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Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Bereich Nieren, Blase, Prostata

Krankheiten und Beschwerden im Bereich Nieren / Blase / Prostata sind ein bedeutender Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Themen, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung im Bereich Nieren / Blase / Prostata vermittle.

Wir befassen uns hier vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen bei folgenden Beschwerden / Krankheiten:

Blasenentzündung

Die Blasenentzündung ist das wichtigste Thema der Phytotherapie im Bereich Urologie. In meinen Lehrgängen vermittle ich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen. Zum Einsatz kommen in diesem Bereich Heilpflanzen mit antibakterieller Wirkung in den Harnwegen sowie harntreibende Heilpflanzen zur Durchspülungstherapie. Wir werden uns aber auch anschauen, wo die Grenzen der Selbstbehandlung erreicht werden und eine ärztliche Untersuchung / Behandlung nötig ist.

Reizblase

Da die Reizblase nicht durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird, braucht sie eine komplett andere Behandlung als die Blasenentzündung. Allerdings sind die Ursachen einer Reizblase oft komplex und schwer fassbar. Deshalb kommen zur Linderung verschiedene Behandlungsstrategien zur Anwendung.

Erkrankungen der Prostata

Die Phytotherapie hat hier in erster Linie einige Heilpflanzen-Präparate anzubieten zur Linderung der Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung bei älteren Männern. Wir schauen uns die verschiedenen pflanzlichen Möglichkeiten an und Sie lernen in den Lehrgängen, welche Präparate nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens am wirksamsten sind.

 

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Phytotherapie für Nieren, Blase, Prostata befassen:

Juniperi fructus – Wacholderbeeren

Petroselini fructus – Petersilienfrüchte

Levistici radix – Liebstöckelwurzel

Solidaginis herba – Goldrutenkraut

Betulae folium – Birkenblatt

Ononidis radix – Hauhechelwurzel

Orthosiphonis folium – Orthosiphonblatt

Equiseti herba – 
Schachtelhalmkraut

Taraxaci radix cum herba –  Löwenzahnwurzel mit Löwenzahnkraut

Urticae folium – Brennnesselblatt

Uvae ursi folium – Bärentraubenblatt

Armoraciae rusticanae radix – Meerrettichwurzel

Cranberrysaft (= Vaccinium macrocarpon, amerikanische Preiselbeere) und Preiselbeersaft aus einheimischer Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea).

D-Mannose

Pollinis siccum extractum – Pollenextrakt

Sabalis serrulati fructus – Sägepalmenfrucht

Cucurbitae semen – Kürbissamen

Urticae radix – Brennnesselwurzel

Epilobii herba – Weidenröschenkraut

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung, Repetition und für die medizinischen Zusammenhänge.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

 

Durchspülungstherapie bei Blasenentzündung

Ein Apotheken-Portal hat Empfehlungen veröffentlicht zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten / Blasenentzündung.

Hier ein Zitat daraus – verbunden mit der Frage: „Was ist da falsch?“

„Die wichtigsten Pflanzen für die Durchspülungstherapie sind Bärentraubenblätter, Goldrutenkraut, Brennnesselblätter, Schachtelhalmkraut, sowie Birkenblätter und Orthosiphonblätter.

Vor allem die Bärentraubenblätter gelten aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehaltes als Harndesinfiziens. Aufgrund ihres Inhaltsstoffes Arbutin kommt es bei längerer Anwendung jedoch zu gastrointestinalen Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation. Das Arbutin wird im Körper zu Hydrochinon umgewandelt, welches als leberschädigend und krebserregend gilt. Daher sollte es nur kurzzeitig und nicht häufiger angewendet werden.“

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/durchspuelungstherapie-bei-harnwegsinfekten-baerentraube-goldrute-co/

 

Kommentar & Ergänzung:

Hier ist einiges durcheinander geraten.

– Bärentraubenblätter gelten nicht „ aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehaltes“ als Harndesinfiziens. Gerbstoffe werden im Verdauungstrakt nicht resorbiert. Sie gelangen gar nicht in die Harnwege und können daher dort auch nicht antimikrobiell wirken.

– Allfällige gastrointestinale Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation nach längerer Anwendung entstehen nicht durch den Wirkstoff Arbutin, sondern durch den Gerbstoffgehalt im Bärentraubenblättertee. Zubereitung als Kaltauszug reduziert den Gerbstoffgehalt, verbessert die Magenverträglichkeit und den Geschmack.

