklar, welche Wirkung Impfprogramme auf Tod in Folge einer Infektion der unteren Atemwege (sehr niedrige Qualität der Evidenz) oder auf die allgemeine Sterblichkeit haben (sehr niedrige Qualität der Evidenz).“

Die Cochrane-Forscher fanden in ihrem Review bei den untersuchten Studien keine Angaben zu anderen Maßnahmen, die in Verbindung mit der Impfung des Pflegepersonals angewendet wurden (z.B. Händewaschen, Quarantäne, Mundschutz, Früherkennung von im Labor nachgewiesener Grippe, Vermeidung von Neuaufnahmen, sofortige Anwendung von Virostatika, Aufforderung von Pflegepersonal mit grippeähnlichen Erkrankungen, nicht zur Arbeit zu erscheinen).

Es bestehe Bedarf an qualitativ hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien, welche Kombinationen dieser Maßnahmen untersuchen, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD005187/grippeimpfung-fur-pflegepersonal-das-langzeitpflegeeinrichtungen-lebende-personen-im-alter-von-60

Kommentar & Ergänzung:

Eine Metaanalyse der Cochrane-Collaboration – das ist der Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.

Und das Ergebnis ist für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen nicht gerade überzeugend. Das stellt zu mindestens den moralischen Druck infrage, der jeden Herbst auf Pflegepersonen ausgeübt wird, damit sie die Grippeimpfung machen lassen.

Damit ich bei diesem Thema nicht in die falsche Ecke gestellt werde: Ich bin kein Impfgegner. Die pauschale Diffamierung von Impfungen durch radikale Impfgegner halte ich für absurd. Impfungen sind bei vielen Krankheiten ein grosser Erfolg – beispielsweise bei Kinderlähmung, Diphterie, Starrkrampf, Pocken, Röteln. Das heisst aber natürlich nicht, dass jede Impfung, die gemacht werden kann, bei jedem Menschen und in jeder Situation auch sinnvoll ist.

Für mich selber bin ich überzeugt, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Grippeimpfung brauche. Würde ich in einem Pflegeheim arbeiten, würde ich mich aber wahrscheinlich impfen lassen – zum besseren Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Und dies obwohl das Cochrane-Review den Nutzen nicht überzeugend zeigen konnte. Ich finde die Grippeimpfung aber auch nicht riskant und könnte sie daher gut akzeptieren.

Es spricht meines Erachtens auch nichts dagegen, dass in Spitälern und Pflegeheimen für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen argumentiert wird. Nur der moralische Druck, der dabei oft zur Anwendung kommt – wer sich nicht impfen lässt, bringt Patienten um – der steht wissenschaftlich auf schwachem Boden, wie das Cochrane-Review gezeigt hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Cochrane-Review findet für Grippe-Impfstoffe nur mässige Wirksamkeit

Impfstoffe gegen Influenza-A oder Influenza-B-Infektionen wirken nur gering auf die Reduktion von Grippesymptomen und den Verlust von Arbeitstagen oder Krankenhausaufenthalte.

Zu diesem Resultat kommt ein aktueller Cochrane Review zumindest für die gesunde erwachsene Bevölkerung, schwangere Frauen eingeschlossen. Die „Deutsche Apothekerzeitung“ hat die Ergebnisse informativ zusammengefasst.

Die Cochrane-Forschergruppe wertete für den Review 90 Literaturberichte aus, darunter 69 klinische Studien, 27 davon Vergleichs-Kohortenstudien und 20 Fall-Kontroll-Studien mit total mehreren Millionen Menschen. 23 Berichte erfassten Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes bei schwangeren Frauen (ca. 1,6 Millionen Mutter-Kind-Paare).

So sehen die Ergebnisse im Detail aus:

– Bei Applikation von parenteralem inaktiviertem Grippe-Impfstoff an gesunde Erwachsene würden 71 Personen (number needed to vaccinate NNV) eine Impfung brauchen, um einen Fall von Grippe zu vermeiden (95%, Konfidenzintervall: 64-80).

– Mindestens 40 Personen würden eine Impfung benötigen, um einen ILI- Fall (Influenza-typische Erkrankung, Influenza-like Illness) zu verhindern (95%, Konfidenzintervall: 26 bis 128).

– Der Schutz schwangerer Frauen vor Grippe oder ILI mit inaktiviertem Grippe-Impfstoff ist nach der Datenerhebung ebenfalls unsicher oder zumindest sehr limitiert. Es existieren dazu nur Beobachtungsstudien von mäßiger methodischer Qualität.

