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Giftmischerin produziert und testet Rizin im Altersheim

Diese ziemlich verrückte Geschichte ging vor kurzem durch die Medien:

Eine 70-jährige Seniorin aus dem US-Bundesstaat Vermont hat auf eigene Faust hochgefährliches Pflanzengift Rizin produziert – und an ihren Mitbewohnern im Altersheim getestet.

Wie das US-Justizministerium mitteilte, wurde durch die Machenschaften der 70-jährigen Betty Miller aber offenbar kein Bewohner der idyllischen Seniorenresidenz in Shelburne im Bundesstaat Vermont getötet.

Die US-Bundespolizei FBI war den Angaben zufolge aufgrund einer möglicherweise gefährlichen Substanz in Millers Appartement alarmiert worden. Die Polizisten entdeckten in der Wohnung eine Flasche mit der Aufschrift „Rizin“. Untersuchungen bestätigten, dass es sich um das hochgefährliche Pflanzengift handelte. Rizin lähmt die Atemwege und kann bei Verschlucken schon in kleinsten Dosen tödlich wirken.

Die Giftmischerin wurde festgenommen. Sie habe angegeben, „Interesse an Giftstoffen auf Pflanzenbasis zu haben“, erklärte das Justizministerium. Nach einer Internet-Recherche produzierte sie das Rizin in ihrer Küche. Um seine Wirksamkeit zu prüfen, mischte sie das Gift in Speisen und Getränke ihrer Mitbewohner.

Millers Wohnung wurde von FBI-Fachleuten für „Massenvernichtungswaffen“ durchsucht. Die Polizisten entdeckten dort noch mehr Rizin und Pflanzenbestandteile etwa von Äpfeln, Kirschen, Rizinus, Fingerhut und Hefe, aus denen nach Einschätzung der Fachleute ebenfalls Gift hergestellt werden kann. Eine Gefahr bestehe nun jedoch nicht mehr.

Das Altersheim sprach von einem Einzelfall. Um die toxikologisch interessierte Bewohnerin des Appartements kümmern sich nun die Strafverfolgungsbehörden. In die Seniorenresidenz wird sie nicht zurückkehren.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/giftkueche-im-altenheim–seniorin-braut-hochgefaehrliches-rizin-7771444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Keine Ahnung, wie genau die Frau Rizin produziert hat.

Rizin ist vor allem enthalten in Rizinussamen.

Wikipedia schreibt dazu:

„Rizin oder Ricin ist ein äußerst giftiges Protein aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Chemisch ist das Protein Rizin ein Lektin, das aus einer zellbindenden und einer giftigkeitsvermittelnden Komponente besteht. Seine Giftigkeit wird auf eine Hemmung der eukaryotischen Proteinbiosynthese zurückgeführt.

Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, so bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Menschen genügen (bei oraler Aufnahme) 0,3–20 Milligramm isoliertes Rizin pro Kilogramm Körpergewicht entsprechend etwa acht Samenkörnern, deren Größe und Gehalt jedoch stark schwankt. Bei Kindern kann, je nach Alter und Konstitution, schon ein halbes Samenkorn tödlich wirken. Allerdings wird auch berichtet, dass selbst nach Einnahme von 40 bis 60 Samen eine Überlebenschance besteht. Dabei kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt das Erbrechen einsetzt. Bei intravenöser, inhalativer oder subkutaner Aufnahme wirken wesentlich geringere Mengen letal, so bei subkutaner Gabe schon 43 μg/kg Körpergewicht.

Rizin ist in der Kriegswaffenliste des deutschen Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt.“

Für den Einsatz von Rizin als Biowaffe gibt es eine Reihe von Fallbeispielen. Dazu wieder bei Wikipedia:

„Bekanntheit erlangte der Mordanschlag mit Rizin als ‚Regenschirmattentat’ auf den bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow in London 1978.

1991 wurden in Minnesota mehrere Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Patriot’s Council festgenommen, weil sie für einen Anschlag auf Bundespolizisten eine Menge an Rizin hergestellt hatten, die für die Tötung von über 100 Menschen ausreichend gewesen wäre. Vier von ihnen wurden gemäß dem ‚Biological Weapons Anti-Terrorism Act’ von 1989 für schuldig befunden, sie waren die ersten nach diesem Gesetz Verurteilten überhaupt. 1995 wurde an der Grenze von Alaska ein ebenfalls dem rechtsextremistischen Lager zugerechneter Mann festgenommen beim Versuch, 130 Gramm pulverisiertes Rizin nach Kanada einzuschmuggeln.

Die Londoner Times berichtete am 16. November 2001, dass in verlassenen Al-Qaida-Häusern in Kabul Herstellungsanleitungen für Rizin gefunden worden waren, allerdings kein Rizin selbst. Im August 2002 gaben US-amerikanische Behörden bekannt, dass die islamistische Terrororganisation Ansar al-Islam Versuche mit Rizin und anderen chemischen und biologischen Kampfstoffen im Nord-Irak angestellt habe.

Am 9. Januar 2003 meldete die dpa, dass in London kleinere Mengen Rizin sowie Geräte zu seiner Herstellung gefunden worden waren. In diesem Zusammenhang wurden sechs Algerier festgenommen. Im April 2005 wurden bis auf einen alle Beteiligten freigesprochen. Ein Angeklagter wurde wegen Mordes an einem Polizisten, den er während einer Hausdurchsuchung erstochen hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Ermittlungsbehörden gaben in dem Verfahren entgegen früheren Meldungen an, kein Rizin, sondern lediglich amateurhafte Anweisungen zu seiner Herstellung gefunden zu haben.

Im Februar 2008 wurde in einem Hotelzimmer in Las Vegas Rizin gefunden. Die dortige Polizei erklärte, eine schwer vergiftete Person sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden und schwebe in Lebensgefahr. Trotz des Fundes von Waffen und ‚anarchistischer Literatur’ glaube man nicht an einen terroristischen Hintergrund.

Am 12. August 2011 berichtete die New York Times über geheimdienstliche Erkenntnisse bezüglich des Versuchs zur Herstellung von Rizin durch den regionalen Arm von Al-Qaida im Jemen. Demnach sei die US-Regierung besorgt, dass dort Rizin für Anschläge gegen die USA hergestellt werden könne.

Am 16. April 2013 wurde je ein Brief mit Rizin an den republikanischen US-Senator Roger Wicker und den US-Präsidenten Barack Obama abgefangen. Am 30. Mai 2013 wurde bekannt, dass am 24. bzw. 26. Mai 2013 zwei Briefe mit Rizin an den amtierenden New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg abgefangen worden waren. Als Absenderin der Briefe an Bloomberg und Obama wurde die Schauspielerin Shannon Guess Richardson ermittelt; sie gestand dies. Sie wurde zu 18 Jahren Haft und 367.222 Dollar Entschädigungszahlung verurteilt.

Anfang September 2014 wurden in einem US-amerikanischen Labor schlecht gesicherte Rizinrestbestände aus Waffenexperimenten im Ersten Weltkrieg gefunden, zusammen mit Pest- und Botulismus-Erregern.“

Ein ziemlich gruseliger Giftstoff, dieses Rizin

Aus Rizinussamen gewinnt man das fette Rizinusöl, das in der Phytotherapie als Abführmittel (Laxans) eingesetzt wird. Für medizinische Zwecke wird Rizinusöl durch Kaltpressung hergestellt und raffiniert, das heisst entschleimt, entsäuert und mit Wasserdampf behandelt. Raffiniertes Rizinusöl enthält kein Rizin mehr.

Das Fachbuch „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ schreibt zur Anwendung als Abführmittel:

„Innerlich als Laxans: Je nach Dosis tritt die laxieerende Wirkung unterschiedlich rasch ein: nach Einnahme von 1 Teelöffel voll nach etwa 8 h, nach Einnahme von 15 – 30 g (1 – 2 Esslöffel) innerhalb von 2 – 4 h. Unerwünschte Wirkungen: Es können sich dyspeptische Beschwerden einstellen. In Stadien fortgeschrittener Schwangerschaft können höhere Dosen die Wehen auslösen.“

Wegen der wehenauslösenden Wirkung ist Rizinusöl auch Bestandteil von sogenannten „Wehencocktails“. Siehe dazu:

Rizinusöl zur Geburtseinleitung

Rizinusöl als Abführmittel & Wehenmittel – Wirkung via Prostaglandinrezeptor

In Kosmetik und Dermatologie wird Rizinusöl zudem wegen seiner guten Löslichkeit in Alkohol als Fettzusatz in alkoholhaltigen Externa eingesetzt, insbesondere in Haartonika.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

[Buchtipp] Phytotherapie, Arzneidrogen – Phytopharmaka – Anwendung von Margret Wenigmann

PhytotherapieVerlagsbeschreibung

Phytotherapie verstehen und therapeutisch sicher anwenden
Die Nachfrage nach pflanzlichen Arzneimitteln steigt seit Jahren, gerade aufgrund guter Verträglichkeit und geringer Nebenwirkungen. Ob man als Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker mit Phytotherapie behandelt oder berät: Mit „Phytotherapie“ erwirbt der Leser die notwendige phytotherapeutische Fachkompetenz!
Wissenschaftlich fundiert (entsprechend der HMPC-Monografien) und in täglicher Praxis erprobt, findet man hier:
– Detailliertes Wissen zu Pflanzeninhaltsstoffen, Drogenextrakten und Arzneitees
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Hinzu kommen arzneimittelrechtliche Aspekte sowie die Abgrenzung von Phytopharmaka zu Nahrungsergänzungsmitteln.
Benutzerfreundlich und didaktisch hochwertig aufbereitet mit übersichtlichen Grafiken und Mindmaps, dient „Phytotherapie“ als ideales Lehrbuch und Nachschlagewerk.

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Inhaltsverzeichnis des Buches „Phytotherapie“:

1 Grundlagen der Phytotherapie
2 Arzneimittelrechtliche Bestimmungen
3 Arzneipflanzen und Arzneidrogen
4 Inhaltsstoffe der Arzneipflanzen
5 Drogenportraits
6 Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
7 Atemwegserkrankungen
8 Erkrankungen des Verdauungstrakts
9 Stoffwechselerkrankungen
10 Erkrankungen des Urogenitaltrakts
11 Gynäkologische Erkrankungen
12 Neurologische Erkrankungen
13 Psychische Erkrankungen
14 Schmerzen und Entzündungen
15 Dermatologie
16 Steigerung der Abwehrkräfte

Die Autorin Margret Wenigmann

Margret Wenigmann ist Apothekerin, Autorin und Dozentin in der Weiterbildung Phytotherapie für Ärzte und Apotheker. Sie stammt aus einer Familie, in der der Beruf des Apothekers und die Beschäftigung mit Arzneipflanzen seit Generationen fest verankert sind. So liegt es nahe, dass die Phytotherapie zum erfüllenden Lebensthema wurde. In ihren Publikationen verbindet sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit eigenen Erfahrungen aus langjähriger Dozenten- sowie täglicher Beratungstätigkeit in der Apotheke.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch „Phytotherapie“ von Margret Wenigmann richtet sich zwar an Fachleute, ist aber sehr klar geschrieben und dürfte daher auch interessierten Laien Nutzen bringen, wenn sie bereit sind, einzelne Fachwörter nachzuschlagen. Es werden 126 Heilpflanzen in Monografien vorgestellt.  Wichtiger scheinen mir aber noch die Kapitel, in denen die einzelnen Organsysteme und die darin eingesetzen Heilpflanzen vorgestellt werden.  Dazu liefert die Autorin in kompakter Form zum Verständnis wichtiges medizinisches Fachwissen.

Das Buch enthält Teerezepturen, informative Mindmaps und jeweils ausführliche Hinweise auf Fertigpräparate (Phytophamaka) aus den beschriebenen Heilpflanzen. Dabei handelt es sich um Fertigpräparate, die in Deutschland im Handel. Nur ein Teil davon ist auch in der Schweiz als Arzneimittel im Handel, doch können die Apotheken in der Schweiz Präparate aus Deutschland auf Verlangen besorgen.

Als Hinweis: In der Verlagsbeschreibung zum Buch taucht die Bezeichnung „Arzneidroge“ auf. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit „Droge“ ist in der Phytotherapie die getrocknete Heilpflanze gemeint.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie  in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen.

 

Was hilft gegen Krampfaderbeschwerden?

Die österreichische Kronenzeitung befasst sich mit dem Thema Krampfadern.

Dabei kommen auch pflanzliche Arzneimittel zur Sprache.

Ass.- Prof. Priv.-Doz. Dr. Stanislava Tzaneva von der Klinischen Abteilung für Dermatologie der MedUni Wien erklärt dazu:

„Das konsequente (!) Tragen von Kompressionsstrümpfen, -strumpfhosen oder Verbänden während des Tages fördert den Rückfluss des Blutes. In Kombination mit dieser Basistherapie kann der Betroffene auch venoaktive Medikamente, z. B. mit Rosskastanien oder Traubenkernextrakt einnehmen. Das Ziel ist die Linderung typischer Beschwerden wie Schwellungen, Schweregefühl und Schmerzen.“

Eine weitere Möglichkeit sei das operative Entfernen der Krampfadern (Venenstripping).

„Diese Methode wurde in den vergangenen Jahren aber mehr und mehr von der Radiofrequenz- und Laserbehandlung verdrängt, die nun erste Wahl sind“, erklärt die Fachärztin für Dermatologie und Venerologie. Als dritte Möglichkeit komme die Verödung mit Flüssigkeit oder Schaum zum Einsatz.

Quelle:

http://www.krone.at/gesund-fit/was-hilft-bei-krampfadern-zeigt-her-eure-beine-story-570161

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt bei Krampfaderbeschwerden wie Schwellungen, Schweregefühl und schmerzenden Beinen ist gut mit Studien belegt.

Es braucht aber einen Extrakt, der eingestellt ist auf eine Tagesdosis von 100 mg Aescin und die Einnahme über längere Zeit.

Tee aus Rosskastaniensamen ist keie praktikable Anwendungsform und Rosskastanientinktur enthält zuwenig Aescin. Beliebt sind Rosskastaniensalben, doch ist ungeklärt, ob dadurch eine Wirkung über die Haut erzielt werden kann.

Traubenkernextrakt ist reich an oligomeren Proanthocyanidinen (OPC), wirkt deshalb als Antioxydans und wird in Nahrungsergänzungsmitteln als Anti-Aging-Mittel propagiert. Studien, die diese Versprechungen belegen würden, fehlen allerdings.

Auch eine Wirksamkeit gegen Krampfaderbeschwerden ist nicht plausibel belegt. Daher würde ich bei Krampfaderbeschwerden auf Rosskastanienextrakt setzen.

Siehe auch:

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

Venenschwäche – hilft Rosskastaniensalbe?

Pharmawiki: Rosskastanien-Extrakt bei Venenleiden

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

Der Saathafer wurde vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Der Saathafer (Avena sativa) ist ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae oder Gramineae). Er bildet im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste seine Körner nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus.

Die Haferkörner sind von Spelzen umschlossen, die durch einen speziellen Mahlgang entfernt werden müssen. Der Hafer liefert zwar tiefere Hektar-Erträge als Weizen, Roggen und Gerste, doch ist er diesen gegenüber beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack überlegen. Zudem ist Hafer weniger anspruchsvoll, denn er gedeiht auch auf kargen Böden und bei feuchter Witterung.

Drei Pflanzenteile des Saathafers stossen auf pharmazeutisches Interesse:

Haferstroh (Avenae stramentum) wird als Abkochung für Bäder bei Hautverletzungen und Juckreiz verwendet.

Für die Gewinnung von Haferkraut (Avenae herba) wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Haferkraut ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium), wobei den Flavonoiden entzündungshemmende und den Saponinen immunmodulierende Eigenschaften zugesprochen werden.

Haferkraut-Extrakte kommen daher bei trockener Haut und bei atopischer Dermatitis zur Anwendung.

In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich durch Selektion eine Hafersorte mit einem besonders hohen Anteil an Flavonoiden und Saponinen gezüchtet, die schon sehr jung geerntet und durch ein besonderes Verfahren extrahiert wird. Der aufgereinigte Extrakt ist frei von Proteinen und wird für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze eingesetzt, die für Allergiker speziell gut verträglich sein sollen. Seine Bedeutung für die Dermatologie wurde schon in neueren Fachpublikationen gezeigt. Haferkrautextrakt-Produkte werden aber auch zur Pflege von empfindlicher Haut (Babys, Senioren) und zur Behandlung von Wunden, Rosacea und nicht zuletzt von Psoriasis eingesetzt.

Das Haferkorn (Avenae fructus), aus dem die allseits bekannten Haferflocken hergestellt werden, ist reich an Ballaststoffen (Polysacchariden), von denen die löslichen β-Glucane etwa die Hälfte ausmachen.

In 100 Gramm Haferflocken sind etwa 4,5 Gramm β-Glucane enthalten, in der Haferkleie sind es sogar mehr als 8 Gramm pro 100 Gramm. Die β-Glucane geben dem Haferschleim seine Konsistenz. Indem sie die Verdauung und den Stoffwechsel beeinflussen, wirken sie sich günstig auf den Cholesterinspiegel und den Blutzuckerspiegel aus.

Die Fähigkeit der β-Glucane, Gallensäuren zu binden, führt wahrscheinlich zur Ausscheidung von Cholesterol und zur Reduktion des Gesamtcholesterol- und des LDL-Cholesterol-Spiegels, was einer Atherosklerose vorbeugen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2011 bestätigt, dass die Einnahme von Hafer-β-Glucanen zur Reduktion des Cholesterolspiegels beitragen kann.

Die unlöslichen Ballaststoffe regulierend ausserdem die Verdauungstätigkeit. Da sie die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm in den Körper verzögern, steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit zeitverzögert an, was eine geringere Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Schon vor 100 Jahren wurden daher diätetische „Hafertage“ für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeführt. Eine neuere Studie am Diabetologikum in Berlin hat gezeigt, dass die Insulindosis bei Patienten mit einem hohen Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent reduziert werden kann. Dieser günstige Effekt soll bis zu vier Wochen nachweisbar sein.

Haferflocken zeigen aber auch günstige Auswirkungen auf die Verdauungsorgane selbst. Die Darmwand wird durch die viskösen löslichen Ballaststoffe vor Reizen aus dem Darmlumen geschützt und ein empfindlicher Magen beruhigt.

Umstritten ist noch, ob Menschen mit Zöliakie zu Haferprodukten greifen können. Bei der Zöliakie entzündet sich die Schleimhaut des Darms nach dem Verzehr von Gluten, dem Kleber-Eiweiß in verschiedenen Getreidekörnern.

Gluten ist die dominierende Eiweissfraktion im Weizenkorn, Im Haferkorn herrscht dagegen das Globulin Avenalin mit 80% vor, während Gluten nur einen Anteil von 15 Prozent hat. Hirse, Mais und Reis gelten dagegen als glutenfrei.

Die Zusammensetzung des Glutens unterscheidet sich in den einzelnen Getreidearten und ihren Sorten. Allgemein besteht Gluten aus den Proteingemischen der Prolamine und Gluteline, die wegen ihres hohen Anteils an den Aminosäuren Prolin und Glutaminsäure so benannt worden sind.

Krankheitsauslösend sind bei der Zöliakie die Prolamine, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Für zahlreiche Zöliakie-Patienten ist zwar das Weizen-Prolamin Gliadin, nicht jedoch das Hafer-Prolamin Avenin unverträglich. Und die relative Unverträglichkeit des Avenins hängt zudem noch von der Hafersorte ab; es gibt Hafersorten, die sogar für eine glutenfreie Ernährung infrage kommen.

Mehrere Studien zur Verträglichkeit des Hafers bei Zöliakie-Patienten haben gezeigt, dass kleinere Mengen Hafer im allgemeinen gut vertragen werden. In Schweden und Finnland gilt die Aufnahme von bis zu 50 g Hafer pro Tag als unbedenklich. Es muss sich dabei jedoch um „nicht-kontaminierten Hafer“ handeln, der nicht mit anderem Getreide verunreinigt sein darf und speziell für diesen Zweck angebaut wird.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ ist überzeugt davon, dass das diätetische und therapeutische Potenzial des Hafers noch nicht ausgeschöpft ist und hofft, dass die Arzneipflanze des Jahres 2017 Gegenstand weiterer Forschungen sein wird.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/10/28/noch-viel-potenzial-bei-hautkrankheiten-und-zoeliakie

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine ungewöhnliche Wahl, zählt doch der Hafer seit je her zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den typischen Heilpflanzen. Nimmt man ihn aber aus der Perspektive der Heilwirkungen in den Blick, steht er in einem Übergangsbereich zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie. Und dieser Übergangsbereich ist durchaus interessant.

Wie gewohnt begründet der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ seine Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2017 auch dieses Mal fundiert.

2016 war der Kümmel Arzneipflanze des Jahres, 2015 das Johanniskraut, 20114 der Spitzwegerich, 2013 die Kapuzinerkresse und 2012 das Süssholz.

Hier geht’s zur Website des Studienkreises:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sandelholzduft verbessert Wundheilung und Hautregeneration – zu mindestens im Labor

Wissenschaftler der Universität Bochum entdecken Riechrezeptoren in der Haut. Die untersuchten Rezeptoren beschleunigen die Teilung und Wanderung von Zellen.

Hautzellen besitzen offenbar einen Riechrezeptor für Sandelholzduft. Das entdeckten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Resultate zeigen, dass sich die Teilungsrate der Zellen erhöht und Wunden besser heilen, wenn diese Rezeptoren aktiviert sind. Dieser Mechanismus sei ein möglicher Ansatzpunkt für neue Medikamente und Kosmetika, schreibt die Ruhr-Universität. Das Team um Dr. Daniela Busse und Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt vom Lehrstuhl für Zellphysiologie publizierte die Studie im „Journal of Investigative Dermatology“.

Menschen besitzen in der Nase etwa 350 unterschiedliche Arten von Riechrezeptoren. Riechrezeptoren kommen jedoch nicht nur in der Nase vor.

Auch in anderen Geweben konnten Riechrezeptoren nachgewiesen werden, beispielsweise auf Spermien, in der Prostata, dem Darm und der Niere. Das Team der Ruhr-Universität entdeckte sie nun auch in Keratinozyten, den Zellen, die die äußerste Schicht der Haut bilden. Die Forscherinnen und Forscher experimentierten mit Kulturen menschlicher Hautzellen.

Sie untersuchten den in der Haut vorkommenden Duftrezeptor OR2AT4 genauer und entdeckten dabei, dass ein synthetischer Sandelholzduft, Sandalore genannt, ihn aktiviert. Das Sandelholzaroma kommt oft in Räucherstäbchen vor und ist auch Bestandteil mancher Parfüms. Der aktivierte OR2AT4-Rezeptor stößt in der Hautzelle einen kalziumabhängigen Signalweg an. Dieser bewirkt, dass sich Hautzellen vermehrt teilen und schneller wandern – Vorgänge, die typischerweise die Wundheilung verbessern. In Kooperation mit der Dermatologie der Universität in Münster konnten die Bochumer Zellphysiologen diesen Effekt an Hautzellkulturen und Hautexplantaten zeigen.

Neben OR2AT4 haben die Forscher eine Reihe weiterer Duftrezeptoren in der Haut gefunden, deren Funktion sie in Zukunft genauer entschlüsseln wollen.

Die Resultate zeigen nach Ansicht von Prof. Hanns Hatt, dass die Duftrezeptoren in der Haut therapeutisches und kosmetisches Potenzial besitzen. Er weißt aber auch darauf hin, dass man mit konzentrierten Duftstoffen vorsichtig umgehen sollte, solange wir nicht wissen, welche Funktion die verschiedenen Duftrezeptoren in Hautzellen haben.

Quelle:

http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2014/pm00107.html.de

Daniela Busse et al. (2014): A synthetic sandalwood odorant induces wound healing processes in human keratinocytes via the olfactory receptor OR2AT4, Journal of Investigative Dermatology, DOI: 10.1038/JID.2014.273

http://www.nature.com/jid/journal/vaop/naam/abs/jid2014273a.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Riechrezeptoren nicht nur in der Nase vorkommen, sondern in einer ganzen Reihe von Körperteilen, ist eine interessante Erkenntnis.

Dass Sandelholzduft möglicherweise die Wundheilung beschleunigen könnte, ist genauso spannend.

Eingeschränkt werden muss dabei allerdings, dass es sich um Laborexperimente mit Hautzellkulturen handelt. Ob die positive Beeinflussung der Wundheilung auch bei der realen Wunde eines lebenden Menschen stattfindet, muss noch zuerst belegt werden. Laborergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Situation am Menschen übertragen. Wenn nun also bereits Schlagzeilen erscheinen wie „Sandelholzduft lässt Wunden schneller heilen“, so ist das etwas gar vorschnell. Auch müsste zuerst eine wirksame Anwendungsform entwickelt werden.

„Sandalore“ ist im übrigen eine Marke der Firma Givaudan, dem weltweit grössten Hersteller von Aromen und Duftstoffen. „Sandalore“ wurde entwickelt, weil die Parfümindustrie einen drastischen Preisanstieg beim Sandelholzöl erlebte, verursachte durch die unkontrollierte Abholzung der Bäume (Santalum album) und durch eine zusätzliche Dezimierung durch Phytoplasmen-Befall. Chemisch besteht „Sandalore“ aus 5-(2,2,3-Trimethyl-3-cyclopentenyl)-3-methylpentan-2-ol und die Synthese geht aus von Campholenaldehyd.

Der chemische Grundstoff für die Produktion von Campholenaldehyd ist Terpentinöl, das aus Pinienbäumen gewonnen wird. So dient ein weit verbreiteter und rasch wachsender Baum als Rohstoff für den Geruch einer edlen und bedrohten Baumart: Santalum album.

Quelle:

http://www.dgp-die-parfumeure.de/attachments/article/29/Kongressbericht_SEPAWA_2013.pdf

 

Daraus wird ersichtlich: Mit Sandelholzöl, wie es auf den ersten Blick möglicherweise scheinen mag, hat die Forschung an der Universität Bochum nichts zu tun.

Sandelholzöl ist, wie jedes ätherische Öl, ein Gemisch vieler verschiedener Substanzen:

„Das Öl besteht zu 90 % und mehr aus den isomeren Alkoholen, α- und β-Santalol, und im Übrigen aus einer ganzen Reihe von Verbindungen, von denen hier die Kohlenwasserstoffe Santen und Santalen, die Alkohole Santenonalkohol und Teresantalol, die Aldehyde Nortrizykloeksantalal und Santalal, die Ketone Santenon und Santalon sowie die Teresantalsäure und Santalsäure genannt seien.“

Quelle: Wikipedia

Ausserdem:

„Echtes Sandelholz ist eine Kostbarkeit, da der Besitz, der Handel und die Lagerung von Sandelholz und dessen Produkten einer strengen gesetzlichen Regelung seitens der indischen Regierung unterliegt…

Sandelholz ist der wohl am meisten ‚gefälschte’ Holzduft, so wird vieles als Sandelholz-Öl deklariert, was mit dem Sandelholz nichts zu tun hat.“

Quelle: Wikipedia

Interessant wäre noch zu wissen, ob die Sandelholzduft-Forschung an der Universität Bochum von Givaudan finanziert wird. Das Abstract lässt dazu nichts verlauten.

Wir berühren hier ein Grundproblem der Naturstoff-Forschung: Geld in grosser Menge wird vor allem dort in die Forschung investiert, wo Naturstoffe so verändert werden, dass sie patentiert und markenrechtlich geschützt werden können. Der Weg vom Terpentinöl zum patentierten Sandelholzduft „Sandalore“ ist dafür ein Beispiel. Sandelholzöl als solches ist kommerziell weniger interessant für Forschungsprojekte, weil es dafür keinen Patentschutz gibt. Alle Forschungsergebnisse können so auch von der Konkurrenz kommerzialisiert werden. Unpatentierbare Naturstoffe kommen dadurch forschungsmässig leicht ins Hintertreffen.

Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass in jedem Fall der reine, unverfälschte Naturstoff vorzuziehen ist. Die „Reine-Natur-Ideologie“ geht manchmal weit an der Realität vorbei.

So mag es beispielsweise für manche Anwendungen durchaus Sinn machen, den Sandelholzduft synthetisch nachzubauen, beispielsweise zum Schutz der Sandelholzbäume. Und ein isolierter Einzelstoff bietet gegenüber Vielstoffgemischen manchmal den Vorteil, dass damit auch das Allergisierungspotenzial kleiner ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Atopische Dermatitis: Problematische Formaldehydabspalter in Pflegeprodukten

Patienten mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) reagieren laut einer US-Studie signifikant häufiger als Nichtatopiker mit Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ auf Formaldehydabspalter, die als Konservierungsstoffe diversen Pflegeprodukten zugesetzt werden.

Deutlich unbedenklicher sind offenbar Parabene, die häufigsten Zusätze zur Haltbarmachung von Cremes, Shampoos und anderen Kosmetikartikeln.

Die Haut von Neurodermitikern ist permanent trocken, so dass viele Betroffene ständig bemüht sind, diese besonders gut zu pflegen.

Die Empfindlichkeit der Haut wird aber nicht nur durch die Hauttrockenheit selbst gesteigert. Auch zahlreiche Pflegeprodukte, Shampoos, Waschgels und selbst topische Medizinprodukte können Stoffe enthalten, die Hautreaktionen vom verzögerten Typ auslösen. Um Produkte mit hohem Wasseranteil chemisch vor Kontaminationen zu bewahren, werden ihnen oft Parabene, Formaldehyd oder Formaldehydabspalter zugesetzt. Letztere haben Formaldehydzusätze heute weitgehend verdrängt. Sie setzen Formaldehyd durch Hydrolyse frei.

Bereits eine frühere Studie hatte ergeben, dass Atopiker häufiger Typ-IV-Allergien, insbesondere gegenüber Nickel, Kobaltchlorid und Kaliumdichromat, entwickeln.

Cristin N. Shaughnessy und Kollegen von der Columbia University, New York, untersuchten die Wirkungen von Allergenen bei Probanden mit und ohne atopische Dermatitis (AD).

Vier der fünf Formaldehydabspalter lösten signifikant häufiger allergische Reaktionen bei Atopikern aus: Quaternium-15, Imidazolidinyl-Harnstoff, DMDM Hydantoin und 2-Brom-2-nitropropan-1,3-diol (Bronopol). Keine Differenzen zwischen Atopikern und Nicht-Atopikern fanden sich bei Parabenen, Formaldehyd oder Diazolidinyl-Harnstoff. Parabene etwa, die am häufigsten eingesetzten Konservierungsstoffe, hatten die tiefste Reaktionsrate mit 0,5% bei Nicht-Atopikern und 0% bei Atopikern.

Schlussfolgerungen der Studienautoren

Die Wissenschaftler raten Patienten mit atopischer Dermatitis, dass sie auf Pflegeprodukte verzichten sollten, die Formaldehydabspalter enthalten. Da sich beim Vergleich von Atopikern und Nicht-Atopikern keine Differenzen bezüglich Formaldehyd zeigten, sind nach Ansicht der Forscher die Reaktionen gegen die Struktur der Formaldehydabspalter selbst gerichtet. Obwohl sich für Diazolidinyl-Harnstoff keine signifikanten Differenzen zwischen den beiden Gruppen fanden, empfehlen die Wissenschaftler AD-Patienten dennoch, wegen der strukturellen Verwandtschaft zu Imidazolidinyl-Harnstoff und möglicher Kreuzreaktionen, auch den Umgang mit diesem Inhaltsstoff zu meiden.

Patienten mit Neurodermitis sollten zur Behandlung ihrer Haut am besten Salben verwenden, die keine antimikrobiellen Konservierungsstoffe enthalten. Bei der Auswahl von Cremes, Lotionen und anderen Produkten mit Bioziden raten die Studienautoren, solche mit Parabenen vorzuziehen, da diese sowohl bei Atopikern als auch bei Nicht-Atopikern nur sehr selten allergische Reaktionen auslösen.

Quelle:

http://www.springermedizin.de/atopiker-bei-pflegeprodukten-auf-formaldehydabspalter-achten/4822352.html / Autorin: Starostzik Christine

Shaughnessy, C. N. Cutaneous delayed-type hypersensitivity in patients with atopic dermatitis: Reactivity to topical preservatives. JAAD 2013; online 11 November 2013 (10.1016/j.jaad.2013.08.046)

Kommentar & Ergänzung:

Atopikern ist sehr zu empfehlen, auf einen hautfreundlichen Lebensstil zu achten.  Dazu gehört auch die sorgfältige Auswahl der Pflegeprodukte.

Offenbar sind betreffend Gehalt an Konservierungsstoffen vor allem die hoch wasserhaltigen Produkte problematisch. Bei den Cremen sind das O/W-Emulsionen (Öl in Wasser). Bei trockener Haut sind aber in der Regel sowieso fettreichere W/O-Emulsionen (Wasser in Öl) vorzuziehen.

Die wasserreicheren O/W-Emulsionen enthalten zudem auch mehr Emulgatoren, die sich negativ auf die Hautbarriere auswirken können.

In der Dermatologie kommt es nicht nur auf die Wirkstoffe an, sondern auch auf die Grundlage, in der sie appliziert werden.

Das gilt auch für die Phytotherapie: Es kommt nicht nur auf die passende Heilpflanze an, sondern auch in welcher Form (z. B. wässrig / fetthaltig), und das muss stadiengerecht geschehen.

Tagesseminare zum Thema „Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen und Wunden“ finden Sie jährlich in meinem Kursprogramm (nächster Termin: 26. Februar 2014)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen bei Psoriasis

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, ob es pflanzliche Alternativen zur Therapie der Psoriasis gebe.

Die Schuppenflechte oder Psoriasis (Psoriasis vulgaris) sei eine schubweise verlaufende, entzündliche und chronische Hauterkrankung mit Hyperproliferation der Epidermis, schreibt dazu Professor Jürgen Reichling.

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand können zur Behandlung bei Psoriasis Phytopharmaka (Phyto-Dermatika) nur bei leichten Formen adjuvant eingesetzt werden.“

Bei schweren Verlaufsformen gebe es bisher weder überzeugende Studien noch entsprechende Erfahrungswerte.

Sinnvoll erscheine eine Kombinationstherapie bestehend aus äußerlich anwendbaren Phyto-Dermatika zusammen mit systemisch wirksamen Arzneimitteln wie zum Beispiel Retinoiden, Ciclosporin, Methotrexat.

Und welche Pflanzenpräparate empfiehlt Reichling konkret?

„Bei den Phyto-Dermatika haben sich zur äußerlichen Anwendung Zubereitungen aus Birkenrinde (etwa Trockenextrakt mit 80 Prozent Betulin), Mahonienrinde sowie Pflanzenteere (zum Beispiel Birkenholzteer) bewährt.“

Eine Kombination aus Pflanzenteer und Johanniskrautöl eingearbeitet in Zinkpaste werde ebenfalls als sehr hilfreich beschrieben.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Am häufigsten im Bereich Psoriasis wird als Begleittherapie die Mahonia-Salbe angewendet (Rubisan-Salbe / Rubiderm-Salbe).

Die Gewöhnliche Mahonie (Zierberberitze, Mahonia aquifolium) gehört in die Familie der Berberitzengewäche (Berberidaceae).

Die Pflanze ist bei uns wenig bekannt, obwohl sie zum Beispiel in Parkanlagen häufig anzutreffen ist. Darum hier ein paar Informationen zur Mahonia (Foto auf Wikipedia)

Wo kommt die Mahonia ursprünglich her?

„ Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gewöhnlichen Mahonie liegt im westlichen Nordamerika von Britisch-Kolumbien in Kanada bis zum US-Bundesstaat Oregon. Dort ist die Gewöhnliche Mahonie die offizielle Staatsblume („Oregon grape“). Heute findet man sie auch kultiviert und verwildert in Mitteleuropa; besonders in Frankreich ist sie als Neophyt weit verbreitet. Die Gewöhnliche Mahonie wächst sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Lagen, hauptsächlich in städtischen Garten- und Parklandschaften.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Nutzung der Mahonia:

„ Die Pflanze ist nicht ohne Weiteres zu verwerten, da die meisten Pflanzenteile giftig sind. Die Wurzeln enthalten bis zu 1,5 % Berberin sowie diverse weitere Alkaloide. Der Alkaloid-Gehalt der Beeren liegt bei etwa 0,05 %; sie sind essbar und werden z. B. für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtweinen verwendet.

In der Literatur finden sich Hinweise auf die medizinische Verwendung von Pflanzenextrakten, insbesondere des darin enthaltenen Berberins zur Bekämpfung von Haarschuppen und Schuppenflechte, möglicherweise auch Akne. Der Extrakt aus Rinde und Wurzel wird in der traditionellen Literatur und in der Homöopathie bei Hautausschlag empfohlen. Studien belegen einen positiven Effekt. Die Pflanze blüht schon zeitig im Frühjahr (ab März) und stellt damit eine frühe Nektar- und Pollentracht für Bienen und Hummeln dar.“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die Anwendung von Mahonia-Extrakten in der Homöopathie bei Hautausschlag, bei welcher positive Studienresultate vorliegen sollen, ist etwas irreführend, weil es sich dabei um Salben auf der Basis von homöopathischen Urtinkturen handelt. Weil die Urtinktur noch nicht verschüttelt und verdünnt wurde, handelt es sich eigentlich um eine phytotherapeutische Anwendung.

Einen Überblick über Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen finden Sie hier:

Phytotherapie im Überblick: Dermatologie

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Heilpflanzenkunde: Fundstücke zur Wirkung von Birkenblättern, Birkenrinde, Birkensaft, Birkenelixier

Für Birkenblätter kennt die Phytotherapie als anerkannte Anwendung die Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß (Kommission E, ESCOP). Die Kommission E schreibt den Birkenblättern noch eine unterstützend Wirkung bei rheumatischen Beschwerden zu. Für diese Indikation sind die Belege allerdings schwach und es ist ungeklärt, was Birkenblätter bei Rheuma genau bewirken sollen.

Darüber hinaus gibt es aber weitere interessante Erkenntnisse zur Wirkung der Birke.

„Antipyretische Wirkung: Durch Bäckerhefe induziertes Fieber bei Ratten wurde durch einen 25%igen wäßrigen Birkenblätterextrakt signifikant für eine kurze Zeit gesenkt. Die maximale Hemmung des Fieberanstiegs betrug 40 % nach 5 Stunden.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Birkenblatt.html

Antipyretisch = Fieber senkend

Ob ein solches Resultat mit induziertem Fieber bei Ratten irgendetwas aussagt über die Behandlung von Fieber beim Menschen ist sehr ungeklärt.

Für Birkenrinde gibt es potenzielle Anwendungsbereiche in der Dermatologie:

„Birkenrinde: ein Birkenrindentrockenextrakts erwies sich in einer klinischen Studie als äußerlich wirksam bei Aktinischer Keratose und Schuppenflechte. Derzeit sind jedoch nur Pflegepräparate und keine Arzneimittel im Handel.“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/birke.php

Die Birke also sehr wird vielseitig genutzt.

Neben Birkenblättertee und Birkenrinde ist Birkenteer bekannt. Er soll eine Wirkung gegen Parasiten (Krätze) entfalten und wirksam sein bei Hautkrankheiten wie Hautjucken, Akne und Ekzemen sowie Schuppenflechte und anderen Hautleiden (trockenen Flechten und Dermatosen). Birkenteer wird aber kaum mehr verwendet, weil er wie andere Teerpräparate Hautreizungen auslösen kann und wegen möglicher Mutagenität (Erbgutschädigung).

Birkensaft: In der Volksmedizin wird Birkensaft gegen Rheuma und Gicht angewendet, wobei auch hier nicht ersichtlich ist, wie eine solche Wirkung zustande kommen soll. Genauso fraglich ist die Empfehlung von Birkensaft zu Frühjahrskuren, zur Blutreinigung, gegen Cellulite und als Haarwuchsmittel

Siehe dazu auch:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstee

Plausible Gründe für die Notwendigkeit solcher Frühlingskuren und Blutreinigungsmittel gibt es meines Erachtens nicht. Wenn jemand aber davon überzeugt ist, dass ihm oder ihr ein solches „Putzritual“ gut tut, dann ist Birkenblättertee oder Birkensaft zu mindestens eine unschädliche Variante und Zubereitungen auf der Basis von Abführmitteln (Senna, Aloe) alle weil vorzuziehen.

Wer also Birkensaft und / oder Birkenelixier gern hat, kann sie ruhig trinken oder in die Kopfhaut einmassieren. Unerwünschte Nebenwirkungen sind hierbei nicht zu befürchten.

Es ist im übrigen auch keineswegs meine Absicht, die Birke „schlechtzumachen“. Nur die Verkaufsargumente und Heilungsversprechungen, die mit Birkensaft und Birkenelixier verbunden werden, halte ich für ziemlich überzogen.

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Wirkstoff aus Garten-Wolfsmilch gegen aktinische Keratose getestet

Ein Wirkstoff aus der Garten-Wolfsmilch Euphorbia peplus, einer in Europa weit verbreiteten Pflanze, könnte sich als Medikament zur Behandlung der aktinischen Keratose eignen. Die US-Arzneibehörde FDA hat vor kurzem ein Präparat zugelassen, das in einer Studie im New England Journal of Medicine (2012; 366: 1010-1019) vorgestellt wurde.

Die aktinische Keratose ist eine bei hellhäutigen Personen weit verbreitete Präkanzerose. Zwei Drittel aller Spinalzellkarzinome sollen sich auf der Basis einer aktinischen Keratose entstehen. Auch wenn nicht genau bekannt ist, wie viele aktinische Keratosen sich zum Karzinom weiter entwickeln und das Spinaliom bei rechtzeitiger Entfernung in der Regel kein Risiko darstellt, wird allgemein die Behandlung der aktinischen Keratose empfohlen.

Von zahlreichen Patienten wird die Behandlung der aktinischen Keratose auch gewünscht, vor allem weil sie sich in der Regel an UV-exponierten, also sichtbaren Hautstellen befindet. Gerade im Gesicht sind aber der gegenwärtig bevorzugten Behandlung, der Kryochirurgie enge Grenzen gesetzt, zumal sie eine Narbe hinterlässt. Andere lokale Behandlungen wie Imiquimod oder Fluorouracil können sehr langwierig sein.

Die Therapie mit Ingenol, das der Produzent aus Euphorbia peplus gewinnt, erzielte dagegen schon nach zwei- bis dreimaliger Anwendung eine gute Wirkung. Dies sollen vier Studien belegen, deren Resultate die Gruppe um Neil Swanson von der Oregon Health and Science University in Portland zusammengefasst hat.

Die Läsionen, die bei 547 Patienten den Bereich von Gesicht oder Kopfhaut betrafen und sich bei 458 Patienten an Armen oder Rumpf befanden, waren in den Studien mit einem Gel therapiert worden, das entweder Ingenol oder keinen Wirkstoff enthielt. Im Gel für Gesicht oder Kopfhaut lag Ingenol in 0,015-prozentiger Konzentration vor. Es wurde an drei Tagen aufgetragen. Das Gel für Arme und Rumpf enthielt Ingenol in 0,05-prozentiger Konzentration und wurde an zwei Tagen aufgetragen.

Die Wirkung des Ingenol-Gels wurde mehrmals beurteilt, zuletzt am Tag 57. Bei dieser Schlussuntersuchung hatten sich 42,2 Prozent der Läsionen auf Gesichts- oder Kopfhaut vollständig zurückgebildet (gegenüber Placebo mit 3,7 Prozent). Auf den Armen und am Rumpf wurde bei 34,1 Prozent der Probanden eine vollständige Clearance erreicht (Placebo 4,7 Prozent).

In den ersten Tagen der Behandlung kam es allerdings zu lokalen Entzündungsreaktionen, die auf einer Skala von 0 bis 24 die Intensität von 9,1 in Gesicht und Kopfhaut, beziehungsweise 6,8 an Armen oder Rumpf erreichte. Diese Entzündungsreaktionen bildeten sich bei den Patienten aber innerhalb weniger Wochen zurück. Die Wissenschaftler schließen jedoch nicht aus, dass es bei einigen Patienten zu einer dauerhaften Depigmentierung und zu einer minimalen Narbenbildung kommen kann.

Ein Hersteller aus Dänemark bekam aufgrund der Resultate im Januar 2012 eine Zulassung durch die US-Arzneibehörde FDA. Zu einer allfälligen Einführung in Europa machte die Firma keine Angaben.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49540/Pflanzlicher-Wirkstoff-beseitigt-aktinische-Keratose

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1111170m

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Studie, aber noch nicht einsetzbar, solange keine Zulassung als Medikament in Europa vorliegt.

Von irgendwelchen Selbstversuchen mit Garten-Wolfsmilch würde ich jedenfalls mit Nachdruck abraten. In der Familie der Wolfsmilchgewächse finden sich nämlich eine ganze Anzahl von potenten Giftpflanzen.

„Der bei manchen Arten vorhandene Milchsaft (Latex) ist oft toxisch und dient als Wundverschluss und Fraßschutz. Unter den Inhaltsstoffen sind die hautreizenden Di- und Triterpenester erwähnenswert.

Die Samen und der Milchsaft enthalten giftiges Euphorbon. Diese haben eine starke örtliche Reizwirkung auf die Haut und die Schleimhäute mit Gewebszerstörung. Augenverletzungen sind besonders gefährlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Bekannte Vertreter aus der Familie der Wolfsmilchgewächse sind der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima, auch Adventsstern, Christstern oder Poinsettie genannt), der Christusdorn (Euphorbia milii), der Kautschukbaum (Hevea brasiliensis, Gummibaum), der Rizinus (Wunderbaum, Ricinus communis, Quelle für Rizinusöl), der Lichtnussbaum (Aleurites moluccana, Quelle von Kukuinussöl), die Gattung Manihot (bekannt unter Trivialnamen wie Maniok, Mandioka, Kassava oder in Lateinamerika Yuca).

Die Garten-Wolfmilch wird schon seit längerem für die Anwendung in der Dermatologie erforscht. So erschien bereits 2011 eine Studie zur Behandlung von weissem Hautkrebs mit Garten-Wolfsmilch:

„Der Saft der in vielen Gärten vorkommenden Garten-Wolfsmilch ist offenbar für die Behandlung von weißem Hautkrebs geeignet. Wissenschafter raten jedoch von Selbstversuchen ab, da der Behandlungsansatz sich noch in einem frühen Stadium befindet und es zu Irritationen der Haut kommen kann, wie es im British Journal of Dermatology heisst.“

Quelle: http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php?monat=01.2011

Der weisse Hautkrebs gehöre nicht zu den schwersten Formen der Krankheit. Er sei jedoch dennoch sehr weit verbreitet. Allein in Großbritannien entfalle laut BBC ein Drittel aller Krebsdiagnosen auf diese Krebsform, zu der Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome gehören. In den meisten Fällen sei es möglich, weissen Hautkrebs mittels eines chirurgischen Eingriffes, Einfrieren oder einer speziellen Form von Lichttherapie zu behandeln.

„Bei manchen Menschen versagen diese Behandlungsmethoden jedoch oder erweisen sich als nicht passend. An der Studie nahmen Patienten teil, die in diese Gruppe fallen. Sie wiesen insgesamt 48 Läsionen auf. Alle wurden mit dem Saft von Euphorbia peplus behandelt, der drei Tage hintereinander einmal pro Tag auf die Haut aufgetragen wurde.“

Quelle: http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php?monat=01.2011

Pflanzensaft aus der Garten-Wolfsmilch sei ein uraltes Heilmittel, heisst es weiter in dem Bericht.

„Die Wissenschaftler versuchten, seine Wirkung jetzt im Rahmen eines klinischen Tests zu überprüfen. Nach einem Monat hatten 41 der 48 Läsionen auf die Behandlung reagiert. Keine Spur eines Tumors konnte mehr nachgewiesen werden. Patienten, die nur teilweise auf die Behandlung reagiert hatten, wurde eine zweite Behandlung angeboten. Die Läsionen, die positiv auf eine Behandlung reagiert hatten, wurden zwischen zwei und 31 Monate weiter beobachtet.

Nach durchschnittlich 15 Monaten wiesen zwei Drittel der Läsionen immer noch eine vollständige Reaktion auf die Behandlung auf. Die Wissenschaftler erklärten, dass jetzt groß angelegte Studien klären müssten, ob Ingenol-Mebutat, der Wirkstoff im Pflanzensaft, einen neuen Behandlungsansatz ermöglicht.“

(Quelle: http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php?monat=01.2011)

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, was Betroffene mit solchen Meldungen machen, die einerseits Hoffnungen wecken, andererseits aber richtigerweise auch den Hinweis enthalten, dass die Forschungen noch im Frühstadium stecken und eine Anwendung daher noch nicht möglich ist.

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Bewährte Heilpflanze für die Haut: Hamamelis – die Zaubernuss

Die Pharmaceutical Tribune publizierte einen Text über Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Hamamelis / Zaubernuss (Hamamelis virginiana).

Hier ein paar interessante Zitate mit anschliessendem Kommentar:

Zu den Wirkstoffen in Hamamelisblatt bzw, Hamamelisrinde:

„Wirksames Prinzip sind die enthaltenen Gerbstoffe, die im Arzneibuch mit einem Mindestgehalt von 3 % als Qualitätsanforderung für die Blattdroge gelten. Ein Gesamtgehalt von über 10 % in der Rinde ist möglich. In den Blättern liegen Katechingerbstoffe, Gallotannine und Procyanidine vor. Die Rinde enthält vorwiegend Katechine und Hamamelitannine. Weiters finden sich noch freie phenolische Säuren (z.B. Gallussäure), Flavonoide und wenig ätherisches Öl. Aqua Hamamelidis, gewonnen durch wässrige Destillation der frischen Zweige, und Tinctura Hamamelidis, ein alkoholischer Auszug, werden in der Dermatologie häufig eingesetzt.“

Kommentar:

Hamamelis gilt als Gerbstoffpflanze. Zu beachten ist aber, dass in den meisten Präparaten Hamamelis-Destillat verwendet wird. Im Destillat sind aber die Gerbstoffe nicht vorhanden.

Zur Wirkung von Hamamelis / Zaubernuss:

„Die Wirkung ist adstringierend, blutstillend und entzündungshemmend. Die gefäßprotektive und antihämorrhagische Wirkung von Auszügen aus Hamamelis durch Hemmung des Tumornekrosefaktors TNF-α wurden bereits nachgewiesen. Es kommt zur Verminderung der Entzündungsmediatoren im Arachidonsäurestoffwechsel. Für Rindenextrakte aus Hamamelis virginiana konnte eine positive Wirkung auf die Proliferation von Keratinozyten und die gesteigerte Regeneration geschädigter Hautareale bestätigt werden. Die antimikrobielle Wirkung wird den in der Droge enthaltenen Lignanen zugesprochen.

Kommentar:

In Vordergrund steht eine entzündungswidrige und wundheilende Wirkung.

„Hamameliswasser eignet sich als Bestandteil von Gesichtswässern bei lokalen Entzündungen der Haut. Es wirkt verfeinernd auf vergrößerte Poren, entfettend und ist als Bestandteil kosmetischer Gesichtstonika gegen Hautunreinheiten oder Akne geeignet. Pinselungen mit der Tinktur oder Spülungen mit wässrigen Extrakten der Blattdroge werden bei Schleimhautläsionen im Mundbereich und bei Parodontitis empfohlen.“

Kommentar:

Hamameliswasser wäre dann also genau diese gerbstofffreie Zubereitung. Das mag den Vorteil haben, dass der austrocknende Effekt der Gerbstoffe fehlt. Unklar bleibt aber, welche relevanten Inhaltsstoffe vorhanden sind.

„Als Sitzbad bei Hämorrhoiden empfiehlt sich das Wurzelextrakt als Badezusatz. Bei Neurodermitispatienten hat die Anwendung von Cremen und Lotionen mit Hamamelisextrakt einen positiven Effekt auf die Symptomatik. Die Arzneidroge Hamamelidis folium weist kein allergenes Potenzial auf und kann als Bestandteil topischer Arzneimittel für sensible Haut empfohlen werden. Fertigpräparate mit Extrakten sind im Handel erhältlich.“

Kommentar:

Bei entzündeten Hämorrhoiden, Perianalekzem, Analfissuren etc. würde ich eine gerbstoffreiche Zubereitung vorziehen und eher auf ein Eichenrinden-Sitzbad setzen.

Bei Neurodermitis haben sich Salben mit Hamamelis-Destillat bewährt.

Der Hinweis auf das fehlende allergene Potenzial von Hamamelis scheint mir wichtig. Zwar ist nicht mit Sicherheit auszuschliessen, dass es auch auf Hamamelis Allergien geben kann.

Das müsste aber ein sehr seltenes Geschehen sein, von dem ich bisher weder gehört noch in der Fachliteratur gelesen habe, während beispielsweise Allergien auf Kamille, Ringelblume oder Arnika gut bekannt sind.

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=109287&dspaid=942742

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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