– Der Hinweis, dass Hydrochinon „als leberschädigend und krebserregend gilt“, ist eine sehr verkürzte Darstellung und müsste präzisiert werden. Er basiert auf sehr abstrakten Überlegungen und Laborexperimenten, die sehr wenig aussagen darüber, ob mit der Anwendung von Bärentraubenblättertee ein Risiko verbunden ist. Die Situation in lebendigen Harnwegen sieht doch etwas anders aus als die Situation im Labor oder im Chemiebuch.

Blaschek / Frohne / Loew schreiben im Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“:

„Der Verdacht auf eine mutagene und möglicherweise karzinogene Wirkung von Hydrochinon dürfte klinisch aufgrund der raschen Entgiftung nicht zum Tragen kommen. Auch ist einer pharmakokinetischen Pilotstudie zufolge nach Gabe von Arbutin in therapeutischen Dosen eine renale Ausscheidung toxikologisch bedenklicher Konzentrationen von Hydrochinon auszuschliessen.“                                           Zu Entwarnung bezüglich mutagener Effekte siehe hier:

Bärentraubenblätter-Extrakt als Alternative bei Harnwegsinfektionen

Die Empfehlung, Arbutin „nur kurzzeitig und nicht häufiger“ anzuwenden, ist aber trotz solcher Entwarnungen sinnvoll. Sie geht schon auf die „Kommission E“ zurück, die eine Beschränkung der Einnahme von Bärentraubenblätter-Präparaten und Bärentraubenblättertee auf maximal 5 mal pro Jahr und jeweils nicht länger als 7 Tage empfohlen hat.

Bärentraubenblätter werden bei aktuten Harnwegsinfekten kurzfristig während einigen Tagen angewendet, sollten dann aber ausreichend hoch dosiert werden ( 10 g Bärentraubenblätter = 4 – 5 Teebeutel pro Tag).

Siehe auch:

Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bärentraube gegen Blasenentzündung

Heilpflanzen bei Blasenentzündung

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Neandertalern?

Die Neandertaler (Homo neanderthalensis) starben vor etwa 40.000 Jahren aus – etwa zur selben Zeit, als sich der moderne Mensch (Homo sapiens) in Europa ausbreitete.

Forscher um Laura Weyrich und Alan Cooper von der australischen University of Adelaide untersuchten Neandertaler-Zähne aus zwei Höhlen im heutigen Belgien und Spanien.

Insgesamt analysierte die Wissenschaftler Erbgut aus dem Zahnstein von vier Neandertalern, wovon zwei aus der Höhle El Sidrón in der nordspanischen Region Asturien stammten.

Der Neandertaler „El Sidrón 1“ aus Spanien wurde wegen seines guten Erhaltungszustands besonders eingehend analysiert.

Den Forschern zufolge war er ziemlich krank. Sein Verdauungstrakt war von Parasiten befallen, er hatte Durchfall und litt an einem Zahnabszess. Gegen letzteres wusste sich der Neandertaler aber offenbar zu helfen. In seinem Zahnstein fanden die Forscher DNA-Reste der Westlichen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa). „Er aß Pappel, die das Schmerzmittel Salicylsäure enthält“, erläutert dazu Studienleiter Cooper. Auf Abkömmlingen der Salicylsäure basiert das Arzneimittel Acetylsalicylsäure (ASS) – besser bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin. „Offenbar kannten sich die Neandertaler gut mit medizinischen Pflanzen aus und kannten ihre entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung“, kommentiert Cooper.

Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Studie nicht beteiligt war, hält die Schlussfolgerung, dass der Neandertaler gezielt schmerzstillende Pappel aß für „ziemlich überzeugend“. Die Hauptschwäche der Studie liege aber darin, dass nur vier Neandertaler von zwei Fundstellen untersucht wurden.

http://www.n-tv.de/wissen/Neandertaler-assen-natuerliche-Schmerzmittel-article19740070.html

Kommentar und Ergänzung:

Da nur vier Skelette untersucht wurden und nur bei „El Sidrón 1“ diese Kombination von Zahnabszess und Pappelkonsum gefunden wurde, lässt sich daraus natürlich noch nicht schliessen, dass die Pappel bei den Neandertalern als Schmerzmittel quasi zur „Höhlenapotheke“ gehörte. Allerdings ist Pappel weder besonders schmackhaft noch nährstoffreich und darum ist schwer vorstellbar, wozu „El Sidrón 1“ über längere Zeit Pappel gekaut haben soll.

In der heutigen Phytotherapie wird als Salicylat-Pflanze vor allem die Weidenrinde verwendet. Ihr Gesamtsalicylgehalt sollte mindestens 1 % sein, wird jedoch von vielen Arten nicht erreicht. Hohe Gehalte findet man in Salix purpurea (6-8,5 %), Salix daphnoides (4,9-5,6 %) und Salix fragilis (3,9-10,2 %).

Im Unterschied zu Acetylsalicylsäure (Aspirin) beeinflussen Weidenrindenextrakte die Thrombozytenfunktion nicht. Die Salicinverbindungen der Weidenrinde bewirken im Unterschied zu Aspirin keine Verzögerung der Blutgerinnung, weshalb sie auch zur Schmerzbehandlung nach Operationen verwendet werden können.

Leider wurde das am besten wissenschaftlich geprüfte Weitenrindenextrakt-Präparat „Assalix“ vom Hersteller Bionorica aus dem Markt genommen – aus „portfoliostrategischen Gründen“ (was auch immer das bedeuten mag).

Pappelblätter und Pappelrinde aus der Zitterpappel (Espe) sind Bestandteil der „Phytodolor Tinktur“ (neben Goldrutenkraut und Eschenrinde). Das Präparat wird zur Linderung leichter Gelenkschmerzen bei Arthrose eingesetzt. Phytodolor ist in Deutschland und Österreich im Handel, nicht jedoch in der Schweiz.

Da haben wir also wieder einmal diesen schönen grossen Bogen von den Heilpflanzen-Anwendungen aus den Anfängen der Menschheit bis zur modernen Phytotherapie.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen“ auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nierenkranke können von Kakao-Flavanolen profitieren

Kakao-Flavanole, die beispielsweise in dunkler Schokolade und Grüntee enthalten sind, schützen die Gefäße von Dialyse-Patienten, meldet die Universitätsklinik (UK) Essen.

Professor Tienush Rassaf vom UK Essen hat zusammen mit Kollegen am UK Düsseldorf untersucht, welche Effekte Kakao-Flavanole auf die Gefäßfunktion schwer kranker Nierenpatienten hat:

Bei hoher Flavanol-Zufuhr (820 mg/Tag) besserte sich die Gefäßfunktion sowohl kurz- wie auch langfristig.

Die durch die Dialyse bewirkte Gefäßschädigung konnte sogar zum Teil rückgängig gemacht werden. Wurde das Flavanol-Präparat längere Zeit eingenommen, zeigten sich zudem positive Wirkungen auf den Blutdruck.

Die Placebo-kontrollierte Studie wurde im Clinical Journal of the American Society of Nephrology publiziert.

Quellen:

Universitätsklinikum Essen

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=47215

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/901993/kakao-flavanole-nierenkranke-profitieren.html

http://cjasn.asnjournals.org/content/early/2015/12/17/CJN.05560515.abstract?sid=1d359c29-acbf-4ed6-9bcd-3481a135df70

Kommentar und Ergänzung:

Kakao-Flavanole werden seit geraumer Zeit intensiv erforscht. Da dürften nicht zuletzt handfeste Interessen der entsprechenden Industrie im Spiel sein. Die Ergebnisse vor allem hinsichtlich der Wirkungen auf die Gefässe sind sehr interessant, werden aber auch nicht selten etwas gar optimistisch dargestellt.

Flavanole sind im Pflanzenreich weit verbreitet – im Grüntee zum Beispiel EGCG (Epigallocatechingallat), im Schwarztee Theaflavine und Thearubigine. Aber auch Erdbeeren und Äpfel enthalten Flavanole. Deshalb würde ich nicht einfach nur auf Kakao setzen, sondern auf eine abwechslungsreiche Ernährung.

Flavanole gehören zu den Flavonoiden – das ist eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Die Wirkung zahlreicher wichtiger Heilpflanzen gründet auf den Flavonoiden.

Beispiele sind:

Ginkgo-biloba-Extrakte bei Demenz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK);

Buchweizenkraut mit dem Flavonoid Rutin gegen Beschwerden bei Venenerkrankungen (z. B. Chronisch-venöse Insuffizienz, venöse Ödeme)

Mariendistel mit dem Flavonoid-Gemisch Silymarin, als Leberschutz bei Zufuhr leberbelastender Stoffe und bei chronischen Lebererkrankungen;

Weissdorn-Extrakte bei leichten Formen von Herzschwäche und leichten Formen von Angina pectoris.

Flavonoide kommen auch vor in vielen harntreibenden Heilpflanzen wie Goldrutenkraut (Solidago virgaurea) oder Birkenblätter.

Es ist bei allen Flavonoid-Heilpflanzen sehr wichtig, in welcher Form sie angewendet werden und in welcher Dosierung, damit eine Wirkung erzielt werden kann. Sehr häufig werden ungenügende Wirkstoffmengen zugeführt, zum Beispiel mit Pflanzentinkturen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Luzern: Podiumsgespräch „Neophyten – Bedrohung unserer Natur“?

Wann: Dienstag, 17. September 2013, 18.00 h,

Dauer: ca. 1,5 Stunden, Eintritt frei

Wo: Natur-Museum Luzern, Kasernenplatz 6, Luzern

Veranstalter: Naturforschende Gesellschaft Luzern

Mit dem Begriff „Neophyten“ bezeichnet man gebietsfremde Pflanzenarten, die nach dem Jahr 1500 bei uns eingeführt wurden und wildlebend etabliert sind. Die meisten dieser Neophyten machen keinerlei Probleme. Doch es gibt sogenannte Invasive Neophyten, die bei uns auf Bedingungen, unter denen sie sich massiv ausbreiten, andere Arten verdrängen oder sonst einen Schaden anrichten können.

Sie können beispielsweise Allergien auslösen (z.B. Ambrosia), durch Steigerung der Lichtempfindlichkeit Verbrennungen verursachen (Riesen-Bärenklau) einheimische Arten gefährden (z.B. Kanadische Goldrute, Drüsiges Springkraut), die Landschaft verändern (hauptsächlich entlang von Fliessgewässern), sowie Bauten, Uferbefestigungen oder Infrastrukturanlagen beschädigen (z.B. Japanischer Knöterich).

Neophyten verursachen in steigendem Masse naturschützerische, gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden.

Das wirft viele Fragen auf:

Ab wann sind Neophyten wirklich eine Bedrohung? Was soll und was muss gegen sie unternommen werden?

Am Podiumsgespräch diskutieren:

Günther Gelpke, Biologe, Ökologische Beratung, Dübendorf

Peter Kull, Biologe, lawa, Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, Fachleiter Lebensräume, Sursee

Erwin Leupi, Biologe, Stadtspaziergänger, Naturforschende Gesellschaft Luzern

Moderation: Urs Steiger, Wissenschaftsjournalist, NGL-Vorstand

Anmerkung von mir:

Die Neophyten-Diskussion ist interessant, weil hier Fragen aus Naturschutz, Gesundheit und Naturphilosophie zusammen kommen.

Die Frage, ab wann der Mensch eingreifen soll, ist komplex. Längst nicht jeder Neophyt ist eine Bedrohung. Eine pauschale Neophyten-Bekämpfung wäre daher nicht adäquat.

Fragwürdig ist aber auch die immer wieder mal zu hörende Vorstellung, jede Bekämpfung von Neophyten sei ein „Krieg gegen die Natur“. Denn die Verbreitung der Neophyten ist auch nicht „Natur pur“, sondern massgeblich von Menschen gefördert.

Zudem gibt es Neophyten, die einschneidende gesundheitliche Probleme verursachen. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia, Ragweed):

„Sind die Gefahren einer Pollenallergie bis vor wenigen Jahren in erster Linie von Birken und Gräsern ausgegangen, so ist nun das Ragweed oder Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) zu einer neuen Belastung geworden. Lang nach Beendigung der allgemeinen Allergiesaison (und bis in den Oktober hinein) blüht das Ragweed. Eine Pflanze kann bis zu acht Milliarden Pollen produzieren…….Dabei genügen schon 15 Ragweedpollen pro Kubikmeter Luft, um allergische Beschwerden auszulösen. Bei Gräsern und Birken liegt diese Schwelle bei 30 und mehr Pollen pro Kubikmeter Luft. Außerdem wirke der Ragweedpollen um vieles aggressiver, sagt Robert Richter, der an der Uni Wien seine Dissertation über Ragweed verfasst hat. Während bei Gräsern meist ein harmloser Heuschnupfen die Folge eines Pollenfluges ist, stellen sich bei der Ragweed-Allergie sehr schnell Asthmabeschwerden und Atemnot ein.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/1452780/Ragweed_Aktionsplan-gegen-Allergie?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Bei Ambrosia, die derart gravierende Auswirkungen auf Allergiker haben kann, halte ich eine Eindämmung jedenfalls für sehr angebracht.

