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Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Bereich Psyche / Nervensystem

Krankheiten und Beschwerden im Bereich Psyche / Nervensystem sind ein wichtiger Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Themen, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung im Bereich Psyche / Nervensystem vermittle.

Wir befassen uns hier vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen in folgenden Themenbereichen:

☛ Schlafstörungen

Mit Heilpflanzen-Anwendungen lässt sich nicht jedes Schlafproblem lösen. Die grossen Vorteile der Heilpflanzen-Anwendungen liegen aber in der guten Verträglichkeit und dem fehlenden Abhängigkeitsrisiko. Daher sind Heilpflanzen bei Schlafstörungen eine wichtige Option.  Man muss aber genau wissen, welche Heilpflanze in welcher Anwendungsform sinnvoll ist. Diese Kenntnisse vermittle ich in den Lehrgängen. Ausserdem lassen sich Heilpflanzen-Anwendungen bei Schlafstörungen gut mit einem Einschlafritual verbinden, das zur Wirkung beitragen kann (Abendbad, Schlafkissen, Einreibung, Kräutertee…).

 

☛ Angst & Angsterkrankungen

Auch hier gilt: Es gibt sehr unterschiedliche Angsterkrankungen und Heilpflanzen-Anwendungen helfen allein nicht in jedem Fall. Sie können aber oft sinnvoll unterstätzend eingesetzt werden. Lernen Sie die Möglichkeiten in meinen Lehrgängen kennen.

 

☛ Depressionen

Beim Thema „Depressionen“ stehen Heilpflanzen-Anwendungen mit Johanniskraut im Zentrum. Damit verbunden sind eine ganze Reihe von Fragen: Bei welchen Formen der Depression sind Johanniskraut-Anwendungen geeignet und bei welchen nicht? Welche Anwendungsform von Johanniskraut ist wirksam und sicher zugleich (Johanniskauttee, Johanniskrauttinktur, Johanniskrautextrakt)? Wie unterscheiden sich die verschiedenen Tinkturen und Extrakte und wie wirkt sich das auf die Wirksamkeit aus? Wie lange muss eine wirksame Johanniskraut-Anwendung eingenommen werden, damit eine Wirksamkeit erwartet werden kann? Welche Dosierungen sind dazu nötig? Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind zu beachten? Solche Fragen und die antworten dazu schauen wir uns in meinen Lehrgängen an.

 

☛ Schmerz

Auch bei Schmerz gilt: Es gibt Schmerzzustände, für deren Linderung synthetische Pharmaprodukte oder stark wirkende Medikamente aus der Pflanzenwelt (Opiate) nötig sind.

In Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung lernen Sie aber eine ganze Reihe von Heilpflanzen-Anwendungen kennen, die bei Schmerzzuständen Linderung bringen können. Damit lassen sich manchmal auch die Dosierungen synthetischer Schmerzhemmer reduzieren, wodurch deren Nebenwirkungsrisiko vermindert wird.  Wirk besprechen hier zum Beispiel Migräne und Spannungskopfschmerzen als phytotherapeutisch beeinflussbare Schmerzzustände.

☛ Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema „Psyche / Nervensystem“ befassen:

Valerianae radix – Baldrianwurzel

Melissae folium – Melissenblatt

Lavandulae flos – Lavendelblüte / Lavendelöl

Aurantii flos – Orangenblüte

Passiflorae herba – Passionsblumenkraut

Lupuli strobulus – Hopfenzapfen

Cannabis-Produkte

(CBD-Hanf, THC-Hanf, legale Wege zur Cannabis-Therapie)

Hyperici herba – Johanniskraut

Zingiberis rhizoma – Ingwer-Wurzelstock

Caryophylli flos – Gewürznelken

Tanaceti parthenii herba – Mutterkraut

Petasitidis rhizoma – Pestwurz-Wurzelstock

Petasitidis folium – Pestwurzblatt

Menthae piperitae aetheroleum – Pfefferminzöl

Kava-Kava rhizoma – Kava-Wurzelstock

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung, Repetition und für medizinische und psychologische Zusammenhänge.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

 

 

 

 

 

Phytotherapie-Ausbildung: 37. Lehrgang startet am 20. / 21. Dezember 2018

Soeben wurden die Daten publiziert für die nächste Phytotherapie-Ausbildung in Winterthur, die am 20./21. Dezember 2018 startet.

Der Lehrgang umfasst 15 mal 2 Tage verteilt auf den Zeitraum bis Juni 2020.

Angesprochen werden für diese Ausbildung Berufsleute aus Pflege (Spitex, Palliative Care, Pflegeheim, Klinik), Naturheilkunde, Medizin, Physiotherapie, Massage, Ernährungsberatung und ähnlichem. Eine begrenzte Zahl an Plätzen gibt es darüber hinaus aber auch für Interessierte ohne medizinische Grundausbildung (nach Vorgespräch).

Die Phytotherapie-Ausbildung vermittelt fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen in Bereichen wie:

  • Verdauungstrakt
  • Herz-Kreislauf
  • Atemwege / Erkältungen / Immunsytem
  • Nieren & Blase
  • Rheuma
  • Psyche (Schlafstörungen, Angst, Depression)
  • Hauterkrankungen und Wundbehandlung
  • Gynäkologie

Die Detailinformationen zur Phytotherapie-Ausbildung finden Sie hier:

Phytotherapie-Ausbildung Winterthur (Schweiz)

Kräuterwanderungen / Kräuterkurse / Lehrgänge: Kursprogramm Dezember 2017 – Juli 2018

Das Kursprogramm mit den Lehrgängen, Kräuterwanderungen und Kräuterkursen von Dezember 2017 – Juli 2018 ist vollständig. Hier finden Sie eine Übersicht:

Lehrgänge Phytotherapie / Pflanzenheilkunde:

Vielfältiges, fundiertes Wissen über Möglichkeiten und Grenzen von Heilpflanzen- Anwendungen, eingebettet in eine anregende Kursatmosphäre. Für beide Lehrgänge sind Vorkenntnisse in Pflanzenheilkunde nicht nötig, aber auch kein Hindernis.

Phytotherapie-Ausbildung:

Eine nächste Klasse startet am 14. / 15. Mai 2018 15 mal 2 Tage bis Februar 2020. Für Berufsleute aus Krankenpflege, Naturheilkunde, Medizin u. ä. Begrenzte Plätze frei auch für Personen ohne medizinischen Grundberuf nach Abklärung.

Heilpflanzen-Seminar:

Ab 2. / 3 Dezember 2017 über sechs Wochenenden bis Juni 2018. Kompaktes, fundiertes Wissen für sorgfältige Heilpflanzen-Anwendungen im privaten Bereich oder zum Beispiel ergänzend für Berufsleute aus Gärtnerei oder Landwirtschaft. Braucht keine medizinischen Vorkenntnisse. Abschlusswochenende im Juni 2018 mit Kräuterwanderungen in Trin / Flims (Graubünden).

Tagesseminare in Winterthur:

13. 1. : Phytotherapie im Überblick.

12. 2. : Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen und Wunden.

12. 3. : Heilpflanzen-Anwendungen bei Schlafstörungen, Angst, Depression.

30. 4. :Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologiepflege und Palliative Care.

Kräuterwanderungen / Tagesexkursionen:

29. 4.: Eine Entdeckungsreise in Quinten am Walensee.

  6. 5.: Dättnauertal & Rumstal bei Winterthur.

10. 5.: Von Trin in die faszinierende Rheinschlucht (Graubünden).

12. 5.: Zum wildromantischen Sihlsprung (Kantone Zug & Kanton Zürich).

13. 5.: Tüllinger Hügel – blumenreiche, alte Kulturlandschaft bei Basel.

19. 5.: In die Auenlandschaft „Petite Camargue“ bei Basel.

20. 5.: In den Randen bei Schaffhausen.

21. 5.: Durch die „Toskana des Aargaus“ über den Bözberg.

26. 5.: Naturparadies Jeizinen – Gampel (Wallis).

27. 5.: Blauen-Südhang im Laufentaler Jura (Basel-Land).

2. 6.: Auf der Rigi – botanische Entdeckungen am Südhang (Kanton Luzern).

3. 6.: In Hemberg im Toggenburg (Kanton St. Gallen).

23. 6.: Durch Alpenwiesen und Hochmoorlandschaft in Vals (Graubünden).

24. 6.: In der Alpenlandschaft Sunnbüel ob Kandersteg (Berner Oberland)).

30. 6.: Alpine Moorlandschaft Moosalp ob Visp (Wallis).

15. 7.:  In der Berglandschaft Gumen (Braunwald, Glarnerland).

21. 7.: 
Am Stockhorn im Simmental (Berner Oberland).

22. 7.:
 Chäserugg und Schwendisee im Toggenburg (Kanton St.Gallen).

21. 7.: Flusslandschaft Thurauen & Alter Rhein (Kantone Schaffhausen & Zürich)

Kräuterwanderungen (Wochenendkurs):

15. – 17. 6.: Im Pflanzenparadies Feldis (Graubünden).

Kräuterwanderungen (Wochenkurse im Berner Oberland):

  1. – 6. 7. : An der Lenk im Simmental (Berner Oberland).
  2. – 13. 7. : In Mürren im Lauterbrunnental (Berner Oberland).

Die detaillierten Kursausschreibungen finden Sie im Kurskalender im Portal:

Phytotherapie-Seminare

Artikel zum Thema „Johanniskraut & Depression“ in der Fachzeitschrift „Pflegen:Palliativ“

In der Fachzeitschrift „Pflegen: Palliative“ ist gerade ein Beitrag von mir erschienen mit dem Titel: „Johanniskraut – eine phytotherapeutische Intervention“.

Stimmungseinbrüche kommen im Leben vieler Menschen immer wieder vor und sind auch in der Palliativ Care von Bedeutung. Johanniskraut wird bereits seit Längerem als Heilpflanze bei dieser Indikation angewendet. Johanniskrautextrakte zählen zu den am besten wissenschaftlich untersuchten und belegten pflanzlichen Arzneimitteln. Eine wirksame und sichere Anwendung von Johanniskraut setzt jedoch einige Fachkenntnisse voraus. Dieser Beitrag liefert dazu die nötigen Grundlagen.

 

Sie finden den Beitrag hier:

Johanniskraut – eine phytotherapeutische Intervention (Pflegen: Palliative 34 / 2017)

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Professor Dr. Theo Dingermann, Seniorprofessor an der Universität Frankfurt, hat auf einer Fortbildungsveranstaltung die verschiedenen Cannabisarten mit ihren unterschiedlichen Wirkungen beschrieben.

Die Pflanzengattung Hanf (Cannabis) gehört in die Familie der Hanfgewächse und besteht aus drei verschiedenen Arten, auf die sich jede erhältliche Mischung oder Kreuzung zurückführen lässt: Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis.

Zu Cannabis sativa, der bekanntesten Art, sagt Dingermann:

„Das High, das solche Sorten erzeugen, wird meist als psychedelisch, verträumt und kreativitätsfördernd beschrieben. Der Effekt ist sowohl geistig als auch körperlich spürbar.“

Diese Cannabis-Sorten werden insbesondere zur Behandlung von Übelkeit und Brechreiz eingesetzt, beispielsweise verursacht durch eine Chemotherapie oder durch HIV/Aids-Medikamente, ausserdem bei Appetitlosigkeit, Migräne, Depression, chronischen Schmerzen und verwandten Symptomen.

Das High von Cannabis indica beschrieb Dingermann als schwer und stark und in der Regel wie ein Beruhigungsmittel wirkend. Diese Empfindung sei vor allem körperlicher Natur und wirke entspannend, da die Muskelspannung vermindert werde. Bevorzugte Anwendungsbereiche sind daher die Behandlung von Muskelspasmen und Tremor-Symptomen (beispielsweise bei Multiple Sklerose und Parkinson) sowie chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Ängste.

Cannabis ruderalis ist eine kleinwüchsige, struppige Pflanze, die nur äußerst wenig THC enthält und wegen ihrer frühen Blüte in der Züchtung eine Rolle spielt.

Quelle:

ptaforum 06/2016

http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8597

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Differenzierung, die auch für die medizinische Anwendung wichtig ist. Für die unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica dürfte unter anderem der höhere Gehalt an Cannabidiol (CBD) in Cannabis indica verantwortlich sein. Mit reinen THC-Präparaten wie Dronabinol ist jedenfalls nicht allen Patientinnen und Patienten optimal geholfen. CBD kann die Wirkung offenbar in manchen Fällen günstig modulieren.

Siehe dazu auch:

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Zu Möglichkeiten des legalen Bezug von Cannabis-Präparaten für Patientinnen und Patienten in der Schweiz:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Johanniskraut gegen Depressionen im Fokus

An der Pharma World in Düsseldorf kommentierte Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt Forschungsresultate zu Johanniskrautextrakten.

Nach einer Analyse der Cochrane-Collaboration zeigten sich Johanniskraut-Extraktpräparate in Studien bei Patienten mit leichter bis mittelschweren Depression als signifikant besser wirksam gegenüber Placebo und vergleichbar mit chemisch-synthetischen Antidepressiva, erklärte Wurglics. In diesen Studien wurden relativ hohe Dosen eingesetzt, meist mehr als 900 mg. Entsprechend der S3-Leitlinie zur unipolaren Depression könne mit Johanniskraut-Präparaten ein erster Behandlungsversuch unternommen werden. Apotheker sollten die Patienten über die unterschiedlichen Wirkstärken der Johanniskraut-Präparate und deren Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten informieren.

Empfehlenswert sind laut Wurglics alle Johanniskraut-Präparate, die den Kriterien des Europäischen Arzneibuchs entsprechen. Manche Handelspräparate seien jedoch unterdosiert oder enthielten Johanniskraut-Pulver statt Johanniskraut-Extrakt.

Pulverpräparate seien „nicht vergleichbar mit den geprüften Präparaten».

Sie enthalten nur Spuren des Wirkstoffs Hyperforin.

Der Experten zieht aus der wissenschaftlichen Datenlage den Schluss, dass Johanniskraut-Extrakte in einer Dosierung von mindestens 600 mg/Tag gut wirksam sind bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60027

Kommentar & Ergänzung:

Der Experte weist sehr zu Recht darauf hin, dass es Johanniskraut-Präparate in unterschiedlicher Qualität gibt.

Dass Präparate aus Johanniskraut-Pulver unterdosiert sind, hat sich in verschiedenen Untersuchungen gezeigt. Auch Johanniskrauttinktur und Johanniskrautöl sind für die Anwendung bei Depressionen ungenügend bezüglich dem Wirkstoffgehalt. Eher noch könnte mit Johanniskrauttee eine ausreichende Wirkstoffmenge zugeführt werden, die an die Johanniskrautextrakt-Präparate herankommt, wenn man 2 – 3 Tassen pro Tag trinkt. Allerdings gibt es keine klinischen Studien, die eine Wirksamkeit von Johanniskrauttee bei Patienten belegen würden. Das hat auch kommerzielle Gründe, weil keine Firma Interesse daran haben kann Johanniskrauttee zu erforschen und zu belegen, der von allen Interessierten angebaut und verkauft werden kann. In die Forschung investieren Pharmafirmen für ihre eigenen, patentierten Produkte. Ein Nachteil von Johanniskrauttee ist zudem, dass mit stark schwankendem Wirkstoffgehalt gerechnet werden muss, während die Johanniskrautextrakt-Präparate auf einen bestimmten Gehalt gewisser Leitsubstanzen standardisiert sind.

Etablierte Johanniskrautextrakt-Präparate in der Schweiz sind:

Jarsin, Solevita / Deprivita, Hyperiplant, Hyperiforce / Hyperimed (Bioforce), Rebalance / Remotiv (Zeller), Hypericum-Mepha, Hypericum-Sandoz.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Palliativmedizin: Cannabinoide gegen Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen

Wenn schwerkranke Menschen an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen leiden, können Cannabinoide hilfreich in der Palliativtherapie sein.

Lebensqualität sei das herausragende Ziel für Menschen am Lebensende, sagte Professor Dr. Andreas S. Lübbe von der Palliativstation in Bad Lippspringe beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie.

Starke Schmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Fatigue, Erbrechen und Übelkeit belasten zahlreiche Kranke enorm – und auch ihre Angehörigen.

Wenn Patientinnen oder Patienten nicht essen können oder wollen kann das zu starkem Gewichtsverlust und zu krankhafter, starker Abmagerung (Kachexie) führen.

Cannabis kann unter anderem den Appetit anregen. Dronabinol-Tropfen enthalten THC und können deshalb Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit vermindern.

Lübbe nannte die Cannabinoide als einen Baustein zur medikamentösen Behandlung der Anorexie (Appetitlosigkeit).

Derzeit gibt es in Deutschland nur ein entsprechendes Fertigarzneimittel auf dem Markt: den Mundspray Sativex® zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS-Patienten.

Eine Alternative dazu bietet die Dronabinol-Rezeptursubstanz, die in Apotheken gemäß NRF-Vorschrift zu öligen Tropfen (25 mg/ml) oder Kapseln (2,5 oder 5 oder 10 mg/Kapsel) verarbeitet werden kann. Informationen zur Rezeptur stellt der Hersteller unter www.bionorica-ethics.de zur Verfügung.

Das Rezepturarzneimittel muss von einem Arzt oder einer Ärztin auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Als Indikationen für Dronabinol gelten unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Anorexie bei Krebs- oder Aidspatienten sowie Spastizität und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss).

Ebenso gebe es eine hohe Evidenz bei Patienten mit Kachexie-Syndrom, sagte Lübbe. Dronabinol könne Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit mildern.

Appetitanregung und Muskelrelaxation sind laut Hersteller die Hauptwirkungen von Dronabinol.

Weniger ausgeprägt sind die Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Schmerzen und Angst, sowie die beruhigenden und entzündungswidrigen Wirkungen.

Dronabinol kommt darüber hinaus zur Anwendung bei Schmerzen anstelle von oder ergänzend zu Opioiden. Lübbe hält dies vor allem für sinnvoll, wenn Patienten an weiteren Symptomen leiden, gegen die Cannabinoide wirksam sind. Als Beispiele erwähnte er Übelkeit, Anorexie, Spastizität, Hypersalivation und Schlafstörungen.

Zur Appetitstimulation sollte man mit einer tiefen Dosis anfangen und langsam auftitrieren. Das bedeutet: Zu Beginn zweimal täglich einen bis drei Tropfen der öligen Lösung (0,83 bis 2,5 mg) geben und alle drei Tage steigern. Lübbe sagte, dass die meisten Patienten nicht mehr als 10 mg pro Tag brauchen.

Höhere Dosierungen kommen in der Regel zur Anwendung bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen sowie zur Schmerzbehandlung.

Als unerwünschte Wirkungen können typischerweise auftreten: Schwindel (mehr als 10 Prozent der Patienten) sowie Müdigkeit, Amnesie, Dysarthrie (Sprechstörungen) und affektive Störungen.

Kontraindikationen für Dronabinol sind psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Depression sowie Krampfanfälle und Epilepsie in der Anamnese.

Lübbe hält Cannabinoide für eine Bereicherung in der Palliativmedizin und verlangte »mehr Mut zum Einsatz«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57248

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen zu Dronabinol, Sativa-Öl und Sativex finden Sie hier:

Dronabinol / THC vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Neues Cannabismedikament in der Schweiz (Sativa-Öl)

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erehältlich (Dronabinol / Cannabistinktur)

Cannabis-Wirkstoffe neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

 

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Cannabis als Heilpflanze – es tut sich was

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

Nach ihrer ersten Publikation im November 2009 wurde nun in der S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression wiederum die Empfehlung bestätigt, Johanniskraut-Präparate für die Neueinstellung von Patienten mit leichter oder mittelschwerer Depression einzusetzen. Im 5. Update vom Juni 2015 bestätigt das aus beinahe 30 Fachgesellschaften Deutschlands bestehende Expertengremium sein positives Fazit für das pflanzliche Antidepressivum.

Dass Johanniskraut-Präparate damit in eine Reihe mit synthetischen Antidepressiva gestellt werden, verdanken sie ihrer klinisch belegten Wirksamkeit und guten Verträglichkeit, die als wichtigste Kriterien bei der Auswahl eines Präparates gelten. Bedingung für die S3-Empfehlung ist allerdings, dass ausschließlich Johanniskraut-Extrakte „zur Therapie einer leichten und mittelgradigen depressiven Symptomatik eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist“.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46428

Kommentar & Ergänzung:

Im folgenden Zitate aus der erwähnten Leitlinie mit kurzen Kommentaren von mir (gekennzeichnet mit M.K.).

Seite 34:

Zitat Leitlinie: „Wenn bei leichten oder mittelgradigen depressiven Episoden eine Pharmakotherapie erwogen wird, kann bei Beachtung der spezifischen Nebenwirkungen und Interaktionen ein erster Therapieversuch auch mit Johanniskraut unternommen werden.

Patienten, die Johanniskraut einnehmen, sollten über die unterschiedliche Wirkstärke der verfügbaren Zubereitungen und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten informiert werden. Sie sollten ebenfalls aufgeklärt werden über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten (einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulantien und Antiepileptika).“

M.K.: Ja, es ist sehr zentral sich klar zu machen, dass die verfügbaren Johanniskraut-Zubereitungen sich sehr in der Wirkstärke unterscheiden. Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur, Johanniskraut-Extrakt sind nicht identische Anwendungen.

Und ja, die Information über Wechselwirkungen ist wichtig, und zwar nicht nur von Arzt zu Patient, sondern auch umgekehrt: Wer Johanniskraut-Präparate auf eigene Faust einnimmt, soll seinen Arzt, seine Ärztin darüber informieren, wenn andere Medikamente verschrieben werden, damit allfällige Wechselwirkungen erkannt werden können.

Seite 96:

Zitat Leitlinie: „Bei der Behandlung depressiver Störungen mit Phytopharmaka spielen nur Johanniskrautextrakte (Hypericum perforatum) aufgrund ihrer häufigen Verordnung in Deutschland eine Rolle. Sie werden häufig wegen ihrer vermeintlich geringeren Nebenwirkungen für die Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen eingesetzt.“

M.K.: Die Formulierung der „vermeintlich“ geringeren Nebenwirkungen von Johanniskraut scheint mir nicht angemessen. Die Nebenwirkungen der synthetischen Antidepressiva variieren je nach Stoffklasse, doch zeigen Johanniskraut-Präparate vergleichsweise ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil. Die geringeren Nebenwirkungen sind nicht „vermeintlich“.

Zitat Leitlinie: „Die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Therapie der Depression ist allerdings umstritten. Es gibt sowohl klinische Studien, die eine Wirksamkeit belegen, als auch solche, die keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen. Eine neue Metaanalyse kommt zum Ergebnis, dass Johanniskrautextrakte bei der Behandlung von leichter und mittelgradiger depressiver Symptomatik wirksam sind. Für schwere oder chronisch verlaufende Depressionen sind keine Effekte belegt.“

M.K.: Leider sind die Unterschiede zu Placebo bei den qualitativ guten Studien grösser und bei den Studien besserer Qualität kleiner. Dieses Phänomen gibt es allerdings nicht nur bei Johanniskraut-Studien, sondern bei vielen Medikamentenstudien.Je besser die Qualität der Studie, desto geringer der Nutzen des untersuchten Präparats.

Bei den qualitativ guten Studien wirkt Johanniskraut nur wenig besser als Placebo. Das lässt sich aber auch von synthetischen Antidepressiva sagen, zum Beispiel bei SSRI:

„So ist bei leichtgradigen Depressionen häufig keine statistisch nachweisbare Überlegenheit gegenüber der Gabe von Scheinmedikamenten (Placebo) festzustellen.“

Quelle: Wikipedia

Auf diesem Hintergrund spricht das bessere Nebenwirkungsprofil oft für Johaniskraut.

Zitat Leitlinie: „Hauptproblem ist, dass für diese pflanzlichen Präparationen erhebliche Standardisierungsprobleme mit stark schwankenden Dosen der möglicherweise bioaktiven Substanzen (u. a. Hyperforin und Hypericin) bestehen. So ist nicht hinreichend bekannt, welche Konstituenten des Johanniskrautextrakts bei welchen Konzentrationen über welchen Wirkungsmechanismus für die antidepressive Wirkung verantwortlich sind. Daher sollten nur Präparate zur Therapie einer leichten und mittelgradigen depressiven Symptomatik eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist.“

M.K.: Ja, über den Anteil einzelner Inhaltsstoffe an der Johanniskraut-Wirkung ist wenig Gesichertes bekannt. Daher gilt der Gesamtextrakt als Wirkstoff. Und ja, es gibt bei Naturprodukten naturgemäss Schwankungen. Die guten Hersteller grenzen diese Schwankungen aber durch Standardisierung auf eine Leitsubstanz ein. Von erheblichen Standardisierungsproblemen zu sprechen ist meines Erachtens überzogen und ziemlich theoretisch. Belege, dass dadurch reale Probleme entstehen, sind mir jedenfalls nicht bekannt.

Einverstanden: Für jedes Johanniskraut-Präparat muss die klinische Wirksamkeit separat belegt werden und Präparate, die diese Belege liefern, sind vorzuziehen, wenn es um die Behandlung einer depressiven Symptomatik geht. Allerdings kommen dann nur patentierte Johanniskraut-Extrakte in Frage, weil nur für diese Zubereitungsart klinische Studien vorliegen. Für Johanniskrauttinktur fehlen relevante Studien und ihr Wirkstoffgehalt dürfte weit unter dem nötigen Niveau liegen. Für Johanniskrauttee gibt es ebenfalls keine Studien, doch kann ich mir hier vorstellen, dass eine relevante Wirkstoffzufuhr möglich ist.

Zitat Leitlinie: „Unerwünschte Wirkungen…..: Johanniskrautpräparate haben sich in den publizierten Studien als sehr gut verträglich erwiesen, obwohl die Ergebnisse der meist kleinen Studien für seltenere und evtl. auch schwerere Neben- oder Wechselwirkungen nur von sehr limitierter Aussagekraft sind. Zur oft erwähnten Phototoxizität existieren nur vereinzelte Berichte. Von gesicherter klinischer Relevanz ist jedoch, dass Johanniskraut als Induktor von Isoenzymen des Cytochroms P450 zur Wirkungsbeeinträchtigung (inkl. oraler Kontrazeption) und ggf. bei Absetzen zur erhöhten Toxizität zahlreicher Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite, wie z.B. Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Theophyllin, Antidepressiva (Amitriptylin, Nortriptylin), Antikoagulantien, Antikonvulsiva und mehreren HIV-wirksamen Medikamenten, führen kann.“

M.K.: Die verstärkte Lichtempfindlichkeit (Phototoxizität) unter Johanniskraut-Einnahme ist tatsächlich nur schwach belegt. Dieser Aspekt sollte nicht dramatisiert, aber auch nicht völlig negiert werden. Während der Johanniskraut-Einnahme ist starke Sonnenbestrahlung zu meiden (wie sonst auch). Die beschriebenen Wechselwirkungen sind dagegen viel klarer relevant. Johanniskraut aktiviert in der Leber gewisse Enzyme, die bestimmte Fremdstoffe abbauen. Dadurch sinken die Blutspiegel mancher Medikamente und ihre Wirkung kann sich verringern.

Zitat Leitlinie: „Wegen der Unsicherheiten über die richtige Dosierung, der variablen Zusammensetzung der Extrakte und insbesondere der möglichen schweren Wechselwirkungen mit anderen verschriebenen Medikamenten wird Johanniskraut nicht als chemischen Antidepressiva überlegen angesehen. Da die Präparate aber von manchen Patienten als ‚natürliches Produkt’ eher akzeptiert werden als chemisch definierte Antidepressiva, kann einer solchen Patientenpräferenz bei leichten bis mittelschweren Depressionen als erster Behandlungsversuch gefolgt werden. Es ist wichtig, Patienten, die Johanniskraut einnehmen möchten, über die unterschiedliche Wirkstärke der verfügbaren Zubereitungen und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten der Dosierung zu informieren. Außerdem ist eine Aufklärung über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten (einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulantien und Antiepileptika) notwendig, ebenso eine ärztliche Betreuung von Patienten, die Johanniskraut einnehmen.“

M.K.: Es kommt nicht darauf an, ob Johanniskraut-Präparate synthetischen Antidepressiva überlegen sind oder nicht. Johanniskraut ist in manchen Situationen einfach eine gute Option (und in manchen nicht).

Mir fehlt in dieser Leitlinie der Hinweis, dass Johanniskraut-Präparate erst nach etwa 14 Tagen ihre Wirksamkeit entfalten. Diese Information ist wichtig für Patientinnen und Patienten.

Quelle der Zitate:

http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/depression/depression-1aufl-vers5-lang.pdf

In den Zitaten fehlen die im Original aufgeführten Literaturangaben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Psychiater warnen vor Suizidbeihilfe bei Depressionen

Psychiater warnen vor einem zu liberalen Kurs in der Frage um ärztliche Beihilfe zum Suizid. Denn auch Menschen mit schweren Depressionen wollen ihr Leben manchmal mit ärztlicher Hilfe beenden. Suizid sei häufig Folge einer psychiatrischen Erkrankung, sagte Prof. Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Viele Menschen, die in der Krankheit einen Suizid ausführen wollten und dann davon abgehalten wurden, verwerfen diesen Todeswunsch nach der Gesundung, erklärt Maier.

Das Selbsterleben von Menschen in einer Depression oder schweren Psychose sei sehr eingegrenzt, hoffnungslos und nihilistisch. Aber der Erkrankte erlebe das als Realität und nicht im Bewusstsein, dass dies die Krankheit mit ihm mache. Deshalb müssten Dämme gebaut und assistierte Suizidsituationen bei Menschen, die psychisch krank sind, abgewendet werden, unterstreicht Maier.

Anders sei die Situation bei unheilbaren, in naher Zukunft unabwendbar zum Tode führenden Krankheiten, die mit starken körperlichen Leiden einhergehen. Es sei aber dennoch unsere gesellschaftliche Aufgabe, dass wir die Vorstellung, die Menschen von einem Leben jenseits ihrer derzeitigen Lebensrealität haben, nicht vorschnell als würdelos verurteilen. Studien zu Demenz etwa hätten ergeben, dass auch Menschen, die zuvor in Patientenverfügungen festgelegt hätten, dass sie in Abhängigkeit und bei Verlust der kognitiven Leistungen nicht weiterleben wollten, in der Demenz ihr Tun und ihre erlebte Freude nicht mehr als würdelos empfanden.

Angesichts einer alternden Gesellschaft werde das Thema noch an Gewicht gewinnen, betont Maier: Herzinfarkte und andere rasch zum Tod führende Erkrankungen werden seltener. Das Leben am Lebensende werde künftig also mit einer längeren Zeit der Abhängigkeit verbunden sein.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=55335

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein komplexes Thema. Psychisch kranke Menschen wenden manchmal ein, dass sie gegenüber körperlich kranken benachteiligt werden, wenn sie die Möglichkeit ärztlicher Beihilfe zum Suizid nicht auch in Anspruch nehmen können. Und es ist zu mindestens nachvollziehbar, dass Betroffene das so sehen können. Aber es ist eben auch nicht von der Hand zu weisen, wovor Prof. Wolfgang Maier warnt: Bei Depressionen kann ein starker Suizidwunsch als Teil der Krankheit auftreten und dann wäre es verheerend, mit assistiertem Suizid „nachzuhelfen“. Denn meistens ist der Suizidwunsch weg, wenn die Depression überwunden ist.

Wichtig ist aber auch das Thema, das Wolfgang Maier am Schluss anschneidet: Wie gehen wir – als Einzelne und als Gesellschaft – mit Abhängigkeit um.

Und wie lassen sich Bedingungen sichern, die ein menschenwürdiges Altwerden gestatten. Wenn ältere Menschen sich Gedanken machen, ob sie ihrem Leben mit assistiertem Suizid ein Ende setzen sollen, weil sie niemandem zur Last fallen wollen, dann muss das sehr zu denken geben. Ein ökonomischer Druck hin zu assistiertem Suizid ist nicht hinnehmbar.

Und es braucht selbstverständlich ein gutes Angebot im Bereich Palliative Care als Alternative zum assistierten Suizid.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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