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Minze und Pfefferminze – wo liegt der Unterschied?

Oft wird mit „Minze“ in erster Linie die bekannte „Pfefferminze“ gemeint. Ihr belebender, scharfer Geschmack erinnert ein wenig an Pfeffer. Wegen ihres hohen Gehalts an Menthol ist die Pfefferminze auch für die Heilkunde interessant.

Ein Glas Pfefferminztee kann lindernd auf Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten wirken. Für  die Zubereitung werden einige frische Blätter mit heißem Wasser übergossen. Anschließend abgedeckt etwa 6 bis 8 Minuten ziehen lassen und dann absieben.

Die Pfefferminze wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel für Kaugummis, Pralinen und Eis verwendet.

Sie trägt den botanischen Namen Mentha x piperita und soll natürlicherweise als Kreuzung zwischen Krauseminze (Grüne Minze) und Bachminze (Wasserminze) entstanden sein. Das x im botanischen Pflanzennamen ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kreuzung handelt.

Die Gattung Mentha (Minze) gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceen) und umfasst rund 30 unterschiedliche Arten und viele Kreuzungen. Die Minzen sind mehrjährigen, krautigen Pflanzen, können 20 bis 100 Zentimeter hoch werden und viele sind in Europa heimisch. Sie unterscheiden sich oft deutlich im Aussehen, aber auch im Geschmack.

Die Schärfe der Pfefferminze ist nicht jedermanns Geschmack, sodass sie zum Kochen und für kalte Getränke nur selten verwendet wird. Für diese Zwecke eignen sich andere Minzen besser.

Die Grüne Minze zum Beispiel wird gerne zum Würzen von Blattsalaten, Chutneys, Fleisch und Fisch genutzt.

Die Marokkanische Minze dient der Verfeinerung von Reis, Bulgur und sommerliche Cocktails, während die Schokominze speziell gut zu Süßspeisen passt. Obstsalate bekommen mit fruchtigen Minzen eine spezielle Note. Gibt man einen Stängel Erdbeerminze in eisgekühltes Mineralwasser, bekommt man ein erfrischendes Getränk.

Im Garten benötigt die Pfefferminze nur wenig Pflege, wenn der Boden humusreich und ausreichend feucht ist. Mentha piperita mag leicht schattige, jedoch warme Standorte unter Bäumen und vor Sträuchern. Allerdings kann sich die Pfeferminze rasch im ganzen Garten ausbreiten, da sie sich über unterirdische Ausläufer vermehrt. Im späten Frühjahr liefert sie die ersten aromatischen Blätter.

Der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist kurz vor der Blüte am höchsten. Die beste Zeit für die Ernte sollen die frühen Morgenstunden sein, da der Gehalt an ätherischem Öl bis zum Abend sinkt. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über dem Boden ab und hängt sie in Büscheln zum Trocknen auf. So kann das feine Minzaroma ganzjährig konserviert werden.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-20-vom-17-mai-2017-30212.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Von allen Minzenarten ist für die Phytotherapie die Pfefferminze mit Abstand am wichtigsten. Pfefferminzblätter enthalten etwa 0,5 – 4,0 % ätherisches Pfefferminzöl mit einem Anteil von 35 – 45 % Menthol. Menthol wirkt antimikrobiell, gallenflussfördernd und krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darmes. Ausserdem löst es auf der haut einen Kühleffekt aus, genauer die Empfindung von kühl.

Die Krauseminze (Mentha spicata) enthält etwa 0,8 – 2,5% ätherisches Öl, das sich in seiner Zusammensetzung prägnant von Pfefferminzöl unterscheidet. Es enthält als Hauptkomponente 40 – 80 % Carvon, ein Keton, das auch als charakteristischer Inhaltsstoff des ätherischen Kümmelöls bekannt ist. Mentha spicata verströmt einen Kaugummi-Geruch („Spearmint).

In der Heilkunde wird zudem die Ackerminze genutzt (Mentha arvensis). Ihr ätherisches Öl kommt unter Bezeichnungen wie Minzöl, Japanisches Minzöl oder Japanisches Heilpflanzenöl in den Handel und enthält  25 – 40 % Menthol.

Siehe dazu:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

In der Natur trifft man bei uns am häufigsten die Rossminze an (Mentha longifolia). Sie wächst bis zu 1 Meter hoch und braucht nassen stickstoffreichen Boden. Da sie unangenehm nach Petroleum riecht, eignet sie sich eher weniger zur Teezubereitung.

Die Wasserminze (Mentha aquatica) ist eine Sumpfpflanze und kommt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoff- und basenreichen Böden vor. Sie verströmt den charakteristischen Minzduft besonders intensiv, nur schon wenn man in der Natur auf ein Blatt tritt, kann man den Minzgeruch oft deutlich wahrnehmen. Die Pflanze duftet, auch ohne dass man die Blätter zerreibt. Zur Linderung von Magenbeschwerden und zur Steigerung der Gallenproduktion steht die Wasserminze der Pfefferminze kaum nach.

Auf Wikipedia findet sich der Hinweis:

„Die Wasserminze zählte neben dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem Eisenkraut (Verbena officinalis) zu den heiligen Kräutern der Druiden.“

Leider fehlt dort eine Quellenangabe. Zudem wurde uns von den Druiden selbst mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Als Grund dafür wird zumeist das von Gaius Iulius Caesar berichtete Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

(Quelle: Wikipedia)

Daher sind heute verbreitete Angaben zu Heilkräutern der Druiden oft willkürlich, widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen.

Zur Gattung der Minzen siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Zur Pfefferminze in der Phytotherapie:

Pfefferminztee bei Verdauungsbeschwerden

Pfefferminzöl bewährt sich bei Spannungskopfschmerzen:

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl wirkt als magenresistente Kapsel verabreicht krampflindernd bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile):

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom schmerzlindernd

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

Signaturenlehre (Pflanzensignaturen, Heilpflanzensignaturen)

Die Signaturenlehre, die davon ausging, dass Heilpflanzen uns durch ihre Formen und Farben sagen, wofür sie für uns gut sind, hatte ihren Höhepunkt in der Renaissance (16. Jahhundert). Dann geriet sie in eine Krise, weil zunehmend klar wurde, dass es sich bei diesen Zuschreibungen um Interpretationen handelt, die viel mit uns, aber so gut wie nichts mit den Pflanzen zu tun haben.

Und weil klar wurde, dass diese Interpretation unendlich ist. Jeder Mensch kann innert weniger Minuten Dutzende von Interpretationen liefern, die auf Ähnlichkeiten von Pflanzenformen und –farben mit Organen des Menschen zu tun haben. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Formen und Farben etwas über die Wirkungen der Pflanzen aussagen, bleibt vollkommen unklar, nach welchen Kriterien entschieden werden soll, welche dieser Interpretationen relevant sind.

Nun kommen solche Vorstellungen unter Bezeichnungen wie Pflanzensignaturen oder Heilpflanzensignaturen wieder auf, weil sie offenbar Bedürfnissen von Menschen entsprechen. In der Vorstellung der Signaturenlehre hat die Natur uns etwas zu sagen. Das ist eine schöne Vorstellung. Die Heilwirkungen der Pflanzen sollte man daraus aber nicht ableiten.

 

Hier ein Zitat zu diesem Thema:

 

„Jahrhundertelang glaubte man in der Medizin, dass die Wirkung der Heilkräuter von ihren Formen abhänge. Die Blätter des Leberblümchen ähneln in ihrem Umriss zum Beispiel einer menschlichen Leber, folglich glaubte man an eine Heilkraft bei Leberinfektionen. Die Blätter des Huflattich haben die Form eines Pferdehufs, und man benutzte sie gegen Hufentzündungen……Falsch an der früheren Kräuterlehre war…die Theorie über den Zusammenhang von Form und Wirkung, aus der zum Teil falsche Schlüsse gezogen wurden. Heute wissen wir, dass die Effekte der Kräuter von ihren chemischen Inhaltsstoffen abhängen, von ihren sogenannten sekundären Stoffwechselprodukten, und dass die Form von Blatt, Wurzel und Blüte damit nichts zu tun hat. Aber solange man das annimmt, findet man natürlich immer irgendeine Analogie zwischen Form und Wirkung, um die Theorie aufrechtzuerhalten. Schliesslich sind höhere Pflanzen als Gestalten kompliziert genug, um alles mögliche in sie hineinzulesen.“

