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Heidelbeeren aus dem Supermarkt – betreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

Heidelbeeren haben gerade Saison. Im Supermarkt bekommt man allerdings kaum die wildwachsende Waldheidelbeere, sondern viel häufiger eine Kulturheidelbeere.

Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse.

Kulturheidelbeeren wie Vaccinium corymbosum unterscheiden sich beträchtlich von der wild wachsenden Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus). Die Waldheidelbeere wächst europaweit in lichten Nadelwäldern, Hochmooren und Heiden, in den Bergregionen gern im subalpinen Nadelwald als Unterwuchs. Der Halbstrauch wird bis zu 50 cm hoch. Die schwarzblauen Beeren sind erbsengroß und schmecken sehr aromatisch. Der Heidelbeersaft aus Vaccinium myrtillus ist aufgrund des blauen Farbstoffs Anthocyan intensiv blau gefärbt. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Antioxidanzien gehören, die den Körper vor schädlichen freien Radikalen schützen. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Waldheidelbeere sind Ballaststoffe, Fruchtsäuren, Mangan, Mineralstoffe wie Magnesium, Vitamin E und Vitamin C.

Die Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und stammt nicht von der heimischen Waldheidelbeere ab. Ihre Früchte sind grösser als diejenigen der Waldheidelbeere, wachsen an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern und haben einen deutlich süßeren, aber weniger intensiven Geschmack. Ihr Fruchtfleisch ist fest und hat nur wenige Kerne. Bei den Mineralstoffen und Vitaminen bestehen kaum größere Unterschiede zwischen Waldheidelbeere und Kulturheidelbeere. Der blaue Farbstoff Anthocyan steckt bei der Kulturheidelbeere allerdings nur in der Haut, während Saft und Fruchtfleisch farblos sind. Dadurch bekommt man beim Essen kaum blaue Zähne.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/heidelbeere-30444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Für die Phytotherapie sind als Wirkstoffe in der Heidelbeere relevant die Gerbstoffe und die Anthocyane.

Getrocknete Heidelbeeren werden wegen der Gerbstoffe zum Beispiel gegen Durchfall eingesetzt.

Anthocyane hemmen Entzündungen, werden jedoch nur schlecht in den Organismus aufgenommen. Daher sind insbesondere Untersuchungen zur Wirksamkeit bei Darmentzündungen interessant – in diesen Fällen braucht es die Aufnahme in den Körper nicht.

Siehe dazu:

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Interessant wären genaue Angaben bezüglich den Unterschieden im Gehalt an Anthocyanen und Gerbstoffen zwischen Kulturheidelbeeren und Waldheidelbeeren. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine brauchbaren Informationen.

Weil die Kulturheidelbeere im Inneren nicht blau gefärbt ist, liegt es allerdings auf der Hand, dass sie weniger Anthocyane enthält als die Waldheidelbeere. Ich würde jedenfalls als Heilpflanze die Waldheidelbeere vorziehen.

Laut ESCOP-Monografie können anthocyanangereicherte Extrakte aus Heidelbeeren angewendet werden für die „symptomatische Behandlung bei Problemen von Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine, periphere Durchblutungsstörungen, kapillare Durchblutungsstörungen des Auges.“

Der „Leitfaden Phytotherapie“ führt Indikationen aus der WHO-Monografie auf. Darunter ist ein Hinweis, der interessant ist, weil er aus der Reihe tanzt:

„symptomatische Behandlung von Dysmenorrhö bei prämenstruellem Syndrom“

Die Plausibilität dieser Angabe ist schwer einzuschätzen, weil sie sonst in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auftaucht (Dysmenorrhö = schmerzhafte Menstruation).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock hat in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 4 / 2013) einen informativen Beitrag publiziert zur Anwendung von Phytotherapie in der Palliative Care. Ein Abschnitt in diesem Beitrag ist der Mucositis gewidmet. Darin wird auch die Myrrhentinktur erwähnt:

„Myrrhe (Commiphora myrrha) wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und analgetisch. Studien zur Anwendung bei Mucositis liegen nicht vor. Empirisch wird die unverdünnte Tinktur mit einem Wattestäbchen oder einer Fingerkuppe auf die entzündete Stelle aufgetragen. Für eine Mundspülung werden 5-10 Tropfen, bei guter Verträglichkeit 20-30 Tropfen Myrrhentinktur mit ca. 200 ml lauwarmem Wasser verdünnt.“

Kommentar & Ergänzung:

Myrrhentinktur eignet sich selbstverständlich auch für Mundschleimhautentzündungen ausserhalb der Palliative Care.

Mir selber ist bei Mucositis die Tormentilltinktur näher. Sie enthält adstringierende Gerbstoffe (nur kurzzeitige Anwendung). Man kann aber auch Myrrhentinktur und Tormentilltinktur 1 : 1 mischen.

Interessant ist die Beschreibung der medizinischen Wirkung der Myrrhe auf Wikipedia:

„Als Myrrhentinktur hat die Myrrhe heute pharmazeutische Bedeutung bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Sie wirkt auf der Haut desinfizierend, zusammenziehend und fördert die Narbenbildung. Sie besitzt eine blutstillende Wirkung. Myrrhe wirkt auch krampflösend und wird deshalb bei Darmerkrankungen eingesetzt. Die alte Heilpflanze setzt den Spannungszustand der glatten Darmmuskulatur herab. Dadurch verringert sich die Zahl der Darmkontraktionen und Darmkrämpfe werden gelindert. Innerlich angewendet wirkt sie bei Bronchitis und bei Darmentzündungen. Die Anwendung erfolgt durch Zerkauen (bitter) oder Einnahme von Myrrhepräparaten in Tablettenform. In Kombination mit Kaffeekohle und Kamille wird Myrrhe zum Beispiel bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn angewendet. Eine klinische Studie hat gezeigt, dass diese pflanzliche Therapie zur Erhaltung der schubfreien Phase bei Colitis ulcerosa vergleichbar wirksam ist wie die Standardtherapie mit Mesalazin.“

Bemerkenswert an dieser Beschreibung ist:

1. Der Hinweis auf entzündungswidrige Wirkungen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

2. Der Hinweis auf krampflindernde Wirkungen bei Darmkrämpfen.

Da bei der auf Wikipedia erwähnten klinischen Studie ein Kombipräparat aus Kamille, Kaffeekohle und Myrrhe untersucht wurde, lässt sich daraus nicht auf die Wirksamkeit der Myrrhe allein schliessen.

Hier die Quellenangabe zur Studie:

Langhorst J, Varnhagen I, Schneider SB, Albrecht U, Rueffer A, Stange R, Michalsen A, Dobos GJ. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis – a double-blind, double-dummy study. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Jul 4

Myrrhentinktur wird üblicherweise im Mundraum eingesetzt und nicht eingenommen. So fehlen auch Angaben zur innerlichen Anwendung und zur Dosierung in der aktuellen Fachliteratur. Vor geht 20 Jahren bin ich allerdings auf einen Hinweis gestossen, in dem bei Dysmenorrhoe (Menstruationskrämpfe) empfiehlt: Tinctura myrrhae, alle 2 Stunden 10 Tropfen einnehmen. Quelle: Contactamed für Naturheilverfahren, 5. Auflage 1997).Das passt zur erwähnten krampflindernden Wirkung.

Siehe ausserdem:

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie

Palliative Care / Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Chemotherapie / Bestrahlung

Vorbeugung gegen Mukositis bei Chemotherapie

Was ist Myrrhentinktur?

Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kleine Studie untersucht Wirkung von Heidelbeeren bei Colitis ulcerosa

Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) enthalten viele Polyphenole, hauptsächlich die für die blaue Färbung verantwortlichen Anthocyane. Wegen der antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften der Anthocyane entschieden Schweizer Forscher, den Effekt des Verzehrs von Heidelbeeren bei Patienten mit chronisch-entzündlichem Darm (Colitis ulcerosa) zu untersuchen.

In einer unkontrollierten Pilotstudie nahmen 13 an milder bzw. moderater chronischer Darmentzündung leidenden Testpersonen sechs Wochen lang eine tägliche Dosis von 160 g eines standardisierten Heidelbeer-Extrakts zu sich (vier Portionen à 40 g über den Tag verteilt). Die Tagesdosis an Anthocyanen entsprach dabei 840 mg. Zwischen der Einnahme und den Mahlzeiten sollten die Probanden jeweils mindestens eine Stunde verstreichen lassen. An die Behandlungsphase schloss sich noch eine dreiwöchige Nachbeobachtungsphase an.

Der für diese Studie eingesetzt Mayo Score ergab insgesamt eine signifikante Besserung der Symptome um mindestens zwei Punkte. Laut Fragebogen verbesserte sich auch die subjektive Befindlichkeit wesentlich: Rund 82 Prozent der Teilnehmenden berichteten von einer Steigerung ihrer Lebensqualität verglichen mit ihrer Situation zu Studienbeginn. Diese positive Tendenz näherte sich allerdings nach dem Abschluss der Einnahme des Heidelbeerextrakts wieder dem allgemeinen Wert an. Objektive Parameter, die Schleimhautentzündung betreffend, verbesserten sich ebenfalls.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blaue-beeren-besaenftigen-den-entzuendlichen-darm.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22883440

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/erloesung-von-den-ewigen-bauchschmerzen-1.9607345

Kommentar & Ergänzung:

Die Forscher an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsspital Zürich befassen sich offenbar schon längere Zeit mit dem allfälligen Potenzial von Heidelbeeren bei Colitis ulcerosa.

Die Studie ist sehr klein (Pilotstudie) und schon deshalb von beschränkter Aussagekraft.

Wenn bei einigen Probanden mittels Darmspiegelung eine nachlassende Entzündung der Darmschleimhaut festgestellt wurde, könnte dies auch auf normale Schwankungen im Krankheitsverlauf zurückzuführen sein.

Diese Möglichkeit könnte man nur ausschliessen durch eine Studie mit grösseren Probandenzahlen und mit einer Kontrollgruppe, die ein Scheinmedikament bekommt (Placebo-Gruppe).

In diesem Fall dürfte es aber schwierig zu erreichen sein, dass das Placebo sich vom Heidelbeerextrakt nicht unterscheidet (Verblindung).

Heidelbeerextrakt verfärbt Zunge und Stuhl. Selbst wenn man die entsprechende Menge Anthocyane in neutrale Kapseln abfüllt, würden sie vielleicht den Stuhl immer noch färben, denn es sind ja immer noch Farbstoffe. Vielleicht könnte man das Placebo mit einem blauen Lebensmittelfarbstoff versetzen, der ebenfalls den Stuhl färbt, aber pharmakologisch unwirksam ist. Und dann bleibt jedoch immer noch die Frage offen, ob Heidelbeerextrakt nicht vielleicht besser wirkt als isolierte Anthocyane, zum Beispiel weil er länger und intensiver auf die Darmschleimhaut einwirkt.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass klinische Forschung mit Naturstoffen manchmal nicht ganz so einfach ist. Zu einer mehr oder weniger neutralen Laborsubstanz lässt sich leicht ein visuell, geruchlich und geschmacklich identisches Placebo herstellen. Aber machen Sie das mal mit Knoblauch, Baldrian oder Lavendelöl….

Nun aber nochmals zurück zu den Anthocyanen. Das sind Naturstoffe, die in den letzten Jahren intensiv erforscht wurden. Als blaue, violette und rote Farbstoffe sind sie im Pflanzenreich weit verbreitet, beispielsweise in Brombeeren, Himbeeren, Apfelbeeren (Aronia), schwarze Johannisbeere, Kirschen, Heidelbeeren, Aubergine (Schale), Holunderbeeren.

Es stimmt, dass Anthocyane interessante antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zeigen. Allerdings lassen sich solche meist im Labor festgestellte Wirkungen nicht einfach auf den menschlichen Organismus übertragen. Einer entsprechenden Wirksamkeit im ganzen menschlichen Organismus steht zum Beispiel entgegen, dass viele Anthocyane nur in geringer Menge aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen werden. Die Anwendung bei Darmentzündungen ist interessant, weil dieses Resorptionsproblem hier keine Rolle spielt.

Siehe auch:

Heidelbeeren-Anthocyane im Verdauungstrakt

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Anthocyane als Entzündungshemmer

Naturheilkunde bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hilft Weihrauch bei Clusterkopfschmerz?

In einer sehr kleinen Studie konnte Häufigkeit und Intensität der Schmerzattacken bei Clusterkopfschmerz reduziert werden. Eine placebokontrollierte Studie ist in Planung.

Eine österreichische Wissenschaftlergruppe hat unter der Leitung von Christian Lampl zeigen können, dass die Behandlung mit Weihrauch (Boswellia serrata) eine Option für Menschen mit Clusterkopfschmerzen sein könnte. Hauptsächlich dann, wenn andere Standard-Prophylaktika erfolglos geblieben sind. Sowohl Häufigkeit als auch Intensität der Schmerzattacken konnte vermindert werden. Clusterkopfschmerzen gehören zu den schmerzhaftesten Erkrankungen überhaupt. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Verlaufsform.

Die Wissenschaftler verabreichten vier Patienten, die an chronischen Clusterkopfschmerzen litten, zusätzlich zur bestehenden Medikation dreimal täglich 350 Milligramm Weihrauch. Bei allen Patienten waren davor mindestens drei Standard-Prophylaktika erfolglos geblieben und die Hälfte der Schmerzanfälle trat während des Schlafes auf. In der Studie zeigte sich, dass die orale Gabe von Weihrauch sowohl die Häufigkeit, als auch die Intensität der Schmerzattacken langfristig reduzieren konnte.

Schon nach einer Woche zeigte sich eine deutliche Verbesserung.

Studienautorin Christine Schweiger vom Konventhospital Barmherzige Brüder in Linz erklärt, dass die rasche Verbesserung der Schmerzattacken während der Nacht jenen Daten ähnelt, die aus Studien an Krebspatienten bekannt seien, die mit Weihrauch behandelt wurden.

Auch die Schlafqualität der Patienten soll sich deutlich verbessert haben. Der Langzeiteffekt wurde durch Schilderungen der Patienten und durch Schlaf- und Schmerzprotokolle dokumentiert. Während der Therapiestudie erwies sich Weihrauch als gut verträglich mit nur wenigen Nebenwirkungen. Die Wissenschaftler planen für die Zukunft eine größere Studie, die auch placebokontrolliert sein soll.

Quelle:

http://derstandard.at/1350258699797/Weihrauch-hilft-bei-Clusterkopfschmerz

Kommentar & Ergänzung:

Es wäre ja sehr erwünscht, wenn mit dem Weihrauch ein zusätzliches Mittel zur Linderung des Clusterkopfschmerzes zur Verfügung stehen würde.

Und Weihrauch ist eine interessante Heilpflanze, die es Wert ist, intensiv erforscht zu werden.

Allerdings ist diese Studie sehr klein und weil eine Placebo-Kontrolle fehlt, auch nur beschränkt aussagekräftig.

Meldungen auf einer so schmalen Basis sind zwar durchaus interessant, doch wecken sie manchmal auch verfrühte Hoffnungen, die dann mit den grösseren, placebo-kontrollierten Studien enttäuscht werden.

Zur Weihrauch als Heilpflanze siehe auch:

Weihrauch-Forschung: Boswelliasäuren hemmen Entzündungen

Weihrauch als Heilpflanze bei Rheuma und Darmentzündungen

Weihrauch-Forschung zu Polyarthritis, Osteoarthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale

Weihrauch bei chronischen Darmerkrankungen

Weihrauch als Heilpflanze gegen Stress, Angst und Depressionen?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.

Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.

„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.

Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.

Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.

Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.

Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.

Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.

Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.

Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.

Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.

Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen

„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:

Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.

Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie

„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.

Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:

„Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria

Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss

Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia

Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….

Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea

Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta

Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus

Volksmedizinische Verwendung finden auch:

Catechu

Brombeerblätter von Rubus fruticosus

Gänsefingerkraut von Potentilla anserina

Erdbeerblätter von Fragaria vesca

Odermennigkraut Agrimonia eupatoria

Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora

Breitwegerichblätter von Plantago major

Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata

Rosenblüten von Rosa gallica

Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“

(Quelle: Wikipedia)

Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:

Schwarztee / Grüntee.

Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).

Chemischer Aufbau der Gerbstoffe

„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:

Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen

kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.

Zur Wirkung der Gerbstoffe

„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.

Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“

(Quelle: Wikipedia)

Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe

„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“

(Quelle: Wikipedia)

Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).

Nebenwirkungen der Gerbstoffe

„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“

(Quelle: Wikipdedia)

Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.

Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.

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Weihrauch als Heilpflanze bei Rheuma und Darmentzündungen

Die „Welt“ publizierte einen informativen Beitrag über Weihrauch.

Dabei kam auch die medizinische Wirkung zur Sprache:

„Sogar eine kleine medizinische Renaissance könnte das Weihrauchharz erleben, nachdem es als Arzneimittel weitgehend durch wirksamere synthetische Stoffe ersetzt worden war. In den 90er-Jahren fanden Pharmakologen im Harz eine Reihe von Substanzen, unter anderem die Boswellia-Säuren, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen. So könnten sie möglicherweise Rheuma, chronische Darmentzündungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Asthma und die Beschwerden von Hirntumoren lindern

Die Forschung, in Deutschland vor allem an den Unis in Tübingen und Saarland, ist aber noch nicht abgeschlossen, es gibt erst wenige Studien mit Patienten. Eine Arzneimittelzulassung gibt es nicht.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

In der Schweiz ist ein Weihrauchpräparat (H 15 Gufic) im Kanton Appenzell als Heilmittel zugelassen. Bei Rheuma (Arthritis) und Darmentzündungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) kommt Weihrauch in Tablettenform innerlich zur Anwendung. Weihrauchsalben, die seit einiger Zeit ebenfalls im Handel sind, eignen sich allenfalls bei Hautentzündungen (Neurodermitis, Psoriasis), aber nicht bei Rheuma. Es ist nämlich völlig ungeklärt, ob die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden können und auf diesem Weg eine Wirkung entfalten.

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Phytotherapie: Heidelbeertee gegen Durchfall

Das Magazin „Focus“ veröffentlichte eine Serie mit bewährten Hausmitteln gegen Verdauungsprobleme.

Die vorgestellten Tipps aus Naturheilkunde und Phytotherapie sind erfreulich fundiert, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

Als Beispiel die Empfehlung von Heidelbeertee gegen Durchfall:

„Die Gerbstoffe aus der Heidelbeere hemmen Entzündungen und wirken zusammenziehend und dämpfend auf die Peristaltik, also auf die Muskeltätigkeit des Magens. Besonders Kinder mögen diesen Tee wegen seines Geschmacks.

Für den Heidelbeertee ein bis zwei Teelöffel getrocknete Heidelbeeren etwa zehn Minuten in einem Viertelliter Wasser zugedeckt köcheln lassen und dann abseihen. Über den Tag verteilt bis zu drei Tassen trinken. Wenn es schnell gehen muss, einfach ein paar getrocknete Heidelbeeren kauen.

Wichtig: Für den Tee unbedingt getrocknete Heidelbeeren verwenden, denn frische Heidelbeeren bewirken genau das Gegenteil – sie verursachen Durchfall.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/tid-21554/hausmittel-durchfall-linderung-fuer-den-darm_aid_605255.html

Kommentar & Ergänzung:

Einzige Kritik: Die Peristaltik wird wohl eher im Darm gehemmt, was bei Durchfall auch mehr Sinn macht. Die Gerbstoffe werden zudem erst im Darm freigesetzt und kaum schon im Magen – so jedenfalls die „Lehrmeinung“ in der Phytotherapie.

Neben den Gerbstoffen sind auch die blauen Farbstoffe in den Heidelbeeren interessant. Diese Anthocyane zeigen in Laboruntersuchungen entzündungshemmende Eigenschaften, die möglicherweise bei chronischen Darmentzündungen wie Colitis ulcerosa nützlich sein könnten.

Siehe dazu:

Anthocyane als Entzündungshemmer

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Wie Kräutertees zubereitet werden

Kräutertees spielen schon seit Jahrhunderten bei der Behandlung zahlreicher Beschwerden eine große Rolle. Im Folgenden eine Liste der gängigsten Kräutertees samt Zubereitung und Anwendung, wie sie Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg empfiehlt:

BALDRIAN: Hilft unter anderem bei Schlafstörungen und wirkt beruhigend. Verwendet werden von der Baldrianpflanze nur die zerkleinerten Wurzeln.
Zubereitung: Zwei Teelöffel mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen, mehrere Stunden ziehen lassen, dann abseihen und vor dem Trinken leicht erwärmen – nicht kochen.

EIBISCH: Lindert Reizungen der Schleimhäute und fördert deren Heilung. Die Polysaccharide aus dem Eibisch bilden einen Schutzfilm auf den bei Husten oder Entzündungen gereizten Schleimhäuten. Verwendet werden auch hier meist nur die Wurzeln, Blüten und Blätter können jedoch ebenfalls genutzt werden. Zubereitung: Ein Teelöffel zerkleinerte Eibischwurzel in eine Tasse kaltes Wasser geben, ein bis zwei Stunden unter gelegentlichem Umrühren ziehen lassen, abseihen und leicht erwärmen.
Dann langsam schluckweise trinken und den Eibischtee dabei möglichst lange im Mund behalten. Den Tee mehrfach in kurzen Abständen trinken.

FENCHEL: Hilft gut bei Katarrhen und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl. Zubereitung: einen Teelöffel Fenchelfrüchte
(Samen) in kleinem Mörser oder mit dem Rücken eines Esslöffels zerdrücken und mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen. Zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

KAMILLE: Hilft unter anderem bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten, etwa Zahnfleischentzündungen, Hämorrhoiden und Menstruationsbeschwerden. Kamille wirkt außerdem bei Magenentzündungen und Darmentzündungen, gerade wenn sie mit Blähungen und Krämpfen verbunden sind.

MELISSE: Hilft unter anderem bei Magen-Darmbeschwerden. Zubereitung: zwei Teelöffel Melissenblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und nach dem Essen trinken.

MINZE: Hilft gut bei Magenbeschwerden,  Darmbeschwerden und Gallebeschwerden. Zubereitung:
drei Teelöffel Pfefferminzblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen und abseihen.

ROSE: Hilft bei leichten Entzündungen im Mundraum und im Rachen.
Zubereitung: einen Teelöffel Rosenblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, mehrmals am Tag den Mund mit dem Aufguss spülen.

SALBEI: Hilft bei Entzündungen im Mundraum und im Rachen und gegen übermäßiges Schwitzen. Zubereitung: zwei Teelöffel Salbeiblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

SÜSSHOLZ: Wirkungsvolles Heilmittel bei Katarrhen der Atemwege, hilft vor allem gegen Husten, aber auch bei Magengeschwüren und Darmgeschwüren. Zubereitung: einen knappen Teelöffel zerkleinerte Süßholzwurzel mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, fünfzehn bis zwanzig Minuten ziehen lassen, täglich drei bis fünf Tassen trinken.

THYMIAN: Wirkt gut gegen Bakterien und sogar Viren bei Katarrhen der Atemwege, Bronchitis und Keuchhusten. Zubereitung: zwei Teelöffel Thymiankraut mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und möglichst heiß trinken.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_953_wie-arzneitees-zubereitet-werden.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine gute Übersicht mit fundierten Empfehlungen. Eher ungewöhnlich ist die Empfehlung von Rosenblättern.

Kräutertees sind durchaus eine gute Variante für die Anwendung von Heilpflanzen in der Phytotherapie, neben Tinkturen und Extrakten. Vor allem in der Krankenpflege vermittelt die Zubereitung eines Kräutertees auch Zuwendung.

Leider gibt es im Bereich der Kräutertees kaum Forschung. Die Phytotherapie-Forschung konzentriert sich stark auf Heilpflanzen-Extrakte, weil hier Gelder der Hersteller  zur Verfügung stehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Curcuma, die Gelbwurz, ist in Asien ein beliebtes und verschwenderisch verwendetes Gewürz. Gelbwurz ist der farbgebende Bestandteil in der Curry-Mischung. Curcuma könnte einer der Gründe dafür sein, dass es in Indien nahezu keinen Darmkrebs gibt. “Denn es ist erwiesen, dass dieses Gewürz die Entstehung von Darmkrebs verzögert oder sogar verhindert, indem es das Wachstum von Darmkrebszellen hemmt und den programmierten Tod von Krebszellen auslöst”, erklärt der Gastroenterologe Univ.-Prof. Dr.Christoph Gasche, Leiter des Christian-Doppler-Labors für molekulare Karzinom- und Chemoprävention in Wien.

Gasche hat zusammen mit Kollegen am AKH Wien Studien zu Curcumin durchgeführt, dem Farbstoff der Gelbwurz. Eine von rund 3100 wissenschaftlichen Studien, die es weltweit zu Curcumin gibt. Über seine antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften wird Dr. Christoph Campregher, der ebenfalls an den Wiener Untersuchungen teilgenommen hat, beim Kongress “Menopause Andropause Anti-Aging” berichten (3. bis 5.Dezember, Hotel Hilton in Wien).

Curcumin wirkt als starker Radikalfänger, “einer der am besten untersuchten”, stellen die Wiener Wissenschaftler fest. Und als potenter Radikalfänger könnte Curcumin Alterungsprozesse tatsächlich ein wenig hintanhalten. “Wissenschaftlich ist dazu aber die Datenlage noch ein wenig dünn”, erklärt Gasche.

Erwiesen ist jedoch: Curcumin bleibt zum größten Teil im Dickdarm, wird vom restlichen Körper kaum aufgenommen, findet sich also praktisch nicht in der Blutzirkulation, hat jedoch im Darm multiple Effekte.

Zum einen entfaltet es eine starke antibakterielle Wirkung, hält die Bakterien im Darm unter Kontrolle. “Das ist umso bemerkenswerter, als speziell der Dickdarm ein riesiges Bakterienreservoir ist.” Die antibakterielle Wirkung sei nicht selektiv, sondern “man kann es mit einem Breitbandantibiotikum vergleichen”.

Außerdem vermindert Curcumin Entzündungsaktivitäten, was hauptsächlich Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn eine wertvolle Erleichterung bietet (diese beiden Erkrankungen gelten übrigens als Risikofaktoren für die Entstehung von Dickdarmkrebs).

Allerdings – so betont Gasche – müsse man ordentlich viel Gelbwurz ins Essen geben, um diesen Nutzen zu erzielen. “Leichter geht es mit Nahrungssupplementen.” Dennoch: Der Gelbwurz-Inhaltsstoff Curcumin sei gegenüber gängigen Medikamenten gegen chronische Darmentzündungen etwa 1000-mal aktiver.

Quelle: www.diepresse.com („Die Presse“, Print-Ausgabe, 24.11.2009)

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist einer der am intensivsten untersuchten Inhaltsstoffe aus Heilpflanzen.
In der Phytotherapie kennt man Curcumin als Bestandteil von Javanischer Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza, Temoe Lawak) und von Kurkuma (Curcuma longa = Curcuma domestica).

Curcumin zeigt im Labor Eigenschaften, welche wohl zu Recht als für die Krebsforschung interessant betrachtet werden. Allerdings wird der Curry-Bestandteil leider in manchen Kreisen generell als Krebsheilmittel angepriesen und vermarktet. Ich habe schon vor einiger Zeit einmal hier im Blog darauf hingewiesen, dass einer der schwierigen Punkte bei der Curcumin-Anwendung dessen schlechte Resorbierbarkeit aus dem Verdauungstrakt ist. Diese stark eingeschränkte Resorbierbarkeit bestätigt nun auch Professor Gasche. Das macht die von unseriösen Curcumin-Propagandisten versprochenen Heilwirkungen auf Krebserkrankungen im ganzen Organismus unwahrscheinlich. Direkte Wirkungen gegen Tumorerkrankungen im Darm scheinen aber nicht ausgeschlossen.

Allerdings handelt es sich auch bei den Wiener Studien wohl am reine Laboruntersuchungen an Zellen. Es deutet im Artikel der “Presse” jedenfalls nichts darauf hin, dass Erfolge an krebskranken Menschen dokumentiert worden sind. Zwischen Erfolgen im Labor und Heilungen bei Krebskranken besteht aber ein sehr grosser Unterschied.
Es stellt sich vor allem die Frage nach der nötigen Dosis an Curcumin. Braucht es – wie Gasche betont – “ordentlich viel Gelbwurz”, so wäre zu beachten, dass antioxidative Substanzen in hohen Dosen auch negative Wirkungen entfalten können. Darauf deuten jedenfalls einige neuere Untersuchungen hin.

Und antibakterielle Effekte im Darm, die “mit einem Breitbandantibiotikum” vergleichbar sein sollen, werfen ebenfalls Fragen auf. Was geschieht dann mit der natürlichen und notwendigen Bakterienflora im Darm? Wird auch abgeräumt? Oder verschont Curcumin in antibakteriell wirksamer Dosierung die nützlichen Darmbakterien? Kaum denkbar. Andernfalls würde man aber bei hohen Curcumin-Dosen mit Durchfall rechnen müssen wie bei der Gabe von Antibiotika.

Interessant scheinen mir mögliche antientzündliche Effekte von Curcumin bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Die Angabe, Curcumin sei “gegenüber gängigen Medikamenten gegen chronische Darmentzündungen etwa 1000-mal aktiver” tönt allerdings kaum glaubwürdig. Das wäre sensationell. Hier müsste man mehr und genaueres darüber wissen, wie diese Zahl zustande gekommen ist. Erst wenn man den Weg kennt, auf dem ein solches Resultat entstanden ist, kann man sich eine einigermassen fundierte eigene Meinung dazu bilden.

Auch Andeutungen bezüglich einer möglichen Verzögerung des Alterungsprozesses durch Curcumin sind meines Erachtens fragwürdig und sollten besser unterbleiben, wenn die Datenlage schon dünn ist. Mit solchen hingestreuten und sehr nebulösen Bemerkungen feuert man nur das Geschäft der Curcumin-Verkäufer an.
Mir scheint, dass dieser Text auf www.diepresse.com sehr viele Fragen aufwirft.
Nicht in Frage stellen würde ich aber die Curcumin-Forschung als solche, die Verwendung von Gelbwurz als interessante Heilpflanze und den Einsatz von Kurkuma bzw. Curry als feines und gesundes Gewürz.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Gewürze fördern Verdauung

Dass sich Gewürze günstig auf die Verdauung auswirken, ist in der traditionellen Pflanzenheilkunde und in der wissenschaftlichen Phytotherapie schon lange bekannt.

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Technischen Universität München versuchten zu klären, was dabei genau vor sich geht im Verdauungstrakt. Ihre Resultate haben sie in der Fachzeitschrift Gastroenterology publiziert.

Die Wissenschaftler entdeckten, dass die Rezeptoren für Thymol und Eugenol, Bestandteile der ätherischen Öle des Thymians und der Gewürznelken, nicht nur in der Nase vorkommen, sondern auch in den so genannten Sensorzellen der Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt. In ihren Untersuchungen stimulierten sie diese Sensorzellen mit den Gewürzen und beobachteten dabei eine Erhöhung der interzellulären Kalzium-Konzentration, welche wiederum zu einer Freisetzung des Botenstoffes Serotonin führte. Serotonin steuert im Verdauungstrakt die Muskelbewegungen und die Sekretion von Verdauungssäften. Die Ergebnisse der Münchener Wissenschaftler ermöglichen völlig neue Ansätze bei der Behandlung von Verdauungsbeschwerden. Demnach könnten Aromastoffe, also Bestandteile von ätherischen Ölen, geeignet sein, Verstopfung, Durchfall oder Darmentzündungen zu beeinflussen.

Als problematisch sehen die Münchener Forscher allerdings die tägliche Allgegenwart von Aromastoffen in Nahrungsmitteln, Kosmetika und Waschmitteln: Sie könnten allenfalls für Reizdarmbeschwerden verantwortlich sein.

Quelle: http://idw-online.de

Kommentar & Ergänzung:

Gewürze stehen am Übergang zwischen Ernährung / Ernährungslehre und Pflanzenheilkunde / Phytotherapie.
Viele Pflanzen sind gleichzeitig Heilpflanzen und Gewürze. Beispiele dafür sind Ingwer, Zimt, Curcuma, Pfeffer, Paprika, aber auch Kümmel, Fenchel, Anis, Sternanis, Dill, Basilikum, Liebstöckel, Gewürznelke, Muskat u. a.

Es ist sehr zu begrüssen, wenn die Wirkung der Gewürze auf die Verdauung genauer erforscht wird. Dass die Münchener Wissenschaftler eine Beeinflussung der Serotonin-Freisetzung durch Thymol und Eugenol fanden, ist jedenfalls sehr interessant.

Eine ausgezeichnete Informationsquelle über Gewürze ist das Buch “Gewürzdrogen” von Eberhard Teuscher. Sie können dieses Standardwerk anschauen und beziehen in unserem Buchshop.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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