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Curcuma: Wechselwirkungen mit Antikoagulantien? Wirkungen?

Curcuma, auch „indischer Safran“ genannt, ist ein bekanntes Gewürz von intensiv gelber Farbe, welches vor allem in Currymischungen zur Anwendung kommt. Es wird aus dem Wurzelstock von Curcuma longa, einer asiatischen Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse, gewonnen.

Curcuma enthält reichlich antioxidativ wirksame Polyphenole aus der Gruppe der Curcuminoide, insbesondere Curcumin.

Traditionellerweise wird Curcuma aufgrund seiner antioxidativen, magenstärkenden, gallenflussfördernden und vor allem auch entzündungswidrigen Eigenschaften verwendet.

Curcumin kann die Aktivität der Proteinkinase C reduzieren, welche als Schlüsselenzym am Entzündungsprozess von vielen chronischen Erkrankungen beteiligt ist. Curcuma bzw. Curcumin wird auch als alternative Therapie bei diversen Krankheiten propagiert. Dazu zählen Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer).

Laut bestimmten Literaturquellen hemmt Curcumin in vitro (= im Reagenzglas) die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen). Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation kann die Blutfliesseigenschaften verbessern, aber damit auch die Blutstillung verlangsamen.

Aus diesem Grund ist bei antikoagulierten Patienten Vorsicht angebracht: Die gleichzeitige Einnahme grösserer Curcumamengen und Antikoagulantien könnte die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko steigern.

Zugrundeliegende Literatur:

VIDAL Le guide des compléments alimentaires p171

Le Moniteur des pharmacies Moniteur 3110/2016/p57

Micromedex® online

 

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5455&NMID=5455&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen können in bestimmten Situationen andere Arzneimittel in ihrer Wirkung beeinflussen – zum Beispiel die Wirkung verstärken oder abschwächen. Man spricht in solchen Fällen von Wechselwirkungen (Interaktionen), wie sie auch sonst zwischen Medikamenten vorkommen.

Darum ist es wichtig, diesen Aspekt auch bei der Anwendung von Heilpflanzen im Auge zu behalten. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, dazu sichere Aussagen zu machen.

Wenn Curcumin in einem Laborexperiment im Reagenzglas die Thrombozytenaggregation hemmt, lässt sich daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass diese Interaktion auch im lebendigen menschlichen Organismus auftritt und auch nicht, dass deswegen ernsthafte Störungen der Blutungsstillung bei Menschen auftreten.

Curcumin wird nämlich nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen. Es ist deshalb ungeklärt, ob Curcumin in einer Konzentration in den Körper gelangen kann, die dort zu solchen Wechselwirkungen führt, ob solche Wechselwirkungen klinisch relevant sind und wieviel Curcuma man einnehmen müsste, um Störungen auszulösen. Die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur vermerkt jedenfalls bei Curcuma unter dem Punkt „Interaktionen“: „keine“.

Man muss aber auch erwähnen, dass diese Einschänkung möglicher Interaktionen auch für die Wirkungen von Curcuma gilt. Auch bei den Wirkungen kann man nicht einfach von (oft beeindruckenden) Laborergebnissen auf die Wirksamkeit bei Menschen schliessen.

Und wenn oben erwähnt aufgeführt ist, dass Curcuma bei Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer) propagiert wird, dann geht oft unter, dass diese Empfehlungen weitgehend auf Laborexperimenten basieren und dass die limitierte Aufnahmefähigkeit in den Organismus die Aussagekraft dieser Ergebnisse einschränkt.

Im Reagenzglas zeigt Curcumin zum Beispiel eindrückliche entzündungswidrige Effekte und tötet Krebszellen ab. Das belegt aber noch nicht, dass es auch gegen Entzündungen oder gegen Krebserkrankungen im menschlichen Körper wirksam ist. Dazu sind belastbare Ergebnisse aus Patientenstudien nötig.

Bei Arthrose kam eine Übersichtsstudie (Metaanalyse), in der mehrere Einzelstudien ausgewertet wurden zum Schluss, dass Cucurmin sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann.

Siehe dazu http://online.liebertpub.com/    doi/10.1089/jmf.2016.3705

Bei Krebs dagegen kommt das Portal Medizin-Transparent zu Schluss, dass sich die Wirksamkeit von Curcumin auf der Basis der vorliegenden Patientenstudien nicht belegen lässt.

Siehe dazu: https://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Am ehesten denkbar sind solche Effekte bei Entzündungen oder allenfalls auch Tumoren im Verdauungstrakt, weil Cucurmin so direkt an den Wirkungsort gelangen kann und nicht resorbiert werden muss.

Siehe dazu:

Kurkuma bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

 

Seit einiger Zeit gibt es aber interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, die Resorbierbarkeit von Curcumin zu verbessern.

Siehe dazu:

Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

Wikipedia fasst die Bemühungen um eine verbesserte Bioverfügbarkeit von Curcumin so zusammen:

„Da Curcumin schwer wasserlöslich ist, wird es im Magen-Darm-Trakt nur in einem sehr geringen Maß absorbiert. Durch Erhitzen oder Auflösung in Öl wird die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin erhöht.

Unter Anwendung von Absorptions-Faktoren werden mehrere Ansätze für eine erhöhte Bioverfügbarkeit untersucht. Ein Curcumin-Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (Piperin) bewirkt eine 20-fache Bioverfügbarkeit von Curcumin und wird in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin eingesetzt.

In einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim durchgeführt, wurde Curcumin in Micellen eingebettet, die vom Körper leichter aufgenommen werden, ohne das die Wirkstoffe hierbei chemisch verändert wurden. Vielmehr erzeugt das patentierte Verfahren eine der Natur analoge Struktur dieser Substanzen mit dem Ergebnis, dass die Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Curcumin-Pulvers um das ca. 180-fache höher ist, einhergehend mit einer ca. 6.8-fach schnelleren Absorption im Organismus.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Curcumin (Literatur dort)

Die Bioverfügbarkeit sagt etwas aus über den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf (insbesondere im Blutkreislauf) zur Verfügung steht. Sie gibt an, wie rasch und in welchem Mass ein Arzneistoff resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht.

Bis ein optimal bioverfügbares und in seiner Wirksamkeit gut belegtes Curcumin-Präparat im Handel ist, düfte es allerdings noch einiges an Entwicklungs- und Forschungsarbeit brauchen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Brokkoli wirksam gegen Diabetes?

Der Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan kann den Blutzucker bei Diabetes-Patienten reduzieren.

Der in Brokkoli und anderen Kreuzblütlern vorkommender Wirkstoff Sulforaphan könnte sich als neues Mittel gegen Diabetes Typ 2 entpuppen. In ersten Untersuchungen machte eine Behandlung mit dem Senföl bei Ratten Veränderungen der Genexpression rückgängig, die dem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Auch am Menschen zeigte sich die Sulforaphan wirkungsam: In Form von Brokkolisprossen-Extrakt verabreicht verbesserte die Substanz die Blutzuckerwerte von Diabetespatienten messbar.

Weltweit leiden 300 Millionen Menschen an der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus Typ 2, bei der das Hormon Insulin nicht mehr genügend Wirkung entfalten, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Dadurch kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, der längerfristig große gesundheitliche Schäden verursachen kann – zum Beispiel an der Augennetzhaut und den Nieren. Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen oder Krebs steigt dadurch oftmals an.

Manchmal lassen sich die erhöhten Blutzuckerwerte beim Diabetes Typ 2 durch Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung wieder unter Kontrolle bringen. Schwerere Fälle benötigen aber eine Therapie mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin. Diese Mittel sind allerdings nicht für alle Patienten geeignet, weil sie unter anderem die Nieren schädigen können.

Ein Forschungsteam um um Annika Axelsson vom Lund University Diabetes Center im schwedischen Malmö hat daher nach alternativen Wirkstoffen gesucht.

Die Wissenschaftler schauten sich dabei an, welche genetischen Besonderheiten einem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Die Stoffwechselerkrankung geht nämlich häufig mit Veränderungen der Genexpression einhergeht. Dann suchten die Forscher nach Wirkstoffen, welche die veränderte Genexpression rückgängig machen könnten. Die Substanz Sulforaphan eerwies sich dabei als vielversprechend. Sie kommt als Senfölglykosid Glukoraphan in der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler vor, zum Beispiel in Kresse, Radieschen, Rettich und Brokkoli. In Brokkolisprossen ist die Sulforaphan-Konzentration besonders hoch. Mit Hilfe von Enzymen wird das Glykosid in seine aktive Form umgewandelt.

In Laborexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass Sulforaphan eine erhöhte Glucose-Produktion in Leberzellen unterdrückt und bei erkrankten Ratten die Genexpression günstig beeinflusst. Dabei wirkt es nach Angaben der Wissenschaftler ähnlich gut wie Metformin, aber auf einem anderen Weg.

Ob sich dieser Effekt auch beim Menschen bestätigen lässt, untersuchten die Forscher an 97 Testpersonen mit Übergewicht und einer Diabetes Typ 2-Erkrankung. Die Probanden nahmen über einen Zeitraum von zwölf Wochen regelmäßig konzentrierten Brokkolisprossen-Extrakt oder ein Placebo (Scheinmedikament) ein.

Aus dem Brokkoli-Extrakt entstand beim Kauen und durch Darmbakterien Sulforaphan.

Bei Versuchspersonen, die den Brokkoli-Extrakt eingenommen hatten, verbesserten sich die Blutzuckerwerte messbar. Die Behandlung reduzierte sowohl den sogenannten Nüchternblutzucker als auch das Glykohämoglobin HbA1c, das umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker bezeichnet wird.

Die Wissenschaftler raten Diabetespatienten allerdings davon ab, sich nun in Eigenregie mit hohen Dosen Brokkolisprossen-Extrakt oder konzentriertem Sulforaphan behandeln zu wollen. Es brauche weitere Studien, um die Wirksamkeit der Substanz zu bestätigen und herauszufinden, welche Patientengruppen am meisten von dem Wirkstoff profitieren können.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21560-2017-06-15.html

Science Translational Medicine, 2017;

doi: 10.1126/scitranslmed.aah4477

American Association for the Advancement of Science, 15.06.2017 – DAL

Kommentar & Ergänzung:

Präzisere Ergebnisse berichtet die Pharmazeutische Zeitung:

„Die Kombination Metformin plus Placebo führte in keiner Subgruppe zu dem Ergebnis, dass der HbA1c-Wert oder die Nüchtern-Blutzuckerwerte sanken. Anders in der Verumgruppe: Bei adipösen Patienten mit einer schlechten Blutzuckereinstellung führte Sulforaphan zur Senkung des HbA1c-Wertes von durchschnittlich 7,37 auf durchschnittlich 7,04 Prozent. Zudem sanken in dieser Gruppe auch leicht die Nüchtern-Blutzuckerwerte – von durchschnittlich 158 auf durchschnittlich 147 mg/dl. /“

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=69991

Wie die Forscher berichten, hemmt Sulforaphan wie Metformin die Gluconeogenese in der Leber, doch geschieht dies auf einem anderen Weg. Die Wissenschaftler denken daher über Möglichkeiten nach, Metformin und Sulforaphan für die Behandlung zu kombinieren.

Die Studien sind noch lange nicht so weit gediehen, um Brokkolisprossen oder Sulforaphan als Arzneimittel bei Diabetes Typ 2 zu empfehlen.

Es spricht aber viel dafür dass Senfölglykoside, die in Kreuzblütlern verbreitet vorkommen, ein wertvoller Bestandteil einer vielfältigen Ernährung sind. Zahlreiche Untersuchungen haben günstige Eigenschaften dieser Wirkstoffgruppe gezeigt, wobei aber auch hier der Hinweis wichtig ist, dass es sich meistens um Laborforschung handelt, deren Ergebnisse sich nicht einfach direkt auf den Menschen übertragen lasen.

Siehe auch:

Brokkoli: Schutz gegen Arthrose?

 

Glukosinolate aus Brokkoli im Fokus der Forschung

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Brokkolisprossen hemmen Helicobakter pylori-Bakterien im Magen

Brokkoli-Inhaltsstoff günstig bei Asthma

 

 

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kurkuma bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt:

„Der Geschmack von Kurkuma ist vielen aus indischen Gerichten bekannt. In der indischen Heilmedizin Ayurveda wird Kurkuma seit Jahrtausenden verwendet. Im Körper kann das gelb-orange Gewürz Entzündungen reduzieren, etwa im Magen-Darm-Trakt. Besonders bei Reizdarm , chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Morbus Crohn konnten Effekte gezeigt werden. Der in Kurkuma enthaltene Farbstoff Kurkumin wirkt außerdem entzündungshemmend und blutzuckersenkend. Zudem senkt es den Cholesterinspiegel und kann damit vielen Krankheiten vorbeugen.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

 

Kommentar & Ergänzung:

Verwendet werden die Wurzelstöcke von zwei verschiedenen Curcuma-Pflanzen: Gelbwurzel (Curcuma longa) und Javanische Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza). . Kurkuma ist der gelbe Farbgeber im Curry-Gewürz.

Der gelber Farbstoff Curcumin ist einer der interessantesten Naturstoffe und wird intensiv wissenschaftlich untersucht. Dabei besteht aber noch eine grosse Kluft zwischen eindrücklichen Laborergebnissen und den bisherigen Belegen für die Wirksamkeit bei Menschen. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Curcumin aus dem Verdauungstrakt nur schlecht in den Organismus aufgenommen wird.

So dürfte es wohl eher schwierig sein, mit Kurkuma eine relevante entzündungshemmende Wirkung auf systemischem Weg im ganzen Organismus zu erreichen, zum Beispiel an den Gelenken.

Eine Reduktion von Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, wie sie der „Kurier“ anspricht, „bei Reizdarm , chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Morbus Crohn“, ist aber denkbar. Hier kommt das Curcumin direkt mit der Darmwand in Kontakt und eine Resorption ist nicht nötig. Zwar fehlen auch für diesen Bereich die grossen Studien, die eine solche Wirkung einwandfrei belegen könnten. Dieser Ansatz scheint mir aber soweit plausibel, dass ich wohl Curcumin probieren würde, wenn ich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hätte.

Ob Kurkuma dagegen in klinisch relevantem Ausmass den Blutzucker und den Cholesterinspiegel zu senken vermag, ist nicht ausreichend mit Patientenstudien belegt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Erkrankungen im Vedauungstrakt

Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) bei Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Bei der Indikation Übelkeit und Erbrechen empfahl Robert Fürst den Ingwerwurzelstock. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt. Eine Besonderheit sei hier, dass kein Extrakt zum Einsatz kommt, sondern der gepulverte Ingwerwurzelstock (zum Beispiel Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gibt es laut Fürst Wirksamkeitsbelege für ein Kombipräparat aus Kümmelöl und Pfefferminzöl (Carmenthin®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion könne der Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® empfohlen werden, jedoch nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege lassen sich laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflussen. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege seien Artischockenblätter aufgrund ihrer choleretischen Wirkung kontraindiziert.

Bei Reizdarmsyndrom gebe es evidenzbasierte Empfehlungen für Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm®).

Für Flohsamenschalen sieht der Experte auch Anwendungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa. Für diese Indikation eigne sich auch Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka haben laut Fürst in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam sind wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind ein bewährtes Anwendungsfeld für Heilpflanzen-Präparate.

Der Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL®   heisst in der Schweiz Hepa-S®.

Pfefferminzölkapseln sind in der Schweiz als Colpermin®  im Handel, Flohsamenschalen unter den Namen Laxiplant und Metamucil.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet für Flohsamenschalen und für Pfefferminzölkapseln ist der Reizdarm (Colon irritabile).

Siehe dazu hier:

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

STW-5 (Iberogast®) setzt sich zusammen aus neun Komponenten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

Siehe dazu:

Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

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Fragwürdiger Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

Häufige Ursachen für Darmerkrankungen sind Stress und falsche Ernährung. Von Nahrungsmittel-Allergien sind aber Fachleuten zufolge nur ein bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen.

Mitte Oktober fand in Wien der europäische Kongress der Gastroenterologen statt. Dabei betonten Experten, dass viel zu viele Menschen glauben, an Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu leiden.

Die Angst vor Nahrungsmittelunverträglichkeiten sei nicht angebracht.

Alexander Moschen von der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin:

„Wissenschaftlich erwiesen ist: Der Darm hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Doch der Hype ist nicht gerechtfertigt. Nicht jeder Mensch, der hin und wieder Verdauungsprobleme hat, hat automatisch eine Unverträglichkeit – geschweige denn eine Allergie.“

Überschätzt werde auch die Häufigkeit von Glutenintoleranzen, Laktoseintoleranzen oder Histaminintoleranzen. Es stelle sich die Frage, ob es sich dabei nicht um Trendthemen handle, die von der Lebensmittelindustrie als Profitquelle benutzt würden. Gemäss den Zahlen des Experten sind nur ein bis drei Prozent der erwachsenen Österreicher tatsächlich von einer Nahrungsmittelallergie betroffen.

Die Darmgesundheit werde insbesondere durch natürliche Lebensmittel, bewusste Zubereitung und ausreichend Bewegung gefördert.

Die derzeit von verschiedensten Firmen angebotenen Allergie-Tests auf Immunglobuline im Blut (IgG4) hält der Experte nicht für hilfreich.

Darmexperte Moschen erklärt zudem:

„Meist treten Beschwerden bei Unverträglichkeiten verzögert, also einige Stunden bis zu einem Tag nach der Aufnahme der nicht verträglichen Nahrung auf. Bei Allergien fast immer sehr viel rascher nach Kontakt“,

Eigentlich sei es ganz einfach, sagt Alexander Moschen:

„Für einen gesunden Lebenswandel sollte man Wert auf regionale und natürliche Lebensmittel legen, sich Zeit für die Nahrungsaufnahme nehmen und sich ausreichend bewegen – so kommt der Darm ganz alleine gut zurecht. Unsere Verdauung hat die letzten Jahrtausende ohne viel Aufmerksamkeit funktioniert und wird auch in Zukunft gemeinsam mit unserem Mikrobiom ihre Arbeit machen.“

Unser Lebensstil schlägt sich auf den Darm. Fertigprodukte mit Zusatzstoffen können die Darmschleimhaut schädigen und sie durchlässiger machen für Allergene. Aber auch das typische „Nebenbei-Essen“ wirke sich negativ auf die Darmgesundheit aus. Stress und Convenience-Produkte schädigen das Verdauungssystem, erklären die Darmexperten.

Sie betonen aber auch, dass man Alarmsignale des Darmes nicht ignorieren sollte. Bei länger andauernden Verdauungsproblemen und Durchfall – drei Monate werden hier als ungefährer Richtwert genannt – sowie bei Alarmzeichen wie Blut im Stuhl oder rapidem Gewichtsverlust sollten Betroffene den Arzt konsultieren.

Quelle:

http://derstandard.at/2000046074991/Gastroenterologen-Hype-um-Nahrungsmittel-Unvertraeglichkeiten

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und Nahrungsmittel-Allergien ist mir schon mehrfach aufgefallen. Es stellt sich die Frage, woher dieser Hype kommt.

Der Hinweis, dass die Lebensmittelindustrie diese Trendthemen möglicherweise als Profitquelle benutzt, erklärt nur einen Teil des Phänomens. Zu untersuchen wäre noch die Frage, weshalb so viele Leute auf diese Trendthemen aufspringen. Warum sind Menschen bezüglich ihrer Ernährung und ihres Darmes so verunsichert, dass sie sich von Meldungen aller Art derart ins Bockshorn jagen lassen?

Meinem Eindruck nach werden oft bereits kleinste Abweichungen von einer idealisierten Norm pathologisiert. Schon das geringste Zucken im Darm löst vielfältige Befürchtungen aus. Woher kommt diese übersteigerte Aufmerksamkeit? Woher diese weitgehend fehlende Toleranz gegen minimale Störungen der Befindlichkeit? Fehlt das Vertrauen in die Kompetenz des eigenen Körpers? Und wenn ja, warum ist das so?

 

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Phytopharmaka bei Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt

Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main auch über die Anwendung von Phytopharmaka bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Der Pharmazeutische Biologe sprach sich zum Beispiel für Ingwerwurzelstock in der Indikation Übelkeit und Erbrechen aus. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt, erklärte Fürst. Eine Besonderheit sei, dass hier kein Extrakt zum Einsatz komme, sondern gepulverter Ingwerwurzelstock (zum Beispiel als Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gebe es Wirksamkeitsbelege für die Pfefferminzöl-Kümmelöl-Kombination Carmenthin® (früher Enteroplant®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion sprach sich der Referent für den Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® aus, allerdings nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege können laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflusst werden. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege ist der Artischockenbätter-Extrakt aufgrund seiner gallenflussanregenden Wirkung kontraindiziert.

Evidenzbasierte Empfehlungen bei Reizdarmsyndrom seien Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast® und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm® oder Colpermin®), so der Experte. Bei Colitis ulcerosa könne auch Flohsamenschalen zum Einsatz kommen, ebenso wie Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka hätten in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam seien wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Phytopharmaka bieten eine grosse Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten für Beschwerden im Verdauungstrakt. Dieser Bericht vom Fortbildungskongress Pharmacon stellt Phytopharmaka vor, deren Wirksamkeit durch Studiendaten belegt sind.

Siehe auch:

Phytotherapie im Verdauungstrakt – ein Überblick

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

 

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Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsbeschwerden?

Die „Bild“-Zeitung weiss Rat: „Diese 5 Wildkräuter sind schön und machen gesund“ – so der Titel eines Beitrags.

Gut – dann schauen wir uns einmal an, was da genau empfohlen wird:

„Gänsefingerkraut: Hilft bei Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Menstruationsbeschwerden.

Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/heilpflanzen/diese-wildkraeuter-sind-schoen-und-heilen-43457182.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Internet kann bekanntlich jede und jeder über Heilpflanzen (oder andere Heilmittel) schreiben, was er oder sie will. Das mag auch Vorteile haben und entspricht der Meinungsfreiheit, die uns wichtig ist. Es führt aber auch zu einem Dschungel von Aussagen und Behauptungen, der für Laien schwer durchschaubar ist. Denn eine Qualitätskontrolle gibt es da nicht einmal ansatzweise. Und die Redaktion der Bild-Zeitung scheint es auch nicht für nötig zu erachten, die veröffentlichten Ratschläge auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Nur schon der kleine Text zum Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:

– Was genau soll ich mir darunter vorstellen, wenn Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen helfen soll? Es gibt sehr viele sehr unterschiedliche Darmerkrankungen mit verschiedensten Ursachen und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Gänsefingerkraut in allen Fällen helfen kann. Also müsste diese Angabe eingeschränkt werden. Aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen ist eine stopfende Wirkung bei leichten Durchfällen plausibel und auch eine entzündungswidrige Wirkung bei Mundschleimhautentzündungen. Das wär’s dann aber wohl im Verdauungstrakt.

– Vergleichbar beim Stichwort „Bauchschmerzen“: Es gibt verschiedenste Ursachen für Bauchschmerzen. Gänsefingerkraut könnte allenfalls bei leichteren Menstruationskrämpfen lindernd wirken (siehe unten) oder bei leichteren Krämpfen im Kontext von Durchfall (es gibt in solchen Fällen aber besser wirkende Heilpflanzen). Abgesehen davon hängen leichtere Bauchschmerzen oft mit Ernährungsfehlern zusammen (zuviel gegessen? Unverträgliche Nahrungsmittel?). Das lässt sich nicht mit Gänsefingerkraut beheben. Und wenn keine solchen Zusammenhänge erkennbar sind, brauchen Bauchschmerzen eine ärztliche Diagnose, damit gezielter behandelt werden kann.

– Gänsefingerkraut gegen Blähungen? Auch für Blähungen gibt es unterschiedliche Ursachen, die oft mit der Ernährung zusammenhängen – zum Beispiel mit Störungen bei der Verdauung von Kohlenhydraten. Es ist nicht ersichtlich, wie Gänsefingerkraut in solchen Fällen helfen könnte und es gibt auch keine Hinweise für eine Wirkung gegen Blähungen in der Phytotherapie-Fachliteratur.

– Gänsefingerkraut gegen Menstruationsbeschwerden: In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gänsefingerkraut gegen ganz unterschiedliche Beschwerden verwendet, darunter auch zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Dazu liegen auch positive ärztliche Erfahrungsberichte vor, die aber keine verlässliche Beurteilung erlauben. Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Studien zur krampflösenden Wirkung von Gänsefingerkraut führten zu kontroversen Ergebnissen.

Soviel zu den Indikationen von Gänsefingerkraut, wie „Bild“ sie empfiehlt. Zum Schluss geht „Bild“ noch auf die Zubereitung von Gänsefingerkraut ein:

„Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Selbst in diesem kurzen Satz gibt es Ungenauigkeiten und Fehler. So ist zum Beispiel die Anwendung der Wurzel des Gänsefingerkrauts total ungebräuchlich. Wenn von „Kraut“ die Rede ist, dann meint man damit die oberirdischen Pflanzenteile, soweit sie nicht verholzt sind – also Blätter, Stängel und Blüten. Und genau dieses Kraut (Herba) kommt zur Anwendung beim Gänsefingerkraut.

Mit diesen Einwänden kritisiere ich nicht das Gänsefingerkraut, sondern nur die fragwürdige Darstellung in der „Bild“-Zeitung. Das Gänsefingerkraut ist ein sehr hübsches, sympathisches Pflänzchen….

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Vollkornprodukte präventiv gegen Diabetes Typ 2, Hypercholesterinämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas

Die präventiven Wirkungen von Vollkornprodukten hinsichtlich Krankheiten, wie Diabetes Typ 2, Hypercholesterinämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas seien sehr gut belegt, sagt Professor Stefan Lorkowski von der Universität Jena, der zugleich die Sektion Thüringen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) leitet.

In den letzten Jahren gab es allerdings Meldungen, dass Weizen etwa Adipositas (Fettleibigkeit) und chronische entzündliche Darmerkrankungen begünstigen soll. Derartige Aussagen seien sehr plakativ und aus wissenschaftlicher Sicht differenzierter zu betrachten, sagt der Jenaer Ernährungsexperte Professor Gerhard Jahreis. Vor allem für Vollkornprodukte, die einen hohen Ballaststoffgehalt aufweisen, gelte dies sicherlich nicht.

Um das Thema „Getreide“ drehte sich eine Ernährungsfachtagung der DGE an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Dort wurden unter anderen die Resultate einer Metaanalyse präsentiert. Darin konnte gezeigt werden, dass eine verminderte Einnahme von Stärke und Zucker durch einen gesteigerten Verzehr von Vollkornprodukten etwa das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen deutlich reduziert.

An der Ernährungsfachtagung wurde für Patienten mit Zöliakie auch auf Haferflocken hingewiesen, die als glutenfrei deklariert sind, und als ein balaststoffreiches und für viele der Betroffenen gut verträgliches Lebensmittel vorgestellt wurden.

Zur Sprache kam auch, dass immer mehr Gesunde auf glutenfreie Lebensmittel zurückgreifen, aus Angst und in dem Glauben, einen gesundheitlichen Vorteil davon zu haben – was jedoch nach Meinung der Fachleute nicht der Fall ist.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/article/898851/belegt-vollkornkost-wirkt-praeventiv.html?sh=7&h=1324713550

Kommentar & Ergänzung:

Wer die Vollkornzufuhr erhöhen möchte, sollte dies langsam schrittweise tun. Die allzu rasche Erhöhung der Vollkornmenge kann zu Blähungen führen.

Ernährung ist im übrigen ein wichtigerBestandteil der klassischen Naturheilkunde.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Studie zu Weihrauch bei Multipler Sklerose (MS)

Auf einem Kongress von europäischen und amerikamischen MS-Gesellschaften in Boston stellte die deutsche Neurologin Dr. Klarissa Hanja Stürner die Resultate ihrer Forschungsgruppe am Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung in Hamburg vor. Dort erhielten 37 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose acht Monate lang kein Kortison oder Interferon, sondern Kapseln mit Weihrauch verabreicht.

Die im Weihrauch-Extrakt enthaltenen Boswelliasäuren wirken entzündungshemmend und haben im Vergleich zu synthetischen Medikamenten weit weniger Nebenwirkungen. Deshalb ist die Forschung schon seit längerem damit befasst, die Wirksamkeit zu klären, zum Beispiel bei Polyarthritis, Asthma und Colitis ulcerosa.

Bei Multipler Sklerose zeigte die Studie aus Hamburg folgende Ergebnisse:

Die Zahl der Nervenschäden bei den bisher ausgewerteten 25 Patienten verminderte sich um knapp 60 Prozent, die jährliche Rate von neuen Schüben ging von 0,94 auf 0,32 zurück. Weihrauch sei gut verträglich und die Ergebnisse lieferten gute Gründe für weitere Studien, erklärte Dr. Stürner auf dem Kongress in Boston.

Finanziert wurde die Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article135378026/Gegen-welche-Krankheiten-Weihrauch-hilft.html

Kommentar & Ergänzung:

Hauptanwendungsgebiete von Weihrauchextrakt in der Phytotherapie sind bisher rheumatische Entzündungen (vor allem Polyarthritis) und chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa.

Wichtiger Nachsatz: Es geht dabei um die Einnahme von Weihrauchextrakt, nicht um Räucherungen.

Dass eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern dem Thema Weihrauch und Multiple Sklerose nachgeht, ist sehr interessant.

Allerdings ist diese Studie von der Patientenzahl her sehr klein und es fehlt eine Placebogruppe zur Kontrolle. Offenbar wurden die Resultate auch noch nicht von einer Fachzeitschrift publiziert, denn es fehlen dazu Quellenangaben – auch in der „Ärztezeitung“, die ebenfalls vom Kongress in Boston berichtete. Eine Publikation in einer guten Fachzeitschrift wäre jedenfalls als Qualitätszeichen höher zu bewerten als eine Präsentation auf einem Kongress.

Die Studie gibt offenbar positive Hinweise auf eine Wirksamkeit, belegt aber noch nichts.

Die „Welt“ stellt die Resultate etwas allzu fraglos dar.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin bei Reizdarmsyndrom

Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung: Das sind die typischen Symptome des Reizdarmsyndroms (RDS).

Über neue Erkenntnisse zur Pathologie und Behandlung des Reizdarmsyndroms diskutierten Gastroenterologen beim Kongress für Viszeralmedizin Mitte September in Leipzig.

Beim Reizdarmsyndrom leiden die Patientinnen und Patienten unter chronischen Darmbeschwerden, obwohl sich definitionsgemäss keine körperliche Ursache finden lässt und die Auslöser immer noch ungeklärt sind. Organische Darmerkrankungen müssen daher durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird. Eine Standardtherapie im eigentlichen Sinne gibt es beim Reizdarmsyndrom nicht. Die Behandlung orientiert sich an Leitsymptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet vom Kongress in Leipzig und schreibt zum Thema „Komplementärmedizin bei Reizdarmsyndrom“:

„Für die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Verfahren gibt es bisher keine ausreichende Evidenz. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pfefferminzöl, dessen Wirksamkeit in Studien gezeigt werden konnte. Akupunktur ist dagegen nicht wirksam; ein Cochrane-Review konnte auch keinen Nutzen von homöopathischen Behandlungsansätzen nachweisen. Langfristige Effekte lassen sich aber mit psychologischen Verfahren erzielen. Psychische Einflussfaktoren wie Stress im Beruf oder in der Familie, Angst und Depressivität sowie die Tendenz zu Somatisierung sollten berücksichtigt werden.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54548

 

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema Akupunktur und Reizdarmsyndrom wurden zwar ein paar kleinere Studien gemacht, zum Beispiel am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Probanden bekamen entweder eine echte (Verum-)Akupunktur oder eine Schein-Anwendung, bei der die Akupunktur nur simuliert wird (Placebo-Akupunktur), ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden.
 Die Lebensqualität der Probanden verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen, ohne dass zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied feststellbar war.

Durch Messungen im Speichel der Probanden fanden die Forscher allerdings heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt.
An der Studie nahmen allerdings nur 43 Patienten teil. Interessant wäre zudem noch gewesen, wenn eine weitere Gruppe mit Sham-Akupunktur behandelt worden wäre (dabei wird „gestochen“, aber an Punkten, die von den klassischen chinesischen Akupunkturpunkten entfernt liegen).

Quellen zur Studie in Heidelberg:

http://gut.bmj.com/content/55/5/649.abstract

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/29368/Akupunktur-wirkt-bei-Reizdarmsyndrom

Eine Cochrane-Metaanalyse, bei der sechs Studien zum Thema Akupunktur bei Reizdarmsyndrom ausgewertet wurden, kommt zum selben Schluss wie der Beitrag in der Pharmazeutischen Zeitung:

„Most of the trials included in this review were of poor quality and were heterogeneous in terms of interventions, controls, and outcomes measured. With the exception of one outcome in common between two trials, data were not combined. Therefore, it is still inconclusive whether acupuncture is more effective than sham acupuncture or other interventions for treating IBS.“

Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17054239

Und hier Schlussfolgerungen der Cochrane-Metastudie zum Thema Homöopathie & Reizdarmsyndrom:

„A pooled analysis of two small studies suggests a possible benefit for clinical homeopathy, using the remedy asafoetida, over placebo for people with constipation-predominant IBS. These results should be interpreted with caution due to the low quality of reporting in these trials, high or unknown risk of bias, short-term follow-up, and sparse data. One small study found no statistically difference between individualised homeopathy and usual care (defined as high doses of dicyclomine hydrochloride, faecal bulking agents and diet sheets advising a high fibre diet). No conclusions can be drawn from this study due to the low number of participants and the high risk of bias in this trial. In addition, it is likely that usual care has changed since this trial was conducted. Further high quality, adequately powered RCTs are required to assess the efficacy and safety of clinical and individualised homeopathy compared to placebo or usual care.“

Quelle:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24222383

Die Autoren bemängeln vor allem die schlechte Qualität der vorliegenden Studien.

Zur Wirksamkeit von Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom 

Für die Anwendung von Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom liegen positive Studien vor. Pfefferminzöl lindert bei Reizdarmsyndrom krampfartige Bauchschmerzen.

Festgehalten werden muss aber, dass Pfefferminzöl für diesen Anwendungsbereich nur in Form von magensaftresistenten Kapseln eingesetzt werden soll.

Siehe:

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd 

Reizdarmsyndrom – Flohsamen und Pfefferminzöl top, Kleie flop

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Reizdarm: Chronische Bauchschmerzen bei Kindern 

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Mögliche Ursache des Reizdarmsyndroms entdeckt

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom 

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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