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Riesenbärenklau: Risiko von Hautentzündungen

Im Garten wuchernder Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum, syn. Heracleum giganteum,) sollte jetzt im Frühsommer entfernt werden. Der auch als Herkulesstaude bekannte Doldenblütler verdrängt nicht nur andere Gewächse, sondern führt unter Einwirkung von Sonnenlicht bei Kontakt mit dem Saft auch zu starken Hautreaktionen. Erkennbar ist der bis zu vier Meter hohe Riesenbärenklau an seinen weißen Blütendolden mit bis zu 100 Zentimetern Durchmesser, den tief eingeschnittenen Blättern und an dem bis zu 10 Zentimeter starken, knotigen Stängel.

Foto auf Wikipedia,

Alle Pflanzenteile enthalten phototoxisch wirkende Furanocumarine, die in Kombination mit Sonnenlicht zu schweren Hautreaktionen führen. Auf der Haut entwickeln sich nach dem Kontakt mit dem Gift häufig erst mit einer Verzögerung von zwei oder drei Tagen Blasen, die an eine schwere Verbrennung erinnern. Hauptsächlich Kinder sind gefährdet, warnt der Landesverband Hamburg und Sachsen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

Kommen Kinder mit Pflanzensaftspritzern in Kontakt, sollten gemäss NABU die betroffenen Hautstellen gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und mit Sonnencreme eingerieben werden. Zwei bis drei Tage sollte das Kind die Sonne meiden. Bei starken Reaktionen ist ärztliche Behandlung nötig.

Beim Eliminieren der Stauden müssen zuerst die Blütendolden abgehackt werden. Dies muss sehr vorsichtig durchgeführt werden, da andernfalls Samen abfallen und nachreifen können. Eine Riesenbärenklau-Pflanze kann bis zu 10.000 Samen entwickeln. Deshalb sollten die Dolden auch keinesfalls auf dem Kompost entsorgt werden.

Den Rest der Pflanze muss man abhacken und ie Wurzel bis in etwa 15 Zentimeter Tiefe abstechen. Hat sich die Pflanze schon weit ausgebreitet, ist Mähen am sinnvollsten. Dies muss allerdings mehrmals im Abstand von zirka zehn Tagen wiederholt werden, da sich immer wieder Blüten ausbilden können. Während der Arbeit, die möglichst in der Dämmerung oder bei starker Bewölkung durchgeführt wird, sind lange Kleidung, Handschuhe und Gesichtsschutz nötig.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/riesenbärenklau-gefahr-von-hautreaktionen-090012248.html

Kommentar & Ergänzung:

Zusammen der Ambrosia, (Ambrosia artemisiifolia), die schwere Allergien auslösen kann, ist der Riesenbärenklau bei uns wohl der medizinisch problematischste Neophyt (Neueinwanderer). Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Kaukasus.

Und wie kam die Pflanze nach Mitteleuropa?

„ Die Ausbreitung in Mitteleuropa geht auf den russischen Zaren Alexander I. zurück. Er schenkte dem Fürsten Metternich nach dem Wiener Kongress (1815) eine riesige Malachitvase voll Samen des Riesen-Bärenklaus. Der Fürst wiederum pflanzte diese in den Treibhäusern seiner Sommerresidenz in Böhmen im Schloss Königswart als Zierpflanze an.

Im restlichen Europa wurde der Riesen-Bärenklau etwa 1890 als Zierpflanze eingeführt und zuerst in den Parks des englischen Königshofs angepflanzt. Als Zierpflanze wird er noch heute gelegentlich in Gärten und Parks verwendet.

Zur mitteleuropäischen Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus hat wesentlich beigetragen, dass der Pflanze ein wirtschaftlicher Nutzen unterstellt wurde. Imkern wurde er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederholt als Bienenweide empfohlen, und in der Forstwirtschaft verwendete man sie, weil man mit den dichten Beständen dieser Pflanze dem Wild zusätzliche Deckung geben wollte und man der Überzeugung war, mit dieser Pflanze Böschungen befestigen zu können.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Bedeutung des Riesenbärenklaus als invasiver Neophyt schreibt Wikipedia:

„ Der Riesen-Bärenklau wird als invasiver (=eindringender) Neophyt eingestuft und seine Ausbreitung häufig sehr emotional wahrgenommen oder reißerisch in der Presse kommentiert. Diese Reaktion ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die Pflanze erhebliche gesundheitliche Risiken in sich birgt und bereits bloße Berührungen ernsthafte gesundheitliche Schädigungen nach sich ziehen können.

Neben gesundheitlichen Gefährdungen, die durch den Riesen-Bärenklau verursacht werden, gibt es noch folgende:

In Schweden kam es durch hohe Riesen-Bärenklau-Stauden an Straßenrändern zu Sichtbeschränkungen im Straßenverkehr.

Da die Wurzeln des Riesen-Bärenklaus keine böschungsbefestigende Wirkung haben, diese Pflanze jedoch häufig am Rand von Fließgewässern gedeiht, kann von ihnen eine erhöhte Erosionsgefahr ausgehen.

Erosionsgefährdung trat auch an den Hängen von Hohlwegen auf.

Zu Ertragsverlusten kann es kommen, wenn Riesen-Bärenklau-Stauden sich auf Äckern und Wiesen etablieren.

Standorte, die von Riesen-Bärenklau dominiert werden, weisen im Vergleich zur benachbarten Vegetation ein geringeres Artenspektrum auf. Er breitet sich vorwiegend an solchen Standorten aus, die durch menschliche Eingriffe stark verändert sind – in der Botanik werden solche als „anthropogen gestörte Standorte“ bezeichnet. Arten, die sich wegen ihrer Gefährdung auf der Roten Liste befinden, sind auf solchen Standorten selten zu finden. Vereinzelt dringt der Riesen-Bärenklau in gefährdete Biotope ein und konkurriert mit seltenen Arten oder behindert Pflegemaßnahmen des Naturschutzes.

Der ökologische Schaden, der vom Riesen-Bärenklau ausgeht, ist verglichen mit anderen invasiven Neophyten wie beispielsweise der Späten Traubenkirsche oder der Gewöhnlichen Robinie eher gering. Die breite öffentliche Wahrnehmung des Riesen-Bärenklaus als problematischer Neophyt resultiert daher vor allem aus den Risiken für die menschliche Gesundheit.“

(Quelle: Wikipedia)

Was gibt es sonst noch für relevante Neophyten?

Ein weiterer bedeutender Neophyt ist die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), die in Feuchtgebieten epidemisch auftreten kann, dabei viele andere Pflanzenarten verdrängt und mit viel Aufwand entfernt werden muss. Immerhin könnte man sie in Nieren-Blasentees verwenden und für Insekten ist sie noch spät im Sommer eine gute Nahrungsquelle.

An Flussufern verbreitet sich gern das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), das ursprünglich aus Indien stammt. Es wurde als Zierpflanze eingeführt.

Problematisch ist auch der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica). Er stammt ursprünglich aus Ostasien und ist in China, Korea und Japan heimisch. Die Pflanze wurde um 1825 von Philipp Franz von Siebold als Zierpflanze und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht. Auch in der Forstwirtschaft wurde der Japanische Staudenknöterich gezielt angepflanzt. Das Gewächs sollte als Äsungspflanze für Rotwild sowie als Deckungspflanze für Fasane dienen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass der Japanische Staudenknöterich als Äsung nicht angenommen wird und dass er als Deckungspflanze, auf Grund des Blattfalls im Winter, wenig geeignet ist. Großzügig an seiner Ausbreitung beteiligt waren zudem Imker, weil der Staudenknöterich noch im Frühherbst eine exzellente Bienenweide ist.

Siehe auch:

Ambrosia-Allergie – Ambrosia-Bekämpfung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wirkstoffe der Heilpflanzen: Glykoside

„Das vielleicht bekannteste Glykosid ist das Gift des Roten Fingerhuts, das – entsprechend niedrig dosiert – als Herzmittel eingesetzt wird. Je nach chemischer Zusammensetzung können die Verbindungen aus einem Zucker und einem Nichtzucker jedoch ganz unterschiedliche Wirkungen entfalten.

Die in Seifenkraut, Ringelblume, Linde, Taubnessel und Efeu enthaltenen Saponine beispielsweise sind eher seifenähnlich und wirken reizend auf Schleimhäute. Damit beschleunigen sie einerseits die Aufnahme anderer Wirkstoffe, dienen aber andererseits als Hustenmittel oder als Brechmittel. Sie wirken zudem entzündungshemmend und pilztötend.

Flavonoide ist die Bezeichnung für eine Gruppe meist gelb gefärbter Pflanzenstoffe, die beispielsweise in Ginkgoblättern, Birkenblättern, Holunderblüten und Lindenblüten enthalten sind. Sie wirken unter anderem erweiternd auf die Nierengefäße und steigern damit die Harnausscheidung. Cumarine sind Riechstoffe aus zahlreichen Pflanzen wie beispielsweise des Waldmeisters. Sie wirken gerinnungs- und entzündungshemmend. In zu hoher Dosierung können sie zu Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstlosigkeit und Atemlähmung führen.“

Quelle:

http://www.scinexx.de/dossier-detail-340-8.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkstoffgruppe der Glykoside ist sehr heterogen – und dies sowohl von der Toxikologie als auch von den Anwendungsgebieten her.

Im Bereich der Toxikologie finden wir hier zum Beispiel die sehr giftigen Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin, Strophanthin…), aber auch ausgesprochen verträgliche Flavonoide wie Silymarin (aus Mariendistel), Quercetin (in vielen Heilpflanzen und Lebensmitteln), Rutin (aus Buchweizenkraut).

Von den Anwendungsbereichen gibt es wohl kaum eine vielfältigere Wirkstoffgruppe.

Beispielsweise:

Herz: Herzglykoside Digitoxin, Digitoxin (rezeptpflichtig), Flavonoide aus Weissdorn;

Niere:. Flavonoide aus Goldrute, Birkenblätter als „Entwässerungstee“;

Leber: Silymarin aus Mariendistel;

Venenschwäche: Rutin aus Buchweizenkraut, Aescin aus Rosskastanie;

Arterielle Durchblutung: Flavonoide aus Ginkgo biloba;

Schmerz / Rheuma: Salicin aus der Weidenrinde

Verstopfung: Anthranoide aus Sennesblättern, Faulbaumrinde;

Blasenentzündung: Senfölglykoside aus Meerrettich; Arbutin aus Bärentraubenblätter.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Brennnessel für Feinschmecker

Brennnesseln wachsen am Straßenrand, im Blumenbeet und auf der Wiese. Sie sind verschrienen als Unkraut und wer barfuß auf sie tritt, bekommt dies schmerzhaft zu spüren.

Doch aus dem gemeinen Unkraut lassen sich auch allerlei Köstlichkeiten für Feinschmecker zaubern, schreibt der aid-infodienst. Vor allem die jungen Blätter mit ihrem fein-säuerlichen Aroma lassen sich in der Küche vielseitig verwenden. Zusammen mit Löwenzahn, Sauerampfer oder Bärlauch ergibt sich ein wohlschmeckender Wildkräutersalat. Brennnesseln lassen sich aber auch als Suppe, im Pfannkuchen oder als Rührei zubereiten. Die Kräuterbutter lasse sich ebenfalls mit Brennnesseln abschmecken.

Die Zubereitung als Gemüse ist laut dem aid sehr einfach: Ähnlich wie Spinat werden die Brennnesselblätter zunächst in kochendem Salzwasser blanchiert. Abtropfen lassen, anschliessend kleinhacken und mit gedünsteten Zwiebeln kurz erhitzen. Die Brennnesseln danach mit Salz, Pfeffer, Muskat und bei Bedarf einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. Ein Schuss Sahne verleiht dem Gemüse eine feine Note.

Damit das Pflücken der Brennnesseln ganz ohne Pusteln abläuft, ist es empfehlenswert Handschuhe zu tragen. Besonders zart und aromatisch seien die jungen, etwa 20 Zentimeter hohen Pflanzen, schreibt der aid-Infodienst. Von Mai bis Juli können die Brennnesseln gepflückt werden – vorzugsweise an geschützten Standorten wie dem eigenen Garten oder am Waldrand.

Quelle:

http://www.fr-online.de/ratgeber/verbraucher/brennnesseln-fuer-feinschmecker/-/1473052/8429884/-/index.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Brennnessel gehört natürlich auch zu den Heilpflanzen.

Brennnesselblätter werden verwendet zur Durchspülungstherapie Harnwegsinfekten, allerdings meist gemischt mit anderen Heilpflanzen (Goldrute, Bärentraube. Birkenblätter, Schachtelhalm).

Interessanter ist aber die entzündungswidrige Wirkung bei Rheuma / Arthritis.

Siehe dazu:

Brennnessel-Kur gegen Rheuma

Unsinnig ist die Propagierung der Brennnessel als „Blutreinigungstee“ oder „Entschlackungsmittel“ bzw. „Entschlackungskur“.

Es gibt im menschlichen Organismus keine Schlacken, die auf solche Weise entfernt werden könnten. Entschlackung ist daher unnötig.

Während viele Blutreinigungstees und Entschlackungsmittel stark abführende Heilpflanzen enthalten (z. B. Sennesblätter), ist die Brennnessel in dieser Hinsicht neutral und damit zumindestens unschädlich.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Entschlackung – was ist das?

Fasten & Entschlacken

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Die Brennnesselwurzel lindert Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung älterer Männer (Benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei sie zu diesem Zweck oft kombiniert wird mit Sägepalmenfrüchten von Sabal serrulata (Serenoa repens), oder mit Kürbeissamen.

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Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Ein weiteres Argument, viel Obst zu essen: Man kann damit offenbar das Parkinsonrisiko reduzieren – hauptsächlich dann, wenn man rote und blaue Beeren liebt. Auch das eine oder andere Gläschen Rotwein könnte zu diesem Zweck hilfreich sein.

Warum manche Menschen an idiopathischem Morbus Parkinson erkranken und andere nicht, ist noch weitgehend ungeklärt. Doch offenbar haben Ernährungs- und Lebensgewohnheiten einen grossen Einfluss. Bekannt ist zum Beispiel, dass Kaffeetrinker und Raucher ein um 50 bis 80 Prozent vermindertes Parkinsonrisiko haben.

Jetzt haben US-Wissenschaftler aus Boston herausgefunden, dass auch viel Obst vor der neurodegenerativen Erkrankung schützen könnte. Ein Forscher-Team um Dr. Xiang Gao von der Harvard School of Public Health hat Daten von knapp 130000 Teilnehmern einer Langzeitstudie untersucht.

Diese füllten einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus. Das Team um Gao interessierte sich dabei hauptsächlich für den Konsum von Flavonoiden. Diesen wichtigen und verbreiteten Pflanzeninhaltsstoffen werden antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. Sie finden sich vor allem in Obst, aber auch in dunkler Schokolade und in Rotwein.

In der Studie wurde die Anzahl der Parkinson-Neuerkrankungen (Inzidenz) über 20 bis 22 Jahre dokumentiert. In diesem Zeitraum erkrankten 805 Teilnehmer (0,6 Prozent) an Parkinson. Dabei zeigte sich: Männer, die über ihre Ernährung speziell viel Flavonoide konsumierten, waren gut vor Parkinson geschützt.

Im Quintil mit der höchsten Flavonoidaufnahme war die Parkinsonrate um 40 Prozent tiefer als im Quintil mit dem niedrigsten Konsum. Allerdings schienen Frauen in dieser Studie insgesamt nicht von einem erhöhten Flavonoid-Konsum zu profitieren.

Schauten sich die Wissenschaftler jedoch eine bestimmte Gruppe von Flavonoiden an, die blauen Anthocyan-Farbstoffe, die hauptsächlich in Beeren vorkommen, so war das Parkinsonrisiko bei Männern und Frauen gleichermaßen vermindert. „Möglicherweise haben Anthocyane neuroprotektive Eigenschaften“, erklärte Gao in einer Mitteilung der American Academie of Neurology (AAN). Sollte sich dies bestätigen, so Gao, könnte man über den Konsum von solchen Flavonoiden das Parkinsonrisiko auf natürliche und gesunde Weise reduzieren.

Die Daten der Studie sollen auf dem AAN-Kongress Anfang April in Honolulu präsentiert werden.

Speziell hoch ist übrigens der Anthocyangehalt in Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Auberginen. Auch Weintrauben können eine sehr hohe Anthocyan-Konzentration aufweisen, was allerdings von der Traubensorte abhängt. Entsprechend hat ein sehr dunkler Wein im allgemeinen einen hohen Anthocyangehalt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/morbus_parkinson/article/640901/antiparkinson-diaet-beeren-rotwein.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind in der Phytotherapie eine wichtige Wirkstoffgruppe und zählen zu den Polyphenolen. Zahlreiche Heilpflanzen basieren mit ihrer Wirkung auf dem Gehalt an Flavonoiden. Beispielsweise Weissdorn, Mariendistel, Ginkgo, Buchweizenkraut, Goldrute, Birkenblätter.

Anthocyane sind eine Untergruppe der Flavonoide und als blaue Farbstoffe vor allem aus Heidelbeeren und schwarzen Johannisbeeren (Cassis) bekannt.

Untersucht wurden in den letzten Jahren vor allem die Anthocyane aus den Heidelbeeren, unter anderem zur potenziellen Anwendung gegen chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa.

Siehe:

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Die oben beschriebene Studie zum Einfuss von Beeren auf das Parkinsonrisiko scheint bisher noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden zu sein. Das lässt Fragen offen zu ihrer Qualität. Aber immerhin: Die Hinweise verdichten sich, dass Beeren mit einem hohen Gehalt an Anthocyanen in verschiedener Hinsicht gesundheitlich wertvoll sind.

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