Mythos vom gesunden Rotwein bröckelt

Neuseeländische Forscher testen die lebensverlängernde Wirkung von Rotwein und kommen zu einem ernüchternden Resultat.

Ein Glas Rotwein am Tag verlängert das Leben – diese weit verbreitete Annahme ist keinesfalls sicher belegt, schreiben Forscher in einer aktuellen Studie. Zwar kann bei niederen Lebewesen wie Hefen und Fadenwürmern eine lebensverlängernde Wirkung von Resveratrol, dem entscheidenden Stoff in den Weintrauben, eindeutig belegt werden. Aber bereits bei Fruchtfliegen, Zahnkärpflingen und Mäusen sind die Forschungsresultate sehr unterschiedlich. In ihrem Artikel in den „Biology Letters“ der britischen Royal Society kommen die Forscher um Katie Hector von der University of Otago in Dunedin (Neuseeland) zu dem Schluss, dass es nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht angemessen sei, Resveratrol als lebensverlängerndes Mittel für Menschen zu propagieren.

Resveratrol ist eine Substanz mit vielseitiger günstiger Wirkung auf die Gesundheit: In Tierversuchen wurden eine sinkende Rate an Neuerkrankungen bei Krebs, Herzerkrankungen, metabolischem Syndrom und degenerativen Nervenkrankheiten durch die Verabreichung von Resveratrol belegt. Die Studien mit menschlichen Versuchspersonen stehen jedoch nach Aussage von Katie Hector und ihren Kollegen noch ganz am Anfang.

Die Forscher werteten 19 Studien zum Einfluss von Resveratrol auf verschiedene Lebewesen aus. Aus Gründen der Vergleichbarkeit konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die am häufigsten in den Untersuchungen verwendeten Lebewesen: Bierhefe, Fadenwurm, Türkiser Prachtgrundkärpfling (ein Barschverwandter), Fruchtfliege, Mexikanische Fruchtfliege, Maus. Dabei fanden sie heraus, dass bei den Lebewesen mit asexueller Fortpflanzung, Hefen und Nematoden, am zuverlässigsten die lebensverlängernde Wirkung des Resveratrols gezeigt werden konnte. Bei den anderen Tieren war nur dann eine eindeutige Wirkung feststellbar, wenn sie und ihre Vergleichsgruppe auf eine einschränkende Diät gesetzt wurden.

Am widersprüchlichsten waren die Resultate zum Prachtgrundkärpfling. Dieser Fisch wird wegen seiner kurzen Lebensspanne gerne für Experimente benutzt. Katie Hector und ihr Team zitieren eine Untersuchung, bei der eine Lebensverlängerung um 500 Prozent nach der Gabe von Resveratrol gefunden wurde. Andere Studien kamen aber auf sehr viel tiefere Werte.

Quelle:

n-tv.de, dpa

http://www.n-tv.de/wissen/Mythos-vom-Rotwein-entzaubert-article6539946.html

Kommentar & Ergänzung:

Resveratrol wurde und wird nicht zuletzt auch als Anti-Aging-Mittel verkauft, was allein schon ein fragwürdiges Unterfangen ist.

Und wieder einmal preschen Marketing und Verkauf mit aller Kraft voraus, obwohl der Wissensstand bezüglich den Wirkungen noch sehr ungesichert ist.

Man kann nicht genug betonen, dass Laborexperimente an isolierten Zellen oder an Fruchtfliegen und Nematoden noch herzlich wenig über einen allfälligen Nutzen für Menschen aussagen.

Resveratrol wird als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet. Darum muss für solche Produkte kein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden. Es spricht viel dafür, dass man sich das Geld für solche Produkte sparen kann.

Dann schon lieber gelegentlich ein Glas Rotwein, das immerhin auch ein Genuss sein kann.

Und vielleicht sollte man ja auch die Wirkung von Rotwein nicht einzig an Resveratrol aufhängen.

Siehe auch:

Zur Bioverfügbarkeit von Resveratrol

Resveratrol aus Weintrauben als Diabetes-Mittel?

Resveratrol aus Rotwein als Entzündungshemmer

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.