Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gekürt

Der Weißdorn (Crataegus spec.) wird seit Generationen als Arzneipflanze zur Unterstützung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Wegen zahlreicher neuer Erkenntnisse zu den Wirkungen und der Bedeutung für die Pflanzenheilkunde wurde Weißdorn vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt.

 

Reichhaltige Kulturgeschichte des Weißdorns

Sagen und Mythen haben dem Weißdorn schon vor über 1.000 Jahren wundersame Fähigkeiten zugeschrieben. Dornröschen soll durch den Weißdorn in ihren hundertjährigen Schlaf gefallen sein.

Weißdorn galt jedoch auch als Zuhause der guten Feen und war der christlichen Zeit ein Zeichen für Hoffnung. Einer Legende nach soll selbst die Dornenkrone Jesu aus Weißdorn bestanden haben, woher wahrscheinlich die Assoziation mit Leben und Tod stammt.

Weißdorn beeindruckt aber nicht nur mit den zahkreichen Erwähnungen in der Sagenwelt, sondern auch durch die seit Jahrhunderten andauernde medizinische Anwendung und seine damit assoziierte Kraft. So wurden bereits in der Antike Weißdorn-Arten medizinisch genutzt, zum Beispiel gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung. Verschiedene nordamerikanische Stämme sollen schon die herzschützende Wirkung des Weissdorns gekannt und geschätzt haben. Erste Untersuchungen zur Heilkraft des Weißdorns wurden 1896 in den USA durchgeführt. Gerhard Madaus schreibt in seinem renommierten „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1938:

„Crataegus ist ein ausgezeichnetes Kardiakum [Herzmittel], das als fast unübertreffbar bei beginnender Myokardschwäche, namentlich im Alter und bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet werden kann.“

Ab den 1970er Jahren waren viele Anwendungen für Weißdornextrakt bekannt, wie beispielsweise bei Altersherz, Belastungsherz, Hochdruckherz mit und ohne Schwächeerscheinungen, leichtere Grade von Koronarinsuffizienz, Herzmuskelschwäche nach Infektionskrankheiten, Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkt (Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 1973). 1994 wurden dann auf der Grundlage vorliegender wissenschaftlicher Daten für Weißdornblätter mit Blüten von der für Arzneipflanzen zuständigen Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes das Anwendungsgebiet der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA festgelegt.

Weißdornextrakt als traditionelles Arzneimittel zugelassen

Die deutsche Zulassungsbehörde stufte Weissdornblätter mit Blüten im Jahr 2016 aufgrund der langjährigen Erfahrungen, der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffes als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Gründend auf langjähriger Erfahrung können Weißdornblätter mit Blüten auch bei zeitweilig auftretenden nervösen Herzbeschwerden (z. B. Herzklopfen, durch Ängste ausgelöste Extrasystolen) angewendet werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde. Befürwortet wird zudem der Einsatz bei leichten Symptomen von Stress und als Schlafhilfe. Auf Grund der bekannten Wirkungen könnte der Weißdornextrakt nicht nur bei funktionellen (nicht organisch bedingten) Herzbeschwerden, sondern gerade auch bei ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung einer Herzschwäche sinnvoll eingesetzt werden. Für die Herstellung von Arzneimitteln aus Weißdorn werden die Blätter zusammen mit den leuchtend-weißen Blüten der Weißdornsträucher oder -bäume verwendet. Sie enthalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie die oligomeren Procyanidine, die für die Wirkung zuständig sind. In Mitteleuropa sind mehrere Arten des Weißdorns heimisch, darunter auch der Eingriffelige Weissdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata(Poir.) DC), die beide zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) verwendet werden.

Vielfältige Wirkungen von Weißdorn auf Herz und Blutgefäße

Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie Weißdornextrakt die Herz- und Kreislauffunktion unterstützt. Die pflanzlichen Wirkstoffe wirken sich positiv auf die Pumpkraft des Herzens aus. Die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels wird erhöht, indem die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) angeregt und dessen Abbau gehemmt wird. Durch die Verbesserung der Kontraktionskraft des Herzens, die Verbesserung der Erregungsleitung und die Steigerung der Reizschwelle kann Weißdornextrakt zudem vor Herzrhythmusstörungen schützen. Ebenso kann der Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten die Blutgefäße elastisch halten und dadurch dem altersbedingten Verlust der Elastizität der Arterien entgegen wirken. Auch werden die krankheitsbedingten Störungen der Endothelfunktion (Endothel = Gefäßinnenwand der Blutgefäße) reduziert und der periphere Gefäßwiderstand vermindert. Es kommt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung tritt später ein. Durch aktuelle Untersuchungen liess sich zeigen, dass die Lebensqualität von Patienten unter Einnahme von Weißdornextrakt sich verbesserte und die körperliche Leistungsfähigkeit zunahm (Härtel et al., 2014).

Literatur

  1. Gündling PW: Weißdorn – neue Erkenntnisse zu einer alten Heilpflanze. Ein Multitalent für Herz und Kreislauf. EHK 2017; 66: 208-214.
  2. Härtel S, Kutzner C, Burkart M, Bös K: Einfluss von Training und Crataegus-Extrakt WS 1442 auf körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei leichter Herzinsuffizienz – eine randomisierte kontrollierte Studie. Z Phytother 2012 (Suppl 1): 17.
  3. Härtel S, Kutzner C, Westphal E et al.: Effects of endurance exercise training and Crataegus extract WS®_1442 in patients with heart failure with preserved ejection fraction – a randomized controlled trial. Sports 2014; 2(3): 59–75.
  4. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Vollständige (vierte) Neuausgabe, hersg. von P.H. List und L. Hörhammer, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, Bd. 4 1973: 330.
  5. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159075/2014. 5 April 2016.
  6. Holubarsch CJF, Colucci WS, Eha J: Benefit-risk assessment of Crataegus extract WS 1442: An evidence-based review. Am J Cardiovasc Drugs 2018; 18: 25-36.
  7. Madaus G: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Thieme-Verlag Leipzig 1938, S. 1119.
  8. Pittler MH, Guo R, Ernst E: Hawthorn extract for treating chronic heart failure. Cochrane Database Syst Rev. 2008; (1): CD005312.
  9. Wegener T. et al.: Stellenwert von Weißdornextrakt in der hausärztlichen Praxis – eine aktuelle Standortbestimmung. MMW-Fortschritte der Medizin 2018; 160 (54): 1-7.

    Foto: Copyright (iStock) – das Foto ist für die Aktion Weißdorn als Arzneipflanze des Jahres 2019 freigegeben.

Quelle:

Medienmitteilung Interdisziplinärer Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg.

 

Kommentar & Ergänzung:

Weissdorn ist die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie für das Herz.

Weissdorn ist gut verträglich und eignet sich für Langzeitanwendung.

Weissdorntee und Weissdornextrakt sollten mindestens über einen Zeitraum von 3 Monaten regelmässig angewandt werden.

Weissdorn ist vielfältig wissenschaftlich untersucht worden, wobei bei einigen dieser Forschungsergebnisse nicht so ganz klar ist, wie weit sie über die experimentelle Situation hinaus auch für Patienten in der Praxis klinisch relevant sind. Das drückt sich auch darin aus, dass die Zulassung nur als „traditionell“ (Kategorie „traditional use“) und nicht als wissenschaftlich belegt (Kategorie „well-established use“ = anerkannte medizinische Wirkung und akzeptierte Unbedenklichkeit) möglich wurde. Das ist etwas enttäuschen. Es ist aber immer schwierig, milde Wirkungen in einer Studie statistisch sicher zu belegen, nur schon, weil dazu grosse Probandenzahlen nötig sind.

Wie in der Medienmitteilung erwähnt, werden vom Weissdorn für die Herstellung pflanzlicher Arzneimitttel in der Regel die Blätter und Blüten gemischt verwendet. Die Weissdornfrüchte enthalten aber auch Wirkstoffe (oligomere Procyanidine und Flavonoide) und kommen gelegentlich auch in Präparaten zum Einsatz, zum Beispiel für Weissdorntinktur).

Weißdornfrüchte sind roh essbar, schmecken säuerlich-süß, sind jedoch sehr mehlig. Sie lassen sich zu Kompott oder Gelee verarbeitet und eignen sich dabei auch zum Mischen mit anderen Früchten, weil sie gut gelieren.

Weissdorn ist aber auch ein wertvoller Strauch oder Baum für die Tierwelt. Vögel fressen im Herbst sehr gerne die leuchtend roten Früchte, und für Insekten ist der Weissdorn eine wichtige Nahrungsquelle, zum Beispiel als Futterpflanze für 54 verschiedene Schmetterlingsraupen-Arten. Weissdorn eignet sich daher sehr gut als einheimischer Strauch in Hecken.

Zu beachten ist dabei aber, dass Weissdorn den Feuerbrand übertragen kann, eine gefährliche, durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzenkrankheit, die vor allem Kernobstgewächse befällt und sich seuchenartig schnell ausbreiten kann. Deshalb wird für die ganze Schweiz empfohlen, in definierten Schutzobjekten (Hochstammobstgärten, Baumschulen, Obstanlagen und andere definierte Objekte) in im Umkreis von 500 m darum herum auf das Anpflanzen von Weissdorn-Arten zu verzichten.

Dieser Empfehlung liegt ein Konses zugrunde zwischen schweizerischen Natur- und Vogelschutzverbänden, dem BAFU und dem Eidgenössischen und Kantonalen Pflanzenschutzdienst.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

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Kann man Vogelbeeren essen?

Der Vogelbeerbaum (Eberesche, Sorbus aucuparia) fällt im Herbst auf durch seine leuchtend orange-roten Früchte. Sie werden oft als giftig angesehen, was aber nicht richtig ist. Die Beeren sind roh wenig schmackhaft und enthalten Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können deshalb auch in größeren Mengen gegessen werden.

Durch die ersten Fröste wird die Parasorbinsäure ebenfalls zu Sorbinsäure abgebaut, wodurch die Früchte ihren bitteren Geschmack verlieren und leicht süßlich werden.

Es empfiehlt sich jedoch, die Beeren vor dem Verzehr zu kochen. Auf diese Art bekömmlich gemacht, sind sie vielseitig einsetzbar und schmecken als Konfitüre, Kompott, Sirup, Chuttney oder auch in Gebäck.

Vogelbeerschnaps hat in einigen Regionen Österreichs eine lange Tradition, so in Tirol, in der Region Salzburg und in der Steiermark. Beim Destillieren wird die Parasorbinsäure durch das Erhitzen vollständig abgebaut.

Sorbinsäure (E 200) wird übrigens als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet.

Im „keltischen Baumkreis“ (keltischen Baumhoroskop) gehört die Eberesche zu den Lebensbäumen. Allerdings ist der keltische Baumkreis eine freie Erfindung des keltischen Neopaganismus (siehe dazu Wikipedia) aus dem 20. Jahhundert und hat mit den Kelten nichts zu tun.

Die Eberesche ist eine gute Nahrungsquelle für Vögel, Insekten und Säugetiere. Die Früchte wurden früher zur Schweinemast verwendet, was zum Namen Eberesche geführt haben könnte (Eber = das männliche Schwein). Wahrscheinlicher kommt der Name aber davon, dass die Blätter der Eberesche denjenigen der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) ähneln, obwohl die beiden Pflanzenarten nicht verwandt sind.

Der Name Vogelbeeren stammt daher, dass die roten Beeren früher häufig als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.

Weitere Infos auch zur Bedeutung der Vogelbeeren für die Tierwelt hier:

Sind Vogelbeeren giftig?

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Minze und Pfefferminze – wo liegt der Unterschied?

Oft wird mit „Minze“ in erster Linie die bekannte „Pfefferminze“ gemeint. Ihr belebender, scharfer Geschmack erinnert ein wenig an Pfeffer. Wegen ihres hohen Gehalts an Menthol ist die Pfefferminze auch für die Heilkunde interessant.

Ein Glas Pfefferminztee kann lindernd auf Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten wirken. Für  die Zubereitung werden einige frische Blätter mit heißem Wasser übergossen. Anschließend abgedeckt etwa 6 bis 8 Minuten ziehen lassen und dann absieben.

Die Pfefferminze wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel für Kaugummis, Pralinen und Eis verwendet.

Sie trägt den botanischen Namen Mentha x piperita und soll natürlicherweise als Kreuzung zwischen Krauseminze (Grüne Minze) und Bachminze (Wasserminze) entstanden sein. Das x im botanischen Pflanzennamen ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kreuzung handelt.

Die Gattung Mentha (Minze) gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceen) und umfasst rund 30 unterschiedliche Arten und viele Kreuzungen. Die Minzen sind mehrjährigen, krautigen Pflanzen, können 20 bis 100 Zentimeter hoch werden und viele sind in Europa heimisch. Sie unterscheiden sich oft deutlich im Aussehen, aber auch im Geschmack.

Die Schärfe der Pfefferminze ist nicht jedermanns Geschmack, sodass sie zum Kochen und für kalte Getränke nur selten verwendet wird. Für diese Zwecke eignen sich andere Minzen besser.

Die Grüne Minze zum Beispiel wird gerne zum Würzen von Blattsalaten, Chutneys, Fleisch und Fisch genutzt.

Die Marokkanische Minze dient der Verfeinerung von Reis, Bulgur und sommerliche Cocktails, während die Schokominze speziell gut zu Süßspeisen passt. Obstsalate bekommen mit fruchtigen Minzen eine spezielle Note. Gibt man einen Stängel Erdbeerminze in eisgekühltes Mineralwasser, bekommt man ein erfrischendes Getränk.

Im Garten benötigt die Pfefferminze nur wenig Pflege, wenn der Boden humusreich und ausreichend feucht ist. Mentha piperita mag leicht schattige, jedoch warme Standorte unter Bäumen und vor Sträuchern. Allerdings kann sich die Pfeferminze rasch im ganzen Garten ausbreiten, da sie sich über unterirdische Ausläufer vermehrt. Im späten Frühjahr liefert sie die ersten aromatischen Blätter.

Der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist kurz vor der Blüte am höchsten. Die beste Zeit für die Ernte sollen die frühen Morgenstunden sein, da der Gehalt an ätherischem Öl bis zum Abend sinkt. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über dem Boden ab und hängt sie in Büscheln zum Trocknen auf. So kann das feine Minzaroma ganzjährig konserviert werden.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-20-vom-17-mai-2017-30212.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Von allen Minzenarten ist für die Phytotherapie die Pfefferminze mit Abstand am wichtigsten. Pfefferminzblätter enthalten etwa 0,5 – 4,0 % ätherisches Pfefferminzöl mit einem Anteil von 35 – 45 % Menthol. Menthol wirkt antimikrobiell, gallenflussfördernd und krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darmes. Ausserdem löst es auf der haut einen Kühleffekt aus, genauer die Empfindung von kühl.

Die Krauseminze (Mentha spicata) enthält etwa 0,8 – 2,5% ätherisches Öl, das sich in seiner Zusammensetzung prägnant von Pfefferminzöl unterscheidet. Es enthält als Hauptkomponente 40 – 80 % Carvon, ein Keton, das auch als charakteristischer Inhaltsstoff des ätherischen Kümmelöls bekannt ist. Mentha spicata verströmt einen Kaugummi-Geruch („Spearmint).

In der Heilkunde wird zudem die Ackerminze genutzt (Mentha arvensis). Ihr ätherisches Öl kommt unter Bezeichnungen wie Minzöl, Japanisches Minzöl oder Japanisches Heilpflanzenöl in den Handel und enthält  25 – 40 % Menthol.

Siehe dazu:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

In der Natur trifft man bei uns am häufigsten die Rossminze an (Mentha longifolia). Sie wächst bis zu 1 Meter hoch und braucht nassen stickstoffreichen Boden. Da sie unangenehm nach Petroleum riecht, eignet sie sich eher weniger zur Teezubereitung.

Die Wasserminze (Mentha aquatica) ist eine Sumpfpflanze und kommt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoff- und basenreichen Böden vor. Sie verströmt den charakteristischen Minzduft besonders intensiv, nur schon wenn man in der Natur auf ein Blatt tritt, kann man den Minzgeruch oft deutlich wahrnehmen. Die Pflanze duftet, auch ohne dass man die Blätter zerreibt. Zur Linderung von Magenbeschwerden und zur Steigerung der Gallenproduktion steht die Wasserminze der Pfefferminze kaum nach.

Auf Wikipedia findet sich der Hinweis:

„Die Wasserminze zählte neben dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem Eisenkraut (Verbena officinalis) zu den heiligen Kräutern der Druiden.“

Leider fehlt dort eine Quellenangabe. Zudem wurde uns von den Druiden selbst mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Als Grund dafür wird zumeist das von Gaius Iulius Caesar berichtete Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

(Quelle: Wikipedia)

Daher sind heute verbreitete Angaben zu Heilkräutern der Druiden oft willkürlich, widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen.

Zur Gattung der Minzen siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Zur Pfefferminze in der Phytotherapie:

Pfefferminztee bei Verdauungsbeschwerden

Pfefferminzöl bewährt sich bei Spannungskopfschmerzen:

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl wirkt als magenresistente Kapsel verabreicht krampflindernd bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile):

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom schmerzlindernd

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterwanderungen im Berner Oberland 2019

Möchten Sie Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in faszinierenden Berglandschaften kennenlernen?

Soeben sind die Daten für die Kräuterwanderwochen im Berner Oberland für den Sommer 2019 publiziert worden:

30. Juni – 5. Juli 2019: Kräuterwanderungen an der Lenk im Simmental.

7. – 12. Juli 2019: Kräuterwanderungen in Mürren im Lauterbrunnental.

Die Lenk liegt am Fusse des Wildstrubels. Die überaus eindrückliche Landschaft mit ihren Bergwäldern, Blumenwiesen, Gletschern, Bergseen und Wasserfällen ist erlebnisreich und für botanische Bergwanderungen perfekt. Hier leite ich Kräuterwanderungen seit 1986. Wir wandern zur Simmenquelle „Siebebrünne“, zu den imposanten Simmenfällen, zu Iffigsee und Iffigfall, durch die einmalige Kraterlandschaft „Gryden“ und zu den Alpenblumen und Arven auf dem Hohberg.

Hier finden Sie eine Bildergalerie mit 178 Fotos von Landschaften, Heilpflanzen, Wildkräutern und Alpenblumen aus den Kräuterwanderungen an der Lenk.

Der autofreie Kurort Mürren (1650 m ü. M.) liegt auf einer grossen Sonnenterrasse über dem reizvollen Lauterbrunnental und gegenüber Eiger, Mönch und Jungfrau. Gletscher und Wasserfälle prägen diese eindrückliche Berglandschaft. Vorgesehen sind u. a. Kräuterwanderungen ins hintere Lauterbrunnental – ein Naturschutzgebiet nationaler Bedeutung – und in die Schilthornregion. 59 Fotos der Pflanzen und Landschaften im Lauterbrunnental finden Sie in der Bildergalerie (hier).

Wenn Sie also Lust auf Aktivferien in der Natur mit Bergwanderungen haben, dann melden Sie sich für die Kräuterwanderungen in Lenk oder Mürren an.

Hier finden Sie die Detailausschreibungen und die Anmeldemöglichkeit für die Kräuterwanderungen im Berner Oberland:

Kräuterwanderungen Lenk im Simmental

Kräuterwanderungen Mürren im Lauterbrunnental

Fettkraut als biologische Fruchtfliegen-Falle?

Fruchtfliegen sind insbesondere im Sommerhalbjahr oft eine Plage. Der Tages-Anzeiger hat dazu einen ausführlichen Artikel veröffentlicht und darin auch einen interessanten Hinweis für eine pflanzliche Bekämpfungsmöglichkeit aufgeführt:

„Rein biologisch geht es aber auch. Die Fleisch fressende Pflanze Fettkraut dezimiert die Plagegeister effektiv.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/so-werden-sie-fruchtfliegen-los/story/27444850

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee.

Aus diesem aktuellen Anlass ein paar Inputs zur Gattung der Fettkräuter und zu ihrem Insektenfressertum.

Die Gattung Fettkraut ( = Fettblatt, Pinguicula) ist bei uns vor allem in den Bergregionen nicht selten anzutreffen. Jedenfalls sind diese Insektenfresser verbreiteter als die ebenfalls insektenfressenden Drosera-Arten (Sonnentau), die insbesondere in Hochmooren vorkommen.n

Die dem Boden aufliegenden Blätter der Fettkräuter scheiden ein Fangsekret aus, das ihnen einen fettigen Glanz verleiht und Insekten anlockt. Gerät ein Insekt auf ein solches Blatt, scheidet die Blattoberfläche einen enzymhaltigen Verdauungssaft aus. Er enthält die Enzyme Amylase, Esterase, Phosphatase, Protease und Ribonuklease, kann also unter anderem Stärke und Eiweisse verdauen. Die Blätter können sich über einem gefangenen Insekt einrollen, doch ist diese Bewegung sehr langsam. Auf der Blattoberfläche können sich rund um die Beute auch kleine Vertiefungen bilden, in denen sich dann Verdauungssäfte sammeln. Das erleichtet die Zersetzung der Beute.

Die Fettblätter bzw. Fettkräuter können neben kleinen Insekten auch Pollen verwerten, der auf die Blätter geweht wird. Blütenpollen ist sehr proteinreich. Beim Gemeinen Fettblatt (Pinguicula vulgaris) können über 50% des aufgenommenen Proteins aus Pollen stammen.

Die Gattung Fettblatt (Pinguicula) gehört zur Pflanzenfamilie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae) und umfasst etwa 85 Arten. Vier davon kommen in der Schweiz vor.

Am verbreitetsten ist das Gemeine Fettblatt (= Gemeines Fettkraut, Pinguicula vulgaris) mit seinen schönen, blauen Blüten.

Hier geht’s zu einem schönen Foto der Pflanze in meiner Bildergalerie:

Gemeines Fettblatt (Pinguicula vulgaris)

Bei meinen Kräuterwanderungen in den Bergregionen ist das Fettblatt immer wieder mal anzutreffen. Es kommt aber auch in tieferen Lagen vor. Wir finden es zum Beispiel oft auf der Kräuterwanderung zum Sihlsprung im Sihltal.

In Bergregionen kommt das Alpen-Fettblatt (Pinguicula alpina) ziemlich häufig vor. Seine hübschen Blüten sind weiss-gelb (Siehe Foto).

Dann gibt es noch hauptsächlich in Graubünden und im Wallis das sehr schöne Dünnspornige Fettblatt (Dünnsporn-Fettkraut, Pinguicula leptoceras), zu sehen auf den Kräuterwanderungen im Valsertal. Foto auf Wikipedia hier:

Das sehr seltene Grossblütige Fettblatt ( Pinguicula grandiflora) habe ich noch nie angetroffen.

Soviel also zu den Fettblättern.

Ob sie wirklich effizient sind gegen Fruchtfliegen, kann ich nicht beurteilen. Wer es versuchen will, dem würde ich aber empfehlen, sich eine Pinguicula-Art aus der Gärtnerei zu besorgen. Ob unsere einheimischen, wilden Fettblatt-Arten sich als „Hauspflanze“ eignen, scheint mir nicht so sicher.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gefängnis-Experiment: Naturfilme reduzieren Aggressionen

Naturaufnahmen wirken offenbar beruhigend auf Gefängnisinsassen.

Das legt das Resultat eines Experiments von Psychologen und Therapeuten in den USA nahe. Sie hatten für Häftlinge in Einzelhaft im Fitnessraum einen Bildschirm an die Wand montiert, auf dem ein Jahr lang Naturvideos mit Aufnahmen von Bergseen, Wüsten oder Regenwäldern liefen. Diese Bilder konnten sich die Häftlinge anschauen, während sie vier bis fünf mal die Woche ihr Fitnessprogramm absolvierten.

Die Insassen sagten hinterher, dass die Videos beruhigend auf sie wirkten – und das auch noch Stunden nach dem Sport. Manche berichteten, dass die Erinnerung an die Naturbilder ihnen auch helfe, sich in kritischen Situationen wieder zu beruhigen. Auch die Wärter stellten fest, dass die Naturfilme sich positiv ausgewirkt haben. Im Schnitt habe es ein Viertel weniger Tätlichkeiten von Häftlingen gegeben, die an dem Programm teilnahmen.

Quelle:

http://www.deutschlandfunk.de/gefaengnis-experiment-naturfilme-gegen-aggressionen.2850.de.html?drn:news_id=787273

https://www.eurekalert.org/pub_releases/2017-09/uou-nic082817.php

 

Kommentar & Ergänzung:

Nun ja, sehr überraschend scheint mir dieses Ergebnis eigentlich nicht. Und ich bin sicher, das klappt auch ausserhalb des Gefängnisses – und am besten in der realen Natur…….

Wie wärs mit einer Kräuterwanderung….?

Bewegung in der Natur ist gut für Stressabbau und Burn-out-Prävention. Das sag ich ganz ohne Studien.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Farne, Moose, Flechten von Christian Kainz, Bernhard Marbach

Farne-Moose-FlechtenVerlagsbeschreibung

Viele Farne, Moose & Flechten sind natürliche Anzeiger für Schadstoffe. Ebenso weisen sie etliche Verbindungen zu unserer Kulturgeschichte auf oder haben gar magische Bedeutung. Dennoch sind die Arten eher unscheinbar. Allen Naturfreunden, die sich mehr mit diesen häufig Schatten liebenden Gewächsen beschäftigen wollen, gibt der Band Farne, Moose & Flechten die Möglichkeit dazu. Darin haben die Biologen Bernhard Marbach und Christian Kainz die häufigsten und auffälligsten Arten zusammengestellt. Bei näherer Betrachtung eröffnet sich dabei eine verblüffende Formenvielfalt. Das praktische Format des Führers ist ideal, um selbst auf Erkundungstour zu gehen. Neben einer detaillierten Beschreibung samt Vorkommen und Besonderheiten machen über 100 brillante Farbfotos und zahlreiche Grafiken die Bestimmung kinderleicht. Verständlich und kompetent werden zahlreiche Themen behandelt, etwa Fortpflanzung und die dazugehörigen Stadien sowie Verwendung der Pflanzen im täglichen Leben. Ob verarbeitet in Kosmetik oder Medizin, als Anzeiger für das Alter von Bauwerken oder den Zustand ihrer Umwelt sind sie von Nutzen. Viel Wissenswertes über diese unauffälligen Gewächse findet sich nachvollziehbar beschrieben in Farne, Moose & Flechten. Zum Shop

 

Kommentar

Moose, Farne und Flechten fallen nicht so auf wie Blütenpflanzen. Sie müssen für ihre Fortpflanzung nicht von Insekten wahrgenommen und gefunden werden. Unscheinbarkeit ist für sie kein Nachteil.  Wer sich aber intensiver mit Moosen, Farnen und Flechten befasst, entdeckt ihre Schönheit. Ein grosser Teil der Moose, Farne und Flechten ist nur von Spezialisten bestimmbar, doch gibt es auch in paar einfacher erkennbare Arten, zum Beispiel Isländisches Moos, Rentierflechte, Wolfsflechte, Adlerfarn.

Als Anfängerin oder Anfänger sollte man also nicht den Anspruch haben, mit diesem Bestimmungsbuch in kurzer Zeit die Moose, Farne und Flechten botanisch im Griff zu haben. Dieses schöne Werk bietet aber einen sehr ansprechenden Einblick in die Vielfalt der Moose, Farne und Flechten. Ein empfehlenswerter Begleiter auf Naturexkursionen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde in Winterthur (Schweiz)

 

[Buchtipp] Ulmer Naturführer Orchideen Europas, von Helmut Baumann, Siegfried Künkele und Richard Lorenz

Orchideen-EuropasVerlagsbeschreibung

Unentbehrlich für jeden Orchideen-Liebhaber.
– umfassend: über 450 Arten und Unterarten wild wachsender Orchideen in Europa und angrenzenden Gebieten
– brillant: über 600 meisterhafte Farbfotos
– nützlich: präzise Artbeschreibungen, umfangreiche Informationen
Faszinierend ist die Vielfalt der wild wachsenden Orchideen, die in zahlreichen Arten und Unterarten vorkommen. Dieser umfassende Naturführer stellt 454 Arten und Unterarten Europas und der angrenzenden Gebiete von den Azoren bis Iran und Nordafrika bis Grönland in Wort und Bild vor. Das Buch enthält – komplett und völlig neu bearbeitet – präzise Artbeschreibungen sowie Angaben zu Synonymen, Blütezeit, Variabilität, Verwechslungsmöglichkeiten, Vorkommen, Areal und Gefährdung.
Meisterhafte Farbfotos zeigen die Arten im natürlichen Lebensraum. Ein unentbehrliches Werk für jeden Botaniker, Hobby-Botaniker,Orchideen- und Pflanzenfreund. Zum Shop

 

Kommentar

Dass es bei uns wild wachsende Orchideen gibt, ist nicht allen Menschen bekannt. Orchideen verbinden manche nur mit dem Blumengeschäft. Viele unserer einheimischen Orchideen stehen aber den Zuchtformen in der Schönheit von Formen und Farben kaum nach. Daneben gibt es allerdings auch sehr unscheinbare Orchideenarten (zum Beispiel die Zwerg-Orchis).

Dieses umfassende und brilliante Buch wird aber Anfängerinnen und Anfänger mit seiner Vielfalt möglicherweise überfordern.

Für den Anfang würde ich ein Buch vorziehen, das sich auf die Orchideen der Schweiz beschränkt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen.

Weissdornbeeren für Sirup und Kompott

Wenn der Herbst ins Land zieht, leuchten die Früchte des Weissdorns rot in den Hecken. Dass die Beeren essbar sind, ist nur wenigen bekannt. Roh hat das Fruchtfleisch allerdings eine mehlige Konsistenz. Erst nach der Verarbeitung zu Kompott, Gelee, Saft, Sirup oder Chutney entfalten die Früchte ein angenehm süß-säuerliches Aroma. Sie lassen sich auch gut mit anderem Obst wie Äpfeln, Quitten und Holunderbeeren kombinieren. Ein Mus aus Weißdornbeeren kann als Brotbelag verwendet werden und gibt Müsli, Joghurt und Quark einen speziellen Geschmack. Dafür werden die Weissdornfrüchte in etwas Wasser für acht bis zehn Minuten weichgekocht, danach abgegossen und durch ein Sieb gestrichen. Wer es gerne süsser hat, kann einen Teelöffel Agavensirup oder Honig beigeben.

Auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde ist der Weissdorn bekannt. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl den Weißdorn als Heilpflanze für Herz und Kreislauf. Bei Bluthochdruck und Schwindel soll ein Weissdorntee aus den getrockneten Blüten und Blättern helfen. Die Früchte enthalten unter anderem viel Vitamin C und Provitamin A sowie den Ballaststoff Pektin.

Weissdornfrüchte reifen zwischen August und Oktober. Beim Pflücken sollte man Vorsicht walten lassen und Handschuhe tragen, da Weißdorn sehr dicht wächst und mit zahlreichen Dornen bestückt ist. Ausserdem können die roten Beeren unschöne Flecken auf Textilien hinterlassen. Vor der Zubereitung werden die Weissdornfrüchte vom Stiel abgezogen und vor der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen. Ein paar Früchte sollten jedoch am Strauch bleiben, da sie über 30 verschiedenen Vogelarten als Nahrung dienen. Auch für zahlreiche Insektenarten und kleine Säugetiere ist der Weißdornstrauch eine gute Lebensgrundlage.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/weissdorn-30849.html

 

Kommentar & Ernährung:

Erfreulich, dass das „Bundeszentrum für Ernährung“ (BzfE) die Weissdornfrüchte als Nahrungsmittel vorstellt.

Die Phytotherapie verwendet meistens Weissdornblüten und Weissdornblätter als Weissdorntee, Weissdorntinktur oder Weissdornextrakt.

Weissdornfrüchte (genauer: Scheinfrüchte) werden selten eingesetzt, kaum als Tee, manchmal aber als Tinktur.

Die Weissdornfrüchte enthalten wie Blüten und Blätter die typischen Wirkstoffe des Weissdorns – Flavonoide und oligomere Poranthocyanidine – allerdings tendenziell in geringerer Konzentration. Gemäss den Standardwerken „Biogene Arzneimittel“ und „Teedrogen und Phytophamaka“ nimmt der Wirkstoffgehalt der Weissdornfrüchte mit zunehmender Reife ab.

Das dürfte die Wirksamkeit der Früchte einschränken, zumal Weissdorn über längere Zeit in recht hohen Dosierungen engenommen werden muss.

Diese nötige hohe Zufuhr an Wirkstoffen kann bei Weissdorntee und Weissdornextrakt aus Blüten und Blättern erreicht werden, kaum jedoch mit Weissdorntinktur.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Bei Sirup oder Kompott aus Weissdornfrüchten müsste man wohl unrealistisch hohe Dosen täglich über lange Zeiträume einnehmen, um eine relevante Wirkstoffzufuhr zu erzielen. Als Heilmittel für Herz & Kreislauf sind Weissdornkompott und Weissdornsirup sehr fraglich, vor allem auch, weil dazu reife Früchte verwendet werden.

Zurecht weißt der Beitrag der BzfE auf die hohe Bedeutung des Weissdornstrauch als Nahrung für Vögel hin. Weissdorn ist bezüglich des Nutzens für die Tierwelt einer der besten einheimischen Sträucher.

Heikel ist allerdings, dass Weissdorn zu den Wirtspflanzen des Feuerbrands gehört, einer gefählichen Pflanzenkrankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird und vor allem Kernobst befällt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Kräuterwanderungen Feldis (Graubünden): Bildergalerie ausgebaut

Wir haben die Bildergalerie der Kräuterwanderungen in Feldis (Graubünden) ausgebaut auf zurzeit 115 Fotos von Heilpflanzen, Wildkräuter, Alpenblumen und Berglandschaften.

In Feldis führe ich schon seit etwa 25 Jahren Kräuterwanderungen durch – Tagesseminare, Wochenendkurse und Exkursionen mit den Lehrgängen der Phytotherapie-Ausbildung und des Heilpflanzen-Seminars.

Das kleine Bergdorf Feldis liegt auf einer Sonnenterrasse hoch über dem Domleschg und ist umgeben von eindrücklich vielfältigen und farbenreichen Blumenwiesen.

Hier finden Sie die Bildergalerie Kräuterwanderungen Feldis.

Für den Sommer 2018 ist ein Wochenendkurs in Feldis geplant vom 15. – 17. Juni.

Die Kursausschreibung finden Sie hier:

Kräuterwanderungen Feldis (Graubünden)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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