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Heilpraktiker-Ausbildung in der Kritik

Für die Ausbildung zum Heilpraktiker oder zur Heilpraktikerin gibt es weder Qualitätsstandards noch gesetzliche Regelungen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Schweiz, wo anstelle von „Heilpraktiker“ eher von „Naturheilpraktiker“ oder „Naturarzt“ die Rede ist. Entsprechend wird dann auch eher von „Naturheilkunde-Ausbildungen“ gesprochen. In der Schweiz gibt es aufgrund der Volksabstimmung 2009 inzwischen eine Höhere Fachprüfung Komplementärtherapie, die zwar gesetzlich geregelt ist, aber ebenfalls ohne auch nur annähernd fundierte Qualitätsstandards auskommt, und daher eine Qualitätssicherung vorspiegelt.

Wir haben es jedenfalls hier mit einem veritabler Begriffssalat und einem intransparenten Wirrwar zu tun.

Die Zeitschrift „Annabelle“ hat ein Interview veröffentlicht mit der deutschen Autorin Anousch Mueller. Sie wollte Heilpraktikerin werden, doch während der Ausbildung an der Berliner Paracelsus-Schule beschlichen sie immer grössere Zweifel. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben („Unheilpraktiker“, Riemann Verlag 2016)

Zum Interview geht’s hier.

Auch wenn die Kritik hart klingen mag. Sie trifft in einer ganzen Reihe von Punkten glasklar zu.

Zu Recht kritisiert wird meiner Erfahrung nach zum Beispiel:

– Die weit verbreitete, völlig unkritische Glorifizierung von allem, was als traditionelle Naturheilkunde gilt. Tradition hat dann einen Wert, wenn man sich sorgfältig, offen, aber auch kritisch mit ihr auseinandersetzt. Tradition hat jedoch nicht immer Recht. Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

– Das weitgehende Fehlen einer auch nur einigermassen ernstzunehmenden Qualitätssicherung in Ausbildung und Praxis.

– Die nicht selten völlig überzogenen Versprechungen.

– Die Verwendung von Begriffen wie „Energie“, „Schwingungen“, „Ausleitung“ in völlig undefinierter Form, so dass sie willkürlich quasi als „Dienstmagd für alles“ zur Erklärung von x-Beliebigem eingesetzt werden können. Zu Recht sagt Anousch Mueller im Interview: „Wenn etwas nach Geschwurbel klingt, sollte man es kritisch hinterfragen. Das ist meine Botschaft.“

– Verbreitete Indoktrination mit irrationalen Theorien in der Ausbildung.

– Verbreitete pauschale Verteufelung von medizinischen Massnahmen, die in manchen Fällen richtig, wichtig oder gar lebensnotwendig sind (Kortison! Impfen! Chemotherapie!).

 

Ich will nicht generalisieren. Es gibt auch in diesem Bereich Leute, die ihre Arbeit sorgfältig machen, keine pauschalen Feindbilder gegen die böse „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ kultivieren und ihre Grenzen kennen. Aber das sind nach meiner Erfahrung eher die Ausnahmen als die Regel. Und das muss man klar benennen – vor allem, weil diese „Heilerszene“ meistens so sanft, ganzheitlich und menschenfreundlich daher kommt, was leider oft irreführend ist.

Im Interview wird Anousch Mueller gefragt:

„Sie halten die Naturheilkunde für rückständig?“

Antwort:

„Allerdings. Paradoxerweise wird der Schulmedizin ja immer vorgehalten, sie sei rückständig und orthodox. In Wahrheit ist es genau umgekehrt.“

Diese Aussage scheint mir zu pauschal. Sie mag ja vielleicht auf die Erfahrungen der Autorin mit der Paracelsus-Schule zutreffen….

Vor allem liegt dieser Aussage aber meinem Eindruck nach ein unklarer Begriff von „Naturheilkunde“ zugrunde, wie er heute leider weit verbreitet ist. Viele der Methoden, von denen Anousch Mueller im Interview spricht – zum Beispiel Bioresonanz, Kinesiologie, Homöopathie, Bachblüten, Schüsslersalze – gehören nicht zur Naturheilkunde, wenn man den Begriff genau verwendet.

Die Naturheilkunde hat, so wie dieser Begriff entstanden ist, ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die Idee der Naturheilkunde-Begründer war, Faktoren für die Gesundwerdung direkt aus der Natur zu nehmen. Im Kern bestand diese klassische Naturheilkunde aus dem, was später mit den 5-Säulen der Kneipptherapie umschrieben wurde:

Hydrotherapie (Wasseranwendungen)

Ernährungstherapie

Heilpflanzen-Anwendungen

Bewegung, Luft, Licht

Lebensordnung

Grundsätzlich sind diese fünf Verfahren kompatibel mit Medizin und Wissenschaft. Sie sind wissenschaftlicher Forschung zugänglich, lassen sich mit wissenschaftlichen Begriffen und Theorien beschreiben und allfällige Effekte im menschlichen Organismus sind messbar.

Wenn man nun diese Verfahren genau so anwendet, wie das vor allem im 19. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemacht wurde, dann sind sie tatsächlich veraltet. Zu diesem Blödsinn wird aber niemand gezwungen:

Hydrotherapie lässt sich auf neueren Erkenntnissen begründen und wird dann anschlussfähig an Physiotherapie.

Ernährungstherapie kann sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen (auch wenn Ernährungsstudien oft wenig fundiert sind, siehe dazu: Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft.

Heilpflanzen-Anwendungen sind ein Spezialbereich der Pharmakologie. Pflanzliche Wirkstoffe lassen sich im Labor testen. Effekte von Heilpflanzen-Präparaten können in klinischen Studien an Patienten überprüft werden

Altes Wissen kann so durch neue Forschung bestätigt oder als Irrtum verworfen werden. Diese erneuerte Form der Heilpflanzen-Anwendung nennt sich dann Phytotherapie.

Die hohe Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit ist in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien dokumentiert worden.

Lebensordnung als angejahrter Begriff kann mit neuen Inhalten gefüllt werden, nennt sich dann vielleicht psychosomatische Medizin oder „Lifestyle-Modifikation“ und gehört zur Psychologie.

Voilà. Wir kommen so vom Methodischen her schon ziemlich nah an eine keineswegs veraltete, sondern zeitgemässe Naturheilkunde.

Was es dann noch braucht für eine seriöse Anwendung sind vor allem Elemente, die mit einer bestimmten Grundhaltung verbunden sind. Zum Beispiel:

– Erkennen von Grenzen der eigenen Methoden.

– Vermeiden von pauschalen Feindbildern und Verschwörungstheorien gegen „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ (was nicht Kritiklosigkeit heisst, aber Kritik muss auf Argumenten basieren und konkrete Punkte in Frage stellen).

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde-Ausbildung – was Sie wissen sollten (…wenn Sie sich für eine Naturheilkunde-Ausbildung interessieren)

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/10/18/naturheilkunde-ausbildung-was-sie-wissen-sollten.html

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Komplementärmedizin: Genauer Nachdenken, differenzierter argumentieren

Naturheilkunde – was ist das?

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

 

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

 

Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin: Vom Wert des Zweifels

Naturheilkunde und Medizin – kein Entweder-oder

…….huch, das ist ja ein ganz schöner Marathon, aber er zeigt, dass mir das Thema ernst und wichtig ist.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Alternativmedizin bei Rheuma kommentiert

Eine Pressemeldung zum 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) kommentiert die Möglichkeiten und Grenzen der Alternativmedizin bei Rheuma und kommt zum Schluss, die Wirksamkeit mehrerer komplementärer Methoden sei inzwischen wissenschaftlich belegt. Im Text wird jedoch für eine kritische Gewichtung plädiert, da es auch einige «schwarze Schafe» auf dem Markt gebe.

Eine Fastendauer von sieben bis zehn Tagen einmal pro Jahr unterstütze nachweislich die medikamentöse Therapie entzündlicher Prozesse, sagt Professor Dr. Andreas Michalsen. Er arbeitet als Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus in Berlin und wendet derzeit vor allem eine Fastentherapie bei rheumatoider Arthritis an.
Schmerzlindernd wirken gemäss Michalsen auch die Kneipp’sche Hydrotherapie sowie Stressreduktion, Entspannungsübungen und Achtsamkeitsübungen. Allein, dass Betroffene sich mit ihrem Körper beschäftigen, führe oft zu einem gesünderen Lebensstil, sagt der Internist.

Die Homöopathie bewertet Michalsen wegen mangelnder Evidenz eher zurückhaltend. Er hält dazu fest, dass im Einzelfall der Placebo-Effekt die Schmerzen lindern könne und dass zumindest Nebenwirkungen in der Regel nicht zu befürchten seien.

Kritisch sieht der Fachmann in dieser Hinsicht – bezüglich Nebenwirkungen – den Einsatz verschiedener asiatischer Kräuter. Auch sei die Qualität von Arzneipflanzen aus Asien nicht immer gesichert.

Pflanzliche Mittel wie Ingwer, Grüner Tee, Granatapfel, Walnüssen oder Leinsamen zeigen laut Michalsen in Grundlagenstudien zwar entzündungshemmende Effekte. Er kommt aber zum Schluss, dass die Wirksamkeit dieser Mittel bei rheumatoider Arthritis bisher jedoch nicht belegt werden konnte.

Milde Effekte hätten sich gezeigt bei Borretschöl, Nachtkerzenöl und Katzenkralle. Die Nebenwirkungen dieser Mittel im Langzeitgebrauch seien aber noch nicht geprüft.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59151

Kommentar & Ergänzung:

Dass Fasten temporär Entzündungsprozesse abschwächen kann, scheint mir gut belegt.

Und auch mit Hydrotherapie lassen sich manchmal Schmerzen und Entzündungen lindern, wobei die Massnahmen individuell und stadiengerecht angepasst sein müssen.

Stressreduktion, Entspannungsübungen und Achtsamkeitsübungen wirken zwar nicht direkt gegen die rheumatoide Arthritis, helfen den Patientinnen und Patienten aber oft in anspruchsvollen Umgang mit ihrer chronischen Erkrankung. Und das ist nicht wenig.

Asiatische Kräuter sind tatsächlich oft nur ungenügend auf mögliche Nebenwirkungen untersucht. Das fällt bei Thema Rheuma speziell ins Gewicht, weil in der Regel Langzeitanwendungen nötig sind. Und vor allem bei asiatischen Pflanzenpräparaten, die über das Internet bezogen werden. wurden bei Stichproben immer wieder nichtdeklarierte „chemische“ Arzneistoffe entdeckt (z. B. NSAR), die risikobehaftet sind.

Bei Ingwer, Grünem Tee, Granatapfel, Walnüssen und Leinsamen gibt es Hinweise auf günstige Wirkungen bei rheumatoider Arthritis, aber keine Gewissheit. Es fehlen grosse, einwandfreie Studien mit Patienten, die eine Wirksamkeit belegen könnten.

Bei Borretschsamenöl und Nachtkerzenöl bin ich eher skeptisch, ob das Anwendungsgebiet „rheumatoide Arthritis“ sinnvoll ist. Die Phytotherapie-Fachliteratur erwähnt bei Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl als Anwendungsbereich Neurodermitis (Atopische Dermatitis), insbesondere zur Juckreizlinderung. Zu dieser Indikation gibt es einige Studien mit positiven Ergebnissen, deren Aussagekraft allerdings auch kritisiert wird und die überwiegend sehr Hersteller-abhängig sind. gäbe es belastbare Daten aus klinischen Studien für den Anwendungsbereich rheumatoide Arthritis, würde die relevante Phytotherapie-Fachliteratur diesen Anwendungsbereich aufführen. Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl sind zudem nicht gerade billig und müssten sehr langfristig eingenommen werden. Eine allfällige Wirkung tritt erst nach 4 – 12 Wochen ein und ist schwierig zu beurteilen, da in der Regel die Gabe von Borretschsamenöl oder Nachtkerzenöl nicht die einzige therapeutische Massnahme ist.

Katzenkralle

Bei der Katzenkralle (Uncaria tomentosa) ist die Lage komplex. Inhaltsstoffe der Katzenkrallenwurzel zeigen im Experiment Wirkungen auf das Immunsystem. Sie nehmen direkt auf die T-Lymphozyten Einfluss, die bei rheumatoider Arthritis die Knorpelzellen in den Gelenken angreifen. Diese überaktiven Abwehrzellen werden beruhigt, während gleichzeitig die Bildung von harmlosen Abwehrzellen angeregt wird.
Verantwortlich für diese Effekte sind pentazyklische Oxindolalkaloide. Diese Wirkungen werden dosisabhängig durch tetrazyklische Oxindolalkaloide abgeschwächt.
Darum müssen Präparate aus Katzenkralle einen standardisierten Gehalt an pentazyklischen Oxindolalkaloiden aufweisen und frei sein von tetrazyklischen Oxindolalkaloiden. Das ist bei vielen Nahrungsergänzungsmitteln aus Katzenkralle, die im Handel sind und vor allem über das Internet vermarktet werden, keineswegs garantiert. Als Arzneimittel zugelassen ist ein standardisiertes Katzenkrallen-Präparat gegenwärtig aber nur in Österreich und untersteht dort der Rezeptpflicht.
Von Teezubereitungen aus Katzenkralle ist aufgrund des aus genetischen Gründen schwankenden Alkaloidgehalts dringend abzuraten.

Genetisch bedingt bilden nämlich nicht alle Pflanzen der Art Uncaria tomentosa die für die Wirksamkeit relevanten pentazyklischen Oxindolalkaloide. Es existieren Chemotypen die andere Inhaltsstoffe, überwiegend tetrazyklische Oxindolalkaloide, bilden.

Das in Österreich als Arzneimittel zugelassene Katzenkrallen-Präparat ist offenbar an der Uniklinik Innsbruck in einer kleinen Studie an Patienten untersucht worden, die darüber hinaus mit einer antirheumatischen Basistherapie behandelt wurden:

„Die Studie wurde drei Jahre lang an 40 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren durchgeführt. Die Personen hatten bereits etwa sieben Jahre an der »aktiven chronischen Polyarthritis« gelitten. Durch diese Erkrankung kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung mehrerer Gelenke. 20 Patienten wurden im Zuge der klinischen Untersuchung 24 Wochen lang mit Placebos behandelt, die andere Hälfte mit dem Verum. Während sich bei diesen bereits eine Besserung der Beschwerden einstellte, verspürte die erste Gruppe keine positiven Effekte, wie Muhr erläuterte. Anschließend erhielten alle Patienten für die Dauer von sieben Monaten die südamerikanische Heilpflanze Krallendorn – Uncaria tomentosa. Die Zahl der geschwollenen Gelenke sowie die Morgensteifigkeit habe dadurch bei allen Betroffenen nachweislich abgenommen.
Im Gegensatz zu den verbreiteten Rheumatherapien gibt es bei der Einnahme von Krallendorn kaum Nebenwirkungen. Der Wirkstoff nimmt direkt auf die T-Lymphozyten Einfluss, die bei Rheumatismus die Knorpelzellen in den Gelenken angreifen. Diese überaktiven Abwehrzellen werden beruhigt, gleichzeitig wird die Bildung von harmlosen Abwehrzellen angeregt.“
Quelle:

http://web.archive.org/web/20070928015611/http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2003/01/info/info01_2003tiro.html

Diese placebokontrolliert geführte Studie wurde Original publiziert im Journal of Rheumatology (2002;29:678 – 681). Ihre Aussagekraft ist sehr eingeschränkt durch die kleine Probandenzahl. Darüber hinaus gibt es eine Anwendungsbeobachtung mit 112 Patienten, der aber die Placebokontrolle fehlt. Ein klinischer Wirkungseintritt bei der rheumatoiden Arthritis kann erst nach 3-4 Monaten erwartet werden. Eine kürzere Einnahmedauer von Krallendorn ist daher nicht sinnvoll.
Zentrale Werke der Phytotherapie-Fachliteratur zeigen sich von diesen klinischen Studien allerdings nicht sehr überzeugt und bewerten ihre Aussagekraft kritisch (z. B. Schilcher, Leitfaden Phytotherapie; Wyk / Wink / Wink, Handbuch der Arzneipflanzen).

Damit dürfte deutlich geworden sein, wie komplex die Geschichte mit der Katzenkralle ist.

Mir fehlt in der Pressemeldung ein Kommentar zum Thema „Weihrauch bei rheumatoider Arthritis“. Da gibt es ebenfalls einige Patientenstudien, die auf eine Wirksamkeit hinweisen, aber auch keine Gewissheit verschaffen.

Begriff klären: Alternativmedizin, Komplementärmedizin, Naturheilkunde

Darüber hinaus bietet die Pressemeldung eine Illustration dafür, wie vage und unklar Begriffe wie Alternativmedizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde oft verwendet werden.
Prof. Andreas Michalsen ist Chefarzt einer Abteilung für Naturheilkunde.
Klassische Naturheilkunde lässt sich etwa umreissen mit den 5 Säulen nach Kneipp:

Ernährung
Heilpflanzen-Anwendungen
Hydrotherapie
Bewegung, Luft, Licht
Lebensordnung

Das von Michalsen erwähnte Fasten gehört zweifellos zur Naturheilkunde.
Ebenso Achtsamkeitsübungen, Entspannungsübungen und Stressreduktion, die samt und sonders zur Lebensordnung gezählt werden können. Und dass die aufgeführten pflanzlichen Präparate zur Naturheilkunde gehören, steht ausser Frage.
Aufgeführt werden die erwähnten Verfahren aber unter den Begriffen Alternativmedizin und Komplementärmedizin, die ihrerseits auch nicht differenziert werden.

Meiner Ansicht nach gibt es aber keine plausiblen Argumente, um Verfahren der Naturheilkunde zu den Bereichen Alternativmedizin oder Komplementärmedizin zu zählen. Naturheilkunde ist meines Erachtens klar ein (randständiger) Bereich der Medizin. Alle „Säulen“ der Naturheilkunde sind grundsätzlich kompatibel mit wissenschaftlich-medizinischem Denken.

Siehe auch:
Naturheilkunde – was ist das?
Demgegenüber gehört Homöopathie nicht zur Naturheilkunde. Sie setzt keine „Wirkfaktoren“ aus der Natur ein, sondern – glaubt man Hahnemann – eine „geistartige Kraft“, die nicht in der Natur vorkommt und durch ein spezielles Ritual – schrittweise Verdünnung, Verschüttelung – ausgelöst wird. Und da Homöopathie den Grundlagen von Physik, Chemie und Biologie widerspricht und daher mit wissenschaftlich-medizinischem Denken nicht kompatibel ist, gehört sie in die Bereiche Komplementärmedizin oder Alternativmedizin – je nach dem, wie Alternativmedizin und Komplementärmedizin definiert werden und welche Vorstellungen von Homöopathie man vertritt.

Wenn Begriffe wie Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin ungeklärt und ohne klare Definition wild durcheinander gemixt verwendet werden, dann redet man aneinander vorbei, weil jede und jeder sich etwas anderes darunter vorstellt.

Darum bin ich immer vorsichtiger geworden mit ihrer Verwendung.
Das gibt auch für den unsäglichen Begriff „Schulmedizin“.

Siehe dazu:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bewegung bessert Schlafstörungen – aber nur längerfristig

Oft wird Menschen mit Schlafstörungen geraten, sie sollen mehr Sport treiben. Falsch wäre es dabei allerdings zu erwarten, dass mehr Sport die Schlafstörungen sofort lindert. Wissenschaftler aus den USA haben in einer Studie herausgefunden, dass es etwa vier Monate dauern kann, bis sich mehr Bewegung positiv auf den Schlaf auswirkt.

Die Forscher der Feinberg School of Medicine an der  Northwestern University in Chicago schreiben, man müsse mit dem Sport eine langfristige Beziehung eingehen. Denn Menschen mit Schlafstörungen hätten eine höhere Gehirnaktivität und es dauere einige Monate, bis diese durch den Sport auf ein normales Level gesunken sei.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Menschen, die wenig schlafen, auch weniger Sport treiben, weil sie sich zu erschöpft fühlen. Man müsse aber auch dann Sport machen, wenn man kaum geschlafen habe, um einen langfristigen Effekt zu erreichen

Die Resultate der Studie wurden im Journal of Clinical Sleep Medicine publiziert.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=253984

http://www.aasmnet.org/JCSM/ViewAbstract.aspx?pid=29078

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ gehört zu den klassischen Therapie-Elementen der Naturheilkunde, genauso wie beispielsweise Pflanzenheilkunde, Ernährung oder Hydrotherapie (Wasseranwendungen).

Der Begriff „Naturheilkunde“ wir heute leider ziemlich unreflektiert auf alles mögliche angewendet.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lehmpackungen lindern Stauungsbeschwerden bei Venenschwäche

Bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz (Venenschwäche) sind kalte Lehmpackungen wirksam. Sie verbessern die Lebensqualität und reduzieren die Stauungsbeschwerden.

Durch den Kältereiz und den Eigendruck der feuchten Lehmmasse kommt es zur Zusammenziehung von Gefässen (Vasokonstriktion) und zur Tonusabnahme in der Muskulatur.

Bei einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI) gibt es vielfältige Behandlungsmethoden: Neben operativen, endovaskulären und medikamentösen Maßnahmen kommen auch physikalische Behandlungen (Kompression, Hydrotherapie) zur Anwendung.

Für einige physikalische Verfahren ist mittlerweile auch eine klinische Wirksamkeit belegt. Zum Nutzen kalter Lehmpackungen (Peloide) existierten bislang vor allem gute klinische Erfahrungsberichte, jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen.

Dr. Karin Redlich hat im Rahmen ihrer Dissertation am Uniklinikum Frankfurt a. M. mit einer Studie untersucht, wie kalte Lehmpackungen auf die Beine die Lebensqualität und die Stauungsbeschwerden bei symptomatischer CVI beeinflussen.

Als Nebenziele wurden in der Studie erfasst die subjektiven Parameter Schmerzen, Schweregefühl und Juckreiz in den Beinen sowie die objektiv messbaren Parameter Waden- und Knöchelumfang, transkutaner Sauerstoffpartialdruck und die venöse Wiederauffüllzeit.

Teilgenommen an der Studie haben 66 Probanden (57 Frauen und 9 Männer) im Alter von 45 bis 85 Jahren. Die Datenerhebung erfolgte per Fragebogen und visueller Analogskala, die Messungen wurden unmittelbar vor Beginn, nach Ende und drei Monate nach Abschluss der Behandlung durchgeführt.

Die Therapiegruppe bekam über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen insgesamt sechs kalte Lehmpackungen verabreicht – und zwar für rund eine Stunde auf beide Beine.

Die Resultate: Nach erfolgter Lehmanwendung kam es in der Therapiegruppe bei allen subjektiven Parametern – erfasst mit dem SF-36-Fragebogen – ebenso wie bei den über die visuelle Analogskala erhobenen Beschwerden Schmerzen, Schweregefühl und Juckreiz zu signifikanten Verbesserungen, die nach drei Monaten eine Tendenz in Richtung Ausgangswerte zeigten, ohne allerdings diesen zu erreichen.

Die Studienleiterin zieht daraus den Schluss, dass die Behandlung einen nachhaltigen Effekt hat.

Leichte Reduktion des Knöchelumfangs

Bei den objektiven Messparametern zeigten sich tendenzielle Verbesserungen, die allerdings nicht signifikant waren. So nahm der Knöchelumfang links kontinuierlich ab und lag auch drei Monate nach dem Ende der Behandlung noch tiefer als der Ausgangswert.

Beim rechten Knöchelumfang kam es zu einer ähnlichen, jedoch weniger ausgeprägten Verminderung. Der Sauerstoffpartialdruck verbesserte sich unmittelbar nach der Therapie, fiel jedoch drei Monate später unter das Ausgangsniveau.

Als Resultat der Behandlung verlängerte sich die venöse Wiederauffüllzeit mit einer Tendenz nach drei Monaten in Richtung Ausgangswert – allerdings nur im linken Bein.

Die Wirkung der Lehmwickel wird wie folgt erklärt: Durch den Kältereiz und den Eigendruck der feuchten Lehmmasse komme es zu einer Gefässverengung (Vasokonstriktion) und einer Tonusverminderung der Muskulatur.

Der äußere Abschluss wiederum bewirke eine Erwärmung tiefer liegender Gewebeabschnitte. Und beim Trocknungsvorgang entstünden Sorptionskräfte mit einem von innen nach außen gerichteten Flüssigkeitsstrom, der eine Verminderung überschüssiger Gewebeflüssigkeit zur Folge habe.

Der Stoffwechsel werde durch die Lehmanwendungen angeregt und das Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/827701/kaeltereiz-lehmpackungen-venenstau.html

Kommentar & Ergänzung:

Lehmwickel und Lehmkuren sind ein traditioneller Bestandteil der Naturheilkunde.

Erfreulich, dass in diesem Bereich einmal eine Studie mit Patientinnen und Patienten durchgeführt wurde. Dass Lehm einen kühlenden und damit auch abschwellenden Effekt hat, der bei Veneninsuffizienz günstig wirkt, liegt eigentlich ziemlich auf der Hand. Eine Linderung von Beschwerden ist daher plausibel, auch wenn die objektiv messbaren Parameter offenbar nicht sehr stark verändert  wurde.

Als Lehmpastor  galt übrigens Erdmann Leopold Stephanus Emanuel Felke (1856- 1926).  Der evangelische Pastor war ein Verfechter der Naturheilkunde und propagierte die nach ihm benannte Felkekur.

Siehe auch: Was ist Naturheilkunde?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Ein Teil der Frauen in den Wechseljahren leidet an Hitzewallungen. Wissenschaftler empfehlen hier sportliche Bewegung.

Übergewichtige Frauen mit wenig körperlicher Bewegung leiden in den Wechseljahren häufiger unter den Symptomen einer Hitzewallung, erklärt Steriani Elavsky von der Abteilung Kinesiologie der Universität Penn State. Darüber hinaus konnten die Forschenden durch ein neues Studiendesign unterscheiden zwischen objektiven und subjektiven Hitzewallungen.

Sie beobachtete 92 menopausale Frauen für 15 Tage. Die Probandinnen, im Alter zwischen 40 – 59 Jahren und ohne aktueller Hormontherapie, bekamen einen Beschleunigungssensor zur Messung der körperlichen Aktivität. Außerdem wurden ihre Hautleitfähigkeit kontrolliert, um eine Hitzewallung zu objektivieren.

Die Annahme, dass Sport Hitzewallungen fördert, da es die Körperkerntemperatur steigert, konnte widerlegt werden. Die Untersuchungen  zeigten, dass Frauen nach sportlicher Bewegung weniger Hitzewallungen erlebten als ihre inaktiven Geschlechtsgenossinnen. Zudem zeigen die Untersuchungen, dass Übergewichtige häufiger unter den Beschwerden der Wechseljahre leiden.

Ob eine gezielte Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Bewegung Symptome der Menopause lindern können, müsse nun in weiteren Studien überprüft werden, betonen die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/menopausale-hitzewallungen-einfach-wegtrainieren.html

Steriani Elavsky et al., Menopause 2012, 25 .Juni, online first

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ ist ein zentraler Bestandteil der klassischen Naturheilkunde, wie sie sich zum Beispiel darstellt in den fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:

Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Bewegung, Lebensordnung.

Die Begriffe Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin werden heute oft irreführend durcheinander gemischt.

Naturheilkunde – was ist das?

Zum Thema Bewegung & Gesundheit sind in letzter Zeit zahlreiche interessante Studien publiziert worden.

Beispielsweise:

Wandern reduziert Depressionen

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Regelmässiges Schwimmen hilft erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Zügig Gehen reduziert Darmkrebsrisiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Sport gegen Depressionen

Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion

Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

Sport reduziert Angstsymptome

Bewegung beugt Depressionen vor

In der Phytotherapie steht bei Hitzewallungen in den Wechseljahren die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) im Vordergrund. Weniger gut geklärt sind Soja und Rotklee.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Isoflavone aus Soja und Rotklee bei Wechseljahrsbeschwerden

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Wandern reduziert Depressionen

Regelmäßig wandern zu gehen lindert Depressionen und Suizidgedanken. Bei einer Studie mit 20 Patienten, die schon Suizidversuche hinter sich haben, zeigten sich durch regelmäßige Wanderungen deutliche Verbesserungen.

20 Patienten der Salzburger Christian-Doppler-Klinik, die bereits Suizidversuche hinter sich haben, wurden für die Studie ausgewählt. Die Teilnehmenden gingen abwechselnd neun Wochen lang je dreimal pro Woche in einer geführten Gruppe wandern.

Absolviert wurden kleine, moderate Touren von zwei bis drei Stunden auf den Bergen rund um die Stadt Salzburg, erklärt der Studienleiter, Sportwissenschaftler Josef Sturm.

Der Erfolg der regelmäßigen Wanderungen lag über den Erwartungen der Wissenschaftler:

Die Patienten freuten sich auf die Wanderungen und die Motivation lag deutlich höher als in vergleichbaren Studien. Dass auch die körperliche Verfassung der Patienten sich um 100 Prozent verbessert hat, bestätigte Sportmediziner Josef Niebauer durch Tests.

Vor allem aber wurde die seelische Lage der Suizid-Patienten deutlich positiver. Sechs Monate lang wurden die Teilnehmer der Studie per Onlinefragebogen täglich über ihren Gemütszustand befragt – mit einem Test, der von Günter Schiepek entwickelt wurde, dem Leiter des PMU-Instituts für Synergetic und Psychotherapieforschung. Zudem gab es am Anfang, zur Hälfte und am Schluss der Studie ein ausführliches Gespräch. Die Auswertung zeigte ganz klar, dass im Verlauf der Studie Suizidgedanken, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Depressionen deutlich seltener wurden.

Dass Bewegung in der Natur und in den Bergen gut gegen Depressionen und Suizidgefährdung ist, sei damit erstmals in einer wissenschaftlichen Studie bestätigt, kommentiert Reinhold Fartacek, ärztlicher Direktor der Christian-Doppler-Klinik und Leiter der Suizidprävention Es gebe viele Studien zum Thema Depression. Sehr rar seien aber die Studien, die diese Effekte mit einer wirklich sauberen und aufwändigen Methodik untersuchen, wo man danach wirklich sagen könne: Diese Intervention hat Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken verbessert und ist nicht durch andere Faktoren erklärbar. Da sei es am Beispiel der suizidgefährdeten Patienten die weltweit erste Studie, die das sauber zeigen konnte.

Bei den Wanderungen seien die Studienteilnehmer daher auch angewiesen worden, ohne viel Reden mit den anderen Gruppenmitgliedern zu gehen, um ausschließen zu können, dass das Gruppenerlebnis zur Verbesserung des Zustandes führt, sagt Fartacek.

Quelle:

http://salzburg.orf.at/news/stories/2546925/

Kommentar & Ergänzung:

Dass Wandern bzw. Bewegung günstig wirkt gegen Depressionen, ist meines Erachtens sehr plausibel.

Schon der dänische Philosoph Søren Kierkegaard (1813 – 1855) schrieb:

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Allerdings erstaunt es mich schon, wenn gesagt wird, dass diese Studie die Effekte erstmals „sauber“ belegt habe.

Depressionen bessern häufig auch von selber innert einiger Monate. Es fehlt hier jedoch eine Kontrollgruppe mit vergleichbarer Symptomatik, aber ohne Wanderungen. Nur mit einer Kontrollgruppe könnte man den spontanen Verlauf mit der Interventionsgruppe vergleichen.

Ausserdem bewirkt fast jede einigermassen sinnvolle Intervention eine gewisse Entlastung – nur schon dadurch, dass „etwas“ getan wird. Dieses Phänomen kann man zum Placebo-Effekt rechnen – aber gut, den Patienten kann es egal sein, ob es ihnen durch das Wandern besser geht oder durch den Placebo-Effekt.

Aber nochmals, damit ich nicht falsch verstanden werde: Wandern ist mit oder ohne Depression gesund und empfehlenswert.

Erwähnt werden soll noch, dass Bewegung eine klassische Methode der Naturheilkunde ist und eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp (neben Hydrotherapie, Ernährung, Heilpflanzen-Anwendungen, Lebensordnung).

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Regelmässiges Schwimmen hilft, erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Bei leicht erhöhten Blutdruckwerten (120 – 139 systolisch bzw. 80 – 89 mmHg diastolisch), die als Vorstufe des Bluthochdrucks (Prähypertonie) gelten, muss bei ansonsten gesunden Menschen nicht gleich medikamentös behandelt werden.

Meist kann eine Senkung der Blutdruckwerte schon durch Lebensstil-Maßnahmen erreichen werden, wie beispielsweise durch Reduktion von Übergewicht, verminderten Salzkonsum oder regelmässigen Ausdauersport.

Auch regelmäßig zum Schwimmen gehen kann beispielsweise mithelfen, einen manifesten Bluthochdruck zu verhindern, und zudem einer Arterienverkalkung vorbeugen. Gerade für ältere oder übergewichtige, untrainierte Menschen, die häufig auch Gelenkprobleme haben,  ist Schwimmen im richtig temperierten Wasser als Sport gut geeignet.

Blutdruck-Reduktion um 10 mmHG nach zwölf Wochen

US-Wissenschaftler aus Texas konnten nun in einer Studie zeigen, dass regelmäßiges Schwimmen (drei- bis viermal die Woche jeweils 40-45 Minuten) schon nach zwölf Wochen zu einer Reduktion des arteriellen Blutdruckes um rund 10 mmHg führt, wobei sich auch die Funktion der Blutgefäße deutlich verbessert. Die Elastizität der Gefäße und ihre durch den Blutfluss vermittelte Fähigkeit, sich zu erweitern, nehmen durch das Schwimmtraining nachweislich zu. In einer Kontrollgruppe, die anstatt zu schwimmen statische Entspannungs- und Dehnungsübungen durchführte, waren solche Effekte hingegen nicht festzustellen.

Die Studie wurde publiziert im American Journal of Cardiology (Online-Vorabveröffentlichung am 16.1.2012).

Training im richtigen Pulsbereich nötig

Bei erhöhtem Blutdruck können grundsätzlich alle Ausdauersportarten günstig wirken, wenn man sie regelmäßig – das heißt mindestens dreimal wöchentlich für mindestens eine halbe Stunde – betreibt. Allerdings sollte gerade bei älteren Patienten vor Trainingsaufnahme ein erhöhtes Risiko von Sport beispielsweise durch eine Belastungsuntersuchung ausgeschlossen sein.  Zur Reduktion des Blutdrucks ist hauptsächlich das regelmäßige Training im richtigen Pulsbereich wichtig.  Den persönlichen, idealen Trainingspuls sollte man sich vom Arzt oder Trainer berechnen lassen und ihn beim Training mit einer Pulsuhr kontrollieren.

Weniger geeignet bei Prähypertonie ist ausgesprochenes Krafttraining mit schweren Gewichten. Das kann nämlich den Blutdruck in die Höhe treiben und man riskiert dabei Blutdruck spitzen, die zu vermeiden sind – vor allem wenn man dabei noch falsch atmet.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1236_regelm-iges-schwimmen-hilft-erh-hte-blutdruckwerte-zu-senken.html

http://www.ajconline.org/article/S0002-9149(11)03445-X/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist ein zentrales Element der Naturheilkunde und eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp (neben Hydrotherapie, Heilpflanzen, Ernährung und Lebensordnung).

Die Phytotherapie kennt kaum Heilpflanzen mit gut dokumentierter Wirksamkeit bei Bluthochdruck. Hinweise auf eine Blutdrucksenkung gibt es beim Knoblauch, doch braucht es dazu Dosen, die nicht selten mit sozialen Nebenwirkungen verbunden sind.

Siehe:

Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen

Knoblauch entspannt Blutgefässe dank Schwefelwasserstoff

Interessant sind Hinweise auf eine Blutdrucksenkung durch Randensaft (Rote Beete Saft):

Randensaft (Rote Beete) senkt Blutdruck

Ausserdem interessant:

Rosinen zeigen günstige Wirkung bei leichtem Bluthochdruck

Schwarztee senkt Blutdruck

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Karkadetee senkt systolischen blutdruck um 13 mmhg

Karkadetee ist interessant, weil er auch angenehm im Geschmack ist und sich daher leicht in den Alltag  integrieren lässt. Es handelt sich um Hibiscus sabdariffa.

Siehe: Blick ins Pflanzenlexikon – Hibiskus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Sportliche Aktivität wirkt sich deutlich positiv auf die Stärke, die Häufigkeit und die Dauer einzelner Migräne­Attacken von Patienten aus. Zu diesem Resultat kam eine Studie am Universitätsklinikum Kiel, die mit Unterstützung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) durchgeführt wurde. „Vor allem der Sport im aeroben Herzfrequenzbereich zur Steigerung der Ausdauer, zum Beispiel durch ein ausreichend effizientes Lauftraining, soll hierfür in besonderem Maße geeignet sein“, erklärt Dr. Stephanie Darbaneau, die die Studie begleitet hat.

In der Studie wurde die Wirkung von Jogging und von Walking auf die Migräne verglichen.

Während der Untersuchung beobachteten die Wissenschaftler die Entwicklung der Migränesymptome acht Wochen vor und nach dem Training bei Patienten, die durchschnittlich schon seit 20 Jahren erkrankt waren. In beiden Gruppen (Joggen und Walken) zeigte sich, dass Sport bei der Migräneerkrankung günstig wirkt.
So reduzierten sich die Migränetage in der Jogginggruppe um 17,2 Prozent und die Kopfschmerzstunden gingen um 21,8 Prozent pro Monat zurück. In der Walkinggruppe traten aufgrund der moderaten Bewegung pro Monat durchschnittlich 1,3 Attacken weniger auf.

Bisher existieren nur wenige Studien, die den erwarteten günstigen Effekt des Sports auf Kopfschmerzen belegen. Zehn Studien haben den Effekt von Sport auf die Migräneerkrankung untersucht, fünf davon konnten zeigen, dass Betroffene nach einem regelmäßigen Ausdauerlauftraining weniger Attacken hatten. Bei den übrigen fünf Studien blieb die Wirkung unklar oder konnte nicht nachgewiesen werden.

Als Erklärung für die vom Ausdauersport erwarteten Effekte wird eine Steigerung der Schmerzschwelle diskutiert. Ausdauersport soll den Abbau von unter Stress ausgeschütteten Hormonen beschleunigen, den Stresshormonpegel der Patientinnen und Patienten reduzieren und dadurch die individuelle Schmerzschwelle beeinflussen.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48370/Walken_und_Joggen_hilft_gegen_Migraene.htm

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ ist eine Heilmethode aus der klassischen Naturheilkunde.  Darum gehört „Bewegung“ auch zu den 5-Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:

– Hydrotherapie

– Heilpflanzen-Anwendungen (in modernisierter Form: Phytotherapie)

– Ernährung

– Bewegung, Luft, Licht

– Lebensordnung

Siehe auch:

Was ist Naturheilkunde?

„Bewegung“ wird heute kaum mehr als Heilmethode aufgefasst.

Heilmethoden müssen exotischer daher kommen, um im Trend zu liegen.

„Bewegung“ wird mit Sport und Fitness gleich gesetzt, ist natürlich gesund und kommt heute attraktiver verpackt als Jogging, Nordic Walking, Zumba, Aerobic, Pilates etc. daher.

Inzwischen gibt es aber immer mehr Untersuchungen, die regelmässiger Bewegung spezifische günstige Wirkungen zuschreiben zum Beispiel bei Diabetes, Depressionen, Demenz, Durchblutungsstörungen in den Beinen.

In der Regel braucht es für günstige Effekte nicht die intensive, stundenlange körperliche Aktivität. Schon kleinere, aber regelmässig absolvierte Bewegungsrationen zeigen gute Wirkung. Und am besten baut man diese Bewegungsrationen in den Alltag ein.

Wer darüber hinaus noch Jogging, Nordic Walking, Zumba, Aerobic, Pilates….machen will, kann das gerne tun. Solche Methoden haben meinem Eindruck nach vor allem einen Motivationseffekt, wenn man dadurch eine Bewegungsart oder eine Gruppe findet, die einem zusagt.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen?

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Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

Regelmäßige sportliche Betätigung kann Menstruationsbeschwerden nicht nur lindern, sondern auch präventiv dagegen wirken. „Körperliche Bewegung führt allgemein zu einer verbesserten Durchblutung des Beckens. Dadurch können die Verkrampfungen der Gebärmutter gelöst werden, die den Regelschmerz verursachen“, sagt Dr. Klaus König, Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF). „Besonders geeignete Sportarten vor und während der Periode sind Fahrradfahren und Walking – im Grunde ist aber fast jede Form der Bewegung günstig.“

Auslöser für Menstruationsbeschwerden sind körpereigene Schmerzbotenstoffe, die Prostaglandine. Sie verursachen das Zusammenziehen der Muskulatur der Gebärmutter, wodurch die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut ausgelöst wird. Als Folge dieser Muskelkontraktion wird die Gebärmutter schwächer durchblutet, was schließlich die Beschwerden verursacht.

Auch Wärme und die zusätzliche Aufnahme von Magnesium können dazu beitragen, die Muskulatur zu entkrampfen. „Bei heftigen Schmerzen während der Regel empfiehlt sich die Einnahme von Ibuprofen, das die Bildung von Prostaglandinen hemmt. Allerdings sollte von einem Frauenarzt zuvor unbedingt abgeklärt werden, ob die starken Schmerzen nicht etwa durch eine organische Erkrankung wie beispielsweise Endometriose, Myome oder Zysten verursacht werden. Für derartige Krankheitsbilder sind heftige Schmerzzustände typisch und diese müssen meist behandelt werden“, erklärt Dr. König. „Bei starken Menstruationsschmerzen kann es unter Umständen auch sinnvoll sein, die Pille zu nehmen. Sie trägt dazu bei, den Hormonhaushalt zu regulieren, wodurch die Beschwerden oft verschwinden oder zumindest deutlich gelindert werden.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/sport-beugt-menstruationsbeschwerden-vor-220019100.html

Kommentar & Ergänzung:

Nichtmedikamentöse Behandlungsstrategien werden oft zu Unrecht in ihrer Bedeutung unterschätzt. Das hat wohl damit zu tun, dass dafür kaum eine nennenswerte Lobby existiert. Weil niemand gross daran verdient, wenn Frauen vor oder während der Menstruation Fahrrad fahren oder zügige Spaziergänge machen, gibt es dafür auch keine Werbung und nur wenig Forschung.

Dabei gehört „Bewegung“ zu den klassischen Naturheilverfahren und zu den fünf Säulen der Kneipptherapie nach Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie zeigt: Sport hilft gegen Depression

Depressive Patienten, deren Stimmung sich durch die Therapie mit Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-­Hemmern (SSRI) nicht genügend bessert, können von sportlicher Betätigung profitieren. In einer kürzlich veröffentlichten Studie reduzierte ein zwölfwöchiges aerobes Ausdauertraining bei Patienten mit Depression den Schweregrad der Symptomatik signifikant, zum Teil bis hin zur Remission. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Madhukar Trivedi von der University of Texas (Dallas) im «Journal of Clinical Psychiatry».

Ob eine nur mäßige oder eine intensivere Belastung der psychischen Gesundheit mehr zuträglich war, wurde von individuellen Faktoren beeinflusst. Männer profitierten generell mehr von diesem Ausdauertraining, wenn sie sich stärker anstrengen mussten: Sie erreichten dann in 85,4 Prozent der Fälle eine Remission, während es nach leichtem Training nur 0,1 Prozent waren. Bei Frauen war ein leichteres Training erfolgreicher, wenn in ihrer Familie schon andere Fälle von psychischen Erkrankungen aufgetreten waren. War zuvor noch kein Familienmitglied psychisch erkrankt, erreichten auch Frauen durch intensiveres Training höhere Remissionsraten als durch leichtes (39 Prozent versus 5,6 Prozent).

«Wenn depressive Patienten auf SSRI nicht ansprechen, kann Bewegung ebenso hilfreich sein wie die Hinzunahme eines weiteren Wirkstoffs», kommentierte Trivedi die Resultate. Er glaubt, dass zahlreiche Patienten lieber Sport treiben würden als zusätzlich noch ein Arzneimittel einzunehmen. Die Intensität der sportlichen Belastung müsse dabei allerdings auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Quellen:

doi: 10.4088/JCP.10m06743

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=39116&Nachricht_Title=Nachrichten_Studie%3A+Sport+hilft+gegen+Depression&type=0&folder_id=38831

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bewegung nicht nur für den Körper gesund ist, sondern auch das psychische Befinden verbessern kann, ist schon verschiedentlich durch Studien belegt worden.

Bewegung beugt Depressionen vor

Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Im übrigen gehört Bewegung zur klassischen Naturheilkunde und ist eine der fünf Säulen in der Kneipptherapie von Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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