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Cannabis gegen Reisekrankheit?

Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat vor kurzem Präparate gegen Reisekrankheit unter die Lupe genommen.

Hier habe ich die Ergebnisse zusammengefasst und kommentiert:

Oeko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Über die beurteilten Präparate hinaus gibt es in diesem Heft aber noch ein interessantes Statement von Prof. Dr. Tomas Jelinek. Der Internist und Tropenmediziner ist wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf.

Er schreibt unter dem Titel „Auch Cannabis wirkt gegen Kinetose“:

„Auch Cannabinoide werden als Wirkstoff beschrieben, der bei Reisekrankheit funktioniert. Durch das Rauchen von Cannabis nimmt man alles etwas langsamer wahr, das Bewusstsein ist verändert. Weil es die Reizübertragung bremst, ist es naheliegend, dass es auch bei Reiseübelkeit hilft. Deshalb wird es ja auch zur Schmerztherapie eingesetzt. Praktikabel ist das natürlich nicht, denn es handelt sich um eine illegale Substanz. Zudem sind weitere Effekte schwer kalkulierbar. Bekifft sind sie nicht voll reaktions- und zurechnungsfähig.“

 

Quelle:

https://media.arbeiterkammer.at/ooe/T_2016_Reisekrankheit_OekoTest.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Cannabis ist als Arzneimittel in der Schweiz nur eingeschränkt legal anwendbar, zum Beispiel als reines THC-Präparat (Dronabinol). Im Vordergrund stehen dabei Anwendungen gegen Spastik bei Multipler Sklerose oder Querschnittlähmung, sowie bei Krebserkrankungen zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie und gegen Appetitlosigkeit. Dafür ist eine Bewilligung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) nötig.

Siehe dazu:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich

Neues Cannabis-Medikament in der Schweiz

Reisekrankheit wird aber als Indikation für Dronabinol oder ähnliche Cannabispräparate kaum eine BAG-Bewilligung bekommen.

Also ist Cannabis gegen Reisekrankheit wohl nur umsetzbar für Leute, die Erfahrung haben mit Cannabis und nicht am Steuer sitzen. Aber immerhin eine interessante Idee.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Palliativmedizin: Cannabinoide gegen Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen

Wenn schwerkranke Menschen an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen leiden, können Cannabinoide hilfreich in der Palliativtherapie sein.

Lebensqualität sei das herausragende Ziel für Menschen am Lebensende, sagte Professor Dr. Andreas S. Lübbe von der Palliativstation in Bad Lippspringe beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie.

Starke Schmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Fatigue, Erbrechen und Übelkeit belasten zahlreiche Kranke enorm – und auch ihre Angehörigen.

Wenn Patientinnen oder Patienten nicht essen können oder wollen kann das zu starkem Gewichtsverlust und zu krankhafter, starker Abmagerung (Kachexie) führen.

Cannabis kann unter anderem den Appetit anregen. Dronabinol-Tropfen enthalten THC und können deshalb Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit vermindern.

Lübbe nannte die Cannabinoide als einen Baustein zur medikamentösen Behandlung der Anorexie (Appetitlosigkeit).

Derzeit gibt es in Deutschland nur ein entsprechendes Fertigarzneimittel auf dem Markt: den Mundspray Sativex® zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS-Patienten.

Eine Alternative dazu bietet die Dronabinol-Rezeptursubstanz, die in Apotheken gemäß NRF-Vorschrift zu öligen Tropfen (25 mg/ml) oder Kapseln (2,5 oder 5 oder 10 mg/Kapsel) verarbeitet werden kann. Informationen zur Rezeptur stellt der Hersteller unter www.bionorica-ethics.de zur Verfügung.

Das Rezepturarzneimittel muss von einem Arzt oder einer Ärztin auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Als Indikationen für Dronabinol gelten unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Anorexie bei Krebs- oder Aidspatienten sowie Spastizität und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss).

Ebenso gebe es eine hohe Evidenz bei Patienten mit Kachexie-Syndrom, sagte Lübbe. Dronabinol könne Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit mildern.

Appetitanregung und Muskelrelaxation sind laut Hersteller die Hauptwirkungen von Dronabinol.

Weniger ausgeprägt sind die Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Schmerzen und Angst, sowie die beruhigenden und entzündungswidrigen Wirkungen.

Dronabinol kommt darüber hinaus zur Anwendung bei Schmerzen anstelle von oder ergänzend zu Opioiden. Lübbe hält dies vor allem für sinnvoll, wenn Patienten an weiteren Symptomen leiden, gegen die Cannabinoide wirksam sind. Als Beispiele erwähnte er Übelkeit, Anorexie, Spastizität, Hypersalivation und Schlafstörungen.