– Um die Wirksamkeit der Aerosol-Lebend-Impfstoffe steht es nicht viel besser: 46 Personen (95% CI 29-115) würden eine Immunisierung brauchen, um einen Grippe-Fall zu vermeiden.

Die Datenlage zur Grippeschutzimpfung in der gesunden Normalbevölkerung sieht im Lichte dieses Cochrane Reviews nicht sehr überzeugend aus.

Aufgrund methodischer Mängel äussern die Urheber des Reviews allerdings vielfach Zweifel an der Aussagekraft der Daten. Nicht einmal 10 Prozent der Studien hatten eine gute Qualität, so stellen sie fest.

Über 200 Viren sind bekannt als Auslöser von Influenza und ILI, die beide vergleichbare Symptome zeigen wie Fieber, Schmerzen, Husten und Schnupfen.

Ohne Laboruntersuchung lässt es sich im Einzelfall nicht klären, ob es sich um eine Influenza-Infektion oder um grippeähnliche Erkältungskrankheiten handelt.

Grippe-Impfstoffe wirken aber nur gegen Influenza A und B, die nicht mehr als rund 10 Prozent der zirkulierenden Viren ausmachen. Und die Grippe-Impfung wirkt nur, wenn sie auf Virusstämmen basiert, die in der jeweiligen Saison auch tatsächlich zirkulieren.

Welche Virusstämme in die saisonalen Grippeschutz-Impfungen einbezogen werden sollen, das bestimmt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr neu.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2014/03/21/grippe-impfstoffe-nur-maessig-wirksam/12391.html

Demicheli V, Jefferson T, Al-Ansary LA, Ferroni E, Rivetti A, Di Pietrantonj C. Vaccines for preventing influenza in healthy adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 3. Art. No.: CD001269. DOI: 10.1002/14651858.CD001269.pub5.

Kommentar & Ergänzung:

Ziemlich ernüchternd, dieses Fazit. Wobei aber festzuhalten ist, dass die Wirkung bei gesunden Personen unter die Lupe genommen wurde. Vielleicht sieht der Nutzen bei geschwächten Menschen anders aus.

Sehr bedenklich ist allerdings, dass die Cochrane-Forscher nicht einmal 10 % der Studien eine gute Qualität bescheinigen können.

Ausserdem gibt es weiter hochwertige Studien, die zur Wirksamkeit der Grippe-Impfung Fragezeichen aufwerfen.

Zu finden beispielsweise auf der Website „Gesundes Reisen“ – ein Service des Reisemedizinischen Zentrums (MD Medicus Reise und Tropenmedizin GmbH, Tropeninstitut Hamburg). Zum Thema Grippe gibt es hier zwei interessante Zitat:

http://www.gesundes-reisen.eu/print_artikel_details.php?contentType=3&themaID=1280

Was steht da genau in diesen zwei Zitaten?

Zitat 1:

„Mit Influenza Impfungen ist ein moderater Effekt verbunden, Influenza-Symptome zu vermindern und Arbeitszeit einzusparen. Es besteht keine Evidenz, dass sie sich auf Komplikationen auswirken, wie Lungenentzündung, oder auf die Übertragung des Virus.“

Als Quellenangabe für dieses Zitat wird angegeben: Cochrane 2010 (wo ich das Zitat aber nicht gefunden habe).

Ausserdem Zitat 2:

„Influenza vaccines can provide moderate protection against virologically confirmed influenza, but such protection is greatly reduced or absent in some seasons. Evidence for protection in adults aged 65 years or older is lacking.“

Dieses Zitat stammt aus Lancet Infectious Diseases (Osterholm 2012)

The Lancet ist als medizinisches Fachjournal sehr renommiert – genauso wie die Cochrane Collaboration.

Insgesamt ist festzuhalten, dass solch hochkarätige Kritik sich nicht leicht vom Tisch wischen lässt.

Wenn ich hier diese kritischen Zitate zur Wirksamkeit der Grippe-Impfungen anführe, dann möchte ich zugleich mit Nachdruck festhalten, dass ich mich nicht zu den fundamentalistischen Impfgegnern zähle.

Pauschale Verteufelung von Impfungen und die damit verknüpften Verschwörungstheorien halte ich für grundfalsch, höchst fragwürdig und destruktiv. Sie basieren auf einer höchst einseitigen, selektiven Interpretation.

