Vietnam gegen Geschäft mit Bärengalle

Für die Bären ist die Entnahme von Gallenflüssigkeit eine Qual. In zahlreichen asiatischen Ländern gilt dieser Saft jedoch als Heilmittel. Vietnam will den Bärengallen-Tourismus nun beenden. Doch der Handel mit dem Bärengallen-Extrakt floriert.

Vietnam verstärkt den Druck im Kampf gegen das grausame Geschäft mit der Bärengalle. Die Flüssigkeit wird den Bären entnommen und schon seit mehr als 3000 Jahren in der chinesischen Medizin eingesetzt. Sie soll hauptsächlich gegen Leberkrankheiten helfen.

Das Nationale Amt für Tourismus hat nun Leitlinien veröffentlicht, wonach Reiseunternehmen ihre Lizenz verlieren könnten, falls sie „Bärengallen-Ausflüge“ anbieten. Die Welttierschutzgesellschaft (WSPA) begrüßt dieses Vorhaben – ein Ende des lukrativen Geschäfts ist  aber wohl noch nicht in Sicht. „Es bringt Profit“, erklärte Nguyen Manh Cuong vom vietnamesischen Tourismus-Amt.

Als „Hot Spot“ für die Bärengallen-Reisen gilt nach Auskunft der WSPA die vietnamesische Urlaubshochburg Ha Long. Pauschaltouristen – hauptsächlich aus Südkorea – bekommen bei entsprechender Buchung die Live-Entnahme von Galle geboten. Darüber hinaus können sie die Flüssigkeit kaufen und illegal in ihr Heimatland einführen. Ein Milliliter lässt sich in manchen Regionen bereits für einen Dollar kaufen.

Die Entnahme der Gallenflüssigkeit ist für die Bären schmerzhaft und ihre Käfige sind oft nicht größer als Telefonzellen. Bis zu dreimal pro Tag wird ihnen laut WSPA der Saft abgezapft – aus einer Wunde, die man häufig nicht verheilen lässt. Die Tiere leiden daraufhin oft an schweren Infektionen. In zahlreichen Fällen verenden sie.

WSPA-Projektleiter Dave Eastham begrüßt, dass Vietnam härter gegen die Reiseunternehmen durchgreifen will. „Das sind fantastische Neuigkeiten“, erklärte er. „Vietnam ist bislang das einzige Land, das dieser Unsitte ein Ende setzen will.“ Und er weißt darauf hin, dass Bärenfarmen in Südkorea und China weiterhin legal seien. Mehr als 12.000 Bären befinden sich nach Angaben der WSPA in asiatischen Farmen in Gefangenschaft.

Vietnam hat sich schon 2005 zu einer schrittweisen Abschaffung dieser Einrichtungen entschlossen. Auf Initiative des Ministeriums für Landwirtschaft wurden etwa 4000 in Gefangenschaft lebenden Bären Mikrochips eingepflanzt, um ihren Bestand zu kontrollieren. Dennoch durften die Farmer ihre Bären als Touristenattraktion behalten. 2009 wurde schließlich eine Gesetzesnovelle auf den Weg gebracht, die das Halten geschützter Arten zu kommerziellen Zwecken untersagt. Immer wieder entdecken Tierschützer jedoch illegale Farmen.

Und auch der illegale internationale Handel mit Bärengalle floriert in Asien. Das sei verheerend für die bedrohten asiatischen Schwarzbären und Malaienbären, erklärte jüngst die Organisation Traffic, die gegen den Schmuggel von Tieren und ihren Produkten kämpft. Über 50 Prozent der Geschäfte mit traditionellen Heilmitteln in China, Hongkong, Malaysia, Birma und Vietnam führen nach Traffic-Angaben Bärengallensaft im Sortiment.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Vietnam-greift-durch-article3311976.html

Kommentar & Ergänzung:

Bärengalle gehört zur ursprünglichen traditionellen chinesischen Medizin. Man muss sich klarmachen, dass die Traditionelle Chinesische Medizin, wie wir sie im Westen kennen, ein ziemlich junges Exportprodukt ist, das auf westliche Bedürfnisse hin zugeschnitten wurde. Die originale chinesische Medizin  hat beispielsweise auch über zwei Jahrtausende ein sehr kriegerisches Vokabular verwendet, das im Exportprodukt TCM fehlt, in China aber durchaus noch im Gebrauch ist.

Ich bin selber oft in China unterwegs und immer wieder erstaunt über die sehr unterschiedliche Sichtweise auf die traditionelle chinesische Medizin in China und im Westen.

Dass Vietnam nun die Tierquälerei mit der Bärengalle eindämmen will, ist sehr zu begrüssen.

Auch Tradition muss sich in Frage stellen lassen. Tradition hat nicht fraglos Recht. Das gilt natürlich für alle Arten und Methoden der Heilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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1 Antwort
  1. Petra
    Petra sagte:

    Ich sah vor einiger Zeit einen Bericht über die Haltung von Bären zur Gewinnung der Gallenflüssigkeit und man zeigte auch die Prozedur der armen Tieren. Man lässt sie hungern, damit sie – wenn es dann Futter gibt – in einen schmalen Käfig laufen, an dessen unterem Ende jemand steht und ihnen die Gallenflüssigkeit abzapft.
    Die Bilder haben mich so traurig gemacht. Was tun Menschen um des Profits willen der lebendigen Kreatur an….

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