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EFSA publiziert Sicherheitsevaluation für Catechine im Grüntee

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine Evaluation der Sicherheitsdaten von Catechinen im Grüntee durchgeführt. Grund dafür waren Meldungen von Leberschäden, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Verwendung von Grünteeprodukten stehen.

Catechine sind die wichtigsten Flavonoide, die im Grüntee enthalten sind, wobei mengenmässig Epigallocatechingallat (EGCG) dominiert.

Die EFSA kommt in ihrer Untersuchung zum Schluss, dass Catechine in Aufgüssen und anderen Grünteegetränken generell sicher sind.

In Europa wird die aufgenommene Tagesmenge an EGCG über traditionelle Grünteeaufgüsse auf 90 bis 300 mg geschätzt.

Bei Erwachsenen, die Grünteegetränke in grossen Mengen konsumieren, kann sie bis zu 866 mg erreichen. Der regelmässige Genuss von Grüntee ist sehr beliebt. Beobachtungsstudien vor allem aus China und Japan zeigen, dass Grünteekonsumenten ein verringertes Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen haben.

Andererseits können mit Schlankheitsprodukten auf der Basis von Grüntee für Erwachsene durchaus Catechindosen von über 800 mg/Tag zugeführt werden.

Bei so hohen Tagesdosen ist der Verdacht auf Leberschädigung aufgetaucht. Fachleute konnten bisher noch keine sichere Dosis definieren.

Bei Tagesdosen unter 800 mg gibt es keine Hinweise auf Leberschädigung.

Bei Recherchen wurden sehr variable Mengen an EGCG-Tagesdosen aus Nahrungsergänzungsmitteln mit Grüntee (5-1000 mg Catechine) gefunden.

Eine Rolle könnte auch die unterschiedliche Art der Einnahme spielen: Während Teeaufgüsse üblicherweise mit der Nahrung und über den Tag verteilt getrunken werden, werden Nahrungsergänzungsmittel eher nüchtern und als einzelne Tagesdosis eingenommen.

Um den Verbraucherschutz zu verbessern empfiehlt die EFSA, Grünteeprodukte deutlicher zu kennzeichnen mit Angabe des Catechingehalts. Darüber hinaus rät sie zu weiteren Studien zur Wirkung von Grünteecatechinen.

Literatur:

_European Food Safety Authority, Scientific opinion on the safety of green tea catechins, 18.04.2018

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5685&NMID=5685&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Grünteekonsum in Mengen, wie sie in China und Japan üblich sind, unschädlich ist, erscheint jedenfalls plausibel. Mit Nahrungsergänzungsmitteln kann man aber EGCG in Dosen aufnehmen, die weit darüber hinaus gehen. Hier ist Vorsicht durchaus angebracht. Die Empfehlung der EFSA, den Catechingehalt bzw. EGCG-Gehalt von Grünteeprodukten besser zu deklarieren, ist daher sinnvoll.

Bei Grüntee-Extrakten würde ich auch eine Angabe des DEV begrüssen. Dadurch lässt sich mindestens annähernd umrechnen, wieviel Tassen Grüntee eine Kapsel mit Grüntee-Extrakt entspricht. DEV = Droge-Extrakt-Verhältnis („Droge“ meint hier: getrocknete Arzneipflanze). Eine Erklärung zum DEV findet sich auf Wikipedia:

« Das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV), genau genommen das „native“ Droge-Extrakt-Verhältnis (DEVnativ), wird bei Drogenextrakten deklariert. Es gibt an, welche Ausgangsmenge an Droge für die Bereitung einer bestimmten Menge des Extraktes eingesetzt wurde. Für einen Trockenextrakt mit einem DEV von z. B. 10:1 bedeutet dies, dass 1 Teil Trockenextrakt aus 10 Teilen Droge gewonnen wurde, also wurde für die Bereitung von 10 g Trockenextrakt 100 g Droge eingesetzt. Mit dieser Zahl kann bei der Dosierung des pflanzlichen Arzneimittels immer auf die dafür eingesetzte Drogenmenge umgerechnet werden. Damit können auch verschiedene Trockenextrakte einer Droge in ihrer Qualität verglichen werden und Rückschlüsse auf die Anreicherung der Inhaltsstoffe gezogen werden. Trockenextrakte haben je nach eingesetztem Pflanzenteil ein DEV von 5 bis etwa 50:1, Fluidextrakte (Flüssigextrakte) haben ein DEV von 1:1 bis 1:2, Dickextrakte (zähflüssige Extrakte) beispielsweise 3-6:1, Tinkturen und andere alkoholische Extrakte meist 1:7 bis 1:9 bzw. 1:4 bis 1:4,5, je nachdem welche Menge Alkohol für die Extraktion der Droge eingesetzt wurde.»

Quelle: Wikipedia

Die erwähnten Beobachtungsstudien, die auf ein verringertes Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Grünteekonsumenten hinweisen, sind zwar interessant, können aber eine Wirksamkeit nie einwandfrei belegen.

Bei Beobachtungsstudien werden Bevölkerungsgruppen verglichen und es wird nach Zusammenhängen zwischen dem Auftreten von bestimmten Krankheiten und zum Beispiel bestimmten Ernährungsgewohnheiten geforscht.

Wenn man aber nun beispielsweise eine japanische und eine europäische Bevölkerungsgruppe vergleicht und dabei feststellt, dass in der japanischen Gruppe – die deutlich mehr Grüntee konsumiert – bestimmte Krebsarten seltener sind, dann ist damit noch nicht klar belegt, dass dieser Unterschied auf den Grünteekonsum zurückzuführen ist. Menschen in Japan unterscheiden sind an vielen Punkten von Menschen in Europa. Sie essen zum Beispiel auch mehr Soya, mehr Fisch, mehr Gemüse, weniger Fleisch….

In den Beobachtungsstudien zeigten sich die positiven Effekte von Grüntee zudem erst bei Gruppen, die relativ hohe Dosen täglich konsumierten, etwas 8 – 10 (japanische) Tassen.

Fazit: Wer Grüntee gern hat, kann ihn problemlos als Genusstee trinken, aber lieber nicht in exzessiv hohen Dosen. Mit konzentrierten Grüntee-Präparaten wäre ich zurückhaltend, vor allem, wenn es ausschliesslich um Vorbeugung geht.

Wer trotz fehlendem eindeutigem Wirksamkeitsnachweis Grüntee zum Beispiel zur Metastasen-Prophylaxe bei Krebserkrankungen einsetzen möchte, muss tägliche mehrere Tassen Grüntee trinken, allerdings nicht direkt wärhend einer Chemotherapie, da Grüntee die Wirksamkeit der Chemotherapie reduzieren kann.

Für den erwähnten Einsatz von Grüntee-Präparaten als Schlankheitsprodukte fehlen überzeugende Wirksamkeitsbelege.

Siehe dazu:

Grüntee zur Gewichtsreduktion? (1)

Grüntee zur Gewichtsreduktion? (2)

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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WHO wünscht Ausbau der Palliative Care

Nur 20 Länder – darunter Österreich, Deutschland und die Schweiz – bieten eine gute Behandlung für unheilbar Kranke.

Die Behandlung unheilbar kranker Menschen lässt in den meisten Ländern der Erde stark zu wünschen übrig. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Nur 20 Ländern – darunter Österreich, Deutschland und der Schweiz – könne ein angemessenes System der Palliative Care bescheinigt werden, stellen die Autoren der WHO-Studie fest.

Im Jahr 2011 seien drei Millionen Patienten mit Mitteln der Palliativmedizin therapiert worden. Nach einer Studie aus dem Jahr 2008 hätten jedoch bereits damals 20 Millionen Patienten eine derartige Behandlung erhalten sollen. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz bescheinigt die WHO-Studie auch Belgien, Frankreich, Island, Irland, Italien, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweden, Großbritannien und Australien, Kanada, Hongkong, Japan, Singapur, Uganda und den USA ein ausreichendes Netzwerk der Palliative Care. Mängel gebe es insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Die WHO sieht die Versorgung mit Mitteln der Palliative Care als „Menschenrecht“. Die Ärztin Maria Cecilia Sepulveda Bermedo, die an der aktuellen Studie mitarbeitete, sieht die unzureichende Belieferung mit Morphin als „Hauptproblem“ des Sektors. Das Problem werde sich zudem mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft verschärfen, stellt die WHO fest.

Quelle:

http://derstandard.at/1389858589255/WHO-wuenscht-Ausbau-der-Palliativ-Medizin

http://www.who.int/nmh/Global_Atlas_of_Palliative_Care.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Zum Problem der mangelhaften Versorgung  von Krebspatienten mit Schmerzmitteln wie Morphium und Codein siehe:

Weltweit Millionen Krebspatienten ohne angemessene Schmerzmittel

Zum Thema Heilpflanzen-Anwendungen in der Palliative Care:

Argumente für Heilpflanzen-Anwendungen in der Palliative Care

Heilpflanzen-Anwendungen in der Palliative Care

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Walfang: Japan missachtet wiederum Moratorium

Eine japanische Walfangflotte ist ungeachtet internationaler Proteste wieder ausgelaufen, um in der Antarktis Jagd auf Wale zu machen.
Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, dass drei Schiffe im westjapanischen Shimonoseki abgelegt haben. Die Flotte will bis März knapp eintausend Zwergwale und 50 Finnwale erlegen. Der Walfang geschehe aus wissenschaftlichen Gründen.

Diese Begründung nutzt Japan als Schlupfloch, um das seit Jahren bestehende Moratorium für kommerziellen Walfang zu umgehen.

Dass das Walfleisch nach den „Untersuchungen“ verkauft und gegessen wird, stellt keinen Verstoß gegen das Moratorium dar.

Kritiker sehen darin jedoch nur einen Vorwand.

Zu der ausgelaufenen Walfängerflotte zählt auch ein Patroullienschiff, dass Störaktionen der Umweltorganisation „Sea Shepherd“ verhindern soll. In der vergangenen Walfang-Saison hatte Japan 103 Zwergwale getötet. Es war das kleinste Fangergebnis seit Beginn des so genannten wissenschaftlichen Walfangs. Als Gründe für die geringe Beute gaben die Walfänger schlechtes Wetter und Störungen durch die „Sea Shepherd“ an.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.58.de.html?drn:news_id=296698

Kommentar & Ergänzung:

Gäbe es einen Preis für die dümmste Ausrede, wäre Japan mit seinem „Walfang aus wissenschaftlichen Gründen“ ein valabler Kandidat.

Diese seit Jahren aufgetischte faule Ausrede ist eine Beleidigung der Weltöffentlichkeit.

Ich würde es jedenfalls vorziehen, wenn Japan offen sagen würde: Wir halten uns nicht an dieses Moratorium.

Gut – aber möglicherweise gibt es da kulturelle Unterschiede zwischen Europa und Asien und die Japaner glauben vielleicht, mit einer solchen Begründung könnten sie einem Konflikt aus dem Weg gehen und die Harmonie in den internationalen Beziehungen aufrecht erhalten.

Das scheint mir aber eine Täuschung. Mit solch dummen, leicht durchschaubaren Ausreden macht man sich wohl eher lächerlich.

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Studie: Koffein soll Blutfluss verstärken

Kaffee ist nicht nur ein Wachmacher. Er soll auch den Blutfluss verstärken.

Zu diesem Resultat kommen zumindest Wissenschaftler der Universität Ryukyus in Japan.

Die Studie wurde nun an einem Kongress der  American Heart Association vorgestellt.. Danach zeigten die 27 Probanden der Untersuchung, die eine Tasse Kaffee getrunken hatten, für 75 Minuten einen um 30 Prozent verbesserten Blutfluss in den Fingern. Die Messungen am Finger sind besonders aussagekräftig, weil sich dort besonders viele kleine Blutgefäße befinden. Frühere Studien legen bereits nahe, dass durch das Kaffeetrinken die Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle sinken. Weshalb das Koffein dazu beiträgt, den Blutfluss zu verbessern, wissen die Wissenschaftler aus Japan allerdings nicht.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=294909

http://www.asianscientist.com/health-medicine/caffeine-perk-me-up-linked-improved-blood-flow-2013/

Kommentar & Ergänzung:

Ob und in welcher etablierten Fachzeitschrift die Studie publiziert wurde, ist mir nicht ersichtlich. Das wäre ein Qualitätsmerkmal. Die Präsentation an einem Kongress sagt diesbezüglich noch nicht viel aus. „asianscientist“ ist offenbar nur ein Newsportal.

Aber nehmen wir mal an, die Resultate haben Hand und Fuss:

Dann müsste eine Tasse Kaffee eine gut wahrnehmbare positive Wirkung bei kalten Händen haben – und dies natürlich über den Effekt hinaus, den das Halten einer warmen Tasse in der Hand hat. Da ich kaum kalte Hände habe, kann ich das nicht gut beurteilen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Alternative Krebstherapie mit Benalu-Tee?

„Alternative Heilmethode hilft bei der Behandlung von Krebs – Benalu Tee tötet Krebszellen ab“ – so titelt ein Internetportal, das sich „Forschung und Wissen“ nennt, aber von einer Marketingagentur betrieben wird und daher wohl hauptsächlich Produkte verkaufen will.

Die Schlagzeile ist insofern manipulativ, als sie ein wesentliches Detail unterschlägt.

Vollständig müsste es nämlich heissen:

„Wirkstoffe aus der Benalu-Pflanze (Scurrula atropurpurea) töten Krebszellen im Labor“.

Tönt aber nicht so attraktiv.

Der entscheidende Punkt dabei: Es zeigen tausende von Naturstoffen im Labor eine Wirkung auf Krebszellen. Das bedeutet aber leider noch lange nicht, dass sie auch zur Bekämpfung von Krebs im menschlichen Organismus geeignet sind. Im Labor kann man die Substanzen nämlich höchst konzentriert auf Krebszellen loslassen. Eine ganz andere Frage ist jedoch, ob derart hohe Konzentrationen auch im Körper erreicht werden können. Dem steht unter Umständen eine eingeschränkte Aufnahme aus dem Verdauungstrakt entgegen. Und manchmal können Naturstoffe im Labor zwar isolierte Krebszellen töten, doch schädigen sie in der wirksamen Konzentration im Organismus gesunde Zellen genauso. Im Labor, wo man isolierte Krebszellen verwenden kann, spielt dieses Problem natürlich keine Rolle.

Im Beitrag von „Forschung und Wissen“ wird die Forschung mit Benalu Tee so beschrieben:

„In mehreren Arbeitsgruppen haben die Wissenschaftler verschiedene biologische und chemische Analysen an der Pflanze durchgeführt. Da die Pflanzenfamilie bereits in der traditionellen Medizin bekannt ist, sei der Gedanke, einen positiven Befund zu den heilenden Eigenschaften der Pflanze nicht unbegründet, so die Forscher. Die Wissenschaftler analysierten im ersten Arbeitsschritt alle chemischen Bestandteile der getrockneten Pflanze und der im Teewasser gelösten Stoffe. Die Auswertung der Untersuchung ergab, dass der Benalu Tee insgesamt 16 verschiedene Substanzen in unterschiedlichen Konzentrationen im heißen Wasser freisetzt.

Im letzten und wichtigsten Schritt haben die Wissenschaftler die Substanzkombinationen und deren Wirkung auf Krebszellen untersucht.“

Das ist klassische „In-vitro“-Forschung (Laborexperimente). Verschiedene Verkäufer von Benalu-Tee verweisen auf diese Arbeiten einer japanischen Universität, die allerdings nicht mehr ganz taufrisch sind und 2003 in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden.

Das Fazit der Studie beschreibt die Marketingagentur so:

„Die Auswertung der Studie zeigte, dass der Benalu Tee tatsächlich eine unterstützende Wirkung bei der Behandlung von Krebs zeigt.“

Das kann eine Laborstudie gar nicht zeigen. Dazu wären Patientenstudien nötig. Ich finde diese Formulierung aber auch nicht in der Studie.

(http://www.mister-wong.de/doc/cancer-cell-invasion-inhibitory-effects-of-chemical-constituents-in-the-parasitic-plant_261020567/ )

Weiter:

„Über den Verdauungsprozess gelangen die Substanzen in den Blutkreislauf, von wo sie sich im ganzen Körper verteilen.“

Das haben die Forscher in Japan nicht untersucht. Dazu wäre eine Pharmakokinetik-Studie nötig (Wie passiert mit den Wirkstoffen im Körper? Aufnahme, Umwandlung, Ausscheidung).

„Unreife Krebszellen, die kurz davor stehen zu reifen Krebszellen zu mutieren, werden am Wachstum gehindert und sogar abgetötet, so die Forscher.“

Wie gesagt: Im Labor…..

Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie eine Laborstudie überinterpretiert wird, um eine Wirkung zu suggerieren.

Solche Einwände haben es allerdings schwer. Viele Menschen wollen beim Thema „Krebs“ lieber Erfolgsmeldungen hören, auch wenn sie mehr oder weniger gefaked sind.

Das lindert allemal die Angst.

Dass Benalu Tee als Antikrebstee vermarktet wird, hat bisher jedenfalls keinen realen Boden. In den neusten Fachbüchern der pflanzlichen Wirkstoffkunde ist Scurrula atropurpurea gar nicht aufgeführt (z. B. Teuscher / Melzig /Lindequist, Biogene Arzneimittel 2012; Hänsel / Sticher, Pharmakognosie, Phytopharmazie 2010).

Grosse Fortschritte wird die Forschung betreffend Benalu Tee seit 2003 also wohl nicht gemacht haben, sonst hätte die Fachliteratur das Thema aufgenommen.

Quelle der Zitate:

http://www.forschung-und-wissen.de/medizin/benalu-tee-toetet-krebszellen-ab-3572055/

In einer Propaganda-Broschüre für den Benalu-Tee wird er empfohlen gegen Krebs-Tumore, Schwellungen, Wunden, Blutungen, Geschwüre, Entzündungen, Asthma, Blasensteine, Hexenschuss, Hustenallergien und zur Kräftigung sowie Stärkung der Immunabwehr.

Wenn die Erfolgsversprechungen so umfassend werden, ist das immer ein Alarmsignal, das auf unseriöse Propaganda hindeutet.

Benalu-Tee unterbinde die Weiterentwicklung eines nach einer Chemotherapie verbleibenden Rezidivs (erneutes Krebswachstum), verspricht die Broschüre weiter. Und ein verbleibendes Rezidiv wie bei der Chemotherapie sei so gut wie ausgeschlossen!

Das sind wahnsinnig hochtrabende Versprechungen. Um auf einer seriösen Basis solche Aussagen machen zu können,  wären erfolgreiche Studien mit Patienten nötig.

Aber machen Kreisen reicht offenbar schon eine Laboruntersuchung, um einen Antikrebstee zu erfinden. Wir haben es hier meines Erachtens mit einem üblen Spiel von Fantasten oder Betrügern zu tun, die mit den Hoffnungen von Patienten fragwürdige Geschäfte machen.

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Farbtherapie: Aura Soma

Die österreichische Zeitung „Der Standard“ nimmt die Aura-Soma-Therapie etwas genauer unter die Lupe.

94 rechteckige Glasfläschchen (Balanceflaschen), 14 einfarbige Tinkturen (Pomander) und weitere 14 einfarbige Duftessenzen (Quintessenzen) dienen als Werkzeug in der Aura-Soma-Therapie. Durch die Schwingungen von Farbe und Licht soll die Aura von Menschen geheilt werden.

Aura Soma soll dabei über die Haut auch physische Heilungsprozesse positiv beeinflussen.

Die 94 Balanceflaschen sind zu je einer Hälfte mit buntfarbigem Öl und zur anderen Hälfte mit gleichem oder andersfarbigem Wasser gefüllt.  Gemäss der Aurasoma-Theorie sollen sie farbige Schwingungsenergie enthalten. Der Klient soll intuitiv vier Farbkombinationen auswählen. Die Aura-Soma-Beraterin interpretiert diese Vorlieben und schliesst anhand der Farbwahl auf Persönlichkeitsmerkmale, eventuelle Probleme, mögliche Lebensaufgaben und Zukunftsperspektiven.

Diagnostische Hinweise sollen aber nicht nur die Farben geben, sondern auch die Bläschen, die durch ritualisiertes Schütteln der Öl-Wasser-Mischung entstehen. Auf die Haut aufgetragen, sollen die pflanzlichen oder mineralischen Wirkstoffe über Lymph- und Blutgefäße außerdem kranke Körperregionen erreichen, die einer Heilung bedürfen.

Heiko Hecht vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz hält allerdings eine Wirkung von Aura Soma über die Haut für völlig unplausibel, da der Mensch für Farben nur das Auge als Rezeptor besitzt. Er bezeichnet Farbtherapien als reine Stimulationstherapien, die auf dem Angebot stark variierender Farbreize basieren. Wenn man jemandem zuerst stark flackernde bunte Farben anbiete und anschließend sanfte Farbtöne, dann habe das sicher eine beruhigende Wirkung. Dieser Effekt sei jedoch nicht durch die Farben selbst bedingt, sondern durch den angebotenen Kontrast.

Farben wirken geprägt vom kulturellen Kontext

Farben wirken nicht biologisch, sondern durch den kulturellen Kontext, erklärt Hecht und verweist als Beispiel auf die Farbe Gelb, die in der westlichen Welt für Neid und Eifersucht steht, in Japan dagegen für Mut und Stärke. Farbgestaltung sei eine Frage der Ästhetik. Von der Postulierung universaler Farbwirkungen – wie es Auro Soma macht – hält Hecht nichts.

Der Frage, wie rosa Gefängniszellen auf Inhaftierte wirken, ist hat Hecht selbst untersucht. In einer Studie dokumentierte er die Wirkung von Baker-Miller-Pink auf die kognitive Leistungsfähigkeit und Stimmung von Schülern. Seine Skepsis wurde dabei bestätigt. Er konnte keine signifikanten Auswirkungen auf Leistung oder Stimmung feststellen.

Der Grund, weshalb die Farbe Rosa keine besänftigende Wirkung hat, liegt in der Fähigkeit des Menschen zur Adaption. Wenn Farbe einen Effekt hätte, dann wäre dieser so oder so spätestens nach drei Tagen verschwunden, erklärt Hecht.

Basis der Aura-Soma-Therapie ist aber auch die Theorie, dass Lieblingsfarben immer Ausdruck des inneren Selbst sind. Ganz falsch liege Aura Soma hier nicht, bestätigt Hecht. Die Farbwahl bei Kleidung zum Beispiel mache auf jeden Fall Rückschlüsse auf die Psyche möglich. Allerdings sei auch hier der kulturelle Hintergrund für eine Interpretation von Bedeutung.

Dass die bunten Aura-Soma-Fläschchen umgekehrt seelische und körperliche Beschwerden lindern, ist für Hecht nicht plausibel. Beschreibungen im Internet tragen auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Beispielsweise soll der rote Pomander Überlebensängste lindern, Poltergeist-Phänomene zum Verschwinden bringen und elektromagentische Polaritäten im Körper ausbalancieren. Und mit den Quintessenzen sollen sich gar spirituelle Verbindungen zu hoch entwickelten Seelen, sogenannten Meistern, aufbauen lassen. Die hellblaue Quintessenz El Morya soll auf diese Art Klärung für Menschen ermöglichen, die nicht gut auf ihre Eltern zu sprechen sind.

Quelle:

http://derstandard.at/1363239184348/Aura-Soma-Mit-schwingender-Farbe-die-Aura-heilenl

Kommentar & Ergänzung:

Dass Farben unsere Stimmung beeinflussen können und etwas über uns aussagen, liegt für mich auf der Hand.  Aber wie der Beitrag im „Standard“ schon aussagt: Das ist individuell unterschiedlich und zugleich auch stark kulturell geprägt. Allgemeingültige Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen.

Fragwürdig an solchen esoterischen Theoriegebäuden wie Aura Soma finde ich vor allem, dass sie auf einer ganz schmalen Basis (hier: Farben) auf fast alle Fragen eine Antwort und für fast alle Probleme eine Lösung anbieten. Diese Aufladung ist wohl nötig, wenn man Farbstoffe derart teuer verkaufen will. Aber es spricht halt auch einfach sehr viele Leute an, wenn derart easy scheinbar alle Schwierigkeiten im Leben aufzulösen sind. Solche „Fastfood“-Ansätze passen perfekt zum Zeitgeist.

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Test: Bioresonanz bei Nahrungsmittelallergie – lauter Fehldiagnosen

Die Bioresonanztherapie wird angeboten zur Behandlung von Allergien, Migräne, Neurodermitis, Atemwegserkrankungen, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen und weiteren Krankheiten. Die Methode wurde 1977 von dem deutschen Arzt und Scientologen Franz Morell und seinem Schwiegersohn, dem Ingenieur Erich Rasche als MORA-Therapie eingeführt. Die Bioresonanztherapie hat nichts zu tun mit Biofeedback.

Beim Bioresonanzverfahren sollen mittels Elektroden elektromagnetische Körperschwingungen gemessen und an das Bioresonanzgerät übertragen werden. Der Apparat vergleiche das Körpersignal mit einem festgelegten Sollwert und übermittle korrigierende Signale zurück an den Körper, so die Erklärung der Bioresonanz-Anwender. Das krankhafte Signal werde sozusagen im Gerät zu einer guten Schwingung umgepolt und über die zweite Elektrode zurück zum Patienten geleitet. So sollen nach der Bioresonanz-Lehre pathologische Schwingungen nach und nach aufgelöst und Krankheiten geheilt werden.

In der Alternativmedizin wird Bioresonanz häufig angewendet zur Diagnostik und Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Nahrungsmittelallergien.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich hat eine Testperson von sechs Bioresonanz-Anbietern im Raum Wien untersuchen lassen und kommt zum vernichtenden Resulat: Die Bioresonanztherapie ist teuer und liefert Fehldiagnosen.

Kein einziger Befund deckte sich mit der von einem Allergiezentrum durchgeführten Kontrolluntersuchung, in der unter anderem eine Fruchtzucker- und Milchzuckerunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Zudem unterschieden sich die Befunde der Bioresonanzinstitute fundamental: Das Spektrum erstreckte sich von einer Unverträglichkeit gegen Erdnüsse und Walnüsse über Instantkaffee und Saccharin bis hin zu Milcheiweiß und Weizen.

In einem der getesteten Bioresonanz-Institute wurde der Testperson fälschlicherweise sogar eine zerebrale Durchblutungsstörung attestiert. Die Testperson leidet aber weder unter charakteristischen Symptomen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder Kopfschmerzen, noch wurde diese Erkrankung jemals im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung diagnostiziert. Der VKI kritisiert auch die Ernährungsempfehlungen: Eine ausgewogene Ernährung wäre schier unmöglich, würde man sich an die gegebenen Empfehlungen halten.

Während sie sich in den Diagnosen unterscheiden, haben die getesteten Anbieter die hohen Kosten im Falle einer Therapie gemeinsam. Diese bewegen sich zwischen 50 und 120 Euro pro Sitzung, wobei teils bis zu zehn notwendige Behandlungen in Aussicht gestellt wurden. Bei Erstkonsultationen wurden zum Teil höhere Beträge (bis zu 168 Euro) verlangt. Hätte sich die VKI-Testperson auf eine Behandlung eingelassen, wären im extremsten Fall – inklusive der empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel – bis zu 900 Euro fällig geworden.

Um Bioresonanz durchzuführen braucht es keine Ausbildung – es reicht, ein Gerät zur Verfügung zu haben.

Quelle:

http://derstandard.at/1363705912849/Bioresonanz-Heilen-mit-einem-Luegendetektor

http://derstandard.at/1363709129052/Bioresonanz-bei-Lebensmittelunvertraeglichkeit-unzuverlaessig-und-teuer

Kommentar & Ergänzung:

Am Ursprung des Bioresonanzverfahrens stehen mit (SS-Oberscharführer) Morell, Erich Rasche und Hans Brügemann Leute, die von den obskuren Vorstellungen des Scientology-Gurus  L. Ron Hubbard beeinflusst waren bzw. sind. Sie bestreiten aber eine Ähnlichkeit des Bioresonanzgeräts mit dem ähnlichen E-Meter, das von Scientology eingesetzt wird.

Die Erklärungen zur Wirkungsweise des Bioresonanzgerätes sind durchwegs schwammig und nebulös, und eine ganze Reihe von Überprüfungen ergab keinen Effekt des Verfahrens, der über einen Placeboeffekt hinausgeht.

Quellenangaben und weitere Informationen dazu auf Psiram.

Psychologisch gesehen ist es interessant, wie ein immer wieder mit negativem Ergebnis überprüftes Verfahren derart viele Anhänger gewinnen kann.

Überraschend ist das allerdings nicht. In der Medizingeschichte haben auch völlig absurde Verfahren begeisterte Anhänger gefunden, was sich in der Regel mit dem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss erklären lässt, der zu eindrücklichen Fremd- und Selbsttäuschungen führt.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Ein Beispiel aus der europäischen Vergangenheit sind die beliebten Schluckbildchen, ein Beispiel aus der Gegenwart die anhaltend grosse Nachfrage nach Nashornpulver gegen Potenzprobleme in China und Japan.

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Bioresonanz ist eine technisierte Variante und passt damit gut in unsere Zeit.

Im Bereich der Allergiebehandlung ist es allerdings sehr problematisch,  dass dadurch Fehldiagnosen in derart grosser Zahl in die Welt gesetzt werden.

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„Mehr Sex durch Müsli? Sexcereal soll Lust steigern“

So titelt die Fachzeitschrift „Bild“ gerade.

Verwiesen wird dabei auf den kanadische Unternehmer Peter Ehrlich. Der propagiert seine Sexcereals, Müsli-Mischungen für Männer und Frauen, deren Inhaltsstoffe den Hormon-Haushalt positiv beeinflussen und so das Liebesleben anheizen sollen.

Eine Mischung aus Sesam, Weizenkeimen, Goji-Beeren, Blütenstaub und Kürbiskernen soll die Testosteron-Produktion bei Männern ankurbeln, das Müsli für Frauen soll mithilfe von Salbei-Samen, Ingwer, Leinsamen und Mandeln die Hormon-Balance unterstützen.

Der Hersteller Peter Ehrlich zeigt sich von der stimulierenden Wirkung überzeugt und verweist auf Rückmeldungen seiner Kunden. Das ist allerdings ein ausgesprochen schwaches Argument. Positive Rückmeldungen von Kunden – das zeigt die Medizingeschichte und die aktuelle Therapielandschaft – gibt es auch für die absurdesten Heilmittel und Behandlungsmethoden. Millionen von Männern in Japan und China schwören auf Nashornpulver zur Potenzsteigerung. In Europa hatten auch Schluckbildchen einst eine begeisterte Anhängerschaft und gegenwärtig sind gerade mal wieder viele Konsumentinnen von Schüssler Salzen beeindruckt – die letzte grosse Schüssler-Welle fand im „Dritten Reich“ statt.

Positive Rückmeldungen – das gibt es also praktisch immer. Weil Beschwerden auch von selber wieder bessern und weil das Ritual an sich eine Wirkung hat.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Glücklicherweise ist unser Hormonhaushalt in der Regel stabil genug, damit er nicht schon durch ein Müsli aus dem Gleichgewicht gekippt werden kann.

„Bild“ zitiert dazu noch einen Ernährungswissenschaftler mit der Aussage, dass unser Sexualleben nicht durch Inhaltsstoffe in Lebensmitteln beeinflusst werden kann.

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/ernaehrung/sex-muesli-lust-steigern-hormone-beeinflussen-29651976.bild.html

Der Wunsch nach solchen Effekten scheint aber ziemlich gross zu sein, so dass Argumente hier wenig Wirkung zeigen.

Über einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Sexualität wird allerdings wohl schon seit Urzeiten nachgedacht.

Ziemlich skurril erscheinen aus heutiger Sicht dazu zum Beispiel die Bemühungen von Sylvester Graham (1794–1851)   und John Harvey Kellogg (1852-1943).

Sylvester Graham war ein presbyterianischer Prediger, der sich vor allem Gedanken über die Verbindung von Sexualtrieb und Nahrungsaufnahme machte. Als strammer Puritaner war Graham überzeugt, dass Fleischgenuss die Fleischeslust anrege und speziell die „gefährliche Praktik“ der Masturbation fördere, die, wie er nie vergaß zu unterstellen, angeblich zu Blindheit führe. Allgemein sah Graham im Vegetarismus ein wirksames Rezept gegen sexuelles Verlangen – und damit der seiner Meinung nach wahren Ursache der meisten Krankheiten.

Das von ihm entwickelte Grahambrot empfahl Sylvester Graham im Sinne eines „Masturbationshemmers“.

Ähnlich John Harvey Kellogg: Der Vegetarier und Siebenter-Tag-Adventist und glaubte ebenfalls fest daran, dass nur eine strenge Diät den selbstzerstörerischen Sexualtrieb seiner Landsleute zu bremsen vermöge. Seine Kellogs-Flocken sollten dazu einen Beitrag leisten.

Quelle:

http://derstandard.at/1577837050383/160-Jahre-Grahamweckerl-Ein-Mann-wie-trocken-Brot

Als Fazit könnte man sagen: Die Zeiten ändern sich zwar, aber Sex sells – so oder so.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Phytotherapie: Was ist Agar? Hilft Agar wirklich gegen Arthrose?

Agar (auch Agar-Agar) wird  hergestellt aus den Zellwänden einiger Algenarten (hauptsächlich Rotalgen, wie Gracilaria-, Gelidiopsis-, Gelidium-, Hypnea- und Sphaerococcus-Arten).

Es handelt sich um ein Polysaccharid, das schon bei einer geringen Konzentration von 1% in heissem Wasser aufgelöst ein gutes Gel bildet. Ein halber Teelöffel Agar entspricht etwa 4 Blatt Gelatine.

Agar wird hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie und als pharmazeutischer Hilfsstoff verwendet (Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 406).

In der Lebensmitteltechnik wird Agar als Verdickungsmittel, z. B. in Suppen, für Süßwaren und Eiscreme eingesetzt, allerdings eher selten, da der Preis relativ hoch ist. Im Haushalt wird Agar als veganer Ersatz für Gelatine verwenden. In Japan und China wird es seit dem 17. Jahrhundert für die Zubereitung von Speisen eingesetzt. In Südostasien ist Agar fester Bestandteil der Küche. Dort wird es zur Zubereitung vielfältiger Süßspeisen genutzt. Gelatine ist dort völlig unbekannt.

In der Mikrobiologie wird Agar für Nährböden für Mikroorganismen verwendet.

Agar ist unverdaulich und wird als Quellmittel in Abführmitteln gegen Verstopfung eingesetzt. Das ist eine sinnvolle Anwendung. Fraglich ist dagegen die manchmal zu hörende Empfehlung von Agar gegen Arthrose. Sie geht wahrscheinlich auf die verbreitetere (aber ungeklärte) Verwendung von Gelatine gegen Arthrose zurück. Weil sich Gelatine in der Küche durch das pflanzliche Agar-Agar ersetzen lässt, ist wohl die Meinung aufgekommen, dass diese vegane Variante auch bei der Anwendung gegen Arthrose möglich ist.

Das ist aber sehr unplausibel: Gelatine besteht aus Proteinen (Eiweissen) und ist daher aus Aminosäuren aufgebaut, Agar dagegen besteht aus Polysachariden, die aus Zuckerbausteinen bestehen.

Agar und Gelatine haben zwar eine ähnliche Eigenschaft – die Gelbildung – sie bestehen aber aus so fundamental anderen Bestandteilen, dass eine vergleichbare Wirkung gegen Arthrose ganz und gar nicht plausibel. Dazu kommt noch, dass die Polysaccharide im Agar unverdaulich sind.

Also wie bitte sehr soll da eine Wirkung gegen Arthrose zustande kommen? Gelatine ist für diese Indikation allerdings auch nicht plausibler. Ihre Proteine werden im Verdauungstrakt in Aminosäuren gespalten. Die Vorstellung, die Gelatine könne zum Beispiel am Kniegelenk abgebaute Knorpelsubstanz ersetzen, ist daher nicht  so einfach nachvollziehbar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zu Erfahrungen mit Schüssler-Salzen

Ähnlich der Homöopathie gebe es auch für die Schüßler-Salze keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis der Wirksamkeit, schreibt die Apothekerin Heike Klocker und fährt fort: „Ich spreche immer von einer Erfahrungsheilweise. Denn es bestätigt ja, dass so vielen Menschen tatsächlich mit Schüßler-Salzen geholfen werden kann. Das zeigt, dass es einfach wirkt…..In der Volksmedizin ist es ja ähnlich – da weiß man auch, dass bestimmte Kräuter gegen bestimmte Krankheiten wirken. Da braucht man keinen Nachweis.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/apothekenfuehrer/3168647/aller-guten-salze-sind-27.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorstellung, dass die Erfahrung verlässlich etwas aussagt über die Wirksamkeit, ist so verbreitet wie naiv.

Millionen von Männern vor allem in Japan zeigt ihre nächtliche Erfahrung, dass Nashornpulver gegen Potenzprobleme hilft. Passiert so etwas wirklich nur Japanern und nur Männern?

Tausende von Beschneiderinnen in Dschibuti, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone, Somalia,  Eritrea, Äthiopien, Nordsudan, Jemen…würden mit ihrer Erfahrung begründen, dass Genitalverstümmelungen für kleine Mädchen unverzichtbar sind.

Und die Mayas wussten aus Erfahrung, dass man dem Regengott regelmässig Kinder als Menschenopfer darbringen muss, damit er seine Aufgabe verlässlich erfüllt.

Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert vertrauten auch Millionen von Menschen in Europa aus Erfahrung auf die Wirksamkeit von Schluckbildchen. Da braucht es doch keinen Nachweis (siehe Artikel Schluckbildchen auf Wikipedia)

Erfahrung allein ist ein sehr unzuverlässiger Geselle.

Wer bei der Beurteilung von Heilmitteln nur auf Erfahrung und Anekdoten setzt, fällt mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss herein.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Zum Umgang mit Erfahrung siehe auch:

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin – wer heilt hat Recht?

Dass eine Apothekerin offenbar keinen blassen Schimmer hat vom post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss und derart unreflektierte Schlussfolgerungen zieht, spricht nicht gerade fürs Pharmaziestudium. Was lernen die dort eigentlich? Schade um den ehrwürdigen Apothekerberuf. Wenn Apothekerinnen und Apotheker auf diesem Niveau argumentieren, gibt es keinen grossen Unterschied mehr zwischen einer Apotheke und einem Kiosk. Dass tausende von Menschen das Mittel brauchen beweist ja, dass es wirkt – genauso argumentieren auch Verkäufer von Nashornpulver und Schluckbildchen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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