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Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

Schüssler Salze sind als Methode der Alternativmedizin weit verbreitet. Dabei fällt auf, dass die Anwenderinnen und Anwender oft nur sehr rudimentäre Vorstellungen haben darüber, wie die Schüssler Salze hergestellt werden und wie sie wirken sollen. Insbesondere wenn davon ausgegangen wird, dass durch diese Präparate Mineralstoffe zugeführt werden können, ist das ein klarer Irrtum. Auf 1000 kg Schüssler Salz kommt ein Gramm des entsprechenden Mineralsalzes. Nur schon mit ein bisschen Hahnenwasser lassen sich vergleichbare Mengen an Mineralsalzen sehr viel einfacher und billiger (!) zuführen.

Siehe dazu:

Schüssler Salze: Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 enthält zum Beispiel ein Gramm Kochsalz (Natrium chloratum) auf 1000 kg. Um eine Pfanne Spaghetti zu salzen, wären also einige Tonnen Schüssler Salz Nr. 8 nötig.

Siehe dazu:

Pharmawiki erklärt Wirkung von Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6

Trotz nicht existierender Wirkstoffe wird das Präparat aber ziemlich vollmundig empfohlen zum Beispiel bei Blutarmut, Bleichsucht, Appetitlosigkeit, Diabetes, Rheuma, Trägheit, Bandscheibenschäden, Durchfall, Hämorrhoiden, Hautausschläge und Migräne.

Diesen Heilungsversprechungen fehlt jede Basis.

Auffallend ist zudem, dass für alle und jede Beschwerden, Krankheiten und Lebenslagen Schüssler Salze empfohlen werden, obwohl für die versprochenen Wirkungen nicht die Spur eines Beleges gibt.

Diese absolute Grenzenlosigkeit der Versprechungen ist es vor allem, die unglaubwürdig wirkt.

Solche Allmachtsphantasien sind allerdings auch in der Pflanzenheilkunde anzutreffen.

Das äussert sich dann zum Beispiel in Sätzen wie: „Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen.“ Wenn solche Versprechungen wahr wären, müsste niemand mehr an Krankheiten sterben.

Die Vorstellung, dass wir mit irgendwelchen Mitteln alle Krankheiten in den Griff bekommen können, hilft uns möglicherweise aus Ohnmachtsgefühlen heraus zu kommen. Das mag eine entlastende Vorstellung sein, die aber nicht wirklich tragfähig ist.  Mit Ohnmachtsgefühlen sollten wir lernen anders umzugehen.

Und zum Schluss noch:

Unabhängig davon, ob man nun von der Wirksamkeit von Schüssler Salzen überzeugt ist ober nicht, wäre es sinnvoll,  die Grundlagen dieser Methode zu kennen, wenn man damit zu tun hat.

Die Info-Plattform Homöopedia hat dazu gerade eine gute Einführung in die „Biochemie nach Schüssler“ veröffentlicht:

Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Viele Krebspatienten brechen Behandlung wegen Arzneimittelnebenwirkungen ab

Mehr als sechs Prozent der europäischen Krebspatienten beenden infolge von Nebenwirkungen die Therapie.

Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Rheena Khanna, London, auf dem Europäischen Krebskongress in Madrid. Sie arbeitet beim Statistikdienstleisters ims Health.

Die Wissenschaftler analysierten Behandlungsdaten von knapp 8.000 Patienten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Im Rahmen ihrer Arbeit analysierten sie, unter welchen Tumoren die Patienten litten, welche Therapien angewendet wurden, und welche Nebenwirkungen sie entwickelten.

Von den untersuchten Patienten hatten 87 % eine zytotoxische Chemotherapie und 13 % eine Hormontherapie bekommen. Als Diagnosen waren am häufigsten vertreten Brustkrebs (22 %), Dickdarmkrebs (14 %), und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (13 %). Als Nebenwirkungen traten am häufigsten auf mit 36 % Neutropenie (Blutbildveränderung), gefolgt von Übelkeit / Erbrechen (23 %), Blutarmut (21 %), Neuropathie (17 %) und Schleimhautentzündung (15 %).

Aus der Gruppe der Brustkrebspatientinnen, die ihre Behandlung abbrachen, hatten 57 % eine zytotoxische Chemotherapie und 43 % eine Hormontherapie erhalten.

Bei den Frauen unter Hormontherapie waren Schmerzen der häufigste Grund für den Behandlungsabbruch, gefolgt von Neutropenie. Zahlreiche Patienten mit Darmkrebs oder Lungenkrebs wurden mit platinhaltigen Chemotherapien behandelt und brachen die Therapie wegen Übelkeit, Erbrechen und Neutropenie ab.

Man könne diese Resultate als Aufruf an die Ärzteschaft sehen, die verfügbaren Möglichkeiten zur Kontrolle der Nebenwirkungen von Krebstherapien voll auszunützen, sagte die Studienleiterin.

