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Zermatt will Schutzgebiet Monte Rosa aufheben zugunsten von Heliskiing

Die imposante Bergregion Monte Rosa soll den Schutzstatus verlieren. Die Gemeinde Zermatt will so das dort drohende Heliskiing-Verbot abwehren.

Das Monte-Rosa-Gebiet bei Zermatt steht seit dreissig Jahren unter Schutz. Der Bundesrat nahm diese imposante, stark vergletscherte Region 1983 ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) auf. Geht es nach dem Willen des  Gemeinderates von Zermatt, soll dieser Schutzstatus aufgehoben werden.

Davon wäre nicht nur das Monte-Rosa-Gebiet betroffen, sondern auch die angrenzende Gletscherwelt zwischen Matterhorn, Dent Blanche und Pigne d’Arolla – eine Fläche von insgesamt 270 Quadratkilometern, anderthalb Mal so gross wie der Schweizer Nationalpark im Engadin.

Mit seiner Forderung reagiert der Zermatter Gemeinderat auf ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). Sie empfiehl dem Bund, Heliskiing und andere touristische Flüge auf den Gebirgslandeplatz Monte Rosa in Zukunft zu verbieten. Die Nutzung dieses Gebirgslandeplatzes, stellt die ENHK fest, beeinträchtige «schwerwiegend» das Schutzziel, die Ruhe und Stille in dieser «nahezu unbelasteten» Hochgebirgslandschaft zu erhalten oder wiederherzustellen.

Diese Empfehlung kommt nun der Tourismusstrategie in Zermatt in die Quere. Dort wurde nämlich vor kurzem die Strategie «Zermatt 2018» mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Franken für die nächsten zehn Jahre verabschiedet. Ein Pfeiler dieser Strategie soll das Heliskiing bilden.

ENHK-Präsident Herbert Bühl zeigte sich über den Vorstoss der Zermatter besorgt. Er präsidiert die ENHK seit 2005 und kann sich an keinen vergleichbaren Angriff auf den BLN-Schutzstatus erinnern. Ein Land wie die Schweiz mit sehr hohem Siedlungsdruck tue gut daran, die wertvollsten Landschaften zu schützen, sagt Bühl, und meint dies nicht nur mit Blick auf Zermatt.

Der Druck auf die BLN-Gebiete wachse generell. Grund dafür sei nicht zuletzt die vom Parlament und Bundesrat beschlossene Energiewende.

So unterstützen beispielsweise die vorberatenden Kommissionen des Parlaments eine parlamentarische Initiative von Joachim Eder. Der Zuger FDP-Ständerat fordert, die Gutachten der ENHK in Zukunft nur noch als unverbindliche Stellungnahmen zu behandeln, die in die Interessenabwägung einfliessen sollen. Heute bilden die ENHK-Gutachten für die Behörden die massgebliche Entscheidungsgrundlage. Gelten soll die Neuerung besonders für Projekte, welche die erneuerbaren Energien fördern oder die energetische Sanierung von Gebäuden vorantreiben.

In einem nächsten Schritt versucht Zermatt nun den Kanton Wallis von seinem Ansinnen zu überzeugen. Denn nur die Kantone können beim Bund die Aufhebung von BLN-Gebieten beantragen.

Würde der Bundesrat einen allfälligen Antrag der Walliser Behörden unterstützen, wäre dies allerdings ein Novum. Bisher können nämlich Anpassungen von Gesetzes wegen nur erfolgen, falls dem Schutzziel gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen.

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Zermatt-startet-Angriff-auf-das-Schutzgebiet-Monte-Rosa/story/18166130

Kommentar & Ergänzung:

Was soll man von einer Tourismusdestination halten, die Heliskiing zu einem zentralen Pfeiler ihrer Zukunftsstrategie macht?  Zermatt unterstützt und umwirbt eine kleine, meist eher gut betuchte Minderheit, die mit unnötigem Lärm die grosse Mehrheit der Berggänger belästigt.  Die grosse Mehrheit der Berggänger macht keinen Lärm und will keinen Lärm.

Auf die Heliskiing-Unsitte gibt es eine relativ einfach Antwort: Wo die Berge zum Rummelplatz umgebaut werden, gehe ich nicht mehr hin. Auch im Sommer nicht.

Zermatt weiträumig umfahren, das scheint die einzige Sprache zu sein, die die Tourismusverantwortlichen im Wallis verstehen. Das Matterhorn kann ich mir auch auf Fotos anschauen und schöne Berge gibt es auch anderswo.

Für einen nachhaltigen Alpentourismus und gegen das unnötige Heliskiing setzt sich im Übrigen die Organisation Mountain Wilderness ein.

http://mountainwilderness.ch/

Wenn Sie die Berge mit ihrer faszinierenden Pflanzenwelt auf sanfte und ruhige Art kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich doch einmal hier die Daten und Orte meiner Kräuterexkursionen zu Heilpflanzen und Alpenblumen an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Aufklärung des Schweinegrippe-Fehlalarms verlangt

Zum Verlauf der Schweinegrippe wurden falsche Risikoprognosen verbreitet, wodurch die Pharmaindustrie Milliarden verdiente. Transparency International fordert Aufklärung.

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) Deutschland hat die Aufarbeitung des Schweinegrippen-Fehlalarms aus dem Jahr 2009 verlangt. In einem Offenen Brief an den Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, den hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU), bittet Transparency International um Auskunft darüber, welche Kosten Bund, Ländern und Kassen durch den damaligen Fehlalarm entstanden sind.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte 2009 wegen der Schweinegrippe die höchste Pandemiestufe ausgerufen und mit ihrer Warnung eine weltweite Impfaktion ausgelöst. Für die Pharmaindustrie entwickelte sich diese Situation nach Einschätzung von Kritikern zum Milliardengeschäft. Allerdings erwies sich das H1N1-Virus dann im Vergleich zu üblichen saisonalen Grippeerkrankungen als verhältnismässig harmlos.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article13647025/Aufklaerung-des-Schweinegrippe-Fehlalarms-gefordert.html

Kommentar & Ergänzung:

Das bequeme und undifferenzierte Feindbild „Pharmaindustrie“ – wie es zum Teil in der Komplementärmedizin gehätschelt wird – ist mir gänzlich fremd. Das bedeutet aber nicht Kritiklosigkeit. Man soll durchaus auch gegenüber der Pharmaindustrie kritisch sein, dabei aber konkrete Vorgänge unter die Lupe nehmen und die Kritik mit möglichst präzisen Argumenten formulieren.

Ein Punkt, an dem genaueres Hinsehen und Kritik wohl angebracht sein dürfte, ist die Geschichte mit der Schweinegrippe.

Mit der Schweinegrippe wurden tatsächlich horrende Umsätze generiert –  mit Tamiflu und Grippeimpfstoffen.

Dass Transparency International hier Aufklärung der Vorgänge fordert, scheint mir angemessen.

Allerdings müsste auch einmal das Verhalten der Medien sowie generell unser  Umgang mit Gesundheitsrisiken zum Thema werden.

Wäre nämlich keine Warnung erfolgt und wären keine Medikamente und Impfstoffe geordert worden – und es wäre wirklich zu einer ernsthaften Epidemie gekommen, dann wären die Verantwortlichen in Stücke zerrissen worden.

Hier noch der Link zu Transparency International(TI):

TI Deutschland: http://www.transparency.de/

TI Österreich: http://www.ti-austria.at/

TI Schweiz: http://www.transparency.ch/

Korruption ist ein Krebsgeschwür, dessen Bekämpfung deutlich höhere Priorität haben sollte.

Dazu ein Zitat von Ständerat Dick Marty (FDP), Abgeordneter im Europarat:

„Korruption und organisierte Kriminalität sind viel gefährlicher als Terrorismus. Und mein Vorwurf an die Politiker im Westen, bei uns, ist, dass sie die Terrorismusgefahr ausschlachten, um Angst zu schüren, Gesetze zu ändern, Freiheiten einzuschränken, während sie gleichzeitig die viel grösseren Gefahren unterschätzen. Dabei fordern Menschen- Waffen- und Drogenhandel sehr viel mehr Opfer als der Terrorismus.“

Quelle: Tages-Anzeiger, 29. Januar 2011

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zitat des Tages von Dick Marty

„Korruption und organisierte Kriminalität sind viel gefährlicher als Terrorismus. Und mein Vorwurf an die Politiker im Westen, bei uns, ist, dass sie die Terrorismusgefahr ausschlachten, um Angst zu schüren, Gesetze zu ändern, Freiheiten einzuschränken, während sie gleichzeitig die viel grösseren Gefahren unterschätzen. Dabei fordern Menschen- Waffen- und Drogenhandel sehr viel mehr Opfer als der Terrorismus.“ Quelle: Tages-Anzeiger, 29. Januar 2011, Kontext: Interview mit Ständerat Dick Marty (FDP), Abgeordneter im Europarat, zu seinem Bericht über den Organhandel in Kosovo. Webtipp: Transparency International, http://www.transparency.ch/ „Transparency International, kurz TI, ist eine weltweit agierende nichtstaatliche Organisation mit Sitz in Berlin, die sich in der nationalen und internationalen volks- und betriebswirtschaftlichen Korruptionsbekämpfung engagiert.“ (nach Wikipedia)

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

 

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Inserat:

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

Letzte Woche wurde bekannt, dass die Eidgenössische Leistungskommission (ELGK) dem Bundesrat empfiehlt, fünf Methoden der Komplementärmedizin nicht wieder in die obligatorische Grundversicherung aufzunehmen. Gemäss Entscheid der ELGK genügen die zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie,  Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin, Phytotherapie und Neuraltherapie den Anforderungen des Krankenversicherungsgesetzes nicht. Dieses verlangt Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Der Entscheid wurde von Befürwortern der Komplementärmedizin im Parlament heftig kritisiert.

Entscheiden muss nun Bundesrat und Gesundheitsminister Didier Burkhalter.

Für die Phytotherapie wirft dies einige Fragen auf.

1. Was bringt es den Patientinnen und Patienten, wenn Phytotherapie in die Grundversicherung aufgenommen würde?

Mir ist ein Nutzen nicht ersichtlich. Heute läuft es so:

Die Ärzte oder Ärztinnen machen eine normale medizinische Anamnese und Diagnostik, denn Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik.

Dann wird entschieden, anstelle eines synthetischen Arzneimitttels ein pflanzliches zu verschreiben. Ist die Wirksamkeit dieses Phytotherapeutikums belegt, zahlt es die Grundversicherung bereits heute. Daran würde sich auch nach einer Aufnahme in die Grundversicherung nichts ändern.

Dem Entscheid von Bundesrat Didier Burkhalter kann man daher aus Sicht der

Phytotherapie meines Erachtens sehr gelassen entgegen sehen.

Hier stellt sich die Frage, weshalb überhaupt die Integration von Phytotherapie in die Grundversicherung gefordert wird, wenn doch reale Vorteile für Patientinnen und Patienten nicht ersichtlich sind.

Diese Forderung ist meines Erachtens tatsächlich leer, sie hat keinen Inhalt, aber sie kommt offenbar im „Volk“ gut an (weil das „Volk“ nicht weiss, dass es um nichts geht). Wenn Politikerinnen und Politiker Forderungen aufstellen, die inhaltsleer, aber wohl tönend sind, dann liegt die Vermutung sehr nah, dass wir es mit Populismus zu tun haben. Parlamentmitglieder wie Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG) kritisierten den Entscheid der ELGK heftig. In der Sendung „Rendez-vous“ von Radio DRS (8. 12. 2010) sprach Gilli von Skandal und streute Verdächtigungen, ohne sie zu belegen, und Büttiker verstieg sich gar zum Ausdruck „Stahlhelmentscheid“. Fundierte Argumente waren keine zu hören.

Woher kommt dieser Anflug von Fanatismus, Missionarismus und Kriegsrhetorik? Gilli und Büttiker sollten meiner Ansicht nach aufhören mit den schönen populistischen Schlagworten und auf eine inhaltliche Diskussion über die fünf Methoden einsteigen, wenn sie schon der ELGK jede Kompetenz absprechen.

2.  Gehört die Phytotherapie überhaupt zur Komplementärmedizin?

Meiner Ansicht nach nein. Phytotherapie gehört m. E. zur Naturheilkunde. Phytotherapie basiert auf einer medizinischen Diagnostik und sie ist in ihrem Kern kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln. Fachliche Argumente für eine Zuordnung der Phytotherapie in die Komplementärmedizin sehe ich keine.

Siehe auch:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Naturheilkunde – was ist das?

Hier stellt sich die Frage, weshalb Phytotherapie in dieses „Fünfer-Päckli“ mit dem Etikett „Komplementärmedizin“ überhaupt aufgenommen wurde.

Meines Erachtens handelt es sich dabei um einen abstimmungstaktischen Entscheid und um geschicktes Lobbying. Phytotherapie ist von den fünf Methoden aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel betrachtet am plausibelsten,  weltanschaulich neutral und in der Bevölkerung sind Heilpflanzen-Anwendungen gut verankert.

Die Integration der Phytotherapie wirkt sich gut aus auf die Glaubwürdigkeit des „Fünfer-Päckli“.

Die Auseinandersetzung über die Integration der Komplementärmedizin ist zu führen, weil der Wunsch in der Bevölkerung  offensichtlich ist. Aber nicht einfach über Schlagworte wie „Skandal“ oder „Stahlhelmentscheid“. Und auch nicht nur mit pauschalen, gut tönenden, aber fragwürdigen Begriffen wie „Komplementärmedizin“    (siehe dazu: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff ).

Sondern konkret, inhaltlich und differenziert – bezogen auf die einzelnen Methoden. Denn die Komplementärmedizin als Methode gibt es nicht, der Begriff ist ziemlich fiktional. Unter diesem positiv besetzten Label segeln unterschiedlichste Verfahren, Weltbilder, Ideologien etc. Wer pauschal behauptet, dass die Komplementärmedizin wirksam und zweckmässig ist, blendet jedenfalls ziemlich viel aus.

Zudem wäre eine vertiefte Diskussion nötig über die Gründe für das zunehmende Bedürfnis nach Komplementärmedizin. Die liegen nämlich nicht einfach in den Defiziten der Medizin. Wer die Ursachen derart einseitig sieht, hätschelt Feindbilder. Nötig wäre beispielsweise eine Auseinandersetzung mit unseren Ansprüchen im Bereich von Krankheit und Gesundheit und mit den gesellschaftlichen und kulturellen Ursachen für die grosse Nachfrage nach „Komplementärmedizin“. „Komplementärmedizin“ deckt beispielsweise oft unerfüllte Sinnbedürfnisse. Über die Art und Weise, wie mit „Komplementärmedizin“ Sinnbedürfnisse gedeckt werden – und über allfällige daraus entstehende positive oder negative Nebenwirkungen – sollte meines Erachtens nachgedacht und diskutiert werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin: Expertenkommission lehnt Aufnahme in die obligatorische Krankenkassen-Grundversicherung ab

Die Eidgenössische Leistungskommission (ELGK) empfiehlt Bundesrat Didier Burkhalter, keine der fünf zur Diskussion stehenden alternativen Heilmethoden wieder in die Grundversicherung aufzunehmen.
Der Tages-Anzeiger meldet am 8. 12. 2010:

„Man sei zum Schluss gekommen, dass weder die Homöopathie noch die Neuraltherapie, die Phytotherapie, die chinesische oder die anthroposophische Medizin  wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich genug seien, um von der Krankenkasse bezahlt zu werden. Wolle man diese Kassenpflicht einführen, so die ELGK, sei das Gesetz zu ändern.
Definitiv entscheiden muss diese Frage nun Gesundheitsminister Didier Burkhalter.“

Kommentar & Ergänzung:

1. Zur sorgfältigen Beurteilung dieser Empfehlung der ELGK müsste die detaillierte Begründung vorliegen. Es ist zu hoffen, dass diese Begründung rasch publiziert wird.

2. Anerkennenswert ist meines Erachtens, dass die ELGK dem populistischen Druck aus dem Parlament stand gehalten hat. Parlamentsmitglieder wie beispielsweise Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG), aber auch die ehemalige Ständerätin und jetzige Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) stellen meines Erachtens die Lage sehr verzerrt dar. Sie erwecken den Eindruck, dass die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizin über alle Zweifel erhaben sei, und nur missgünstige und böswillige Behörden dies nicht zur Kenntnis nehmen.
Beispiele siehe:

Falschaussage von Simonetta Sommaruga

Fragen an Ständerat Rolf Büttiker

Damit wird meines Erachtens die Öffentlichkeit getäuscht. Den Stimmberechtigten wurde schon bei der Abstimmung vorgegaukelt, mit der Annahme des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin sei die Wiederaufnahme der fünf Komplementärmedizin-Methoden zu erreichen. Unterschlagen wurde dabei, dass die Forderung des Krankenversicherungsgesetzes – Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit – damit nicht einfach aufgehoben werden.
Der populistische Druck auf das Bundesamt für Gesundheit, wie er in den letzten Wochen zum Beispiel von Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG) und Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) aufgebaut wurde, ist meines Erachtens ein Druck, sich über das Krankenversicherungsgesetz hinweg zu setzen. Genauso wie schon seit Jahren Präparate der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin ohne Wirksamkeitsnachweis über die Grundversicherung abgerechnet werden, obwohl dafür eine gesetzliche Grundlage bisher nicht ersichtlich ist.
Siehe dazu: Bundesamt für Gesundheit: Nebulöse Bevorzugung von Homöopathie und Anthroposophischer Medizin

3. Der vom KVG geforderte Wirksamkeitsnachweis ist nur zum kleinen Teil erbracht

Der Nachweis der Wirksamkeit, wie sie das Krankenversicherungsgesetz fordert, ist in der Komplementärmedizin über weite Strecken nicht erbracht, auch wenn Ständerat Rolf Büttiker und Nationalrätin Yvonne Gilli das anders darstellen und dadurch meines Erachtens die Öffentlichkeit fälschlicherweise aufputschen.

In der Anthroposophischen Medizin beispielsweise ist die Misteltherapie bei Krebs mit grossem Abstand am besten untersucht. Stellungnahmen von Medizinerinnen und Medizinern aus der komplementärmedizinischen Onkologie und systemische Auswertungen der vorliegenden Studien zeigen aber, dass die Wirksamkeit dieser Behandlung keineswegs so klar gesichert ist, wie es die Komplementärmedizin-Lobby darstellt.

Siehe dazu: Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Im Bereich der Homöopathie hat das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin eine kompakte Zusammenfassung des gegenwärtigen Stand der Forschung publiziert:

http://www.charite.de/epidemiologie/downloads/Informationen_Homoeopathie.pdf

Es handelt sich hier um eine homöopathiefreundliche Interpretation. Der Lehrstuhl von Prof. Claudia Witt wird von der Karl und Veronica Carstens Stiftung finanziert, deren Zweck die Förderung der Homöopathie-Forschung ist. Homöopathiekritische Interpretationen kommen zu negativeren Ergebnissen.

Von der Carstens-Stiftung unterstützt wird auch Tobias Nuhn, der in seiner Dissertation schreibt:

„Mögliche Konsequenzen für die zukünftige Beurteilung der Ergebnisse placebokontrollierter Studien zur klassischen Homöopathie: In der hier vorgelegten Studie variierte die Größe des Placeboeffekts zwar deutlich zwischen einzelnen Studien (abhängig vom betrachteten Erkrankungstyp, der Studiendauer etc.), jedoch nicht im Sinne eines grundsätzlich größeren Placeboeffektes in Studien der klassischen Homöopathie. Die Untersuchungsergebnisse sprechen daher für die herkömmliche Auffassung und Nullhypothese dieser Arbeit, dass der Placeboeffekt bei vergleichbarem Design in homöopathischen und konventionellen Studien ähnlich groß ausfällt. Der fehlende Wirksamkeitsnachweis der klassischen Homöopathie kann demnach nicht über die Größe der auftretenden Placeboeffekte erklärt werden, sondern vielmehr durch einen nicht ausreichend großen Verumeffekt.“

(Verum  = das zu testende Medikament im Gegensatz zum Scheinmedikament / Placebo; M.K.)

Quelle: http://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-16135/Tobias%20Nuhn%2C%20Dissertation.pdf

Aus:   Die Placebo-Problematik in klinischen Studien der Klassischen Homöopathie, Dissertation von Tobias Nuhn, S. 85

Entscheidend ist der letzte Satz:
„Der fehlende Wirksamkeitsnachweis der klassischen Homöopathie kann demnach nicht über die Größe der auftretenden Placeboeffekte erklärt werden, sondern vielmehr durch einen nicht ausreichend großen Verumeffekt.“

Mit anderen Worten: Der Effekt der Globuli ist nicht ausreichend gross, um einen Wirksamkeitsnachweis zu ermöglichen.

Die Aussagen von Witt und Nuhn zeigen, dass auch die Wirksamkeit der Homöopathie nicht annähernd so eindeutig belegt ist, wie die Komplementärmedizin-Lobby dies darstellt. Und diese beiden Fachleute können nicht einfach als „Homöopathie-Feinde“ verunglimpft werden, wie dies die“Homöopathie-Szene“ gerne mit Kritikern macht.

Zu diesem Punkt möchte ich allerdings festhalten: Dass die Anwendung von Homöopathie in manchen Fällen mit einer Besserung einhergeht, scheint mir nicht  zu bezweifeln. Dies abzustreiten würde einfach der Erfahrung vieler Menschen entgegenlaufen. Dass eine solche Besserung mit einer spezifischen Wirkung der Globuli zusammenhängt, konnte bisher nicht gezeigt werden. Die Zusammenfasung der Charité deutet an, dass ein grosser Teil der Wirkung von therapeutischen Kontext stammen könnte. Nun kann man natürlich argumentieren, dass es für Patientinnen und Patienten unwichtig ist, ob die Wirkung vom Globuli, vom therapeutischen Kontext, von den Selbstheilungskräften oder ähnlichen Einflüssen herkommt.

Für die Entscheidung, welche Leistungen durch die Grundversicherung zu bezahlen sind, ist die Frage aber nicht so leicht zu umgehen. Lässt man nämlich das Kriterium einer spezifischen und durch Studien belegten Wirkung weg, dann gelten sollen. Einfach zu sagen: „Bezahlt wird, was dem Patienten gut tut“, ist zwar auf den ersten Blick einleuchtend, als Kriterium aber überhaupt nicht fassbar.

Auf dieser Basis scheint mir jedenfalls die Polemik gegen den Entscheid der ELGK nicht angemessen.

4. Kassenpflicht nicht ohne Änderung des Krankenversicherungsgesetzes

Wichtig in der Meldung des „Tages-Anzeigers“ ist folgender Satz:
„Wolle man diese Kassenpflicht einführen, so die ELGK, sei das Gesetz zu ändern.“

In diese Richtung äussert sich auch Markus Moser. Er arbeitete von 1987 bis 1997 als Leiter der Hauptabteilung Kranken- und Unfallversicherung im Bundesamt für Sozialversicherungen. Der Jurist gilt als Vater des 1996 in Kraft getretenen Krankenversicherungsgesetzes (KVG).

Im Interview mit der „Berner Zeitung“ hält Moser fest, dass der Verfassungsartikel zur Komplementärmedizin nicht klar formuliert ist und er empfiehlt das Krankenversicherungsgesetz zu ändern.

Im Artikel steht nur: „Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin.“

Markus Moser weißt zudem auf zwei Stellen im Abstimmungsbüchlein hin:

„Einige Parlamentarier sprachen sich für die Aufnahme wirksamer Methoden der Komplementärmedizin in den Leistungskatalog der Grundversicherung aus. Es bestand weitgehend Übereinstimmung darüber, dass auch komplementärmedizinische Leistungen den Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu genügen haben.“

„Sollten jedoch für Komplementärmedizin andere Kriterien gelten oder der Nachweis für Wirksamkeit nach einem anderen Verfahren erbracht werden, müsste das Gesetz entsprechend angepasst werden.“

Quelle: http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Markus-Moser-Der-Verfassungsartikel-ist-nicht-klar/story/25207479

Statt populistisch Druck auf das BAG zu machen, damit dieses das Krankenversicherungsgesetz übergeht, sollten die Befürworter der Komplementärmedizin im Parlament selber Verantwortung übernehmen  und das Krankenversicherungsgesetz in ihrem Sinne ändern.

Das Parlament hat es in der Hand, das Kriterium „Wirksamkeit“ als Bedingung für die Aufnahme in die Grundversicherung abzuschaffen.

Allerdings müssen dann diejenigen Parlamentsmitglieder, die jetzt wie zum Beispiel Rolf Büttiker und Yvonne Gilli so laut ausrufen, offenlegen, nach welchen Kriterien sie entscheiden, was von der Grundversicherung bezahlt wird und was nicht. Das wird dann aber eine heisse Diskussion, denn es ist ziemlich schwierig, transparente und nachvollziehbare Kriterien zu finden, wenn man wissenschaftliche Kriterien ausklammert.
Anstelle der bisherigen Kriterien WZW (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) könnte das Parlament ja, wenn es konsequent die Verantwortung übernehmen würde, umstellen auf BZW (Beliebtheit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Oder BZW (Beliebigkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Hört man die aktuellen Stellungnahmen aus dem Parlament zur Empfehlung der ELGK, so wäre dies nur folgerichtig.

Eine ernsthafte Diskussion würde sich aber inhaltlich und differenziert mit den einzelnen Methoden auseinandersetzen und nicht einfach pauschal mit dem wohl klingenden Schlagwort „Komplementärmedizin“ operieren.

Siehe dazu: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

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Deutschland: Verschreibung von Cannabis soll vereinfacht werden

In Deutschland sollen künftig Cannabis-Medikamente leichter auf Rezept zu erhalten sein. Nach FDP-Angaben haben die Koalitionsfraktionen grundsätzlich Einigung erzielt über eine entsprechende Änderung des Betäubungsmittelrechts. Die Gesetzesänderung solle ermöglichen, Cannabis-Medikamente in Deutschland herzustellen und für eine Behandlung zu verschreiben. Auch die Versorgung sterbender Menschen will die Koalition verbessern, um in der letzten Lebensphase deren Schmerzen zu lindern. Heime und Hospize dürften dann über Notfallvorräte an Betäubungsmitteln verfügen. «Damit stehen schwerstkranken Menschen jederzeit schmerzlindernde Mittel zur Verfügung», sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagfraktion, Ulrike Flach.

Bislang müssen Betroffene oft langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von Cannabis-Arznei kämpfen. Nach Auskunft der Arbeitsgemeinschaft «Cannabis als Medizin» (ACM) dürfen derzeit bundesweit nur 40 Patienten derartige Medikamente aus der Apotheke beziehen. Vor knapp zwei Jahren hatten Union, SPD und FDP im Bundestag noch gegen die erleichterte Verwendung von Cannabis in der Medizin votiert. Die Kritiker warnten damals hauptsächlich vor dem Suchtpotenzial und zweifelten am medizinischen Nutzen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=34892&Nachricht_Title=Nachrichten_Cannabis%3A+Verschreibung+wird+vereinfacht&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Ankündigung, doch ist bleibt im Moment noch offen, ob den Worten auch Taten folgen.

Die Entkriminalisierung der medizinischen Anwendung von Cannabis – zum Beispiel zu Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten unter Chemotherapie, gegen Appetitlosigkeit bei AIDS und Krebs, zur Linderung der Spastik bei Multiple Sklerose – ist überfällig.

Schwerkranken ein Heilmittel vorzuenthalten, das ihre Beschwerden lindert (und zudem sehr wenig kostet), ist unverantwortlich. Die Warnung vor dem „Suchtpotenzial“ als Gegenargument ist im Kontext medizinischer Anwendung sehr schwach. In der Medizin werden zahlreiche Substanzen als Arznei eingesetzt, deren Suchtpotenzial wesentlich klarer auf der Hand liegt als bei Cannabis. Im Rahmen der medizinischen Anwendung bei Schwerkranken kann dies meines Erachtens kein ernsthaftes Argument sein.

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Bevölkerung akzeptiert Cannabis als Arzneimittel

Der Einsatz von Cannabis zur Behandlung Schwerkranker findet in Deutschland einer Umfrage zufolge breite Zustimmung. Bei einer Emnid-Befragung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft «Cannabis als Medizin» (ACM) waren über 75 Prozent der angerufenen Bürger dafür, Cannabis-Produkte zur Behandlung chronischer Schmerzen oder zur Linderung der Spastiken bei Multipler Sklerose zuzulassen. Das teilte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“, Franjo Grotenhermen, mit. Die Zustimmung gehe quer durch die Bevölkerung, stellte Grotenhermen fest. Am meisten Zustimmung gab es in gebildeten Schichten, bei Männern und bei Anhängern der kleineren Parteien FDP, Grüne und Linkspartei. Auffallend ist die mit 55 Prozent vergleichsweise geringe Akzeptanz von Cannabis-Medizin bei Schülerinnen und Schülern.

Das Resultat der Befragung von 1001 Bürgern hat wenig mit dem eigenen Cannabis-Konsum der Befragten zu tun. Der Großteil der Interviewten gab zu Protokoll, selber nie Cannabis geraucht zu haben. Trotzdem sprachen sich auch aus dieser Gruppe 73 Prozent für die medizinische Nutzung aus. Die ACM hatte auch fragen lassen, wie die Bundesbürger zur Übernahme der Kosten für eine Cannabis-Therapie stehen. Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten sprachen sich für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen aus.

Bisher müssen Betroffene oft langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von Cannabis-Medizin und die Übernahme der Kosten kämpfen. In Deutschland dürfen laut Grotenhermen nur 40 Patienten Cannabis aus der Apotheke beziehen. In anderen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Spanien seien verschiedene Cannabis-Medikamente zugelassen. «Außerdem werden Kranke, die sich selber mit Cannabis versorgen, in diesen Ländern strafrechtlich nicht verfolgt», erklärte Grotenhermen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig von der Rauschdrogenproblematik  rund um Cannabis gilt es meines Erachtens festzuhalten, dass dieses Gewächs zweifellos zu den Heilpflanzen gehört. Aufgrund der Illegalität wird die Wirkung von Cannabis nur in wenigen Phytotherapie-Fachbüchern umfassender besprochen. Eine gute Zusammenfassung findet sich beispielsweise im „Heilpflanzenlexikon“ von Dietrich Frohne. Gut durch Studien belegt ist die Linderung der Spastik bei Multiple Sklerose, die appetitfördernde Wirkung bei Krebspatienten und AIDS-Patienten sowie die Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten unter Chemotherapie.

Dass schwer kranke Menschen, die sich mit Cannabis Linderung verschaffen können, potentiell oder defacto kriminalisiert werden, ist meiner Ansicht nach unakzeptabel. Dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung – jedenfalls in Deutschland – dies inzwischen offenbar auch so sieht, ist erfreulich.

Ich schreibe dies als jemand, der selber mit Cannabis nichts um Hut hat, aber im Falle einer entsprechenden Erkrankung gerne auf diese Heilpflanze zurückgreifen können  möchte.

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Ständerat: Komplementärmedizin soll ins Medizinstudium

Ärzte, Zahnärzte, Chiropraktiker und Apotheker sollen angemessene Kenntnisse der Komplementärmedizin verfügen. Der Ständerat überwies eine entsprechende Motion. Der Bundesrat beabsichtigt, die Frage im revidierten Medizinalberufegesetz zu regeln.

Die Universitäten sollen Kurse anbieten, welche Grundkenntnisse in der Komplementärmedizin vermitteln, erläuterte Kommissionssprecher Felix Gutzwiller (FDP / ZH). Und er ergänzt, dass dabei schon einiges geschehen sei. Nur die Hochschule in Genf verfüge noch nicht über ein entsprechendes Angebot.

Die Angebote müssten indessen flächendeckend sein, sagte Ständerat Felix Gutzwiller zur Motion der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Diese Motion sei Folge einer gleichlautenden parlamentarischen Initiative und soll zur Beschleunigung des Anliegens beitragen.

Ständerat Rolf Büttiker (FDP / SO) erinnerte an das deutliche Ja zur Initiative für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin am 17. Mai 2009. Die Motion verlange nur die Vermittlung von Basiswissen über Methoden, welche die Mehrheit der Bevölkerung wünsche. Denkbar sei eine obligatorische Basisausbildung von 30 bis 60 Stunden in einem Studium, präzisierte Rolf Büttiker.

Eugen David (CVP / SG) bemängelte, dass unter den Begriff Komplementärmedizin die verschiedensten Methoden fallen. An Universitäten sollten jedoch nur wissenschaftlich fundierte Methoden gelehrt werden.

Gesundheitsminister Didier Burkhalter erklärte sich zur Annahme der Motion bereit. Der Einwand Davids mache jedoch klar, dass das Thema komplex sei und seriöse Gesetzgebung brauche. Die Frage der Kenntnisse in Komplementärmedizin fliesse in die Revision des Medizinalberufegesetzes ein. Bis Ende 2010 sollte die Vernehmlassung zu dieser Revision beginnen, sagte Bundesrat Didier Burkhalter. Die Motion wurde vom Ständerat gut geheissen und geht nun an den Nationalrat.

Quelle:
http://www.bielertagblatt.ch/News/Schweiz/169235

Kommentar & Ergänzung:

Ein “Blumenstrauss” an Ständerat Eugen David (CVP, SG). Es scheint also tatsächlich Politiker zu geben, denen klar geworden ist, dass man nicht einfach pauschal und undifferenziert die verschiedenen Methoden der “Komplementärmedizin” in einen Topf schmeissen kann. Das ist erfreulich, herrscht doch bisher überwiegend die totale Pauschalisierung vor, wonach Komplementärmedizin einfach generell etwas Wunderbares ist. Wobei sehr bedauerlicherweise ausgerechnet die Sozialdemokratische Partei (SPS) und die Grüne Partei (GPS) sich meiner Erfahrung nach im Bereich Komplementärmedizin durch einen besonders hohen Naivitäts-Pegel auszeichnen.

Zur Komplexität des Begriffs Komplementärmedizin siehe:
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/01/30/komplementaermedizin-ein-fragwuerdiger-begriff.html

Der Teufel steckt auch hier im Detail.

Ständerat Eugen David fordert, dass an Universitäten nur wissenschaftlich fundierte Methoden gelehrt werden sollten.
Das schliesst aber tendenziell Methoden der Komplementärmedizin schon aus. Die fünf zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie sind jedenfalls bei weitem nicht durchgängig als wissenschaftlich fundiert zu bezeichnen. Dies in deutlichem Gegensatz zu den fragwürdigen und auf Binnenkonsens beruhenden Schlussfolgerungen der sogenannten PEK-Studie, welche die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit dieser fünf Methoden belegt haben will.

Zur Kritik an der PEK-Studie siehe:
Komplementärmedizin: Fragwürdige PEK-Studie zur Wirksamkeit
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/06/24/komplementaermedizin-fragwuerdige-pek-studie-zur-wirksamkeit.html

Die Stimmberechtigten wurden meines Erachtens diesbezüglich im Vorfeld der Abstimmung vom 17. Mai durch sehr einseitige, realitätsferne bzw. zum Teil auch schlicht unwahre Aussagen bezüglich der wissenschaftlichen Fundiertheit der Komplementärmedizin getäuscht.

Siehe beispielsweise Statements von Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) und Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO):

Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragen an Ständerat Büttiker
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/04/14/komplementaermedizin-abstimmung-fragen-an-staenderat-buettiker.html

Falschaussage von Simonetta Sommaruga zur Komplementärmedizin-Abstimmung
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/04/15/falschaussage-von-simonetta-sommaruga-zur-komplementaermedizin-abstimmung.html

Der Kernpunkt scheint mir hier zu sein, dass eine Methode, die wissenschaftlich fundiert ist, gar nicht mehr zur Komplementärmedizin gezählt wird, sondern zur “Schulmedizin” gehört.
Zur Problematik des Begriffs “Schulmedizin” siehe:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/01/03/schulmedizin-ein-fragwuerdiger-ausdruck.html

Fordert man wie offenbar Eugen David, dass von den fünf zur Diskussion stehenden Methoden der Komplementärmedizin (Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie) nur diejenigen an der Universität gelehrt werden, welche wissenschaftlich fundiert sind, dann steht die Phytotherapie zweifellos in der Pool-Position. Denn dass die Phytotherapie von den fünf mit Abstand am besten wissenschaftlich fundiert ist, wird wohl kaum von irgend jemandem ernstlich bestritten.

Aber auch hier wird die Situation komplex, sobald man genauer hinschaut:

Meiner Ansicht nach gibt es kein auch nur einigermassen überzeugendes Argument, weshalb Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen wäre. Dass Phytotherapie in diesem Fünfer-Päckli als Komplementärmethode verkauft wird, hat mehr mit politischer Strategie und politischem Lobbying zu tun, kaum aber mit realen fachlichen Gründen.
Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/01/30/gehoert-phytotherapie-zur-komplementaermedizin.html

Es sprechen viel mehr Argumente dafür, Phytotherapie als Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde zu sehen – eine Position, welche beispielsweise die “Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege” (IGPP) einnimmt (www.ig-pp.ch).
Die IGPP setzt sich für die Integration von fundierten Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex-Organisationen, Pflegeheime und Kliniken ein. Sie arbeitet damit schon vor und erst recht nach der Abstimmung vom 17. Mai unspektakulär an der oft geforderten und selten realisierten Verbindung von Medizin und Naturheilkunde. Voraussetzung für ein Gelingen dieser Zusammenarbeit ist neben phytotherapeutischer Professionalität vor allem auch eine kooperative Grundhaltung zum medizinischen System.

Eine Dokumentation zum Thema “Phytotherapie in der Pflege” finden Sie hier:
moodle.heilpflanzen-info.ch/mod/resource/view.php

P.S.:
Bei der Frage, ob und welche Art von Komplementärmedizin an der Universität gelehrt werden soll, müsste meines Erachtens die wissenschaftliche Fundiertheit nicht das einzige Kriterium sein. Zu fordern wäre darüber hinaus eine offene Diskussion über weltanschauliche und ethische Aspekte. Anthroposophische Medizin beispielsweise basiert auf der Vorstellung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben ausgelöst werden. Meines Erachtens gehört es zu den “Würden der Moderne”, dass Krankheit und Behinderung nicht mehr mit Schuld verbunden sind. Der Anthroposophischen Medizin aber geht es um eine Remoralisierung von Krankheit und Behinderung.
Details siehe:

Kritische Fragen zur Förderung der Anthroposophischen Medizin:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/05/01/abstimmung-komplementaermedizin-kritische-fragen-an-simonetta-sommaruga-zur-foerderung-der-anthroposophischen-medizin.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch