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Krebs: Alternative Therapien reduzieren Überlebenschancen

Wer sich gegen eine etablierte Krebstherapie entscheidet und auf alternative Medizin setzt, reduziert seine Chancen, die kommenden fünf Jahre zu überleben. Im Durchschnitt erhöht sich das Sterberisiko um das 2,5-Fache. Das berechneten Wissenschaftler der Yale School of Medicine in Connecticut. Sie verwendeten dazu Daten von 840 Patienten mit Erstdiagnose behandelbarer Krebsarten wie Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs. 560 Patienten hatten eine konventionelle Behandlung mit Chemotherapie, Strahlentherapie, Hormontherapie oder Operation gewählt. 280 Patienten hatten sich dagegen entschieden. Welche Alternativen die Patienten wählten, ob Homöopathie, Anthroposophische Medizin, hoch dosierte Vitamine, spezielle Diäten oder anderes, wurde in der Studie nicht genauer unterschieden.

Bei Brustkrebs erhöhte sich das Sterberisiko bei alleiniger alternativer Behandlung um das 5,7-Fache, bei Darmkrebs um das 4,6-Fache und bei Lungenkrebs um das 2,2-Fache, schreiben die Forscher im «Journal of the National Cancer Institute». Von den Lungenkrebs-Patienten überlebten 41 Prozent unter konventioneller herkömmlicher Therapie die kommenden fünf Jahre, unter alternativer Behandlung waren es 20 Prozent. Bei Darmkrebs überlebten 79 Prozent unter herkömmlicher Behandlung, aber nur 33 Prozent der Patienten, die sich der konventionellen Medizin verweigerten.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Skyler Johnson, kommentiert die Ergebnisse so:

«Wir haben nun Evidenz zur der Annahme, dass der Gebrauch alternativer Medizin anstelle etablierter Krebstherapien zu schlechteren Überlebensraten führt». Die Forscher hoffen, dass diese Information bei der Entscheidung von Patienten und Ärzten für oder gegen eine bestimmte Behandlung helfen kann.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=70997

DOI: 10.1093/jnci/djx145

 

Kommentar & Ergänzung:

Wirklich überraschend ist dieses Ergebnis ja nicht.

Fraglos gibt es bei Krebserkrankungen insbesondere in fortgeschrittenem Stadium Situationen, in denen Operationen oder Chemotherapien keine entscheidende Wende mehr bringen können. In solchen Situationen ist es nachvollziehbar, wenn Patientinnen und Patienten abwägen, ob sie allenfalls auf eine belastende onkologische Therapie verzichten und eher auf Palliative Care setzen. In vielen Situationen können onkologische Therapien allerdings entscheidende Besserungen oder gar eine Heilung von Krebserkrankungen bewirken, so dass es sehr riskant wäre, auf alternative Therapien zu setzen. Genau das zeigt die vorliegende Untersuchung.

Bei den Alternativen Therapien gibt es zwar unendlich viele Versprechungen, wie sich Krebs angeblich heilen lässt. Diese zum Teil sehr hochtrabenden Behauptungen lassen sich allerdings in aller Regel nicht durch Fakten und Belege untermauern. Wenn es direkt um die Bekämpfung des Tumor geht und um eine verlängerte Überlebensdauer, hat alternative Therapie nichts Handfestes zu bieten. Leider. Aber die verständliche Hoffnung macht Patientinnen und Patienten sehr anfällig und verletzlich für windige Heilungsversprechungen und zahlreiche Anbieter nutzen das gnadenlos aus. Dabei steht nicht immer finanzieller Gewinn im Vordergrund. Viele Anbieter alternativer Krebstherapien sind sehr überzeugt von der Wirksamkeit ihrer Methoden und täuschen sich dabei selbst. Ihr Gewinn liegt allenfalls auf einer psychologischen Ebene. Hinter der Vorstellung, mit ganz einfachen, sanften Mitteln Krebs heilen zu können, steckt oft eine Machtfantasie. Das verschafft eine Position, die dem eigenen Ego zuverlässig Futter zuführt. Der grossen Heiler-Pose begegne ich leider immer wieder.

Ergänzende Möglichkeiten bei Krebserkrankungen gibt es jedoch im Bereich der Verbesserung der Lebensqualität, zum Beispiel durch Linderung von Nebenwirkungen der Chemotherapie und Strahlentherapie. Hier können auch Heilpflanzen unterstützend wirken.

Dazu führe ich regelmässig Tagesseminare durch. Siehe Details hier:

Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologiepflege und Palliative Care

Das ist ein bescheidenerer Ansatz. Es geht um Linderung und Verbesserung von Lebensqualität, nicht um Heilung. Dieser Ansatz hat es nicht so leicht. Denn Patientinnen und Patienten suchen in der Regel in erster Linie Heilung und erst in zweiter Line Linderung. Und AnbieterInnen alternativer Therapien haben mehr Zulauf, wenn sie Heilung versprechen, als wenn sie Möglicheiten der Linderung vermitteln. Aber dieser bescheidenere Ansatz hat einfach mehr Boden als die grassierenden, windigen Heiler-Posen.

Zur beschriebenen Studie ist noch anzumerken, dass es natürlich schade ist, dass nicht unterschieden wurde, welche alternativen Therapien genau die Krebskranken anwendeten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Deutschland: Phytopharmaka-Absatz in Apotheken leicht rückläufig

Der Verkauf von Arzneimitteln mit pflanzlichen Wirkstoffen (Phytopharmaka) in Apotheken ist in Deutschland im vergangen Jahr leicht gesunken. Nach Angaben des Informationsdienstleisters IMS Health reduzierte sich die Menge der abgegebenen Packungen um 1,5 Prozent von 102,8 Millionen in 2011 auf 101,3 Millionen in 2012. Der Phytopharmaka-Umsatz sank um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr von rund 1.248 Milliarden Euro auf rund 1.237 Milliarden Euro.

Am meisten Umsatz brachten der IMS-Analyse zufolge Phytopharmaka zur Linderung von Erkältungssymptomen, durchblutungsfördernde Mittel, Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Magen-Darm-Medikamente, sowie Arzneien zur Stärkung des Immunsystems und topische (=ausserliche) Antirheumatika. Ein leichtes Wachstum gab es laut IMS beim Umsatz von Hypnotika und Sedativa mit einem Plus von 9 Prozent. Auch Digestiva inklusive Enzyme verbesserten sich um 8 Prozent.

Während Phytopharmaka in der Offizinapotheke rückläufig sind, legte laut IMS der Umsatz und Absatz im Versandhandel um 4 Prozent beziehungsweise um 6 Prozent zu. Arzneimitteln mit pflanzlichen Wirkstoffen sind in der Regel rezeptfrei und werden nur in Ausnahmenfällen wie beispielsweise bei leichten oder mittelschweren Depressionen oder bei Morbus Crohn von den Kassen erstattet. Die Marktentwicklung sei demnach nicht nennenswert durch die Erstattungsfähigkeit von Präparaten beeinflusst worden, schlussfolgert IMS Health.

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=47382&Nachricht_Title=Nachrichten_Apothekenmarkt%3A+Weniger+Phytopharmaka&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Wie sich der Markt bei den Phytophamaka in der Schweiz entwickelt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Phytopharmaka sind Naturheilmittel, die bei den Behörden als Medikamente registriert sind.

Phytopharmaka haben mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, die für Aussenstehende nur schwer durchschaubar sind Es scheint mir nützlich für Konsumentinnen und Konsumenten, wenn sie dazu einige Informationen bekommen:

– Während traditionelle Kräuterpräparate wie Kamillentee oder eine Brusttee-Mischung keine Wirksamkeitsbelege vorweisen müssen, wird von neuentwickelten Phytopharmaka wie zum Beispiel  einem Mönchspfefferextrakt gegen PMS-Beschwerden oder einem Pestwurz-Extrakt gegen Heuschnupfen in der Regel ein Wirksamkeitsnachweis verlangt – und zwar im vergleichbaren Sinn wie von synthetischen Medikamenten. Solche Studien kosten.

– Viele Pflanzenpräparate kommen allerdings nicht als Phytopharmaka auf den Markt (also als Arzneimittel), sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Für Nahrungsergänzungsmittel wird kein Wirksamkeitsnachweis verlangt. Das spart Forschungsaufwand und damit Kosten.  Das gesparte Geld lässt sich gut ins Marketing investieren.

Im Klartext: Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist in der Regel völlig unklar, ob sie wirksam sind, auch wenn sie in Apotheken verkauft werden und wie ein Arzneimittel daher kommen. Von Gesetzes wegen dürfen Nahrungsergänzungsmittel zwar nicht mit Indikationen beworben werden. Man darf also beispielsweise nicht im Packungsprospekt oder in einem Inserat  schreiben: „Litozin Hagebuttenpulver lindert Schmerzen und Entzündungen bei Arthrose“.  Das ist aber kein Problem.  Man muss die Propaganda einfach getrennt vom Produkt machen. Man druckt eine Broschüre zum Thema „Hagebuttenpulver bei Arthrose“, gestaltet  sie grafisch gleich wie das Produkt und legt sie auf dem Apothekentisch gleich neben die Packungen. Oder man kauft redaktionellen Platz in einer Gesundheitszeitschrift für einen Artikel über die wunderbaren Wirkungen von Hagebuttenpulver und setzt gleich nebenan ein Inserat, in dem der Produktname steht…..

– Präparate aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin sind gesetzlich bevorzugt, weil sie keinerlei Wirksamkeit nachweisen müssen. Firmen wie Similasan, Omida oder Weleda könne den Markt mit einer grossen Palette von Produkten fluten, weil sie dafür kaum Aufwand für Forschung und Entwicklung betreiben müssen. Die Entwicklung von Phytopharmaka und die damit verbundene Forschung zur Dokumentation ihrer Wirksamkeit ist dagegen sehr viel kostspieliger.

Fazit:

– Wer daran interessiert ist, dass die Wirksamkeit von Naturheilmitteln erforscht und dokumentiert wird, sollte Phytopharmaka kaufen, deren Hersteller diese aufwendige Investition in die Forschung tatsächlich auch machen, beziehungsweise machen müssen.

– Die enormen qualitativen Unterschiede bei den Naturheilmitteln werden gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten in der Regel verschwiegen. Dass sie eine wohl begründete, informierte Entscheidung treffen können, wird damit praktisch verunmöglicht. Wer mehr Durchblick in diesem unübersichtlichen Gelände haben möchte, bekommt die dazu nötigen Informationen und Hinweise im Heilpflanzen-Seminar über 6 Wochenenden, in der Phytotherapie-Ausbildung oder am Tagesseminar „Naturheilkunde & Komplementärmedizin – wie erkennt man seriöse und unseriöse Angebote?“

Die Daten für die Ausbildungen und Kurse finden Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Astrologie: Warum Horoskope immer stimmen

„Die Welt“ erklärt in einem informativen Beitrag, weshalb Horoskope immer zutreffen.

Der Text beschreibt in gut verständlicher Art den sogenannten Forer-Effekt ( = Barnum-Effekt). Für ein vertieftes Verständnis der Astrologie ist die Kenntnis des Forer-Effektes absolut zentral.

Der US-amerikanische Psychologe Bertram Forer bat 1948 in einem Experiment mit 39 seiner Studenten, ihm bei der Evaluierung eines neuen Persönlichkeitstests zu helfen. Dazu gab er jedem der Studenten einen kleinen Fragenkatalog, den sie beantworten sollten.

Zum nächsten Seminar brachte Forer die Auswertungen des Tests in Form von Persönlichkeitsbeschreibungen mit.

Die Studenten lasen ihre Persönlichkeitsbeschreibungen schätzten die Genauigkeit ihres Profils auf einer Skala von 0 bis fünf ein. Dabei zeigte sich, dass Bertram Forer offenbar einen großartigen Test entwickelt hatte.

Denn die Studenten vergaben im Schnitt mehr als vier Punkte für ihr Psycho-Profil. Die Geschichte hatte nur einen Haken: Alle 39 Studenten hatten genau die gleiche Beschreibung erhalten – Forer hatte sie nämlich aus einem am Kiosk erhältlichen Horoskop zusammengebastelt.

Dieses Phänomen wurde seither in vielen Tests wiederholt und bekam den Namen Forer-Effekt. Damit ist gemeint, dass Menschen dazu neigen, vage und allgemeingültige Aussagen als zutreffende Beschreibung über die eigene Person zu akzeptieren. Manchmal wird dieses Phänomen auch Barnum-Effekt genannt, nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum, der im 19. Jahrhundert mit einem Kuriositätenkabinett durch die USA reiste und darauf achtete, für jeden Geschmack etwas dabeizuhaben. Diesem Grundsatz des „für jeden etwas“ folgen auch Horoskope und zahlreiche Formen des Wahrsagens. Sie funktionieren, indem sie Wünsche, Ängste oder Bedürfnisse ansprechen, die schlichtweg jeder Mensch hat: eine erfüllende Beziehung, innere Ruhe, ein gesichertes Einkommen, Gesundheit.

Häufig sprechen solche Aussagen auch Ambivalenzen an, die zutiefst menschlich sind – die Sehnsucht nach Sicherheit und Stabilität beispielsweise, die mit dem gleichzeitigen Wunsch nach Veränderung und Aufregung konkurriert.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article115831714/Warum-Horoskope-einfach-immer-stimmen.html

Kommentar & Ergänzung:

Astrologie & Medizin waren historisch betrachtet über lange Zeiträume eng verbunden, wobei auch Verbindungen zwischen Pflanzen und Planeten postuliert wurden. In Alternativmedizin und Komplementärmedizin findet man solche Theorien zum Beispiel in der Anthroposophischen Medizin sowie unter der Bezeichnung Astromedizin.

Meinem Eindruck nach spielt der Barnum-Effekt zudem auch in manchen Alternativmethoden eine Rolle. Liest man ein Buch über Bach-Blütentherapie oder eine Liste mit Indikationen für Schüssler Salze, so kommt darin als potenzieller Anwendungsbereich meist jede mögliche Lebenslage, jede Gemütsregung und alle möglichen Beschwerden vor.

Es hat auf jeden Fall für jeden jederzeit ein passendes Mittel. Jeder und Jede kann sich angesprochen fühlen.

Das ist vergleichbar mit dem Barnum-Effekt im Horoskop.

Ob eine solche Therapeutisierung aller Lebenslagen, wie sie in weiten Bereichen von Alternativmedizin und Komplementärmedizin zu beobachten ist, sinnvoll ist, stelle ich sehr in Frage. Ich selber bin da sehr viel zurückhaltender. Doch manchmal bin ich fast ein wenig neidisch auf diejenigen, die in jeder Lage eine ganze Palette von Mittelchen zücken können. Fragt sich nur, ob das ein gesunder Umgang mit Gesundheit und Krankheit ist. Meine Antwort darauf ist nein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pharmaindustrie verlagert Zulassungsstudien vermehrt in Billigländer

Zulassungsstudien für neue Medikamente werden immer häufiger nicht in Europa oder den USA durchgeführt. Das geht aus einem Bericht hervor, den die europäische Arzneimittelagentur EMA präsentiert hat. Demnach lassen Pharmahersteller ihre neuen Produkte zunehmend in Ländern testen, in denen klinische Forschung günstiger durchgeführt werden kann.

Dem Bericht zufolge verringerte sich der Anteil, den Patienten aus dem europäischen Wirtschaftsraum an EU-zulassungsrelevanten Studien hatten, zwischen 2005 und 2011 von 37 auf 32 Prozent. Noch prägnanter fiel der Rückgang in den USA aus: Wurden 2005 noch fast 43 Prozent der untersuchten Patienten in den USA rekrutiert, waren es 2011 nur noch knapp 32 Prozent. Zudem verschob sich die Forschungsaktivität innerhalb Europas Richtung Osten. Im genannten Zeitraum stieg der Anteil der Patienten aus denjenigen Ländern, die erst 2004 im Zuge der EU-Erweiterung Mitglied der Europäischen Union geworden waren, von knapp 5 auf beinahe 12 Prozent.

In den präsentierten Zahlen sind auch die Zulassungsstudien von Generikaproduzenten enthalten. Die von ihnen verlangten Bioäquivalenz-Studien sind zwar wesentlich weniger umfassend als das im Fall einer Neuzulassung vorgeschriebene Prüfungsverfahren.

Aufschlussreich ist hier auch die Wahl der Länder, in denen diese klinischen Prüfungen durchgeführt wurden. Die Reihenfolge der Top 3: Indien, Italien und Kanada.

Unabhängig davon, in welchem Land die Daten gewonnen werden, müssen alle zulassungsrelevanten Studien den Anforderungen der EMA und dem internationalen Standard der «Good clinical practice» genügen, unterstreicht die EMA. Sie weist aber auch darauf hin, dass sowohl behördlicherseits als auch in der Öffentlichkeit die Besorgnis darüber wachse, wie gut klinische Studien in Drittländern durchgeführt werden. Dabei gehe es sowohl um ethische als auch um wissenschaftlich-organisatorische Fragestellungen.

Damit bei den klinischen Studien alles mit rechten Dingen zugeht, werden die Forschungszentren immer strenger überwacht. Die EMA schreibt in ihrem Bericht, dass sich die Zahl der geplanten und unangemeldeten Kontrollen zwischen 2006 und 2011 mehr als vervierfacht habe.

Falls sich der Trend zur Prüfung in Billigländern fortsetzt, sind allerdings Zweifel angebracht, ob sich die verlangte hohe Qualität der klinischen Forschung auf Dauer gewährleisten lässt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=46023&Nachricht_Title=Nachrichten_Immer+mehr+Zulassungsstudien+in+Billigl%E4ndern&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Aus rein ökonomischen Erwägungen lässt sich die Verlagerung der klinischen Forschung in kostengünstigere Standorte womöglich rechtfertigen.

Heikler ist aber der Verdacht, dass es auch darum gehen könnte, strengere Regeln und Kontrollen zu umgehen. Das stellt die Glaubwürdigkeit der Pharmaforschung in Frage.

Fragwürdig sind zum Beispiel manche Studien, die in Indien durchgeführt werden, bei denen wichtige Qualitätsstandards offenbar verletzt wurden.

Siehe:

Indien: Menschliche Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie

Dabei zieht allerdings das beliebte Feindbild der „bösen Chemie“ nicht.  Auch im Bereich der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie  kommt es zu Verlagerung der Forschung in Billigländer.

Allerdings stellt sich für viele Hersteller von komplementärmedizinischen Produkten das Forschungsproblem gar nicht. Homöopathika und Anthroposophika beispielsweise sind durch politische Entscheidungen vom Wirksamkeitsnachweis befreit. Sie brauchen keine klinischen Zulassungsstudien zu liefern. Sie werden im sogenannten „Binnenkonsens“ zugelassen, das heisst: VertreterInnen der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin entscheiden jeweils selber und nicht auf der Basis klinischer Studien, ob ihre Präparate wirksam sind.

Hier der Wikipedia-Artikel zum Thema Binnenkonsens

Einzig bei Phytopharmaka gibt es meines Wissens eine klinische Forschung, die zulassungsrelevant und vergleichbar mit der klinischen Forschung bei den synthetischen Medikamenten ist (jedenfalls in der Schweiz).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Astrologie: Zur Planetenkonstellation des Bombenanschlags in Boston

Auf den Astrologie-Portalen häufen sich gerade die Analysen über die Planetenkonstellation, die zum Bombenanschlag von Boston geführt haben soll.

Dabei fällt auf, dass die Planetenkonstellationen im Horoskop des Bombenanschlags nach Ansicht der involvierten Astrodiensten eindeutig auf ein solche Ereignis hinweisen – wobei sich die Erklärungen im Detail allerdings stark unterscheiden und die „Astrologie-Szene“  offenbar nicht sehr einig ist über die Interpretation der Ursachen dieses Ereignisses.

Nur dass es in den Sternen steht, das scheint den Sterndeutern offenbar klar.

Florian Freistetter hat auf Sciensblogs zu diesem Punkt eine wertvolle Anregung für die Astrologinnen und Astrologen veröffentlicht:

„Sagt doch das nächste Mal vorher Bescheid! Dann wird vermutlich auch niemand auf euch hören. Aber danach könnt ihr dann sagen: “Wir haben es vorhergesagt! Hättet ihr mal auf uns gehört!”. Und wenn ihr dann das nächste Mal eine Warnung habt, dann hört man euch vielleicht aufmerksamer zu. Und wenn auch diese Vorhersage stimmt, dann wird das Vertrauen in das “astrologische Zeitmodell” immer größer werden. Man vertraut der Astrologie deswegen nicht, weil ihr immer nur hinterher wisst, was ihr vorher angeblich vorhersagen hättet können! Leistet doch einmal das, was ihr behauptet zu können. Dann klappt es auch mit dem Vertrauen!“

Und weiter:

„….man stelle sich nur vor, was man damit für die Astrologie leisten könnte! Dumme Leute wie ich, die andauernd über Astrologie meckern, müssten sich eingestehen, dass sie sich geirrt hätten! Die Astrologie könnte endlich ihren rechtmäßigen Platz unter den Wissenschaften einnehmen! Astrologen würden nicht mehr in die Esoterikecke gestellt und ausgelacht! Und Menschenleben könnte man auch noch retten…

Aber dazu müsste man sich erstmal einig sein, was die Dinge am Himmel zu bedeuten haben.“

So ganz traut Florian Freistetter den Astrologinnen und Astrologen das jedoch offenbar nicht zu:

„ Die exakte Position der Planeten für den 15. April 2013 war am 15. März 2013 genauso bekannt wie am 15. April 2012 oder am 15. April 2002. Zu jedem dieser Zeitpunkte hätte man genau das gleiche Horoskop ausdrucken können, das jetzt alle Astrologen vor sich liegen haben und “analysieren”. Aber vor dem 15. April 2013 hätte kein Astrologe darin irgendetwas über einen Anschlag in Boston herauslesen können. Im Horoskop findet sich immer nur das, was der Astrologe finden möchte. Und das ist immer nur das, was der Astrologe schon vorher weiß.“

Quelle:

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/04/20/astrologie-und-katastrophen-der-bombenanschlag-von-boston/

Kommentar & Ergänzung:

Die jeweils zahlreichen, sehr von einander abweichenden, aber penibel genauen astrologischen Erklärungen von Katastrophen und Attentaten im Nachhinein,  schlagen mir schon ein bisschen auf die Aura…..

Dank also an Florian Freistetter dafür, dass er mit viel Engagement versucht, hier ein bisschen Ordnung zu schaffen.

Für ein vertieftes Verständnis der Astrologie muss man allerdings deren Grundlagen verstehen, wozu ganz zentral der sogenannte Barnum-Effekt gehört.

Mehr dazu hier:

Astrologie: Gegenwind für Monica Kissling alias Madame Etoile im Schweizer Radio

P. S.: Astrologie & Medizin waren historisch betrachtet über lange Zeiträume eng verbunden, wobei auch Verbindungen zwischen Pflanzen und Planeten postuliert wurden. In Alternativmedizin und Komplementärmedizin findet man solche Theorien zum Beispiel in der Anthroposophischen Medizin sowie unter der Bezeichnung Astromedizin.

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Heilpflanzen-Präparate mit grossem Qualitätsunterschieden

In einem Interview mit einer Apotheken-Kundenzeitschrift wird die Apothekerin Anke Grabow gefragt, welchen Beratungsbedarf es speziell bei pflanzlichen Medikamenten gibt.

Antwort:

„Schwierig ist vor allem, dass sich hinter dem Oberbegriff Phytopharmaka unterschiedlichste Präparate verbergen. Tees zählen ebenso dazu wie Tinkturen und Säfte oder anthroposophische Mittel. Zudem variiert die Qualität der verarbeiteten Pflanzen. Ich empfehle in erster Linie Präparate aus dem nachhaltigen Pflanzenanbau, etwa von Firmen mit eigenen Anbauprojekten.“

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Erkaeltung/Pflanzenheilkunde-Gute-Beratung-in-der-Apotheke-wichtig-118551.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein wichtiger Aspekt:Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei den Heilpflanzen-Präparaten und es wird auch in Apotheken und Drogerien – geschweige denn im Internethandel – viel unwirksamer „Schrott“ verkauft.

Und zwar bei Naturheilmitteln wie auch bei Präparaten der Komplementärmedizin. Hier besteht nämlich in vielen Bereichen eine Qualitätskontrolle allenfalls pro Forma und greift nicht wirklich.

Fragwürdig ist meines Erachtens, wenn in diesem Interview Anthroposophika zu den Phytopharmaka gerechnet werden. Präparate der Anthroposophischen Medizin basieren auf Grundsätzen, die sich sehr deutlich von den Leitlinien der Phytotherapie unterscheiden.

Anthroposophika:

…..basieren auf Anregungen Rudolf Steiner’s, der sich als Menschheitsführer und als Reinkarnation von Aristoteles und Thomas von Aquin sah, und der davon überzeugt war, dass seine Erkenntnisse aus der Akasha-Chronik stammen.

Die Anthroposophische Medizin schreibt ihren Präparaten okkulte Kräfte zu, zum Beispiel einen Einfluss auf die zwei anthroposophischen Widersachermächte Ahriman und Luzifer.

Das tönt in anthroposophischen Worten zum Beispiel so:

„Substanziell gesehen ist jedoch das Karzinom etwas Luziferisches, das durch das Ahrimanische des Mistelgiftes kompensiert wird.“

(aus: Dietrich Boie, Mistel und Krebs, Eine anthroposophisch-medizinische Studie zur Mistel-Therapie des Krebses, Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft anthroposophischer Ärzte, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1970)

Zubereitungen der Anthroposophischen Medizin bestehen nicht nur aus Heilpflanzen. Manche Präparate enthalten auch Schwermetalle wie Blei oder tierische Komponenten wie lebend verriebene und  verdünnte Ameisen (Formica).

Phytopharmaka

…sind frei von dieser esoterischen Einfärbung.

Phytotherapie basiert im Gegensatz zur Anthroposophischen Medizin nicht auf den Ideen eines Einzelnen. Phytotherapie-Wissen entsteht und entwickelt sich in einem kooperativen Prozess ohne vordefinierte Führerfigur.

Meines Erachtens ist es wichtig, solch fundamentale Unterschiede nicht zu verwischen, sondern so gut wie möglich herauszuarbeiten. Nur so können Konsumentinnen und Konsumenten eine informierte und fundierte Wahl treffen.

Ich persönlich halte kooperativ erarbeitetes Wissen für glaubwürdiger als die Erkenntnisse eines angeblichen Hellsehers.

Und ich ziehe Heilpflanzen-Anwendungen vor, die nicht mit Fantasien über ahrimanische und luziferische Einflüsse kontaminiert sind.

Falls Sie an kooperativ erarbeitetem und „geisterfreiem“ Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Tamiflu®: Roche verheimlicht weiterhin Studiendaten

Die Chefredakteurin der medizinischen Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ), Fiona Godlee, hat in einer Mail den Roche-Vorstand dazu aufgerufen, die Studiendaten zum Grippemittel Oseltamivir (Tamiflu®) offenzulegen. Sie unterstützt damit die langjährige Forderung von Cochrane-Wissenschaftlern, Transparency International Deutschland und inzwischen auch Überwachungsbehörden nach mehr Transparenz.

Seit Jahren fordern Cochrane-Wissenschaftler um Tom Jefferson von Roche vor allem die Offenlegung von Daten aus acht klinischen Studien, die die Überlegenheit von Oseltamivir gegenüber Placebo gezeigt haben sollen. Aus Sicht des Pharmakonzerns haben die Cochrane-Autoren alle Daten, die sie brauchen, bekommen. Die Forscher werfen Roche hingegen vor, die Daten aus der Metaanalyse und weitere Daten gezielt zurückzuhalten.

Godlee schreibt in ihrer Mail, Tamiflu® sei ein enormer kommerzieller Erfolg für Roche. Öffentliche Gelder dafür seien in Milliardenhöhe ausgegeben worden und trotzdem bleibe der Beleg für die Wirksamkeit und Sicherheit bis heute verborgen.

Allerdings scheint es seitens Roche keine Bereitschaft zu geben, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Jedenfalls wartet die Chefredaktorin offenbar immer noch auf eine Antwort des Konzerns.

Quelle: http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2012/10/30/skeptiker-lassen-nicht-locker/8631.html

Kommentar & Ergänzung:

Tom Jefferson kritisierte schon im Dezember 2009, dass der Tamiflu-Hersteller Roche nicht alle Studiendaten veröffentlicht habe. Das birgt die Gefahr, dass Studienresultate falsch dargestellt und interpretiert werden können, dass sie also „geschönt“ werden. Auf ein Angebot von Roche – Zugang zu den Daten gegen Zusicherung  von Stillschweigen – ging die Cochrane Collaboration verständlicherweise nicht ein.

Und es kann nicht in der Entscheidungskompetenz von Roche liegen, ob die Cochrane-Forscher alle Daten haben, die sie brauchen. Vertrauen kann Roche nur gewinnen, wenn die Firma ohne wenn und aber alle Daten publiziert. Die Geheimniskrämerei nährt nur den Verdacht, dass Roche etwas zu verstecken hat.

Die Wissenschaftsgemeinschaft darf hier nicht locker lassen, sonst definieren Konzerne, was Wissenschaft ist. Die Unabhängigkeit der Wissenschaft von den Pharmakonzernen ist zu verteidigen und zu stärken.

Der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) formulierte sehr prägnant „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Trifft die Kritik von Tom Jefferson und nun auch von Fiona Godlee und vielen anderen Fachleuten und Fachgremien zu, dass Roche die Studiendaten zu Tamiflu nicht vollständig offengelegt hat und sich vollständiger Transparenz verweigert, so verabschiedet sich der Konzern an diesem Punkt aus dem wissenschaftlichen Prozess.

Konsequenterweise müsste dann Tamiflu zu jenen Bereichen der Komplementärmedizin gerechnet werden, die sich ebenfalls einer fundierten Überprüfung durch Doppelblind-Studien entziehen wollen – beispielsweise mit dem fragwürdigen Argument, „individuelle“ Therapien könnten nicht mit Doppelblind-Studien überprüft werden.

Allerdings wäre eine Umteilung von Tamiflu in den Bereich Komplementärmedizin auch nicht zielführend. Da Präparate aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin vom Wirksamkeitsnachweis durch Doppelblind-Studien schon zum vorneherein pauschal befreit sind, würde es die Diskussion, wie sie jetzt um Tamiflu geführt wird, so dann auch nicht mehr geben.

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Weleda-Gruppe in der Krise

Der angeschlagene Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller Weleda baut seine Unternehmensführung um. An einer außerordentlichen Generalversammlung am 23. März haben die Aktionäre einen neuen Verwaltungsrat gewählt.

Den Führungswechsel sollen die beiden Weleda-Hauptaktionäre, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Ita Wegman Klinik, veranlasst haben.

Die Neuwahl wurde laut Firmenangaben nötig, weil „die Weleda einen handlungsfähigen Verwaltungsrat braucht“.

An der Spitze des Verwaltungsrates steht nun der Wirtschaftswissenschaftler Paul Mackay, der seit 1996 dem Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft angehört.

Im vergangenen Jahr hatte Weleda einen Verlust von rund 10 Millionen Schweizer Franken (rund 8,3 Millionen Euro) eingefahren – mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2010, als der Verlust 3,8 Millionen Euro erreichte. Gleichzeitig sank der Umsatz 2011 auf 307 Millionen Euro und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert von 308 Millionen Euro. Weleda bewegt sich seit Jahren fast durchwegs in den roten Zahlen.

Auf diesem finanziellen Hintergrund kann der Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller für das Jahr 2012 aus dem Cash-flow seine Zinsverpflichtungen nicht erfüllen. Die Besitzer kämpfen um die Existenz des Unternehmens.

Zwar macht die Firma Währungseffekte durch den starken Schweizer Franken für das schlechte Resultat verantwortlich. Weleda krankt jedoch auch an schwerwiegenden Strukturproblemen.

Hauptsächlich die Pharmasparte, also die Heilmittelherstellung, ist defizitär.

Quellen:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/feuerwehrmann-fuer-weleda

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/weleda-kaempft-um-existenz?page=0,0#text

Kommentar & Ergänzung:

Weleda hält sich mit Naturkosmetik über Wasser, während die Herstellung von Antroposophika, also von Heilmitteln für die Anthroposophische Medizin, schwer in der Krise steckt.

Um die Bedürfnisse der Anthroposophischen Medizin zu decken, muss Weleda ein riesiges Sortiment von Heilmitteln bereitstellen, von denen viele nur wenig nachgefragt, aber aufwändig herzustellen sind. Darunter sind auch Präparate, die für Nichtanthroposophen reichlich skurril wirken wie Hirschgeweih (Cornu cervi D8), zerstossene Ameisen (z. B. Formica D15) oder das geröstete Skelett des Badeschwammes (Spongia tosta D6).

Den Erwartungen aus der Anthroposophischen Medizin gerecht zu werden und zugleich kommerziell erfolgreich zu sein oder zu mindestens schwarze Zahlen zu schreiben, ist wohl ein schwieriger Spagat.

Andererseits hat Weleda gegenüber Herstellern von synthetischen Medikamenten und von Phytopharmaka den grossen Vorteil,  dass Anthroposophika genauso wie Homöopathika via Grundversicherung  abgerechnet werden können, ohne dass sie ihre Wirksamkeit belegen müssen (wie es das Krankenversicherungsgesetz eigentlich verlangen würde).

Homöopathika und Anthroposophika sind vom Wirksamkeitsnachweis befreit, wodurch sich viel Forschungsaufwand einsparen lässt.

Ausserdem fallen bei den sehr grossen Verdünnungen vieler Weleda-Präparate kaum Materialkosten ins Gewicht.

Diese beiden Punkte müssten eigentlich die Kostenseite entlasten.

Weleda konnte sich bisher dank der Naturkosmetik-Sparte behaupten, die einen guten Ruf hat und die defizitäre Arzneimittel-Produktion wohl quersubventioniert. Doch der Naturkosmetik-Markt ist hart umkämpft. Und ausserdem kommt man in der Kosmetik rasch einmal in die Nähe von fragwürdigen Versprechungen, beispielsweise mit dem „Cellulite Programm“, mit welchem Weleda „Entschlackung“ verspricht.

Siehe dazu auch:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Komplementärmedizin: Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ als häufige Irrtumsquelle

Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.

Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.

Zu diesem Fehlschluss neigen wir häufig auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:

Ich leide an Krankheit Z

Ich nehme Präparat XY

Mir geht es besser

Schlussfolgerung: XY  ist wirksam gegen Krankheit Z

Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (besipielsweise Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).

Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:

Ich nehme Arzneimittel X

Ich bekomme Beschwerden Z

Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z

Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (beispielsweise andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen. Vor allem in der Komplementärmedizin hört man oft das Schlagwort „Wer heilt hat Recht!“. Dass die Realität nicht so simpel ist, dafür sorgt der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Wer heilt hat nämlich nur Recht, wenn das entsprechende Heilmittel tatsächlich für die Besserung oder Heilung verantwortlich ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Komplementärmedizin.

Es gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin etc.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein starkes Argument für das Bestreben, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.

Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.

Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.

Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….

zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.

So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, nach vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben. Suchen ist manchmal wichtiger als Finden.

Keine kritischen Fragen stellen und jede Behauptung und Heilungsversprechung unbesehen für bare Münze zu nehmen ist jedenfalls keine Alternative.

Entscheidend scheint mir dabei ein sorgfältiger Umgang mit dem Begriff „Erfahrung“.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie wieder in der Grundversicherung – was ändert?

Zusammen mit Methoden der Komplementärmedizin wie Homöopathie, Traditioneller Chinesischer Medizin und Anthroposophischer Medizin wird seit Jahresbeginn 2012 auch die Phytotherapie provisorisch wieder aus der Grundversicherung vergütet. Was ändert sich dadurch für Patientinnen und Patienten?

Für die Phytotherapie ist die vielleicht überraschende Antwort: Nichts.

Durch diese Änderung wird keine Patientin und kein Patient auch nur einen Franken sparen. Bisher lief es so: Der Arzt oder die Ärztin macht eine normale medizinische Diagnostik und rechnet diese auch so ab. Am Schluss wird beispielsweise entschieden, statt einem synthetischen Schlafmittel ein pflanzliches zu verordnen. Ist die Wirksamkeit dieses Pflanzenpräparates belegt, zahlt es die Grundversicherung. Das war bisher so und daran wird sich im neuen Jahr nichts ändern.

Im Vorfeld der Abstimmung vom Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurden von den Befürwortern irreführende Versprechungen gemacht wurden. Das rächt sich nun bei der konkreten Umsetzung und wird zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

Irreführend ist auch, dass die Phytotherapie in dieser politischen Diskussion zur Komplementärmedizin gerechnet wird. Phytotherapie gehört zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin. Fachlich gesehen gibt es kein plausibles Argument, Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen. Wenn die Politik dies trotzdem so handhabt, dann geht es dabei um Lobbying, um Einflussnahme, nicht aber um das Wohl der Patientinnen und Patienten.

Siehe auch:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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