Zur Appetitstimulation sollte man mit einer tiefen Dosis anfangen und langsam auftitrieren. Das bedeutet: Zu Beginn zweimal täglich einen bis drei Tropfen der öligen Lösung (0,83 bis 2,5 mg) geben und alle drei Tage steigern. Lübbe sagte, dass die meisten Patienten nicht mehr als 10 mg pro Tag brauchen.

Höhere Dosierungen kommen in der Regel zur Anwendung bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen sowie zur Schmerzbehandlung.

Als unerwünschte Wirkungen können typischerweise auftreten: Schwindel (mehr als 10 Prozent der Patienten) sowie Müdigkeit, Amnesie, Dysarthrie (Sprechstörungen) und affektive Störungen.

Kontraindikationen für Dronabinol sind psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Depression sowie Krampfanfälle und Epilepsie in der Anamnese.

Lübbe hält Cannabinoide für eine Bereicherung in der Palliativmedizin und verlangte »mehr Mut zum Einsatz«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57248

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen zu Dronabinol, Sativa-Öl und Sativex finden Sie hier:

Dronabinol / THC vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Neues Cannabismedikament in der Schweiz (Sativa-Öl)

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erehältlich (Dronabinol / Cannabistinktur)

Cannabis-Wirkstoffe neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

 

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Cannabis als Heilpflanze – es tut sich was

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Welche Bedeutung hat Cannabis für die Medizin?

Vor kurzem hat das Verwaltungsgericht in Köln entschieden, dass in begründeten Einzelfällen der Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken erlaubt ist.

Näheres siehe dazu hier:

Gericht erlaubt Schmerzpatienten Eigenanbau von Cannabis  (auch mit Informationen zur arzneimittelrechtlichen Situation in der Schweiz).

In der „Deutschen Apothekerzeitung“ publizierte Prof. Dr. Thomas Herdegen daraufhin eine Einschätzung bezüglich der Bedeutung von Cannabis in der Medizin:

„Auch wenn, insbesondere aus den USA, immer wieder neue Anwendungsgebiete für Cannabis propagiert werden, beschränken sich die Indikationen, für die es Hinweise auf einen belegbaren Nutzen gibt, auf Schmerzhemmung, Schmerzen und Spastik bei multipler Sklerose, Anti-Emesis und Appetitsteigerung bei Kachexie.“

Grundsätzlich seien Cannabinoid-haltige Arzneimittel zwar in der Regel gut verträglich, doch zeigten sie große individuelle Unterschiede in der Wirksamkeit. Je nach Indikation würden sie oft in ihrer Wirkung von Arzneistoffen der ersten Wahl übertroffen.

Obwohl in manchen Studien nur gering verbesserte Mittelwerte oder schwache klinische Effekte gezeigt werden konnten, sei nicht auszuschließen, dass gewisse Subgruppen der Patientinnen und Patienten von Cannabinoiden profitieren.

Nach Prof. Herdegen stellen sie daher in der Hand von erfahrenen, im Umgang mit Cannabinoiden vertrauten Therapeuten für einige Erkrankungen eine sinnvolle Therapieoption dar, wobei sie aber meist 2. Wahl seien.

Prof. Herdegen geht auch auf Risiken und Nebenwirkungen ein:

„Die gefürchteten psychogenen Wirkungen mit Missbrauch, Einschränkung kognitiver Fähigkeiten und Entzug beim Absetzen treten, ausgenommen von Einzelfällen, weit jenseits der therapeutischen Dosierungen auf. Beim medizinisch indizierten Einsatz kommt es vor allem zu folgenden, nicht-psychogenen Nebenwirkungen: Müdigkeit, Aufmerksamkeitsstörung, Schwindel, Hypotension, Mundtrockenheit, vermindertem Tränenfluss sowie gastrointestinalen Irritationen. Generell unterliegen die Nebenwirkungen aber einer mehr oder weniger raschen Toleranz (Beginn nach Tagen bis Wochen), was den Verdacht nahelegt, dass das auch bei den Wirkungen der Fall sein könnte.“

Zusammenfassend hält der Experte fest, „dass aus medizinischer Sicht die Cannabinoide zum ‚therapeutischen Arsenal’ gehören, wenn auch als Mittel der zweiten Wahl.“

Gerade in der Schmerztherapie könne dieses Arsenal aber nicht groß genug sein und auch die Standard-Therapeutika wie COX-Inhibitoren und Opioide seien im Umgang nicht weniger problematisch.