 

Quelle:

Hemminger/Keden; Seele aus zweiter Hand, Quell Paperback 1997

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant an diesem Zitat sind die letzten beiden Sätze. Tatsächlich: Fast jede Pflanze zeigt einen so grossen Reichtum an Formen und Farben, dass wir hundertfache Ähnlichkeiten darin entdecken können. Welche dieser Ähnlichkeiten mir ins Auge fallen, das hat aber nur mit mir zu tun. Es sind meine Erinnerungen, Assoziationen und Interpretationen, die aus der Vielzahl der Ähnlichkeiten auswählen. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Ohne diese Vorgänge wäre die Welt für uns ärmer.

Problematisch wird es nur, wenn man nicht erkennt, dass solche Deutungen aus unserem Inneren stammen und mit der Pflanze nichts zu tun haben. So kommt dann beispielsweise ein Buchautor und Hersteller von Pflanzentinkturen auf die Idee, dass die Wilde Möhre gut für Menschen sei, die sich zentrieren müssen, weil diese Pflanze im Zentrum ihrer Blüte einen auffallenden schwarz-violetten Punkt hat. Das würde dann bedeuten, dass die Wilde Möhre uns Menschen etwas sagen will und sich um uns kümmert. Das ist zwar eine anrührende, schöne Vorstellung, die wohl vor allem Menschen anspricht, die im Grunde genommen in grosser Distanz zur Natur leben. Doch ist es meines Erachtens auch eine sehr irreführenden Vorstellung. Vollkommen übersehen wird dabei nämlich, dass die Wilde Möhre sich mit ihrem schwarz-violetten Punkt nicht an uns, sondern an die Insekten richtet. Wir stellen uns viel zu sehr in den Mittelpunkt der „Natur-Veranstaltung“, wenn wir diese Botschaft als an uns gerichtet auffassen. Es steckt eine gehörige Portion Anthropozentrismus in diesen Vorstellungen von Signaturenlehre bzw. Pflanzensignaturen: Der Mensch steht im Zentrum der „Veranstaltung“ – die Pflanzen sind auf ihn hin geschaffen und ausgerichtet.

Mir scheint es sehr fragwürdig, dass solche Vorstellungen unreflektiert wieder in der Pflanzenheilkunde auftauchen.

Ökologischer ist es, wenn wir die Pflanzen in ihren Lebensräumen und in ihren Wechselwirkungen mit anderen Lebewesen sehen – zum Beispiel den bestäubenden Insekten. Wir Menschen spielen für die Pflanze wohl keine so grosse Rolle und sind allenfalls als Fressfeinde oder Zerstörer von Lebensräumen relevant.

Das soll uns nicht davon abhalten, uns an den Pflanzen zu freuen, sie gern zu haben und mit Respekt als Heilpflanzen oder Nahrungsmittel zu nutzen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern‘ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Medizin-Nobelpreis für Naturstoffe gibt Phytomedizin Auftrieb

Die diesjährige Vergabe des Medizin-Nobelpreises wird in manchen Kreisen als großartige Entscheidung für die Pflanzenheilkunde aufgefasst. Es sei bemerkenswert und ein großes Glück für das gesamte Feld der Phytomedizin, dass der Naturstoff Artemisinin durch die Preisverleihung ins Scheinwerferlicht der akademischen und der allgemeinen Öffentlichkeit gelangt ist, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Nobelkomitee habe mit seiner Entscheidung die Naturstoffe in den Fokus gerückt und damit ein wichtiges Signal für künftige Forschungsfelder und Aufgaben gegeben, erklärt der Mainzer Wissenschaftler, der selbst auf dem Gebiet arbeitet.

