Beiträge

Weissdornbeeren für Sirup und Kompott

Wenn der Herbst ins Land zieht, leuchten die Früchte des Weissdorns rot in den Hecken. Dass die Beeren essbar sind, ist nur wenigen bekannt. Roh hat das Fruchtfleisch allerdings eine mehlige Konsistenz. Erst nach der Verarbeitung zu Kompott, Gelee, Saft, Sirup oder Chutney entfalten die Früchte ein angenehm süß-säuerliches Aroma. Sie lassen sich auch gut mit anderem Obst wie Äpfeln, Quitten und Holunderbeeren kombinieren. Ein Mus aus Weißdornbeeren kann als Brotbelag verwendet werden und gibt Müsli, Joghurt und Quark einen speziellen Geschmack. Dafür werden die Weissdornfrüchte in etwas Wasser für acht bis zehn Minuten weichgekocht, danach abgegossen und durch ein Sieb gestrichen. Wer es gerne süsser hat, kann einen Teelöffel Agavensirup oder Honig beigeben.

Auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde ist der Weissdorn bekannt. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl den Weißdorn als Heilpflanze für Herz und Kreislauf. Bei Bluthochdruck und Schwindel soll ein Weissdorntee aus den getrockneten Blüten und Blättern helfen. Die Früchte enthalten unter anderem viel Vitamin C und Provitamin A sowie den Ballaststoff Pektin.

Weissdornfrüchte reifen zwischen August und Oktober. Beim Pflücken sollte man Vorsicht walten lassen und Handschuhe tragen, da Weißdorn sehr dicht wächst und mit zahlreichen Dornen bestückt ist. Ausserdem können die roten Beeren unschöne Flecken auf Textilien hinterlassen. Vor der Zubereitung werden die Weissdornfrüchte vom Stiel abgezogen und vor der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen. Ein paar Früchte sollten jedoch am Strauch bleiben, da sie über 30 verschiedenen Vogelarten als Nahrung dienen. Auch für zahlreiche Insektenarten und kleine Säugetiere ist der Weißdornstrauch eine gute Lebensgrundlage.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/weissdorn-30849.html

 

Kommentar & Ernährung:

Erfreulich, dass das „Bundeszentrum für Ernährung“ (BzfE) die Weissdornfrüchte als Nahrungsmittel vorstellt.

Die Phytotherapie verwendet meistens Weissdornblüten und Weissdornblätter als Weissdorntee, Weissdorntinktur oder Weissdornextrakt.

Weissdornfrüchte (genauer: Scheinfrüchte) werden selten eingesetzt, kaum als Tee, manchmal aber als Tinktur.

Die Weissdornfrüchte enthalten wie Blüten und Blätter die typischen Wirkstoffe des Weissdorns – Flavonoide und oligomere Poranthocyanidine – allerdings tendenziell in geringerer Konzentration. Gemäss den Standardwerken „Biogene Arzneimittel“ und „Teedrogen und Phytophamaka“ nimmt der Wirkstoffgehalt der Weissdornfrüchte mit zunehmender Reife ab.

Das dürfte die Wirksamkeit der Früchte einschränken, zumal Weissdorn über längere Zeit in recht hohen Dosierungen engenommen werden muss.

Diese nötige hohe Zufuhr an Wirkstoffen kann bei Weissdorntee und Weissdornextrakt aus Blüten und Blättern erreicht werden, kaum jedoch mit Weissdorntinktur.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Bei Sirup oder Kompott aus Weissdornfrüchten müsste man wohl unrealistisch hohe Dosen täglich über lange Zeiträume einnehmen, um eine relevante Wirkstoffzufuhr zu erzielen. Als Heilmittel für Herz & Kreislauf sind Weissdornkompott und Weissdornsirup sehr fraglich, vor allem auch, weil dazu reife Früchte verwendet werden.

Zurecht weißt der Beitrag der BzfE auf die hohe Bedeutung des Weissdornstrauch als Nahrung für Vögel hin. Weissdorn ist bezüglich des Nutzens für die Tierwelt einer der besten einheimischen Sträucher.

Heikel ist allerdings, dass Weissdorn zu den Wirtspflanzen des Feuerbrands gehört, einer gefählichen Pflanzenkrankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird und vor allem Kernobst befällt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Holunderbeeren gegen Erkältungen

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) hat schon lange einen Ruf als Helfer bei Erkältungskrankheiten. In der Phytotherapie wird ein Tee aus Holunderblüten verwendet. Er soll schweisstreibend wirken bei fieberhaften Infekten, wobei diese Wirkung allerdings nicht geklärt oder gar belegt ist. Experimentelle Studien deuten zudem auf eine auswurffördernde Wirkung bei Husten hin.

Der Saft aus Holunderbeeren wird traditionell empfohlen zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen.

Ein Spezialextrakt aus Holunderbeeren zeigte im Labor antivirale Aktivität gegen Influenzaviren vom Typ H1N1. Flavonoide aus den Holunderbeeren banden dabei an die Virusoberfläche und hemmten dadurch das Eindringen der Viren in die Wirtszellen.

Ob ein solcher Effekt auch im menschlichen Organismus auftritt, bleibt dabei allerdings offen. Überzeugende Daten aus Studien mit Patienten lagen bis vor kurzem nicht vor. Das könnte sich nun ein Stück weit ändern durch eine Studie, die im Jahr 2016 publiziert und in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ erwähnt wurde:

„Auch Oma lag mit ihrem Holundertee wohl nicht so falsch. In einer Studie mit 312 Flugreisenden verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen bei den Teilnehmern, die regelmäßig einen Extrakt aus Holunderbeeren (Sambucus nigra) zu sich genommen hatten. Holunderbeeren sind sehr vitaminhaltig; sie enthalten Kupfer, Zink und Magnesium sowie Polyphenole in beachtlichen Mengen, was den Körper bei der Auseinandersetzung mit den Schnupfenviren offensichtlich unterstützt.“

Quelle:

http://www.spektrum.de/news/hilft-huehnersuppe-gegen-erkaeltung/1432792?_ga=1.189200047.529023555.1471969798

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Nutrients. 2016 Mar 24;8(4):182. doi: 10.3390/nu8040182.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war doppel-blind und placebokontrolliert.

Signifikant verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen. In der Placebogruppe traten zudem mehr Erkältungen auf als in der Holunderbeeren-Extraktgruppe (17 versus 12), doch war dieser Unterschied nicht signifikant.

„Most cold episodes occurred in the placebo group (17 vs. 12), however the difference was not significant (p = 0.4). Placebo group participants had a significantly longer duration of cold episode days (117 vs. 57, p = 0.02) and the average symptom score over these days was also significantly higher (583 vs. 247, p = 0.05). These data suggest a significant reduction of cold duration and severity in air travelers. More research is warranted to confirm this effect and to evaluate elderberry’s physical and mental health benefits.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Wenn das Ergebnis statistisch „signifikant“ ist, bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es zufällig zustande gekommen ist, unter 5% liegt (p < 0,05).

In der Studie wurde ein standardisierter Extrakt aus Holunderbeeren verwendet. Es ist offen, wieob und wie weit sich die Ergebnisse auf andere Zubereitungen aus Holunderbeeren übertragen lassen.

Wichtig ist jedoch: Der Genuss von rohen oder ungenügend erhitzten Holunderbeeren kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Sie enthalten nämlich den Giftstoff Sambunigrin. Erhitzt man die Holunderfrüchte, baut sich Sambinigrin vollständig ab.

Siehe auch:

Holunderbeeren – gesund und fein

Schwarzer Holunder: Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Giftigkeit: Schwarzer Holunder – Roter Holunder – Zwergholunder

 

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Heidelbeeren gegen Alzheimer-Symptome?

Heidelbeeren (Blaubeeren) könnten helfen, Gedächtnisprobleme bei beginnender Demenz zu lindern. Darauf weisen zwei Pilotstudien mit älteren Menschen hin. Die tägliche Einnahme von Heidelbeerpulver führte bei Testpersonen zu messbaren Verbesserungen von Gedächtnis und geistigen Leistungen, in der Placebogruppe war dies nicht der Fall. Grund für die Wirkung könnten die in den Beeren enthaltenen Anthocyane sein, wie US-Wissenschaftler berichten.

Heidelbeeren sind reich an Antioxidantien und bereits veröffentlichte Studien deuten auf risikosenkende Effekte für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs hin. Neue Studien legen nun nahe, dass auch das Gehirn von den Heidelbeeren profitieren könnte.

Robert Krikorian von der University of Cincinnati und seine Kollegen verabreichten für ihre Studie 47 über 68-Jährigen mit ersten Gedächtnisausfällen täglich etwa eine große Handvoll Heidelbeeren in Form eines Pulvers aus den gefriergetrockneten Beeren.

Eine zweite Gruppe bekam stattdessen ein ähnlich aussehendes Placebo-Pulver. Beim Start der Studie und nach 16 Wochen absolvierten alle Versuchspersonen Tests ihres Gedächtnisses und ihrer geistigen Leistungen.

Das Resultat: Probanden, welche die Heidelbeeren eingenommen hatten zeigten eine klare Besserung bei den geistigen Leistungen und der Hirnfunktion gegenüber den Placebo-Empfängern. Die Heidelbeer-Gruppe zeigte ein verbessertes Gedächtnis und einen besseren Zugang zu Wörtern und abstrakten Konzepten. Hirnscans mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) ergaben zudem eine stärkere Hirnaktivität bei den Heidelbeer-Teilnehmern.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dieser günstige Effekt auf die Wirkung der Anthocyane zurückgehen. Dieses im blauen Pflanzenfarbstoff enthaltene Antioxidans zeigte in früheren Untersuchungen schon eine hirnschützende Wirkung bei Parkinsonpatienten und bei Tieren mit Alzheimerähnlichen Erkrankungen.

Nach Ansicht der US-Forscher aus Cincinnati bestätigen ihre Ergebnisse diese vorhergehenden Studien und stützen die Annahme, dass Heidelbeeren eine positive Wirkung auf das Gedächtnis und die geistigen Leistungen bei zumindest einigen älteren Menschen haben können.

In einer weitere Studie mit gut 90 Senioren ohne beginnende Gedächtnisausfälle zeigte sich allerdings keine so eindeutige Wirkung der Heidelbeeren.

Es kam in der Heidelbeer-Gruppe zwar zu leichten Verbesserungen bei den allgemeinen geistigen Leistungen, nicht aber beim Gedächtnis. Auch in den fMRT-Aufnahmen ergaben sich weniger Unterschiede zur Placebogruppe als bei den Senioren mit schon beginnenden Gedächtnisproblemen.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Heidelbeer-Inhaltsstoffe insbesondere dann positive Effekte zeigen, wenn es schon geistige Ausfälle gibt. Bei Personen, die noch keine Demenzsymptome zeigen, könnte die Wirkung dagegen weniger ausgeprägt sein – oder jedenfalls weniger leicht nachweisbar.

Ob das wirklich so ist, wollen die US-Forscher nun in einer Studie mit jüngeren Versuchspersonen klären.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19953-2016-03-14.html

American Chemical Society 251st National Meeting & Exposition, American Chemical Society, 14.03.2016 – NPO.

Kommentar & Ergänzung:

Die Anthocyane aus Heidelbeeren werden seit längerem wissenschaftlich untersucht und zählen zu den interessantesten Naturstoffen.

Die geschilderten Studienresultate sind sehr interessant.

Zwei Einschränkungen sind aber nötig:

– Pilotstudien mit derart kleinen Probandenzahlen dienen der Vorsondierung einer Fragestellung. Sie belegen keine Wirksamkeit. Dazu wären grössere Studien nötig.

– Die Studien aus Cincinnati sind offenbar auf einem Kongress der American Chemical Society vorgestellt worden. Auf einem wissenschaftlichen Kongress kann man pointiert ausgedrückt einiges erzählen. An Glaubwürdigkeit gewinnt eine Studien, wenn sie in einer anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert wurde. Das setzt nämlich in der Regel voraus, dass die Studie in einem sogenannten „Peer-Review-Verfahren“ auf ihre Solidität überprüft wurde.

Zum Peer-Review-Verfahren siehe Wikipedia.

Bei Kongressbeiträgen kann man nicht von dieser fachlichen Kontrolle ausgehen.

Zu den Heidelbeeren-Anthocyanen siehe auch:

Myrtillin aus Heidelbeeren gegen Entzündungen

Heidelbeeren reduzieren Blutdruck in kontrollierter Studie

Heidelbeeren: Anthocyane im Verdauungstrakt

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Flavonoide: Welche Kartoffelsorte ist am gesündesten?

Das Magazin „Focus“ befasst sich in einem Beitrag damit, welche Kartoffelsorten am gesündesten sind. Dabei spielt der Gehalt an Flavonoiden eine Rolle. Flavonoide sind eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie.

Zitat:

„Ein gutes Beispiel sind Kartoffeln: Wer eine bestimmte Sorte isst, zum Beispiel die typische Ofenkartoffel Russet, erhöht dadurch seinen Blutdruck. Andere Varianten stabilisieren ihn und wieder andere senken ihn. Auch unterscheiden sich die Sorten in ihrem Gehalt an Antioxidantien, die unseren Körper vor freien Radikalen schützen. Radikale lassen die Zellen schneller Altern und fördern Krankheiten wie Krebs oder Arteriosklerose.

Je farbiger eine Kartoffel ist, egal ob innen und außen, umso mehr Antioxidantien enthält sie und umso gesünder ist sie. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte also zu blauen, violetten oder roten Kartoffeln greifen.

Und wer dann noch die Schale mit isst, erhält eine Extraportion Nährstoffe. Zudem ist die Schale reich an wertvollen Ballaststoffen. Viele Kartoffeln sind allerdings mit Pestiziden belastet, daher sind Bio-Kartoffeln besser.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/granny-smith-gesuender-als-golden-delicious-apfel-ist-gleich-apfel-oder-etwa-nicht_id_4182915.html

Kommentar & Ergänzung:

Mir ist schleierhaft, wieso Russet-Kartoffeln den Blutdruck erhöhen sollten. Hier wären mehr Informationen nötig. Wer sagt das? Wie wurde das festgestellt? Wieviel Russet-Kartoffeln müsste man pro Tag einnehmen – und wie lange – damit sich dieser Effekt zeigt?

„Je farbiger eine Kartoffel ist, egal ob innen und außen, umso mehr Antioxidantien enthält sie und umso gesünder ist sie.“

Hier geht es um Polyphenole aus der Gruppe der Flavonoide, die in der Regel von gelber, roter oder blauer Farbe sind und antioxidativ wirken.

Blaue, violette und rote Kartoffeln verdanken ihre Farbe den Anthocyanen, einer Untergruppe der Flavonoide.

Anthocyane sind ausgezeichnete Antioxidantien, wobei allerdings eingeschränkt werden muss, dass ihre Wirkung im Labor viel stärker ausfällt als im lebenden Organismus – sie werden nämlich nur sehr beschränkt aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen.

Reich an Anthocyanen sind bei den Gemüsen auch Auberginen (Schale) und Rotkohl. Als charakteristische Inhaltsstoffe sind sie zudem zu finden in roten und blauen Beeren, z. B. in Holunderbeere, Heidelbeere, Apfelbeere (Aronia), Himbeere, Brombeere, Preiselbeeren, Schwarze Johannisbeere, sowie in Früchten wie Kirschen, Zwetschgen und Pflaumen.

Siehe auch:

Kartoffeln: gelbe Knolle reduziert den Blutdruck 

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Im Übrigen wird mir in diesem Focus-Zitat etwas allzu stark die schöne Story von den bösen freien Radikalen und den guten Antioxidantien erzählt. In einer komplexen Welt hat es immer eine gewisse Entlastungsfunktion, wenn man genau weiss, wo Gut und wo Böse „hockt“. Die Physiologie des Menschen ist aber komplexer und lässt sich nicht so einfach in ein Schwarz-Weiss-Schema pressen.

Es gibt aus der Forschung schon seit längerem Hinweise darauf, dass freie Radikale im Organismus auch wichtige Funktionen erfüllen und dass ein Zuviel an Antioxidantien schädlich sein könnte.

Siehe:

Nicht übertreiben mit Antioxidantien 

Experimente stärken Zweifel am Nutzen von Antioxidantien

Diese Einwände richten sich allerdings vor allem gegen eine übermässige Zufuhr von Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Antioxidantien aus möglichst unterschiedlichen Quellen über die normale Ernährung zuzuführen, scheint dagegen sinnvoll zu sein.

Es ist jedoch eher unsinnig, wenn das Focus-Zitat andeutet, dass Kartoffeln dank Antioxidantien gegen Krebs und Arteriosklerose schützen.

Den Satz:

„Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte also zu blauen, violetten oder roten Kartoffeln greifen.“

…würde ich daher abändern:

Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte sich möglichst abwechslungsreich ernähren.

Wenn überhaupt etwas gegen Krebs und Arteriosklerose schützt, dann ist es eher Vielfalt und eine Kalorienzufuhr, die das Körpergewicht in einem gesunden Rahmen hält.

 

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Kleine Studie untersucht Wirkung von Heidelbeeren bei Colitis ulcerosa

Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) enthalten viele Polyphenole, hauptsächlich die für die blaue Färbung verantwortlichen Anthocyane. Wegen der antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften der Anthocyane entschieden Schweizer Forscher, den Effekt des Verzehrs von Heidelbeeren bei Patienten mit chronisch-entzündlichem Darm (Colitis ulcerosa) zu untersuchen.

In einer unkontrollierten Pilotstudie nahmen 13 an milder bzw. moderater chronischer Darmentzündung leidenden Testpersonen sechs Wochen lang eine tägliche Dosis von 160 g eines standardisierten Heidelbeer-Extrakts zu sich (vier Portionen à 40 g über den Tag verteilt). Die Tagesdosis an Anthocyanen entsprach dabei 840 mg. Zwischen der Einnahme und den Mahlzeiten sollten die Probanden jeweils mindestens eine Stunde verstreichen lassen. An die Behandlungsphase schloss sich noch eine dreiwöchige Nachbeobachtungsphase an.

Der für diese Studie eingesetzt Mayo Score ergab insgesamt eine signifikante Besserung der Symptome um mindestens zwei Punkte. Laut Fragebogen verbesserte sich auch die subjektive Befindlichkeit wesentlich: Rund 82 Prozent der Teilnehmenden berichteten von einer Steigerung ihrer Lebensqualität verglichen mit ihrer Situation zu Studienbeginn. Diese positive Tendenz näherte sich allerdings nach dem Abschluss der Einnahme des Heidelbeerextrakts wieder dem allgemeinen Wert an. Objektive Parameter, die Schleimhautentzündung betreffend, verbesserten sich ebenfalls.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blaue-beeren-besaenftigen-den-entzuendlichen-darm.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22883440

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/erloesung-von-den-ewigen-bauchschmerzen-1.9607345

Kommentar & Ergänzung:

Die Forscher an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsspital Zürich befassen sich offenbar schon längere Zeit mit dem allfälligen Potenzial von Heidelbeeren bei Colitis ulcerosa.

Die Studie ist sehr klein (Pilotstudie) und schon deshalb von beschränkter Aussagekraft.

Wenn bei einigen Probanden mittels Darmspiegelung eine nachlassende Entzündung der Darmschleimhaut festgestellt wurde, könnte dies auch auf normale Schwankungen im Krankheitsverlauf zurückzuführen sein.

Diese Möglichkeit könnte man nur ausschliessen durch eine Studie mit grösseren Probandenzahlen und mit einer Kontrollgruppe, die ein Scheinmedikament bekommt (Placebo-Gruppe).

In diesem Fall dürfte es aber schwierig zu erreichen sein, dass das Placebo sich vom Heidelbeerextrakt nicht unterscheidet (Verblindung).

Heidelbeerextrakt verfärbt Zunge und Stuhl. Selbst wenn man die entsprechende Menge Anthocyane in neutrale Kapseln abfüllt, würden sie vielleicht den Stuhl immer noch färben, denn es sind ja immer noch Farbstoffe. Vielleicht könnte man das Placebo mit einem blauen Lebensmittelfarbstoff versetzen, der ebenfalls den Stuhl färbt, aber pharmakologisch unwirksam ist. Und dann bleibt jedoch immer noch die Frage offen, ob Heidelbeerextrakt nicht vielleicht besser wirkt als isolierte Anthocyane, zum Beispiel weil er länger und intensiver auf die Darmschleimhaut einwirkt.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass klinische Forschung mit Naturstoffen manchmal nicht ganz so einfach ist. Zu einer mehr oder weniger neutralen Laborsubstanz lässt sich leicht ein visuell, geruchlich und geschmacklich identisches Placebo herstellen. Aber machen Sie das mal mit Knoblauch, Baldrian oder Lavendelöl….

Nun aber nochmals zurück zu den Anthocyanen. Das sind Naturstoffe, die in den letzten Jahren intensiv erforscht wurden. Als blaue, violette und rote Farbstoffe sind sie im Pflanzenreich weit verbreitet, beispielsweise in Brombeeren, Himbeeren, Apfelbeeren (Aronia), schwarze Johannisbeere, Kirschen, Heidelbeeren, Aubergine (Schale), Holunderbeeren.

Es stimmt, dass Anthocyane interessante antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zeigen. Allerdings lassen sich solche meist im Labor festgestellte Wirkungen nicht einfach auf den menschlichen Organismus übertragen. Einer entsprechenden Wirksamkeit im ganzen menschlichen Organismus steht zum Beispiel entgegen, dass viele Anthocyane nur in geringer Menge aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen werden. Die Anwendung bei Darmentzündungen ist interessant, weil dieses Resorptionsproblem hier keine Rolle spielt.

Siehe auch:

Heidelbeeren-Anthocyane im Verdauungstrakt

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Anthocyane als Entzündungshemmer

Naturheilkunde bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Heidelbeeren-Anthocyane im Verdauungstrakt

Die „Österreichische Apothekerzeitung“ (17 / 2013) publizierte einen fundierten Artikel von Mag. Pharm. Arnold Achmüller zum Thema „Phytotherapie bei Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt“.

Hier als Zitat der Abschnitt über die Heidelbeere:

„Die in den getrockneten Heidelbeeren (Myrtilli fructus siccus) enthaltenen 5 bis 12 % Gerbstoffe, wobei es sich hier vor allem um Catechingerbstoffe handelt, wirken adstringierend, obstipierend und antiseptisch. Die ESCOP empfiehlt getrocknete Heidelbeeren daher bei unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen. Die ebenfalls enthaltenen Anthocyanoside wirken gefäßprotektiv und antiulzerogen und unterstützen dadurch die Abheilung von Magen- und Darmgeschwüren. Im Gegensatz zu den getrockneten Heidelbeeren wirken frische Beeren leicht abführend.

Tagesdosis: 20 bis 60 g für Erwachsene, 5 bis 20 g für Kinder.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-17.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von getrockneten Heidelbeeren gegen Durchfall ist schon lange bekannt.

Interessanter ist der Hinweis auf die Anthocyanoside (Anthocyane) – das sind die blauen Farbstoffe in der Heidelbeere.

Anthocyane sind als blaue und rote Farbstoffe im Pflanzenreich weit verbreitet. Neben den Heidelbeeren findet man sie beispielsweise auch in Brombeeren, Kirschen, Himbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren.

Anthocyane zeigen experimentell sehr interessante Wirkungen, zum Beispiel gegen Entzündungen und als Gefässschutz.

Allerdings werden sie nur schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen, was „Fernwirkungen“ im Körper einschränkt. Einfacher vorstellbar sind lokale Wirkungen im Verdauungstrakt, wie die in Zitat erwähnte unterstützende Wirkung bei der Abheilung von Magengeschwüren und Darmgeschwüren.

Auch bei chronischen Entzündungen im Dickdarm (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) wird eine Wirkung der Anthocyane aus Heidelbeere diskutiert.

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Grundlage von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.

Siehe auch:

Anthocyane aus Traubensaft / Heidelbeersaft wirken positiv auf Fettstoffwechsel

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Phytotherapie: Zur Wirkung von Heidelbeeren

Schwarzer Holunder / Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Açai, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren?

Aronia-Beeren – die neueste Antioxidantien-Welle?

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen Auberginen?

Açai-Beere als Schlankheitsmittel und Power-Frucht?

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen?

Polyphenole für Herz-Kreislauf – schwache Datenlage

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Anthocyane: Trauben-Heidelbeersaft wirkt positiv auf Fettstoffwechsel

Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts untersuchten, ob ein Trauben-Heidelbeersaft Risikofaktoren für Übergewichts-bedingte Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ 2 Diabetes beeinflussen kann. Übergewicht und die damit zusammenhängenden Krankheiten nehmen weltweit immer mehr zu. Diese Entwicklung stellt für die Betroffenen und die öffentlichen Gesundheitssysteme eine große Belastung dar.

Eine obst- und gemüsereiche Ernährung vermindert jedoch das Risiko der Entstehung dieser Krankheiten. Die aktuelle Datenlage spricht dafür, dass für die gesundheitsfördernde Wirkung von Obst und Gemüse auch sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe verantwortlich sind. Der Begriff „sekundäre Pflanzenstoffe“ ist eine Sammelbezeichnung für Substanzen mit sehr unterschiedlichen chemischen Strukturen, die im Sekundärstoffwechsel von Pflanzen produziert werden. Zu diesen Stoffen gehören auch die Anthocyane, eine Gruppe wasserlöslicher Farbstoffe, die zum Beispiel für die Farbe von roten Trauben, Heidelbeeren oder auch Johannisbeeren verantwortlich sind.
Im Rahmen eines BMBF-Verbundprojekts erforschte das Max Rubner-Institut gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Geisenheim, Gießen und Dortmund die gesundheitsfördernde Wirkung von Anthocyanen. Während einer 10-wöchigen Fütterungsstudie erhielten Ratten einen anthocyanreichen Trauben-Heidelbeersaft oder einen Trauben-Heidelbeersaft ohne Anthocyane zu trinken. Die Resultate der Studie zeigen, dass der anthocyanreiche Saft den Fettstoffwechsel der Tiere günstig beeinflusste. So hatten die Tiere der Anthocyangruppe tiefere Cholesterinspiegel und wiesen ein verändertes Fettsäurenspektrum im Plasma auf. Speziell erfreulich an den beobachteten Veränderungen ist, dass der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sich erhöhte, während der Anteil an gesättigten Fettsäuren sank. Diese Verlagerung ist interessant, weil für mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine gesundheitsfördernde Wirkung beschrieben ist. Des Weiteren wurden die Serumspiegel gewisser Botenstoffe gesenkt, die bei Übergewicht verstärkt hergestellt werden und die an der Entstehung Übergewichts-bedingter Krankheiten beteiligt sein sollen.

Zusammengenommen deuten die Resultate dieser Studie darauf hin, dass anthocyanreiche Lebensmittel möglicherweise ein risikoverminderndes Potenzial für Krankheiten wie Typ 2 Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news546467

Kommentar & Ergänzung:

Anthocyane sind als blaue und rote Farbstoffe in der Pflanzenwelt weit verbreitet. Sie werden schon seit längerem intensiv erforscht.

Die oben beschriebenen Studienresultate sind interessant, doch bleibt noch offen, in wieweit von einer 10-wöchigen Ratten-Fütterungsstudie auf die Situation beim Menschen geschlossen werden kann.

Immerhin scheinen die Anthocyane in relevanten Mengen resorbiert worden zu sein. Die tiefe Resorptionsrate wird bei manchen Anthocyanen als limitierend für die Wirksamkeit diskutiert.

Ausserdem wäre noch zu ergänzen: Fruchtsäfte bzw. Beerensäfte sind wohl gesund. Noch gesünder dürfte aber der Konsum von Früchten und Beeren sein.

Zu den Anthocyanen siehe auch:

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren – günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankung?

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt?

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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Erdbeeren und Heidelbeeren reduzieren Herzinfarkt-Risiko bei Frauen

Drei Portionen Erdbeeren oder Heidelbeeren pro Woche reduzieren das Infarktrisiko für Frauen um ein Drittel.

Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam im Fachjournal „Circulation: Journal of the American Heart Association“ (doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.112.122408).

Grund dafür seien Inhaltsstoffe aus der Gruppe der sogenannten Anthocyane, welche die Blutgefässe gesund halten.

Erdbeeren und Heidelbeeren sind reich an Flavonoiden. Diese Gruppe von Pflanzeninhaltsstoffen erzeugt oft die Blütenfarbe, hat jedoch weitere schützende Funktionen für die Pflanze. Eine Untergruppe der Flavonoide, die sogenannten Anthocyane, ist für die menschliche Ernährung von spezieller Bedeutung, wie Wissenschaftler um Eric Rimm von der Harvard School of Public Health in Boston mitteilen.

Anthocyane weiten den Studienautoren zufolge Arterien, hemmen die Entstehung von Plaques in den Blutgefäßen und zeigen noch eine Reihe weiterer nützlicher Eigenschaften. Gemäss den Aussagen des Leitautors Aedín Cassidy von der University of East Anglia in Norwich zeigt die Studie, dass der erhöhte Verzehr dieser Früchte schon in jungen Jahren das Herzinfarktrisiko im späteren Leben vermindern kann. Beteiligt an der Studie waren 93 600 Frauen zwischen 25 und 42 Jahren. Während 18 Jahren füllten die Teilnehmerinnen im Vier-Jahres-Rhythmus Fragebögen zu ihrer Ernährung aus. In diesem Zeitraum erlitten 405 Frauen einen Herzinfarkt. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmerinnen, die mindestens dreimal in der Woche Erdbeeren oder Heidelbeeren aßen, ein Drittel seltener betroffen waren als solche, die die Beeren höchstens einmal im Monat konsumierten. Der häufige Genuss anderer Früchte oder von Gemüse konnte den Effekt der Erdbeeren und Heidelbeeren nicht ausgleichen.

Die Forscher erklären, dass ihr Resultat unabhängig sei von anderen Risikofaktoren wie Alter, Blutdruck, familiärer Krankengeschichte, Gewicht, Bewegung, Rauchen, Koffein- und Alkoholkonsum. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrer Analyse auf Erdbeeren und Heidelbeeren, da diese Beerenarten in den USA speziell beliebt sind. Daher sei nicht auszuschließen, dass weitere Beeren ähnliche Effekte hätten, unterstreichen die Forscher. Sie empfehlen, Beeren regelmäßig in eine ausgewogene Ernährung mit weiterem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zu integrieren.

Da Herzinfarkte speziell mit steigendem Alter und hauptsächlich bei Männern auftreten, existieren bisher wenige Studien, die untersucht haben, welchen Einfluss die Ernährung bei Frauen in jüngeren Jahren auf das spätere Krankheitsrisiko hat. Bekannt war jedoch schon bisher, dass Flavonoide einen stärkeren antioxidativen Effekt haben als zum Beispiel Vitamin E und darum auch stärker die Zellalterung bremsen sollen. Frühere Studien hatten zudem einen grundsätzlich günstigen Einfluss der Anthocyane auf Herz-Kreislauf-Risiken gezeigt.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/erdbeeren-und-heidelbeeren-senken-herzinfarkt-risiko-bei-frauen-061507683.html

Kommentar & Ergänzung:

Anthocyane gehören zu den interessantesten Pflanzeninhaltsstoffen. Sie sind zum Beispiel auch vorhanden in Kirschen, Schwarzen Johannisbeeren, Karkadeblüten (Hibiscus sabdariffa) und Auberginen.

Zu der beschriebenen Studie ist aber noch zu sagen, dass eine Beobachtungsstudie nie den kausalen Zusammenhang einwandfrei belegen kann. Festgestellt wird eine Korrelation, ein Zusammentreffen von hohem Erdbeer- und Heidelbeerkonsum mit einem tieferen Herzinfarktrisiko. Das belebt jedoch nicht, dass der Erdbeer- und Heidelbeerkonsum und damit die hohe Anthocyan-Zufuhr auch Ursache der tieferen Herzinfarktrate ist. Der hohe Erdbeer- und Heidelbeerkonsum könnte auch nur ein Marker für einen gesunden Lebensstil sein und damit die Ursache für die tiefere Herzinfarktrate bei anderen, noch unbekannten Faktoren liegen.

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Basis von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.

In der Augenheilkunde: Netzhauterkrankung und Nachtblindheit.

Zum Thema Anthocyane siehe auch:

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Blick ins Pflanzenlexikon: Hibiskus

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Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Der regelmäßige Konsum von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren war in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit besseren kognitiven Leistungen in Alter verbunden. Die Wissenschaftler erklären diesen Effekt in den Annals of Neurology (2012; doi: 10.1002/ana.23594) mit dem Gehalt an Anthocyanen und Flavonoiden.

Flavonoide sind Farbstoffe, die in Blüten und Früchten Insekten und Vögel anlocken. Sie schützen ausserdem die Pflanzen vor UV-Licht und einer Oxidation. Besonders kräftig färben die Anthocyane, welche für die dunkelblaue bis schwarze Farbe vieler Beeren verantwortlich sind. Diese Inhaltsstoffe der Beeren gelangen nach dem Konsum ins Blut. Ernährungswissenschaftler schreiben den Anthocyanen seit längerem eine gesundheitsfördernde Wirkung zu, was sich aber schwer beweisen lässt.

Hinweise auf eine gesundheitsfördernde Wirkung der Anthocyane geben  neben tierexperimentellen Studien immer wieder die Ergebnisse von prospektiven Beobachtungsstudien. Eine der größten Studien dieser Art sind die Nurses‘ Health Studies. Seit 1976 befragen Wissenschaftler der Harvard Universität in Boston mehr als 120.000 Krankenschwestern regelmäßig nach deren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, um den Einfluss auf die Gesundheit zu untersuchen. Von 1995 bis 2001 wurden bei 16.010 älteren Krankenschwestern ausführlichen kognitiven Tests durchgeführt.

Die Harvard-Wissenschaftlerin Elizabeth Devore und Mitarbeiter haben die Testresultate jetzt mit den früheren Angaben zur Ernährung in Beziehung gesetzt. Sie fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Erdbeeren und (amerikanischen) Heidelbeeren zum kognitiven Abbau im Alter. Frauen, die diese Beeren häufiger konsumiert hatten, zeichneten sich durch eine höhere geistige Regsamkeit aus. Devore geht von einer Verzögerung des normalen Alterungsprozesses im Bereich des kognitiven Abbaus um 1,5 bis 2,5 Jahre aus. Ein ähnlicher Zusammenhang bestand mit der errechneten Zufuhr von Flavonoiden und Anthocyanen.

Für Devore ist der Konsum von Beeren eine einfach umzusetzende Empfehlung, die kaum schaden kann. Die etwaigen günstigen Wirkungen könnten angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung kaum unterschätzt werden, findet die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50009/Beeren-halten-das-Gehirn-jung

Kommentar & Ergänzung:

Vorbildlich weißt das Aerzteblatt auf die kritischen Punkte dieser Studie hin:

„Wie immer bei Beobachtungsstudien ist eine kausale Zuordnung nicht eindeutig möglich. So ist vorstellbar, dass die höhere kognitive Kompetenz bei den Frauen die Einsicht in die Vorteile einer gesünderen Lebensweise gefördert hat. Dazu könnten neben dem Verzehr von Beeren noch andere Lebensstilfaktoren gehören, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, die geistigen Funktionen im Alter zu erhalten.“

Weitere Informationen zu Wirkungen der Anthocyane:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

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Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Getränke und Früchte wie Tee, Äpfel, Erdbeeren, Heidelbeeren, Rotwein, Orangen sowie Orangensaft haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind reich an Flavonoiden. Wer viel davon konsumiert, reduziert laut den Resultaten einer Studie sein Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Hauptsächlich Beeren sollen vor der Degeneration des extrapyramidal-motorischen Systems schützen.

Eine Wissenschaftlergruppe der Harvard Medical School in Boston hat für ihre Studie zum Einfluss von Flavonoiden auf das Parkinsonrisiko die Daten von 49.281 Männern aus der Health Professional Follow-up Study und von 80.336 Frauen aus der Nursesʼ Health Study untersucht. Während der 20- bis 22-jährigen Nachbeobachtungszeit erkrankten 805 Teilnehmer – 438 Männer und 367 Frauen – an Morbus Parkinson.

Die Forscher teilten die Teilnehmer der Studien in fünf Gruppen ein: weniger als eine Portion flavonoidreiche Nahrung monatlich, eine bis drei Portionen pro Monat, eine Portion wöchentlich, zwei bis drei Portionen pro Woche oder mehr als fünf Portionen pro Woche. Eine solche Portion umfasste beispielsweise etwa 120 g Beeren. Die Gesamtaufnahme an Flavonoiden lag zwischen etwa 100 mg pro Tag in der Gruppe mit dem tiefsten und etwa 600–800 mg pro Tag in der Gruppe mit dem höchsten Konsum.

Schutzeffekt durch Anthocyane

Männer aus der Gruppe mit der höchsten Flavonoidaufnahme hatten verglichen mit Männern aus der tiefsten Gruppe ein rund 40% niedrigeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Bei Frauen konnte ein solcher Effekt nicht festgestellt werden. Ein differenzierteres Bild ergab die Betrachtung der einzelnen Nahrungsmittel. Beeren, die reich an Anthocyanen sind – in der Studie Erdbeeren und Heidelbeeren – hatten eine Schutzwirkung bei Männern und Frauen. Das Risiko für Morbus Parkinson sank um mehr als 20%. Äpfel schützten Männer (46% tieferes Risiko), jedoch nicht Frauen vor einer Parkinsondiagnose zu erhalten. Tee, Rotwein, Orangen und Orangensaft zeigten keine Wirkung.

Ob die tiefere Rate von Parkinsonerkrankungen wirklich den Flavonoiden zuzurechnen ist, lässt sich allerdings nicht mit Gewissheit sagen. Zuverlässige Biomarker, die Auskunft über die tatsächliche Aufnahme von Flavonoiden geben könnten, existieren nicht. Berücksichtigt werden muss zudem, dass die Flavonoide nach der Resorption im Verlaufe von Stoffwechselprozessen erheblich verändert werden. Die Harvardwissenschaftler wollen deshalb nicht ausschließen, dass der Schutz vor Parkinson durch die Flavonoide, sondern durch andere Bestandteile pflanzlicher Nahrung ausgelöst wird.

Quellen:

http://www.springermedizin.de/schuetzen-beeren-vor-parkinson/2878808.html

Autor: Dr. Robert Bublak,

basierend auf Gao X et al. Habitual intake of dietary flavonoids and risk of Parkinson disease. Neurology 2012; DOI: 10.1212/WNL.0b013e31824f7fc4

http://www.neurology.org/content/78/15/1138.abstract?etoc

Kommentar & Ergänzung:

Wie immer bei solchen Beobachtungsstudien lässt sich daraus kein kausaler Zusammenhang belegen. So wäre es beispielsweise möglich, dass verbunden mit dem höheren Beerenkonsum noch andere Lebensstilfaktoren vorkommen, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, das Parkinson-Risiko zu senken.

Aber auch wenn dieser Zusammenhang so nicht mit Gewissheit belegt ist: Beeren sind sicherlich ein gesunder Bestandteil der Ernährung.

Siehe auch:

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugend durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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