Impfungen sind meines Erachtens eine Erfolgsgeschichte. Sie sind nun quasi ein Opfer ihres eigenen Erfolges. Viele gefährliche Krankheiten wie Kinderlähmung, Diphtherie, Pocken oder Starrkrampf sind dank Impfungen aus unserem Leben verschwunden. So ist es leicht, pauschal gegen Impfungen zu wettern, wenn der Schrecken dieser Krankheiten nicht mehr präsent ist. Ich meinerseits bin jedenfalls dankbar, dass ich nie in meinem Leben mit solchen Krankheiten zu tun haben musste.

Wer nicht in die pauschale Impf-Verteufelung einstimmt, muss deshalb nicht jeder Impfung unkritisch gegenüber stehen. Es gibt einen differenzierteren Mittelweg. Eine kritische Auseinandersetzung mit Impfungen ist nötig, aber sie muss konkrete Punkte mit Argumenten in Frage stellen, so wie es die Cochrane-Studien und der „Lancet“-Artikel tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hörbeispiel für charakteristische Keuchhusten-Attacke

Keuchhusten (Pertussis) wird ausgelöst durch Bordetella pertussis, ist durch Impfungen selten geworden und wird deshalb heute gelegentlich übersehen. Wie sich ein Kind mit typischer Hustenattacke bei einer Keuchhusten-Infektion anhört, haben jetzt US-Ärzte ins Internet gestellt.

Das Hörbeispiel finden Sie hier:

www.pkids.org/diseases/pertussis.html.

Typisch ist das Einziehen der Luft bei den länger andauernden Hustenattacken. Pro Tag können ein Dutzend und mehr solcher Attacken vorkommen.

Speziell gefährdet sind Säuglinge, für die es noch keinen Impfschutz gibt und die sich etwa bei den Eltern anstecken können. Für Kontaktpersonen der Babys wird deshalb eine Impfung gegen Pertussis empfohlen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/impfen/article/646334/hoerbeispiel-typische-keuchhusten-attacke.html?sh=7&h=-312081867

Kommentar und Ergänzung:

Phytotherapie hat bei Keuchhusten nur eine adjuvante Funktion, also im Sinne einer unterstützenden Massnahme neben einer Haupttherapie.

Im Vordergrund stehen Heilpflanzen mit krampflösender Wirkung auf die Bronchien (Bronchospasmolytika) wie Sonnentaukraut, Efeublätter und Thymiankraut. Ausserdem Expektoranzien, die den zähen, glasigen Schleim verflüssigen und abtransportieren Z.B. Efeublätter, Thymiankraut). Dabei muss eine altersgerechte und wirksame Arzneiform gewählt werden. Efeublätter zum Beispiel sollten nur in Form von Extraktpräparaten angewendet werden, damit eine wirksame und sichere Dosierung gewährleistet ist.

Hier noch Informationen zum Keuchhusten, basierend auf Wikipedia:

Was ist Keuchhusten?

„Keuchhusten (auch Pertussis, volkstümlich Stickhusten) ist eine durch das Bakterium Bordetella pertussis, seltener durch Bordetella parapertussis ausgelöste hochansteckende Infektionskrankheit. Nach einem unspezifischen Anfangsstadium verläuft sie regelhaft über mehrere Wochen. Auf das Anfangsstadium mit erkältungsartigem Husten, das Stadium catarrhale genannt wird, folgen im Stadium convulsivum anfallsartig typische stakkatoartige Hustenattacken. Bei Säuglingen können sich die Hustenanfälle untypisch als Atemstillstände äußern und somit lebensbedrohlich verlaufen. Schließlich nehmen die Hustenattacken an Zahl und Schwere im Stadium decrementi allmählich ab. Eine ursächliche Therapie ist nur im Anfangsstadium möglich. Zur Prophylaxe existiert eine allgemein empfohlene wirksame Impfung. In Deutschland besteht eine Meldepflicht im Todesfall.“

(Quelle: Wikipedia)

Zum Keuchhusten-Erreger, Bordetella pertussis:

„Bordetella pertussis, der Erreger des Keuchhustens, ist ein unbewegliches, aerobes, bekapseltes aber gramnegatives Stäbchenbakterium. Es produziert viele verschiedene Eiweißstoffe, die teilweise als Toxine die Krankheitssymptome verursachen, teilweise verantwortlich dafür sind, dass die Erreger gut an den Schleimhäuten der Atemwege anhaften und sich dort vermehren können (Virulenzfaktoren). Eine Infektion mit Bordetella parapertussis führt nur in weniger als einem Fünftel der Fälle zum klinischen Bild des Keuchhustens. 40 % der Infektionen verlaufen stumm und weitere 40 % als einfache akute Bronchitis.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Epidemiologie des Keuchhustens:

