Migros: Fragwürdige Geschäfte mit Sanactiv Teufelskrallen-Gel

Der Grossverteiler Migros baut sein Sortiment mit Heilmitteln (Liste E), Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika auf der Basis von Heilpflanzen kontinuierlich aus.

Migros entdeckt die Heilpflanzen – darüber könnte man sich möglicherweise sogar freuen.

Aber: Verkauf geht dabei offensichtlich vor Wirksamkeit.

Ein Beispiel dafür ist der Sanactiv Teufelskrallen-Gel.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Heilpflanze, deren Wirksamkeit gegen Gelenkbeschwerden bei Rheuma bzw. Arthrose und gegen Rückenschmerzen in den letzen Jahren zunehmend belegt werden konnte. Allerdings ging und geht es dabei immer um innerliche Anwendung als Teufelskrallentee, Teufelskrallentinktur und Teufelskrallenextrakt.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nur für Teufelskrallenextrakte.

Der ganze Ruf der Teufelskralle als Rheumamittel basiert also auf der Einnahme via Verdauungstrakt.

Nun kommt die Migros und verkauft Teufelskrallen-Gel zum Einreiben.

Es gibt aber keine seriösen Hinweise darauf, dass die Teufelskrallen-Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden. Die Wirkstoffe sind wasserlöslich und zudem als Molekül relativ gross , was eine Aufnahme durch die Haut praktisch ausschliesst.

Der Ruf der Teufelskralle – basierend auf innerlicher Anwendung – wird hier einfach frech ausgenutzt und auf den Teufelskrallen-Gel übertragen. Die Kundinnen und Kunden lesen Teufelskralle und assoziieren Rheuma – und schon läuft das Geschäft.

Der Teufelskrallen-Gel enthält neben Teufelskrallenextrakt Menthol, Rosmarinöl,  Eukalyptusöl und Wintergrünöl (aus Gaultheria procumbens). Mag sein, dass diese Inhaltsstoffe noch ein wenig durchblutungsfördernd wirken. Das mit der Teufelskralle aber ist ein Marketing-Schachzug, mit dem die Migros Kundinnen und Kunden fängt.

Viele Apotheken und Drogerien sind allerdings nicht besser – sie verkaufen Teufelskrallen-Gel von Alpinamed.

Die Migros wiederum verkauft auch noch „Kneipp Badeöl Teufelskralle“.

Auch hier erscheint es als ausgeschlossen, dass die Teufelskralle als Badezusatz  wirksam wird.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) würde sich zudem wundern über dieses Teufelskrallen-Badeöl, das von der Migros unter seinem Namen verkauft wird. Die Teufelskralle ist in der Wüste Kalahari (Südafrika und Namibia) zuhause. Erst 1904 wurde in Namibia der ehemalige Soldat und spätere Farmer G. H. Mehnert von der einheimischen Bevölkerung auf die Teufelskralle und ihre Heilwirkungen aufmerksam gemacht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Heilpflanze dann auch in Europa eingeführt. Sebastian Kneipp kann die Teufelskralle also gar nicht gekannt haben.

Diese Produkte sind keine Ausnahme. Bei der Mehrzahl der Präparate, die als Naturheilmittel angepriesen werden – mit Schlagworten wie „natürlich“ oder „rein pflanzlich“ – handelt es sich schlichtweg um Fake. Der Verweis auf pflanzliche Inhaltsstoffe dient nur dem Verkauf. Eine Wirkung ist von diesen Pflanzenstoffen nicht zu erwarten – wegen unsinniger Zusammensetzung oder ungenügender Dosierung.

Versprechungen top, Wirkungen flop. Das gilt vor allem für Produkte aus dem Internethandel, aber auch für Supermärkte, Apotheken und Drogerien.

Nur eine Minderheit der pflanzlichen Naturheilmittel sind wirksam und die Werbung verschleiert die Unterschiede.

Der Markt der Naturheilmittel und Komplementärtherapeutika ist vollkommen intransparent, was Qualität und Wirksamkeit angeht.

Wenn Sie lernen wollen, wie sich die Spreu vom Weizen trennen lässt, dann empfehle ich Ihnen die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar.

Man muss einiges wissen, damit man sich eine eigene fundierte Meinung bilden kann, und nicht alles glauben muss. Was die Werbung oder irgendwelche Experten verkünden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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