Wie weit psychologische Strategien und bessere Beratung die Therapietreue verbessern könnten, lasse sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60342/Viele-Krebspatienten-brechen-Therapie-wegen-Arzneimittelnebenwirkungen-ab

https://www.webges.com/cslide/library/esmo/browse/search/jmK#9faD03bf

 

Kommentar & Ergänzung:

In der direkten Bekämpfung von Tumoren zeigen Heilpflanzen-Anwendungen bisher keine überzeugenden Wirkungen.

Zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie können sie aber einen nützlichen Beitrag leisten.

Siehe dazu:

Naturheilkunde in der Onkologie 

Onkologie & Palliative Care: Heilpflanzen beim Hand-Fuss-Syndrom 

Onkologie & Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Onkologie & Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie 

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Weiterbildung Palliative Care / Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

Palliative Care & Onkologiepflege: Bitterstoffe bei Mundtrockenheit

Onkologie: Fatigue & Roteer Ginseng

Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit) 

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung) 

Palliative Care: Heilpflanzen-Anwendungen bei Appetitlosigkeit

Palliative Care & Weiterbildung: Schwarztee für Haut und Schleimhaut 

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Veganismus und Vitamin B12

Veganismus ist eine Ernährungsweise, die völlig ohne tierische Produkte auskommt. Das Portal „medizin-transparent“ befasst sich mit der Frage, ob Veganismus gesund oder riskant sei. In diesem Zusammenhang gehen die Autoren auch auf das Thema „Veganismus und Vitamin B12“ ein.

Im Zusammenhang mit Veganismus ist ein möglicher Mangel an Vitamin B12 eine vieldiskutiertes Frage, da dieses Vitamin nur in tierischen Lebensmitteln in grösseren Mengen enthalten ist.

Mangel an Vitamin B12 könne zu Blutarmut und zu Schädigungen des Nervensystems führen, schreibt „medizin-transparent“.  Untersuchungen hätten ergeben, dass bereits Vegetarier weniger B12 als empfohlen aufnehmen.

Deswegen solle bewusst durch Nahrungsergänzungsmittel Vitamin B12 zugeführt werden. B12-Präparate für Veganer lassen sich mit Hilfe von Bakterien herstellen, so dass dabei tatsächlich keine tierischen Produkte verwendet werden.

Die Diagnose von chronischem B12-Mangel wird erschwert dadurch, dass mit pflanzlicher Kost eine große Menge an Folsäure (Vitamin B9) aufgenommen wird. Folsäure hat die Eigenschaft, einen B12-Mangel zu maskieren, was dazu führen kann, dieser erst bei ernsthaften neurologischen Beschwerden erkannt wird.

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/veganismus-gesund-oder-riskant#more-4620

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pharmawiki erklärt Wirkung von Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6

Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 wird unter anderem empfohlen bei Blutarmut, Bleichsucht, Appetitlosigkeit, Diabetes, Rheuma, Trägheit, Bandscheibenschäden, Durchfall, Hämorrhoiden, Hautausschläge und Migräne. Das Informationsportal Pharmawiki erklärt fundiert, was Natrium chloratum D6 genau ist und wie es wirkt.

Das ist die sorgfältigste und präziseste Beschreibung von Schüssler Salz Natrium chloratum D6, die ich bisher angetroffen habe. Zu finden ist die Beschreibung hier.

Weitere Anwendungsbereiche von Schüssler Salz Nr, 8, Natrium chloratum D6 finden sie hier.

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Rote Beete (CH: Randen) zur Blutbildung?

Immer wieder zu hören ist die Vorstellung, dass Rote Beete – in der Schweiz Rande oder Randen genannt – die Blutbildung fördere und bei Eisenmangel bzw. „Blutarmut“  zu empfehlen sei. Diese Idee basiert wohl auch der dunkelroten Farbe der Roten Beete, die mit Blut assoziiert wird.

Die intensiv rote Farbe hat allerdings weder mit Eisen noch mit Blut zu tun. Verantwortlich dafür ist das Glykosid Betanin. Als Lebensmittelfarbstoff ist Betanin unter der Bezeichnung „E 162“ als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und wird als Lebensmittelfarbe verwendet – zum Beispiel im Joghurt.

Zudem ist es mit dem Eisengehalt der Roten Beete nicht sehr weit her. Er beträgt 1 mg pro 100 g Rote Beete. Damit wird sie von vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln übertroffen. Karotten, Feldsalat, Grünkohl oder Erbsen beispielsweise schneiden mit zwei Milligramm Eisen in 100 Gramm besser ab. Besonders hoch ist der Eisengehalt mit sechs bis sieben Milligramm pro 100 Gramm in Linsen oder weißen Bohnen.

Die besten Eisenquellen sind allerdings Fleisch und Fisch. In ihnen steckt zweiwertiges Eisen, das vom Darm zwei- bis dreimal besser aufgenommen wird als das dreiwertige Eisen aus Pflanzen.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/mythos-medizin-foerdert-rote-bete-die-blutbildung-a-931560.html

Kommentar & Ergänzung:

Wenn Rote Beete / Randen keine Wirkung auf die Blutbildung hat, schliesst das natürlich nicht aus, dass sie als Gemüse gesund sind.

Zudem gibt es ein paar interessante Forschungsergebnisse zu Rote Beete / Randen.

Siehe dazu:

Rote Beete (CH: Randen) reduziert Blutdruck

Rote Beete / Randen reduziert Blutdruck

Rote-Beete-Saft / Randensaft: Legales Doping bei Radrennen?

Randensaft / Rote-Beete-Saft senkt Blutdruck

Randensaft / Rote-Beete-Saft kann Lungenkranke bei Fitnessprogramm unterstützen

Randensaft / Rote-Beete-Saft steigert sportliche Ausdauer

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind Erweiterungen der Gefässpolster im Analkanal, die zu Blutungen, Schmerzen und Entzündungen führen können. Zu den möglichen Auslösern zählen ein starkes Pressen bei der Defäkation (Stuhlentleerung), eine Verstopfung und eine Schwangerschaft. Eine ärztliche Diagnose ist nötig, um andere Ursachen auszuschliessen und eine adäquate Behandlung einzuleiten. Zur medikamentösen Therapie werden Ballaststoffe, Venenmittel, Salben und Zäpfchen angewendet. Neben synthetischen Wirkstoffen kommen bei Hämorrhoidenleiden auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung.

Je nach Ausprägung und Symptomatik kann auch ein kleiner oder grösserer medizinischer Eingriff nötig werden; Hämorrhoiden können jedoch auch von alleine wieder zurückgehen.

Symptome bei Hämorrhoidenleiden

Zu den möglichen Symptomen von Hämorrhoiden zählen:

Blutungen, Blut am Toilettenpapier

Druckbeschwerden, Schmerzen, Brennen

Unangenehmes Gefühl

Entzündungen, Schwellungen, perianale Dermatitis

Juckreiz im Analbereich

Abgang von Schleim, Nässen

Vorfall, Ausstülpungen ausserhalb des Anus (Prolaps)

Hämorrhoiden können nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden. Geläufig ist die Klassifikation nach dem anatomischen Ursprung in innere und äussere Hämorrhoiden. Innere Hämorrhoiden haben ihren Ursprung oberhalb der Grenze zwischen Rektum und Analkanal (Linea dentata), äussere Hämorrhoiden unterhalb. Entsprechend dem Schweregrad des Vorfalls werden Hämorrhoiden in vier Stadien unterteilt.

Komplikationen

Zu den möglichen Komplikationen zählen Stuhlinkontinenz, Thrombosen, Nekrosen und Ulzerationen, die mit starken akuten Schmerzen einhergehen. Eine längerfristige Blutung kann Eisenmangel und Blutarmut zur Folge haben.

Ursachen

Zu den Ursachen von Hämorrhoiden zählen eine Schwächung des Bindegewebes mit zunehmendem Alter, Scherkräfte bei der Passage von hartem Stuhl, starkes Pressen, Stauung des Bluts und unzureichender venöser Blutabfluss sowie ein zu hoher Druck in den Gefässen. Als auslösende Faktoren können dazu kommen eine ballaststoffarme Ernährung und Verstopfung, Übergewicht, eine Schwangerschaft, Bewegungsmangel, langer Aufenthalt auf der Toilette und einige Medikamente wie beispielsweise Phosphodiesterase-5-Hemmer (Viagra), Mittel gegen Durchfall, Abführmittel und Pegvisomant. Nicht-steroidale Entzündungshemmer können Blutungen auslösen.

Diagnose

Die ärztliche Diagnose soll andere Ursachen ausschliessen. Zu den möglichen Differentialdiagnosen zählen Tumore, Analfissuren, Fisteln, Infektionen, Abszesse, Hautfalten, Polypen, Papillen, perianale Thrombosen, Warzen, Trauma und weitere Erkrankungen. Es wird vermutet, dass viele Patienten für sich selbst eine Fehldiagnose machen, weil andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, kaum bekannt sind.

Nicht-medikamentöse Behandlung der Hämorrhoiden

Zentral ist die Regulation des Stuhls durch Ernährungs- und Lebensstilveränderungen. Der Stuhl sollte weder zu flüssig noch zu fest sein. Zu den Empfehlungen zählen:

Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen

Während der Defäkation nicht pressen und keine schweren Gegenstände anheben

Ergänzend Ballaststoffe zu sich nehmen

Warme und reizarme Sitzbäder ohne Seife

NSAID wenn möglich absetzen

Reizende Gewürze meiden

Ausreichend körperliche Bewegung, nicht zu lange sitzen

Harte Sitzunterlage

Feuchtes Toilettenpapier

Kalte Auflagen zur Schmerzlinderung

Je nach Stadium und Symptomen werden Hämorrhoiden mit kleineren und grösseren Eingriffen therapiert: Sklerosierungstherapie, Infrarottherapie, Ligatur, Operation, Hämorrhoidektomie.

Schlussendlich gehen Hämorrhoiden innert Tagen oder Wochen oft auch wieder von alleine zurück – können jedoch wiederkehrend auftreten.

Orale Therapie mit Heilpflanzen-Präparaten

Innerlich kommen zur Behandlung von Hämorrhoiden oft Heilpflanzen zu Anwendung. Einzig zur Linderung stärkerer Schmerzen werden synthetische Schmerzmittel eingesetzt.

Zur innerlichen Hämorrhoiden-Therapie werden hauptsächlich gut verträgliche Ballaststoffe und Abführmittel bei Verstopfung zur Steigerung des Stuhlvolumens und Erweichung des Stuhls eingesetzt, zum beispielsweise Flohsamen, Indische Flohsamenschalen, Leinsamen und Sterculia.

Einige Venenpräparate mit pflanzlichen oder teilsynthetischen Wirkstoffen sind zur Behandlung von Hämorrhoiden zugelassen, bspw. Flavonoide wie Oxerutin (Venoruton®), Troxerutin (Venutabs®) und Diosmin (Daflon®) sowie Anthocyanoside aus der Heidelbeere (Myrtaven®) und Mäusedornextrakte (Phlebodril®). Auch Rosskastanien-Extrakte kommen zum Einsatz.

Solche Venenpräparate sollen die Kapillaren stärken und ihre Durchlässigkeit reduzieren und entzündlichen Prozessen entgegenwirken.

Ihre Wirksamkeit für die Hämorrhoiden-Therapie ist umstritten.

Orale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können kurzfristig zur Schmerzerleichterung angewendet werden.

Lokale medikamentöse Therapie

Hämorrhoidenmittel kommen äusserlich in Form von Salben, Zäpfchen und Tamponaden zur Anwendung. Sie sollen die Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern, sowie hautpflegend und schmierend wirken. Sie beeinflussen jedoch nicht den Krankheitsverlauf. Die Behandlungsdauer ist für die Selbstmedikation auf 1-2 Wochen begrenzt. Falls die Beschwerden unter der Selbstbehandlung innert 1 – 2 Wochen nicht zurückgehen, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen lokaler Hämorrhoidenmittel zählen allergische Reaktionen. Zahlreiche Komponenten von Hämorrhoidenmitteln sind bekannte Allergene wie zum Beispiel Kamille, Lokalanäthetika und Perubalsam.

Welche Stoffe oder Heilpflanzen kommen für die lokale Therapie zur Anwendung?

– Mittel gegen Juckreiz wie Menthol (Hauptbestandteil im Pfefferminzöl) und Kampfer sind angenehm kühlend, juckreizlindernd und schmerzlindernd.

– Synthetische Lokalanästhetika wie Benzocain, Cinchocain, Quinisocain und Lidocain betäuben den Schmerz und hemmen möglicherweise den Juckreiz. Allergische Reaktionen auf diese Stoffe werden allerdings immer wieder beobachtet.

– Sitzbäder mit Kamille sind entzündungshemmend, wobei Kamille allerdings ebenfalls ein bekanntes Allergen ist.

– Glucocorticoide wie Prednisolon, Hydrocortison, Dexamethason und Fluocinolon wirken entzündungshemmend und sekundär gegen Juckreiz. Gemäss der Fachinformation haben diese „chemischen“ Medikamente einen Einfluss auf die Gefässerweiterung und sollen Gefässneubildungen hemmen. Sie sollten nur kurzfristig eingesetzt werden, weil sie die Perianalhaut schädigen können und möglicherweise die Anfälligkeit für Infekte steigern.

– Venenmittel wie zum Beispiel Rosskastanienextrate werden nicht nur systemisch, sondern auch lokal angewandt in Form von Venengelen und Venensalben. Ihr Nutzen in diesem Anwendungsbereich ist unklar.

– Gerbstoffe wie Policresulen, Hamamelis und Eichenrinde wirken zusammenziehend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. Bei entzündeten Hämorrhoiden bewährend sich Sitzbäder mit Eichenrinde immer wieder.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hämorrhoiden

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rosmarintinktur bei Blutarmut?

Kürzlich ging ich hier in Winterthur in die Naturdrogerie. Auf dem Ladentisch sah ich ein Plakat, auf dem Rosmarintinktur bei Blutarmut empfohlen wurde. Ich stutzte, weil in der ganzen Phytotherapie-Fachliteratur kein Hinweis auf eine solche Wirkung von Rosmarintinktur existiert. Auf dem Schild stand ausserdem: Fragen Sie unser kompetentes Personal. Und so fragte ich nach…

„Wie wirkt denn die Rosmarintinktur genau gegen Blutarmut?“

Die Drogistin macht einen sehr überraschten Eindruck. Offenbar stellen Kunden normalerweise keine so dummen Fragen. Dann versucht sie zu erklären, dass die Rosmarintinktur die Aufnahme von Eisen in die Zelle verbessert. Immerhin, offenbar eine spontan entwickelte Idee, denn im welche Zellen Rosmarintinktur die Eisenaufnahme erhöht, kann sie nicht sagen. Und woher sie diese Idee hat, auch nicht.

Es bleibt ein grosses Fragezeichen. Eine andere Drogistin versucht mir dann zu erklären, dass ich halt zur „Schulmedizin“ müsse, wenn ich Beweise wolle. Ich habe aber keine Beweise verlangt, sondern nur nach Begründungen gefragt. Das ist nicht das selbe.