„Das einzige Erregerreservoir für Bordetella pertussis ist der Mensch. Deshalb könnte durch eine konsequente Durchimpfung der Menschheit die Erkrankung grundsätzlich ausgerottet werden. Bordetella parapertussis wird auch bei Schafen als Reservoir gefunden. Trotz wirksamer Impfstoffe erkrankten 2003 weltweit etwa 17 Millionen Menschen an Keuchhusten, 90 % davon in Entwicklungsländern. Todesfälle waren im selben Jahr etwa 280.000 zu verzeichnen. In der Bundesrepublik Deutschland wurden zumindest für die neuen Bundesländer steigende Erkrankungszahlen ermittelt (da in den neuen Bundesländern eine Meldepflicht besteht. Die Datenerfassung wird mindestens seit 2002 erhoben). 2004 lag dort die Häufigkeit (Inzidenz) bei 12,3 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner, zehn Jahre zuvor waren es noch 3,4 Fälle je 100.000 Einwohner. In der DDR bestand eine Impfpflicht. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands sind die Impfraten dementsprechend zurückgegangen.

Die Übertragung erfolgt durch große ausgehustete Tröpfchen bei engem Kontakt. Die Bordetellen haben eine außerordentlich hohe Infektiosität. 80 bis 100 % der Personen, welche mit dem Erreger in Kontakt kommen, erkranken. Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 14 (bis 21) Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt gegen Ende der Inkubationszeit, ist während des Stadium catarrhale am höchsten und klingt im Stadium convulsivum allmählich ab. Zu beachten ist, dass weder eine Impfung noch die durchgemachte Erkrankung eine lebenslange Immunität garantieren. In Ländern mit hoher Impfrate erkranken bevorzugt Jugendliche und Erwachsene. Diese spielen als Überträger der Erreger eine wichtige Rolle.“

(Quelle: Wikipedia)

Symptome des Keuchhustens:

„Die Krankheit durchläuft klassischerweise drei Stadien: Stadium catarrhale, Stadium convulsivum und Stadium decrementi. Im Neugeborenen- und Säuglingsalter kommen aber genauso wie bei Jugendlichen und Erwachsenen auch untypische Verläufe vor.

Stadium catarrhale (Prodromalstadium)

Nach einer Inkubationszeit von sieben bis 14 Tagen kommt es zu einer grippeähnlichen Symptomatik mit leichtem Fieber, Schnupfen und trockenem Reizhusten. Die Dauer beträgt etwa ein bis zwei Wochen. In diesem Stadium ist die Ansteckungsgefahr am größten.

Stadium convulsivum

Erst im zweiten Stadium treten die typischen, plötzlich einsetzenden stakkatoartigen Hustenattacken mit herausgestreckter Zunge auf. Die Anfälle schließen mit einem Jauchzen bei der folgenden Einatmung („Reprise“), ab. Die Attacken werden häufig von Hochwürgen von glasigem Schleim und Erbrechen begleitet. Sie können sehr zahlreich sein, häufen sich in der Nacht und können durch äußere Einflüsse wie beispielsweise körperliche Anstrengung ausgelöst werden. Das Stadium convulsivum dauert zwei bis sechs Wochen.

Stadium decrementi

Im letzten Stadium nehmen die Hustenattacken langsam zunächst an Zahl und schließlich auch an Schwere ab. Es dauert noch einmal etwa drei bis sechs Wochen, ohne antibiotische Therapie auch sechs bis zehn Wochen. Aufgrund der insgesamt sehr langen Krankheitsdauer wird der Keuchhusten teilweise auch „100-Tage-Husten“ genannt.

Atypische Verläufe

Bei Säuglingen unter sechs Monaten verläuft das Stadium convulsivum noch nicht mit den typischen Hustenanfällen. Vielmehr können sich die Attacken ausschließlich in Form von Atemstillständen (Apnoen) äußern. Auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wird die Erkrankung klinisch oft nicht erkannt, weil sie außer einem trockenen Husten keine Symptome haben.“

(Quelle: Wikipedia)

Komplikationen bei Keuchhusten-Infektionen:

„Die häufigsten Komplikationen sind Lungenentzündungen (15 bis 20 %) sowie eine Mittelohrentzündung, die durch eine Sekundärinfektion mit Haemophilus influenzae oder Pneumokokken verursacht wird. Sekundärinfektionen lassen sich an einem Fieberanstieg und Anstieg von Entzündungszeichen im Blut erkennen. Auch Krampfanfälle sind mit etwa 2 bis 4 % eine nicht ungewöhnliche Komplikation. Immerhin in 0,5 % tritt eine Schädigung des Gehirns (Enzephalopathie) ein, die oft dauerhafte Schäden zurücklässt. Die genaue Ursache hierfür ist noch nicht geklärt. Durch das starke Husten verursachte Einblutungen in die Bindehäute der Augen und Leisten- oder Nabelbrüche können manchmal auftreten. Einer von 1000 Patienten stirbt an der Erkrankung, zumeist junge Säuglinge.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Diagnose des Keuchhustens:

„Typisch ist der unproduktive Husten mit einer Dauer über 3 Wochen. Ein wichtiger Hinweis für die Diagnose sind ähnlich verlaufende Erkrankungen in der Umgebung des Patienten. Die Diagnose wird aufgrund des klinischen Verdachtes oft erst im Stadium convulsivum gestellt.

Ein Erregernachweis zur Bestätigung der Diagnose ist aus dem mittels Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum gewonnen Sekret möglich. Dabei muss aber beachtet werden, dass die Bordetella-Bakterien sehr empfindlich gegen Austrocknung und Kälte sind. Das kann die Empfindlichkeit (Sensitivität, Trefferquote) einschränken. Dafür liegt die Spezifität (Anteil der Gesunden, bei denen die Untersuchung auch negativ ist) bei 100 %. Die Anzüchtung von B. pertussis dauert außerdem mindestens drei, die von B. parapertussis zwei Tage. Eine schnellere Diagnose lässt sich durch den Nachweis von erregerspezifischer Erbsubstanz (DNA) mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) erreichen. Da diese Untersuchungsmethode schon bei sehr wenigen Keimen positiv sein kann und auch abgestorbene Bakterien beispielsweise nach Beginn einer Behandlung mit einem Antibiotikum erfasst, ist die PCR außerdem sehr empfindlich, aber auch aufwändiger und teurer als die Erregeranzucht.

Spezifische Antikörper gegen B. pertussis tauchen frühestens mit Beginn des Stadium convulsivum im Serum auf. Daher ist eine Blutuntersuchung für die Frühdiagnose nicht geeignet. Beim Keuchhusten entstehen außerdem typische Veränderungen im Blutbild mit einer Erhöhung der Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) von der relativ die Lymphozyten besonders stark betroffen sind (relative Lymphozytose). Diese Blutbildveränderungen treten bei etwa 20 bis 80 % der Patienten ebenfalls erst im Stadium convulsivum auf.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Differenzialdiagnose des Keuchhustens:

„Im Stadium catarrhale kommen zur Abgrenzung gegen den Keuchhusten alle Erreger einer Infektion der oberen Luftwege, wie beispielsweise Rhinoviren oder Parainfluenza-Viren in Frage. Außer Bordetellen können aber auch RSV, Adenoviren, Moraxella catarrhalis, Mykoplasma pneumoniae oder Chlamydia pneumoniae ein keuchhustenähnliches Krankheitsbild verursachen. Bei Säuglingen kommt auch Chlamydia trachomatis als möglicher Erreger in Frage. Bei Jugendlichen und Erwachsenen muss bei jedem chronischen Husten, der den Verdacht auf Keuchhusten lenken kann, natürlich auch eine Reihe anderer infektiöser und nichtinfektiöser Differentialdiagnosen in Betracht gezogen werden. Dazu gehören unter anderen die Tuberkulose, ein Bronchialasthma, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Fremdkörper in den Atemwegen oder Tumore.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Therapie des Keuchhustens:

„Da die typischen Hustenanfälle im wesentlichen durch die von den Bakterien gebildeten Toxine verursacht werden, kann eine Behandlung mit einem Antibiotikum den Krankheitsverlauf nur dann verkürzen oder abmildern, wenn es schon im Stadium catarrhale (1. bis 2. Woche) oder wenigstens im frühen Stadium convulsivum verabreicht wird. Dennoch soll auch bei späterer Diagnosestellung mit Erythromycin oder einem anderen Antibiotikum aus der chemischen Gruppe der Makrolide für zwei Wochen in hoher Dosierung behandelt werden, um die Ansteckungskette zu unterbrechen. Sekundärinfektionen machen gegebenenfalls eine angemessene Behandlung mit einem anderen Antibiotikum notwendig. Die Häufigkeit und die Schwere der Hustenattacken können möglicherweise durch die Anwendung von Steroiden oder Substanzen, die das sympathische Nervensystem stimulieren (Sympathomimetika), günstig beeinflusst werden. Jedoch sind Dosierung, Dauer und Art der Anwendung noch nicht zuverlässig geklärt. Wichtige Allgemeinmaßnahmen sind eine reizarme Umgebung, reichliche Flüssigkeitszufuhr und häufige kleine Mahlzeiten.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Vorbeugung des Keuchhustens:

a) Die Keuchhusten-Impfung

„Zur primären Prophylaxe existiert eine wirksame (Schutzrate 80 bis 90 %) und gut verträgliche Impfung. Heute werden azelluläre Impfstoffe verwendet, die viel besser verträglich sind als die früher gebräuchlichen Ganzkeimimpfstoffe. Sie enthalten nicht mehr den ganzen Keim, sondern nur noch jene Bestandteile des Erregers, die eine Immunantwort im Körper des geimpften Kindes hervorrufen. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt die dreimalige Impfung im ersten Lebensjahr, beginnend in der 9. Lebenswoche, sowie einer Auffrischung zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat (Grundimmunisierung). Außerdem sollen Kinder mit 5 bis 6 Jahren sowie Jugendliche zwischen dem 9. und 18. Geburtstag routinemäßig eine Auffrischung gegen Keuchhusten erhalten. Wenn sie im Kindesalter noch nicht oder nicht ausreichend geimpft wurden, soll die Grundimmunisierung ebenfalls nachgeholt werden. Erwachsene sollten generell einmalig eine Impfung gegen Keuchhusten erhalten. Insbesondere seronegative Frauen mit Kinderwunsch sollten vor Schwangerschaftsbeginn geimpft werden. Besteht bereits eine Schwangerschaft, sollte sich die Mutter so bald wie möglich nach der Geburt impfen lassen. Ebenfalls sollte der Impfstatus aller Haushaltsangehörigen wie Vater bzw. PartnerIn, Geschwister, Großeltern etc. überprüft und ggf. aktualisiert werden.

Seit Herbst 2009 empfiehlt die Ständige Impfkommission für alle Erwachsenen, bei der nächst fälligen Tetanus/ Diphtherie-Impfung einmalig eine Kombinationsimpfung mit dem Impfstoff gegen Pertussis zu verabreichen (ein monovalenter Pertussis-Impfstoff steht aktuell nicht zur Verfügung).

Als Impfreaktionen könne schmerzhafte Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle sowie Temperaturerhöhung innerhalb von ein bis drei Tagen als normale Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff auftreten. Grippeähnliche Symptome oder Magen-Darm-Beschwerden treten gelegentlich auf. In einigen Ausnahmefällen schreien Säuglinge und Kleinkinder als Reaktion auf die Impfung schrill und anhaltend. Erwachsene haben gelegentlich nach der Impfung muskelkaterähnliche Beschwerden und eine Muskelschwellung. Überempfindlichkeitsreaktionen sind sehr selten zu beobachten. Andere Nebenwirkungen, wie Krämpfe, die das eventuell auftretende Fieber begleiten können, sind selten und haben keine Folgen. Fiebersenkende Medikamente können bei Kindern, die zu Fieberreaktionen neigen, diese Nebenwirkung deutlich vermindern. Seit Einführung der azellulären Impfstoffe hat die Zahl der Impfungen gegen Keuchhusten zwar zugenommen, ist aber immer noch nicht ausreichend. Da es zurzeit keinen monovalenten Impfstoff gibt, ist eine Impfung nur mit Kombinationsimpfstoffen möglich; hier wird kombiniert gegen Keuchhusten, Wundstarrkrampf, Diphtherie und gegebenenfalls gegen Kinderlähmung geimpft.

Eine passive Immunisierung mit Antikörpern gegen Keuchhusten-Bakterien zum Schutz von Menschen, die Kontakt zur Erkrankten hatten, hat sich als nicht wirksam erwiesen und ist nicht mehr im Handel. Die Impfung bietet keine Garantie auf eine völlige Immunität, man kann trotz Impfung an Keuchhusten erkranken.“

(Quelle: Wikipedia)

b) Chemoprophylaxe des Keuchhustens

„Nach engem Kontakt von keuchhustenempfänglichen Personen mit ansteckungsfähigen Keuchhustenpatienten ist eine antibiotische Behandlung in gleicher Weise wie bei Erkrankung zur Verhinderung des Ausbruchs der Erkrankung sinnvoll. Bei nur fraglichem oder flüchtigem Kontakt ist eine genaue Beobachtung ausreichend. Bei Auftreten von Hustensymptomen sollte dann unverzüglich eine Untersuchung auf Keuchhustenerreger und eine antibiotische Behandlung eingeleitet werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Isolierung bei Keuchhusten:

„Patienten sind noch bis zu 7 Tage nach Beginn einer antibiotischen Therapie ansteckungsfähig und sollten für diesen Zeitraum isoliert werden. Ohne entsprechende Behandlung bleibt die Ansteckungsfähigkeit weit bis ins Stadium convulsivum hinein bestehen. Deshalb dürfen solche Patienten auch erst vier bis sechs Wochen nach Diagnosestellung wieder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen. Es kann bei diesen Patienten die Ansteckungsfähigkeit außerdem vor Wiederzulassung zu einer Gemeinschaftseinrichtung durch eine Erregeranzüchtung untersucht werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Geschichte des Keuchhustens:

„Erste Beschreibungen des Keuchhustens werden dem französischen Arzt Guillaume de Baillou zugeschrieben und datieren aus dem 16. Jahrhundert, aber es gibt ältere Zuschreibungen. Er grenzte den tussus quinta (lateinisch fünfter Husten) unter anderem vom Krupphusten ab. Ein Jahrhundert später beschäftigte sich unter anderen englischen Ärzten der berühmte Mediziner Thomas Sydenham unter der Bezeichnung Pertussis mit dem Keuchhusten. Erst im Rahmen von großen Epidemien im 18. Jahrhundert wurde der Keuchhusten als eigenständiges Krankheitsbild definiert. Es folgte ein Jahrhundert der rein klinischen Beschreibungen, bis schließlich 1906 der belgische Bakteriologe Jules Bordet zusammen mit seinem Kollegen Octave Gengou den später nach ihm benannten Keuchhustenerreger isolieren konnten. Damit ebneten sie nicht zuletzt auch den Weg zu einer 1933 erstmals eingeführten Impfung.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

Die Entscheidung der Regierungskoalition, Zulassung und Verordnungsfähigkeit von Fertigarzneimitteln mit natürlichen oder synthetischen Cannabis-Wirkstoffen (Cannabinoiden) zu erleichtern, wird von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. und der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. unterstützt. „Es ist an der Zeit, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen“,erklärt der Göppinger Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga.

Mit dem teilsynthetisch hergestellten Cannabinoid Dronabinol, das aus natürlichen Cannabinoiden gewonnen wird, haben die Schmerztherapeuten bei verschiedenen Schmerzerkrankungen gute Erfahrungen gemacht. Denn Dronabinol darf – im Gegensatz zum natürlichen Extrakt der Hanfpflanze – auch schon unter den geltenden gesetzlichen Regelungen produziert und ärztlich verordnet werden. Zum Einsatz kommt die Substanz zum Beispiel bei Schmerzen nach Polioerkrankungen oder Schmerzformen wie Fibromyalgie, die durch eine mangelhafte körpereigene Schmerzkontrolle ausgelöst werden. Auch spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose können mit dem Hanfwirkstoff häufig besser behandelt werden als mit anderen Medikamenten. „Wenn Gesetzesänderungen dazu führen, dass Cannabinoide generell leichter erforscht, zugelassen und verordnet werden können, begrüßen wir dies, weil es neue Therapieoptionen eröffnet“, erklärt Müller-Schwefe.

Durch die geplante Gesetzesänderung soll aber auch eine Praxis legalisiert werden, welche Schmerztherapeuten und Palliativmediziner schon lange aus der Not heraus pflegen: Sie lagern für Notfälle starke Schmerzmittel (Opioide) ein, die Patienten zurückgegeben haben, weil sie diese nicht mehr brauchen. Denn es geschieht immer wieder, dass Schmerzmediziner Patienten am Wochenende notfallmäßig ein starkes Schmerzmittel verordnen müssen, die Apotheken jedoch keine vorrätig haben. „Wir freuen uns, dass die Politik nun endlich unsere Forderungen umsetzt und unser Vorgehen legalisiert“, sagt der Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=31106

Kommentar & Ergänzung:

Ich gehe mal davon aus, dass die geschilderte Praxis, wonach in der Palliativmedizin Opioide quasi illegal für Notfälle gehortet werden müssen, in der Schweiz nicht vorkommt – und dass bei uns die notwendigen Medikamente zur verfügen stehen.

Dronobinol ist auch in der Schweiz ein Thema. Infos dazu hier:

Cannabis als Heilmittel zulassen!

Interessant in der Stellungnahme der Gesellschaft für Schmerztherapie ist der Hinweis auf Polio (Kinderlähmung) und Fibromyalgie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schneeglöckchen – eine Heilpflanze?

Jetzt im Februar sind sie gerade am Aufblühen, die Schneeglöckchen, Gestern fragte mich jemand, ob Schneeglöckchen zu den Heilpflanzen gehört.
In den Phytotherapie-Fachbüchern fehlt das Schneeglöckchen und auch in den Werken der traditionellen Pflanzenheilkunde taucht es gar nicht auf oder dann nur sehr am Rande.
In diesem Sinne kann man die Schneeglöckchen wohl nicht zu den Heilpflanzen zählen.

Galanthamin zur Alzheimer-Behandlung

Allerdings entdeckte Anfang der 50er Jahre ein bulgarischer Pharmakologe im kaukasischen Schneeglöckchen (botanische Bezeichnung Leucojum aestrivum L.) den Inhaltsstoff Galanthamin. Ursprünglich kam diese Substanz zur Therapie von bspw. Kinderlähmung, Nervenschmerzen oder Myastenie zum Einsatz. Erst in den 80er Jahren wurde erkannt, dass Galanthamin sich auch ausgezeichnet zur signifikanten Verlangsamung des Krankheitsverlaufes in der Alzheimer-Therapie eignet. Der für das Erkrankungsbild charakteristische Mangel an Acetylcholin, einem Botenstoff (Neurotransmitter), der an der Synapse als Überträger des Nervensignals dient, kann durch Verlangsamung des natürlichen Abbaues, verursacht durch ein Enzym namens Acetylcholinesterase, vermindert werden. Galanthamin zählt deshalb zur Wirkstoffklasse der Acetylcholinesterase-Inhibitoren.
Galanthamin wird seit 1997 synthetisch hergestellt. Vorher konnte Galanthamin nur in einer Jahresmenge von 20 bis 40 kg aus kaukasischen Schneeglöckchen gewonnen werden. Seit 1998 gibt es Produktionanlagen, welche die Herstellung von mehreren Tonnen Galanthamin pro Jahr gestatten und so eine weltweite Versorgung des Pharmamarktes mit diesem Wirkstoff ermöglichen.
Mitte 2000 wurde Galanthamin europaweit zur Behandlung von Morbus Alzheimer zugelassen.

Inhaltsstoffe aus Heilpflanzen werden oft isoliert angewendet. Das macht zum Beispiel Sinn bei Stoffen, die eine kleine therapeutische Breite haben, bei denen also die wirksame und die toxische Dosis nahe beieinander liegen. Solche Stoffe kann man als Tee oder Tinktur nicht präzis genug dosieren, in isolierter Form aber sehr wohl. Diese Naturstoffe gehören dann zum Bereich von Medizin und Pharmakologie, während die Phytotherapie in der Regel mit einem ganzen “Team” von Wirkstoffen aus einer Heilpflanze arbeitet.
Beides hat seine Vor- und Nachteile – der “Solist” wie auch das ganze “Orchester”. Galanthamin ist ein gutes Beispiel für einen Naturstoff, der quasi in die Medizin gewandert ist und sich dort etabliert hat. Womit wir wieder beim Thema Schneeglöckchen & Alzheimer-Therapie wären.
Während Galanthamin also ganz und gar zur Medizin gehört, werden in der Phytotherapie bezüglich Alzheimer-Therapie vor allem Ginkgo-biloba-Extrakte erforscht.

Zur Kulturgeschichte des Schneeglöckchens gibt es übrigens noch eine schöne Geschichte:
Im Sommergarten von Petersburg hatte, wie 1859 festgestellt wurde, Tag und Nacht ein Posten an unerklärlicher Stelle Wache gestanden. Als der damalige Zar Alexander II. einmal fragte, was es dort denn zu bewachen gäbe, musste zuerst nachgeforscht werden. Keiner der Höflinge wusste nämlich eine Antwort. Schlussendlich löste sich dann aber das Rätsel doch noch: Katharina der Großen war hundert Jahre (!) zuvor in diesem Park ein früh erblühtes Schneeglöckchen aufgefallen. Damit es nicht abgerissen würde, befahl sie einen Wachtposten dorthin…

Wenn Sie sich für die therapeutischen Wirkungen von Heilpflanzen und für ihre Kulturgeschichte interessieren, empfehle ich Ihnen meine Kurse und Lehrgänge auf www.phytotherapie-seminare.ch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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