Rüdiger Safranski: Kulturelles Immunsystem

Rüdiger Safranski hat eine Biografie über Goethe vorgelegt. Im „Tages-Anzeiger“ interviewt Guido Kalberer den Autor.

Hier ein Abschnitt aus dem Interview, der mich besonders angesprochen hat:

„Ich sehe Goethe als einen grossen Immunologen. Er hatte schon damals etwas begriffen, was heute besonders wichtig ist. Hätte unser Körper kein Immunsystem, würden wir kollabieren. Als Kulturwesen brauchen wir etwas Ähnliches, eine Art kulturelles Immunsystem: Man muss wissen, was man in sich hineinlässt und was draussen bleiben soll: Was kann ich produktiv in mein Leben integrieren? Und wozu sollte ich auf Distanz gehen und mich nicht unter das vermeintliche Ideal der vollständigen Information und des Teilnehmens an allem und jedem stellen? Dieses Bewusstsein hatte Goethe in hohem Mass. Sein Ausdruck und Anspruch war: Die Sache, um die es geht, muss mich fördern! Da die Lebenszeit beschränkt ist, ist es wichtig, herauszufinden, was einen weiterbringt. Bloss keine Zeit verschwenden mit den Kritikern! «Widersacher kommen nicht in Betracht», pflegte er zu sagen.“

Quelle und vollständiges Interview:

http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Grosse-Kunst-hat-stets-etwas-Triviales/story/19176264

Kommentar & Ergänzung:

Genau. Heute wichtiger denn je:

„Was kann ich produktiv in mein Leben integrieren? Und wozu sollte ich auf Distanz gehen und mich nicht unter das vermeintliche Ideal der vollständigen Information und des Teilnehmens an allem und jedem stellen?“

Einzig den Punkt mit den Kritikern würde ich etwas differenzierter handhaben wollen. Hier kommt es auf die Qualität der Kritik an. Qualitativ gute Kritik kann uns weiterbringen und es wäre eine verpasste Chance, sie zu negieren. Qualitativ schwache Kritik braucht uns aber tatsächlich nicht gross zu kümmern. Nur: Wie erkenne ich denn, was qualitativ gute oder qualitativ schlechte Kritik ist?

Dazu muss ich mich mit Kritik halt doch zu mindestens ein Stück weit auseinandersetzen.

Rüdiger Safranski ist einer meiner philosophischen Lieblingsautoren. Ich schätze an ihm, dass er philosophische Themen spannend und gut verständlich darstellen kann, ohne oberflächlich zu werden. Bisher habe ich beim Lesen seiner Bücher immer die Erfahrung gemacht, dass ich mit ihnen für mein Leben etwas anfangen kann.

Rüdiger Safranski: „Goethe – Kunstwerk des Lebens“, Hanser, 748 Seiten, ISBN 978-3-446-23581-6, CHF 41.90

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