Aber ich lerne daraus: Wer in dieser Drogerie Naturheilmittel kauft, ist mit Fragen fehlt am Platz und soll einfach vertrauensvoll glauben, was der Tinkturenhersteller als Heilwirkung seiner Produkte behauptet. Hauptsache der Rubel rollt. Mit fachlicher Beratung hat das aber nichts zu tun, vielmehr ist es ein Ausdruck von Willkürlichkeit.

Meine Empfehlung: Stellen Sie Fragen, wenn Sie in Apotheken oder Drogerien Naturheilmittel kaufen. Verlangen Sie Begründungen für versprochene Wirkungen.

Versprechungen sind nämlich sehr leicht gemacht. Dafür braucht es kein Fachpersonal. Das kann ein Kiosk auch.

P.S: Hier die Anwendungsbereiche von Rosmarin, wie sie in der Phytotherapie von den Qualitätssicherungsgremien (Kommission E, ESCOP-Monografien) akzeptiert wurden:

„Rosmarinblätter

Innerlich bei dyspeptischen Beschwerden; äußerlich zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen; Kreislaufbeschwerden (Kommission E); zur Verbesserung der Leber- und Gallefunktion sowie bei dyspeptischen Beschwerden; äußerlich zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen und bei Kreislaufbeschwerden sowie als leichtes Antisepticum zur Förderung der Wundheilung (ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/rosmarin.php

Das sind also die anerkannten Anwendungsgebiete des Rosmarins.

Rosmarin ist als Gewürz und als Heilpflanze beliebt und auch geschätzt. Kritisch muss zu den oben erwähnten Anwendungsbereichen allerdings angemerkt werden, dass die Angaben ziemlich vage bleiben: Dyspeptische Beschwerden, damit sind Verdauungsbeschwerden gemeint. Aber „Verdauungsbeschwerden“ ist alles andere als präzis. Präziser und meines Erachtens auch vertretbar wäre „Blähungen“ und „Völlegefühl“.

Genauso vage ist der Begriff „Kreislaufbeschwerden“. Rosmarinöl gilt als belebend bei Hypotonie (niedriger Blutdruck).

Von einer Wirkung von Rosmarintee oder Rosmarintinktur bei Blutarmut ist in der Phytotherapie-Fachliteratur aber keine Rede.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“. Sie lernen dabei unter anderem Versprechungen von Herstellern und Verkäufern von Naturheilmitteln auf den Zahn zu fühlen.

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Für Hunde giftig: Schokolade, Knoblauch, Zwiebel, Schnittlauch…

Auf wissenslogs.de publizierte Joe Dramiga einen informativen Beitrag über menschliche  Nahrungsmittel, die für Hunde giftig sind.

Hier die wichtigsten Zitate:

Schokolade:

„Theobromin heißt der für Hunde giftige Inhaltsstoff der Schokolade, der auch in anderen kakaohaltigen Nahrungsmitteln enthalten ist. 60g Milchschokolade, bzw. 8g Blockschokolade (je nach Kakaogehalt) pro kg Körpergewicht können für deinen Hund schon tödlich sein.“

Zwiebel, Knoblauch, Schnittlauch:

„Zwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch enthalten das für Hunde giftige N-Propyldisulfid. Zwiebeln enthalten zusätzlich Allylpropylsufid. Diese Stoffe zerstören die roten Blutkörperchen (Hämolyse) des Hundes. Das führt zur Blutarmut und Beschleunigung von Herzschlag und Atemfrequenz. Weitere Symptome sind: Durchfall, Erbrechen und Verweigerung von Wasser und Futter (Anorexie). Ob die Zwiebeln roh, getrocknet oder gekocht gefressen werden, hat keinen Einfluss auf die Wirkung der Gifte. Ab 5 g Zwiebeln pro kg Körpergewicht des Hundes wird es ernst.“

Im weiteren beschreibt Joe Dramiga als giftig für Hunde auch Weintrauben und Rosinen:

„Einige Stunden nach dem Verzehr von Weintrauben erbrechen die Hunde und bekommen Magenkrämpfe und Durchfall. Nach 24 Stunden zeigen sich in einigen Fällen die Symptome eines Nierenversagens: Die Hunde werden lethargisch und können kein oder nur noch wenig Wasser lassen.“

Als problematisch bis giftig werden zudem Avocado, Brokkoli, Makadamianüsse, Erdnüsse, Süssigkeiten mit dem Süssstoff Xylitol, rohes Schweinefleisch und rohes Eiklar aufgeführt.

Quelle:

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/die-sankore-schriften/biologie/2011-07-09/menschliche-nahrungsmittel-die-giftig-f-r-hunde-sind

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Schüssler-Salz Nr. 8, Natrium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Das Schüssler-Salz Nr. 8,  Natrium chloratum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abgrenzung, Abmagerung, Abschottung, Afterbluten, Afterjucken, Afterriss, Albträume, Allergien, Amalgamvergiftung, Analekzem, Analfissuren, Anazidität, Antriebsschwäche, Anämie, Appetitlosigkeit, Arbeitsscheu, Arthrose, Asthma, Aszites, Atemnot, Aufgedunsenes Gesicht, Aufgeschwemmtheit, Aufgesprungene Lippen, Ausdauer, Ausleitung, Bandscheibenschäden, Bandscheibenvorfall, Beharrlichkeit, Beleidigtsein, Bindegewebsschwäche, Blasenschmerzen, Bleiches Gesicht, Blutarmut, Bluthochdruck, Blutvergiftung, Brechdurchfall, Brennen beim Wasserlassen, Bronchialasthma, Brustfellentzündung, COPD, Cellulite, Cholesteatom, Chronische Bronchitis, Darmatonie, Darmerschlaffung, Darmträgheit, Desinteresse, Diarrhoe, Distanziertheit, Durchfall, Durchsetzungskraft, Durstmangel, Eigenbrötlertum, Eigenverantwortung, Einsamkeit, Einsiedlerdasein, Entgiftung, Enttäuschung, Erbrechen, Erinnerungsvermögen, Ernsthaftigkeit, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fehlgeburt Vorbeugung, Fissuren, Fliess-Schnupfen, Frieren, Frostempfindlichkeit, Frühjahrskur, Frühjahrsmüdigkeit, Fussgelenks-Schmerzen, Gastritis, Gastroduodenitis, Geistesstörung, Geistige Frische, Gekränktsein, Gelenk-Knacken, Gelenkrheumatismus, Gereiztheit, Geschwollene Füsse, Gicht, Glomerulonephritis, Grübeln, Gürtelrose, Halskitzeln, Haltungsschwäche, Harnbrennen, Hass, Hautausschlag, Heimweh, Heisshunger auf Salziges, Herpes, Herpes Zoster, Heuschnupfen, Hiatushernie, Hinfälligkeit, Hitzeprobleme, Hitzschlag, Hoffnungslosigkeit, Husten, Hyperhidrosis, Hypertonie, Insektenstiche, Isolierung, Kalte Füsse, Kalte Hände, Kapillarblutungen, Kehlkopfentzündung, Knorpel-Aufbau, Knorpel-Entzündung, Knöchelknacken, Kollaps, Konzentrationsfähigkeit, Kopfschmerzen, Kopfschuppen, Kreislaufkollaps, Kälteempfindlichkeit, Laryngitis, Lauf-Schnupfen, Leichte Verbrennungen, Lippen-Risse, Lippenbläschen, Magen-Darm-Entzündung, Magen-Darm-Grippe, Magengeschwür, Magenschleimhautentzündung, Magensäuremangel, Mallorca-Akne, Mangelnde Milchbildung, Migräne, Migräne-Sehstörungen, Migräne-Übelkeit, Mitesser, Morgenmuffel, Mundgeschwür, Muskelriss, Mut, Mückenstiche, Nebenhöhlenentzündung, Nebenniereninsuffizienz, Nervenschwäche, Nervosität, Nesselsucht, Neurasthenie, Nierenentzündung, Norovirus-Infektion, Obstipation, Ohren-Ekzem, Osteochondrose, Perlgeschwulst, Pessimismus, Petechien, Pubertätsprobleme, Quecksilbervergiftung, Raue Haut, Reflux, Refluxösophagitis, Reisekrankheit, Reizbarkeit, Reserviertheit, Rhagaden, Rhinitis, Rippenfellentzündung, Rissige Haut, Salmonellen-Infektion, Schlaffes Gewebe, Schnupfen, Schreibkrampf, Schrunden, Schwache Gelenke, Schwangerschafts-Übelkeit, Schwangerschaftserbrechen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwermetallvergiftung, Schwitzen, Selbsthass, Selbstkritik, Selbstmitleid, Selbstvorwürfe, Sinusitis, Sodbrennen, Sonnen-Empfindlichkeit, Sonnenallergie, Sonnenstich, Speichelfluss, Sprachfehler, Sprechen lernen, Starrsinn, Stottern, Ständiger Harndrang, Teilnahmslosigkeit, Trauer, Trockene Schleimhäute, Trockenes Auge, Trägheit, Tränende Augen, Tränenfluss, Ulcus cruris, Unglücklichsein, Unterschenkelgeschwür, Urtikaria, Verbissenheit, Verdriesslichkeit, Vereinsamung, Vergesslichkeit, Verkalkung, Verletzlichkeit, Verletztsein, Verschlossenheit, Verstopfung, Verzeihen, Verzweiflung, Wasserbauch, Wassereinlagerungen, Widerwillen, Willensstärke, Wortkargheit, Wundsein, Wut, Zahnschmerzen, Zehen-Kribbeln, Zehen-Taubheit, Zerschlagenheitsgefühl, Zerstreutheit, Zuckerkrankheit, Zuckerstoffwechsel, Zukunftsängste, Zungenbelag, Zungenbläschen, Zwerchfellbruch, Zwölffingerdarmentzündung, Zwölffingerdarmgeschwür, Ärgerlichkeit, Ödeme, Übelkeit.“

http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/natrium-chloratum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma.

Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist.

4. Natrium chloratum ist Kochsalz. Natrium chloratum D6 ist Kochsalz 1 : 1 000 000 mal verdünnt. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Natrium chloratum D6 gegen Bluthochdruck (Hypertonie), Geistesstörung, Trägheit, Verbissenheit, Afterbluten, Arbeitsscheu und Fehlgeburt wirkt.

5. Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten und in einer Fachzeitschrift publizierten Behandlungsverläufen? Das wäre ein übliches Vorgehen. Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unserer Zeit.

8. Kochsalz ist ja in unserer Nahrung überreichlich vorhanden. Wie unterscheidet der Organismus genau zwischen dem teuren Natriumchlorid aus dem Schüssler-Salz Nr. 8 und dem fast kostenlosen Natriumchlorid in der Nahrung?

9. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Nr. 2, Calcium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Schüsslersalze – Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Schüssler-Salz Nr. 2, Calcium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Das Schüssler-Salz Nr. 2,  Calcium phosphoricum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abgekämpftsein, Abhängigkeit, Abwehrschwäche, Adenoide Vegetationen, Allergien, Ameisenlaufen,

Anämie, Arbeitsscheu, Auffassungsgabe, Aufheiterung, Aufmerksamkeit, Aufregung, Ausbleibende Periode,

Ausdauer, Ausfluss, Ausschlag, Badeotitis, Bandscheibenvorfall, Beeinflussbarkeit, Beinbruch,

Belastbarkeit, Bewusstwerdung, Blasse Lippen, Bleiches Gesicht, Blutarmut, Blutgerinnung,

Blutvergiftung, Blutverlust, Blässe, Brüchige Fingernägel, Brüchige Haare, Buckel,

Burn Out, Chronische Gaumenmandel-Entzündung, Darmausgangs-Fisteln, Darmpolypen, Dauerstress,

Denkvermögen, Dumpfheit, Durchhaltevermögen, Durchlichtung, Durchschlaf-Probleme,

Eigenverantwortung, Durchsetzungskraft, Eingeschlafene Arme und Beine,

Eingeschlafene Füsse, Eingeschlafene Hände, Eisenmangel, Eiweissallergie, Ekzeme,

Entscheidungsfähigkeit, Entscheidungsschwäche, Erfrierung, Ernsthaftigkeit, Erschöpfung,

Erwachsen werden, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fisteln, Flexibilität, Fraktur, Freude, Frieren,

Frostempfindlichkeit, Fussgelenks-Schmerzen, Gefässerschlaffung, Geistesarbeit,

Geistige Beweglichkeit, Gelbkörperhormon-Mangel, Gereiztheit, Gewebe-Straffung, Gier, Giftstoffe-Abbau,

Glanzlose Haare, Gleichgültigkeit, Glieder-Kribbeln,  Globussyndrom, Haar-Spliss, Halsfalten,

Haltungsschwäche, Haltungsschäden, Hass, Haltlosigkeit, Haut-Straffung, Herzrasen,

Heuschnupfen, Hexenschuss, Hilflosigkeit, Herzrhythmusstörungen,

Hinfälligkeit, Husten, Hyperhidrosis, Hypotonie, Immunsystem-Stärkung, Infektneigung, Initiative,

Ischias, Kahnbauch, Kinderlähmung-Spätfolgen, Klarheit, Kloss im Hals, Knochenbruch,

Knochenentkalkung, Knochendeformierung, Kollaps, Konzentrationsfähigkeit,

Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Kreativität, Kreislaufkollaps, Kreuzschmerzen,

Kropf, Lampenfieber, Lebensfreude, Leistungsfähigkeit, Lerneifer, Liebeskummer,

Lungenschwäche, Lupus Erythematodes, Lustlosigkeit, Lymphangitis, Lymphgefässentzündung,

Mandelvergrösserung, Mattigkeit, Menstruationsbeschwerden, Milchallergie,

Minderwertigkeitskomplexe, Morbus Crohn, Morgensteifigkeit, Mundgeruch, Muskelkrämpfe,

Muskellähmung, Muskelrheuma, Muskelschwäche, Muskelzerrung, Müdigkeit, Nabelkolik, Nasenbluten,

Nasenpolypen, Neigung zu Knochenbrüchen, Nein-Sagen können, Nerven-Beruhigung, Nervosität,

Nesselsucht, Niedriger Blutdruck, Nieren-Kopfschmerzen, Nächtliches Aufwachen,

Ohnmachtsgefühl, Ohrenekzem, Ohrknorpelentzündung, Ohrmuschelekzem,

Ohrmuschelentzündung, Operationsvorbereitung, Osteochondrose, Osteopenie, Osteoporose,

Otitis externa, PMS, Perichondritis, Phlebitis, Phobien, Polypen, Problembewältigung,

Progesteron-Mangel, Pseudo-Krupp, Ptyololith, Rachenmandel-Vergrösserung, Rachitis, Reife,

Reizbarkeit, Rekonvaleszenz, Räusperzwang, Scheu,Schielen, Schienbein-Schmerzen,

Schilddrüsenüberfunktion, Schlaffes Gewebe, Schlafstörungen, Schlechte Zähne, Schreckhaftigkeit,

Schul-Kopfschmerzen, Schulter-Verspannungen, Schwangerschafts begleitend,

Schwangerschafts-Übelkeit, Schwangerschaftserbrechen, Schweissausbrüche,

Schweisshände, Schwere Glieder, Schwitzen, Selbstbehauptung, Selbstdisziplin, Selbsteinschätzung,

Selbstkritik, Selbstvertrauen, Sialolithiasis, Skoliose, Souveränität, Spannkraft, Spannungs-Kopfschmerzen,

Speichelstein, Sprechen lernen, Starke Periodenblutung, Starrsinn, Stauungsleber,

Steifer Hals, Stetigkeit, Stress, Struma, Stumpfe Haare, Suchtneigung, Surferohr, Tachykardie,

Taubheitsgefühl, Taubheitskribbeln, Taucherohr, Teilnahmslosigkeit, Thrombophlebitis, Trichterbrust,

Trägheit, Unentschlossenheit, Unsicherheit, Unterleibs-Beschwerden, Unternehmungslust,

Urtikaria, Venenstauung, Verantwortung, Vergesslichkeit, Vergrösserte Mandeln,

Verspannungen, Verzweiflung, Vitalisierung, Wachsamkeit, Wachstumsschmerzen,

Wachstumsverzögerung, Wadenkrämpfe, Wertschätzung, Wetterfühligkeit, Widerborstigkeit,

Widerspruchsgeist, Willensstärke, Wirbelsäulen-Probleme, Wirbelsäulen-Verkrümmung,

Wutausbrüche, Zahnschmelz-Stärkung, Zahnungs-Durchfall, Zahnungs-Verzögerung,

Zahnungskrämpfe, Zahnungsschmerzen, Zeitumstellung, Ängste, Östrogen-Dominanz,

Östrogen-Mangel, Überanstrengung, Übererregbarkeit, Überforderung,

Übermässige Schweissbildung.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/calcium-phosphoricum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 2 Calcium phosphoricum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma. Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist.

4. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Calcium phosphoricum D6 gegen Stauungsleber, Skoliose, Schwangerschaftserbrechen und Starrsinn wirkt. Und wie genau wirkt Calcium phosphoricum D6 bei Widerborstigkeit und Widerspruchsgeist? Und kann man Schüssler-Salz Calcium phosphoricum D6 für pubertierende Jugendliche auch ins Müesli geben? Oder wem geben wir Calcium phosphoricum D6 gegen Arbeitsscheu?

Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten Behandlungsverläufen? – Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

5. Im Schüssler Salz Nr. 2 Calcium phosphoricum ist das  Calcium phosphat 1 : 1 Million mal verdünnt. In der Österreichischen Apothekerzeitung hat die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre: Wenn in einer Mineralwasserflasche 115 mg/l Kalzium (beispielsweise Vöslauer mild) angegeben sind, dann müsste man, wenn man die in Calcium phosphoricum D6 enthaltenen reinen Kalziumionen auf das im Mineralswasser enthaltene Kalzium umrechnet, 388 kg an Schüßler Salz Nr. 2 in D6 (1.552.000 Tabletten!) täglich einnehmen, um auf die gleiche Menge wie in 1 Liter Mineralwasser zu kommen.“

Quellenangabe: http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/11/26/schusslersalze-mineralwasser-wirksamer-gunstiger-zahnschonender.html

Halten wir also fest: 1 552 000 Schüssler-Salz-Tabletten Calcium phosphoricum D6 entsprechen im Calcium-Gehalt einem Liter Mineralwasser. Trinkwasser dürfte manchmal tiefer und manchmal höher liegen im Calcium-Gehalt. Mich würde sehr interessieren, weshalb es überhaupt noch aufsässige Jugendliche und oppositionelle Geister gibt – müssten doch alle lammfromm und handzahm sein bei den exorbitanten Calciumphosphat-Dosen im Wasser – verglichen mit den Schüssler-Salzen. Ich bin dafür, Trinkwasser sofort als Heilmittel zu betrachten und gegen alle obigen Indikationen einzusetzen. Aber dagegen werden sieh die Schüssler-Salz-Hersteller bestimmt wehren, weil ihnen dadurch die Geschäftsbasis entzogen wird.

Der Apotheker Ignaz Moser führte die Rechung von Niedan-Feichtinger in der Österreichischen Apothekerzeitung Nr. 25 / 2010 dann etwas weiter:
„115 mg/l Kalzium kosten in Form eines Mineralwassers ca. € 0,35 bis 0,60 (ca. 50
Cent!) im Lebensmittelhandel. Dieselbe Menge Kalzium in Form von Schüßler Salz-Tabletten (= lt. Autorin388 Kilogramm oder 1.552.000 Tabletten) kosten € 17 770,40!“
Und er kommentiert:
„Alle 12 Haupt-Schüßler-Salze sind normalerweise in der täglichen Nahrung ausreichend vorhanden. Ich frage mich daher, wie der Körper erkennen kann, ob die Salze in Form von Nahrung – fest oder flüssig – oder in Form von Schüßler Salz-Tabletten aufgenommen wurden. Haben die Schüßler-Ionen ein Mascherl, damit der Körper das erkennt?“

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unsere Zeit.

8. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch