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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern‘ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

Der Saathafer wurde vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Der Saathafer (Avena sativa) ist ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae oder Gramineae). Er bildet im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste seine Körner nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus.

Die Haferkörner sind von Spelzen umschlossen, die durch einen speziellen Mahlgang entfernt werden müssen. Der Hafer liefert zwar tiefere Hektar-Erträge als Weizen, Roggen und Gerste, doch ist er diesen gegenüber beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack überlegen. Zudem ist Hafer weniger anspruchsvoll, denn er gedeiht auch auf kargen Böden und bei feuchter Witterung.

Drei Pflanzenteile des Saathafers stossen auf pharmazeutisches Interesse:

Haferstroh (Avenae stramentum) wird als Abkochung für Bäder bei Hautverletzungen und Juckreiz verwendet.

Für die Gewinnung von Haferkraut (Avenae herba) wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Haferkraut ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium), wobei den Flavonoiden entzündungshemmende und den Saponinen immunmodulierende Eigenschaften zugesprochen werden.

Haferkraut-Extrakte kommen daher bei trockener Haut und bei atopischer Dermatitis zur Anwendung.

In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich durch Selektion eine Hafersorte mit einem besonders hohen Anteil an Flavonoiden und Saponinen gezüchtet, die schon sehr jung geerntet und durch ein besonderes Verfahren extrahiert wird. Der aufgereinigte Extrakt ist frei von Proteinen und wird für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze eingesetzt, die für Allergiker speziell gut verträglich sein sollen. Seine Bedeutung für die Dermatologie wurde schon in neueren Fachpublikationen gezeigt. Haferkrautextrakt-Produkte werden aber auch zur Pflege von empfindlicher Haut (Babys, Senioren) und zur Behandlung von Wunden, Rosacea und nicht zuletzt von Psoriasis eingesetzt.

Das Haferkorn (Avenae fructus), aus dem die allseits bekannten Haferflocken hergestellt werden, ist reich an Ballaststoffen (Polysacchariden), von denen die löslichen β-Glucane etwa die Hälfte ausmachen.

In 100 Gramm Haferflocken sind etwa 4,5 Gramm β-Glucane enthalten, in der Haferkleie sind es sogar mehr als 8 Gramm pro 100 Gramm. Die β-Glucane geben dem Haferschleim seine Konsistenz. Indem sie die Verdauung und den Stoffwechsel beeinflussen, wirken sie sich günstig auf den Cholesterinspiegel und den Blutzuckerspiegel aus.

Die Fähigkeit der β-Glucane, Gallensäuren zu binden, führt wahrscheinlich zur Ausscheidung von Cholesterol und zur Reduktion des Gesamtcholesterol- und des LDL-Cholesterol-Spiegels, was einer Atherosklerose vorbeugen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2011 bestätigt, dass die Einnahme von Hafer-β-Glucanen zur Reduktion des Cholesterolspiegels beitragen kann.

Die unlöslichen Ballaststoffe regulierend ausserdem die Verdauungstätigkeit. Da sie die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm in den Körper verzögern, steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit zeitverzögert an, was eine geringere Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Schon vor 100 Jahren wurden daher diätetische „Hafertage“ für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeführt. Eine neuere Studie am Diabetologikum in Berlin hat gezeigt, dass die Insulindosis bei Patienten mit einem hohen Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent reduziert werden kann. Dieser günstige Effekt soll bis zu vier Wochen nachweisbar sein.

Haferflocken zeigen aber auch günstige Auswirkungen auf die Verdauungsorgane selbst. Die Darmwand wird durch die viskösen löslichen Ballaststoffe vor Reizen aus dem Darmlumen geschützt und ein empfindlicher Magen beruhigt.

Umstritten ist noch, ob Menschen mit Zöliakie zu Haferprodukten greifen können. Bei der Zöliakie entzündet sich die Schleimhaut des Darms nach dem Verzehr von Gluten, dem Kleber-Eiweiß in verschiedenen Getreidekörnern.

Gluten ist die dominierende Eiweissfraktion im Weizenkorn, Im Haferkorn herrscht dagegen das Globulin Avenalin mit 80% vor, während Gluten nur einen Anteil von 15 Prozent hat. Hirse, Mais und Reis gelten dagegen als glutenfrei.

Die Zusammensetzung des Glutens unterscheidet sich in den einzelnen Getreidearten und ihren Sorten. Allgemein besteht Gluten aus den Proteingemischen der Prolamine und Gluteline, die wegen ihres hohen Anteils an den Aminosäuren Prolin und Glutaminsäure so benannt worden sind.

Krankheitsauslösend sind bei der Zöliakie die Prolamine, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Für zahlreiche Zöliakie-Patienten ist zwar das Weizen-Prolamin Gliadin, nicht jedoch das Hafer-Prolamin Avenin unverträglich. Und die relative Unverträglichkeit des Avenins hängt zudem noch von der Hafersorte ab; es gibt Hafersorten, die sogar für eine glutenfreie Ernährung infrage kommen.

Mehrere Studien zur Verträglichkeit des Hafers bei Zöliakie-Patienten haben gezeigt, dass kleinere Mengen Hafer im allgemeinen gut vertragen werden. In Schweden und Finnland gilt die Aufnahme von bis zu 50 g Hafer pro Tag als unbedenklich. Es muss sich dabei jedoch um „nicht-kontaminierten Hafer“ handeln, der nicht mit anderem Getreide verunreinigt sein darf und speziell für diesen Zweck angebaut wird.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ ist überzeugt davon, dass das diätetische und therapeutische Potenzial des Hafers noch nicht ausgeschöpft ist und hofft, dass die Arzneipflanze des Jahres 2017 Gegenstand weiterer Forschungen sein wird.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/10/28/noch-viel-potenzial-bei-hautkrankheiten-und-zoeliakie

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine ungewöhnliche Wahl, zählt doch der Hafer seit je her zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den typischen Heilpflanzen. Nimmt man ihn aber aus der Perspektive der Heilwirkungen in den Blick, steht er in einem Übergangsbereich zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie. Und dieser Übergangsbereich ist durchaus interessant.

Wie gewohnt begründet der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ seine Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2017 auch dieses Mal fundiert.

2016 war der Kümmel Arzneipflanze des Jahres, 2015 das Johanniskraut, 20114 der Spitzwegerich, 2013 die Kapuzinerkresse und 2012 das Süssholz.

Hier geht’s zur Website des Studienkreises:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen“ auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Magnesium gegen Wadenkrämpfe wirksam?

Etwa jeder dritte Erwachsene kennt nächtliche Wadenkrämpfe aus eigener Erfahrung, bei Betagten ist es sogar jeder zweite. Wadenkrämpfe treten scheinbar ohne erkennbare Ursache auf, manchmal aber auch nach ungewohnter Muskelarbeit oder nach Elektrolyt- und Wasserverlust (Dehydration).

Wer unter Wadenkrämpfen leidet, wird eher früher als später den Tipp bekommen, es doch mit Magnesium zu versuchen. In korrekter Dosierung sind Magnesiumsalze in der Regel gut verträglich – sie können allenfalls den Stuhl weich machen und in höherer Dosierung zu Durchfall führen.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob Magnesiumsalze auch wirksam sind gegen Wadenkrämpfe.

Wadenkrämpfe sind kurz andauernde unwillkürliche Muskelkontraktionen, die häufig nachts und häufig bei älteren Menschen auftreten, unangenehm und schmerzhaft sind und den Schlaf stören. Die Ursache nächtlicher Wadenkrämpfe ist oft unklar, die Beschwerden sind aber gutartig.

Tritt das Problem häufiger auf, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, weil es verschiedene Ursachen gibt, die das Auftreten von Wadenkrämpfen begünstigen können. Beispielsweise (Quelle: Pharmawiki):

Chronisch-venöse Insuffizienz, bei Frauen in der Schwangerschaft (häufig!), Urämie, Diabetes mellitus, Vergiftungen, Schilddrüsenerkrankungen, Dialyse, Elektrolytstörungen (Hypomagnesiämie, Hypocalciämie, Hyponatriämie, Hypokaliämie), Gefässerkrankungen, neuromuskuläre Erkrankungen, Medikamente (z. B. Diuretika, Nifedipin, Morphin, H2-Antihistaminika, SERM, Statine, Lithium, Beta2-Sympathomimetika).

Die ärztliche Untersuchung soll also feststellen, ob eine Krankheit, Mangelzustände oder Medikamente die Wadenkrämpfe verursachen. Zudem sollen Krankheiten ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen (Z. B. Restless-Legs-Syndrom, Neuropathien).

Aber wie schon erwähnt: In den meisten Fällen ist keine klare Ursache festzustellen. Dann stellt sich die Frage, ob ein Versuch mit Magnesiumsalzen sinnvoll ist.

Dazu gibt es ein paar kleinere Studien, doch nur bei schwangeren Frauen zeigen Magnesiumverbindungen in einem Teil der Studien bessere Wirkung als Placebo. Ausserhalb von Schwangerschaft ist eine Überlegenheit gegenüber Placebo nicht belegt.

Angesichts der sehr verbreiteten Empfehlung magnesiumhaltiger Präparate bei Wadenkrämpfen ist die Studienlage also ziemlich desolat.

Fragwürdig ist auch die oft anzutreffende Empfehlung von Schüssler Salzen wie Magnesium phosphoricum D6 (Schüsslersalz Nr. 7)  bei Wadenkrämpfen. Da steht zwar Magnesium phosphoricum drauf, doch weil das Magnesiumsalz 1 : 1 Mio mal verdünnt ist enthalten die Präparate kein Magnesium als Wirkstoff. Nach den Berechnungen einer Schüssler-Salz-Herstellerin braucht es 193 kg Schüsslersalz Nr. 7 Magnesium phosphoricum, um gleich viel Magnesiumionen aufzunehmen wie in einem Liter Mineralwasser enthalten sind (siehe dazu hier).

Allerdings erklären sich die Schüsslersalz-AnhängerInnen die Wirkung des nichtvorhandenen Magnesiumphosphats anders:

„Die Schüßler-Salze verhelfen – vereinfacht ausgedrückt – im Sinne einer Information die für den Menschen wichtigen Mineralstoffe dorthin zu leiten, wo sie benötigt werden. Das Schüßler-Salz Magnesium phosphoricum hilft also, das über die Nahrung aufgenommene Magnesium besser zu verwerten. Magnesium phosphoricum D6 ist das Schüßler- Salz gegen Krämpfe aller Art, vor allem aber auch gegen Wadenkrämpfe.“

Quelle des Zitats: http://burgenland.orf.at/radio/stories/2542446/

 

Das ist eine schöne, aber völlig faktenfreie Behauptung. Es gibt keinerlei konkrete Hinweise dafür, dass Schüsslersalze die Mineralstoffe dorthin leiten, wo sie gebraucht werden. Es handelt sich hier um eine dogmatische Setzung, die in der „Szene“ nicht in Frage gestellt wird, und die man glauben kann oder nicht. Zur Wirksamkeit von Schüsslersalzen gibt es keine Studien. Da diese Präparate vom Wirksamkeitsnachweis befreit sind, brauchen die Hersteller nicht in Forschung zu investieren.

Und warum berichten AnwenderInnen von „konventionellen“ und „schüsslerischen“ Magnesiumpräparaten dann von Besserungen?

Dafür dürften eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich sein: Placeboeffekt, anderweite Einflüsse (Lebensweise? Ernährung?) natürliche Schwankungen in der Intensität der Beschwerden.

Die Schlussfolgerung, dass eine spezifische Wirksamkeit der Präparate für die Besserung verantwortlich ist, dürfte wohl auf einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss beruhen.

Ausserdem:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Dazu kommt noch eine selektive Berichterstattung, wie sie schon Georg Christoph Lichtenberg (1792 -1799) beschrieben hat:

„Wenn man einmal Nachrichten von Patienten gäbe, denen gewisse Bäder und Gesundheitbrunnen nicht geholfen haben, und zwar, mit eben der Sorgfalt, womit man das Gegenteil tut, es würde niemand mehr hingehen, wenigstens kein Kranker.“

(aus: Aphorismen, Sudelbücher Heft K, 262)

Zudem haben solche Präparate den Vorteil, dass sie uns aus der Ohnmacht herausholen: Man kann etwas tun. Allein das schon bewirkt eine veränderte Wahrnehmung der Beschwerden und verschafft oft Erleichterung. Und das ist nicht nichts.

Was darüber hinaus bei Wadenkrämpfen noch bleibt sind unspektakuläre Tipps zur nicht-medikamentösen Behandlung:

„Im akuten Anfall kann der Fuss rückwärts in Richtung Schienbein gebeugt werden. Auch Kühlen oder Wärmen, Massieren und Umhergehen hilft. Ob Stretching eine zuverlässig vorbeugende Wirkung hat, ist umstritten. Es kann im akuten Anfall die Beschwerden lindern. Es wurde empfohlen, so zu schlafen, dass der Fuss wie beim Stehen im rechten Winkel zum Bein steht, zum Beispiel durch Anlehnen an den Bettrahmen.“

Quelle des Zitats: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Naechtliche_Wadenkraempfe

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Heilpflanzen bei Diabetes

Diabetes ist ein schwieriges Gebiet für die Phytotherapie. Es schwirren zwar viele Ideen herum, aber es sind wenige fundierte Daten dazu vorhanden.

Soll ich dazu überhaupt einen Beitrag verfassen oder es bleiben lassen?

Meiner Ansicht nach ist es unseriös, immer nur Tolles zu berichten, und die Widersprüche, die offenen Fragen und die schwierigeren Terrains einfach auszulassen.

So verhalten sich jedenfalls eher manche Verkäufer oder Missionare.

Ein eigenständiges, realitätsnahes Bild kann sich aber nur machen, wer umfassend und differenziert über ein Gebiet informiert ist. Und dazu gehören eben auch Widersprüche, Lücken, offene Fragen etc.

 

Und daher lesen Sie hier manchmal auch kritische Texte, in denen Grenzen der Pflanzenheilkunde aufscheinen.

Wer nämlich immer nur tolle Heilungsgeschichten vorgesetzt bekommt, wird an der Nase herumgeführt.

 

Und nun zum Thema „Heilpflanzen und Diabetes“.

Professor Edzard Ernst aus Exeter in Großbritannien präsentierte beim Diabeteskongress in Berlin eine Reihe systematischer Reviews zur Wirksamkeit von komplementärmedizinischer Ansätzen bei Diabetes mellitus.

Ernst bezeichnete das Vorgehen vieler Befürworter der Komplementärmedizin, erwünschte Schlussfolgerungen aus Studien überzubetonen und widersprechende Evidenz nicht zu berücksichtigen, als „Rosinenpickerei“.

Ausserdem kritisierte er, dass meist nur Daten aus In-vitro-Untersuchungen und Tiermodellen vorlägen, bzw. dass die Studien von schlechter Qualität seien und nur geringe Effektgrößen zeigten.

Valide klinische Studien in diesem Bereich seien Mangelware.

Und was bleibt dann noch übrig:

 

„Ein systematisches Review, das 31 Studien (meist schlechter Qualität) einschloss, zeigte einen potenziellen Benefit bei Diabetes für Chrom, Ballaststoffe, Grünen Tee und Bockshornklee. Suksomboon et al. (J Ethnopharmacol 2011) konnten Effekte auf den HbA1c-Wert für Mariendistel und Bockshornklee, nicht aber für Süßkartoffel und Zimt zeigen. Eine Cochrane-Analyse von 7 randomisierten klinischen Studien zu ayurvedischen Ansätzen, kam zu dem Schluss, dass aufgrund der methodischen Defizite der Untersuchungen keine Bewertung möglich sei.“

 

Quelle:

 

http://www.springermedizin.de/ddg-kongress_valide-daten-zu-alternativen-behandlungsoptionen-sind-mangelware/5152590.html

(mehr Quellenangaben dort)

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Bei Diabetes sind eine adäquate Ernährungsgestaltung, Reduktion von Übergewicht und ausgiebige Bewegung wichtiger als Heilpflanzen-Anwendungen. Das sind aber eigentlich auch Bereiche der Naturheilkunde.

Ballaststoffe sind im Zitat oben pauschal aufgeführt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose. Gemeint sein könnten zum Beispiel:

– Haferkleie:

„Hafer-Beta-Glucan bildet im Magen und Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz, die eine verlangsamte Resorption der Nährstoffe aus der gelartigen Masse zur Folge hat. Dies führt zu einem weniger starken und zeitverzögerten Anstieg des Blutglucosespiegels.“

(Quelle: Wikipedia)

– Guarkernmehl

– Johannisbrotkernmehl

– Flohsamen

– Bockshornkleesamen

 

Mariendistel ist bekannt als Leberschutzpflanze und zur unterstützenden Behandlung bei chronischen Lebererkrankungen, wobei allerdings nur Präparate wirksam sind, die einen hohen Wirkstoffgehalt aufweisen (hochkonzentrierte Extrakte, reine Silymarin-Präparate). Mariendisteltee und Mariendisteltinktur liegen mit ihrem Silymaringehalt deutlich zu tief.

 

Interessant und neu für mich ist die Erwähnung der Mariendistel im Zusammenhang mit Diabetes bzw. dem HbA1c-Wert.

 

Was ist der HbA1c-Wert:

„HbA1c ist ein Glykohämoglobin, das heißt eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist (Glykierung). Die Kopplung von Glukose an das Hämoglobin A findet ohne Enzyme statt (Amadori-Umlagerung), daher handelt es sich nicht um eine Glykosylierung.

Der Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin (Hb) kann bei Blutuntersuchungen festgestellt werden. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen (im Durchschnitt acht Wochen, das ist ungefähr das mittlere Alter der Erythrozyten) und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Zimt & Diabetes siehe:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2014/06/06/zimt-zur-senkung-des-blutzuckers-bei-diabetes.html

Zum Thema „Rosinenpicken“ hier ein Zitat von Goethe und ein paar Erläuterungen zum Single-Study-Syndrom.

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Lebererkrankungen bleiben oft lange unbemerkt

Eine Lebererkrankung kann zahlreiche verschiedene Auslöser haben. Die häufigsten Ursachen sind Infektionen mit Hepatitisviren, übermäßiger Alkoholkonsum und Übergewicht. Ungesunde Ernährung kann die Leber ebenfalls krank machen. Eine Fettleber kann aber auch durch Medikamente oder eine genetische Veranlagung ausgelöst werden.

Von einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung ist die Rede, wenn falsche Ernährung oder eine Störung des Stoffwechsels (z.B. Diabetes mellitus) dafür verantwortlich sind. Solchen Fettleberentzündungen kommen immer häufiger vor. Viele Betroffene merken es gar nicht, wenn die Leber krank wird, denn sie zeigt keine Schmerzen. Darum dauert es oft lange, bis eine Lebererkrankung erkannt wird. Dann ist sie häufig schon in einem weit fortgeschrittenen Stadium.

Eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte und eine frühe Diagnose sind deshalb wichtig, um mit gezielten Maßnahmen ein weiteres Fortschreiten einer Lebererkrankung zu verhindern.

Wird die Lebererkrankung frühzeitig erkannt, kann unter Umständen je nach Krankheitsbild eine vollständige Heilung und eine Regeneration des Lebergewebes erreicht werden. Hepatitis B und Hepatitis C, hervorgerufen durch Infektionen mit dem Hepatitis B- bzw. Hepatitis C-Virus, können inzwischen gut behandelt werden. Bei der Fettleberhepatitis sind gesunde Ernährung und Bewegung sowie gegebenenfalls eine Optimierung der Diabetes-Therapie ausschlaggebend, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Wird die Grunderkrankung nicht genügend behandelt, kann es zu einer Vernarbung des Lebergewebes (Zirrhose) oder zu einem Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom) kommen.

Weitere Informationen über Lebererkrankungen unter www.deutsche-leberstiftung.de

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Medikamenten, die häufig die Leber schädigen, zählen neben Paracetamol und nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) vor allem Antibiotika.

Neuere Forschungen weisen daraufhin, dass Fruchtzucker (Fruktose) eine Fettleber begünstigen kann. Dies haben Wissenschaftler allerdings nur beobachtet, wenn die Studienteilnehmer große Mengen Fruktose aufnahmen, etwa in Form von fruchtzuckerhaltigen Limonaden und Softdrinks.

Kaffee soll zudem gemäss neueren Studien günstig auf die Leber wirken.

In der Phytotherapie gilt Mariendistel (Silybum marianum) als „Leberpflanze“.

Aus der Forschung gibt es Hinweise darauf, dass der Mariendistel-Wirkstoff Silymarin die Leber vor manchen schädlichen Stoffen schützen und die Funktion der Leber bei chronischen Lebererkrankungen verbessern kann. Mariendistel ist eine interessante Heilpflanze und nach gegenwärtigem Wissensstand sehr gut verträglich.

Allerdings wird sie meinem Eindruck nach von manchen Praktikern in der Naturheilkunde ziemlich nebulös eingesetzt. Beispielsweise vorbeugend zur Leberstärkung bei „Leberschwäche“ (Was heisst das genau?) oder zur Förderung der „Entgiftung“ (Welche Gifte sollen da auf welche Weise raus?).Mir scheint es jedenfalls fragwürdig, Mariendistel mit derart nebulösen, diffusen Begründungen wie „Leberschwäche“ oder zur „Entgiftung“ einzusetzen.

Die Indikationen für eine Mariendistelanwendung sollten enger und klarer gefasst werden: Prophylaxe gegenüber toxischen Leberschäden, unterstützende Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose.

Klar ist zudem: Lebererkrankungen gehören in ärztliche Behandlung.

Entschliesst man sich zu einer Mariendisteltherapie, dann sollte die Dosierung ausreichend hoch sein (200 – 400 mg Silymarin als Tagesdosis). Damit diese Dosierung erreicht werden kann, kommen Präparate mit reinem Silymarin oder mit Mariendistelextrakt zur Anwendung. Mit Mariendisteltinktur lässt sich kaum genügend Wirkstoff zuführen und Mariendisteltee ist wegen der geringen Wasserlöslichkeit des Wirkstoffs Silymarin ungeeignet.

Vorbeugend gegen Lebererkrankungen hilft hauptsächlich – soweit möglich – ein leberfreundlicher Lebensstil.

Dazu gehören eine ausgewogene, kalorienarme Ernährung mit ausreichend Bewegung, Masshalten beim Alkoholkonsum und sofern möglich bei der Einnahme von Schmerzmitteln wie Paracetamol und NSAR (nicht unnötig lang, nicht zu hoch dosiert) sowie die Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heidelbeeren-Anthocyane im Verdauungstrakt

Die „Österreichische Apothekerzeitung“ (17 / 2013) publizierte einen fundierten Artikel von Mag. Pharm. Arnold Achmüller zum Thema „Phytotherapie bei Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt“.

Hier als Zitat der Abschnitt über die Heidelbeere:

„Die in den getrockneten Heidelbeeren (Myrtilli fructus siccus) enthaltenen 5 bis 12 % Gerbstoffe, wobei es sich hier vor allem um Catechingerbstoffe handelt, wirken adstringierend, obstipierend und antiseptisch. Die ESCOP empfiehlt getrocknete Heidelbeeren daher bei unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen. Die ebenfalls enthaltenen Anthocyanoside wirken gefäßprotektiv und antiulzerogen und unterstützen dadurch die Abheilung von Magen- und Darmgeschwüren. Im Gegensatz zu den getrockneten Heidelbeeren wirken frische Beeren leicht abführend.

Tagesdosis: 20 bis 60 g für Erwachsene, 5 bis 20 g für Kinder.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-17.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von getrockneten Heidelbeeren gegen Durchfall ist schon lange bekannt.

Interessanter ist der Hinweis auf die Anthocyanoside (Anthocyane) – das sind die blauen Farbstoffe in der Heidelbeere.

Anthocyane sind als blaue und rote Farbstoffe im Pflanzenreich weit verbreitet. Neben den Heidelbeeren findet man sie beispielsweise auch in Brombeeren, Kirschen, Himbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren.

Anthocyane zeigen experimentell sehr interessante Wirkungen, zum Beispiel gegen Entzündungen und als Gefässschutz.

Allerdings werden sie nur schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen, was „Fernwirkungen“ im Körper einschränkt. Einfacher vorstellbar sind lokale Wirkungen im Verdauungstrakt, wie die in Zitat erwähnte unterstützende Wirkung bei der Abheilung von Magengeschwüren und Darmgeschwüren.

Auch bei chronischen Entzündungen im Dickdarm (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) wird eine Wirkung der Anthocyane aus Heidelbeere diskutiert.

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Grundlage von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.

Siehe auch:

Anthocyane aus Traubensaft / Heidelbeersaft wirken positiv auf Fettstoffwechsel

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Phytotherapie: Zur Wirkung von Heidelbeeren

Schwarzer Holunder / Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Açai, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren?

Aronia-Beeren – die neueste Antioxidantien-Welle?

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen Auberginen?

Açai-Beere als Schlankheitsmittel und Power-Frucht?

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen?

Polyphenole für Herz-Kreislauf – schwache Datenlage

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Basendiät gegen Übersäuerung des Körpers?

Immer wieder einmal spricht mich jemand auf das Thema Übersäuerung an.

Und manchmal ist es ziemlich bemerkenswert, mit welcher Fraglosigkeit die Theorie von der Übersäuerung vertreten und befolgt wird. Die Säure-Basen-Theorien basieren nämlich auf einer ganzen Reihe von spekulativen Annahmen, die alles andere als belegt sind. Sogenannte „Basenpulver“, die gegen die angebliche Übersäuerung propagiert werden, helfen wohl vor allem den Verkäufern und Herstellern.

So wie sie Säureüberschüsse normalerweise kompetent eliminieren, werden unsere körpereigenen Puffersysteme auch die unnötigerweise zugeführten Basenpulver neutralisieren.

Unser Organismus hat eine ganze Reihe von Puffersystemen zur Konstanthaltung des pH-Wertes. Wenn sie ausnahmsweise dazu nicht mehr in der Lage sind, ist das ein gravierender Fall und der betreffende Patient im Spital.

Eine Übersäuerung ist mit dem Leben nicht vereinbar.

Etwas krass ausgedrückt: Wer sauer ist, ist ziemlich tot.

Im österreichischen „Standard“ hat der Ernährungsmediziner Kurt Moosburger zur Übersäuerungstheorie Stellung genommen:

„Eine Übersäuerung kann es im Normalfall gar nicht geben, weil der Körper selbst für einen ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt sorgt. Ausnahmen gibt es nur bei schweren Nierenkrankheiten oder einem entgleisten Typ-1-Diabetes. Den pH-Wert des Organismus kann man über die Nahrung nicht beeinflussen. Nicht einmal, wenn man sich extrem eiweißlastig ernährt, würde es einem Menschen gelingen, eine metabolische Azidose (Übersäuerung des Blutes, Anm.) auszulösen. Denn die Säureausscheidungskapazität der Nieren ist um ein Vielfaches höher.“

Quelle:

http://derstandard.at/1324501618894/Nahrungsverzicht-Fasten-Raubbau-am-eigenen-Koerper

Und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schreibt in einer Stellungnahme:

„Eine basenüberschüssige Kost bringt keine nachweisbaren gesundheitlichen Vorteile. Eine Übersäuerung des Körpers ist beim Gesunden nicht zu befürchten, da Puffersysteme den Säure-Basen-Spiegel im Blut und Gewebe konstant halten. Zu einer Azidose (Übersäuerung) kann es z.B. bei einer Stoffwechselentgleisung beim Diabetes mellitus kommen.“

(Quelle: Wikipedia)

Bedenklich an solchen Theorien finde ich, dass sie ständig Zweifel an der Kompetenz unseres Organismus säen. Allein können wir es angeblich niemals schaffen, deshalb brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel, Basendiäten, Entschlackungsmittel …..

Uns wird ein Defizit eingeredet, damit wir folgsam die Therapien konsumieren, die das angebliche Defizit beheben sollen.

Das ganze Leben wird so zur Therapie. Keine Lebenssituation, für die es nicht eine ganze Palette von Ernährungsregeln, Schüssler Salzen, Bachblütentropfen, Pflanzentinkturen, Globuli und Vitaminpräparaten gibt.

Die Alternativmedizin ist voll dabei im Trend zur Pathologisierung, Therapeutisierung und Medikalisierung aller Lebenslagen.

Nicht nur in der Medizin, auch in Alternativmedizin bzw. Komplementärmedizin müsste viel kritischer hinterfragt werden, welche Angebote wirklich nötig und sinnvoll sind.

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Erdbeeren und Heidelbeeren reduzieren Herzinfarkt-Risiko bei Frauen

Drei Portionen Erdbeeren oder Heidelbeeren pro Woche reduzieren das Infarktrisiko für Frauen um ein Drittel.

Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam im Fachjournal „Circulation: Journal of the American Heart Association“ (doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.112.122408).

Grund dafür seien Inhaltsstoffe aus der Gruppe der sogenannten Anthocyane, welche die Blutgefässe gesund halten.

Erdbeeren und Heidelbeeren sind reich an Flavonoiden. Diese Gruppe von Pflanzeninhaltsstoffen erzeugt oft die Blütenfarbe, hat jedoch weitere schützende Funktionen für die Pflanze. Eine Untergruppe der Flavonoide, die sogenannten Anthocyane, ist für die menschliche Ernährung von spezieller Bedeutung, wie Wissenschaftler um Eric Rimm von der Harvard School of Public Health in Boston mitteilen.

Anthocyane weiten den Studienautoren zufolge Arterien, hemmen die Entstehung von Plaques in den Blutgefäßen und zeigen noch eine Reihe weiterer nützlicher Eigenschaften. Gemäss den Aussagen des Leitautors Aedín Cassidy von der University of East Anglia in Norwich zeigt die Studie, dass der erhöhte Verzehr dieser Früchte schon in jungen Jahren das Herzinfarktrisiko im späteren Leben vermindern kann. Beteiligt an der Studie waren 93 600 Frauen zwischen 25 und 42 Jahren. Während 18 Jahren füllten die Teilnehmerinnen im Vier-Jahres-Rhythmus Fragebögen zu ihrer Ernährung aus. In diesem Zeitraum erlitten 405 Frauen einen Herzinfarkt. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmerinnen, die mindestens dreimal in der Woche Erdbeeren oder Heidelbeeren aßen, ein Drittel seltener betroffen waren als solche, die die Beeren höchstens einmal im Monat konsumierten. Der häufige Genuss anderer Früchte oder von Gemüse konnte den Effekt der Erdbeeren und Heidelbeeren nicht ausgleichen.

Die Forscher erklären, dass ihr Resultat unabhängig sei von anderen Risikofaktoren wie Alter, Blutdruck, familiärer Krankengeschichte, Gewicht, Bewegung, Rauchen, Koffein- und Alkoholkonsum. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrer Analyse auf Erdbeeren und Heidelbeeren, da diese Beerenarten in den USA speziell beliebt sind. Daher sei nicht auszuschließen, dass weitere Beeren ähnliche Effekte hätten, unterstreichen die Forscher. Sie empfehlen, Beeren regelmäßig in eine ausgewogene Ernährung mit weiterem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zu integrieren.

Da Herzinfarkte speziell mit steigendem Alter und hauptsächlich bei Männern auftreten, existieren bisher wenige Studien, die untersucht haben, welchen Einfluss die Ernährung bei Frauen in jüngeren Jahren auf das spätere Krankheitsrisiko hat. Bekannt war jedoch schon bisher, dass Flavonoide einen stärkeren antioxidativen Effekt haben als zum Beispiel Vitamin E und darum auch stärker die Zellalterung bremsen sollen. Frühere Studien hatten zudem einen grundsätzlich günstigen Einfluss der Anthocyane auf Herz-Kreislauf-Risiken gezeigt.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/erdbeeren-und-heidelbeeren-senken-herzinfarkt-risiko-bei-frauen-061507683.html

Kommentar & Ergänzung:

Anthocyane gehören zu den interessantesten Pflanzeninhaltsstoffen. Sie sind zum Beispiel auch vorhanden in Kirschen, Schwarzen Johannisbeeren, Karkadeblüten (Hibiscus sabdariffa) und Auberginen.

Zu der beschriebenen Studie ist aber noch zu sagen, dass eine Beobachtungsstudie nie den kausalen Zusammenhang einwandfrei belegen kann. Festgestellt wird eine Korrelation, ein Zusammentreffen von hohem Erdbeer- und Heidelbeerkonsum mit einem tieferen Herzinfarktrisiko. Das belebt jedoch nicht, dass der Erdbeer- und Heidelbeerkonsum und damit die hohe Anthocyan-Zufuhr auch Ursache der tieferen Herzinfarktrate ist. Der hohe Erdbeer- und Heidelbeerkonsum könnte auch nur ein Marker für einen gesunden Lebensstil sein und damit die Ursache für die tiefere Herzinfarktrate bei anderen, noch unbekannten Faktoren liegen.

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Basis von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.

In der Augenheilkunde: Netzhauterkrankung und Nachtblindheit.

Zum Thema Anthocyane siehe auch:

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Blick ins Pflanzenlexikon: Hibiskus

Phytotherapie: Zur Wirkung von Heidelbeeren

Blaue Kartoffeln reduzieren Blutdruck

Aronia-Beeren – die neueste Antioxidantienwelle

Schwarzer Holunder, Holundersaft bei Grippe & Erkältung

Acai, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Auberginen?

Acai-Beere als Schlankheitsmittel und Powerfrucht

Polyphenole für Herz & Kreislauf – Schwache Datenlage

Anthocyane als Entzündungshemmer

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

Benefiber (Novartis) ist ein Präparat, das als Mittel gegen Verstopfung in Spital und Pflegeheim ziemlich verbreitet ist. Welche pflanzlichen Inhaltsstoffe in Benefiber für die Wirksamkeit verantwortlich sind, ist aber vielen Verwenderinnen und Verwendern nicht bekannt.

Benefiber besteht aus Guar.

Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden.

Welche Wirkung ist von Guar / Benefiber zu erwarten?

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) quilt im Darm zusammen mit Wasser und verzögert die Aufnahme von Kohlenhydraten. Es wird zur Therapie der Obstipation (Verstopfung) sowie als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus eingesetzt, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Guar ist ein Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht. So kommt es zu einer verzögerten Magenentleerung und im Dünndarm zu einer Verlangsamung der Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen hauptsächlich beim Diabetiker zu tieferen postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht vermindert.

Guar wirkt zudem lipidsenkend: Das Plasma-Gesamtcholesterin und die Triglyzeride sinken, auf das HDL-Cholesterin ist kein Effekt vorhanden, während LDL abnimmt.

Darüber hinaus wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche für Guar:

– Obstipation

– Begleitbehandlung beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu vermindern. Weil die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch vermindert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen wie Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl, Magendruck und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Benefiber ( = teilhydrolisiertes Guarkernmehl) ist es frei verkäuflich, wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und vor allem gegen Verstopfung eingesetzt.

P. S. : Das ist kein bezahlter Benefiber-Werbetext und ich stehe auch nicht auf einer Novartis-Lohnliste. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil mir aufgefallen ist, dass viele Anwender von Benefiber in Pflegeheimen, Spitälern etc. nicht Bescheid wissen über die pflanzliche Zusammensetzung.

Dieser Blog ist werbefrei, wenn man von meinen eigenen Kursangeboten absieht!

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