Die Kosten für standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel sollten daher von den Krankenkassen übernommen werden, wenn ihre Anwendung medizinisch begründet ist, schreibt Herdegen.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2014/08/01/wann-cannabis-helfen-kann/13472.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich teile die Stossrichtung dieser Einschätzung voll.

Cannabis sollte klar zum „therapeutischen Arsenal“ der Medizin gehören.

Und der medizinische Einsatz von Cannabis sollte kritisch diskutiert werden und auf Indikationen begrenzt, für welche ausreichend dokumentierte Wirksamkeit vorliegt. Fragwürdig ist es jedenfalls, Cannabis als Heilmittel für alle möglichen Beschwerden zu propagieren.

Schmerzkranke und Menschen mit Spastik, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, sollten aber einen legalen Zugang zu Cannabis als Arznei haben, wenn sie damit ihre Beschwerden lindern können.

Dasselbe gilt für Krebspatienten zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen, die als Begleiterscheinung von Chemotherapien auftreten können, sowie zur Linderung von Appetitlosigkeit.

Zum Urteil des Verwaltungsgerichts siehe auch:

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutische Bedenken 

Und weiteres zur medizinischen Anwendung von Cannabis:

Cannabis als Arznei 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

„Die Presse“ in Österreich publizierte vor kurzem einen Artikel von Stephan Müller zur medizinischen Anwendung von Cannabis.
Dabei wird als Cannabis-Wirkstoff interessanterweise nicht wie meist üblich das THC ins Zentrum gerückt, sondern das Cannabidiol (CBD).
Tetrahydrocannabinol (THC) wird immer wieder als Hauptwirkstoff der Cannabispflanze dargestellt. Cannabis enthält aber 66 verschiedene Cannabinoide mit unterschiedlicher Wirkung.
Bei THC ist der therapeutische Einsatz in manchen Situationen schwierig durch den berauschenden Effekt. Zudem erreichen nicht alle Patientinnen und Patienten mit einem reinen THC-Präparat – in der Schweiz als Dronabinol im Handel – ein befriedigendes Behandlungsergebnis.
Im Gegensatz zu THC entwickelt CBD keine Rauschwirkung.
Im Gegenteil: CBD soll gemäss neueren Studien den Rauscheffekt des THC’s neutralisieren oder zumindestens abschwächen. Darüber hinaus soll es auch eine krebs- und entzündungshemmende Wirkung haben. Schon länger bekannt sei dessen entkrampfende, angstlösende und Übelkeit lindernde Wirkung. Außerdem sei CBD wenig toxisch und nebenwirkungsarm, betont der Pharmazeut Rudolf Brenneisen, Spezialist für Cannabis an der Universität Bern.
Lange hat sich die Forschung rund um die Anwendung von Cannabis in der Medizin laut Brenneisen hauptsächlich auf den Wirkstoff THC konzentriert. Cannabinoide wurden bisher vor allem gegen neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie, gegen die Nebenwirkungen von Chemotherapien oder gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Die Entdeckung des CBD und dessen Wirkkraft verlieh der Cannabisforschung international neuen Schwung, sagt Brenneisen. Für das natürliche Heilmittel Cannabis eröffnen sich dadurch immer neue Forschungsansätze, zum Beispiel die Anwendung bei Brustkrebs oder Psychosen. Medizinalcannabis hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Eine Folge dieser Cannabis-Forschung ist die Einführung von Sativex – ein Medikament mit einer Kombination von THC und CBD, zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden bei Multipler Sklerose beitragen kann.
Trotz dieser Fortschritte bei der Zulassung von Cannabis-Medikamenten wünscht sich Cannabisspezialist Brenneisen endlich eine „Entkriminalisierung, vielleicht sogar die partielle Legalisierung von Konsum und Handel“. Denn der Einsatz von natürlichen Cannabinoiden, die unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden, sei für die medizinische Verwendung geeignet. Zumal es auch zahlreiche Patienten gebe, die gezielt danach fragten, hauptsächlich im Bereich Krebs.
Quelle:
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1556828/Cannabis-wird-als-Heilpflanze-salonfaehig?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do
Kommentar & Ergänzung:
Zu Sativex siehe:
Zu Dronabinol:
Wikipedia schreibt zur Pharmakologie von  Cannabidiol:
„Cannabidiol bindet an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 agonistisch, jedoch kann es deren Aktivität über einen ungeklärten Mechanismus auch blockieren. Es wirkt jedoch als Antagonist an dem G-Protein gekoppeltem Rezeptor GPR55, dessen physiologische Rolle noch nicht geklärt ist.
CBD wird als Spasmolytikum bei multipler Sklerose eingesetzt. CBD wirkt immunsupprimierend und wird zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verwendet. Eine Verwendung bei affektiven Störungen wird untersucht. CBD ist Bestandteil des arzneilich genutzten Hanfextrakts Nabiximols.“
Der Artikel in der „Presse“ spricht auch eine mögliche krebshemmende Wirkung von Cannabidiol an und erwähnt als Beispiel den Brustkrebs. Cannabidiol und andere Cannabinoide stehen immer wieder im Fokus der Forschung und tauchen in diesem Zusammenhang in Medienberichten auf. CBD soll beispielsweise bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Gehirntumor und Leukämie wirksam sein und Krebszellen töten.
Natürlich ist es zu begrüssen, wenn THC, Cannabidiol und andere Cannabinoide erforscht werden. Die Meldungen darüber sind aber oft fragwürdig. So basieren die Meldungen über krebshemmende Wirkungen von Cannabidiol überwiegend auf Laborversuchen mit isolierten Zellen, teilweise auf Tierversuchen und nur in sehr geringem Mass auf Untersuchungen an Menschen. Daraus eine Meldung wie beispielsweise „Cannabidiol wirksam gegen Prostatakrebs“ zu basteln ist einfach nicht zulässig. Im Labor lassen sich isolierte Zellen verhältnisweise einfach zerstören. Ob aber aus solchen Erkenntnissen ein wirksames Medikament gegen Tumorerkrankungen entwickelt werden kann, ist in den meisten Fällen noch eine ganz und gar offene Frage – und braucht in der Regel auf jeden Fall viel Zeit.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Cannabis lindert Appetitlosigkeit – Studie klärt Wirkungsmechanismus

Heißhungerattacken sind eine charakteristische Begleiterscheinung von Cannabiskonsum. Dieser Effekt lässt sich medizinisch nutzen, beispielsweise bei der Behandlung von Appetitlosigkeit durch Strahlentherapie.
Das Fachjournal „Nature Neuroscience“ publizierte eine Studie, die dem Geruchssinn und dem Cannabis-Wirkstoff THC zentrale Rollen zuschreibt. THC ähnelt den körpereigenen Endocannabinoiden. Experimente mit Mäusen zeigten, dass der Duft von Nahrung in Verbindung mit der Aktivierung körpereigener Endocannabinoid-Rezeptoren im Riechkolben verstärkt appetitanregend wirkte. Darüber hinaus intensivierte sich dadurch die Geruchswahrnehmung der Mäuse insgesamt. Dieselbe Wirkung zeigte sich durch die Gabe exogener Cannabinoide – wie Tetrahydrocannabinol. Die Wissenschaftler sich davon überzeugt, dass dieser Effekt auch auf Menschen übertragbar ist und medizinisch genutzt werden könnte.
Quelle:
http://derstandard.at/1389860065708/Warum-Cannabis-den-Heisshunger-weckt
http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/full/nn.3647.html
Kommentar und Ergänzung:
Cannabis ist schon lange eine interessante Option zur Linderung von Appetitlosigkeit, vor allem in der Krebstherapie.
Siehe dazu:

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Sativex® Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Der Sativex Spray mit Cannabisextrakt zur Anwendung in der Mundhöhle ist schon in mehreren europäischen Ländern im Handel (beispielsweise in Deutschland und Grossbritannien). In der Schweiz und in Frankreich bekam das Medikament vor kurzem die Marktzulassung, ist zur Zeit jedoch noch nicht im Vertrieb.

Nach Angaben des Zulassungsinhabers wird der Sativex Spray in der Schweiz voraussichtlich ab April 2014 in den Apotheken erhältlich sein (aber natürlich nicht rezeptfrei).

Im Sativex Spray enthalten ist ein Dickextrakt aus Cannabisblüten und Cannabisblättern.

Dieser Extrakt besteht zu gleichen Teilen aus den Phytocannabinoiden Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Die beiden Wirkstoffe beeinflussen das Endocannabinoidsystem, welches an der Regulierung der neuronalen und neuromuskulären Signalübertragung beteiligt ist.

Bei Multiple-Sklerose-Patienten ist dieses System stark beeinträchtigt, da es als Folge der Neurodegeneration zu einer Verminderung der körpereigenen Cannabinoide kommt.

Im Sativex Spray wird die psychoaktive Wirkung von THC durch das antipsychotisch wirksame CBD überwiegendst verhindert.

Die Indikation des Sativex Sprays ist sehr begrenzt: Sativex wird eingesetzt zur Symptomverbesserung bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von Multipler Sklerose, wenn die Beschwerden nicht angemessen durch eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie gelindert werden können. Zudem muss ein Anfangstherapieversuch eine klinisch erhebliche Verbesserung der mit der Spastik verbundenen Symptome bewirkt haben.

Es wird eine Titrationsphase von bis zu zwei Wochen benötigt, um die optimale Dosis zur erreichen.

Der Patient kann die Dosis schrittweise um einen Sprühstoss pro Tag bis zu einem Maximum von 12 Sprühstössen täglich steigern, bis eine optimale Linderung der Symptome eintritt. Zwischen den Sprühstössen sollen Abstände von mindestens 15 Minuten eingehalten werden. Der Sativex-Spray wird unter die Zunge oder auf die Innenseite der Wange appliziert.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?NMID=4952&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn es zunehmend legale, sichere Wege für die Anwendung von Cannabis als Heilmittel gibt. Vor allem die Spastik bei Multipler Sklerose ist ein gut belegtes Anwendungsgebiet.

Siehe auch:

Cannabis als Heilmittel:  Zulassung für Sativex-Spras in Deutschland

Multiple Sklerose: Marihuana verschlechtert Kognition

US-Studie: Hasch wirksam gegen Spastik bei Multipler Sklerose

Cannabisextrakt hilft Multiple-Sklerose-Kranken

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Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

Cannabis-Kapseln sind einer Studie zufolge besser wirksam für die Schmerzbekämpfung als das Rauchen von Joints. Demnach spüren Versuchspersonen nach dem Einnehmen von Kapseln des Präparats Dronabinol (THC) Schmerzen später als nach dem Rauchen von Cannabis.

Die Wirkung der Kapseln hält ausserdem länger an als die Wirkung des Joints, berichtet die Psychiaterin Ziva Cooper von der Columbia University in New York.

Dronabinol wird in einigen Ländern ärztlich verschieben gegen Schmerzen, Schwindel und Übelkeit bei Krebs-Patienten, gegen Appetitlosigkeit bei AIDS-Kranken und gegen Muskelkrämpfe. Für ihre Studie gaben die Wissenschaftlerinnen 30 Versuchspersonen, die schon regelmäßig Cannabis rauchten, über zwei Wochen lang täglich Dronabinol-Pillen mit unterschiedlicher Konzentration oder Placebos. Die Probanden rauchten zudem Joints, ohne jedoch zu wissen, ob sich darin Cannabis befand und in welcher Menge.

Um die Auswirkung von Dronabinol oder gerauchtem Cannabis auf die Schmerzempfindlichkeit zu erfassen, mussten die Probanden ihre Arme in vier Grad kaltes Wasser halten. Sowohl Dronabinol als auch im Joint gerauchtes Cannabis wirkten schmerzlindernd. Die Versuchspersonen, die Dronabinol geschluckt hatten, zogen ihre Arme jedoch später aus dem eiskalten Wasser, hielten den Schmerz also länger aus.

Die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis ist schon seit langer Zeit bekannt. Unklar war jedoch bis anhin, welchen Unterschied die Form der Einnahme von Cannabis ausmacht. Allerdings sind die Resultate der Studie nur bedingt aussagekräftig, da alle Versuchsteilnehmer schon zuvor Cannabis rauchten, wie die Forscherinnen einräumen. Unklar ist, ob die beobachteten Differenzen in der Wirkung auch bei Nicht-Cannabis-Rauchern auftreten würden.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1716532/

„Comparison of the Analgesic Effects of Dronabinol and Smoked Marijuana In Daily Marijuana Smokers“ ist am 22. April 2013 im „Nature“-Journal „Neuropsychopharmacology“ erschienen (doi: 10.1038/npp.2013.97).

Kommentar & Ergänzung:

Bisher schon klar war, dass die Wirkung von Cannabis bei peroraler Anwendung länger anhält als beim Rauchen eines Joints.

In diesem Versuch wurden im übrigen nicht einfach unterschiedliche Anwendungsformen des selben Wirkstoffs verglichen. Dronabinol enthält isoliertes THC. Ein Joint oder auch ein Cannabistee oder eine Cannabistinktur enthalten ein Gemisch verschiedener Cannabinoide, unter denen THC ein wichtiger Vertreter ist.

Die Schmerzstillung ist meinem Eindruck nach allerdings nicht der zentrale Anwendungsbereich von Cannabis als Medikament. Wichtiger scheinen mit die Anwendung zur Linderung von Spastik zum Beispiel bei Multipler Sklerose und die Anwendung bei Appetitllosigkeit, Übelkeit und Erbrechen im Umfeld einer Krebstherapie bzw. Chemotherapie.

Zu Dronabinol siehe auch:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Tschechien: Cannabis bald in Apotheken erlaubt

Cannabis als Heilmittel zulassen (zu Dronabinol in der Schweiz)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Am Institut CENTER für klinische und epidemiologische Erforschung von Darmerkrankungen in Rochester (USA) wurde eine Studie mit 75 Patienten, die an einem Reizdarm litten, durchgeführt, darunter 35 mit Reizdarm und Verstopfung, 35 mit Reizdarm und Durchfall und fünf mit Reizdarm und alternierender Verstopfung und Durchfall. Sie bekamen eine Dosis Plazebo oder 2,5 mg oder 5 mg Dronabinol. Der Wirkstoff in Dronabinol ist Tetrahydrocannabinol (THC), auch bekannt als wichtigster Inhaltsstoff der Cannabispflanze.

Gemessen wurden die Bewegungen des Dickdarms, der Tonus und die Wahrnehmung des Dickdarms im nüchternen Zustand und nach einer Mahlzeit. Ausserdem untersuchten die Forscher verschiedene Genvarianten:

– eine bestimmte Variante des Gens, das den Cannabinoid-1-Rezoptor codiert,

sowie

– eine Variante des Gens, das die Fettsäureamidhydrolase codiert, die für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid verantwortlich ist.

Bei allen Patienten verminderte 5 mg Dronabinol die Dickdarmbewegungen im nüchternen Zustand. Die gemessenen Wirkungen waren bei Patienten, die an Durchfall oder wechselnd an Durchfall und Verstopfung litten, am stärksten ausgeprägt. Dronabinol zeigte keine Auswirkung auf den Tonus oder die Wahrnehmung. Die Motilität (Darmbewegungen) war abhängig von den untersuchten Gen-Varianten.

In tierexperimentellen Studien vermindern Dronabinol und andere CB1-Rezeptoragonisten die Darmmotilität. Verglichen mit den Opiaten ist diese Wirkung jedoch nur sehr gering ausgeprägt. Die aktuelle Studie zeigt, dass dieser Effekt vielleicht therapeutisch bei Reizdarm-Patienten mit Durchfall genutzt werden könnte.

Quellen:

– Wong BS, Camilleri M, Busciglio I, Carlson P, Szarka LA, Burton D, Zinsmeister AR. Pharmacogenetic Trial of a Cannabinoid Agonist Shows Reduced Fasting Colonic Motility in Patients with Non-Constipated Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology, 28. Juli 2011 [Elektronische Veröffentlichung vor dem Druck]

– THC Pharm

– http://www.journalmed.de/newsview.php?id=36032

Kommentar & Ergänzung:

Dronabinol zur Linderung der Beschwerden bei Reizdarm – diese Option ist natürlich noch weit entfernt von der Anwendung bei Reizdarm-Patienten.

Dronabinol wird bisher eingesetzt beispielsweise zur Linderung der Spastik bei Multiple-Sklerose-Kranken.

Siehe:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Ergänzende Informationen zu Dronabinol (Quelle: Pharmawiki):

Dronabinol, besser bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC), ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, der natürlicherweise im Hanf vorkommt. In der Schweiz ist eine medizinische Anwendung mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. Der Wirkstoff wird vorwiegend als Lösung verabreicht und kann unter anderem gegen Schmerzen, Spastik, Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen eingesetzt werden. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören psychotrope Effekte, Verdauungsbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen.“

Zur rechtlichen Situation:

„Dronabinol ist ein Betäubungsmittel. Das Bundesamt für Gesundheit kann für die beschränkte medizinische Anwendung eine Ausnahmebewilligung erteilen. Eine solche Bewilligung erfordert einen detaillierten Antrag an die Sektion Grundlagen des BAG.“

Herstellung von Dronabinol:

„Apotheken können Dronabinol-Zubereitungen als Magistralrezeptur selbst herstellen oder in Lohnherstellung herstellen lassen.“

Dabei wird unterschieden zwischen

Öligen Dronabinol-Tropfen 2.5%

und

Dronabinol-Kapseln 2.5 mg, 5 mg,

In der Praxis werden vor allem die Tropfen eingesetzt. Die Kosten für die Therapie sind vergleichsweise hoch. In den Vereinigten Staaten ist Dronabinol in Form von Kapseln im Handel (Marinol®).

Struktur und Eigenschaften von Dronabinol

„Bei Dronabinol handelt es sich um (-)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), ein natürlicher Inhaltsstoff der Hanfpflanze Cannabis sativa L. Dronabinol (C21H30O2, Mr = 314.5 g/mol) ist ein leicht gelbliches, harziges und klebriges Öl, das bei kalter Temperatur aushärtet. Aufgrund seiner hohen Lipophilie ist es in Wasser unlöslich. Zur Zubereitung der Lösungen werden in der Regel mittelkettige Triglyceride oder Sesamöl, für die Kapseln ein Hartfett oder Sesamöl verwendet. Sesamöl hat den Nachteil, dass es oxidationsempfindlich ist.“

Wirkungen von Dronabinol

Dronabinol hat antiemetische, appetitstimulierende, schmerzlindernde, entzündungshemmende, muskelentspannende, dämpfende und psychotrope Wirkungen.

Dronabinol wirkt zentral sympathomimetisch, was die unerwünschten Effekte auf den Herz-Kreislauf erklärt. Die Wirkungen werden mit der Bindung an Cannabinoid-Rezeptoren erklärt und setzen nach etwa 30-60 Minuten ein. Die psychotropen Effekte von Dronabinol halten 4-6 Stunden an, die Appetitstimulation bis zu 24 Stunden.

Indikationen von Dronabinol

„In den USA ist Dronabinol zur Behandlung der Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust bei AIDS-Patienten und als Mittel der 2. Wahl gegen Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie zugelassen. In der Schweiz wird es vorwiegend gegen chronische / neuropathische Schmerzen und Spastik eingesetzt.“

Dosierung von Dronabinol

Entsprechend der Arzneimittel-Fachinformation. Die Dosis muss individuell eingestellt werden.

„Dronabinol wird in der Regel peroral eingenommen. Es kann – ähnlich wie Cannabis – auch inhalativ in Form alkoholischer Lösungen verabreicht werden. Die öligen Tropfen sind geruch- und geschmacklos und werden zu oder nach einer Mahlzeit auf einem Stück Zucker oder Brot, auf einem Butterkeks oder in Joghurt eingenommen. Dabei soll beachtet werden, dass sie nicht wasserlöslich sind und deshalb nicht mit Tee oder Wasser verdünnt werden können. Zur Appetitsteigerung erfolgt die Einnahme vor den Mahlzeiten.“

Welche Kontraindikationen gibt es für Dronabinol?

Dronabinol darf bei Überempfindlichkeit, während der Schwangerschaft und während der Stillzeit nicht angewendet werden. Vorsicht ist nötig bei psychiatrischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufgrund der Verminderung des Reaktionsvermögens ist eine Teilnahme am Strassenverkehr und das Bedienen von Maschinen nicht angezeigt und laut Gesetz verboten. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen sind zu finden in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen (= Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten)

Mit einer Reihe von Wirkstoffen wurden pharmakodynamische Interaktionen (Wechselwirkungen) beschrieben. Der zentral dämpfende Effekt kann bei gleichzeitiger Verabreichung von Alkohol, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, Schmerzmitteln und Schlafmitteln verstärkt werden. Anticholinergika können die Tachykardie (Herzrasen) verstärken.

Dronabinol besitzt einen hohen First-Pass-Metabolismus und eine schwache Bioverfügbarkeit von 10-20%. Der Wirkstoff wird in der Leber von CYP450 unter anderem zum aktiven Metaboliten 11-OH-Dronabinol biotransformiert. Nach einer Einzeldosis können Dronabinol und seine Umwandlungsprodukte noch 5 Wochen später im Urin und im Stuhl in geringen Konzentrationen nachgewiesen werden.

Unerwünschte Wirkungen von Dronabinol

Die Nebenwirkungen sind dosiabhängig, werden also hauptsächlich bei hohen Dosen beobachtet. Sie lassen sich unter anderem auf die sympathomimetischen und psychotropen Eigenschaften des Wirkstoffs THC zurückführen. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen zählen Schwäche, Palpitationen, schneller Herzschlag, Gefässerweiterung, Flush, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Oft sind auch zentrale Störungen wie Amnesie, Nervosität, Verwirrung, Paranoia, Euphorie, Halluzinationen, Schläfrigkeit und abnormes Denken.

Das Abhängigkeitspotential wird für die aufgeführten Indikationen als gering bewertet. Dronabinol kann aber abhängig machen und bei hoher Dosis ein Abstinenzsyndrom verursachen, das sich unter anderem in Reizbarkeit, Schlafstörungen und Unruhe zeigt.

Literatur: Siehe Pharmawiki

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Magnolien-Wirkstoff hemmt Knochenabbau

Gegen den Knochenabbau im menschlichen Körper wirkt anscheinend ein Molekül aus der Immergrünen Magnolie (Magnolia grandiflora). Das haben Wissenschaftler vom Institut für Biochemie und Molekular Medizin der Universität Bern festgestellt. Damit wurde erstmals ein pflanzlicher Wirkstoff identifiziert, der in diesem Bereich helfen kann.

Von ihrem Fund haben die Wissenschaftler laut ihres Berichts im Fachjournal „Chemistry & Biology“ einen synthetischen Wirkstoff abgeleitet und mit ihm die zellulären Prozesse beim Knochenabbau genauer untersucht. Obwohl diese Substanz eine strukturelle Ähnlichkeit zu den Cannabinoiden aus Cannabis ausweist, besitzt er keine psychoaktive Wirkung. Stattdessen stoppt sie den Prozess, bei dem Knochen abbauenden Zellen heranreifen, wodurch die Knochensubstanz dezimiert wird. Die Forscher hoffen, mit ihrer Entdeckung eine Leitsubstanzen für neue Arzneimittel in der Behandlung von Osteoporose und Osteoarthritis gefunden zu haben.

Quellen:

http://www.cell.com/chemistry-biology/abstract/S1074-5521(11)00203-1

http://de.nachrichten.yahoo.com/magnolien-wirkstoff-hemmt-knochenabbau-081058819.html

Kommentar & Ergänzung:

Auch bei dieser interessanten Forschungsarbeit gilt: Es handelt sich um eine Laboruntersuchung. Sie zeigt, welch interessantes Potenzial an therapeutischen Wirkungen in Heilpflanzen generell und in der Magnolie im speziellen liegt.

Es bleibt auf der Basis dieser Grundlagenforschung aber noch völlig offen, ob sich auch ein nützlicher Effekt beim Menschen zeigen wird, zum Beispiel zur Vorbeugung oder Behandlung von Osteoporose. Die Entwicklung eines Medikamentes gegen Osteoporose auf der Basis eines Magnolien-Wirkstoffs hat – sofern sie angepackt wird – noch einen weiten Weg vor sich.

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Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex®-Spray in Deutschland

Sativex® ist seit einigen Jahren schon in verschiedenen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Grossbritannien im Handel. Seit dem 1. Juli 2011 ist Sativex® nun auch in Deutschland offiziell erhältlich. Für die Schweiz ist allerdings bis jetzt noch kein Markteinführungstermin in Sicht.

Der Sativex-Spray ist zugelassen als Zusatztherapie bei MS-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik, die nicht angemessen auf eine andere antispastische Arzneimittelbehandlung angesprochen haben.

Ein Sprühstoss beinhaltet 2.7mg Tetrahydrocannabinol (THC) und 2.5mg Cannabidiol (CBD). Die beiden Wirkstoffe greifen in das Endocannabinoidsystem ein, welches an der Regulierung der neuronalen und neuromuskulären Signalübertragung mitwirkt. Bei MS-Patienten ist dieses System stark beeinträchtig, da es in Folge der Neurodegeneration zu einer Verminderung der körpereigenen Cannabinoide kommt. Die psychoaktive Wirkung von THC wird durch das antipsychotisch wirksame CBD weitestgehend unterbunden.

Sativex® ist nur zur Anwendung in der Mundhöhle vorgesehen. Die Multiple-Sklerose-Patienten sollten darüber informiert werden, dass es bis zu zwei Wochen brauchen kann, bis die optimale Dosierung gefunden ist. Während dieser Zeit kommt es als Nebenwirkung am häufigsten zu Schwindelgefühlen. Diese Schwindelgefühle sind jedoch üblicherweise schwach und lassen nach einigen Tagen nach. Psychiatrische Symptome wie Angst, Illusionen, Stimmungsschwankungen und paranoiden Vorstellungen wurden nur gelegentlich beobachtet.

Literatur: Deutsche Apotheker Zeitung, 22/2011/p32

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4367&NMID=4367&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Cannabis ist eine interessante Heilpflanze bei Spastik auf dem Hintergrund einer Multiplen Sklerose. Wenn es tatsächlich gelingt, die Dosierung gut einzustellen und die psychoaktiven Wirkungen einzuschränken, kann das für Patientinnen und Patienten ein wichtiger Fortschritt sein. Ganz abgesehen davon, dass damit endlich ein legaler Zugang zu diesen antispastischen Wirkungen möglich wird.

Es ist zu hoffen, dass diese Behandlungsoption bald auch Multiple-Sklerose-Kranken in der Schweiz zur Verfügung steht. Bisher gibt es in der Schweiz legalerweise meines Wissens nur Dronabinol. Siehe dazu:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

Falls Sie an einer chronischen Krankheit leiden, könnte folgendes Tagesseminar für Sie interessant sein:

Chronische Krankheit besser verstehen und damit umgehen

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