Artemisinin ist nicht nur für die Malaria-Behandlung bedeutend, sondern auch ein vielversprechender Wirkstoff für die Krebstherapie.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, so die vollständige Bezeichnung, ging 2015 zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura für ihre Arbeiten zur Behandlung von Infektionen, die durch Fadenwürmer ausgelöst werden, mit einem Wirkstoff auf der Basis von Avermectin aus Bakterienkulturen.

Zur anderen Hälfte ging der Preis an die chinesische Wissenschaftlerin Youyou Tu für ihre Entdeckungen zur Therapie von Malaria. Youyou Tu hatte Heilkräuter untersucht, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 2000 Jahren für die Therapie von Fieber und Erkältungen eingesetzt werden. Sie entdeckte dabei, dass Auszüge von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Wirkstoff Artemisinin effektiv gegen Malariaerreger angewendet werden können.

Eine beträchtliche Anzahl von Arzneistoffen für die klinische Praxis werde heute schon aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Avermectin und Artemisinin seien zwei wunderbare Beispiele dafür, sagt Efferth:

„Wir sind zuversichtlich, dass die Nobelpreis-Vergabe zur Förderung der Phytomedizin beiträgt und wir in Zukunft weitere Anwendungen sehen werden.“

Efferth selbst forscht seit etwa 20 Jahren auf diesem Gebiet und konnte gleichzeitig mit Forschern in den USA und den Niederlanden Mitte der 1990er Jahre erstmals zeigen, dass Artemisinin auch bei Krebs wirksam ist. Eine neuere Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Medizinern der University of London und kam zum Schluss, dass Derivate von Artemisinin tatsächlich die Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs verlängern können. „Wir haben damit den klinischen Nachweis erbracht. Aber wir müssen Artemisia annua noch weiter entwickeln und ein Profil erstellen, bei welchen Tumorarten die Substanz wirksam ist“, sagt Efferth. Artemisia scheint jedoch nicht nur bei Krebserkrankungen von Nutzen zu sein, sondern auch bei Infektionen mit dem humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und anderen Virusinfektionen sowie bei Bilharziose.

Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, zählt zu einer Gattung mit über 200 Arten weltweit, ist jedoch nicht mit dem in Mitteleuropa verbreiteten Ackerunkraut, dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris), zu verwechseln.

In der Pharmazeutischen Biologie der Universität Mainz erforscht ein internationales Team von 20 Mitarbeitern Pflanzeninhaltsstoffe von Heilpflanzen aus 30 Ländern auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs.

Quelle:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46784

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Naturstoff-Forschung wird durch diesen Nobelpreis wohl tatsächlich verdienter massen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt hier sehr spannende Forschung, die oft auch der Phytotherapie Nutzen bringt.

Gerade bei der Naturstoff-Forschung gegen Krebs ist allerdings festzuhalten, dass im Labor oft eindrückliche Ergebnisse erzielt werden. Ob ein erfolgreich im Labor untersuchter Naturstoff jedoch auch im realen Leben bei realen Krebskranken wirksam ist, steht damit noch keineswegs fest. Vorschnelle Versprechungen sollten da besser unterbleiben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist die Blume des Jahres 2015

Die Loki Schmidt Stiftung hat den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres 2015 gewählt (Pflanzenfoto auf Wikipedia).

Mit der „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung jeweils auch auf einen bedrohten Lebensraum hin.

Beim Teufelsabbiss sind das magere und offene Feuchtwiesen, Moore und Heiden.

Das Rhizom ( = Wurzelstock) des Gewöhnlichen Teufelsabbisses wird bis zu 50 cm tief und stirbt im Herbst von unten ab. Der Teufel soll die Wurzel jeweils von unten abbeissen, aus Zorn über ihre Heilkraft, sagt ein alter Volksglaube.

Quelle:

http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2015.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Teufelsabbiss enthält Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Stärke und Saccharose. Die Pflanze wurde in der traditionellen Volksheilkunde eingesetzt zur „Blutreinigung“, als Diuretikum, gegen Husten, Heiserkeit, Lungenerkrankungen, als Anthelmintikum (wurmwidriges Mittel), äusserlich bei Hauterkrankungen, Ekzemen, Geschwüren und Quetschungen.

Wie viele andere Pflanzen auch, wurde Teufelsabbiss früher gegen Pest empfohlen. Aber schon Tolstoi hat geschrieben: Wenn gegen eine Krankheit viele verschiedene Heilmittel empfohlen werden ist das ein Zeichen, dass sie unheilbar ist. Mit anderen Worten: Gegen Pest hat man früher in grosser Not einfach fast alles probiert, was greifbar war.

Keine dieser Indikationen ist aber bisher geklärt worden, so dass der Teufelsabbiss heute in der Phytotherapie nicht mehr zur Anwendung kommt.

Zum Anschauen in der Natur ist die Pflanze allerdings ausgesprochen hübsch, aber nicht häufig anzutreffen. Wenn Sie mehr Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich mal mein Programm 2015 für die Kräuterwanderungen an.

Botanisch gehört der Teufelsabbiss zur Pflanzenfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae), zu der auch die Witwenblumen, die Skabiosen und die Karden zählen.

Teufelsabbiss blüht erst spät im Jahr (Juli bis September) und wird von Bienen, Schmetterlingen und Fliegen bestäubt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen von Maria Treben gegen Tumore?

Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich von den Heilkräutern halte, die Maria Treben gegen Tumore empfiehlt.

Daher soll es hier wieder einmal gesagt sein:

Die Empfehlungen von Maria Treben gegen Krebs entbehren jeder Grundlage.

Maria Treben (1907 – 1991) ging davon aus, dass sich jede Krankheit mit Heilpflanzen heilen lässt. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Heilpflanzen haben eine ganze Palette von sinnvollen Anwendungsbereichen, doch haben sie auch ihre Grenzen. Wer diese Grenzen wie Maria Treben ausblendet, läuft in eine riskante Richtung und gefährdet das Leben von Patientinnen und Patienten.

Das Tumorzentrum der Universitätsklinik Freiburg schreibt mit gutem Grund:

„Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass “das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst”. Weitere “Wundermittel” sind Schwedenkräuter, intern oder als Umschlag angewendet, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den “Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern” der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren.“

Quelle:

http://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/Broschüren/Final-Patientenratgeber_Komplementäre_Verfahren.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was über Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird. Wie man kritisch nachfragt und Aussagen und Versprechungen auf ihren Gehalt hin prüft, können Sie in meinen Lehrgängen lernen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Smoothies & Co. – Kräuterzusätze als Marketingmasche in Wellness-Drinks

Kräuterzusätze tauchen zunehmend in Modegetränken auf. Die Hersteller und ihre Marketingagenturen bauen dabei auf das gesunde Image der Kräuter.

Cranberry, Aloe vera, Holunder, Melisse, Ginseng, Grüntee, Rotes Weinlaub, Ingwer & Co. versprechen einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Wie real sind diese Versprechungen?

Grundsätzlich ist es so, dass eine Wirksamkeit solcher Kräuterzusätze in Lebensmitteln nicht nachgewiesen werden muss – das wäre nur bei Arzneimitteln der Fall.

Und es ist sehr, sehr fraglich, ob diese Heilpflanzen in solchen Produkten in einer Konzentration vorliegen, die auch wirksam sein könnte.

Wenn zum Beispiel Rotes Weinlaub als Extraktpräparat gegen venöse Ödeme wirksam ist, und dies auch mit Studien gezeigt werden konnte, dann folgt daraus nicht, dass ein bisschen Rotes Weinlaub in einem Smoothie genauso wirksam ist. Aber der Smoothie-Hersteller profitiert vom Ruf, den Rotes Weinlaub als Phytopharmaka inzwischen aufgebaut hat.

Die Beschriftung „Rotes Weinlaub“ allein wirkt allerdings noch nicht, es braucht eine relevante Menge an Wirkstoffen.

In der „Welt“ rät die Oecotrophologin Andrea Pütz:

„Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, beruhigt sein Gewissen besser nicht mit Wellness-Drinks.“

Sie empfiehlt, Zutaten wie Melisse oder Ingwer frisch zu kaufen und selber Getränke mit purem Mineralwasser zu mixen oder einen Tee damit aufzubrühen.

Solche selbst zubereiteten Getränke sparen außerdem Geld, erklärt Pütz.

Eine gesunde Abwechslung bringe mit ein bis zwei Gläsern pro Tag auch die traditionelle Saftschorle.

Die Anteile der beworbenen Pflanzenstoffe seien häufig nur minimal in fertigen Getränken enthalten, manchmal sogar nur als Aroma.

So bringen sie nach Angaben der Ökotrophologin keinerlei Zusatznutzen.

Konsumentinnen und Konsumenten sollten also genau abwägen, ob sie den Werbeaussagen von sogenanntem Functional Food trauen können. Diese versprechen beispielsweise etwa vitalisierende oder beruhigende Wirkung. Da dieser gesundheitliche Zusatznutzen meist ausbleibt, sei dies als irreführend zu bewerten, sagt Pütz.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article123278625/Wirkung-von-Pflanzen-in-Wellness-Drinks-unbewiesen.html

Kommentar & Ergänzung:

In Functional Food sind Kräuterzusätze in der Regel irrelevante Attribute, die den Konsumentinnen und Konsumenten einen höheren Wert des Produktes vorgaukeln und zur Profilierung gegenüber der Konkurrenz dienen. Wirksamkeit ist von diesen Kräuterzusätzen nicht zu erwarten.

Immer wenn es um Kräuter geht, lohnt es sich daher genau hinzuschauen. Wie lässt sich beurteilen, ob Heilkräuter in einer wirksamen Zubereitungsform vorliegen oder in einer unwirksamen?

Welche Kriterien muss eine Heilkräuter-Zubereitung erfüllen, damit sie wirksam ist?

Das ist unter anderem Thema in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar). Schauen Sie sich das Programm einmal genauer an, wenn Sie sich fundiertes Kräuterkunde-Wissen erwerben möchten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterkunde braucht einen kritischen Ansatz

In Büchern, Kursen und im Internet gibt es eine fast unendliche Menge an Aussagen über die Wirkungen von Heilkräutern – und nicht selten widersprechen sie sich sogar heftig. Ausserdem fehlt jede Qualitätskontrolle. Jede und jeder kann dazu etwas schreiben oder erzählen.

Deshalb braucht die Kräuterkunde einen kritischen Ansatz.

Es reicht nicht, wenn in Ausbildungen, Kursen oder Zeitschriften fast nur von den wunderbaren Wirkungen der Heilpflanzen berichtet wird. Das ist zu einseitig und man könnte sogar sagen – alles andere als ganzheitlich. Wobei „ganzheitlich“ auch ein problematisches Wort ist, weil es einen kaum einlösbaren Anspruch vermittelt.

Was heisst das nun aber, die Kräuterkunde brauche einen kritischen Ansatz.

Das Wort „kritisch“ stammt von einem griechischen Begriff ab, den man mit „Unterscheidungsvermögen“ oder “Beurteilungskunst“ übersetzen könnte. Ein kritischer Ansatz in der Kräuterkunde lehrt also Unterscheidungsvermögen. Es gilt dabei zu lernen, wie man glaubwürdige von unglaubwürdigen Aussagen unterscheiden kann. Ein wichtiges Ziel ist es dabei, Aussagen sorgfältig zu prüfen und zu beurteilen, anstatt sie einfach fraglos und blindlings zu übernehmen.

Eine kritische Kräuterkunde wird offene Fragen und widersprüchliche Aussagen nicht ausblenden, sondern zum Thema machen und sich damit auseinandersetzen.

Und sie wird neben den Möglichkeiten auch die Grenzen der Kräuterheilkunde ernstnehmen, genauso wie allfällige Nebenwirkungen und Kontraindikationen der Heilpflanzen.

Ich halte es für sehr fragwürdig, wenn Ausbildungsinstitutionen und auch Lernende sich einseitig an den „wunderbaren“ Wirkungen und Möglichkeiten der Heilpflanzen quasi berauschen, die Einschränken, Lücken und Widersprüche aber ausblenden. Das ist problematisch für allfällige Patientinnen und Patienten und es tut auch der Kräuterkunde als Wissensbereich nicht gut. Kritische Auseinandersetzung mit Widersprüchen, Lücken und Grenzen ist eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung eines Faches. Wer die kritische Auseinandersetzung gelernt hat ist zudem weniger anfällig für leere Werbeversprechungen.

Vor allem in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar ist es mir ein wichtiges Anliegen, dieses kritische Unterscheidungsvermögen zu fördern.

Schauen Sie sich selber um:

Das Ausblenden von Grenzen, Lücken und Widersprüchen und die einseitige Fixierung auf  wunderbare Heilwirkungen findet man natürlich nicht nur in der Kräuterkunde, sondern genauso beispielsweise bei Themen wie Schüssler-Salze, Bachblüten, Homöopathie und ähnlichem.

In der Kräuterkunde haben wir den Vorteil, dass es mit der wissenschaftlich ausgerichteten Phytotherapie einen ständigen „Stachel“ gibt, der die kritische Auseinandersetzung antreiben und in Gang halten kann.

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Greenpeace: TCM-Kräuter stark mit Pestiziden belastet

Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seien stark mit Rückständen von Pestiziden belastet. Das schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

Die Umweltorganisation erklärt, dass die gesetzlichen Höchstmengen in hohem Maß überschritten werden.

Regelrechte Pestizidcocktails seien in 32 von 36 Proben gefunden worden – mit mehr als drei Wirkstoffen pro Probe.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufe einige der Pestizidwirkstoffe als höchst gefährlich ein, denen Verbraucher der TCM in Deutschland ausgesetzt seien. Das ist das Resultat einer Untersuchung, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat. Die Proben dafür stammten aus Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, USA, Italien und den Niederlanden.

Bereits das zweite Mal bekommen die TCM von Greenpeace derart schlechte Noten. In China, dem Ursprungsland der Produkte, hatte Greenpeace vor kurzem ähnlich alarmierende Pestizidrückstände festgestelt. In Deutschland fand Greenpeace 38 unterschiedliche Pestizide in gerade mal fünf Proben. In 23 Fällen überstiegen die gefundenen Rückstände die gesetzliche Höchstmenge. Drei der untersuchten TCM- Produkte hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

Bei Menschen, die über einen längeren Zeitraum Pestizidrückstände mit der Nahrung einnehmen, können sich die toxischen Chemikalien im Organismus ansammeln. Das kann zu chronischen Vergiftungen führen, die unter anderem Lernschwierigkeiten, Hormonstörungen oder Fortpflanzungsanomalien zur Folge haben können.

Die aktuellen Pestizidfunde zeigen nach Ansicht von Greenpeace, dass in der Landwirtschaft zu viele giftige Chemikalien zum Einsatz kommen. Das treffe den Menschen, belaste aber auch wichtige Nutztiere wie zum Beispiel Bienen, die bei der Bestäubung von Pflanzen unersetzlich sind.

Während importierte Spezialprodukte wie chinesische Heilkräuter noch stark mit Pestiziden belastet sind, ist Obst und Gemüse laut Greenpeace inzwischen ziemlich sauber: In Deutschland werde bei weniger als fünf Prozent die gesetzliche Höchstmenge überschritten.

Quelle:

http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/chinesische_heilkraeuter_in_deutschland_mit_pestiziden_belastet/

Kommentar & Ergänzung:

Pestizidrückstände in TCM-Kräutern sind schon seit Jahren ein Thema und es ist davon auszugehen, dass die Situation in der Schweiz nicht besser ist als in Deutschland.

Ein ähnliches Problem gibt es mit Ayurveda-Heilmitteln bezüglich übermässiger Belastung mit Schwermetallen:

„Schwermetalle, besonders Blei, verunreinigen nicht selten Medikamente traditioneller indischer Medizinrichtungen; über Vergiftungen durch ayurvedische Medikamente gibt es medizinische Berichte. Offenbar kontrollieren einige Hersteller in Indien die unter Verwendung von Pflanzenaschen gewonnenen Präparate nicht ausreichend auf Schwermetallbelastungen. In einem dargestellten Fall wurden sieben Monate lang Weihrauchpillen aus Indien gegen chronische Polyarthritis eingenommen und führten zum Bild einer schweren Blei-Intoxikation mit Verdauungsstörungen, hämolytischer Anämie und Lähmungen bei einem Bleigehalt des Blutes von 852 µg/l; der obere Grenzwert ist 100 µg/l.[6] Stichproben des ARD-Magazins Plusminus ergaben 2006 und 2007 mehrmals giftige Konzentrationen von Arsen und Quecksilber.“

(Quelle: Wikipedia)

Sicherer ist es jedenfalls, einheimische Kräuter aus kontrolliert-biologischem Anbau vorzuziehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Anis (Pimpinella anisum) zur Heilpflanze des Jahres 2014 gekürt

Zur Heilpflanze des Jahres 2014 wurde der Anis gekürt – und zwar im Rahmen des 10. Heilkräuter-Fachsymposiums im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau (Sachsen). Das gab der Naturheilverein NHV Theophrastus in einer Pressemitteilung bekannt. »Die reinigenden Tendenzen der Anisfrüchte – blähungstreibend, verdauungsfördernd und schleimlösend – können viele chronische Krankheiten positiv beeinflussen«, so begründete ein Jury-Mitglied die Entscheidung. Für stillende Mütter sei Anis Milchfluss anregend. Bekannt ist das markante Gewürz seit der Antike hauptsächlich in Backwaren, aber auch in alkoholischen Spezialitäten wie im griechischen Ouzo oder türkischen Raki. Der NHV kürt seit 2003 die Heilpflanze des Jahres mit dem Ziel, traditionelles Wissen aus der Naturheilkunde zu erhalten. Heilpflanze des Jahres 2013 war die Damaszener-Rose (Rosa damascena).

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46860&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Anis ist eine gute Wahl für die Heilpflanze des Jahres 2014. Der Doldenblütler zeigt interessante Wirkungen.

Die Begrünungen des NHV sind allerdings nicht selten etwas fragwürdig. Die „reinigenden Tendenzen“ des Anis – das ist eine Wischiwaschi-Formulierung, die nichts aussagt. Und ja – Anis wird in Stilltees als milchflussförderndes Mittel eingesetzt. Ob Anis diese Wirkung tatsächlich auch zeigt, ist allerdings nicht geklärt.

Und auch die Aussage, dass Anis „viele chronische Krankheiten positiv beeinflussen“ kann, ist nicht gerade informativ.

Da sind die Begründungen der Arbeitsgruppe Klostermedizin am Institut für Medizingeschichte der Universität Würzburg, die jeweils eine Arzneipflanze des Jahres kürt, viel fundierter.

Die Anisfrüchte sind reich an ätherischem Öl mit dem Hauptbestandteil Anethol.

Anisöl wirkt antimikrobiell, krampflösend auf die Bronchien und auswurffördernd.

Als bestätigt gilt in der Phytotherapie daher die schleimlösende und auswurffördernde Wirkung bei produktivem Husten. Auch Verdauungsbeschwerden wie Blähungen werden durch Anisöl und Anisfrüchte gelindert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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