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Cochrane-Review untersucht Nutzen der Grippeimpfung beim Pflegepersonal für Patienten in Langzeitpflegeeinrichtungen

In Pflegeheimen und Kliniken gibt es jeden Herbst Kampagnen, mit denen das Pflegepersonal für die Grippeimpfung motiviert werden soll. Dabei wird nicht selten ein moralischer Druck aufgebaut und mit dem Schutz für die Patienten argumentiert.

Ein Cochrane-Review hat nun untersucht, ob die Impfung des Pflegepersonals gegen Grippe das Risiko reduziert, dass ältere Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen eine Influenza-Infektion durch das Pflegepersonal bekommen.

Die Symptome von Grippe ähneln denjenigen zahlreicher anderer Atemwegserkrankungen. Darum muss in Studien, die die Wirkung von Grippeimpfungen testen, mit sehr präzisen Labortests geprüft werden, ob die Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen tatsächlich an einer Grippe leiden oder an einer anderen Atemwegserkrankung.

Die Cochrane-Forscher schlossen mit Stand Oktober 2015 insgesamt fünf Studien in ihren Review ein, verwendeten aber nur Daten von drei Studien mit 5896 Bewohnern.

Was sind die Hauptresultate?

Das folgende Zitat fasst die Hauptergebnisse zusammen und liefert auch Angaben zur jeweiligen Qualität der Evidenz ( = Grad der Belegtheit):

„Das Angebot von Grippeimpfungen für das Pflegepersonal, das sich um Personen im Alter von 60 und älter in Langzeitpflegeeinrichtungen kümmert, könnte eine geringe oder keine Wirkung auf im Labor nachgewiesene Grippefälle haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Impfprogramme für Mitarbeiter im Pflegedienst haben wahrscheinlich eine geringe Wirkung auf Infektionen der unteren Atemwege (moderate Qualität der Evidenz), könnten aber eine geringe oder keine Wirkung auf die Aufnahme ins Krankenhaus haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Es ist unklar, welche Wirkung Impfprogramme auf Tod in Folge einer Infektion der unteren Atemwege (sehr niedrige Qualität der Evidenz) oder auf die allgemeine Sterblichkeit haben (sehr niedrige Qualität der Evidenz).“

Die Cochrane-Forscher fanden in ihrem Review bei den untersuchten Studien keine Angaben zu anderen Maßnahmen, die in Verbindung mit der Impfung des Pflegepersonals angewendet wurden (z.B. Händewaschen, Quarantäne, Mundschutz, Früherkennung von im Labor nachgewiesener Grippe, Vermeidung von Neuaufnahmen, sofortige Anwendung von Virostatika, Aufforderung von Pflegepersonal mit grippeähnlichen Erkrankungen, nicht zur Arbeit zu erscheinen).

Es bestehe Bedarf an qualitativ hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien, welche Kombinationen dieser Maßnahmen untersuchen, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD005187/grippeimpfung-fur-pflegepersonal-das-langzeitpflegeeinrichtungen-lebende-personen-im-alter-von-60

Kommentar & Ergänzung:

Eine Metaanalyse der Cochrane-Collaboration – das ist der Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.

Und das Ergebnis ist für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen nicht gerade überzeugend. Das stellt zu mindestens den moralischen Druck infrage, der jeden Herbst auf Pflegepersonen ausgeübt wird, damit sie die Grippeimpfung machen lassen.

Damit ich bei diesem Thema nicht in die falsche Ecke gestellt werde: Ich bin kein Impfgegner. Die pauschale Diffamierung von Impfungen durch radikale Impfgegner halte ich für absurd. Impfungen sind bei vielen Krankheiten ein grosser Erfolg – beispielsweise bei Kinderlähmung, Diphterie, Starrkrampf, Pocken, Röteln. Das heisst aber natürlich nicht, dass jede Impfung, die gemacht werden kann, bei jedem Menschen und in jeder Situation auch sinnvoll ist.

Für mich selber bin ich überzeugt, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Grippeimpfung brauche. Würde ich in einem Pflegeheim arbeiten, würde ich mich aber wahrscheinlich impfen lassen – zum besseren Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Und dies obwohl das Cochrane-Review den Nutzen nicht überzeugend zeigen konnte. Ich finde die Grippeimpfung aber auch nicht riskant und könnte sie daher gut akzeptieren.

Es spricht meines Erachtens auch nichts dagegen, dass in Spitälern und Pflegeheimen für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen argumentiert wird. Nur der moralische Druck, der dabei oft zur Anwendung kommt – wer sich nicht impfen lässt, bringt Patienten um – der steht wissenschaftlich auf schwachem Boden, wie das Cochrane-Review gezeigt hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Akute Bronchitis: Phytopharmaka sind antiviral wirksam ohne Resistenz

Weil Virustatika nur gegen Influenza (Grippe) zugelassen sind, können pflanzliche Arzneimittel bei Atemwegsinfekten eine Alternative sein.

Atemwegsinfekte sind die Auslöser für rund 20 Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) und rund 10 Prozent der AU-Tage. Zur Behandlung kommen Phytotherapeutika aus der Kapland-Pelargonie wie Umckaloabo® in Frage.

An einer Veranstaltung, die vom Umckaloabo®-Hersteller Schwabe unterstützt wurde, sagte Professor Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm:

„Der in Umckaloabo® enthaltene Spezialextrakt EPs® 7630 bewirkt laut Studien eine signifikante Verkürzung der Krankheitsdauer um zwei bis drei Tage.“

In-vitro-Tests (also Untersuchungen im Reaganzglas) zum Wirkmechanismus des Extrakts ergaben, dass er auf verschiedene Weise antiviral wirkt. So reduziert EPs® 7630 die Freisetzung vervielfältigter Viren aus infizierten Zellen durch seinen Einfluss auf komplexe Virusproteine, die diesen Prozess steuern.

Ausserdem wurde ein zytoprotektiver Effekt festgestellt sowie eine Aktivierung der Immunabwehr gegen Viren bei einer Infektion.

Der Wurzelextrakt wurde in Studien mit über 10.000 Patienten untersucht, darunter knapp 4000 Kinder und Jugendliche. Die Anwendungsgebiete waren nicht nur akute Bronchitis, sondern auch akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung) und Tonsillitis (Mandelentzündung) gehörten dazu.

Franz D. Daschner, ehemals Professor an der Uni Freiburg, sagte:

„Die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Extraktes besitzen antiinfektive Eigenschaften ohne eine Resistenzbildung hervorzurufen, da sie nicht in den Erregerstoffwechsel eingreifen.“

Dass heute immer noch etwa 60 bis 70 Prozent der bei Atemwegsinfekten verschriebenen Medikamente Antibiotika enthalten, sbezeichnete er als „Kunstfehler“.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/870263/akute-bronchitis-phytos-antiviral-wirksam-resistenz.html?sh=8&h=-1886162606

 

Kommentar & Ergänzung:

Umckaloabo® ist das am besten untersuchte Präparat auf der Basis von Kapland-Pelargonie.

Weitere Beiträge dazu finden Sie über die Suchfunktion auf dieser Website unter dem Stichwort „Umkaloabo“.

Insbesondere bei aktuer Bronchitis sind die Studien mit Patienten ziemlich gut, was die auswurffördernde Wirkung betrifft.

Bei akuter Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis ist die Studienlage meinem Eindruck nach weniger überzeugend.

Positiv ist die breite Erfahrung mit Studien bei Kindern. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Phytopharmaka, aber auch synthetische Pharmaprodukte, weisen hier Lücken auf und sind bei Kindern nur schlecht dokumentiert.

Etwas Vorsicht scheint mir angebracht bei der Beurteilung der antiviralen Wirkung. Was im Labor im Reagenzglas Viren hemmen kann, muss dies noch lange nicht im menschlichen Organismus ebeno können.

Dass bei aktuer Bronchitis immer noch zu viele Antibiotika verschrieben werden, ist in der medizinischen Fachliteratur wiederholt kritisiert worden. Insbesondere bei viraler Ursache können Antibiotika gegen die Auslöser nicht wirksam werden, weil sie nur Bakterien bekämpfen.

In manchen Fällen ist die Behandlung mit Antibiotika allerdings trotzdem nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Holunderbeeren gegen Erkältungen

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) hat schon lange einen Ruf als Helfer bei Erkältungskrankheiten. In der Phytotherapie wird ein Tee aus Holunderblüten verwendet. Er soll schweisstreibend wirken bei fieberhaften Infekten, wobei diese Wirkung allerdings nicht geklärt oder gar belegt ist. Experimentelle Studien deuten zudem auf eine auswurffördernde Wirkung bei Husten hin.

Der Saft aus Holunderbeeren wird traditionell empfohlen zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen.

Ein Spezialextrakt aus Holunderbeeren zeigte im Labor antivirale Aktivität gegen Influenzaviren vom Typ H1N1. Flavonoide aus den Holunderbeeren banden dabei an die Virusoberfläche und hemmten dadurch das Eindringen der Viren in die Wirtszellen.

Ob ein solcher Effekt auch im menschlichen Organismus auftritt, bleibt dabei allerdings offen. Überzeugende Daten aus Studien mit Patienten lagen bis vor kurzem nicht vor. Das könnte sich nun ein Stück weit ändern durch eine Studie, die im Jahr 2016 publiziert und in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ erwähnt wurde:

„Auch Oma lag mit ihrem Holundertee wohl nicht so falsch. In einer Studie mit 312 Flugreisenden verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen bei den Teilnehmern, die regelmäßig einen Extrakt aus Holunderbeeren (Sambucus nigra) zu sich genommen hatten. Holunderbeeren sind sehr vitaminhaltig; sie enthalten Kupfer, Zink und Magnesium sowie Polyphenole in beachtlichen Mengen, was den Körper bei der Auseinandersetzung mit den Schnupfenviren offensichtlich unterstützt.“

Quelle:

http://www.spektrum.de/news/hilft-huehnersuppe-gegen-erkaeltung/1432792?_ga=1.189200047.529023555.1471969798

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Nutrients. 2016 Mar 24;8(4):182. doi: 10.3390/nu8040182.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war doppel-blind und placebokontrolliert.

Signifikant verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen. In der Placebogruppe traten zudem mehr Erkältungen auf als in der Holunderbeeren-Extraktgruppe (17 versus 12), doch war dieser Unterschied nicht signifikant.

„Most cold episodes occurred in the placebo group (17 vs. 12), however the difference was not significant (p = 0.4). Placebo group participants had a significantly longer duration of cold episode days (117 vs. 57, p = 0.02) and the average symptom score over these days was also significantly higher (583 vs. 247, p = 0.05). These data suggest a significant reduction of cold duration and severity in air travelers. More research is warranted to confirm this effect and to evaluate elderberry’s physical and mental health benefits.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Wenn das Ergebnis statistisch „signifikant“ ist, bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es zufällig zustande gekommen ist, unter 5% liegt (p < 0,05).

In der Studie wurde ein standardisierter Extrakt aus Holunderbeeren verwendet. Es ist offen, wieob und wie weit sich die Ergebnisse auf andere Zubereitungen aus Holunderbeeren übertragen lassen.

Wichtig ist jedoch: Der Genuss von rohen oder ungenügend erhitzten Holunderbeeren kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Sie enthalten nämlich den Giftstoff Sambunigrin. Erhitzt man die Holunderfrüchte, baut sich Sambinigrin vollständig ab.

Siehe auch:

Holunderbeeren – gesund und fein

Schwarzer Holunder: Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Giftigkeit: Schwarzer Holunder – Roter Holunder – Zwergholunder

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Aromapflege: Ätherische Öle mit antiviraler Wirkung

Auf springermedizin.at veröffentlichte Wolfgang Steflitsch einen Beitrag mit dem Titel „Ein medizinischer Blick auf die Aromatherapie“. Ein Abschnitt in diesem Artikel geht auf die antivirale Wirkung von ätherischen Ölen ein:

„Aber auch die antivirale Aktivität zählt zu den Domänen von ätherischen Ölen. Besondere Einsatzgebiete sind dabei Herpes- und Influenza-Viren. Bewährte ätherische Öle in dieser Indikation sind Ingwer (Zingiber officinale), Kamille deutsch (Matricaria recutita), Manuka (Leptospermum scoparium), Sandelholz (Santalum album), Melisse (Melissa officinalis), Teebaum (Melaleuca alternifolia), Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. Cineol) und Ysop (Hyssopus officinalis).“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=41341

Komplementärmedizin Nr. 2 / 2014

 

Kommentar & Ergänzung:

Viele ätherische Öle zeigen antivirale Wirkungen. Das ist eine interessante Eigenschaft dieser Wirkstoffe aus Heilpflanzen.

Auf welchen Kriterien sich die obige Auswahl begründet, ist unklar. Mir fehlt hier zum Beispiel Pfefferminzöl, das gut wirksam ist gegen Herpesviren.

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der bei diesem Thema zu beachten ist:

Im Labor können ziemlich leicht antivirale Wirkungen von ätherischen Ölen erzeugt und festgestellt werden. Entscheidend ist aber die Frage, ob solche Effekte auch in der konkreten Erkrankungssituation auftreten. Bei Herpes ist das plausibel, wenn Melissenöl oder Pfefferminzöl im Frühstadium lokal aufgetragen wird. Bei Influenza (Grippe) ist das schwieriger. Ätherische Öle kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in so hohen Dosierungen einnehmen, dass sie eine Konzentration erreichen, die im ganzen Körper antiviral wirkt. Und auch beim Verdunstenlassen in der Raumluft ist fraglich, ob eine wirksame Konzentration erreicht wird. Allenfalls könnte man durch direktes Inhalieren von ätherischen Ölen einen lokalen antiviralen Effekt in den Atemwegen bewirken, aber es stellen sich hier noch sehr viele offene Fragen.

Meinem Eindruck nach gibt es in der Aromatherapie bzw. Aromapflege eine Tendenz, allzu schnell von Laborwirkungen auf Wirkungen in der Erkrankungssituation zu schliessen. Da würde ich mir mehr Differenzierung wünschen.

Siehe auch:

Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen 

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Cochrane-Review findet für Grippe-Impfstoffe nur mässige Wirksamkeit

Impfstoffe gegen Influenza-A oder Influenza-B-Infektionen wirken nur gering auf die Reduktion von Grippesymptomen und den Verlust von Arbeitstagen oder Krankenhausaufenthalte.

Zu diesem Resultat kommt ein aktueller Cochrane Review zumindest für die gesunde erwachsene Bevölkerung, schwangere Frauen eingeschlossen. Die „Deutsche Apothekerzeitung“ hat die Ergebnisse informativ zusammengefasst.

Die Cochrane-Forschergruppe wertete für den Review 90 Literaturberichte aus, darunter 69 klinische Studien, 27 davon Vergleichs-Kohortenstudien und 20 Fall-Kontroll-Studien mit total mehreren Millionen Menschen. 23 Berichte erfassten Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes bei schwangeren Frauen (ca. 1,6 Millionen Mutter-Kind-Paare).

So sehen die Ergebnisse im Detail aus:

– Bei Applikation von parenteralem inaktiviertem Grippe-Impfstoff an gesunde Erwachsene würden 71 Personen (number needed to vaccinate NNV) eine Impfung brauchen, um einen Fall von Grippe zu vermeiden (95%, Konfidenzintervall: 64-80).

– Mindestens 40 Personen würden eine Impfung benötigen, um einen ILI- Fall (Influenza-typische Erkrankung, Influenza-like Illness) zu verhindern (95%, Konfidenzintervall: 26 bis 128).

– Der Schutz schwangerer Frauen vor Grippe oder ILI mit inaktiviertem Grippe-Impfstoff ist nach der Datenerhebung ebenfalls unsicher oder zumindest sehr limitiert. Es existieren dazu nur Beobachtungsstudien von mäßiger methodischer Qualität.

– Um die Wirksamkeit der Aerosol-Lebend-Impfstoffe steht es nicht viel besser: 46 Personen (95% CI 29-115) würden eine Immunisierung brauchen, um einen Grippe-Fall zu vermeiden.

Die Datenlage zur Grippeschutzimpfung in der gesunden Normalbevölkerung sieht im Lichte dieses Cochrane Reviews nicht sehr überzeugend aus.

Aufgrund methodischer Mängel äussern die Urheber des Reviews allerdings vielfach Zweifel an der Aussagekraft der Daten. Nicht einmal 10 Prozent der Studien hatten eine gute Qualität, so stellen sie fest.

Über 200 Viren sind bekannt als Auslöser von Influenza und ILI, die beide vergleichbare Symptome zeigen wie Fieber, Schmerzen, Husten und Schnupfen.

Ohne Laboruntersuchung lässt es sich im Einzelfall nicht klären, ob es sich um eine Influenza-Infektion oder um grippeähnliche Erkältungskrankheiten handelt.

Grippe-Impfstoffe wirken aber nur gegen Influenza A und B, die nicht mehr als rund 10 Prozent der zirkulierenden Viren ausmachen. Und die Grippe-Impfung wirkt nur, wenn sie auf Virusstämmen basiert, die in der jeweiligen Saison auch tatsächlich zirkulieren.

Welche Virusstämme in die saisonalen Grippeschutz-Impfungen einbezogen werden sollen, das bestimmt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr neu.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2014/03/21/grippe-impfstoffe-nur-maessig-wirksam/12391.html

Demicheli V, Jefferson T, Al-Ansary LA, Ferroni E, Rivetti A, Di Pietrantonj C. Vaccines for preventing influenza in healthy adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 3. Art. No.: CD001269. DOI: 10.1002/14651858.CD001269.pub5.

Kommentar & Ergänzung:

Ziemlich ernüchternd, dieses Fazit. Wobei aber festzuhalten ist, dass die Wirkung bei gesunden Personen unter die Lupe genommen wurde. Vielleicht sieht der Nutzen bei geschwächten Menschen anders aus.

Sehr bedenklich ist allerdings, dass die Cochrane-Forscher nicht einmal 10 % der Studien eine gute Qualität bescheinigen können.

Ausserdem gibt es weiter hochwertige Studien, die zur Wirksamkeit der Grippe-Impfung Fragezeichen aufwerfen.

Zu finden beispielsweise auf der Website „Gesundes Reisen“ – ein Service des Reisemedizinischen Zentrums (MD Medicus Reise und Tropenmedizin GmbH, Tropeninstitut Hamburg). Zum Thema Grippe gibt es hier zwei interessante Zitat:

http://www.gesundes-reisen.eu/print_artikel_details.php?contentType=3&themaID=1280

Was steht da genau in diesen zwei Zitaten?

Zitat 1:

„Mit Influenza Impfungen ist ein moderater Effekt verbunden, Influenza-Symptome zu vermindern und Arbeitszeit einzusparen. Es besteht keine Evidenz, dass sie sich auf Komplikationen auswirken, wie Lungenentzündung, oder auf die Übertragung des Virus.“

Als Quellenangabe für dieses Zitat wird angegeben: Cochrane 2010 (wo ich das Zitat aber nicht gefunden habe).

Ausserdem Zitat 2:

„Influenza vaccines can provide moderate protection against virologically confirmed influenza, but such protection is greatly reduced or absent in some seasons. Evidence for protection in adults aged 65 years or older is lacking.“

Dieses Zitat stammt aus Lancet Infectious Diseases (Osterholm 2012)

The Lancet ist als medizinisches Fachjournal sehr renommiert – genauso wie die Cochrane Collaboration.

Insgesamt ist festzuhalten, dass solch hochkarätige Kritik sich nicht leicht vom Tisch wischen lässt.

Wenn ich hier diese kritischen Zitate zur Wirksamkeit der Grippe-Impfungen anführe, dann möchte ich zugleich mit Nachdruck festhalten, dass ich mich nicht zu den fundamentalistischen Impfgegnern zähle.

Pauschale Verteufelung von Impfungen und die damit verknüpften Verschwörungstheorien halte ich für grundfalsch, höchst fragwürdig und destruktiv. Sie basieren auf einer höchst einseitigen, selektiven Interpretation.

Impfungen sind meines Erachtens eine Erfolgsgeschichte. Sie sind nun quasi ein Opfer ihres eigenen Erfolges. Viele gefährliche Krankheiten wie Kinderlähmung, Diphtherie, Pocken oder Starrkrampf sind dank Impfungen aus unserem Leben verschwunden. So ist es leicht, pauschal gegen Impfungen zu wettern, wenn der Schrecken dieser Krankheiten nicht mehr präsent ist. Ich meinerseits bin jedenfalls dankbar, dass ich nie in meinem Leben mit solchen Krankheiten zu tun haben musste.

Wer nicht in die pauschale Impf-Verteufelung einstimmt, muss deshalb nicht jeder Impfung unkritisch gegenüber stehen. Es gibt einen differenzierteren Mittelweg. Eine kritische Auseinandersetzung mit Impfungen ist nötig, aber sie muss konkrete Punkte mit Argumenten in Frage stellen, so wie es die Cochrane-Studien und der „Lancet“-Artikel tun.

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Verstärken Fieber-Medikamente Grippewellen?

Fiebersenkende Medikamente werden in grosser Menge konsumiert. Beispiele sind Acetylsalicylsäure (Aspirin®) und Paracetamol (z. B. Dafalgan®). Sie sind häufig auch in Kombinationspräparaten enthalten, die bei Erkältungen eingesetzt werden (z. B. NeoCitran®, Pretuval®, Vicks MediNait®). Solche Kombinationspräparate enthalten mehrere sich ergänzende Wirkstoffe und werden von Fachleuten unter anderem aufgrund des erhöhten Risikos für unerwünschte Wirkungen und für Interaktionen mit anderen Medikamenten umstritten, während sie bei den Patienten sehr beliebt sind. Eine Studie aus Kanada nimmt nun unerwünschte Folgen dieser Medikamente auf die Grippe-Ausbreitung unter die Lupe.

Eine Grippe zwingt Patientinnen und Patienten meist ins Bett – es sei denn, die Betroffenen unterdrücken ihre Symptome mit fiebersenkenden Medikamenten. Für die Ausbreitung der Infektion könnte das allerdings problematische Folgen haben, schreiben Forscher aus Kanada.

Fieber-Medikamente verstärken laut Wissenschaftlern aus Kanada möglicherweise die jährlichen Grippe-Epidemien.

Weil durch sie mehr Viren überleben und der Kontakt der Erkrankten zu Mitmenschen verlängert wird, können sie möglicherweise die Zahl der Infektionen um rund fünf Prozent erhöhen und zu Tausenden von Toten führen. Zu diesem Schluss kommen kanadische Mathematiker in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

Die Wissenschaftler um David Earn von der McMaster University in Hamilton berücksichtigten für die Analyse Daten vergangener Influenza-Epidemien sowie Resultate medizinischer Studien zur Grippe.

Für ihre Berechnungen gingen die Forscher davon aus, dass die in zahlreichen Grippe-Medikamenten enthaltenen fiebersenkenden Substanzen auch unerwünschte Folgen haben:

Sie hemmen die natürliche Funktion des Fiebers, das Wachstum von Bakterien und Viren zu verlangsamen und das Immunsystem wirksamer arbeiten zu lassen. Zudem dämpfen Erkrankte ihre Symptome mit Fiebersenkern und kehren dadurch oft früher an ihren Arbeitsplatz, in die Schule oder allgemein in die Öffentlichkeit zurück.

Die Fieber-Medikamente steigern so die Wahrscheinlichkeit, dass die Grippekranken aktive Viren an andere weitergeben und die Epidemie so verstärken. Das Team um David Earn kommt zum Schluss,  dass Fiebersenker (Antipyretika) jährlich möglicherweise fünf Prozent mehr Infizierte zur Folge haben. Was allein in Nordamerika mehr als 1000 zusätzliche Todesfälle bedeute.

Die Wissenschaftler geben aber zu bedenken, dass die Statistik noch sehr ungenau sei und möglicherweise nur einen Mindestwert zeige.

Um die tatsächlichen Folgen von Fieber-Medikamenten herauszufinden, seien gezielte epidemiologische Studien nötig.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Fieber-Medikamente-verstaerken-Grippewellen-article12116481.html

http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1778/20132570

Kommentar & Ergänzung:

Zwar handelt es sich bei dieser Studie nur um mathematische Berechnungen. Die Grundannahmen sind aber durchaus plausibel.

Fieber-Medikamente können in manchen Situationen zweifellos ihren Nutzen haben. Die Ergebnisse dieser Studie weisen aber deutlich auf die wunden Punkte dieser Präparate hin.

Daraus folgt meines Erachtens ein weiterer Hinweis darauf, dass alte Hausmittel wie Essigsocken und Lindenblütentee eben sehr wohl ihren Sinn haben, auch wenn es dazu mangels Sponsoren keine relevanten Studien gibt.

Unabhängig von ihrer Wirksamkeit handelt es sich bei ihnen jedenfalls um eine risikofreie Bewältigungsstrategie.

Siehe auch:

Lindenblüten aktivieren Immunsystem

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Vogelgrippe in China: TCM-Heilmittel Färberwaid boomt

Gegen das in Ostchina aufgetretene Vogelgrippevirus H7N9 versuchen sich offenbar zahlreiche Chinesinnen und Chinesen mit der Wurzel des Färberwaids zu schützen. Die Färberwaidwurzel (chinesisch Banlangen) ist in Geschäften in Shanghai und in den Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Anhui vielerorts ausverkauft.

Der in den gemäßigten Breiten ganz Eurasiens heimische Färberwaid (Isatis tinctoria) hat seine ehemals große Bedeutung als Färberpflanze („europäischer Indigo“) verloren. In China spielt er jedoch noch eine wichtige Rolle als Heilpflanze. Die Wurzel wird gegen Fieber („Hitze im Blut“) und fiebrige Infektionen im Hals-Rachen-Bereich eingesetzt, also beispielsweise bei Angina, Tonsillitis oder Grippe. Die Nachfrage nach Banlangen ist teilweise auf das Zehnfache gestiegen.

Der Preis für eine Packung banlan-gen liegt bei rund  9 bis 10 Yuan (ca. 1,10 bis 1,20 Euro. Die Preiskontrollbehörde in Nanjing (Provinz Jiangsu) hat aber nun ein Preismoratorium für sämtliche Medikamente der traditionellen chinesischen Medizin verfügt, solange eine Epidemie der Vogelgrippe droht. Damit sollen Preissteigerungen aufgrund der Vogelgrippe verhindert werden.

Obwohl die postulierten Wirkungen der Färberwaidwurzel nicht durch experimentelle Untersuchungen belegt sind, empfiehlt das Gesundheitsamt der Provinz Jiangsu deren Anwendung gegen das H7N9-Virus, zumal auch synthetische Virustatika hier wenig ausrichten können.

Quelle:

http://german.china.org.cn, Meldung vom 11.4.2013

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/04/11/mit-waid-gegen-vogelgrippe/9841.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Färberwaid gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und er enthält deshalb auch die für diese Familie charakteristischen Glukosinolate (Senfölglykoside). Viele Vertreter dieser Wirkstoffgruppe zeigen gute antimikrobielle Eigenschaften, vor allem gegen Bakterien und Pilze, teilweise wohl auch gegen Viren. Ob von diesem Färberwaid-Präparat der Traditionellen Chinesischen Medizin eine Wirkung auf das Vogelgrippevirus zu erwarten ist, dazu gibt es allerdings keine Belege.

Glukosinolate mit antimikrobieller Wirkung sind auch bekannt aus der Meerrettichwurzel und aus der Kapuzinerkresse.

Siehe dazu auch:

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Glukosinolate aus Brokkoli & Co im Fokus der Forschung

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Australischer Riesen-Eukalyptus profitiert von Buschbränden

Der australische Riesen-Eukalyptus (Foto auf Wikipedia) benötigt für seine Fortentwicklung Feuer.

Das tönt zuerst einmal paradox, hat jedoch Wissenschaftlern der Tasmanischen Schule für Pflanzenwissenschaft zufolge mehrere Gründe. Im Fachblatt „New Phytologist“ schreiben die Forscher, durch einen Buschbrand stürben zwar die Bäume, ihre Samen jedoch blieben in kleinen Kapseln geschützt. Auf dem nährstoffreichen verbrannten Boden könnten sie sich daraufhin speziell gut entwickeln. zudem gäbe es infolge der Brände weniger Tiere, die sich von den Eukalyptus-Samen ernährten.
Der australische Riesen-Eukalyptus kann über 100 Meter hoch werden.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=153688

Kommentar & Ergänzung:

Der Riesen-Eukalyptus (Eucalyptus regnans) wird auch Königs-Eukalyptus genannt und ist eine in Australien beheimatete Laubbaumart aus der Gattung Eukalyptus (Eucalyptus) in der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Er kann bis zu 400 Jahre alt werden.

Sein Holz wird unter anderem für die Papierherstellung genutzt. Der Riesen-Eukalyptus wird in starkem Mass forstwirtschaftlich angebaut; die Bestände an verbliebenen Urwaldgebieten mit alten Baumriesen schwinden durch Abholzung mehr und mehr.

Die Gattung Eukalyptus umfasst über 700 Arten und hat ihre Heimat in Australien, inklusive Tasmanien, und der Osthälfte Indonesiens. Heute jedoch wachsen manche Arten auch in zahlreichen anderen subtropischen Gebieten der Welt. In Australien machen die Eukalyptus-Arten 70 % des Baumbestandes aus. In keinem anderen Kontinent wird der Baumbestand so stark von einer einzelnen Gattung dominiert.

Die Phytotherapie verwendet als Heilpflanze Eukalyptus globulus (Blauer Eukalyptus, auch Gewöhnlicher Eukalyptus oder Tasmanischer Blaugummibaum genannt).

Aus den Eukalyptusblättern wird Eukalyptusöl hergestellt. Dieses ätherische Öl enthält als wichtigsten Bestandteil 1,8-Cineol und als weitere Wirkstoffe Phellandren und Piperiton. Eukalyptusöl wird beispielsweise angewendet in der Behandlung der Virus-Grippe (Influenza) und des Hustens.

Innerlich wird Eukalyptusöl bei Husten und Bronchitis in Kapselform eingesetzt (z. B. im Gelomyrtol®). Es eignet sich aber auch zur Inhalation, für Erkältungsbäder und als Bestandteil von Erkältungssalben.

Eukalyptusöl zeigt im Labor gute Wirkung gegen Bakterien und Pilze.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat die Grosse Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) zur Arzneipflanze des Jahres 2013 erkoren. Foto auf Wikipedia.

Die Blätter und Blüten dieser Pflanze enthalten Glucosinolate (Senfölglucoside). Aus diesen Wirkstoffen wird Benzylsenföl freigesetzt, das die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen hemmt. Daher wird die Kapuzinerkresse seit Jahrzehnten zur Behandlung von Infekten angewendet. Zudem hat eine durchblutungsfördernde Wirkung. Präparate aus der Kapuzinerkresse werden zur Behandlung der Bronchitis und von Harnblasenentzündungen (Zystitis) eingesetzt.

Glucosinolate kommen in Kreuzblütlern (Brassicaceen) vor,  hauptsächlich in verschiedenen Kressen, im Senf und im Meerrettich, aber auch in der Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) aus der Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae). Die aus den Glukosinolaten enzymatisch freigesetzten Senföle schmecken scharf. In der Kapuzinerkresse kommt hauptsächlich das Benzylsenföl (Benzylisothiocyanat) vor.

In drei Kohortenstudien zeigte ein Fertigarzneimittel, das Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthält, Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bronchitis und akuter Blasenentzündung. Das geprüfte Produkt erwies sich als gleichwertig zu einer Behandlung mit Antibiotika.

Die Grosse Kapuzinerkresse ist in den Anden Perus und Boliviens heimisch. Schon die Inka nutzten sie als Heilpflanze, und zwar hauptsächlich als Schmerzmittel und Wundheilmittel. Darüber berichtete der Jesuit Bernabé Cobo (1582–1657), der sich mit der Heilkunde der Indianer befasste. Bereits vor 1600 gelangte die Kapuzinerkresse nach Europa. Eine Abbildung findet man schon in dem berühmten Gartenpflanzenbuch Hortus Eystettensis aus dem Jahr 1613.

Die Kapuzinerkresse ist auch heute noch eine beliebte Zierpflanze wegen ihren großen, orangefarbenen, gespornten Blüten, welche die Spanier an die Kapuzen von Mönchskutten erinnert haben. Sie ist allerdings anfällig für Blattläuse. Die Blätter und Blüten sind essbar und können zur Verschönerung  von Blattsalaten genutzt werden.

Quellen:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2012/10/24/kapuzinerkresse-ist-arzneipflanze-des-jahres-2013/8587.html

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=43913&Nachricht_Title=Nachrichten_Kapuzinerkresse+zur+Arzneipflanze+des+Jahres+gek%FCrt&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Die Kapuzinerkresse hat die Auszeichnung „redlich verdient“.

Senfölglykoside aus Kapuzinerkresse und Meerrettich zeigen interessante Wirkungen.

Das erwähnte Fertigpräparat  mit Kapuzinerkresse und Meerrettich heisst Angocin®, doch kann, wer die Schärfe geschmacklich verträgt, die Glukosinolate auch direkt mit Kapuzinerkresse oder Meerrettich aufnehmen. So lassen sich sogar grössere Mengen an Glukosinolaten zuführen.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass Kapuzinerkresse / Meerrettich / Angocin® nicht in jedem Fall Antibiotika ersetzen können!

Weiter Informationen zu Kapuzinerkresse / Meerrettich:

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Senfölglycoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und  Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Grippeviren mutieren rasch, bilden schnell Resistenzen und sind daher schwer zu bekämpfen. Wissenschaftler der Universität Gießen konnten nun zeigen, dass Senföle die Vermehrung von H1N1-Viren um fast 100 Prozent hemmen können.

Die untersuchten Isothiocyanate stammen aus Kapuzinerkresse (Benzylisothiocyanat) und Meerrettichwurzel (2-Phenylethylisothiocyanat und Allylisothiocyanat). Die Wissenschaftler hatten zuerst in einer Zellkultur von humanen alveolaren Lungenepithelzellen die Menge des Senfölgemischs bestimmt, welche keine toxische Wirkung auf die Zellen zeigt. Danach wurde der Effekt des Gemischs auf die Vermehrung von H1N1-Viren untersucht.

Das Mischungsverhältnis der Isothiocyanate entspricht demjenigen in Angocin Anti-Infekt N. Das Präparat des Herstellers Repha ist bisher zur Besserung der Beschwerden bei akuten entzündlichen Erkrankungen der Bronchien und Nebenhöhlen und der ableitenden Harnwege zugelassen.

Durch die kombinierte Gabe habe die Vermehrung der Grippeviren in menschlichen Lungenzellkulturen vermindert werden können. Der antivirale Effekt war um den Faktor 10 hoch 5 mal höher als bei der singulären Nutzung der Isothiocyanate.

Studienleiter Professor Dr. Stephan Pleschka sieht darin Hinweise darauf, dass das Senfölgemisch möglicherweise eine zusätzliche phytotherapeutische Option bei viralen Atemwegsinfektionen sein könnte.

Das Wissenschaftlerteam hatte für die drei einzelnen Isothiocyanate in früheren Untersuchungen bereits eine hemmende Wirkung auf H1N1 von jeweils 90 Prozent festgestellt. In einer weiteren Studie mit Rhinoviren wollen die Forscher nun klären, ob die Resultate auch auf andere atemwegsrelevante Viren übertragbar sind.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/senfoele-hemmen-h1n1

Kommentar & Ergänzung:

Die Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkresse werden sehr zu Recht auf ihre antimikrobielle Wirkung untersucht. Diese Wirkstoffgruppe hat grosses therapeutisches Potential. Bei viralen Erkrankungen sind die therapeutischen Möglichkeiten bisher alles andere als befriedigend und bei bakteriellen Infektionen gibt es zunehmende Probleme mit antibiotikaresistenten Keimen. Alternativen sind daher sehr gefragt.

Allerdings muss zu den beschriebenen Resultaten der Universität Giessen festgehalten werden, dass von positiven Ergebnissen aus Zellkulturen nicht einfach auf vergleichbare Effekte beim Menschen geschlossen werden kann.

Angocin ist ein interessantes Präparat, wobei aber auch hier ein paar Ergänzungen nötig sind:

Eine Filmtablette enthält  200 mg Kapuzinerkressenkraut und 80 mg Meerrettichwurzel.

Erwachsene nehmen 5-mal täglich 5 Filmtabletten (das entspricht 5-mal täglich 1 g Kapuzinerkressekraut und 0,4 g Meerrettichwurzel).

Die Phytotherapie-Fachliteratur hat etwas andere Vorstellungen von der angemessenen Dosierung:

Meerrettichwurzel: „Bei innerer Anwendung mittlere Tagesdosis 20 g frische Wurzel.“ (Leitfaden Phytotherapie, Heinz Schilcher / Susanne Kammerer / Tankred Wegener)

Eine antimikrobielle Wirkung dürfte also auch mit frischer Meerrettichwurzel zu erreichen sein, wenn man Meerrettich gerne hat: Meerrettich in Portionen über den Tag verteilt einnehmen und mit Quark, Joghurt, geraffeltem Apfel oder anderen geeigneten Zutaten mischen.

Wer die Meerrettich-Schärfe nicht mag, wird aber wohl die Filmtabletten vorziehen.

Die Phytotherapie-Fachliteratur bescheinigt dem Meerrettich vor allem Wirkungen bei Bronchitis und Zystitis (Blasenentzündung). Dabei stehen aber antibakterielle Wirkungen im Vordergrund, im Gegensatz zu den antiviralen Effekten in den beschriebenen Studien der Universität Giessen.

Siehe auch:

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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