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Schüssler-Salze gegen Warzen?

Ich bin immer wieder verblüfft über die Unverfrorenheit, mit der irgendwelche Behauptungen über fragwürdige Heilwirkungen herumgeboten werden.

Noch mehr verblüfft mich aber, wie selten solche Behauptungen in Frage gestellt werden.

Jetzt bin ich gerade über eine Aussage in der Drogistenzeitung „D-inside“ gestossen, die sich mit der Behandlung von Warzen befasst (Ausgabe April 2017).

Naturheilkundlich lasse sich eine Warze mit Schüssler-Salz Nr. 4 zur Bindung des Papillomavirus behandeln sowie mit Schüssler-Salz Nr. 10, das die Virenausscheidung verbessere, schreibt die Autorin unter Bezugnahme auf Aussagen einer Naturheilpraktikerin.

Was wird hier genau versprochen:

Schüssler-Salz Nr. 4 soll also das Papillomavirus binden, das für die Entstehung von Warzen verantwortlich ist. Eine steile Behauptung. Eine solche Wirkung kann man nicht einfach von aussen beobachten.

Um eine solche Wirkung festzustellen, braucht es deshalb ein Experiment zumindestens im Reagenzglas, wobei dann allerdings noch nicht klar wäre, ob der Vorgang auch in einer veritablen Warze funktionieren würde.

Nun sind aber bisher keinerlei derartige Studien bekannt geworden.

Gibt es womöglich eine geheime Studie? Das wäre sehr komisch, denn das Ergebnis wäre sensationell und würde den Umsatz vervielfachen. Zudem ist kaum vorstellbar, dass die Wirkung sich auf Papillomaviren beschränken würde. Schüssler-Salz Nr. 4 wäre dann die Lösung für unzählige gefährliche Virenkrankheiten und der Entdecker dieses Wundermittels ein heisser Kandidat für den Nobelpreis in Medizin.

Da liegt es schon sehr nahe, dass die Studie eben darum geheim bleibt, weil es sie gar nicht gibt.

Schüssler-Salz Nr. 4 enthält 1 g Kaliumchlorid auf 1000 kg Milchzucker.

Kaliumchlorid ist als Geschmacksverstärker unter der Bezeichnung E 508 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz Nr. 4-Konsumenten im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? E 508 und damit auch Kaliumchlorid ist enthalten in Fertiggerichten, Würzmitteln und diätetischen Lebensmitteln – viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 4.

Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, schreibt in der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 24 /2010, S. 1419):

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre…..“

Das gilt genauso für Trinkwasser-Konsumenten.

So: Und dieses Schüssler-Salz Nr. 4, das 1 g Kaliumchlorid pro 1000 kg Schüssler-Salz enthält, soll in der Warze die Papillomaviren binden? Wie genau muss ich mir das vorstellen?

Zudem soll Schüssler-Salz Nr. 10 noch die Virenausscheidung verbessern. Wie werden denn Viren überhaupt ausgeschieden? Ich habe bisher eigentlich gedacht, dass Viren von Fresszellen des Immunsystems vertilgt werden.

Auch die verbesserte Virenausscheidung kann man nicht sehen und damit eine solche Aussage gemacht werden kann, müssten Daten aus einem Experiment oder einer Studie vorliegen. Das wäre auch in diesem Fall Nobelpreis-würdig, wenn es dazu Belege geben würde……

Schüssler-Salz Nr. 10 enthält 1 g Natriumsulfat (Glaubersalz) auf 1000 kg Milchzucker.

Natriumsulfat ist als Lebensmittelzusatzstoff Nummer E 514 ohne Höchstmengenbeschränkung für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Es dient als Festigungsmittel, Säureregulator und Trägersubstanz.

Und auch hier führen wir Natriumionen und Sulfationen mit dem Trinkwasser in viel grösseren Mengen zu, als dies mit Schüssler-Salz Nr. 10 je möglich wäre:

„Grundwässer in sulfatarmen Gesteinen enthalten üblicherweise bis ca. 30 mg/l Sulfat…. Wesentlich höhere Gehalte (bis mehrere 100 mg/l) sind jedoch für Wässer aus sulfathaltigen Gesteinen typisch.“

Quelle:

http://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser/grundwasserbericht/grundwasserbeschaffenheit/gueteparameter/grundprogramm/sulfat/sulfat-137612.html

Ein Liter Trinkwasser enthält also zwischen 30 mg und mehreren 100 mg Sulfat. Eine Tablette Schüssler-Salz enthält 0.25 Millionstelgramm Natriumsulfat (Quelle: Pharmawiki).

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Die_Schuessler_Luege

In Dosen von 10 – 30 Gramm wird Glaubersalz als Abführmittel bei Verstopfung und zur Darmentleerung vor Fastenkuren eingesetzt.

Und nun zurück zu den Warzen. Die Aussagen in der Drogistenzeitung bezüglich Virenbindung und Virenausscheidung durch Schüssler-Salze Nr. 4 und 10 sind völlig faktenfrei. Warzen sind aber in der Regel selbstlimitierend – sie heilen nach einer gewissen Zeit auch ohne Behandlung – und sie reagieren häufig sehr gut auf Suggestion bzw. Placebo.

Es wird daher während der Behandlung mit diesen Schüssler-Salzen in einer respektablen Zahl der Fälle zu einem Verschwinden der Warze kommen. Und dann kann man ja durchaus den Schluss ziehen, dass es keine Rolle spielt, ob der Effekt durch Suggestion oder durch eine spezifische Wirkung der Schüssler-Salze zustande kommt.

Verwerflich und störend finde ich nur die völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen spezifischer Wirkungen wie „Virenbindung“ und „Virenausscheidung“, die man eigentlich nur als Bullshit bezeichnen kann.

In der Pflanzenheilkunde wird gegen Warzen gerne der Schöllkrautsaft verwendet.

Siehe dazu:

Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

Schöllkraut enthält im Milchsaft eiweissspaltende Enzyme sowie die Alkaloide Berberin und Sanguinarin, die mit der DNA reagieren und deshalb zelltoxisch und antiviral wirken. Dadurch könnte eventuell (!) eine Wirkung gegen Warzen erklärt werden, wenn der Schöllkrautsaft 2 mal täglich auf die Warze aufgetragen wird. Da diese Wirkungen aber nur im Labor belegt sind, lässt sich daraus keine sichere Aussage über eine Wirksamkeit an konkreten Warzen lebender Menschen machen.

Wenn eine Warze nach der Anwendung von Schöllkrautsaft verschwindet, kann ich daher nie mit Sicherheit wissen, ob dieser Effekt durch eine spezifische Wirkung der Schöllkraut-Inhaltsstoffe erfolgt ist, durch Suggestion oder durch ein zufälliges Zusammenfallen der Behandlung mit dem Zeitpunkt, an dem die Warze sowieso verschwunden wäre.

Für den Warzenträger oder die Warzenträgerin spielt das in diesem Fall keine wesentliche Rolle. Es ist aber meines Erachtens eine Frage der Wahrhaftigkeit, die Ungewissheit über den eigentlichen Wirkfaktor anzuerkennen und sich nicht im Brustton der Überzeugung mit leeren, aber eindrücklich klingenden Behauptungen zu schmücken – zum Beispiel betreffend Virenbindung und Virenausscheidung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Heilpflanze des Jahres 2017: Das Gänseblümchen

Das Gänseblümchen (Bellis perennis) ist zur Heilpflanze des Jahres 2017 gewählt worden. Fast jeder kenne das Spiel „Liebt mich – liebt mich nicht“ mit dessen Blättern, doch über die Heilwirkungen der heimischen Blume sei wenig bekannt, schreibt der Naturheilverein NHV Theophrastus. Der Verein will aus diesem Grund stärker über die Heilkraft der Gänseblümchen informieren.

Eine Prise Gänseblümchen im Tee habe sich besonders in der Kinderheilkunde bewährt schreibt der NHV Theophrastus. Das helfe bei Schwächezuständen, Erkältung und Durchfall, heisst es in der Pressemitteilung. Zudem werde das Gänseblümchen bei Hautausschlägen, Verletzungen und als Hustenmittel genutzt.

Die Wahl zur „Heilpflanze des Jahres“ wird jeweils vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, durchgeführt.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/pharmazie/nachricht-detail-pharmazie/gaensebluemchen-ist-heilpflanze-2017-heilwirkung-naturheilverein-erkaeltung-hustenmittel/

 

Kommentar & Ergänzung:

Nichts gegen das Gänseblümchen! Gar nichts!

Aber die Angaben zu den Anwendungsbereichen des Gänseblümchens als Heilpflanze sind in diesem Pressetext schwach.

Über allfällige Wirkungen des Gänseblümchens als Heilpflanze gibt es so gut wie gar keine gesicherten Erkenntnisse. Es fehlen experimentelle Untersuchungen und gut dokumentierte Erfahrungsberichte. Klinische Studien mit Patienten existieren erst recht keine. Einzig Angaben zu den Inhaltsstoffen sind zu finden. Danach enthalten die Blütenköpfchen zirka 2,7 % Saponine und etwas Flavonoide.

Keine gute Ausgangslage, wenn man das Gänseblümchen als Heilpflanze des Jahres 2017 präsentieren will.

Nun – man könnte die schwache Datenlage darlegen und für mehr Aufmerksamkeit für das Gänseblümchen und für mehr Forschung plädieren.

Oder man kann aus irgendwelchen Kräuterbüchern oder aus dem Internet Angaben zu den Anwendungsbereichen des Gänseblümchens zusammentragen und ungeprüft übernehmen. Das sieht dann zwar auf den ersten Blick besser aus, lässt aber eine fundierte Auseinandersetzung vermissen. Die Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen des Gänseblümchens im Pressetext des NHV Theophrastus machen den Eindruck, dass sie auf derart willkürliche Weise entstanden sind.

Der Gehalt an Saponinen lässt allenfalls die Anwendung als schleimlösendes Mittel bei produktivem Husten plausibel erscheinen. Eine Empfehlung als „Hustenmittel“ ist aber auf jeden Fall zu ungenau.

Und wenn Gänseblümchen in der Kinderheilkunde bei „Schwächezuständen“ helfen soll, dann stellt sich zuerst die Frage nach den Ursachen der zu behandelnden Schwächezustände. Denn Gänseblümchen – sollte es wirklich helfen – wird das ja wohl nicht in jedem Fall und unabhängig von der jeweiligen Ursache tun.

Und „Erkältungen“ als Indikation, das wirft ebenfalls Fragen auf:

Welche Art von Erkältung? Was genau soll das Gänseblümchen da bewirken?

Eine Wirksamkeit gegen „Durchfall“ ist sehr unwahrscheinlich, dazu müsste das Gänseblümchen Gerbstoffe in relevanten Mengen enthalten, was nicht der Fall ist.

Auch „Hautausschläge“ ist als Anwendungsbereich viel zu verschwommen, weil damit ganz unterschiedlich verursachte Erkrankungen bezeichnet werden können.

Kurz gesagt: Ich vermisse im Text des NHV Theophrastus kritische Auseinandersetzung und sorgfältige Urteilsbildung.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

P.S.:

Sehr viel fundierter begründet jeweils der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg seine Wahl der „Arzneipflanze des Jahres“.

Siehe dazu: Welterbe Klostermedizin / Arzneipflanze des Jahres

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Arzneipflanze des Jahres 2016: Kümmel (Carum carvi)

Kümmel ist bekannt als Gewürz, doch die Pflanze hat auch interessante und wertvolle Heilwirkungen:

Kümmeltee und Kümmelöl können Krämpfe im Verdauungstrakt lösen und Blähungen und Völlegefühl vertreiben.

Nun wurde der Echte Kümmel (Carum carvi) zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gekürt.

«Kümmel ist ein sehr gutes Mittel gegen Reizdarmbeschwerden, wenn man es über magensaftresistente Kapseln nimmt. Als Tee kann Kümmel auch bei leichteren Beschwerden wirken», erklärt der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer anlässlich der Präsentation der „Arzneipflanze des Jahres“ in Würzburg.

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg „ernennt“ jedes Jahr eine andere anerkannte Heilpflanze zur „Arzneipflanze des Jahres“.

Die wissenschaftliche Bedeutung der Arzneipflanzen als wirksame Medizin soll damit stärker ins Bewusstsein gerückt werden. «Wir wollen zeigen, dass es Pflanzen auf der Seite Arzneimittel gibt, die mit synthetischen Medikamenten mithalten können und zudem weniger Nebenwirkungen haben», erklärt Johannes Gottfried Mayer weiter.

Kümmel ist wohl eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen in Europa. Verwendet werden die Früchte der Pflanze, die hauptsächlich in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Ägypten angebaut wird.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60174

Kommentar & Ergänzung:

Kümmel wird nicht nur angebaut. Die Pflanze kommt insbesondere in mittleren und höheren Lagen des Berglandes auch wild vor. Wer Kümmel in der Natur kennenlernen will, kann das also auf vielen meiner Kräuterwanderungen in den Bergen tun.

Kümmel als Gewürz ist vielen Menschen ein Begriff, aber wie die Pflanze aussieht und wo sie wächst, das wissen nur wenige.

So sieht Kümmel aus: Foto auf Wikipedia

Kümmel gehört allerdings zu den Doldenblütlern (Apiaceae) und die sind oftmals nicht ganz einfach botanisch zu bestimmen. Kümmel kommt beispielsweise mit rötlicher oder mit weisser Blütenfarbe vor, was auch auf andere Doldenblütler zutrifft (z. B. auf die Grosse Bibernelle, Pimpinella major). So muss man jedenfalls genau hinschauen, wenn man sicher sein will.

Das ätherische Kümmelöl besteht zu etwa 50 – 65 % aus Carvon, das eine hemmende Wirkung auf das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze hat. Könnte man zum Beispiel gegen Fusspilz versuchen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: EMA veröffentlicht Empfehlungen zu Phytopharmaka

Die europäische Aufsichtsbehörde „European Medicines Agency“ (EMA) will Informationen zu pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Deshalb werden ab sofort die Empfehlungen zur Anwendung von Phytopharmaka, die der zuständige Ausschuss, das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), publiziert, in laienverständlicher Sprache zusammengefasst.

Die Zusammenfassungen umfassen Informationen zur Bewertung des Phytopharmakons, die Schlussfolgerungen des HMPC betreffend die empfohlene Anwendung, sowie die Daten, auf denen die Empfehlungen basieren und Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen.

Diese Angaben sollen die Packungsbeilage ergänzen und den Bürgern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie die entsprechenden Präparate in der Selbstmedikation anwenden.

Für sechs Heilpflanzen, deren Bewertung schon abgeschlossen ist, wurden die Zusammenfassungen nun publiziert.

In Zukunft sollen diese Dokumente für alle neu bewerteten Heilpflanzen sowie für alle Revisionen, die im Rahmen der üblichen Routine stattfinden, verfügbar sein.

Die EMA beabsichtigt, nach und nach die publizierten Zusammenfassungen in alle offiziellen Sprachen der EU zu übersetzt.

Bislang publiziert sind:

 

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia california)

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Beinwell (Symphytum officinale)

Paprika (Capsicum annuum)

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella)

 

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/08/05/phytoempfehlungen-der-ema-kuenftig-auch-fuer-laien-verstaendlich/16417.html

Kommentar & Ergänzung:

So kommen Sie zu diesen Zusammenfassungen:

Gehen Sie auf die Übersichtsseite. Unter „Browse A – Z“ klicken Sie auf den Buchstaben, der dem ersten Buchstaben des lateinischen Namens der Heilpflanze entspricht, die Sie suchen.

Aus der Liste wählen Sie die entsprechende Heilpflanze aus.

Wenn Sie auf der Seite der gesuchten Heilpflanze sind, zum Beispiel „Ginkgo“, dann sehen Sie zuerst die Zusammenfassung. Unter „All documents“ kommen Sie zu PDFs mit weiteren Informationen.

Dort können Sie zum Beispiel die Monografie zu Ginkgo abrufen.

Die Beschreibungen der Heilpflanzen ist nicht umfangreich. Davon sollte man sich nicht über ihren Wert täuschen lassen. Die Knappheit ist Resultat eines wohl ziemlich aufwendigen Auswahlprozesses. Die Quantität sagt nichts über die Qualität aus. Das ist im übrigen ähnlich bei Vorträgen und Kursen über Heilpflanzen. Wer am meisten über fast unendliche und wunderbare Anwendungsmöglichkeiten erzählt, hat sich vielleicht einfach um den aufwendigen Auswahlprozess gedrückt.

Interessant bei diesen Monografien ist zum Beispiel die Unterscheidung in „Well-established-use“ (linke Spalte) und „Traditional use“ (rechte Spalte).

„Well-established-use“ – das umfasst Aussagen, für die es wissenschaftliche Daten gibt.

„Traditional use“ – damit sind Aussagen zu Heilwirkungen gemeint, die ausschliesslich auf überlieferten Angaben aus langjähriger Anwendung basieren.

Monografien als Form der Qualitätssicherung

Die detaillierte Beschreibung von Heilpflanzen in Monografien, wie es hier das HMPC macht, ist eine Form der Qualitätssicherung in der Phytotherapie. Der wesentlichste Punkt dabei ist, dass die Quellen offengelegt werden, auf denen die Aussagen basieren.

Sie finden diese Quellenangaben unter „All documents“ als PDF mit dem Titel „List of references supporting the assessment of….“.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Aussagen in Monografien, die in einem kooperativen Verfahren zustande gekommen sind und auf offengelegten Quellen beruhen, haben einen viel höheren Glaubwürdigkeitsgrad als isolierte Behauptungen von Einzelpersonen.

Der Weg, wie eine Aussage zustande gekommen ist, muss so gut wie möglich dokumentiert sein. Das bieten Monografien in hohem Mass.

Neben diesen neuen HMPC-Monografien sind in der Phytotherapie die ESCOP-Monografien und die älteren Monografien der Kommission E wichtig. Auch die WHO erstellt Monografien von Heilpflanzen.

Phytotherapie: Was sind ESCOP-Monografien

Phytotherapie: Kommission E – was beudeutet das?

Es wimmelt aber von isolierten Behauptungen von Einzelpersonen über die Wirkungen von Heilpflanzen. Behauptungen, die keinen kooperativen Diskussionsprozess überstanden haben und deren Entstehungsweg nicht transparent dokumentiert ist.

Was ist von solchen Behauptungen zu halten?

Nur weil es isolierte, undokumentierte und oft intransparent entstandene Behauptungen von Einzelpersonen sind, müssen sie ja nicht falsch sein.

Sie könnten trotzdem korrekt sein, aber sie haben wesentliche Prüfungen durch die „Community“ der Fachleute nicht hinter sich. Und daher sind sie wesentlich ungewisser und weniger glaubwürdig.

Beispiele für solche freischwebenden, isolierten, undokumentierten Behauptungen, die häufig anzutreffen, aber fragwürdig sind:

Storchenschnabeltinktur gegen Schock

Karde gegen Borreliose

Kleiner Kommentar zu den 6 veröffentlichten Zusammenfassungen

Da sind sehr unterschiedliche Heilpflanzen ausgewählt worden von den Anwendungsbereichen und von der Bedeutung her.

Ein paar Stichworte:

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia california)

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia californica, Papaveraceae) wird traditionell als Beruhigungsmittel und als leichtes Schlafmittel in der amerikanischen Indianermedizin angewendet. Diese Heilpflanze ist in der Schweiz wenig bekannt. Es gibt aber seit 2008 ein zugelassenes Arzneimitttel. Die wissenschaftliche Datenbasis ist schmal (Tierversuche, keine ausreichenden Patientenstudien)

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Ginkgo-Extrakt gehört zu den meistverkauften und am besten untersuchten Heilpflanzen. Patientenstudien sprechen für eine positive Wirkung im Frühstadium von Demenzerkrankungen.

Beinwell (Symphytum officinale)

Äusserlich als entzündungshemmende Salbe oder Gel oft angewendet bei stumpfen Verletzungen (Prellungen, Verstauchungen) und Gelenkentzündungen. In den letzten Jahren zunehmend wissenschaftlich erforscht mit Patientenstudien, welche diese Wirkungen teilweise untermauern konnten.

Paprika (Capsicum annuum)

Paprika enthält als wichtigsten Inhaltsstoff das Alkaloid Capsaicin mit schmerzstillender, juckreizlindernder und entzündungshemmender Wirkung. Äusserlich angewandt lassen sich damit zum Beispiel Gelenkschmerzen, Neuralgien und manche Formen von Juckreiz behandeln. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Studien.

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Enthält Gerbstoffe und kann beispielsweise bei leichten Durchfallerkrankungen und leichten Mundschleimhautentzündungen angewendet werden. Da es viele und wahrscheinlich auch besser wirksame Gerbstoffpflanzen gibt, wird Odermennigkraut nur selten eingesetzt. Patientenstudien fehlen.

Mausohr-Habichtskraut (Hieracium pilosella)

Diese Pflanze ist mir in der Phytotherapie-Fachliteratur noch nie über den Weg gelaufen und daher überrascht es mich, sie hier in dieser Liste anzutreffen. Auf den Kräuterwanderungen sehe ich sie oft. Die langen Haare auf den Blättern sind sehr auffällig und haben zur Bezeichnung Mausohr-Habichtskraut geführt (auch: „Langhaariges Habichtskraut“ oder von mir inoffiziell „Dreitagebart-Habichtskraut“ genannt).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Senf als Naturheilmittel

Senf soll das älteste Gewürz der Welt sein. Bereits in der Antike schwor der griechische Mathematiker Pythagoras, dass Senf den Verstand schärft. Zunächst war Senf offenbar reines Heilmittel, dann erst diente er als Gewürz zum Verfeinern von Speisen.

Senf gehört zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceen) und ist verwandt mit Raps, Rettich, Meerrettich und Kohl.

Senf verleiht nicht nur Gerichten einen unvergleichlichen Geschmack – er kann auch positive Wirkungen auf den Organismus entfalten.

Die Senf-Paste fördert die Verdauung, regt den Speichelfluss an, Gallensaft und Magensaft werden vermehrt ausgeschüttet. Die Schärfe und die Heilwirkungen werden ausgelöst durch die Senföle. Sie werden freigesetzt, wenn die Körner zerkleinert und fermentiert werden. Senföle helfen der Pflanze bei der Abwehr von Fraßschäden und Mikroorganismen. Senfmehl hat sich auch bei Gelenkbeschwerden in Form von Auflagen / Umschlägen bewährt, ein Senfmehlfußbad wärmt die Füße. Forschungen am Universitätsklinikum Freiburg deuten zudem darauf hin, dass Senf vor Krebs schützen könnte, indem die Senföle krebsauslösende Stoffe unschädlich machen.

Quelle:

http://www.dw.de/senf-die-medizin-des-altertums/av-17082603

Kommentar & Ergänzung:

Senf ist tatsächlich ein interessantes Naturheilmittel. Allerdings sollte man sich gut kundig machen, bevor man Senfauflagen oder Senfmehlfussbäder anwendet. Vor allem bei den Auflagen kann eine zu lange Einwirkungszeit die Haut zu stark reizen und sogar Blasen hervorrufen.

Wichtig: Das Wasser sollte beim Kontakt mit dem Senfmehl nicht heisser als 45°C sein. Bringt man das Senfmehl mit heisserem Wasser in Kontakt, so wird ein Enzym zerstört, das für die Freisetzung der Senföle „verantwortlich“ ist.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterwanderung in Quinten am Walensee (Kanton St. Gallen) am 4. Mai 2014

Für die neue Saison mit den Kräuterwanderungen 2014 bin ich daran, die Daten und Orte festzulegen und im Kursprogramm auf der Website zu publizieren.

Wir starten am 4. Mai mit den Kräuterwanderungen 2014 in Quinten am Walensee.

Quinten ist nur zu Fuss oder per Schiff erreichbar. Wir fahren von Murg aus mit dem Schiff nach Quinten und erkunden die blumenreichen Matten am Nordufer des Walensees. Quinten ist bekannt für ein ausgesprochen mildes Klima. Die Pflanzenwelt ist hier anfangs Mai schon sehr weit entwickelt, so dass wir eine grosse Vielfalt an Heilpflanzen und Wildblumen kennenlernen können. Auch landschaftlich ist diese Kräuterwanderung ein Erlebnis, geprägt vom Walensee und den imposant aufragenden Churfirsten. Wie bei allen Kräuterwanderungen werde ich die Heilwirkungen und die Erkennungsmerkmale der Heilpflanzen vorstellen. Wir werden aber auch die Tierwelt im Auge behalten. Die alten Trockenmauern sind ein Eldorado für Eidechsen  und in dieser Jahreszeit fliegen in Quinten schon viele Schmetterlinge – zum Beispiel Aurorafalter, Schwalbenschwanz und der faszinierende Segelfalter.

Die Detailinformationen zu dieser Kräuterwanderung finden Sie im Kursprogramm.

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Ätherische Öle zur Immunstärkung?

Ätherische Öle sind sehr spannende Inhaltsstoffe vieler Pflanzen. Und sie zeigen eine ganze Reihe von Wirkungen, die sich therapeutisch nutzen lassen.

Ich finde in der Aromatherapie-Literatur aber auch immer wieder Angaben zu Heilwirkungen, die ich nicht nachvollziehen kann und für die ich auch keine glaubwürdigen Belege erkennen kann.
Oft fehlt auch eine genauere Quellenangabe und damit auch der Hinweis, wer aus welchen Gründen eine bestimmte Empfehlung in die Welt gesetzt hat. So lässt sich die Glaubwürdigkeit nur schwer überprüfen.
Ein Beispiel dazu:
In der österreichischen Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) erschien ein Artikel zum Thema „Abwehrkräfte der Kinder stärken“.
Zitat:

„Ätherische Öle wie Lemongrass, Zitrone, Teebaum und Kamille besitzen immunstärkende Eigenschaften. Gerade die wohlriechenden, erfrischenden Zitrusnoten verbessern in einer Duftlampe während der Hausaufgaben das Raumklima. So steigern sie nicht nur die Abwehrkräfte sondern wirken auch konzentrationsfördernd und machen wach.“

Kommentar & Ergänzung:

Klar scheint mir, dass viele ätherische Öle gute antimikrobielle Wirkungen haben, vor allem gegen Bakterien, aber auch gegen Pilze und Viren. Damit können sie Infektionen bekämpfen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ausreichende Konzentration der ätherischen Öle am Wirkungsort.
Bei inhalativer Anwendung wird sich der antimikrobielle Effekt auf die Atemwege beschränken.

Meinem Eindruck nach werden antimikrobielle und immunstärkende Wirkungen in der Aromatherapie-Literatur oft nicht genau unterschieden.
Bei einer antimikrobiellen Wirkung geht es um eine direkte Hemmung oder Abtötung der Bakterien, Pilze und Viren.
Ist von einer immunstärkenden Wirkung die Rede, müsste ein direkter Effekt auf das unspezifische Immunsystem vorliegen, beispielsweise durch Aktivierung irgendwelcher Fresszellen.
Während es aber massenweise Untersuchungen über antimikrobielle Wirkungen von ätherischen Ölen gibt, fehlen meinem Eindruck nach Belege für eine immunstärkende Wirkung, also für direkte Wirkungen auf das unspezifische Immunsystem. In der Aromatherapie-Literatur vermisse ich Quellenangaben, wenn von immunstimulierenden Effekten die Rede ist. Im Fachbuch „Aromatherapie“ von Wabner / Beier (2009) wird eine immunstärkende Wirkung bei Lemongrassöl, Zitronenöl und Kamillenöl nicht erwähnt. Bei Teebaumöl steht „immunstimulierend“ und dazu die Angabe „Erhöht IgA und IgM, C3 und C4“. Durch welche Quellenangabe das gestützt wird, ist mir nicht ersichtlich. Es dürfte sich aber um Laborexperimente an isolierten Zellen oder Geweben handeln, von denen auf eine Wirksamkeit aus das Immunsystem des Menschen nicht einfach geschlossen werden kann.
Über die Duftebene angewendet wirken ätherische Öle vor allem via Limbisches System in den psychischen Bereich und auf das vegetative Nervensystem. Ein stärkender Einfluss auf das Immunsystem ist da noch sehr spekulativ.
Den Begriff „immunstärkend“ würde ich im Zusammenhang mit ätherischen Ölen meiden. Diese Wirkung ist meinem Eindruck nach nicht annähernd glaubwürdig belegt.

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Curcumin wirkt gegen Hepatitis-C-Viren

Curcumin verleiht Curry seine leuchtend gelbe Farbe und kommt in der Pflanze Gelbwurzel vor (= Kurkuma, Curcuma longa).

Curcumin ist jedoch nicht nur Farbgeber, es hat auch Heilwirkungen. Forscher aus Hannover konnten nun nachweisen, dass der gelbe Farbstoff gegen Hepatitis-C-Viren wirkt. Curcumin hindert die Viren daran, in die Leberzellen einzudringen. Außerdem hemme der Farbstoff den Übergang der Viren von einer Zelle zur nächsten, schreiben die Wissenschaftler. Sie erzielten nach eigenen Angaben gute Resultate, wenn sie Curcumin mit den handelsüblichen Medikamenten kombiniert verabreichten.

Ein Problem allerdings gebe es: Curcumin werde im Körper rasch abgebaut und wirkt deshalb nur kurze Zeit. Die Forscher arbeiten nun daran die Verweildauer zu verlängern.

Weltweit sollen rund 130 Millionen Menschen mit den Hepatitis-C-Viren infiziert sein Nach Angaben der Wissenschaftler aus Hannover ist die Infektionskrankheit die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=258090

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist ein sehr interessanter Naturstoff, der intensiv erforscht wird.

Ich habe versucht, über diese Forschung in Hannover mehr in Erfahrung zu bringen, obwohl eine genaue Quellenangabe fehlt.

Es dürfte sich wohl um diese Publikation handeln:

http://gut.bmj.com/content/early/2013/07/31/gutjnl-2012-304299.abstract

Im Text auf DRadio Wissen fehlt meines Erachtens der Hinweis, dass es sich hier um Laborexperimente an Zellen handelt. Von solchen In-vitro-Experimenten ist es nohc ein riesiger Schritt bis hin zu einer allenfalls wirksamen Therapie in der Leber von Hepatitispatienten. Nicht nur die kurze Verweildauer von Curcumin im Körper ist dabei ein Problem. Curcumin wird auch schlecht aufgenommen aus dem Verdauungstrakt und es müsste noch geklärt werden, ob es möglich ist, Curcumin in ausreichend hoher Konzentration in die Leber von Hepatitiskranken zu bringen.

Solche Probleme gibt es im Labor an isolierten Zellen nicht.

Den beteiligten Forschern sind dies Einschränkungen klar, aber in der Medienberichterstattung gehen sie oft unter, so dass ein zu optimistischen Bild transportiert wird.  Es macht dann oft den Eindruck, man stehe hier kurz vor einem therapeutischen Durchbruch.

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Süssholz wirkt wie Cortison gegen Allergien?

Kräuter werden heute zunehmend über’s Internet verkauft.

Auffallend sind dabei die oft sehr fragwürdigen Beschreibungen von Heilwirkungen.

Ein kürzlich angetroffenes Beispiel eines Online-Shops:

„In der Pflanzenheilkunde wird Süssholz oft bei «verhocktem» Husten eingesetzt, denn es gilt als schleimlösend und auswurffördernd. Zudem besitzt es ähnliche Eigenschaften wie Cortison und wirkt so gegen Allergien.“

Kommentar & Ergänzung:

Dass Süssholz schleimlösend und auswurffördern bei produktivem Husten wirkt, gilt in der Phytotherapie weitgehend als glaubwürdig.

Die ESCOP sieht Süssholz als „unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarm­geschwüren sowie bei Magen­schleimhautentzündung; als Schleim lösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh“.

Für diese Bereiche kann man Süssholzwurzel in passender Dosierung und über eine limitierte Zeitdauer nach heutigem Kenntnisstand problemlos einsetzen.

Sehr fragwürdig ist aber die Aussage, dass Süssholz ähnliche Eigenschaften wie Cortison besitzt und daher gegen Allergien hilft.

Inhaltsstoffe der Süssholzwurzel hemmen den Abbau des körpereigenen Cortisols in der Leber, wodurch tatsächlich cortisonähnliche Wirkungen im

Organismus ausgelöst werden können. Daueranwendung (mehr als sechs Wochen) und Überdosierung können Hypokaliämie und Hypernatriämie bewirken. Als deren Folgen könnten Bluthochdruck, Ödeme, Stauungsherzinsuffizienz, Bradikardie, Asthma cardiale, Darmkoliken, Kopfschmerzen, metabolische Alkalose, Muskelschwäche, Rhabdomyolyse (Zerstörung der Muskulatur) und Lähmungserscheinungen begünstigt werden.

Das sind aber Extremfälle, die allenfalls durch Einnahme von Lakritze (eingedickter Süssholzsaft, Bärendreck) in hoher Dosierung über lange Zeit vorstellbar sind.

Von der Süssholzwurzel müsste man etwa 50g / Tag einnehmen, um in diesen Bereich zu kommen, was sehr unrealistisch ist.

Der Punkt ist nun aber: Wenn man von Süssholz eine Cortison-ähnliche Wirkung haben will, wie von diesem Online-Shop versprochen gegen Allergien, dann müsste man Süssholzsaft (Lakritze) in hohen Dosen einnehmen. Das ist aber nicht vertretbar, weil man dann in Dosisbereiche kommt, in denen auch mit Cortison-ähnlichen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Von daher tönt es zwar sehr gut, wenn Süssholz als pflanzliches Cortison gegen Allergien empfohlen wird. Mit der Realität hat diese Werbeaussage aber nichts zu tun.

Als Grundsatz ist daher empfehlenswert:

Skeptisch bleiben, nicht alles glauben, was geschrieben und gesagt wird, nachhaken, sich selber schlau machen – zum Beispiel mit dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung (siehe Kurskalender).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Pflanzenkunde: Was blüht gerade – Das Leberblümchen (Hepatica nobilis)

Das Leberblümchen (Hepatica nobilis, Anemone hepatica, Hepatica triloba) gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Das ausgesprochen hübsche Pflänzchen wächst auf lehmigen, fast immer kalkhaltigen Waldböden und gilt als Lehm- und Kalkzeiger. Es gilt als Charakterart der mitteleuropäischen Laubwälder. Besonders oft wächst es auf kalkreichen Böden im Buchenwald, seltener auch in Nadelwäldern der Gebirge auf Kalkstandorten. Fotos auf Wikipedia hier und hier (Einzelblüte Nahaufnahme) und hier (dreilappige Blätter).

Im März und April ist das Leberblümchen mit seinen violettblauen Blüten ein „Star“ unter den Frühblühern im Wald. Wegen der frühen Blütezeit wird das Leberblümchen mancherorts auch „Vorwitzchen“ genannt.

Die Lebensdauer der Blüten beträgt nur etwa acht Tage. Sie produzieren keinen Nektar, werden aber wegen dem Blütenstaub von Bienen, Käfern und Schwebfliegen besucht und bestäubt.

Die Samen enthalten ein nährstoffreiches Anhängsel (Elaiosom), das von Ameisen als „Food“ genutzt wird, die nebenbei so auch zur Verbreitung des Leberblümchens beitragen. Diese Art der Ameisenverbreitung ist eine häufige „Reisestrategie“ von Pflanzensamen im Wald.

Das Leberblümchen wird gern als Zierpflanze in verschiedenen Farbvarianten kultiviert.

Der deutsche  und der lateinische Name deuten auf eine frühere Verwendung gegen bei Lebererkrankungen hin. „Hepaticus“ ist abgeleitet von lat. (morbus) hepaticus = Leber(leiden). „nobilis“ bedeutet „edel“, wobei nicht ganz geklärt ist, ob sich dieses „Kompliment“ auf das Aussehen oder auf die der Pflanze zugeschriebenen Heilwirkungen bezieht. Die Idee, Leberblümchen bei Leberleiden anzuwenden, stammt aus der Signaturenlehre, die davon ausgeht, dass Heilpflanzen uns durch ihre Farben und Formen mitteilen, wofür sie gut sind. Die dreilappigen Blätter mit ihrer rötlichen Unterseite soll durch diese Ähnlichkeit auf die menschliche Leber hinweisen. Historisch ist diese Signaturenlehre sehr bedeutsam, doch sie basiert auf einem fundamentalen Irrtum: Die Farben und Formen der Pflanzen sind so gestaltet, wie es für die Pflanze selber gut ist. Sie sind als Mitteilung nicht auf uns gerichtet, sondern allenfalls wie die Blütenfarbe ein Signal an bestäubende Insekten. So ist es nicht erstaunlich, dass von einer Leberwirksamkeit des Leberblümchens keine Rede sein kann.

Zur Signaturenlehre siehe auch:

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Das Leberblümchen ist im frischen Zustand durch den Inhaltsstoff Protoanemonin schwach giftig. Bei Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin umgebaut, wodurch die Giftigkeit verschwindet. Für Wildsalate oder andere Nahrungszwecke ist das Leberblümchen jedenfalls nicht geeignet.

Eine Verwendung findet das Leberblümchen noch in der Homöopathie, vor allem bei Rachenkatarrh, wobei für die Wirksamkeit allerdings keine Belege existieren.

Wer Pflanzen in der Natur kennenlernen möchte, kann das auf meinen Kräuterexkursionen. Daten und Orte finden Sie im Kurskalender.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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