Schüsslersalze – Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

In der Österreichischen Apothekerzeitung ist eine Diskussion entbrannt um die Schüsslersalze. Einerseits machen Apotheken erkleckliche Umsätze mit Schüsslersalzen. Andererseits ist deren Wirksamkeit nicht belegt und das zugrundeliegende Konzept fragwürdig.
Immerhin besteht weitgehend Übereinstimmung, dass Schüsslersalze gesundheitlich unbedenklich sind.
Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, hat die Unbedeklichkeit dieser Präparate nun allerdings mit Argumenten zu belegen versucht, die spezielle Aufmerksamkeit verdienen:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre: Wenn in einer Mineralwasserflasche 115 mg/l Kalzium (beispielsweise Vöslauer mild) angegeben sind, dann müsste man, wenn man die in Calcium phosphoricum D6 enthaltenen reinen Kalziumionen auf das im Mineralswasser enthaltene Kalzium umrechnet, 388 kg an Schüßler Salz Nr. 2 in D6 (1.552.000 Tabletten!)
täglich einnehmen, um auf die gleiche Menge wie in 1 Liter Mineralwasser zu kommen. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6. Ich frage mich, als wie gefährlich aus diesem Gesichtspunkt heraus Mineralwässer eingestuft werden müssten?“

Quelle:
http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-24.pdf
Österreichische Apotheker-Zeitung Nr. 24 /2010, S. 1419,

Kommentar & Ergänzung:
Tatsächlich, da stellt sich die drängende Frage, ob unsere Mineralwasser verglichen mit Schüsslersalzen nicht gefährlich überdosiert sind……..?  –  Oder vielleicht umgekehrt?

Ernsthaft:
388 kg Schüssler Salz Nr. 2 (1.552.000 Tabletten) entsprechen im Kalziumgehalt einem Liter Trinkwasser. Bei anderen Mineralstoffen ist das Verhältnis offensichtlich ähnlich absurd. Aber auf der Packung steht Calcium phosphoricum, das verglichen mit Mineralwasser nur noch in Mini-Mikro-Spuren vorhanden ist.

Und abgesehen von diesen eigentlich inexistenten Mineralstoffen bestehen die Tabletten aus Laktose, also Milchzucker. Weshalb trinke ich dann nicht gleich Mineralwasser? Und bei der guten Qualität unseres Trinkwasser, das Mineralwässer oft sogar überlegen ist – warum trinke ich nicht Trinkwasser. Es enthält alle Schüsslersalze in wesentlich ergiebigerer Dosierung.

Ah sorry, ich habe natürlich etwas Fundamentales vergessen. Schüsslersalze werden nicht nur verdünnt, sondern auch intensiv mit Milchzucker verrieben – bei Calcium phosphoricum D6 in sechs Schritten.
Aber Mineralwasser wird doch auch geschüttelt? Und die Verschüttelung ist in der Homöopathie bei Flüssigkeiten eine ebenbürtige Potenzierungsmethode.
Valserwasser zum Beispiel wird per Lastwagen von Vals nach Ilanz gefahren. Ziemlich kurvenreiche Strasse. Spätestens in Illanz müsste eigentlich eine Top-Verschüttelung erreicht sein. Und dann erst auf der Rhätischen Bahn (RhB) durch die Rheinschlucht! Ein „Kraftort“!!

Auch mein Trinkwasser wird verschüttelt. Spätestens wenn es aus dem Hahn ins Glas strömt. Oder gilt das nicht? Zu grosse Fallhöhe?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:
„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten. Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Dass die Empfehlungen sehr unterschiedlich ausfallen, sieht man auch bei Testkäufen in der Schweiz. Es zeigt sich hier eine hochgradige Beliebigkeit. Das ist aber nicht weiter schlimm. Da wir alle täglich Mineralwasser oder Trinkwasser zu uns nehmen, gleicht sich ja jede verpasste Einnahme sogleich aus.
Allerdings haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass ein teures Placebo besser wirkt als ein billiges Placebo.

Überraschender Placeboerfolg bei Schmerztherapie
Vielleicht sind Trinkwasser und Mineralwasser einfach zu billig, und man sollte den Preis demjenigen der Schüsslersalze angleichen, damit auch die Wirkungen äquivalent sein können.

Es kommt aber noch besser:

„In drei Apotheken wurden die Salze ohne Nachfrage ausgehändigt. Ein Apotheker verwies die Testperson an einen erfahrenen Homöopathen. In drei Apotheken wurde in Verbindung mit der Schüssler-Methode zu einer Antlitzanalyse geraten. Dabei soll das Betrachten des Gesichtes Aufschluss über die dem Patienten fehlenden Mineralien geben. In zwei Apotheken wurde diese Antlitzanalyse auch durchgeführt, wobei sich zeigte, dass in Verbindung mit einer derartigen Analyse deutlich mehr Präparate empfohlen werden. Im extremsten Fall wurde dann zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“
(Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test)

Die Antlitzanalyse, ein höchst obskures Verfahren, dient also der zusätzlichen Umsatzsteigerung. Und 140 Laktose-Tabletten sind bezüglich Kalorienzufuhr, osmotische Abführwirkung und Kariesförderung vielleicht doch nicht so unbedenklich…..
Hier scheint sich eine neue Empfehlung für die Gesundheitsförderung zu etablieren, die da lautet:
„Fresst Tabletten, und wenn es schon keine ‚Chemie’ mehr sein soll, dann fresst wenigstens Laktose-Tabletten!“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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