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Keine Studien zur Homöopathie?

Die „Heidenheimer Zeitung“ publizierte vor kurzem ein Interview mit Ingrid Maier-Regel. Die Homöpathin war 25 Jahre lang Vorsitzende des Vereins für Homöopathie und Lebenspflege in Nattheim und ist Präsidentin des Dachverbandes Hahnemannia. Mit Homöopathie wird die Frau sich daher wohl auskennen.

Umso erstaunlicher ist folgende Aussage im Interview:

„Unsere Methoden kann man nicht wissenschaftlich messen. Es gibt keine Studien dazu.“

Quelle:

http://www.swp.de/heidenheim/lokales/kreisheidenheim/Wer-heilt-hat-Recht;art1168195,1821855

Diese Aussage ist von A – Z vollkommen falsch.

Zur Frage, ob man die Homöopathie wissenschaftlich untersuchen kann, schreibt das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie Charité ‐ Universitätsmedizin zu Berlin:

„Kann man die Homöopathie in placebo‐kontrollierten Studien erforschen?

Wenn  es  um  die  alleinige  Wirksamkeit  der  homöopathischen  Arzneimittel  geht,  kann  man  diese selbstverständlich in randomisierten placebo‐kontrollierten Studien untersuchen. Selbst die Form der ausführlichen  Anamnese  und  Auswahl  der  individuellen  Arznei  lässt  sich  in  diesen  Studiendesign berücksichtigen,  was  auch  schon  mehrfach  gemacht  wurde.  In  diesem  Fall  erhalten  Patienten  beider  Gruppen  die  Anamnese  und  der  homöopathische  Arzt  sucht  die  passende  Arznei  aus.  Die  Apotheke  schickt  dann  entweder  die  Arznei  oder  Placebo  an  den  Patienten.    Arzt  und  Patient  wissen  beide nicht, wer was bekommt.“

Quelle:

http://www.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc01/epidemiologie/downloads/Informationen_Homoeopathie.pdf

Das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie  befasst sich selber mit Homöopathie-Forschung am Lehrstuhl von Prof. Claudia Witt, der von der homöopathienahen Carstens-Stiftung finanziert wird.

Noch krasser ist die Aussage von Ingrid Maier-Regel, dass es zur Homöopathie keine Studien gibt.

Intensive Homöopathie-Forschung unter Einbezug führender Homöopathen wurde bereits im „Dritten Reich“ betrieben, und zwar auf Betreiben höchster Kreise. Vor allem der Reichsführer-SS Heinrich Himmler und der Führer-Stellvertreter Rudolf Hess standen der Homöopathie und der Naturheilkunde nahe.

Die im „Dritten Reich“ durchgeführten Studien endeten für die Homöopathie allerdings in einem totalem Fiasko.

Ein Bericht darüber erschien unter dem Begriff „Donner-Report“ (nach dem Verfasser Fritz Donner).

Siehe dazu:

Homöopathie-Forschung im Nationalsozialismus

Auch in neuerer Zeit gibt es eine vielfältige Homöopathie-Forschung.

Laboruntersuchungen zur Homöopathie

Einerseits wird versucht, die Wirksamkeit homöopathischer Präparate in Laboruntersuchungen zu beweisen.

Das führt regelmässig zu Sensationsmeldungen, die bisher ebenso regelmässig im Fiasko endeten.

Das bekannteste Beispiel ist der französiche Arzt Jacques Benveniste (12. März 1935 – 3. Oktober 2004).

Er wurde hauptsächlich bekannt durch seine Behauptung, hochgradig verdünnte Antigene könnten über einen „Gedächtniseffekt“ des Wassers weiße Blutzellen (Leukozyten) beeinflussen. Ein Bericht über diese vor allem für die Homöopathie bahnbrechend erscheinende Neuigkeit wurde 1988 sogar im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature publiziert.

Allerdings gelang es Wissenschaftlern auf der ganzen Welt nicht, den Effekt im Experiment zu bestätigen. Unter der Aufsicht des Nature-Chefredakteurs John Maddox und des amerikanischen Pseudowissenschaften-Gegners James Randi gelang es Benveniste selbst nicht, seine eigenen Resultate zu wiederholen. Das endgültige Ende für Benvenistes These vom „Gedächtnis des Wassers“ kam in Gestalt des als offen und unvoreingenommen geltenden Physikers und Nobelpreisträgers Georges Charpak. Er  schlug Benveniste eine Reihe von Experimenten vor, die dann unter seiner Aufsicht durchgeführt wurden. Das Resultat dieser Versuche war für Benveniste desaströs: allenfalls zufällige Wirkungen konnten festgestellt werden. 1995 zog Charpak das abschliessende Fazit, dass Benvenistes „Wassermanipulationen“ keinerlei nachweisbaren Effekt hätten. Ungeachtet dieser Erkenntnisse erweiterte Benveniste später seine Position noch, indem er behauptete, die Informationen des Wassers könnten auch via Telefon oder Internet übertragen werden.

(Quelle dieses Abschnitts: Wikipedia)

Erstaunlich ist eigentlich nur, dass in der Homöopathie zur Erklärung der Wirksamkeit immer noch oft das „Wassergedächtnis“ herangezogen wird. Dabei gäbe es an dieser Stelle eine ganze Reihe weiterer Fragen. Beispielsweise: Das wässrig-alkoholische homöopathische Präparat wird in der Regel auf eine Zuckerpille aufgetragen (Globuli). Das Wasser-Alkohol-Gemisch verdunstet dann, während die Globuli geschluckt werden. Wo bleibt das Wassergedächtnis? Und wie weiss das Lösungsmittel bzw. das Wassergedächtnis, welche Informationen es speichern und weitergeben soll und welchen nicht. Wie kann es sein, dass das Wassergedächtnis sich nur an die heilsamen Eigenschaften der Ursubstanz erinnert, nicht aber an möglichen negativen Eigenschaften wie unerwünschte Nebenwirkungen?

Klinische Homöopathie-Forschung:

Dass eine homöopathische Behandlung manchen Menschen bei gewissen Krankheiten eine Linderung bringt, lässt sich meines Erachtens nicht ernsthaft bestreiten. Die entscheidende Frage ist aber, ob dabei auch ein spezifischer Effekt der Globuli mitwirkt.

Es gibt über 100 Doppelblind-Studien zur Homöopathie, wobei es darunter allerdings grosse Qualitätsunterschiede gibt. Deshalb fasst man die qualitativ besten Studien in sogenannten Metastudien zusammen.

Wikipedia fasst die Lage bei den Metastudien so zusammen:

„Eine erste Metaanalyse von Klaus Linde und Mitarbeitern aus dem Jahr 1997 kam zwar zu dem Schluss, dass die Gesamtheit der Ergebnisse der Studien nicht vollständig durch den Placeboeffekt erklärbar waren und dass einige der untersuchten Homöopathika folglich wirksam sein müssten. Bei weiteren Untersuchungen fanden die Autoren allerdings, dass Studien geringerer Qualität bessere Ergebnisse für die homöopathische Behandlung zeigten als Studien mit strengen Kriterien. Linde räumte daher ein, dass die damalige Schlussfolgerung so nicht haltbar sei und die Metaanalyse die Effekte zumindest deutlich überschätzt haben dürfte.“

Zur zweiten grossen Metastudie schreibt Wikipedia:

„Eine schweizerisch-britische Forschergruppe hatte insgesamt 220 Studien in Bezug auf den Behandlungserfolg verschiedenster Erkrankungen mit homöopathischen oder schulmedizinischen Methoden ausgewertet. Es zeigte sich ein vergleichsweise schlechteres Abschneiden der Homöopathie, bei der die gemessenen Effekte nicht gegen die Annahme der Nullhypothese (die Homöopathie beruhe einzig auf dem Placebo-Effekt) sprechen. Auch bestätigte die breitangelegte Metauntersuchung die Vermutung, dass Studien mit wenigen Teilnehmern und niedriger Qualität eher nicht vorhandene Wirkungen vorspiegeln als solche mit einer höheren Teilnehmerzahl und guter Qualität. Die erwähnte Metastudie wurde 2006 von dem österreichischen Homöopathie-Befürworter Friedrich Dellmour und dem Schweizerischer Verein Homöopathischer Aerztinnen und Aerzte hauptsächlich mit der Behauptung kritisiert, dass sich die Homöopathie nicht für Doppelblindstudien eigne und nur deshalb keine Wirksamkeit feststellbar sei. Außerdem gab es von mehreren Seiten Kritik an der Methodik der Metastudie. Dennoch konnte die Grundaussage nicht widerlegt werden. Klaus Linde und Wayne Jonas gingen trotz ihrer Kritik mit dem Ergebnis konform, dass es keinen stabilen Nachweis durch Placebo-kontrollierte Studien gibt.“

Eine sehr informative Zusammenfassung der Studienlage zur Homöopathie gibt hier:

http://www.medizin-transparent.at/streitthema-homoopathie

So. Und wie kommt nun eine langjährige Homöopathin wie Ingrid Maier-Regel zur Behauptung, es gebe keine Studien zur Homöopathie?

Hat sie davon wirklich noch nie gehört oder blendet sie diesen Bereich einfach aus, weil die Resultate nicht ihrem Bild der Homöopathie entsprechen? Sieht nach hochgradig selektiver Wahrnehmung und Realitätsverarbeitung aus.

Genau solche Phänomene sind es, die mich in den letzten Jahren immer skeptischer werden liessen gegen weite Bereiche der Komplementärmedizin. Das ist einfach kein seriöser Umgang einem Thema. Jedenfalls ist das soeben besprochene Beispiel kein Einzelfall.

Die bekannte Homöopathie-Herstellerin Similasan beispielsweise stellt auf ihrer Website die höchst fragwürdige Sepsis-Studie von Michael Frass sehr selektiv und einseitig interpretiert in den Vordergrund, während die kritischen Metaanalysen gar nicht erwähnt werden.

Zum Interview mit Ingrid Maier-Regel in der Heidenheimer Zeitung muss noch ergänzt werden, dass die Interviewerin an den betreffenden Punkten auch nicht kritisch nachgehakt hat, vermutlich weil ihr dazu das Fachwissen fehlte. Aber auch diese kritik- und fraglose Berichterstattung ist leider eher die Regel als die Ausnahme.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Studie zur Wirksamkeit der Komplementärmedizin präsentiert

Brustkrebs-Patientinnen, die sich zusätzlich einer komplementärmedizinischen Behandlung unterzogen, haben eine bessere Lebensqualität: Zu diesem Resultat kam eine zusammen mit der Charitè – Universitätsmedizin Berlin durchgeführte Studie am Pilotprojekt Komplementärmedizin Meran.

Vor der Publikation in wissenschaftlichen Zeitschriften könnten keine Einzelheiten der Studie vorgestellt werden, sagte deren Hauptverantwortliche Professorin Claudia Witt, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charitè – Universitätsmedizin Berlin, bei der Präsentation. An der randomisierten Studie, bei der Patientinnen zufällig zugeteilt wurden, nahmen 275 Brustkrebs-Patientinnen teil. Von den komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden kamen am häufigsten Akupunktur und Homöopathie zur Anwendung, aber auch die auf Pflanzen basierende Phytotherapie und zahlreiche andere. Hauptparameter der Studie, erklärte Professorin Witt, war die Lebensqualität, etwa im Hinblick auf Erschöpfungssyndrom und Schmerzen. Das Hauptergebnis der Studie an Patientinnen mit Brustkrebs sei eine statistisch signifikant bessere Lebensqualität, bei den Frauen, die zusätzlich in der Abteilung für Komplementärmedizin in Meran behandelt wurden, sagte Claudia Witt.

Für die Durchführung der Studie arbeiteten das Brustgesundheitszentrum Meran-Brixen, die Onkologie Bozen und das Day Hospital Meran zusammen. Unter die Lupe genommen wurden bei der vom Land in Auftrag gegebenen Studie zwei Gruppen: eine Gruppe bekam zusätzlich eine komplementärmedizinische Behandlung; die zweite Gruppe wurde ausschliesslich nach den hohen schulmedizinisch-onkologischen Standards des Brustgesundheitszentrums therapiert.

Quelle:

http://www.provinz.bz.it/lpa/285.asp?redas=yes&aktuelles_action=4&aktuelles_article_id=409463

Kommentar & Ergänzung:

Ich mag allen Brustkrebs-Patientinnen, die an der Studie teilgenommen haben,  jeden Gewinn an Lebensqualität von Herzen gönnen.

Allerdings erweckt die Studie, so wie sie hier präsentiert wird,  einen falschen Eindruck. Sie sagt nämlich nichts spezifisches  aus über die Wirksamkeit von „Komplementärmedizin“, Homöopathie, Akupunktur, Phytotherapie etc.

