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Wildkräuter: Giersch (Baumtropfen) in der Küche

Giersch – Mundart „Baumtropfe“ – kann im Garten zur Plage werden. Er bildet unterirdische Ausläufer und kann sich dadurch unkontrolliert ausbreiten. Auch Hacken bringt nichts, da selbst die Bruchstücke der Wurzeln neu austreiben.

Statt das „Unkraut“ zu bekämpfen – empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung – können Sie aus der Not eine Tugend machen und die Pflanze für die Küche nutzen.

Mit seinem fein-würzigen Aroma von Möhre und Petersilie sei der Giersch eines der schmackhaftesten Wildgemüse hierzulande, schreibt das BzfE:

„Außerdem enthalten die Blättchen außergewöhnlich viel Eiweiß und Vitamin C, Provitamin A und Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. In der Naturheilkunde wird Giersch vor allem gegen Gicht und Rheuma eingesetzt. Ein Tee aus Gierschblättern entsäuert, wirkt harntreibend und bringt die Verdauung wieder in Schwung.“

Der Giersch (Aegopodium podagraria) fällt im Frühjahr und Sommer durch seine weißen Doldenblüten auf, doch gibt es viele weissblühenden Doldenblütler, die leicht zu verwechseln sind:

„Merken Sie sich zur Bestimmung die Zahl Drei,  denn das Wildkraut hat einen dreieckigen Blattstiel und dreiteilig verzweigte Blätter.“

Wer den Giersch nicht im eigenen Garten hat, wird am lichten Waldrand, an Flussufern und in Hängen fündig. Giersch darf allerdings nicht mit giftigen Doldenblütlern wie der Hundspetersilie und dem Gefleckten Schierling verwechselt werden, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

An dem dreieckigen Blattstiel und dem möhrenartigen Duft isr er jedoch gut von seinen giftigen Verwandten zu unterscheiden.

Das BzfE empfiehlt vor allem die besonders zarten, jungen, hellgrünen Blätter.

„Sie schmecken roh in einem frischen Blattsalat, auch in Kombination mit anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Brennnessel. Fein gehackt werden sie für Bratlinge, Pesto und grüne Soßen verwendet. Sehr lecker ist eine Wildkräuterbutter mit geschnittenem Giersch, Zitronensaft, einem Hauch Knoblauch und etwas Salz. Ältere Blätter haben ein herb-würziges Aroma. Da sie etwas zäher sind, werden sie gerne als Gemüse gedünstet. Die süßen Blüten sind eine essbare Dekoration für Desserts und auch paniert und frittiert ein Genuss.“

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-17-vom-25-april-2018-32163.html#2

 

Kommentar & Ergänzung:

Giersch wird nicht nur Baumtropfen genannt, sondern auch Geissfuss und St. Gerhardkraut. Der heilige St. Gerhard war der Patron der Gichtkranken und gegen Gicht wurde die Pflanze früher auch empfohlen. Über die tatsächliche Wirkung ist aber nichts Sicheres bekannt. Der hohe Gehalt an Kaliumsalzen, durch den sich der Giersch auszeichnet,  könnte zu einer  ermehrten Wasserausscheidung führen. Der Hinweis im Text des BZfE, dass ein Tee aus Gierschblättern „entsäuert“, ist aber fragwürdig, weil die dahintersteckende Vorstellung von „Übersäuerung“ grundsätzlich schon nicht fundiert ist.

Der Vorschlag, Giersch aus dem Garten zu essen, statt sich über ihn zu ärgern, ist ja nicht schlecht. Allerdings wuchert die Pflanze oft so stark im Garten, dass man mit der kulinarischen Verwertung kaum nachkommen wird. Loswerden kann man den Giersch durch intensives Ausdunkeln, das heisst durch mehrjähriges Abdecken des Bodens.

Koschtschejew empfiehlt im Buch „Wildwachsende Pflanzen in unserer Ernährung“ zur Anwendung von Giersch:

„Wenn man die Blätter durch den Fleischwolf dreht, erhält man ein Püree, das man einsalzen und im Winter für Suppen und als Zutat verwenden kann.“

Vielleicht wäre Einfrieren statt Einsalzen auch eine Möglichkeit?

Das Buch von Koschtschejew wurde in der ehemaligen DDR aus dem Russischen übersetzt und erschien 1990 in der 2. Auflage.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist in der Phytotherapie als Bitterstoffpflanze bekannt und wird vor allem zur Förderung der Verdauung angewendet, zum Beispiel in Leber-Galle-Tees. Reinhard Länger hat die traditionelle Heilpflanze in „Phytotherapie Austria“ (Nr. 3 / 2014) vorgestellt, der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie.

Löwenzahn zeichnet sich durch grossen Formenreichtum aus.

Reinhard Länger erklärt, weshalb das so ist:

„Der Löwenzahn wird in die Familie der Korbblütler gestellt. Dies deshalb, weil der attraktive gelb leuchtende Blütenstand aus sehr vielen Einzelblüten besteht, in diesem Fall werden ausschließlich sogenannte Zungenblüten ausgebildet. So wichtig die Blüten als Nahrung für Insekten sind, so wenig bedeutsam ist der Insektenbesuch für die Vermehrung des Löwenzahns: die Früchte entstehen ohne Bestäubung (Apomixis). Dies erklärt auch die enorme Formenvielfalt unter den ‚Löwenzähnen‘.“

 

Dieses interessante Phänomen der Apomixis bewirkt, dass jede Mutation sich 1:1 weitervererbt, da keine Chromosomen mit anderen „Löwenzähnern“ ausgetauscht werden. Das gleiche Phänomen ist im Übrigen auch beim Frauenmantel (Alchemilla spec.) zu beobachten.

 

Der Autor verweist auf eine Verwechslungsmöglichkeit mit der arzneilich nicht verwendeten Gattung Leontodon, die ebenfalls gelbblühende Asteraceen (Korbblütler) sind, und erläutert das wichtigste Unterscheidungsmerkmal:

„Wenn Sie selbst sammeln wollen, sollten Sie nur auf die mögliche Verwechslung mit der Gattung Leontodon (wörtlich übersetzt ebenfalls Löwenzahn, um den Unterschied deutlich zu machen auch Leuenzahn) achten. Taraxacum blüht zeitig im Frühjahr, meist im April, Leontodon blüht später, ab Mai bis in den Sommer. Ein untrügliches Erkennungsmerkmal für die ‚gewöhnlichen‘ Taraxacum-Sippen ist, dass die grünen Hüllblätter, die den Blütenstand umgeben, nach unten umgebogen sind.“

 

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0314.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt rund 50 Leontodonarten.

Die Gattung Leontodon kommt bei uns vor allem in den Bergregionen vor.

Beispielsweise:

Alpen-Löwenzahn (= Leontodon montanus, Berg-Löwenzahn)

Herbst-Löwenzahn (= Leontodon autumnalis, Herbst-Milchkraut)

Gemeiner Löwenzahn (= Leontodon hispidus, Steifhaariges Milchkraut)

Pyrenäen-Löwenzahn (= Leontodon helveticus, Schweizer Milchkraut).

 

Wenn Sie Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie doch immer mal wieder in mein Kursprogramm. Dort werden jetzt laufend schon neue Daten für die Kräuterwanderungen 2015 publiziert.

 

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Heilpflanzen im Garten: Brennnessel

Die Zeitung „Die Welt“ veröffentlichte letzten Monat einen Artikel über Heilpflanzen im Garten.

Schauen wir uns den Abschnitt über die Brennnessel mal genauer an:

„Brennnessel (Urtica dioica): Die Wurzeln der Brennnessel helfen bei gutartiger Prostatavergrößerung, die Blätter unterdrücken entzündungsfördernde und knorpelabbauende Zytokine und helfen dadurch bei Arthritis. Außerdem enthalten sie sehr viel Vitamin C. Die Brennnessel wächst überall, wo es feucht und stickstoffreich ist. Meistens ist sie im Garten ohnehin schon da, man muss sie also nicht extra anpflanzen. Geerntet werden die Wurzeln im Spätsommer und die Brennnesselblätter vom Frühjahr bis zum Herbst.“

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article117707044/Diese-Hausmittel-wachsen-in-jedem-Garten.html

Kommentar & Ergänzung:

Erfreulich fundiert sind hier die Angaben zu den Anwendungsbereichen der Brennnessel.

Zur Wirksamkeit der Brennnesselwurzel bei gutartiger Prostatavergrösserung gibt es tatsächlich einige interessante Studien, wobei allerdings Brennnesselwurzel-Extrakte untersucht wurden. Die klinischen Studien zeigen zudem, dass es wohl bei allen nützlichen Prostatapflanzen mehrere Monate dauert, bis eine Linderung der Symptome zu erwarten ist. Das wird beim Brennnesselwurzeltee meistens zum Problem: ältere Männer, die verlässlich über 6 Monate täglich drei Tassen Brennnesselwurzeltee trinken, sind wohl eher selten. Brennnesselwurzel-Extrakt in Kapselform ist da einfacher anzuwenden.

Auch die Wirkung des Brennnesselblattes zur Linderung von Entzündungen der Gelenke ist wissenschaftlich untersucht worden.  Allerdings ist ein Teil der entzündungshemmenden Wirkstoffe schlecht in Wasser löslich und daher im Brennesselblättertee wohl nicht in ausreichendem Mass vorhanden. Untersucht wurde Brennnesselmus und Brennesselblatt-Extrakt in Kapselform.

Erfreulich an der Beschreibung der Brennnessel in der „Welt“ ist zudem, dass die häufig vorkommende, aber irreführende und fragwürdige Bezeichnung der Brennnessel als „Blutreinigungstee“ hier fehlt. Jedenfalls ist es immer ein schlechtes Zeichen, wenn in einer Beschreibung der Brennnessel das Stichwort „blutreinigend“ auftaucht.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Aergernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstees

Die Brennnessel ist auch eine wichtige Raupenfutterpflanze für mehrere Schmetterlingsarten (z. B. Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Landkärtchen, C-Falter).

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Pflanzenkunde: Was blüht gerade? – Der Winterling

Der Winterling  (Eranthis hyemalis; Syn.: Eranthis hiemalis L.) ist ein Frühblüher, dessen gelbe Blüten normalerweise oft schon Ende Februar zu sehen ist, der sich aber wegen des langen Winters heuer ziemlich verspätet hat.

Foto auf Wikipedia

Der Winterling gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und ist giftig wie viele andere Vertreter dieser Pflanzenfamilie. Also nicht als Frühlingssalat nutzen!

Vor allem die Knollen enthalten herzwirksame Glykoside sowie Eranthin A und Eranthin B. Nach oraler Aufnahme kann es zu Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Erbrechen, Übelkeit, Koliken, Sehstörungen sowie unregelmäßigem und verlangsamtem Puls kommen. Durch Herzstillstand kann sogar der Tod eintreten.

Den Bienen liefert der Winterling im Frühjahr als eine der ersten Pflanzen im Jahr Nektar und Pollen. Die Nektarproduktion ist allerdings recht bescheiden, grössere Bedeutung kommt dem Winterling als Pollenblume zu.

Steigt die Temperatur an sonnigen Wintertagen auf 10 bis 12 °C, so kann man dort die ersten Bienenanflüge feststellen. Als Zierpflanze im Garten daher sehr zu empfehlen. Winterlinge sind ziemlich anspruchslos, sie gedeihen in jeder Licht- und Schattenlage und vermehren sich durch Aussaat von selbst.

Eranthis hyemalis wird auch als Globuli in der Homöopathie eingesetzt. Belege für die Wirksamkeit gibt es aber keine.

Wenn Sie gerne vertrauter werden möchten mit der Pflanzenwelt, dann schauen Sie sich doch einmal die Daten und Orte meiner Heilpflanzenexkursionen und Kräuterwanderungen im Kurskalender.

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Heilpflanzen bei Psoriasis

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, ob es pflanzliche Alternativen zur Therapie der Psoriasis gebe.

Die Schuppenflechte oder Psoriasis (Psoriasis vulgaris) sei eine schubweise verlaufende, entzündliche und chronische Hauterkrankung mit Hyperproliferation der Epidermis, schreibt dazu Professor Jürgen Reichling.

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand können zur Behandlung bei Psoriasis Phytopharmaka (Phyto-Dermatika) nur bei leichten Formen adjuvant eingesetzt werden.“

Bei schweren Verlaufsformen gebe es bisher weder überzeugende Studien noch entsprechende Erfahrungswerte.

Sinnvoll erscheine eine Kombinationstherapie bestehend aus äußerlich anwendbaren Phyto-Dermatika zusammen mit systemisch wirksamen Arzneimitteln wie zum Beispiel Retinoiden, Ciclosporin, Methotrexat.

Und welche Pflanzenpräparate empfiehlt Reichling konkret?

„Bei den Phyto-Dermatika haben sich zur äußerlichen Anwendung Zubereitungen aus Birkenrinde (etwa Trockenextrakt mit 80 Prozent Betulin), Mahonienrinde sowie Pflanzenteere (zum Beispiel Birkenholzteer) bewährt.“

Eine Kombination aus Pflanzenteer und Johanniskrautöl eingearbeitet in Zinkpaste werde ebenfalls als sehr hilfreich beschrieben.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Am häufigsten im Bereich Psoriasis wird als Begleittherapie die Mahonia-Salbe angewendet (Rubisan-Salbe / Rubiderm-Salbe).

Die Gewöhnliche Mahonie (Zierberberitze, Mahonia aquifolium) gehört in die Familie der Berberitzengewäche (Berberidaceae).

Die Pflanze ist bei uns wenig bekannt, obwohl sie zum Beispiel in Parkanlagen häufig anzutreffen ist. Darum hier ein paar Informationen zur Mahonia (Foto auf Wikipedia)

Wo kommt die Mahonia ursprünglich her?

„ Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gewöhnlichen Mahonie liegt im westlichen Nordamerika von Britisch-Kolumbien in Kanada bis zum US-Bundesstaat Oregon. Dort ist die Gewöhnliche Mahonie die offizielle Staatsblume („Oregon grape“). Heute findet man sie auch kultiviert und verwildert in Mitteleuropa; besonders in Frankreich ist sie als Neophyt weit verbreitet. Die Gewöhnliche Mahonie wächst sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Lagen, hauptsächlich in städtischen Garten- und Parklandschaften.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Nutzung der Mahonia:

„ Die Pflanze ist nicht ohne Weiteres zu verwerten, da die meisten Pflanzenteile giftig sind. Die Wurzeln enthalten bis zu 1,5 % Berberin sowie diverse weitere Alkaloide. Der Alkaloid-Gehalt der Beeren liegt bei etwa 0,05 %; sie sind essbar und werden z. B. für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtweinen verwendet.

In der Literatur finden sich Hinweise auf die medizinische Verwendung von Pflanzenextrakten, insbesondere des darin enthaltenen Berberins zur Bekämpfung von Haarschuppen und Schuppenflechte, möglicherweise auch Akne. Der Extrakt aus Rinde und Wurzel wird in der traditionellen Literatur und in der Homöopathie bei Hautausschlag empfohlen. Studien belegen einen positiven Effekt. Die Pflanze blüht schon zeitig im Frühjahr (ab März) und stellt damit eine frühe Nektar- und Pollentracht für Bienen und Hummeln dar.“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die Anwendung von Mahonia-Extrakten in der Homöopathie bei Hautausschlag, bei welcher positive Studienresultate vorliegen sollen, ist etwas irreführend, weil es sich dabei um Salben auf der Basis von homöopathischen Urtinkturen handelt. Weil die Urtinktur noch nicht verschüttelt und verdünnt wurde, handelt es sich eigentlich um eine phytotherapeutische Anwendung.

Einen Überblick über Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen finden Sie hier:

Phytotherapie im Überblick: Dermatologie

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Naturkunde: Hefepilze überwintern im Wespenmagen

Hefepilzen (Saccharomyces cerevisiae) sind für die genetische Grundlagenforschung wichtig und unentbehrlich bei der Produktion vieler bedeutender Lebensmittel.

Sie werden daher in Brauereien, Bäckereien und Labors gehalten. Bei Bedarf holt man sich Nachschub aus der Natur. Aber wie lebt Saccharomyces cerevisiae dort und vor allem: Wie kommen die Hefepilze über die Kälte und den Nahrungsmangel des Winters?

Die überraschende Antwort: In den Mägen von überwinternden Wespenköniginnen.

Ducia Cavalieri (Florenz) hat den Mageninhalt von überwinternden Königinnen – bei Wespen, Bienen und Hornissen – untersucht und (nur) bei Wespen Saccharomyces cerevisiae gefunden. Die Wespenkönigin nimmt Hefepilze mit auf, wenn sie im Herbst etwa an Trauben nascht, und sie gibt sie an ihre Jungen weiter, wenn sie sie im Frühjahr darauf mit dem herausgewürgten Mageninhalt aufpäppelt (Pnas, 6.8. 2012). Die Hefepilze leben dann noch, das konnte Cavalieri mit eingebauten Leuchtgenen zeigen.

Die Kenntnis um diese wichtige Funktion der Wespen in der Natur nützt uns zwar nicht direkt, wenn die Tiere uns im Spätsommer und Herbst lästig werden. Aber eine gewisse Imageaufbesserung kann den Wespen nicht schaden, denn in vielen Situationen ist durchaus eine friedliche Koexistenz  möglich zwischen Wespen und Menschen.

Und wer sofort in Panik ausbricht beim Auftauchen eines gelb-schwarz gefärbten Fluginsekts, kann nicht mehr gut unterscheiden, ob die Situation jetzt gerade heikel oder harmlos ist und lässt sich vielleicht sogar von den ebenfalls gelb-schwarz gefärbten, aber stachellosen Schwebfliegen unnötigerweise in Schreck versetzen.

Quelle:

http://diepresse.com/home/science/1277407/Den-Wespen-fuer-Brot-und-Wein-danken?_vl_backlink=/home/science/index.do

Siehe auch:

Naturkunde: Gallische Feldwespe – je farbiger desto giftiger

P.S. zum Thema Hefen in der Medizin:

Eng verwandt mit der Backhefe Saccharomyces cerevisiae ist der  Hefepilz, Saccharomyces boulardii (Synonym: Saccharomyces cerevisiae var. boulardii).

Er  wird als probiotischer Arzneistoff zur Behandlung von Durchfall sowie vorbeugend während und nach Antibiotikagabe eingesetzt.

Saccharomyces boulardii ist in der Schweiz in Form von Kapseln und als Pulver in Beuteln im Handel (Perenterol®, Perenterol® travel) und seit 1990 als Arzneimittel zugelassen. Perenterol® travel ist seit 2010 registriert und zur Therapie des Reisedurchfalls freigegeben. In Europa wird der Pilz seit den 1950er Jahren als Probiotikum angewendet.

Im Gegensatz zur Backhefe enthält Perenterol lebende Hefezellen.

Übrigens noch zum Thema Natur: Wer Beobachten gelernt hat  und etwas versteht von den Zusammenhängen in der Natur, kann jederzeit eine spannende Safari vor der Haustüre erleben und zum Beispiel harmlose Schwebfliegen (Syrphidae) von stachelbewehrten Wespen unterscheiden.

Solche Naturentdeckungen sind ein gutes Kontrastprogramm zur Arbeit am Computer, aber auch sonst zum Stress im Alltag.

Einen Einstieg in diese weitgehend unbekannte Wunderwelt in unserer unmittelbaren Umgebung können Sie auf meinen Naturexkursionen erleben. Eine Übersicht der Daten finden Sie hier.

Das nächste Naturseminar ist die Spätsommer-Exkursion in Trin / Flims / Bargis am 14. – 16. September 2012. Heilkräuter, Herbstblumen, Spinnen und ihre Netze, Heuschrecken und ihre Gesänge, sowie eine faszinierende Berglandschaft werden dieses Wochenende zu einem Naturerlebnis machen.

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Hungersnot bei Hummeln im Sommer

Viele Hummeln fallen im Sommer vom Nahrungsangebot her in ein „Sommerloch“.

Im Frühling geht es den Hummeln in dieser Hinsicht oft gut und sie haben genug Nahrung. Denn im Frühjahr blühen die Weiden und kurz darauf Schlehen und zahlreiche andere Rosengewächse (z. B. Apfelbäume, Kirschbäume). Auch in den Städten blüht es im Frühling in den Gärten und Parks.

Zudem leben im Frühjahr nur wenige Hummeln, die Staaten sind so früh im Jahr noch klein. Ihr Nahrungsbedarf lässt sich dadurch in der Regel decken.

Im Sommer kann dagegen für die Hummeln rasch eine lebensbedrohliche Situation entstehen. Bienen- wie Hummelvölker sind nun groß  und bei den Hummeln steht zudem die sensible Phase der Vermehrung an, in der Jungköniginnen und Hummel-Männchen produziert werden.

Gegenüber dem Frühjahr steigt also der Nahrungsbedarf drastisch an.

Gleichzeitig ist aber das Kulturland über weite Strecken abgeerntet, so dass Blüten zur Mangelware werden.

Gärten und Parkanlagen können nun wichtige Nothilfe für Hummeln anbieten, wenn sie passende Sommerblumen beherbergen.

Hier ein paar Tipps für einen hummelfreundlichen Garten:

1. Auch Sommerblumen berücksichtigen

Achten Sie beim Pflanzenkauf auf die Blühzeit und setzen Sie auch Pflanzen, die im Juni, Juli, August und September blühen.

2. Keine gefüllten Blüten

Gefüllte Blüten sehen zwar schön aus, sind aber insektenfeindlich. Biologisch gesehen bestehen Blüten aus umgestalteten Blättern. Deshalb spricht man bespielsweise von Staubblättern. Durch Züchtung gelingt es, die Staubblätter in Blütenblätter umzuwandeln. Die Blüte wirkt dadurch größer und üppiger, sie ist “gefüllt”. Leider bietet sie nun jedoch keinen Blütenstaub mehr,weil die Staubblätter ja umgewandelt wurden.

3. Hummelblumen pflanzen.

Es gibt Blütenpflanzen, die sich speziell als Nahrungsquelle für Hummeln eignen. Idealerweise pflanzt man nicht nur ein einzelnes Exemplar, sondern mindestens drei Exemplare der gleichen Pflanzenart.

Hier ein paar Beispiele für Hummelblumen mit Blühzeit noch im Sommer:

– Alle Lamiaceae (Lippenblütler) sind Hummel-Pflanzen, weil sie wegen ihrer Blütenform perfekt auf Hummeln abgestimmt sind.

Gut geeignet sind zum Beispiel:

Lavendel

Taubnessel

Salbei

Thymian

Dost  ( = Wilder Majoran, Oregano, Origanum vulgare, Pizzagewürz), auch gute Nahrungsquelle für Schmetterlinge.

– Rot-Klee (Trifolium pratense)

– Beinwell (Symphytum officinale)

– Borretsch (Borago officinalis)

– Natternkopf (Echium vulgare)

– Königskerze (Verbascum spec.)

– Grosses Löwenmaul (Löwenmäulchen, Antirrhinum majus), kann wegen dem speziellen Blütenbau nur von Hummel genutzt werden.

Quelle: http://aktion-hummelschutz.de/

Zum Thema „Hummeln“ siehe auch:

Hummeln finden immer die kürzeste Flugroute

Augen auf – Hummelköniginnen unterwegs

P. S. Wenn Sie mehr über die Natur und die Zusammenhänge zwischen Pflanzenwelt und Tierwelt erfahren wollen, finden Sie entsprechende Naturexkursionen im Kurskalender.

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Naturkunde: Mauerpfeffer (Sedum)

Auf Alpenblumen-Exkursionen sind Mauerpfeffer immer wieder faszinierende Entdeckungen. Hier deshalb eine kleine Einführung als „Hommage“ an die kleinen Wunder am Wegrand.

Mauerpfeffer ( = Fetthennen, Sedum) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Mauerpfeffer sind mehr oder weniger sukkulent. Vor allem die fleischigen Laubblätter speichern Wasser.

Hier als Beispiele einige Informationen zu vier interessanten einheimischen Sedum-Arten:

Sedum acre – Scharfer Mauerpfeffer

(Foto auf Wikipedia)

Der Scharfe Mauerpfeffer eignet sich als Zierpflanze z. B. zur Dachbegrünung und ist auch für Wildpflanzengärten zu empfehlen.

Die Blätter der Pflanze schmecken nach einigem Kauen meist scharf, wovon sich auch der Name Mauerpfeffer ableitet. Der scharfe Geschmack geht beim Trocknen allerdings verloren.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist eine alte Heilpflanze, die schon 300 v. Chr. genutzt wurde. Um das Jahr 70 n. Chr. beschreibt der griechische Arzt Dioscurides die Verwendung des reizenden und ätzenden Saftes der Pflanze. Im 16. Jahrhundert wurde der Scharfe Mauerpfeffer in verschiedenen Kräuterbüchern erwähnt, unter anderem bei Lonicerus, Matthiolus und Dodoneaus. In den nachfolgenden Jahren setzten berühmte Mediziner wie Albrecht von Haller und Christoph Wilhelm Hufeland die Pflanze als Heilmittel ein.

Das war möglicherweise nicht gerade ohne Risiko, denn durch Versuche des französischen Toxikologen Mathieu Orfila wurde die Giftigkeit von Sedum acre nachgewiesen. Durch Tierexperimente wies der Pharmakologe Jüngst 1888 nach, dass die Pflanze ein ausgesprochenes Gift für das Zentralnervensystem ist. Er isolierte ein Alkaloidgemisch, welches er Sedin nannte. 1945 isolierte der Kanadier Marion, geringe Mengen Nikotin und Sedamin, das erste Sedumalkaloid, aus dem Scharfen Mauerpfeffer. Danach wurden noch zahlreiche weitere Alkaloide in der Pflanze entdeckt. Als weitere Wirkstoffgruppen im Scharfen Mauerpfeffers wurden im 20. Jahrhundert Flavonoide bzw. deren Glycoside nachgewiesen.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist eindrücklich austrocknungsresistent. Die Pflanze wächst nach dem Pressen im Herbarium weiter, wenn sie nicht vorher zum Beispiel abgebrüht wird.

Sedum album – Weisser Mauerpfeffer (Weisse Fetthenne)

Foto auf Wikipedia.

Der Weisse Mauerpfeffer dient verschiedenen Schmetterlingen als Raupenfutterpflanze. Dazu gehören vor allem folgende Arten: Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) und Apollofalter (Parnassius apollo).

Der Weisse Mauerpfeffer ist gärtnerisch bedeutsam als Bodendecker für extreme Standorte. Er wurde früher auch als Salat- und Arzneipflanze angebaut.

Sedum atratum – Dunkler Mauerpfeffer

Foto auf Wikipedia

Der Dunkle Mauerpfeffer gehört zu den wenigen einjährigen Hochgebirgspflanzen (einjährig überwinternd). Seine Samen keimen schon im Herbst und überwintern als Keimlinge unter der Schneedecke.

Der Anteil der einjährigen Pflanzen nimmt im Gebirge mit zunehmender Höhe ab. Durch die kurze Vegetationszeit in den Bergen werden mehrjährige Pflanzen begünstigt, die im Frühjahr mit Reserven aus dem Vorjahr starten können. Einjährige Pflanzen starten dagegen als Samen mit sehr wenig „Proviant“ und müssen den ganzen Lebenszyklus in kurzer Zeit vollenden. Der Dunkle Mauerpfeffer ist im Gebirge daher ein Überlebenskünstler.

Sedum rupestre ( = Sedum reflexum) – Felsen-Mauerpfeffer ( = Felsen-Fetthenne, Tripmadam)

Foto auf Wikipedia.

Der Name Tripmadam ( = Dickmadam) spielt wie „Fetthenne“ auf die dickfleischigen Blätter an.

Tripmadam spielt eine Rolle als säuerlich schmeckendes Küchenkraut (Blätter und Spitzen nichtblühender Triebe) für Suppen oder Salate. Sie wird dann auch als „Grüne Tripmadam“ bezeichnet.

Als Zierpflanze genutzt (Beeteinfassungen).

Anpassung an Trockenheit: CAM-Stoffwechsel

Die meisten Mauerpfefferarten sind CAM-Pflanzen.

Der Crassulaceen-Säurestoffwechsel (kurz CAM von Crassulacean Acid Metabolism) ist ein spezieller Stoffwechsel verschiedener Pflanzen.

Die meisten Pflanzen führen die Aufnahme und die Fixierung von Kohlenstoffdioxid am Tag durch. Bei CAM-Pflanzen sind diese Vorgänge zeitlich voneinander getrennt. Das für die Photosynthese benötigte Kohlenstoffdioxid wird dabei in der Nacht aufgenommen und chemisch in Form von Äpfelsäure in den Vakuolen der Zelle gespeichert. Am folgenden Tag wird das Kohlenstoffdioxid aus der Äpfelsäure wieder freigesetzt und dem Aufbau von Kohlenhydraten im Calvin-Zyklus zugeführt.

Der Vorteil des CAM-Mechanismus besteht darin, dass die Pflanze während der (heißen) Tagesstunden ihre Spaltöffnungen geschlossen lassen kann, wodurch sie deutlich weniger Wasser durch Transpiration verliert und trotzdem Kohlenstoffdioxid immer in genügender Menge im Calvin-Zyklus zur Verfügung hat.

Die Mauerpfefferarten sind spannende und zugleich schöne Pflanzen.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

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Naturkunde: Was ist eine Butterblume?

Als Butterblumen werden gelbblühende krautige Pflanze bezeichnet, vor allem wenn die Blüten fettig-glänzig-gelb sind wie bei manchen Hahnenfussarten.

Was genau als Butterblume gilt, ist aber durchaus regional verschieden.

Im Allgemeinen wird diese Bezeichnung folgende Pflanzenarten zugeordnet:

Im nördlichen Teil Deutschlands ist mit dieser Bezeichnung zumeist blühender Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum officinale) gemeint.

Im mittleren und südlichen Teil Deutschlands und auch in der Schweiz wird in der Regel Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris) so bezeichnet.

Auch die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) und das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), die ebenfalls zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) zählen, werden manchmal als Butterblume bezeichnet.

Die Trollblume (Trollius europaeus) gehört ebenfalls zu den Hahnenfussgewächsen. In der Schweiz heisst sie mancherorts Ankebälleli („Butterbällchen“) oder Butterrolle.

Gelbe Blüten wie diejenigen der Sumpfdotterblume (schweiz. Mundart „Bachbummele“) wurden früher zum Gelbfärben von Butter verwendet.

Von den erwähnten Hahnenfussarten wird Scharbockskraut im Frühjahr als Wildsalat verwendet. Grundsätzlich enthalten Ranunculus-Arten und zum Teil auch andere Hahnenfussgewächse den reizenden Giftstoff Protoanemonin. Scharbockskraut und Sumpfdotterblume scheinen aber wenig davon zu enthalten, Scharfer Hahnenfuss dagegen viel.

Beim Scharbockskraut sind zudem nur etwa 3% des in der Pflanze enthaltenen Protoanemonin in den  (vor der Blüte) als Wildsalat verwendeten Blättern. Den grössten Anteil enthalten Stängel und Blüten.

Ich selber bin mit den Hahnenfussarten sehr vorsichtig und empfehle sie nicht als Wildsalat oder Wildgemüse.

Butterblumen sind für mich einfach schön für’s Auge. Man muss ja nicht unbedingt alles nur irgendwie mögliche essen, was da in Wald und Flur wächst.

Jedenfalls gibt es gutmütigere Wildsalate als ausgerechnet Hahnenfussgewächse, eine Pflanzenfamilie, die übrigens auch sehr gefährliche Giftpflanzen umfasst (z. B. Eisenhut, Aconitum).

Löwenzahn dagegen gehört zu den Korbblütlern (Asteraceen). Seine jungen Blätter können gut als Wildsalat verwendet werden.

In der Phytotherapie wird die Pflanze zum Beispiel eingesetzt bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und mangelndem Gallenfluss.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Wozu sind Glockenblumen gut?

Das fragte mich vor kurzem eine Zuhörerin an einem Vortrag. Gemeint hat sie damit: Kann man Glockenblumen als Heilpflanzen brauchen oder kann man sie essen?

In der heutigen Phytotherapie spielen Glockenblumen (Campanula) keine Rolle und auch in den alten Kräuterbüchern tauchen sie selten auf.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird eine Pflanze aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) verwendet:

Die Ballonblume (Platycodon grandiflorus, Syn.: Campanula glauca, Campanula grandiflora, Platycodon glaucus, Platycodon grandiflorum), auch Großblütige Ballonblume oder Chinesische Glockenblume genannt.

Foto bei Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kikyo_06c1347s.jpg&filetimestamp=20060704111637

Die Ballonblume wird verwendet bei Husten, Schmerzen, Entzündungen, Fieber, Nervenleiden, Krebs und zur Immunstimulation. Verwendet wird die Wurzel. Die Wurzeln werden zudem gegart in Suppen als kräftigendes Gemüse gegessen. Hauptsächlich in der Koreanischen Küche kommen die Wurzeln als „bellflower roots“ vor.

Die Wurzeln gelten aber auch als giftig.

Es gibt Laborexperimente und Tierversuche mit der Ballonblume:

„Im Tierversuch verstärken Extrakte aus der Pflanze die Aktivität von B-Zellen und die Zytokin-Produktion. Saponine aus der Wurzel (Platycodin A-E) zeigen im Labor entzündungshemmende Wirkung.“

(Quelle: Wikipedia)

Fundierte Studien mit Patienten, die relevanter für die Beurteilung einer allfälligen Wirksamkeit wären, liegen offenbar nicht vor.

Die Heimat der Ballonblume liegt in Nordostasien in China, in Ostsibirien, Mongolei, Korea und Japan. Sie wird auch als Zierpflanze angebaut.

Alle Campanula-Arten in Mitteleuropa sind essbar. Die Blüten werden unmittelbar nach dem Aufblühen als essbare Dekoration verwendet, die jungen Sprosse im Frühling zu Spargelgemüse, die Blätter im Frühjahr als Zugabe in Salaten.

Und natürlich gibt es eine Vielfalt an gärtnerischen Kulturformen der Glockenblumen.

Unsere einheimischen Glockenblumenarten sind auch für den Wildpflanzengarten zu empfehlen.

Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) beispielsweise ist Pollenspender für Wildbienen (Sandbienen, Scherenbienen, Glanzbienen, Sägehornbienen, Mauerbienen, Keulhornbienen, Maskenbienen, Furchenbienen, Blattschneiderbienen), Tagfalter und Hummeln.

So gibt es zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), deren Weibchen beim Pollensammeln streng auf Campanula-Arten spezialisiert sind. Die Männchen übernachten oft in Glockenblumenblüten – schön trocken und windgeschützt – und sind damit praktischerweise schon an einem Ort mit hoher Weibchenfrequenz.

Wenn Sie Glockenblumen sowie viele andere Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilpflanzenexkursionen und Naturseminare.

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