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Aktivkohle bei Durchfall

Aktivkohle = „medizinische Kohle“, ist poröser, feinkörniger Kohlenstoff mit einer grossen inneren Oberfläche.

„ Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden (offenporig). Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes.“ (Quelle: Wikipedia).

An diese eindrücklich grosse Oberfläche bindet Aktivkohle Toxine und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Diese Fähigkeit wird ausgenutzt bei Vergiftungen. Aktivkohle ist dabei zwar sehr breit wirksam, aber nicht gegen alle Gifte. Unwirksam ist sie zum Beispiel gegen Cyanid, Eisen, Lithium, Elektrolyte, Lösungsmittel und verschiedene Alkohole wie Methanol und Ethanol. (Quelle: Pharmawiki)

Da Aktivkohle zum Beispiel auch Bakterien und Bakterientoxine bindet, wird sie ebenfalls als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Sie ist nur lokal im Verdauungstrakt wirksam und wird nicht in den Organismus aufgenommen.

Aktivkohle kann auch andere Medikamente binden und dadurch ihre Aufnahme stören. Deshalb sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden, da es sonst zu einem Wirkungsverlust kommen kann.

Aktivkohle kann auch zur Entfernung von Zahnverfärbungen eingesetzt werden.

Aktivkohle ist für medizinische Zwecke im Handel in Kapselform oder als flüssige Suspension (Carbovit).

Ausgesprochen fragwürdig ist der Trend, Aktivkohle Lebensmitteln beizufügen in der Hoffnung, damit den Körper zu entgiften, zum Beispiel in Form von Aktivkohle-Drinks. Erstens ist überhaupt nicht klar, was genau für Stoffe da entgiftet werden sollen. Die Aktivkohle ist nämlich nicht so schlau, dass sie unterscheiden kann, welche Stoffe für uns schädlich sein könnten, und welche wir brauchen. So ist es denkbar, dass sie auch gesunde und notwendige Stoffe bindet wie Vitamine, Polyphenole etc.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Walnussverzehr wirkt günstig auf Darmflora

Regelmäßiger Walnusskonsum (täglich 43 g über 8 Wochen) verbessert nicht nur den Cholesterinspiegel im Blut, sondern auch die Darmflora. Zu diesem Resultat kommt eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Parhofer. In der prospektiven, randomisierten Walnuss-Studie, deren Resultate kürzlich in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht wurden, konnte gezeigt werden, dass unter regelmäßigem Walnussverzehr mehr probiotische und Buttersäure produzierende Bakterien im Stuhl nachweisbar sind.

Es sei bekannt, dass die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf die Gesundheit des Menschen hat, erklärt Parhofer. Ausserdem wisse man, dass die Ernährung die Darmflora, das Mikrobiom, beeinflussen kann.
In der Studie konnte nun gezeigt werden, dass regelmäßiger Walnussverzehr Bakterien begünstigt, die mit weniger Übergewicht und weniger Zuckerkrankheit verknüpft sind.

Schon in den vorausgegangenen Walnuss-Studien konnte ein positiver gesundheitlicher Effekt durch Walnüsse bestätigt werden. Bereits 43 g/Tag verbessern den Fettstoffwechsel und reduzieren das schlechte Cholesterin nachweislich um ca. 5%. Dieser Effekt ist unabhängig davon, ob man bei der Ernährung Fette oder Kohlenhydrate anstelle der Walnüsse weglässt. Somit konnte mit der Studie belegt werden, dass alleinig der Walnussverzehr der ausschlaggebende Faktor für den günstigen Effekt auf den Cholesterinspiegel ist.

Quelle:
https://www.journalmed.de/news/anzeigen/Walnussverzehr_wirkt_sich_guenstig_auf_das_Mikrobiom_aus

Klinikum der Universität München (LMU)
Originalpublikation:
Bamberger C, Rossmeir A, Lechner K et al.
A Walnut-Enriched Diet Affects Gut Microbiome in Healthy Caucasian Subjects: A Randomized, Controlled Trial.
Nutrients 2018;10(2).pii:E244. doi:10.3390/nu10020244.

Kommentar & Ergänzung:

Eine ganze Reihe von Studien zeigt positive Einflüsse von Walnüssen auf verschiedene Bereiche der Gesundheit. Allerdings sind die dabei verwendeten Mengen oft ziemlich hoch. Täglich über viele Wochen oder Monate 43 g Walnüsse zu essen ist nicht jedermanns Sache.
Mit ihrem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Walnüsse aber auch einfach ein gesunder Bestanteil einer vielfältigen Ernährung.

Interessant an der Studie aus der LMU München ist der Zusammenhang zwischen den positiven Effekten und der Beeinflussung der Darmflora.

Siehe auch:

Zeugungsfähigkeit: Walnüsse verbessern Spermienqualität

Walnüsse reduzieren Stress bei Blutdruckspitzen

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: Unterschiedliche günstige Effekte

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Fatigue bei Krebserkrankungen

Martina Schmidt und Karen Steindorf haben gerade in der „Pharmazeutischen Zeitung“ einen sehr informativen Artikel veröffentlicht zum Thema Fatigue bei Krebserkrankungen. Sie empfehlen vor allem Sport und psychologische Interventionen, gehen aber in einem Abschnitt auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein.

Zahlreiche Krebspatienten leiden während der Behandlung unter Fatigue, einer extremen Erschöpfung, die die Lebensqualität massiv einschränkt. Bei rund einem Drittel der Betroffenen hält dieser belastende Zustand Monate oder gar Jahre nach Ende der Krebstherapie an. Die Fatigue ist eine der häufigsten Komplikationen während und nach einer Krebserkrankung und -therapie. Sie wird oft unzureichend behandelt und beeinträchtigt die Lebensqualität des Patienten und das soziale Umfeld (Partnerschaft, Familie, Freunde) stark.

Die Erkenntnisse zu Ursachen und Pathophysiologie von Fatigue sind insgesamt noch sehr diffus und unzureichend.

Um einer Chronifizierung vorzubeugen, sollte die Fatigue so früh wie möglich verhindert sowie therapiert werden, in der Regel meist schon während der Krebsbehandlung.

Die Autorinnen weisen darauf hin, dass nach dem gegenwärtigen Stand der Empfehlungen sind nicht-pharmakologische Verfahren aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit in den Vordergrund zu stellen sind. In begründeten Einzelfällen können sie durch eine pharmakologische Behandlung ergänzt werden.

Als derzeit vielversprechendste nicht-pharmakologische Therapieansätze gelten Sport und Bewegungstherapien sowie psychologische Interventionen. Eine aktuelle Metaanalyse über 113 randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien zeigte signifikant bessere Effekte von Sport sowie psychologischen Interventionen im Vergleich zu Medikamenten.

In einen kleinen Abschnitt gehen die Autorinnen auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein:

„Zu Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen, Phytotherapeutika oder anderen Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen gibt es wenig klare Evidenz. Nur für Ginseng gibt es einige Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit. Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius) verbesserte in einer großen doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie die Fatigue. Auch der asiatische Ginseng (Panax ginseng), der in Deutschland als Arzneimittel gegen Erschöpfung zugelassen ist, reduzierte signifikant die Beschwerden. Ein aktueller Review schätzte die Evidenz für eine positive Wirkung von Panax ginseng als gut ein. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche positive Effekte von Guaranà (Paullinia cupana).“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=75039

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, insbesondere natürlich für Menschen, die mit Fatigue zu tun haben, als Betroffene, als Angehörige von Betroffenen oder als medizinische oder pflegerische Fachleute.

Siehe auch:

Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

Onkologie: Johanniskraut beim Chronischen Fatigue-Syndrom

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung (Fatigue)

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Onkologie: Roter Ginseng bei Fatigue

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Bei der Anwendung von Ginseng ist zu beachten, dass es bei den im Handel erhältlichen Ginsengpräparaten grosse Qualitätsunterschiede gibt. Empfehlenswert sind auf einen bestimmten Gehalt an Ginsenosiden standardisierte Ginsengextrakte (z. B. der G115-Extrakt von Ginsana).

Bei Guaranà dürfte die Wirkung vor allem auf dem Gehalt an Koffein basieren.

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Viele Krebspatienten brechen Behandlung wegen Arzneimittelnebenwirkungen ab

Mehr als sechs Prozent der europäischen Krebspatienten beenden infolge von Nebenwirkungen die Therapie.

Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Rheena Khanna, London, auf dem Europäischen Krebskongress in Madrid. Sie arbeitet beim Statistikdienstleisters ims Health.

Die Wissenschaftler analysierten Behandlungsdaten von knapp 8.000 Patienten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Im Rahmen ihrer Arbeit analysierten sie, unter welchen Tumoren die Patienten litten, welche Therapien angewendet wurden, und welche Nebenwirkungen sie entwickelten.

Von den untersuchten Patienten hatten 87 % eine zytotoxische Chemotherapie und 13 % eine Hormontherapie bekommen. Als Diagnosen waren am häufigsten vertreten Brustkrebs (22 %), Dickdarmkrebs (14 %), und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (13 %). Als Nebenwirkungen traten am häufigsten auf mit 36 % Neutropenie (Blutbildveränderung), gefolgt von Übelkeit / Erbrechen (23 %), Blutarmut (21 %), Neuropathie (17 %) und Schleimhautentzündung (15 %).

Aus der Gruppe der Brustkrebspatientinnen, die ihre Behandlung abbrachen, hatten 57 % eine zytotoxische Chemotherapie und 43 % eine Hormontherapie erhalten.

Bei den Frauen unter Hormontherapie waren Schmerzen der häufigste Grund für den Behandlungsabbruch, gefolgt von Neutropenie. Zahlreiche Patienten mit Darmkrebs oder Lungenkrebs wurden mit platinhaltigen Chemotherapien behandelt und brachen die Therapie wegen Übelkeit, Erbrechen und Neutropenie ab.

Man könne diese Resultate als Aufruf an die Ärzteschaft sehen, die verfügbaren Möglichkeiten zur Kontrolle der Nebenwirkungen von Krebstherapien voll auszunützen, sagte die Studienleiterin.

Wie weit psychologische Strategien und bessere Beratung die Therapietreue verbessern könnten, lasse sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60342/Viele-Krebspatienten-brechen-Therapie-wegen-Arzneimittelnebenwirkungen-ab

https://www.webges.com/cslide/library/esmo/browse/search/jmK#9faD03bf

 

Kommentar & Ergänzung:

In der direkten Bekämpfung von Tumoren zeigen Heilpflanzen-Anwendungen bisher keine überzeugenden Wirkungen.

Zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie können sie aber einen nützlichen Beitrag leisten.

Siehe dazu:

Naturheilkunde in der Onkologie 

Onkologie & Palliative Care: Heilpflanzen beim Hand-Fuss-Syndrom 

Onkologie & Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Onkologie & Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie 

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Weiterbildung Palliative Care / Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

Palliative Care & Onkologiepflege: Bitterstoffe bei Mundtrockenheit

Onkologie: Fatigue & Roteer Ginseng

Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit) 

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung) 

Palliative Care: Heilpflanzen-Anwendungen bei Appetitlosigkeit

Palliative Care & Weiterbildung: Schwarztee für Haut und Schleimhaut 

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

 

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Flavonoide: Welche Kartoffelsorte ist am gesündesten?

Das Magazin „Focus“ befasst sich in einem Beitrag damit, welche Kartoffelsorten am gesündesten sind. Dabei spielt der Gehalt an Flavonoiden eine Rolle. Flavonoide sind eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie.

Zitat:

„Ein gutes Beispiel sind Kartoffeln: Wer eine bestimmte Sorte isst, zum Beispiel die typische Ofenkartoffel Russet, erhöht dadurch seinen Blutdruck. Andere Varianten stabilisieren ihn und wieder andere senken ihn. Auch unterscheiden sich die Sorten in ihrem Gehalt an Antioxidantien, die unseren Körper vor freien Radikalen schützen. Radikale lassen die Zellen schneller Altern und fördern Krankheiten wie Krebs oder Arteriosklerose.

Je farbiger eine Kartoffel ist, egal ob innen und außen, umso mehr Antioxidantien enthält sie und umso gesünder ist sie. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte also zu blauen, violetten oder roten Kartoffeln greifen.

Und wer dann noch die Schale mit isst, erhält eine Extraportion Nährstoffe. Zudem ist die Schale reich an wertvollen Ballaststoffen. Viele Kartoffeln sind allerdings mit Pestiziden belastet, daher sind Bio-Kartoffeln besser.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/granny-smith-gesuender-als-golden-delicious-apfel-ist-gleich-apfel-oder-etwa-nicht_id_4182915.html

Kommentar & Ergänzung:

Mir ist schleierhaft, wieso Russet-Kartoffeln den Blutdruck erhöhen sollten. Hier wären mehr Informationen nötig. Wer sagt das? Wie wurde das festgestellt? Wieviel Russet-Kartoffeln müsste man pro Tag einnehmen – und wie lange – damit sich dieser Effekt zeigt?

„Je farbiger eine Kartoffel ist, egal ob innen und außen, umso mehr Antioxidantien enthält sie und umso gesünder ist sie.“

Hier geht es um Polyphenole aus der Gruppe der Flavonoide, die in der Regel von gelber, roter oder blauer Farbe sind und antioxidativ wirken.

Blaue, violette und rote Kartoffeln verdanken ihre Farbe den Anthocyanen, einer Untergruppe der Flavonoide.

Anthocyane sind ausgezeichnete Antioxidantien, wobei allerdings eingeschränkt werden muss, dass ihre Wirkung im Labor viel stärker ausfällt als im lebenden Organismus – sie werden nämlich nur sehr beschränkt aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen.

Reich an Anthocyanen sind bei den Gemüsen auch Auberginen (Schale) und Rotkohl. Als charakteristische Inhaltsstoffe sind sie zudem zu finden in roten und blauen Beeren, z. B. in Holunderbeere, Heidelbeere, Apfelbeere (Aronia), Himbeere, Brombeere, Preiselbeeren, Schwarze Johannisbeere, sowie in Früchten wie Kirschen, Zwetschgen und Pflaumen.

Siehe auch:

Kartoffeln: gelbe Knolle reduziert den Blutdruck 

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Im Übrigen wird mir in diesem Focus-Zitat etwas allzu stark die schöne Story von den bösen freien Radikalen und den guten Antioxidantien erzählt. In einer komplexen Welt hat es immer eine gewisse Entlastungsfunktion, wenn man genau weiss, wo Gut und wo Böse „hockt“. Die Physiologie des Menschen ist aber komplexer und lässt sich nicht so einfach in ein Schwarz-Weiss-Schema pressen.

Es gibt aus der Forschung schon seit längerem Hinweise darauf, dass freie Radikale im Organismus auch wichtige Funktionen erfüllen und dass ein Zuviel an Antioxidantien schädlich sein könnte.

Siehe:

Nicht übertreiben mit Antioxidantien 

Experimente stärken Zweifel am Nutzen von Antioxidantien

Diese Einwände richten sich allerdings vor allem gegen eine übermässige Zufuhr von Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Antioxidantien aus möglichst unterschiedlichen Quellen über die normale Ernährung zuzuführen, scheint dagegen sinnvoll zu sein.

Es ist jedoch eher unsinnig, wenn das Focus-Zitat andeutet, dass Kartoffeln dank Antioxidantien gegen Krebs und Arteriosklerose schützen.

Den Satz:

„Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte also zu blauen, violetten oder roten Kartoffeln greifen.“

…würde ich daher abändern:

Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte sich möglichst abwechslungsreich ernähren.

Wenn überhaupt etwas gegen Krebs und Arteriosklerose schützt, dann ist es eher Vielfalt und eine Kalorienzufuhr, die das Körpergewicht in einem gesunden Rahmen hält.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Orthorexie: Krankhafter Umgang mit dem Essen

Manche Menschen beschäftigen sich so intensiv mit ihrer Ernährung, dass andere nur noch den Kopf schütteln. In diesem Zusammenhang taucht seit einigen Jahren vermehrt ein provokativer Begriff auf: Orthorexia nervosa.

Welches ist die richtige Ernährungsweise? Steinzeitdiät, ein Low-Carb-Regime, Trennkost, vegetarisches oder veganes Essen, Blutgruppendiät?

Der neue Krankheitsbegriff: Orthorexia nervosa

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bezeichnet der Begriff „Orthorexia nervosa“ den krankhaften Umgang mit dem Essen. Er sei von einem amerikanischen Arzt im Jahr 1997 geprägt worden.

Gutes gegen böses Essen

Dabei gebe es auch eine „By-Proxy-Pathologie“ (by-proxy = in Stellvertretung), stellte eine US-Psychologin fest: Kinder, deren Eltern das gesunde Essen zu einer Art Ersatzreligion hochstilisieren – mit „guten und bösen Lebensmitteln“ – neigen vermehrt zu Essstörungen.

 

Menschen mit Orthorexie blicken auf Pommes- und Pizza-Esser mitleidig herab: Mit Reformhaus-Kost und Bio-Lebensmitteln meinen sie, wesentlich besser vor Krankheiten geschützt zu sein, wie Professor Dr. Helmut Schatz im Namen der DGE erklärte.

 

Jede 100. Person soll von dieser Essstörung betroffen sein

Rund 1 % der Bevölkerung rechnet die DGE zum Personenkreis, der von Orthorexie betroffen ist.

In Medizinlehrbüchern taucht der Begriff Orthorexie allerdings noch nicht auf.

Und auch von Fachleuten für Essstörungen wird die intensive Beschäftigung mit der Ernährung bislang nicht als Krankheit gewertet – es sei denn, es liegt zwanghafte Angst vor schädlichen Lebensmitteln vor.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/orthorexie-von-gesundem-essen-besessen.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin grundsätzlich eher skeptisch, wenn nach und nach für jede Abweichung von einer wie auch immer festgelegten Normalität ein Krankheitsbegriff auftaucht. So wird das ganze Leben mehr und mehr pathologisiert und medikalisiert.

Zudem ist es grundsätzlich ja nicht schlecht, wenn man sich Gedanken macht über gesunde Ernährung.

Aber wo ist die Beschäftigung mit gesunder Ernährung noch gesund und aber wann wird sie krankhaft? Diese Unterscheidung dürfte im konkreten Fall oft schwierig zu treffen sein.

Andererseits ist nicht zu verkennen, dass für manche Menschen die Ernährung Züge einer Ersatzreligion angenommen hat. Sie wird mit Moral aufgeladen und mit einem scharfen Schwarz-Weiss-Schema ausgestattet. Offenbar gibt es in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt ein gewisses Mass an Orientierung und Halt, wenn man genau zu wissen glaubt, was gut und was böse ist. Es gibt Ansätze zu Missionierung und Fixierung rund um gesunde Ernährung oder gar eine Art der Besessenheit von diesem Thema.

Als pathologisch würde ich das nur betrachten, wenn es mit starkem Leidensdruck verbunden ist und den Lebensvollzug im Alltag ernsthaft beeinträchtigt.

Abgesehen von solchen Extremfällen erscheint mir diese starke Fixierung auf „richtiges“ Essen eher als eine Form des Fundamentalismus.

„Ernährung“ ist ein Grundpfeiler der klassischen Naturheilkunde.

Dazu braucht es aber keine fundamentalistische, sondern eine pragmatische Grundhaltung.

 

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Ingwer gegen Brustkrebs?

Ein Naturheilkunde-Portal propagiert Ingwer als Heilmittel bei Brustkrebs.

„Falsche Hoffnungen“, schreibt dazu das Portal „Medizin-Transparent“. Warum?

„Bislang deuten nur vereinzelte Tierversuche und Experimente mit Zellen darauf hin, dass Ingwer-Substanzen das Verhalten von Brustkrebs-Zellen günstig beeinflussen könnten. Untersuchungen mit Brustkrebs-Patienten fehlen. Daher gibt es zur Zeit keine Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit.“

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/brustkrebs-ingwer

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein häufig vorkommendes Phänomen. Tausende von Naturstoffen werden im Labor in Versuchen an Krebszellen auf eine antitumorale Wirkung untersucht. Hunderte von Naturstoffen zeigen im Reagenzglas eine Wirksamkeit gegen Krebszellen.

Dazu zählen auch einige Inhaltsstoffe aus der Ingwerknolle, vor allem Gingerol und Shogaol.

Und schwups! Schon schwadronieren die Internetpropagandisten vom Ingwer als Heilpflanze gegen Brustkrebs. Solche Aussagen wären aber erst zulässig, wenn eine Wirksamkeit bei Brustkrebspatientinnen belegt ist.

Laborergebnisse und einzelne Tierversuche sind noch keine Basis für solche Heilungsversprechungen, weil ein riesiger Unterschied besteht zur erfolgreichen Anwendung im Organismus von Brustkrebspatientinnen.

Irgendwie ist es schon elend:

„Ingwer: Heilpflanze gegen Brustkrebs“ – das zieht, das stösst auf grosses Interesse, denn wer wäre nicht interessiert an einem solchen sanften Krebsheiler.

„Falsche Versprechungen“ – das ist dagegen eine Aussage, die eigentlich niemand hören will.

Und so werden wir halt oft an der Nase herumgeführt, weil wir bevorzugt Aussagen Aufmerksamkeit schenken, die unseren Wünschen entgegen kommen und unsere Ängste lindern.

Ingwer ist eine interessante Heilpflanze. Als Gewürz wirkt die Knolle verdauungsfördernd und ein Ingwertee bei Erkältungen wird oft als wohltuend erlebt.

Studien mit Patienten gibt es vor allem zur Wirksamkeit von Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen (bei Reisekrankheit, nach Operationen, während einer Chemotherapie).

Aber das ist halt alles bei weitem nicht so spektakulär wie der Slogan:

Ingwer: Heilpflanze gegen Brustkrebs!

 

Schlussfolgern kann man daraus:

Je grösser die Versprechungen, desto mehr ist kritisches Nachfragen gefordert und desto stärkere Begründungen müssen verlangt werden.

Siehe auch:

Naturheilkunde: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen

 

Beiträge zum Stichwort „Ingwer“ finden Sie über das Suchfeld oben rechts.

 

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Placebo-Effekt bei Tieren? Kommt selbstverständlich vor!

Dieses Argument kommt häufig auf den Tisch in Diskussionen rund um Alternativmedizin und Komplementärmedizin:

„Präparat X wirkt auch bei Tieren. Das beweist, dass es nicht nur ein Placebo ist.“

So beispielsweise hier in einem Artikel der „Südwest Presse“ über Homöopathie bei Tieren:

„Einem Vorurteil sieht sich die Homöopathie immer wieder ausgesetzt: Die vermeintliche Heilung sei eingebildet, ein reiner Placebo-Effekt. Über die Wirkung bei Tieren lässt sich in diesem Fall jedoch kaum streiten: Sie können keinem Placebo-Effekt unterliegen.“

Quelle:

http://www.swp.de/ehingen/lokales/ehingen/Print-Homoeopathie-Tieraerztin-Heilung-Placebo-Konservative-Medizin-versus-Homoeopathie-bei-Tieren-Sanfte-Heilung-durch-Natur;art4295,2836442

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig davon, ob das „Präparat X.“ tatsächlich wirksam ist oder nicht: Als Argument ist diese Aussage sehr schwach und zeugt zudem von mangelndem Wissen bezüglich dem Placebo-Phänomen:

1. Der Placebo-Effekt ist nicht gleichzusetzen mit „Einbildung“, wie es die Formulierung der „Südwest Presse“ suggeriert. Der Placebo-Effekt ist viel vielschichtiger und komplexer.

2. Placebo-Effekte gibt es auch bei Tieren und sie sind schon seit vielen Jahren gut dokumentiert.

Alexandra Freismuth schreibt dazu in ihrer Dissertation zum Thema „Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie zur Wirkung von Vitamin E und Selen auf die Muskulatur von Sportpferden (München 2004):

„Der Placeboeffekt spielt in der Tierarztpraxis eine große Rolle, obwohl sich dessen viele Tierärzte nicht bewusst sind.

Als PESUT 1983 einen Artikel über Placebos in der Tiermedizin verfasste, stellte er fest, dass es eigentlich keine Literatur darüber gab. Er war sich jedoch sicher, dass die meisten Tierärzte über den Gebrauch des Placebos in der Humanmedizin Bescheid wussten, selbst Placebos einnahmen oder sogar Patienten damit behandelten, bewusst oder unbewusst (PESUT, 1983).

In der Tiermedizin existiert jedoch häufig die Ansicht, dass es den Placeboeffekt beim Tier überhaupt nicht geben würde, da bei Tieren im Gegensatz zum Menschen keine subjektive Beeinflussung durch den Therapeuten möglich wäre, und Tiere damit auch keine Erwartungshaltung an die Verabreichung eines Placebos knüpfen könnten. Tiere sind jedoch sehr wohl in der Lage, durch Maßnahmen des Menschen im Sinne einer Placebowirkung zu reagieren, was durch zahlreiche experimentelle und klinische Untersuchungen gezeigt werden konnte. Tiere reagieren auf jede Veränderung in ihrer gewohnten Umgebung oft sehr viel empfindlicher als der Mensch. Das Fixieren von Versuchstieren für Applikationen führt zu Stress- bedingten Veränderungen zahlreicher Transmitter-, Hormon- und Mediatorsysteme, was Arzneimittelwirkungen simulieren, potenzieren oder auch maskieren kann. In der experimentellen Pharmakologie muss deshalb jede Arzneimitteluntersuchung placebokontrolliert durchgeführt werden, das heißt die Versuchstiere müssen den Arzneiträger in der gleichen Menge und mit der gleichen Applikationsart bekommen wie die mit Arzneimittel behandelte Gruppe, um Rückschlüsse auf die Wirkung des Arzneimittels zu bekommen. Im klinischen Bereich muss zwischen einer direkten Placebowirkung auf das Tier durch die Handlungen des Tierarztes und die damit verbunden Reaktionsänderung und Erwartung des Tieres und dem Einfluss des Besitzers unterschieden werden.

Jede mit Angst, Schmerz oder Stress verbundene Maßnahme am Tier führt zu einer unspezifischen Aktivierung endogener Prozesse, was den natürlichen Verlauf einer Erkrankung beeinflussen kann. Der Einfluss des Besitzers auf den Behandlungserfolg hat objektive und subjektive Aspekte. Der Besitzer wird oft dem kranken Tier mehr Aufmerksamkeit widmen als dem gesunden Tier, was die Wirkung beeinflussen kann (LÖSCHER und RICHTER, 1999).

Nach PESUT stellt sich hier die Frage, wer nun behandelt wird das Tier oder der Besitzer. Oft erwarten die Tierbesitzer auch, dass das Tier eine Injektion, Tabletten oder eine Salbe zum Auftragen erhält. Tierärzte, die in dieser Situation nichts spritzen oder keine Medikamente zur Behandlung abgeben, laufen Gefahr einen Kunden zu verlieren.

In der Humanmedizin hat der Kinderarzt ein ähnliches Problem. Er behandelt einen viralen Infekt eines Kindes auf das Drängen der Eltern mit Antibiotika, obwohl keine Sekundärinfektionen vorliegen.

Diese Problematik entsteht hauptsächlich dadurch, dass Patienten für jedes Symptom eine Behandlung erwarten (WEISS, 1990).

Es ist jedoch die Frage, ob die Tiere wirklich auf das Placebo oder auf die Veränderung im Verhalten des Menschen reagieren. Hat ein Tier eine sehr enge Beziehung zu seinem Besitzer wird es ihm sicherlich gut tun, wenn der Besitzer ihm mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Auch werden, sobald ein Tier erkrankt ist, oft schlechte Haltungsbedingungen verbessert, die vielleicht die Krankheit mit verursacht haben.

Seit den Versuchen von Pawlov an Hunden ist bekannt, dass sich Placeboeffekte beim Tier auch durch Konditionierung über bedingte Reflexe erreichen lassen. Dieselben Beobachtungen wurden bei Versuchen an Ratten gemacht, die durch eine Reihe von Scopalamin Injektionen konditioniert wurden und anschließend nach der Injektion von Kochsalz ähnliche Reaktionen zeigten (HERRNSTEIN, 1962; PESUT und KOWALCZYK, 1983).“

Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3248/1/Freismuth_Alexandra.pdf

 

Der Placeboeffekt bei Tieren belegt ja gerade, dass Tiere auf Massnahmen reagieren und keine Maschinen sind. Wie also, ums Himmels Willen, kann man das ausblenden?

Im Übrigen kann ein Placebo-Effekt nicht nur bei den behandelten Tieren auftreten, sondern auch bei den Halterinnen und Haltern. Und die sind es ja hauptsächlich, die einen Behandlungserfolg beurteilen.

Weitere Infos zum Thema Placeboeffekt bei Tieren in der „Zeit“, im „Spiegel“ und auf „Scienceblogs“.

3. Tiere haben Selbstheilungskräfte, genauso wie auch Menschen. Wer krank ist, ein Heilmittel einnimmt und dann gesund wird, kann noch nicht daraus schliessen, dass die Besserung durch das Heilmittel bewirkt wurde. Die meisten Krankheiten und Beschwerden, das ist eine altbekannte Tatsache, bessern nämlich auch von selbst.

Und bei chronischen Erkrankungen gibt es oft einen schwankenden Verlauf, was dazu verleiten kann, natürlicherweise vorkommende Besserungen der Therapie zuzuschreiben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Täuschende Erfahrungen

Aus diesen Gründen täuscht uns unsere Erfahrung oft.

Das hat schon der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883 – 1969) beschrieben:

„Man weiss, wie schwer in vielen Fällen der Beweis des Heilerfolgs ist. Aus einem einzelnen Fall ist nur ein Eindruck, kein Beweis möglich. Der Fehlschluss: post hoc ergo propter hoc täuscht nur allzu leicht.

Der objektive Beweis dagegen ist zu führen aus physiologischer Erkenntnis des Kausalzusammenhangs und durch Statistik, nicht aber durch das allgemeine: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Jeder Arzt weiss, welche Rolle Suggestionen, Besserungen von Beschwerden durch ermutigende Stimmung, Schwankungen des Krankheitsverlaufs, periodische Veränderungen des Gesamtzustandes, die Cyclothymien u. a. spielen.

Wir sind in der Medizin oft Täuschungen erlegen infolge allgemein herrschender wissenschaftlicher Auffassungen und verbreiteter Meinungen. Es scheint zuweilen dem Strom solchen Meinens gegenüber das einfache, durchschlagende Gegenargument machtlos, das dann doch im Laufe der Zeit zur Geltung kommt.“

(Aufsatz „Arzt und Patient“, in: Karl Jaspers, Wahrheit und Bewährung, Serie Piper 1983).

Es braucht sehr viel Sorgfalt, um aus „Erfahrungen“ fundierte Schlüsse zu ziehen.

Siehe:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung 

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung 

„Präparat X. wirkt auch bei meiner Katze, daher ist es wirksam und nicht nur ein Placebo“ – solche Aussagen sind nicht überzeugend:

Sie blenden aus, dass auch in der Tierheilkunde Placeboeffekte auftreten und auch Tiere Selbstheilungskräfte haben.

Erst wenn diese beiden Aspekte mitberücksichtigt werden, können fundiertere Schlüsse aus Erfahrungen gezogen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Die Pharmazeutische Zeitung berichtet von einem Kongress für Viszeralmedizin, auf dem über Behandlungsmöglichkeiten beim Reizdarmsyndrom diskutiert wurde.

Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung sind typische Beschwerden des Reizdarmsyndroms (RDS).

Erwähnt wurde am Kongress die Anwendung von Pfefferminzöl zur Linderung von Bauchschmerzen beim Reizdarmsyndrom.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin bei Reizdarmsyndrom

Für die Phytotherapie interessant ist darüber hinaus die Anwendung von Ballaststoffen:

„Positive Effekte auf Bauchschmerzen lassen sich auch mit Ballaststoffen verzeichnen – allerdings nur mit löslichen wie beispielsweise Flohsamenschalen. Unlösliche Ballaststoffe wie Weizenkleie helfen zwar bei Obstipation, doch verursachen sie auch Blähungen und können so die Schmerzen noch verstärken.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54548

Kommentar & Ergänzung:

Flohsamen sind viel besser verträgliche beim Reizdarmsyndrom als Weizenkleie.

Und vor allem eignen sich Flohsamen auch gut als Regulans: Bei Verstopfung mit viel Wasser getrunken quellen sie auf regen die Darmperistaltik an wirken dadurch mild abführend. Bei Durchfall mit wenig Wasser getrunken binden sie überschüssiges Wasser im Darm und steigern dadurch die Stuhlkonsistenz.

 

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen 

Phytotherapie: Was sind Flohsamenschalen? 

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminze top – Kleie Flop

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom  

Reizdarm: Chronische Bauchschmerzen bei Kindern 

Phytotherapie bei Reizdarm

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

Schöllkrautsaft ist ein altbekanntes Hausmittel der traditionellen Pflanzenheilkunde zur Behandlung von Warzen.

Hilft Schöllkraut wirklich gegen Warzen? Auf diese Frage antwortete eine Ärztin in einem Artikel der „FAZ“.

Nachfolgend daraus Zitate mit eingeschobenen Kommentaren von mir:

„Schöllkraut (Chelidonium majus) ist eine Pflanze aus der Familie der Mohngewächse, die auf vielen deutschen Wiesen zu finden ist, bevorzugt nahe Wohnstätten oder in Mauerspalten, und die durchaus heilende Wirkung hat. Tatsächlich sind im gelb-orangen Saft, der beim Brechen der Stengel oder Einreißen der Blätter austritt, reichlich Alkaloide enthalten, bei denen antientzündliche, antibakterielle, antimykotische, antivirale und schwach zytotoxische Effekte nachgewiesen werden konnten.“

Ein Bild von Schöllkraut finden Sie hier auf Wikipedia.

Die antiviralen und schwach zytotoxischen Effekte der Alkaloide könnten eine Wirksamkeit gegen Warzen erklären. Allerdings muss dazu gesagt werden: Wenn man solche Wirkungen im Labor feststellt, dann heisst das noch nicht, dass eine solche Wirkung auch an einer konkreten Warze eine Rolle spielt, selbst wenn sich dort eine Wirkung zeigt (für die Wirkung könnten auch andere Faktoren verantwortlich sein).

„Aufgetragen auf Warzen an Händen oder Füßen, löst die die Haut reizende und ätzende Tinktur, die in der Apotheke erworben werden kann, die Hautschichten ab und die Warzen auf. Aber: Die Warzen können wiederkommen. Warzen, die grob in sechs Gruppen unterschieden werden, liegt eine Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV) zugrunde – und deren Bekämpfung durch das Schöllkraut ist nicht sicher nachgewiesen.“

Da scheint es eine gewisse Vermischung zu geben: Reine Schöllkrauttinktur wirkt nicht ätzend und löst auch nicht die Hautschichten ab. Das tritt auf Warzenmittel auf der Basis von Salicylsäure zu, welche die Hornschicht aufweicht.

Ich würde Schöllkraut allerdings auch nicht als Schöllkrauttinktur verwenden, sondern direkt den frisch aus der Pflanze austretenden, gelb-orangen Saft 2mal täglich auftragen und eintrocknen lassen. So wird es jedenfalls in der traditionellen Pflanzenheilkunde überliefert.

Ein Foto mit dem Saft, der bei Verletzung aus Blatt und Stängel austritt, hier auf Wikipedia.

Und ja, die Wirksamkeit des Schöllkrautsaftes gegen Warzen ist nicht durch Patientenstudien belegt. Solche Studien wird es voraussichtlich auch nie geben. Schliesslich kosten klinische Studien etwa 2000 Franken pro Proband, was bei den nötigen vielleicht 200 Probanden doch eine eindrückliche Summe ergeben würde. Für ein Mittel, das nicht patentierbar ist und sogar gratis in der Natur bezogen werden kann, wird sich schwerlich ein Sponsor finden.

„Viele Warzen verschwinden von allein wieder. Wenn nicht, reicht eine topische, also auf die Haut aufgetragene Therapie oft aus. Und hier kommt das Schöllkraut ins Spiel und scheint auch gut zu funktionieren. Zumindest schadet der Versuch der Eigentherapie nicht – aber bitte nicht im Bereich der Augen oder Schleimhäute inklusive Genitalbereich.“

Genau: Warzen sind oft selbstlimitierend. Sie verschwinden nach einer gewissen Zeit auch von selbst. Das macht es so schwierig, den Behandlungserfolg eines Warzenmittels zu beurteilen. Geht die Warze während der Anwendung weg, könnte auch einfach der Zeitpunkt der Anwendung mit dem Zeitpunkt der „Selbstverschwindung“ zusammengefallen sein.

Ein Versuch mit Schöllkraut kann aber nicht schaden und in diesem Bereich (kostenlos, harmlos) wäre ein Beharren auf hieb- und stichfesten klinischen Studien überzogen.

Warzen reagieren zudem auch auf suggestive Einflüsse. Vielleicht spielt die Eindruck machende gelbe Farbe da noch eine gewisse psychologische Rolle.

Quelle der Zitate:

http://www.faz.net/aktuell/stil/frau-doktor/kann-man-mit-schoellkraut-warzen-behandeln-12966415.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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