Beiträge

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer

In der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 4 / 2014) publizierte Mag. Pharm. Stefanie Lair einen informativen Beitrag zum Thema Schmerztherapie. Dabei geht die Autorin auch auf pflanzliche Anwendungen ein – unter anderem auf Capsaicin aus dem Cayennepfeffer.

Zitat:

„Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung von Capsicum annuum L., Capsicum frutescens zeigen eine außerordentich gute Wirkung bei Muskelschmerzen, Hexenschuss sowie bei Nervenschmerzen. Es handelt sich dabei um die Inhaltsstoffe Capsaicin, ätherisches Öl, Farbstoffe und fettes Öl. Es entsteht primär ein Wärmegefühl, das bestimmte Botenstoffe in den Nervenzellen hemmt und somit die Schmerzempfindung herabsetzt. Capsaicin wirkt als Agonist an TRP-Ionenkanälen und aktiviert Nozirezeptoren, die Neuropetptide, die beispielsweise die Substanz P freisetzen. Diese Freisetzung bewirkt Juckreiz, Brennen und Gefäßerweiterung. Nach wiederholten Anwendungen kommt es zur Desensibilisierung und einer Unempfindlichkeit der Nervenfasern gegenüber Reizen, so auch gegen Schmerzen. Allerdings ist im Umgang mit Cayennepfeffer Vorsicht geboten. Da die Inhaltsstoffe kaum wasserlöslich sind, reizen sie extrem die Schleimhäute und Augen. Verursachen diese Präparate Reizungen auf der Haut, sollte man sie mit Öl entfernen.“

Kommentar & Ergänzung:

Gute Zusammenfassung und Erklärung der Wirkungen des Alkaloids Capsaicin.

Für die Phytotherapie ist Capsaicin ein wichtiger Wirkstoff für die Behandlung von Schmerzen und Juckreiz.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Alternative Krebstherapie mit Benalu-Tee?

„Alternative Heilmethode hilft bei der Behandlung von Krebs – Benalu Tee tötet Krebszellen ab“ – so titelt ein Internetportal, das sich „Forschung und Wissen“ nennt, aber von einer Marketingagentur betrieben wird und daher wohl hauptsächlich Produkte verkaufen will.

Die Schlagzeile ist insofern manipulativ, als sie ein wesentliches Detail unterschlägt.

Vollständig müsste es nämlich heissen:

„Wirkstoffe aus der Benalu-Pflanze (Scurrula atropurpurea) töten Krebszellen im Labor“.

Tönt aber nicht so attraktiv.

Der entscheidende Punkt dabei: Es zeigen tausende von Naturstoffen im Labor eine Wirkung auf Krebszellen. Das bedeutet aber leider noch lange nicht, dass sie auch zur Bekämpfung von Krebs im menschlichen Organismus geeignet sind. Im Labor kann man die Substanzen nämlich höchst konzentriert auf Krebszellen loslassen. Eine ganz andere Frage ist jedoch, ob derart hohe Konzentrationen auch im Körper erreicht werden können. Dem steht unter Umständen eine eingeschränkte Aufnahme aus dem Verdauungstrakt entgegen. Und manchmal können Naturstoffe im Labor zwar isolierte Krebszellen töten, doch schädigen sie in der wirksamen Konzentration im Organismus gesunde Zellen genauso. Im Labor, wo man isolierte Krebszellen verwenden kann, spielt dieses Problem natürlich keine Rolle.

Im Beitrag von „Forschung und Wissen“ wird die Forschung mit Benalu Tee so beschrieben:

„In mehreren Arbeitsgruppen haben die Wissenschaftler verschiedene biologische und chemische Analysen an der Pflanze durchgeführt. Da die Pflanzenfamilie bereits in der traditionellen Medizin bekannt ist, sei der Gedanke, einen positiven Befund zu den heilenden Eigenschaften der Pflanze nicht unbegründet, so die Forscher. Die Wissenschaftler analysierten im ersten Arbeitsschritt alle chemischen Bestandteile der getrockneten Pflanze und der im Teewasser gelösten Stoffe. Die Auswertung der Untersuchung ergab, dass der Benalu Tee insgesamt 16 verschiedene Substanzen in unterschiedlichen Konzentrationen im heißen Wasser freisetzt.

Im letzten und wichtigsten Schritt haben die Wissenschaftler die Substanzkombinationen und deren Wirkung auf Krebszellen untersucht.“

Das ist klassische „In-vitro“-Forschung (Laborexperimente). Verschiedene Verkäufer von Benalu-Tee verweisen auf diese Arbeiten einer japanischen Universität, die allerdings nicht mehr ganz taufrisch sind und 2003 in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden.

Das Fazit der Studie beschreibt die Marketingagentur so:

„Die Auswertung der Studie zeigte, dass der Benalu Tee tatsächlich eine unterstützende Wirkung bei der Behandlung von Krebs zeigt.“

Das kann eine Laborstudie gar nicht zeigen. Dazu wären Patientenstudien nötig. Ich finde diese Formulierung aber auch nicht in der Studie.

(http://www.mister-wong.de/doc/cancer-cell-invasion-inhibitory-effects-of-chemical-constituents-in-the-parasitic-plant_261020567/ )

Weiter:

„Über den Verdauungsprozess gelangen die Substanzen in den Blutkreislauf, von wo sie sich im ganzen Körper verteilen.“

Das haben die Forscher in Japan nicht untersucht. Dazu wäre eine Pharmakokinetik-Studie nötig (Wie passiert mit den Wirkstoffen im Körper? Aufnahme, Umwandlung, Ausscheidung).

„Unreife Krebszellen, die kurz davor stehen zu reifen Krebszellen zu mutieren, werden am Wachstum gehindert und sogar abgetötet, so die Forscher.“

Wie gesagt: Im Labor…..

Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie eine Laborstudie überinterpretiert wird, um eine Wirkung zu suggerieren.

Solche Einwände haben es allerdings schwer. Viele Menschen wollen beim Thema „Krebs“ lieber Erfolgsmeldungen hören, auch wenn sie mehr oder weniger gefaked sind.

Das lindert allemal die Angst.

Dass Benalu Tee als Antikrebstee vermarktet wird, hat bisher jedenfalls keinen realen Boden. In den neusten Fachbüchern der pflanzlichen Wirkstoffkunde ist Scurrula atropurpurea gar nicht aufgeführt (z. B. Teuscher / Melzig /Lindequist, Biogene Arzneimittel 2012; Hänsel / Sticher, Pharmakognosie, Phytopharmazie 2010).

Grosse Fortschritte wird die Forschung betreffend Benalu Tee seit 2003 also wohl nicht gemacht haben, sonst hätte die Fachliteratur das Thema aufgenommen.

Quelle der Zitate:

http://www.forschung-und-wissen.de/medizin/benalu-tee-toetet-krebszellen-ab-3572055/

In einer Propaganda-Broschüre für den Benalu-Tee wird er empfohlen gegen Krebs-Tumore, Schwellungen, Wunden, Blutungen, Geschwüre, Entzündungen, Asthma, Blasensteine, Hexenschuss, Hustenallergien und zur Kräftigung sowie Stärkung der Immunabwehr.

Wenn die Erfolgsversprechungen so umfassend werden, ist das immer ein Alarmsignal, das auf unseriöse Propaganda hindeutet.

Benalu-Tee unterbinde die Weiterentwicklung eines nach einer Chemotherapie verbleibenden Rezidivs (erneutes Krebswachstum), verspricht die Broschüre weiter. Und ein verbleibendes Rezidiv wie bei der Chemotherapie sei so gut wie ausgeschlossen!

Das sind wahnsinnig hochtrabende Versprechungen. Um auf einer seriösen Basis solche Aussagen machen zu können,  wären erfolgreiche Studien mit Patienten nötig.

Aber machen Kreisen reicht offenbar schon eine Laboruntersuchung, um einen Antikrebstee zu erfinden. Wir haben es hier meines Erachtens mit einem üblen Spiel von Fantasten oder Betrügern zu tun, die mit den Hoffnungen von Patienten fragwürdige Geschäfte machen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) steigern das Risiko für bestimmte Herz-Rhythmus-Störungen – hauptsächlich zu Behandlungsbeginn. Zu diesem Resultat kommen dänische Wissenschaftler in einer aktuell im «British Medical Journal» veröffentlichten Studie. Die Forscher der Universität Aarhus werteten die Daten von mehr als 32000 Patienten aus, die zwischen 1999 und 2008 zum ersten Mal die Diagnose «Vorhofflimmern» oder «Vorhofflattern» bekommen hatten. Als Vergleichsgruppe dienten rund zehnmal so viele Personen ohne Herz-Rhythmus-Störungen.

Speziell die erstmalige Einnahme von nicht selektiven NSAR oder selektiven Hemmstoffen der Cyclooxygenase 2 (COX-2-Hemmer, Coxibe) steigerte das Risiko für Vorhofflimmern oder Vorhofflattern. Patienten, welche erstmalig ein Rezept über ein anderes NSAR als Acetylsalicylsäure eingelöst hatten, erkrankten um mehr als 40 Prozent häufiger an einer dieser Herz-Rhythmus-Störungen als die Vergleichspersonen. Der Start einer Behandlung mit Coxiben steigerte die Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) sogar um etwa 70 Prozent. Das höchste Erkrankungsrisiko zeigten ältere Personen sowie Patienten mit chronischen Nierenleiden oder rheumatoider Arthritis. Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern sollten Ärzte NSAR oder COX-2-Hemmer deshalb nicht leichtfertig verordnen, folgern die Autoren der Studie.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=38527&Nachricht_Title=Nachrichten_Schmerzmittel+erh%F6hen+Risiko+f%FCr+Herz-Rhythmus-St%F6rung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Was genau sind Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)?

Im Pharmawiki wird diese Arzneimittelgruppe so beschrieben:

„Nicht-steroidale Entzündungshemmer sind Schmerzmittel mit vielfältigen Wirkungen. Sie wirken schmerzstillend, fiebersenkend, entzündungshemmend und können die Blutgerinnung hemmen. Dementsprechend werden sie bei Schmerzen verschiedener Ursache, bei Fieber, entzündlichen Erkrankungen und zur Blutverdünnung verwendet. Eine längerfristige Einnahme der Medikamente ist problematisch und kann unter anderem zu Kopfschmerzen, Geschwüren im Magen und im Darm und zu Nierenerkrankungen führen. Deshalb sollen sie kurzfristig und wenn möglich in tiefer Dosis angewandt werden.“

Beispiele für NSAR (auch NSAID genannt) in der Schweiz:

Mefenaminsäure (Ponstan®, Mefenacid)

Flufenaminsäure (Assan®)

Etofenamat (Rheumon®, Traumalix®)

Acemetacin (Tilur®)

Bufexamac (Parfenac®)

Diclofenac, Diclofenac-Gel (Voltaren®)

Indometacin (Indocid®)

Nepafenac (Nevanac®)

Phenazon

Aminophenazon

Propyphenazon

Metamizol (Novalgin®)

Phenylbutazon

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner „chemischer“ Medikamente. Dieses einseitige Schwarz-Weiss-Denken – hier die böse „Chemie“, dort die sanfte „Naturmedizin“  – in Komplementärmedizin und Alternativmedizin leider verbreitet – halte ich für bescheuert. Es braucht anstelle dieses unseligen „Lagerdenkens“ eine optionale Grundhaltung. Das heisst: Alle Wahlmöglichkeiten (Optionen) sollen dargelegt und geprüft werden, um die jeweils beste zu wählen. So können auch NSAR in manchen Situationen wichtig und richtig sein, beispielsweise im hoch entzündlichen Polyarthritisschub, bei Hexenschuss (Lumbago, Ischias-Syndrom) oder starken Zahnschmerzen.

Aber es braucht auch mildere Mittel für leichtere Entzündungen und leichtere Schmerzen, bei denen der Einsatz von NSAR nicht notwendig ist. Vor allem der langfristige Einsatz von NSAR ist nicht risikolos, wie unter anderem die oben beschriebene Studie gezeigt hat.

In diesem milderen Segment können Naturheilmittel (Wickel, Heilpflanzen-Anwendungen) eine wichtige Rolle spielen.

„Pharmawiki“ erwähnt übrigens unter der Rubrik „Pflanzliche NSAID“ die Weidenrinde (Salix spec.)  und die Spierblume (Spierstaude, Mädesüss, Wiesen-Geissbart, Filipendula ulmaria).

Vor allen Weidenrinden-Extrakt ist als leichtes Schmerzmittel gut dokumentiert und wird zum Beispiel bei Arthrose eingesetzt.

Siehe auch:

Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle

Phytotherapie bei Schmerzen

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Das Schüssler-Salz Nr. 7,  Magnesium phosphoricum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abduktionskontraktur, Abgekämpftsein, Adduktionskontraktur, Adnexitis, Aggressivität, Altersjucken, Amyloidose, Analekzem, Angespanntheit, Angina Abdominalis, Angina Pectoris, Anpassungsfähigkeit, Apoplex, Arbeitsscheu, Arteriosklerose, Asthma, Atemnot, Aufbaumittel, Aufheiterung, Aufregung, Augenflattern, Augenzittern, Augenzwinkern, Ausdauer, Bandscheibenvorfall, Bedrückung, Beeinflussbarkeit, Beengungsgefühl, Begeisterungsfähigkeit, Belastbarkeit, Beruhigung, Beugekontraktur, Blasenkrämpfe, Blasenschmerzen, Bluthochdruck, Blähungen, Bronchialasthma, Bulimie, COPD, Cholesterinspiegel-Senkung, Chronische Bronchitis, Claudicatio Intermittens, Darmträgheit, Dauerstress, Depressionen, Depressive Verstimmung, Diabetes, Drüsenschwellung, Duseligkeit, Dysmenorrhoe, Eierstockentzündung, Eileiterentzündung, Eileiterentzündung, Einsiedler, Empfindsamkeit, Entropium, Entspannung, Entwöhnung, Epilepsie, Erfrischung, Erinnerungsvermögen, Ernährungsfehler, Erregbarkeit, Erschöpfung, Essstörung, Esssucht, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fettleber, Flatulenz, Flexibilität, Flexionskontraktur, Flugangst, Freude, Gallenkolik, Gallenstauung, Geborgenheit, Gehörgangsentzündung, Geistesarbeit, Geistige Beweglichkeit, Geistige Frische, Gelbkörperhormon-Mangel, Gelenkkontraktur, Gelenkversteifung, Geschwätzigkeit, Gesichtsmuskel-Krämpfe, Gesichtszucken, Gewebe-Straffung, Gleichgewichtsstörungen, Globussyndrom, Grosszehen-Schiefstand, Gänsehaut, Gürtelrose, Hallux valgus, Harmonie, Harnverhaltung, Harnverhaltung, Haut-Straffung, Hautjucken, Heisshunger nach Süssigkeiten, Herpes Zoster, Herz-Enge, Heuschnupfen, Hexenschuss, Hyperhidrosis, Hypertonie, Hyperästhesie, Hämorrhoiden, Händezittern, Initiative, Ischias, Juckende Fusssohlen, Juckreiz, Kapillar-Verkrampfung, Kapillarblutungen, Keuchhusten, Kiefersperre, Kloss im Hals, Koliken, Kollaps, Kontraktur, Kopfkongestion, Kopfschmerzen, Koronarinsuffizienz, Krampfhusten, Kreativität, Kreislaufkollaps, Kropf, Labilität, Lampenfieber, Lebensfreude, Lebenslust, Leichtgläubigkeit, Lerneifer, Lichtempfindlichkeit, Lupus Erythematodes, Magenkolik, Magenkrämpfe, Meteorismus, Missmut, Muskelkontraktur, Myringitis, Nachwehen, Nackenschmerzen, Nebenniereninsuffizienz, Nerven-Beruhigung, Nerven-Leitfähigkeit, Nervenentzündung, Nervenkrämpfe, Neugierigkeit, Neuralgien, Neuritis, Neuromyopathie, Niedergeschlagenheit, Nierenkolik, Nierenschmerzen, Oberflächlichkeit, Obstipation, Offenheit, Ohrenentzündung, Ohrenschmerzen, Oophoritis, Otitis, Periodenkrämpfe, Periodenschmerzen, Petechien, Progesteron-Mangel, Pruritus, Rauchentwöhnung, Reife, Reisefieber, Reisekrankheit, Reizdarm, Reizkolon, Roemheld-Syndrom, Rotwerden, Ruhebedürfnis, Räusperzwang, Rückenschmerzen, Salpingitis, Schaufensterkrankheit, Schielen, Schilddrüsenschwäche, Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, Schlaffes Gewebe, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Schlaganfall, Schleudertrauma, Schluckauf, Schläfenkopfschmerz, Schmerzempfindlichkeit, Schock, Schreibkrampf, Schul-Kopfschmerzen, Schulter-Verspannungen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwindel, Schwitzen, Seekrankheit, Spannkraft, Spastische Kontraktur, Spitzfuss, Steifer Hals, Steinleiden, Stetigkeit, Streckkontraktur, Stress, Struma, Suchtneigung, Tics, Trommelfellentzündung, Unbeherrschtheit, Verschwiegenheit, Verspannungen, Verstopfung, Volkmann-Kontraktur, Wangenröte, Wechseljahrsbeschwerden, Wehen-Erleichterung, Wetterfühligkeit, Widerstandskraft, Zahnungskrämpfe, Zahnungsschmerzen, Zittern, Zorn, Zuckerkrankheit, Östrogen-Dominanz, Überanstrengung, Übererregbarkeit, Übergewicht, Überheblichkeit.“

http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/magnesium-phosphoricum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma.

Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist. (aber: Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum soll ja gegen Leichtgläubigkeit helfen !!!)

4. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Magnesium phosphoricum D6 gegen Kropf, Ohrenschmerzen, Apoplex und Analekzem wirkt. Und wie genau wirkt Magnesium phosphoricum D6 gegen Leichtgläubigkeit?

Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten und in einer Fachzeitschrift publizierten Behandlungsverläufen? Das wäre ein übliches Vorgehen. Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

5. Im Schüssler Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 ist das  Magnesium phosphat 1 : 1 Million mal verdünnt. In der Österreichischen Apothekerzeitung hat die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre….. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6.“

Quellenangabe: http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/11/26/schusslersalze-mineralwasser-wirksamer-gunstiger-zahnschonender.html

Halten wir also fest: 772 550 Schüssler-Salz-Tabletten bzw. 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 entsprechen im Magnesium-Gehalt einem Liter Mineralwasser. Trinkwasser dürfte manchmal tiefer und manchmal höher liegen im Magnesium-Gehalt. Mich würde sehr interessieren, weshalb es überhaupt noch leichtgläubige Menschen gibt – müssten doch alle davon geheilt sein bei den exorbitanten Magnesiumphosphat-Dosen im Wasser – verglichen mit den Schüssler-Salzen. Ich bin dafür, Trinkwasser sofort als Heilmittel zu betrachten und gegen alle obigen Indikationen einzusetzen. Aber dagegen werden sieh die Schüssler-Salz-Hersteller bestimmt wehren, weil ihnen dadurch die Geschäftsbasis entzogen wird.

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unsere Zeit.

8. Magnesium phosphoricum ist übrigens als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E 343 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz-Tabletten-Schlucker im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? Ein Tipp für die sparsame Hausfrau: E 343 und damit auch Magnesium phosphoricum ist enthalten in

Milchpulver und Kaffeeweißer (max. 2,5 g/kg bzw. 30 g/kg)

Trockenpulver für Desserts (max. 7 g/kg)

Backmischungen (max. 20 g/kg)

Trockenlebensmitteln in Pulverform (max. 10 g/kg)

–  und das viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 7, da Magnesium phosphoricum dort ja 1 : 1 000 000 mal verdünnt wurde. Allerdings fehlt in diesen Lebensmitteln dann die Laktose (Milchzucker), aus der die Schüssler-Salze bekanntermassen bestehen. Aber es ist immer noch viel billiger, die Laktose separat zu kaufen, wenn man schon Laktose schlucken will.

Auch in allem grünen Gemüse (Bestandteil des Blattgrüns), Obst (z. B. Bananen) und Getreide liegt Magnesium phosphoricum in viel grosseren Konzentrationen vor als im Schüssler-Salz Nr. 7. Warum soll das isolierte Magnesium phosphoricum aus dem Schüssler-Salz für den Organismus besser sein als das Magnesium phosphoricum im natürlichen Verbund mit anderen Naturstoffen im Salat oder in den Bananen? Wie erkennt der Organismus die Moleküle des Schüssler-Salzes und unterscheidet sie von natürlichem Magnesium phosphoricum aus Salat oder Bananen?

9. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Calcium phosphoricum – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Schüssler-Salz Nr. 2, Calcium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Das Schüssler-Salz Nr. 2,  Calcium phosphoricum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abgekämpftsein, Abhängigkeit, Abwehrschwäche, Adenoide Vegetationen, Allergien, Ameisenlaufen,

Anämie, Arbeitsscheu, Auffassungsgabe, Aufheiterung, Aufmerksamkeit, Aufregung, Ausbleibende Periode,

Ausdauer, Ausfluss, Ausschlag, Badeotitis, Bandscheibenvorfall, Beeinflussbarkeit, Beinbruch,

Belastbarkeit, Bewusstwerdung, Blasse Lippen, Bleiches Gesicht, Blutarmut, Blutgerinnung,

Blutvergiftung, Blutverlust, Blässe, Brüchige Fingernägel, Brüchige Haare, Buckel,

Burn Out, Chronische Gaumenmandel-Entzündung, Darmausgangs-Fisteln, Darmpolypen, Dauerstress,

Denkvermögen, Dumpfheit, Durchhaltevermögen, Durchlichtung, Durchschlaf-Probleme,

Eigenverantwortung, Durchsetzungskraft, Eingeschlafene Arme und Beine,

Eingeschlafene Füsse, Eingeschlafene Hände, Eisenmangel, Eiweissallergie, Ekzeme,

Entscheidungsfähigkeit, Entscheidungsschwäche, Erfrierung, Ernsthaftigkeit, Erschöpfung,

Erwachsen werden, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fisteln, Flexibilität, Fraktur, Freude, Frieren,

Frostempfindlichkeit, Fussgelenks-Schmerzen, Gefässerschlaffung, Geistesarbeit,

Geistige Beweglichkeit, Gelbkörperhormon-Mangel, Gereiztheit, Gewebe-Straffung, Gier, Giftstoffe-Abbau,

Glanzlose Haare, Gleichgültigkeit, Glieder-Kribbeln,  Globussyndrom, Haar-Spliss, Halsfalten,

Haltungsschwäche, Haltungsschäden, Hass, Haltlosigkeit, Haut-Straffung, Herzrasen,

Heuschnupfen, Hexenschuss, Hilflosigkeit, Herzrhythmusstörungen,

Hinfälligkeit, Husten, Hyperhidrosis, Hypotonie, Immunsystem-Stärkung, Infektneigung, Initiative,

Ischias, Kahnbauch, Kinderlähmung-Spätfolgen, Klarheit, Kloss im Hals, Knochenbruch,

Knochenentkalkung, Knochendeformierung, Kollaps, Konzentrationsfähigkeit,

Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Kreativität, Kreislaufkollaps, Kreuzschmerzen,

Kropf, Lampenfieber, Lebensfreude, Leistungsfähigkeit, Lerneifer, Liebeskummer,

Lungenschwäche, Lupus Erythematodes, Lustlosigkeit, Lymphangitis, Lymphgefässentzündung,

Mandelvergrösserung, Mattigkeit, Menstruationsbeschwerden, Milchallergie,

Minderwertigkeitskomplexe, Morbus Crohn, Morgensteifigkeit, Mundgeruch, Muskelkrämpfe,

Muskellähmung, Muskelrheuma, Muskelschwäche, Muskelzerrung, Müdigkeit, Nabelkolik, Nasenbluten,

Nasenpolypen, Neigung zu Knochenbrüchen, Nein-Sagen können, Nerven-Beruhigung, Nervosität,

Nesselsucht, Niedriger Blutdruck, Nieren-Kopfschmerzen, Nächtliches Aufwachen,

Ohnmachtsgefühl, Ohrenekzem, Ohrknorpelentzündung, Ohrmuschelekzem,

Ohrmuschelentzündung, Operationsvorbereitung, Osteochondrose, Osteopenie, Osteoporose,

Otitis externa, PMS, Perichondritis, Phlebitis, Phobien, Polypen, Problembewältigung,

Progesteron-Mangel, Pseudo-Krupp, Ptyololith, Rachenmandel-Vergrösserung, Rachitis, Reife,

Reizbarkeit, Rekonvaleszenz, Räusperzwang, Scheu,Schielen, Schienbein-Schmerzen,

Schilddrüsenüberfunktion, Schlaffes Gewebe, Schlafstörungen, Schlechte Zähne, Schreckhaftigkeit,

Schul-Kopfschmerzen, Schulter-Verspannungen, Schwangerschafts begleitend,

Schwangerschafts-Übelkeit, Schwangerschaftserbrechen, Schweissausbrüche,

Schweisshände, Schwere Glieder, Schwitzen, Selbstbehauptung, Selbstdisziplin, Selbsteinschätzung,

Selbstkritik, Selbstvertrauen, Sialolithiasis, Skoliose, Souveränität, Spannkraft, Spannungs-Kopfschmerzen,

Speichelstein, Sprechen lernen, Starke Periodenblutung, Starrsinn, Stauungsleber,

Steifer Hals, Stetigkeit, Stress, Struma, Stumpfe Haare, Suchtneigung, Surferohr, Tachykardie,

Taubheitsgefühl, Taubheitskribbeln, Taucherohr, Teilnahmslosigkeit, Thrombophlebitis, Trichterbrust,

Trägheit, Unentschlossenheit, Unsicherheit, Unterleibs-Beschwerden, Unternehmungslust,

Urtikaria, Venenstauung, Verantwortung, Vergesslichkeit, Vergrösserte Mandeln,

Verspannungen, Verzweiflung, Vitalisierung, Wachsamkeit, Wachstumsschmerzen,

Wachstumsverzögerung, Wadenkrämpfe, Wertschätzung, Wetterfühligkeit, Widerborstigkeit,

Widerspruchsgeist, Willensstärke, Wirbelsäulen-Probleme, Wirbelsäulen-Verkrümmung,

Wutausbrüche, Zahnschmelz-Stärkung, Zahnungs-Durchfall, Zahnungs-Verzögerung,

Zahnungskrämpfe, Zahnungsschmerzen, Zeitumstellung, Ängste, Östrogen-Dominanz,

Östrogen-Mangel, Überanstrengung, Übererregbarkeit, Überforderung,

Übermässige Schweissbildung.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/calcium-phosphoricum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 2 Calcium phosphoricum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma. Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist.

4. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Calcium phosphoricum D6 gegen Stauungsleber, Skoliose, Schwangerschaftserbrechen und Starrsinn wirkt. Und wie genau wirkt Calcium phosphoricum D6 bei Widerborstigkeit und Widerspruchsgeist? Und kann man Schüssler-Salz Calcium phosphoricum D6 für pubertierende Jugendliche auch ins Müesli geben? Oder wem geben wir Calcium phosphoricum D6 gegen Arbeitsscheu?

Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten Behandlungsverläufen? – Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

5. Im Schüssler Salz Nr. 2 Calcium phosphoricum ist das  Calcium phosphat 1 : 1 Million mal verdünnt. In der Österreichischen Apothekerzeitung hat die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre: Wenn in einer Mineralwasserflasche 115 mg/l Kalzium (beispielsweise Vöslauer mild) angegeben sind, dann müsste man, wenn man die in Calcium phosphoricum D6 enthaltenen reinen Kalziumionen auf das im Mineralswasser enthaltene Kalzium umrechnet, 388 kg an Schüßler Salz Nr. 2 in D6 (1.552.000 Tabletten!) täglich einnehmen, um auf die gleiche Menge wie in 1 Liter Mineralwasser zu kommen.“

Quellenangabe: http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/11/26/schusslersalze-mineralwasser-wirksamer-gunstiger-zahnschonender.html

Halten wir also fest: 1 552 000 Schüssler-Salz-Tabletten Calcium phosphoricum D6 entsprechen im Calcium-Gehalt einem Liter Mineralwasser. Trinkwasser dürfte manchmal tiefer und manchmal höher liegen im Calcium-Gehalt. Mich würde sehr interessieren, weshalb es überhaupt noch aufsässige Jugendliche und oppositionelle Geister gibt – müssten doch alle lammfromm und handzahm sein bei den exorbitanten Calciumphosphat-Dosen im Wasser – verglichen mit den Schüssler-Salzen. Ich bin dafür, Trinkwasser sofort als Heilmittel zu betrachten und gegen alle obigen Indikationen einzusetzen. Aber dagegen werden sieh die Schüssler-Salz-Hersteller bestimmt wehren, weil ihnen dadurch die Geschäftsbasis entzogen wird.

Der Apotheker Ignaz Moser führte die Rechung von Niedan-Feichtinger in der Österreichischen Apothekerzeitung Nr. 25 / 2010 dann etwas weiter:
„115 mg/l Kalzium kosten in Form eines Mineralwassers ca. € 0,35 bis 0,60 (ca. 50
Cent!) im Lebensmittelhandel. Dieselbe Menge Kalzium in Form von Schüßler Salz-Tabletten (= lt. Autorin388 Kilogramm oder 1.552.000 Tabletten) kosten € 17 770,40!“
Und er kommentiert:
„Alle 12 Haupt-Schüßler-Salze sind normalerweise in der täglichen Nahrung ausreichend vorhanden. Ich frage mich daher, wie der Körper erkennen kann, ob die Salze in Form von Nahrung – fest oder flüssig – oder in Form von Schüßler Salz-Tabletten aufgenommen wurden. Haben die Schüßler-Ionen ein Mascherl, damit der Körper das erkennt?“

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unsere Zeit.

8. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Baum des Jahres 2010: Die Vogelkirsche

Die Vogelkirsche wurde zum Baum des Jahres 2010 gewählt.
Deshalb nun hier eine Laudatio auf die Vogelkirsche und anschliessend einen Exkurs zu den Anthocyanen, die wesentlich zu den gesundheitsfördernden Wirkungen der Kirschen beitragen und als blaue Farbstoffe auch in anderen Heilpflanzen (z.B. den Heidelbeeren) Bedeutung haben.

Die Vogelkirsche mit den schneeweißen Blüten begleite die Menschheit seit Jahrtausenden, sei heute jedoch nur noch selten zu finden, teilte das Kuratorium Baum des Jahres in Berlin mit.

Süßkirschen seien Zuchtformen der Vogelkirsche und nur schwer voneinander unterscheidbar. Weil die Vogelkirsche (Prunus avium) Hitze und Trockenheit verträgt, könnte sie vom Klimawandel profitieren, erklärte der Kuratoriumsvorsitzende Silvius Wodarz.

Die Krone einer frei stehenden Vogelkirsche mit bis zu einer Million Blüten spendet reichlich Nektar für Hummeln und Bienen. Die genügsame Pflanze kann im Wald bis zu 30 Meter hoch und 150 Jahre alt werden. Da die Vogelkirsche nur wenig Nährstoffe und Feuchtigkeit braucht, wächst sie auch auf Schuttflächen.

Vogelkirschen wachsen an Waldrändern und in freien Landschaften. Die Früchte dieser Wildform sind deutlich kleiner als die kultiverten Süßkirschen. Das wertvolle Holz der Vogelkirsche wird als Furnier geschätzt.

Für die Veredelung zur Süßkirsche pfropft man Zweige auf die Vogelkirsche. Kulturkirschen sind an knollenartigen Verdickungen des Stammes – der Pfropfstelle – erkennbar. Die Römer brachten die Kulturkirsche zu uns nach Mitteleuropa. Heute liegt die Jahresernte an Süßkirschen weltweit bei etwa 2 Millionen Tonnen. In Europa sei Deutschland das Land mit der größten Erntemenge (2008: etwa 60 000 Tonnen ohne private Kirschbäume).

Kirschkerne können sogar zu Kunstobjekten werden. Im „Grünen Gewölbe“ in Dresden ist ein Kern aus dem Jahre 1589 mit 185 geschnitzten Gesichtern zu bestaunen. Kirschkernkissen sollen zudem Rheuma und Hexenschuss lindern. Auch Weltmeisterschaften im Kirschkern-Weitspucken werden durchgeführt. Ein ästhetisches Highlight der Vogel- und Süßkirsche ist ihre leuchtende Herbstfärbung, betonte das Kuratorium “Baum des Jahres”. Das Gremium empfahl ausserdem, jetzt einen Kirschbaum zu pflanzen.

Im Jahr 2008 war der Bergahorn gekürt worden. Die Auszeichnung wird seit 1989 jährlich verliehen. Mit der Wahl soll mehr Sensibilität für das lebendige Kulturgut rund um den Baum geschaffen werden. Nur wer etwas über Baumarten wisse, könne auch ökologische Zusammenhänge begreifen, argumentiert der Deutsche Forstverein.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2032569_Vogelkirsche-Baum-des-Jahres-2010.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Vogelkirsche zählt nicht zu den Heilpflanzen, ist aber für die Tierwelt als Nahrungsquelle wertvoll.
Die hellroten Steinfrüchte der Vogelkirsche reifen im Sommer zu etwa 1 cm kleinen, kugeligen, schwarzroten Früchten heran. Sie enthalten 10 % Zucker und sind wegen ihres bitteren Geschmacks für Menschen kaum essbar, werden jedoch gerne von Vögeln und Insekten gefressen.

Kulturkirschen dagegen sind als Nahrungsmittel beliebt und gesund unter anderem wegen ihrem hohen Gehalt an Anthocyanen, die man als Farbstoffe auch in anderen blauen Früchten wie Brombeeren, Heidelbeeren oder schwarzen Johannisbeeren findet.

Den Anthocyanen werden eine ganze Reihe von günstigen Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben, weshalb sie Gegenstand intensiver Forschung sind.

Was hat es mit den Anthocyanen auf sich?

Anthocyane sind eine Untergruppe der Biophenole. Sie sind stark wirkende Antioxidanzien. Die eigentlich wirksamen Stoffe sind die farblosen Vorstufen, die Proanthocyane. Sie zerfallen, sobald sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen und werden durch Kochen meisten ebenfalls zerstört. Anthocyane sind enthalten im Rotkohl sowie in den roten Salatsorten (Kopfsalate Barbarossa, Rotkäppchen; Eissalate Rosso und Sioux, Eichblattsalat), auch in Heidelbeeren [Waldheidelbeeren haben den höchsten Gehalt überhaupt, in geringerem Masse die Gartenheidelbeeren und Holunderbeeren, in dunklen Bohnen und in Sauerkirschen]. Anthocyane bewirken ebenfalls den violetten Farbton in den Artischocken, den blauen Farbton in Weintrauben, den lila Farbton in den Auberginen.

Die Anthocyane sollen die Zellatmung verbessern, Darmkrebs und Ablagerung von LDL-Cholesterin in den Gefässen entgegenwirken und vor Herz-Kreislauf-Krankheiten schützen. Anthocyane aus den Kirschen wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Anthocyane werden von Pflanzen auch gebildet, wenn sie unter Bakterien- oder Insektenbefall, Hitze- oder UV-Strahlungs-Stress oder Wunden leiden. Die tiefroten Wundanthocyane sind dann deutlich an den Wundrändern zu beobachten. Anthocyane in den Holunder- und Heidelbeeren sollen die Sehfähigkeit in der Nacht verbessern und den Cholesterinspiegel senken.

Das Flugmedizinische Institut der deutschen Luftwaffe in Fürstenfeldbruck hat unter Einwirkung der Anthocyane eine bessere Sicht bei Dunkelheit bestätigt und reduzierte Blendeinwirkung entgegenkommender Autos festgestellt. Diese Wirkung stellt sich jedoch nur bei sehr hoher Konzentration ein, wie sie bei Genuss von Heidelbeeren nicht erzielt werden kann. Der Anthocyan-Wirkstoff wirkt auch stabilisierend auf die feinen Blutgefässe der Netzhaut. Er wird angewendet bei diabetischer Retinopathie und Makula-Degeneration. Alle Anthocyan-Farbstoffe schützen auch schon in kleinen Mengen vor Freien Radikalen (Uni Jena, Volker Böhm). Laut amerikanischen Wissenschaftlern schützen die Anthocyane der Sauerkirschen besser vor Freien Radikalen als Vitamin E.
(Quelle: http://www.bio-gaertner.de)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Bei chronischem Juckreiz können Cremes mit Capsaicinoiden lindernd wirken. Diese Naturstoffe sind in Cayennepfeffer und anderen Paprika-Arten enthalten. Derzeit existieren keine industriell produzierten Arzneimittel, aber Apotheker können entsprechende Rezepturen herstellen. «Wer unter chronischem Juckreiz leidet, sollte nicht allein herum probieren, sondern sich an seinen Arzt wenden», empfielt Dr. Andreas Kiefer.
Er ist Vorsitzender der Kommission Neues Rezeptur Formularium (NRF), die für Apotheker einen entsprechenden Rezepturhinweis publiziert hat. «Gerade bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, denn auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung spielen eine große Rolle. Hautärzte und Apotheker arbeiten deshalb eng zusammen. Die Therapie mit einer solchen Capsaicin-Creme funktioniert nur, wenn der Patient informiert und von der Behandlung überzeugt ist. Die Beratung in der Apotheke ist deshalb unerlässlich», erklärt Kiefer.

Wichtig ist das langsame Einschleichen der Behandlung, weil in den ersten Tagen als Nebenwirkungen Brennen oder Jucken auftreten können. Die Wirkung hingegen zeigt sich erst verzögert nach einigen Tagen. Darum werden diese Arzneimittel in der Regel mindestens sechs Wochen lang angewendet. Die Cremes sollten über den Tag verteilt mehrmals aufgetragen werden. Sie können auch gegen Schmerzen, etwa nach einer Herpesinfektion oder bei Rheuma-Erkrankungen, angewendet werden.

NRF-Rezepturhinweise für die Apotheke zur Capsaicin-Creme gibt es hier:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2264
(Capsaicin ins Suchfeld eingeben, dann auf “Capsaicin zur Anwendung auf der Haut” klicken)

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin ist auch interessant gegen Schmerzen, zum Beispiel bei Rheuma, aber auch bei Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetischer Neuropathie oder postherpetischer Neuralgie und trigeminaler Neuralgie.

Weitere Info dazu:

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Zum Thema Juckreiz & Capsaicin:

Capsaicinhaltige Zubereitungen haben meistens eine Konzentration von 0,025 – 0,075%.
Augustin / Hoch führen in ihrem Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” im Abschnitt “Juckreiz” (Pruritus) für Capsaicin-Anwendungen folgende Indikationen auf:
Prurigo simplex subacuta
HAES-induzierter Pruritus
Urämischer Pruritus
Pruritus bei Dialyse
Pruritus bei PUVA

Auch sie empfehlen vorsichtiges und einschleichendes Dosieren, bei empfindlicher Haut z. B. 0,001%, gesteigert bis auf ca. 0,025% und bei guter Verträglichkeit bis auf max. 0,1%.
Bei grossflächigem Juckreiz empfehlen die Autoren zur besseren Anwendbarkeit die Rezeptur als Creme oder Creme-Lotio statt Salbe.

Das empfehlenswerte Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” finden Sie im Buchshop.

Interessantes darüber hinaus zum Capsaicin:

Der Wirkstoff Capsaicin kommt auch im “Pfefferspray” als Selbstverteidigungsmittel zur Anwendung. Der irreführende Namensbestandteil “Pfeffer” kam über die englische Bezeichnung “pepper spray” ins Deutsche, wobei aber “pepper” (auch chili pepper, red pepper usw.) für Chilischoten steht. Zudem lässt sich die Bezeichnung auf eine Ähnlichkeit in der Schärfe der beiden nicht mit einander verwandten Pflanzen zurückführen.

Der Pfefferspray enthält Oleoresin Capsicum, das aus dem Fruchtfleisch tropischer und subtropischer Chilipflanzen gewonnen wird, farblos und nicht ätzend ist und Capsaicin sowie verwandte Substanzen enthält.
Am Auge führt Oleoresin capsicum zu einem heftigen brennenden Schmerz und über eine Schwellung der Augenlider zu einem sofortigen, krampfartigen Verschliessen derselben für 5 – 10 Minuten, was einen Angreifer orientierungslos macht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

Capsaicin-Pflaster und Botulinumtoxin-Injektionen reduzieren neuropathische Schmerzen der Haut langanhaltend. Erkenntnisse zu diesem Thema erläuterte Professor Dr. Ralf Baron, Präsident des Deutschen Schmerzkongresses in Berlin, an einer Pressekonferenz. Capsaicin stammt aus Chili-Schoten und bewirkt normalerweise ein schmerzhaftes Brennen der Haut, indem es dort TRPV1-Rezeptoren (Transient Receptor Potential Vanilloid 1), eine Untereinheit der Schmerzrezeptoren, stimuliert. Aber hochdosiert löst es eine Übererregung der TRPV1-Rezeptoren aus und macht damit die Nervenenden unempfindlich für Schmerzreize. Dieser Vorgang liegt dem Pflaster QutenzaTM (NGX-4010) des US-amerikanischen Unternehmens NeurogesX zugrunde. Es enthält 8 Prozent Capsaicin, wird auf die nötige Größe und Form zugeschnitten und anschliessend für 30 bis 60 Minuten auf die schmerzenden Hautbereiche aufgeklebt. So bewirkt es für drei Monate eine Schmerzstillung. Die Therapie läst sich regelmäßig wiederholen. Das Capsaicin-Präparat wurde in vier klinischen Studien an insgesamt 1619 Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen infolge einer Gürtelrose oder HIV-Infektion getestet. Die Teilnehmer bekamen entweder das Testpräparat oder ein Kontrollpflaster (0,04 Prozent Capsaicin) und mussten zu bestimmten Zeitpunkten ihre Schmerzen auf einer Skala bewerten. Demnach vermochte NGX-4010 den Schmerz zwar nicht gänzlich zu dämpfen. Es zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede zu den Vergleichsgruppen. Am 15. Mai 2009 erteilte die Europäische Kommission die Genehmigung, das Capsaicin-Präparat in der EU zur Therapie peripherer neuropathischer Schmerzen bei erwachsenen Nichtdiabetikern in Verkehr zu bringen. «Bald dürfte die Markteinführung erfolgen», erklärte Prof. Baron.

Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/

Kommentar & Ergänzung:
Capsaicin aus Paprika / Chili gilt in der Phytotherapie schon seit Jahren als ausgesprochen interessanter Wirkstoff gegen verschiedene Schmerzen.

Auffallend an dem beschriebenen Capsaicin-Pflaster ist die vergleichsweise hohe Capsaicin-Konzentration von 8% und die lange Wirkungsdauer von drei Monaten. Auf die Markteinführung dieses Produktes kann man gespannt sein.

Hier noch ergänzende Infos zu Paprika / Chili / Capsaicin:

Capsaicin stammt aus Pflanzen der Gattung Capsicum (Paprika, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse Solanaceae). Es handelt sich um ein Alkaloid, das nur bei Säugetieren durch Wirkung auf spezifische Rezeptoren einen Hitze- oder Schärfereiz etwa beim Verzehr von Paprika- oder Chilischoten hervorruft.
Capsaicin, das durch Verwendung scharfer Chilifrüchte in relativ hohen Konzentrationen traditionell in der mexikanischen, indischen, indonesischen und thailändischen Küche vorkommt, hat aufgrund seines Einflusses auf den serotonergen und dopaminergen Haushalt des Nucleus accumbens eine nach dem Abklingen der Schärfeempfindung schmerzlindernde Wirkung.

Schon die amerikanischen Ureinwohner nutzten Paprika als Heilmittel, unter anderem gegen Zahnschmerzen oder Arthrose. Teile dieser Behandlungsechniken wurden nach der Entdeckung Amerikas auch von Europäern in die Volksmedizin übernommen. Der heute bekannteste Einsatz von Paprika in der Medizin sind Capsaicin-Pflaster, die bei rheumatischen Schmerzen eingesetzt werden.
Auch gegen andere Beschwerden, wie Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetische Neuropathie oder postherpetische und trigeminale Neuralgie, werden Capsaicin-haltige Präparate eingesetzt.
Weitere Möglichkeiten zur medizinischen Anwendung von Capsaicin werden regelmäßig bekannt. 2006 wurde zum Beispiel festgestellt, dass eine hohe Dosis Capsaicin Prostatakrebszellen in Mäusen abtötet. Solche Laborexperimente sagen allerdings noch sehr wenig aus über allfällige Wirkung bei Menschen mit Prostatakrebs.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Capsaicin wird schon bald als kutanes Pflaster erhältlich sein: Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat am 15. Mai 2009 die Zulassung für das Produkt Qutenza ® erteilt. Der Patch ist angezeigt für die Therapie von peripheren neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen, welche nicht an Diabetes leiden.

Jedes Pflaster ist 14cm x 20 cm gross und beinhaltet 179 mg Capsaicin.
Qutenza sollte auf die schmerzhaftesten Hautbereiche (unter Benutzung von maximal 4 Pflastern) aufgebracht werden. Der Patch soll an den Füssen (z.B. im Fall einer HIV-assoziierten Neuropathie) eine halbe Stunde und an anderen Stellen (z.B. bei postherpetischer Neuralgie) eine Stunde aufgeklebt bleiben. In Abhängigkeit der Symptome kann die Therapie alle drei Monate wiederholt werden.

Es liegen nur begrenzte Erfahrungen mit Qutenza bei Kranken mit schmerzhafter diabetischer Neuropathie vor.

Quelle:
www.pharmavista.net

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin aus Paprika ist ein ausgesprochen interessanter Wirkstoff gegen verschiedene Schmerzen.
Capsaicin stammt aus Pflanzen der Gattung Capsicum (Paprika, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse Solanaceae). Es handelt sich um ein Alkaloid, das nur bei Säugetieren durch Wirkung auf spezifische Rezeptoren einen Hitze- oder Schärfereiz etwa beim Verzehr von Paprika- oder Chilischoten hervorruft.
Capsaicin, das durch Verwendung scharfer Chilifrüchte in relativ hohen Konzentrationen traditionell in der mexikanischen, indischen, indonesischen und thailändischen Küche vorkommt, hat aufgrund seines Einflusses auf den serotonergen und dopaminergen Haushalt des Nucleus accumbens eine nach dem Abklingen der Schärfeempfindung schmerzlindernde Wirkung.

Schon die amerikanischen Ureinwohner nutzten Paprika als Heilmittel, unter anderem gegen Zahnschmerzen oder Arthrose. Teile dieser Behandlungsechniken wurden nach der Entdeckung Amerikas auch von Europäern in die Volksmedizin übernommen. Der heute bekannteste Einsatz von Paprika in der Medizin sind Capsaicin-Pflaster, die bei rheumatischen Schmerzen eingesetzt werden.
Auch gegen andere Beschwerden, wie Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetische Neuropathie oder postherpetische und trigeminale Neuralgie, werden Capsaicin-haltige Präparate eingesetzt.
Weitere Möglichkeiten zur medizinischen Anwendung von Capsaicin werden regelmäßig bekannt. 2006 wurde zum Beispiel festgestellt, dass eine hohe Dosis Capsaicin Prostatakrebszellen in Mäusen abtötet. Solche Laborexperimente sagen allerdings noch sehr wenig aus über allfällige Wirkung bei Menschen mit Prostatakrebs.

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