Johanniskraut & Sonnenlicht

Das photosensibilisierende Potenzial von Johanniskraut (Hypericum perforatum) werde dramatisch überschätzt, schreibt die Firma Steigerwald in einer Pressemitteilung.

Nur bei wiederholter Einnahme sehr hoher Hypericum-Extrakt-Konzentrationen, wie sie beispielsweise in der antiviralen Therapie von HIV-Patienten zum Einsatz kommen, könnte mit einer gesteigerten Lichtempfindlichkeit der Haut, also einer Photosensibilisierung, zu rechnen sein. Dieser spezifische Indikationsbereich benötigt allerdings ein Mehrfaches der für Johanniskraut zugelassenen Tagesdosis, nämlich mindestens 2000 mg. Die für die Therapie von Depressionen behandlungsrelevanten Dosierungen seien hingegen in aller Regel viel zu tief, um eine phototoxische ­Reaktion hervorrufen zu können.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=34095&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text basiert zwar auf einer Pressemitteilung von Steigerwald, einem Hersteller von Heilpflanzen-Präparaten auf der Basis von Johanniskraut-Extrakt. Es gibt aber schon seit einiger Zeit Hinweise aus anderen Quellen, wonach die Photosensibilisierung durch Johanniskraut-Extrakte nicht so stark ist, wie dies oft dargestellt wird.

Klar ist aber, dass sinnvollerweise während einer Johanniskraut-Behandlung intensive Sonnenbestrahlung vermieden werden sollten – das ist sowieso empfehlenswert auch ohne Johanniskraut-Einnahme.

Der Hinweis im Text auf eine antivirale Therapie bei HIV-Patienten mit Hypericum-Extrakt ist meines Erachtens fragwürdig, weil er falsche Hoffnungen machen kann.

Setzt man HIV-verseuchten Blutkonserven den Johanniskraut-Wirkstoff Hypericin zu und setzt man diese anschliessend einer kurzen Lichtbestrahlung aus, so werden die HIV-viren inaktiviert. Was im Labor prompt funktioniert, lässt sich aber nicht so einfach auf HIV-Patienten übertragen. Bereits 1999 wurde eine erste klinische Studie publiziert, in welcher sich unter Hypericin-Therapie die Viruslast bei HIV-Patienten nicht reduzierte, hingegen kam es bei den meisten teilnehmenden Personen zu schweren phototoxischen Reaktionen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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