Die Studie sagt nur aus: Brustkrebs-Patientinnen, die intensiver betreut werden und mehr Therapie bekommen, geht es besser. Das aber ist alles andere als neu.

„Komplementärmedizin“ ist zudem ein fragwürdiger Lobbying-Begriff, der inhaltlich willkürlich definiert werden kann. Es wäre viel besser, die einzelnen Methoden in dieser „Schublade“ genauer unter die Lupe zu nehmen, als mit dem hohlen Schlagwort Komplementärmedizin zu hantieren.

Siehe:

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Claudia Witt bewirbt sich übrigens zur Zeit für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich.

Siehe:

Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Die Universität Zürich sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Professor Reinhard Saller auf den Lehrstuhl für Naturheilkunde.

Im Rahmen dieser Neubesetzung fand am 30. August 2012 am Universitätsspital Zürich ein Symposium statt, an dem  BewerberInnen sich mit einem Fachvortrag vorstellten.

Vortragende und Themen waren:

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Integration von Naturheilkunde / Komplementärmedizin in die

konventionelle Medizin am Beispiel Akupunktur

Prof. Dr. med. Jost Langhorst

Innere Medizin V – Naturheilverfahren und Integrative

Medizin Kliniken Essen Mitte – Knappschaftskrankenhaus

Thema: Naturheilkunde und Integrative Medizin am Beispiel chronisch

entzündlicher Darmerkrankungen

PD Dr. med. Florian Pfab

Präventive und Rehabilitative Sportmedizin

Klinikum rechts der Isar; Technische Universität München

Thema: Nadeln, Chilli, Drachenblut oder gar Haschisch gegen Juckreiz?

Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie

und Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Forschung zur Komplementärmedizin – eine internationale Perspektive

PD Dr. med. Ursula Wolf

Institute of Complementary Medicine, Universität Bern; Inselspital

Thema: Forschung in der Komplementärmedizin

Kommentar & Ergänzung:

Tobias Füchslin und Marko Kovic besuchten die Veranstaltung und haben sie in einem Podcast kritisch kommentiert.

Den Podcast können Sie hier hören.

Bei Prof. Reinhard Saller war die Phytotherapie ein zentraler Schwerpunkt. Es wäre natürlich aus meiner Sicht begrüssenswert, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin auch einen „Draht“ zur Phytotherapie mitbringen würde.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass eine Person gewählt wird, die Wissenschaft nach den besten Standards betreibt.  Die Methoden von Komplementärmedizin und Naturheilkunde sollen ergebnisoffen erforscht werden. Das ist in diesem Bereich nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Wenn aus politischen Gründen komplementärmedizinische Forschung an Universitäten durchgedrückt wird, entwickelt sich daraus nicht selten eine einseitige Bestätigungs- und Rechtfertigungsforschung, die wissenschaftlich zurecht nicht mehr ernst genommen wird.

Ein Beispiel für einseitige Zugänge ist wohl die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder mit dem „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“, das mit wissenschaftlich fragwürdigen Lehrveranstaltungen und skurilen Forschungsarbeiten in die Kritik gekommen ist.

Siehe:

Europa-Universität Viadrina: Esoterik-Institut vor dem aus

An der Europa-Universität Viadrina wird der Lehrstuhl von Harald Walach durch den Homöopathika-Hersteller Heel finanziert. Harald Walach ist der diesjährige Preisträger des „Goldenen Bretts“:

„Das «Goldene Brett vorm Kopf 2012» geht an Harald Walach, Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder…..Das gab die Gesellschaft für Kritisches Denken bekannt.

Die Verleihung der Preise für den «erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug» fand…..im Naturhistorischen Museum Wien statt. Der Komplementär-Mediziner Walach wurde dabei für sein «einzigartiges Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen», gewürdigt.“

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-fuer-Erich-von-Daeniken/story/26845575

Forschung muss sich an den besten Standards orientieren – auch die Forschung im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Je mehr sich Forschung an dehnbareren, „weicheren“ Standards orientiert, desto grösser wird der Interpretationsspielraum. Und das dient letztlich weder der Wissenschaft noch der „Komplementärmedizin“.

Siehe auch: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Das Berufungsverfahren für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich hat bisher in der Schweiz kaum Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise geht nun die „Die Süddeutsche“ in einem ausführlicheren Beitrag darauf ein:

Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Uni Zürich ist etwas Besonderes: Er ist im deutschsprachigen Raum der einzige, der nicht durch Interessengruppen finanziert wird. Ausgerechnet hier hat die Kandidatur einer deutschen Homöopathie-Forscherin nun zum Eklat geführt. Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Komplementärmedizin, wurde aus der Berufungskommission gedrängt.“

Mir war nicht bewusst, dass der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich im deutschsprachigen Raum der einzige ist, der nicht von Interessengruppen finanziert wird.

Bei der deutschen Homöopathie-Forscherin, die sich für den Lehrstuhl in Zürich bewirbt, und auf welche die „Süddeutsche“ hinweist, handelt es sich um Prof. Claudia Witt von der Charité Berlin. Ihr Lehrstuhl wird von der Carstens-Stiftung finanziert, einer Organisation zum Zwecke der Homöopathie-Förderung. Meinem Eindruck nach bemüht sich Claudia Witt um Ergebnisoffenheit und um differenzierte Stellungnahmen, aber sie laviert manchmal auch. Es sind an der Charité allerdings zudem einige Studien durchgeführt worden, die viel Interpretationsspielraum offen lassen und von der „Homöopathie-Szene“ sofort als Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode gefeiert wurden, eine Schlussfolgerung, welche die Studien nicht ansatzweise hergeben.

Im Artikel der „Süddeutschen“ wird die Forschungsarbeit von Claudia Witt kritisch kommentiert von Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin in Exeter,  und von Jürgen Windeler vom unabhängigen Institut für Qualitätskontrolle und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Alternative Heilverfahren an Hochschulen: Wissenschaft in homöopathischen Dosen

An der Universität Rostock gibt es noch den Lehrstuhl für Naturheilkunde, der mit Prof. Karin Kraft besetzt ist. Sie befasst sich intensiv mit Phytotherapie und publiziert dazu auch in Fachzeitschriften. Ihr Forschungsarbeit kann ich nicht beurteilen, ihre Fachartikel sind aber sorgfältig und fundiert geschrieben.

Auch der Lehrstuhl an der Universität Rostock ist eine Stiftungsprofessur, wobei mir aber scheint, dass die Stifter und Sponsoren etwas breiter angesiedelt sind als bei der Stiftungsprofessur an der Charité und an der Vaidrina.

Arzneipflanzenkunde ist an Universitäten gut etabliert

Aus phytotherapeutischer Perspektive könnte noch ergänzt werden, dass es im Pharmazie-Studium eine ganze Reihe von Lehrstühlen im Bereich der Pharmazeutischen Biologie gibt, die sich gut etabliert mit Lehre und Forschung zum Thema Arzneipflanzenkunde befassen.

Um beispielhaft und unvollständig ein paar Namen ehemaliger oder aktiver Persönlichkeiten zu nennen:

Rudolf Hänsel (Universität Berlin), Hildebert Wagner (Universität München), Rudolf Bauer (Universität Düsseldorf), Theo Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Georg Schneider (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Ilse Zündorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Otto Sticher (ETH Zürich), Jürgen Reichling (Universität Heidelberg), Michael Wink (Universität Heidelberg), Max Wichtl (Universität Marburg), Elisabeth Stahl-Biskup (Universität Hamburg), Rudolf Bauer (Universität Graz) sowie last, aber ganz sicher nicht least: Heinz Schilcher (Freie Universität Berlin).

Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Daher ist für die Phytotherapie die Arzneipflanzenkunde, wie sie in der Pharmazeutischen Biologie erforscht und vermittelt wird, absolut zentral.

Und die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Phytotherapie bestens in die Wissenschaft integriert ist und damit auch nicht zur Komplementärmedizin gerechnet werden kann.

Siehe auch: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde und damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe: Naturheilkunde – was ist das?

Zu hoffen ist, dass bei der Besetzung des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Zürich eine Person gewählt wird, die gute Forschung gewährleisten kann und auch wirklich im Bereich der Naturheilkunde – und damit auch der Phytotherapie – „zuhause“ ist.

Eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Neubesetzung des Lehrstuhle für Naturheilkunde ist gerade erschienen auf skeptiker.ch

Wenn Sie interessiert sind daran, Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde vertiefter zu verstehen, dann bekommen Sie Informationen dazu im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“, am 18. November 2012 in Winterthur. Der Kurstag vermittelt auch Orientierungspunkte und Kriterien, mit denen man im weitläufigen Dschungel der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen unterscheiden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch