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Neuraltherapie definitiv in der Grundversicherung

Die NZZ am Sonntag meldet heute:

„Für die Befürworter der Komplementärmedizin brechen wieder bessere Zeiten an. Ab Januar werden Homöopathie, Neuraltherapie und drei weitere Behandlungsmethoden provisorisch für sechs Jahre wieder von der obligatorischen Grundversicherung vergütet. So hat es Gesundheitsminister Didier Burkhalter dieses Jahr entschieden.“

Kommentar:

Pauschale „Befürworter der Komplementärmedizin“ sind etwa so naiv wie Leute, die pauschal alle Pilze für essbar halten.

„Komplementärmedizin“ ist eine Worthülse mit sehr unklar definiertem Inhalt. Man muss die einzelnen Methoden anschauen und den leeren „Verpackungsbegriff“ Komplementärmedizin zur Seite legen.

Siehe:

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Zu den erwähnten drei weiteren Behandlungsmethoden, die ab Januar wieder provisorisch von der Grundversicherung vergütet werden, gehört auch die Phytotherapie. Allerdings werden Patientinnen und Patienten davon nicht profitieren.

Siehe dazu:

Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

Dass Phytotherapie in dieses 5er-Päckli der Komplementärmedizin-Methoden integriert wurde, war wohl eher ein Lobbying-Trick, um mehr Befürworter für dieses Päckli zu gewinnen.

Täuschung der Stimmberechtigten, würde ich sagen.

„Was Burkhalter nicht kommuniziert hat: Für den grössten Teil der Neuraltherapie ist diese Aufnahme nicht limitiert, sondern unbeschränkt….Zudem wollen die Neuraltherapeuten mit ihren bisherigen Mitstreitern aus der Komplementärmedizin zu tun haben. Wie nun auch der Bund bestätige, gehörten grosse Teile ihrer Disziplin zur Schulmedizin, sagt Hausammann. Man wolle darum im politischen Streit um die Alternativmedizin nicht länger erwähnt werden.“

Kommentar:

Die Neuraltherapeuten haben sich schon vor einiger Zeit vom Komplementärmedizin-Dachverband getrennt:

„Die Schweizerische Ärztegesellschaft für Neuraltherapie hat die Zusammenarbeit mit dem Dachverband für Komplementärmedizin aufgekündigt. Laut einer geharnischten Mitteilung vom Samstag liegt der Grund für die Trennung im Konfrontationskurs, den der Dachverband gegenüber der eidgenössischen Leistungskommission (ELGK) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) unter Bundesrat Didier Burkhalter einschlagen will.“

Quelle:

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/alternativmediziner_im_bruderzwist_1.8496007.html

Kommentar:

Die Neuraltherapeuten kritisieren meines Erachtens zur Recht den polemischen Kurs des Dachverbandes Komplementärmedizin.

Und wenn die Neuraltherapeuten betonen, dass ihre Methode grossenteils zur Schulmedizin gehöre, dann ist dazu zu sagen:

1. Das trifft auch auf die Phytotherapie zu. Bisher habe ich noch kein auch nur ansatzweise plausibles Argument gehört, weshalb Phytotherapie zur Komplementärmedizin zählen soll.

Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

2. Auch der Begriff „Schulmedizin“ ist ausgesprochen fragwürdig und sollte meines Erachtens wo immer möglich vermieden werden.

Siehe dazu:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

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Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

Letzte Woche wurde bekannt, dass die Eidgenössische Leistungskommission (ELGK) dem Bundesrat empfiehlt, fünf Methoden der Komplementärmedizin nicht wieder in die obligatorische Grundversicherung aufzunehmen. Gemäss Entscheid der ELGK genügen die zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie,  Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin, Phytotherapie und Neuraltherapie den Anforderungen des Krankenversicherungsgesetzes nicht. Dieses verlangt Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Der Entscheid wurde von Befürwortern der Komplementärmedizin im Parlament heftig kritisiert.

Entscheiden muss nun Bundesrat und Gesundheitsminister Didier Burkhalter.

Für die Phytotherapie wirft dies einige Fragen auf.

1. Was bringt es den Patientinnen und Patienten, wenn Phytotherapie in die Grundversicherung aufgenommen würde?

Mir ist ein Nutzen nicht ersichtlich. Heute läuft es so:

Die Ärzte oder Ärztinnen machen eine normale medizinische Anamnese und Diagnostik, denn Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik.

Dann wird entschieden, anstelle eines synthetischen Arzneimitttels ein pflanzliches zu verschreiben. Ist die Wirksamkeit dieses Phytotherapeutikums belegt, zahlt es die Grundversicherung bereits heute. Daran würde sich auch nach einer Aufnahme in die Grundversicherung nichts ändern.

Dem Entscheid von Bundesrat Didier Burkhalter kann man daher aus Sicht der

Phytotherapie meines Erachtens sehr gelassen entgegen sehen.

Hier stellt sich die Frage, weshalb überhaupt die Integration von Phytotherapie in die Grundversicherung gefordert wird, wenn doch reale Vorteile für Patientinnen und Patienten nicht ersichtlich sind.

Diese Forderung ist meines Erachtens tatsächlich leer, sie hat keinen Inhalt, aber sie kommt offenbar im „Volk“ gut an (weil das „Volk“ nicht weiss, dass es um nichts geht). Wenn Politikerinnen und Politiker Forderungen aufstellen, die inhaltsleer, aber wohl tönend sind, dann liegt die Vermutung sehr nah, dass wir es mit Populismus zu tun haben. Parlamentmitglieder wie Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG) kritisierten den Entscheid der ELGK heftig. In der Sendung „Rendez-vous“ von Radio DRS (8. 12. 2010) sprach Gilli von Skandal und streute Verdächtigungen, ohne sie zu belegen, und Büttiker verstieg sich gar zum Ausdruck „Stahlhelmentscheid“. Fundierte Argumente waren keine zu hören.

Woher kommt dieser Anflug von Fanatismus, Missionarismus und Kriegsrhetorik? Gilli und Büttiker sollten meiner Ansicht nach aufhören mit den schönen populistischen Schlagworten und auf eine inhaltliche Diskussion über die fünf Methoden einsteigen, wenn sie schon der ELGK jede Kompetenz absprechen.

2.  Gehört die Phytotherapie überhaupt zur Komplementärmedizin?

Meiner Ansicht nach nein. Phytotherapie gehört m. E. zur Naturheilkunde. Phytotherapie basiert auf einer medizinischen Diagnostik und sie ist in ihrem Kern kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln. Fachliche Argumente für eine Zuordnung der Phytotherapie in die Komplementärmedizin sehe ich keine.

Siehe auch:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Naturheilkunde – was ist das?

Hier stellt sich die Frage, weshalb Phytotherapie in dieses „Fünfer-Päckli“ mit dem Etikett „Komplementärmedizin“ überhaupt aufgenommen wurde.

Meines Erachtens handelt es sich dabei um einen abstimmungstaktischen Entscheid und um geschicktes Lobbying. Phytotherapie ist von den fünf Methoden aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel betrachtet am plausibelsten,  weltanschaulich neutral und in der Bevölkerung sind Heilpflanzen-Anwendungen gut verankert.

Die Integration der Phytotherapie wirkt sich gut aus auf die Glaubwürdigkeit des „Fünfer-Päckli“.

Die Auseinandersetzung über die Integration der Komplementärmedizin ist zu führen, weil der Wunsch in der Bevölkerung  offensichtlich ist. Aber nicht einfach über Schlagworte wie „Skandal“ oder „Stahlhelmentscheid“. Und auch nicht nur mit pauschalen, gut tönenden, aber fragwürdigen Begriffen wie „Komplementärmedizin“    (siehe dazu: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff ).

Sondern konkret, inhaltlich und differenziert – bezogen auf die einzelnen Methoden. Denn die Komplementärmedizin als Methode gibt es nicht, der Begriff ist ziemlich fiktional. Unter diesem positiv besetzten Label segeln unterschiedlichste Verfahren, Weltbilder, Ideologien etc. Wer pauschal behauptet, dass die Komplementärmedizin wirksam und zweckmässig ist, blendet jedenfalls ziemlich viel aus.

Zudem wäre eine vertiefte Diskussion nötig über die Gründe für das zunehmende Bedürfnis nach Komplementärmedizin. Die liegen nämlich nicht einfach in den Defiziten der Medizin. Wer die Ursachen derart einseitig sieht, hätschelt Feindbilder. Nötig wäre beispielsweise eine Auseinandersetzung mit unseren Ansprüchen im Bereich von Krankheit und Gesundheit und mit den gesellschaftlichen und kulturellen Ursachen für die grosse Nachfrage nach „Komplementärmedizin“. „Komplementärmedizin“ deckt beispielsweise oft unerfüllte Sinnbedürfnisse. Über die Art und Weise, wie mit „Komplementärmedizin“ Sinnbedürfnisse gedeckt werden – und über allfällige daraus entstehende positive oder negative Nebenwirkungen – sollte meines Erachtens nachgedacht und diskutiert werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin: Expertenkommission lehnt Aufnahme in die obligatorische Krankenkassen-Grundversicherung ab

Die Eidgenössische Leistungskommission (ELGK) empfiehlt Bundesrat Didier Burkhalter, keine der fünf zur Diskussion stehenden alternativen Heilmethoden wieder in die Grundversicherung aufzunehmen.
Der Tages-Anzeiger meldet am 8. 12. 2010:

„Man sei zum Schluss gekommen, dass weder die Homöopathie noch die Neuraltherapie, die Phytotherapie, die chinesische oder die anthroposophische Medizin  wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich genug seien, um von der Krankenkasse bezahlt zu werden. Wolle man diese Kassenpflicht einführen, so die ELGK, sei das Gesetz zu ändern.
Definitiv entscheiden muss diese Frage nun Gesundheitsminister Didier Burkhalter.“

Kommentar & Ergänzung:

1. Zur sorgfältigen Beurteilung dieser Empfehlung der ELGK müsste die detaillierte Begründung vorliegen. Es ist zu hoffen, dass diese Begründung rasch publiziert wird.

2. Anerkennenswert ist meines Erachtens, dass die ELGK dem populistischen Druck aus dem Parlament stand gehalten hat. Parlamentsmitglieder wie beispielsweise Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG), aber auch die ehemalige Ständerätin und jetzige Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) stellen meines Erachtens die Lage sehr verzerrt dar. Sie erwecken den Eindruck, dass die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizin über alle Zweifel erhaben sei, und nur missgünstige und böswillige Behörden dies nicht zur Kenntnis nehmen.
Beispiele siehe:

Falschaussage von Simonetta Sommaruga

Fragen an Ständerat Rolf Büttiker

Damit wird meines Erachtens die Öffentlichkeit getäuscht. Den Stimmberechtigten wurde schon bei der Abstimmung vorgegaukelt, mit der Annahme des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin sei die Wiederaufnahme der fünf Komplementärmedizin-Methoden zu erreichen. Unterschlagen wurde dabei, dass die Forderung des Krankenversicherungsgesetzes – Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit – damit nicht einfach aufgehoben werden.
Der populistische Druck auf das Bundesamt für Gesundheit, wie er in den letzten Wochen zum Beispiel von Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG) und Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) aufgebaut wurde, ist meines Erachtens ein Druck, sich über das Krankenversicherungsgesetz hinweg zu setzen. Genauso wie schon seit Jahren Präparate der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin ohne Wirksamkeitsnachweis über die Grundversicherung abgerechnet werden, obwohl dafür eine gesetzliche Grundlage bisher nicht ersichtlich ist.
Siehe dazu: Bundesamt für Gesundheit: Nebulöse Bevorzugung von Homöopathie und Anthroposophischer Medizin

3. Der vom KVG geforderte Wirksamkeitsnachweis ist nur zum kleinen Teil erbracht

Der Nachweis der Wirksamkeit, wie sie das Krankenversicherungsgesetz fordert, ist in der Komplementärmedizin über weite Strecken nicht erbracht, auch wenn Ständerat Rolf Büttiker und Nationalrätin Yvonne Gilli das anders darstellen und dadurch meines Erachtens die Öffentlichkeit fälschlicherweise aufputschen.

In der Anthroposophischen Medizin beispielsweise ist die Misteltherapie bei Krebs mit grossem Abstand am besten untersucht. Stellungnahmen von Medizinerinnen und Medizinern aus der komplementärmedizinischen Onkologie und systemische Auswertungen der vorliegenden Studien zeigen aber, dass die Wirksamkeit dieser Behandlung keineswegs so klar gesichert ist, wie es die Komplementärmedizin-Lobby darstellt.

Siehe dazu: Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Im Bereich der Homöopathie hat das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin eine kompakte Zusammenfassung des gegenwärtigen Stand der Forschung publiziert:

http://www.charite.de/epidemiologie/downloads/Informationen_Homoeopathie.pdf

Es handelt sich hier um eine homöopathiefreundliche Interpretation. Der Lehrstuhl von Prof. Claudia Witt wird von der Karl und Veronica Carstens Stiftung finanziert, deren Zweck die Förderung der Homöopathie-Forschung ist. Homöopathiekritische Interpretationen kommen zu negativeren Ergebnissen.

Von der Carstens-Stiftung unterstützt wird auch Tobias Nuhn, der in seiner Dissertation schreibt:

„Mögliche Konsequenzen für die zukünftige Beurteilung der Ergebnisse placebokontrollierter Studien zur klassischen Homöopathie: In der hier vorgelegten Studie variierte die Größe des Placeboeffekts zwar deutlich zwischen einzelnen Studien (abhängig vom betrachteten Erkrankungstyp, der Studiendauer etc.), jedoch nicht im Sinne eines grundsätzlich größeren Placeboeffektes in Studien der klassischen Homöopathie. Die Untersuchungsergebnisse sprechen daher für die herkömmliche Auffassung und Nullhypothese dieser Arbeit, dass der Placeboeffekt bei vergleichbarem Design in homöopathischen und konventionellen Studien ähnlich groß ausfällt. Der fehlende Wirksamkeitsnachweis der klassischen Homöopathie kann demnach nicht über die Größe der auftretenden Placeboeffekte erklärt werden, sondern vielmehr durch einen nicht ausreichend großen Verumeffekt.“

(Verum  = das zu testende Medikament im Gegensatz zum Scheinmedikament / Placebo; M.K.)

Quelle: http://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-16135/Tobias%20Nuhn%2C%20Dissertation.pdf

Aus:   Die Placebo-Problematik in klinischen Studien der Klassischen Homöopathie, Dissertation von Tobias Nuhn, S. 85

Entscheidend ist der letzte Satz:
„Der fehlende Wirksamkeitsnachweis der klassischen Homöopathie kann demnach nicht über die Größe der auftretenden Placeboeffekte erklärt werden, sondern vielmehr durch einen nicht ausreichend großen Verumeffekt.“

Mit anderen Worten: Der Effekt der Globuli ist nicht ausreichend gross, um einen Wirksamkeitsnachweis zu ermöglichen.

Die Aussagen von Witt und Nuhn zeigen, dass auch die Wirksamkeit der Homöopathie nicht annähernd so eindeutig belegt ist, wie die Komplementärmedizin-Lobby dies darstellt. Und diese beiden Fachleute können nicht einfach als „Homöopathie-Feinde“ verunglimpft werden, wie dies die“Homöopathie-Szene“ gerne mit Kritikern macht.

Zu diesem Punkt möchte ich allerdings festhalten: Dass die Anwendung von Homöopathie in manchen Fällen mit einer Besserung einhergeht, scheint mir nicht  zu bezweifeln. Dies abzustreiten würde einfach der Erfahrung vieler Menschen entgegenlaufen. Dass eine solche Besserung mit einer spezifischen Wirkung der Globuli zusammenhängt, konnte bisher nicht gezeigt werden. Die Zusammenfasung der Charité deutet an, dass ein grosser Teil der Wirkung von therapeutischen Kontext stammen könnte. Nun kann man natürlich argumentieren, dass es für Patientinnen und Patienten unwichtig ist, ob die Wirkung vom Globuli, vom therapeutischen Kontext, von den Selbstheilungskräften oder ähnlichen Einflüssen herkommt.

Für die Entscheidung, welche Leistungen durch die Grundversicherung zu bezahlen sind, ist die Frage aber nicht so leicht zu umgehen. Lässt man nämlich das Kriterium einer spezifischen und durch Studien belegten Wirkung weg, dann gelten sollen. Einfach zu sagen: „Bezahlt wird, was dem Patienten gut tut“, ist zwar auf den ersten Blick einleuchtend, als Kriterium aber überhaupt nicht fassbar.

Auf dieser Basis scheint mir jedenfalls die Polemik gegen den Entscheid der ELGK nicht angemessen.

4. Kassenpflicht nicht ohne Änderung des Krankenversicherungsgesetzes

Wichtig in der Meldung des „Tages-Anzeigers“ ist folgender Satz:
„Wolle man diese Kassenpflicht einführen, so die ELGK, sei das Gesetz zu ändern.“

In diese Richtung äussert sich auch Markus Moser. Er arbeitete von 1987 bis 1997 als Leiter der Hauptabteilung Kranken- und Unfallversicherung im Bundesamt für Sozialversicherungen. Der Jurist gilt als Vater des 1996 in Kraft getretenen Krankenversicherungsgesetzes (KVG).

Im Interview mit der „Berner Zeitung“ hält Moser fest, dass der Verfassungsartikel zur Komplementärmedizin nicht klar formuliert ist und er empfiehlt das Krankenversicherungsgesetz zu ändern.

Im Artikel steht nur: „Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin.“

Markus Moser weißt zudem auf zwei Stellen im Abstimmungsbüchlein hin:

„Einige Parlamentarier sprachen sich für die Aufnahme wirksamer Methoden der Komplementärmedizin in den Leistungskatalog der Grundversicherung aus. Es bestand weitgehend Übereinstimmung darüber, dass auch komplementärmedizinische Leistungen den Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu genügen haben.“

„Sollten jedoch für Komplementärmedizin andere Kriterien gelten oder der Nachweis für Wirksamkeit nach einem anderen Verfahren erbracht werden, müsste das Gesetz entsprechend angepasst werden.“

Quelle: http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Markus-Moser-Der-Verfassungsartikel-ist-nicht-klar/story/25207479

Statt populistisch Druck auf das BAG zu machen, damit dieses das Krankenversicherungsgesetz übergeht, sollten die Befürworter der Komplementärmedizin im Parlament selber Verantwortung übernehmen  und das Krankenversicherungsgesetz in ihrem Sinne ändern.

Das Parlament hat es in der Hand, das Kriterium „Wirksamkeit“ als Bedingung für die Aufnahme in die Grundversicherung abzuschaffen.

Allerdings müssen dann diejenigen Parlamentsmitglieder, die jetzt wie zum Beispiel Rolf Büttiker und Yvonne Gilli so laut ausrufen, offenlegen, nach welchen Kriterien sie entscheiden, was von der Grundversicherung bezahlt wird und was nicht. Das wird dann aber eine heisse Diskussion, denn es ist ziemlich schwierig, transparente und nachvollziehbare Kriterien zu finden, wenn man wissenschaftliche Kriterien ausklammert.
Anstelle der bisherigen Kriterien WZW (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) könnte das Parlament ja, wenn es konsequent die Verantwortung übernehmen würde, umstellen auf BZW (Beliebtheit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Oder BZW (Beliebigkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Hört man die aktuellen Stellungnahmen aus dem Parlament zur Empfehlung der ELGK, so wäre dies nur folgerichtig.

Eine ernsthafte Diskussion würde sich aber inhaltlich und differenziert mit den einzelnen Methoden auseinandersetzen und nicht einfach pauschal mit dem wohl klingenden Schlagwort „Komplementärmedizin“ operieren.

Siehe dazu: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch