WHO schlägt Alarm wegen Antibiotikaresistenzen

Immer mehr Bakterien entwickeln Antibiotikaresistenzen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt. Grund für diese gefährliche Entwicklung seien die zu häufige und allzu sorglose Anwendung von Antibiotika. «In Ermangelung dringender Korrektur- und Schutzmaßnahmen steuert die Welt auf ein post-antibiotisches Zeitalter zu, in dem viele gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden und, noch einmal, unvermindert töten», erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

In den EU-Ländern sterben nach den Angaben der WHO-Europazentrale in Kopenhagen jährlich 25 000 Menschen durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien, die häufig bei Krankenhausbehandlungen entstanden sind. Im vergangenen Jahr wurden gemäss WHO rund 440 000 neue Tuberkulose-Fälle in fast 70 Ländern gemeldet, gegen die eine Vielzahl von Medikamenten unwirksam blieben.

Das Problem der Resistenzen ist aber nicht auf Bakterien beschränkt: Malaria-Parasiten würden immer widerstandsfähiger gegen die neusten Medikamente, und auch bei speziellen Medikamenten gegen HIV tauche das Problem immer öfters auf.

«Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, weil die Resistenz gegen vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmaße erreicht hat und neue Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können», warnte die europäische WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab. Die Organisation verlangt deshalb unter anderem von den einzelnen Staaten, den Arzneimitteleinsatz zu regulieren, sowie mehr Forschung.

Für die 53 Mitgliedsländer der WHO-Europaregion existiert keine gemeinsame Statistik über Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen. Die Lage sei jedoch häufig «noch schlimmer» als in der EU, weil es in zahlreichen Staaten keine regulierte Anwendung antibiotischer Medikamente gebe.

Als Negativbeispiel erwähnt die WHO, dass Antibiotika in 14 von 21 osteuropäischen Ländern ohne ärztliches Rezept frei verkäuflich sind. Das würden unter anderem Landwirte nutzen, die ihren Tieren Antibiotika prophylaktisch verabreichten. Zahlreiche Ärzte würden Antibiotika außerdem «leichtfertig und unangemessen» zur Behandlung von Virus-Infekten wie Grippe und simplen Erkältungen verschreiben, obwohl diese gar nicht damit behandelt werden könnten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=37501&Nachricht_Title=Nachrichten_WHO+schl%E4gt+Alarm%3A+Die+Welt+ohne+Antibiotika&type=0&folder_id=37352

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin weit davon entfernt, ein fundamentalistischer Antibiotikafeind zu sein. Diese Medikamente sind zu wichtig für pauschale Feindbild-Spielchen.

Gerade wer den Wert dieser Arzneimittelgruppe erkennt muss aber tief besorgt sein über die gegenwärtige Entwicklung. Und es scheint, dass auch die seit vielen Jahren ertönenden Warnungen vor dem unkontrollierten Antibiotika-Einsatz ohne grosse Wirkung verpuffen.

Nötig wären schärfere Regeln und Kontrollen  in der Landwirtschaft, in der Veterinärmedizin und in der Humanmedizin.

In Teilbereichen, in denen Antibiotika weder nötig noch sinnvoll sind, könnten auch Heilpflanzen-Präparate als Alternative eine Rolle spielen.

Allerdings haben wir es hier mit einem weltweiten Problem zu tun.

Ich bin oft in China unterwegs und bin immer wieder entsetzt, wie dort ziemlich routinemässig Antibiotika ohne Rezept in Apotheken verkauft werden bei Indikationen, die einfach unsinnig sind. Eine sorgfältige Diagnostik muss Basis jeder Antibiotika-Therapie sein.

Das ist allerdings wohl nicht so einfach realisierbar in Ländern, in denen grosse Teile der Bevölkerung sich eine ärztliche Behandlung nur im Notfall leisten können.

Es ist daher sehr zu begrüssen, dass die WHO das Thema Antibiotikaresistenzen mit Nachdruck auf die Traktandenliste setzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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